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Intersport spinnt!

“Wandern liegt voll im Trend”, schreibt bild.de, und womöglich stimmt das sogar. Interessant ist aber, dass bei dem Artikel nicht nur “10 wichtige Wander-Tipps” stehen, die der Deutsche Wanderverband freundlicherweise zusammengestellt hat, sondern auch “tolle Angebote für Ihre Wanderausrüstung”, die die Sportartikelfirma Intersport freundlicherweise zusammengestellt hat. Das Wort “Intersport” taucht schon in der Internetadresse der Wander-Trend-Geschichte von bild.de auf (“www.bild.t-online.de/BTO/sport/intersport/wandern/…”), was den Verdacht nahe legt, dass die Shopping-Angebote nicht passend zum Artikel zusammengestellt wurden, sondern der Artikel überhaupt nur geschrieben und mit anderen zusammengestellt wurde (siehe Ausriss oben), um zu den Shopping-Angeboten zu führen.

Seit dem Frühjahr befindet sich unter den Sportmeldungen von Bild Online meistens eine mit der Dachzeile “Intersport spinnt”. Dahinter finden sich kritische, journalistisch-fundierte Berichte mit Überschriften und Textzeilen wie diesen:

INTERSPORT beweist Teamgeist mit völlig verrückten Preisen.
An alle Kids: Die Sommerferien sind gerettet! Ob Regen oder Sonnenschein – die neuen supergünstigen Angebote von INTERSPORT lassen garantiert keine Langeweile aufkommen!
Ob Schwarzwald, Fichtelgebirge oder Schwäbische Alb – für den perfekten Tag unterwegs sorgen supergünstige Angebote in allen teilnehmenden INTERSPORT-Fachgeschäften.
Selbstverständlich spielen dabei die kompetente Beratung sowie die dazugehörigen Service-Leistungen eine wichtige Rolle.
etc. etc.

Jeder dieser Artikel führt am Ende zur nächsten Intersport-Filiale oder zum Internet-Online-Shop. Wer genau hinguckt und den Kopf verdreht, wird gelegentlich auch einmal das Wort “Anzeige” entdecken, aber an allen entscheidenden Stellen fehlt es; auf das sonst gern verwendete “Shop-Tipp”-Logo mit dem kleinen Einkaufswagen verzichtet bild.de hier.

Aber hey, wenn Intersport nun schon seit Monaten ununterbrochen “spinnt”, wäre es doch journalistisch fahrlässig, da nicht immer und immer wieder drauf hinzuweisen. Oder?

Werbung muss als solche klar erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote eindeutig getrennt sein.

Steht im Mediendienstestaatsvertrag. Und der gilt auch für Bild Online. Theoretisch.

Herausgabe nicht freiwillig, Erdoğan kapert Sender, KI-Debatte

1. “Zeit”-Chef: Tonaufnahmen zu Block-Prozess nicht freiwillig herausgegeben
(n-tv.de)
Die Darstellung des Hamburger Landgerichts, eine Redakteurin habe rund 80 Stunden Tonaufnahmen zum Block-Prozess freiwillig ausgehändigt, sei grotesk, widerspreche “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Die Redaktion sei massiv unter Druck gesetzt worden. Man habe mit der Übergabe lediglich eine Durchsuchung abwenden und die Beschlagnahme weiteren Materials verhindern wollen. An einen vergleichbaren Übergriff könne er sich in seiner Amtszeit nicht erinnern.
Weiterer Lesetipp: Auch die betroffene Redakteurin widerspricht dem Landgericht: “Die ‘Zeit’-Journalistin Anne Kunze hat der Darstellung des Hamburger Landgerichts zur Herausgabe von Tonaufnahmen aus ihrer Recherche zum Fall Christina Block widersprochen. Von einer freiwilligen Übergabe könne keine Rede sein”. (t-online.de)

2. Wie Kinder vor Social-Media-Gefahren geschützt werden sollen
(lto.de)
Noch vor Inkrafttreten geplanter EU-Vorgaben wolle die Bundesregierung eigene Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche in Sozialen Netzwerken umsetzen. Ein vom Kabinett beschlossenes Eckpunktepapier sehe ein Nutzungsverbot für Personen unter 13 Jahren auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat vor. Ausgenommen seien lediglich kindgerechte Angebote. Für 13- bis 18-Jährige seien abgestufte Nutzungslimits und elterlich beaufsichtigte Konten geplant. Die Bundesregierung begründe den Vorstoß mit gravierenden Folgen für Psyche, Schulleistungen und Lesekompetenz sowie mit Risiken durch Cyber-Grooming und Mobbing.

3. Ab jetzt nur noch Propaganda der türkischen Regierung
(taz.de)
Im Zuge einer Razzia im Morgengrauen hätten türkische Polizeikräfte das Gebäude des oppositionsnahen Fernsehsenders Halk TV gestürmt. Die Justiz habe den Sender unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt und die Beschlagnahmung von Unternehmen des Senderchefs Cafer Mahiroğlu angeordnet. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft ermittle wegen mutmaßlicher Bestechung, Ausschreibungsbetrugs und Geldwäsche. Mahiroğlu habe die Anschuldigungen als haltlos zurückgewiesen und der Regierung von Recep Tayyip Erdoğan vorgeworfen, die Justiz als Waffe zu missbrauchen.

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4. Beziehungsstatus: ungeklärt
(journalist.de, Christian Meier & Stephan Weichert)
Die Debatte über Künstliche Intelligenz im Journalismus kreise um die falschen Fragen, kritisieren Medienjournalist Christian Meier und Medienwissenschaftler Stephan Weichert. Ein krampfhaftes “menschliches Reinheitsgebot” helfe bei der Vertrauenskrise nicht weiter. Menschliche Autorenschaft sei spätestens seit der Relotius-Affäre kein Garant für Wahrhaftigkeit. Die maßgebliche Trennlinie verlaufe nicht zwischen Mensch und Maschine, sondern zwischen verantwortungsvollem und verantwortungslosem Handeln.

5. Streamingdienste brauchen Standards
(verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi fordert gesetzliche Vorgaben für globale Streamingdienste, um faire Arbeitsbedingungen und soziale Nachhaltigkeit bei Film- und Serienproduktionen abzusichern. Beim Mediendienste-Investitionsverpflichtungs-Gesetz fehle bislang ein Hebel für Tarifbindung und Altersvorsorge, kritisiert Christoph Schmitz-Dethlefsen, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand. Die Gewerkschaft schlägt vor, dass Produktionskosten bei Einhaltung von Tarif- und Umweltstandards mit einem höheren Faktor auf die geforderte Reinvestitionsquote angerechnet werden sollen. Verdi habe dazu eine Stellungnahme (PDF) eingebracht.

6. Netflix kündigt Streichung von rund 1.000 Stellen an
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Streaming-Marktführer Netflix wolle weltweit rund sechs Prozent seiner Belegschaft abbauen. Medienberichten zufolge seien davon rund 1.000 Arbeitsplätze betroffen, vor allem in den Bereichen Produkt, Technik, Recht und Personal. Die Co-CEOs würden den Schritt intern mit nötiger Disziplin und strategischen Neupriorisierungen begründen, um Ressourcen für zukunftsträchtige Wachstumsfelder wie Sport-Liveübertragungen, Gaming und Video-Podcasts freizumachen.

KW 41/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Die AfD schlagen – geht das mit Social Media?
(youtube.com, Anne Will, Video: 1:53:10 Stunden)
In einer Live-Ausgabe ihres Podcasts “Politik mit Anne Will” diskutiert Will mit ZDF-Journalistin Nicole Diekmann und Wahlkampfmanagerin Lilly Blaudszun über digitale Strategien gegen den politischen Rechtsruck. Blaudszun, die die jüngste Wahlkampagne von SPD-Politikerin Manuela Schwesig leitete (unter anderem “Frau gegen Blau”), schildert, wie gezielte Videoclips und klare Themensetzungen helfen. Diekmann analysiert das Beharrungsvermögen traditioneller Parteien mit ihren steifen Pressemitteilungsformaten sowie den grassierenden Hass gegen Frauen auf Plattformen wie X.

2. Wie wir aus China berichten
(youtube.com, Lea Sahay & Gregor Scheu, Video: 1:12:33 Stunden)
Wie arbeitet man eigentlich als Auslandskorrespondent in einem Land, in dem Pressefreiheit stark beschnitten ist, Überwachung zum Alltag gehört und Gesprächspartner vorsichtig sein müssen? Die China-Korrespondentin Lea Sahay und ihr Kollege Gregor Scheu sprechen über ihre Arbeitsbedingungen, den wachsenden Druck vor Ort sowie den Wandel ihres journalistischen Alltags und Selbstverständnisses in der Volksrepublik. Wer noch mehr über China wissen will: In ihrem Podcast “China und wir” berichten Sahay und Scheu “über die neue Supermacht China und wie sie die Welt und uns alle verändert”.

3. Marinićs Freiheit: Lese-Hype, Autorinnen changing everything, “Die Lücken” und “Anton und Alma”
(ardsounds.de, Jagoda Marinić, Audio: 36:56 Minuten)
Auf der diesjährigen Shortlist für den Deutschen Buchpreis standen fünf Schriftstellerinnen, gewonnen hat Shida Bazyar mit “Die Lücken”. Jagoda Marinić nimmt das in ihrem Podcast “Marinićs Freiheit” zum Anlass für einen Blick auf den Wandel der Buchbranche und die bessere Stellung von Frauen: “Ich will euch erzählen von dieser inspirierenden Bewegung in dem einst hart umkämpften Literaturbetrieb. Ich frage mich, verändert sie sich wirklich, diese Branche, die so lange Zeit von Männern und auch einem krassen Konkurrenzkampf dominiert wurde?”

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4. Die Kunst der großen Sportreportage
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 42:08 Minuten)
Früher hätten Berichterstatter nachts mit Fußballern an der Hotelbar gesessen, heute würden PR-Stäbe und Vereinssender die Stars abschirmen. Im Podcast “Satzzeichen” spricht der langjährige Sportjournalist Alex Steudel über den drastischen Wandel seines Ressorts. Anlass ist seine Anthologie mit herausragenden deutschsprachigen Sportreportagen aus 100 Jahren. Im Gespräch mit Christian Jakubetz analysiert er, wie schrumpfende Redaktionsbudgets, Klickdruck und der Verlust von Recherchezeit die aufwändige Langform verdrängen.

5. Lautstärke runter, Publikum rein – Was Museen und Radio voneinander lernen können
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 47:54 Minuten)
Im Medienpodcast “Nach Redaktionsschluss”, aufgezeichnet auf dem b° future festival, diskutieren Christiane Florin vom Deutschlandfunk und Simone Mergen vom Haus der Geschichte darüber, wie öffentlich-rechtliche Medien und Museen in polarisierten Zeiten Vertrauen stiften und ihr Publikum erweitern können. Das Museum setze mit der Neukonzeption seiner Dauerausstellung “Du bist Teil der Geschichte” gezielt auf Reduktion, Partizipation und die Einbindung migrantischer Lebensrealitäten. Der Sender bemühe sich, Distanz und Publikumsnähe in Einklang zu bringen.

6. Satire: der bessere politische Journalismus?
(ardsounds.de, Johannes Leininger, Audio: 28:11 Minuten)
Formate wie die “heute-show”, das “ZDF Magazin Royale” oder das BR-Magazin “quer” würden verlässlich gute Quoten erreichen und den politischen Diskurs oft stärker prägen als klassische Nachrichtensendungen. Im Podcast “BR24 Medien” geht Johannes Leininger der Frage nach, warum satirische Aufbereitung in Zeiten komplexer Krisen so gut funktioniert und wie viel Ausgewogenheit der öffentlich-rechtliche Rundfunk dabei verlangt. Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw und “quer”-Redaktionsleiter Christoph Thees geben Antworten.

Malta vs. Wittmann, Bühne für Rechtsextreme, Mentale Belastungen

1. Gerichtsurteil stärkt Meinungs- und Pressefreiheit
(netzpolitik.org, Esther Menhard)
Das Landgericht Berlin habe eine von der maltesischen Glücksspielbehörde MGA erwirkte einstweilige Verfügung gegen die IT-Sicherheitsexpertin Lilith Wittmann in weiten Teilen aufgehoben. Wittmann hatte über Sicherheitslücken Dokumente zu mutmaßlich illegalem Glücksspiel beschafft, an Ermittlungsbehörden sowie Medien weitergegeben und der MGA Beihilfe zu organisierter Kriminalität vorgeworfen. Nach dem Urteil darf Wittmann zwar nicht erneut in das System der Behörde eindringen, die Weitergabe und journalistische Verwertung der beschafften Unterlagen sowie ihre öffentlichen Äußerungen seien jedoch als zulässige Meinungsäußerungen geschützt. Trotz des Teilerfolgs bleibe Wittmann auf Verfahrenskosten von bis zu 20.000 Euro sitzen.

2. Hat Dobrindt Eralp strafbar als Anti­se­mitin belei­digt?
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp habe Strafanzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede gegen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erstattet, nachdem dieser in der Talksendung von Maybrit Illner auf den Satz, Eralp sei keine Antisemitin, mit “Na doch” reagiert habe. Juristisch sei eine Verurteilung wegen der Mehrdeutigkeit von Dobrindts Zwischenruf und des weiten Schutzes politischer Meinungsäußerungen äußerst unwahrscheinlich, schreibt Felix W. Zimmermann. Zudem berge Eralps Schritt ein kommunikatives Risiko: Werde das Verfahren eingestellt, könnten Schlagzeilen drohen, die sagen, dass die Bezeichnung rechtlich zulässig sei.

3. Wie neue Kampfsportformate Rechtsextremen eine Bühne bereiten
(belltower.news, Steffen Krapf)
Nach dem Verbot beziehungsweise dem Aus klassischer Neonazi-Turniere wie dem “Kampf der Nibelungen” fänden militante Rechtsextreme zunehmend in kommerziellen europäischen “Underground Fightclubs” eine neue Plattform. Formate wie das schwedische “King of the Streets”, das polnische “Gromda” oder die deutsche “Ruhrpott Fighting Championship” würden mit regellosen Kämpfen und Bareknuckle-Boxen millionenfach Klicks im Internet erzielen.

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4. Mentale Belastungen im Journalismus
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Existenzängste, Personalmangel, Klickzahldruck, Anfeindungen sowie Verunsicherung durch generative KI würden insbesondere im Printjournalismus zu einer massiven Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens der dort arbeitenden Personen führen. Studien des European Centre for Press and Media Freedom, der Universität Bielefeld und der Ludwig-Maximilians-Universität München würden ein erhöhtes Burnout-Risiko belegen. Ökonomischer Druck und Überlastung seien für viele Journalistinnen und Journalisten fester Bestandteil des Berufsalltags. Als niedrigschwellige Gegenmaßnahme biete das Netzwerk Recherche mit seiner Initiative “Helpline” ein vertrauliches Beratungsangebot auf Augenhöhe.

5. Trump lässt alten Wahlkampfspot ausstrahlen, finanziert mit Steuergeld
(spiegel.de)
Finanziert mit Steuergeldern strahle die US-Regierung im Vorfeld der Midterms einen Fernsehspot aus Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2024 aus. Das 30-sekündige Schwarz-Weiß-Video, in dem Trump vor einem “finalen Kampf” gegen “Globalisten”, “Kriegstreiber” und den “Deep State” spreche, sei lediglich in seinem Schlusssatz von einem Wahlaufruf zu einem Regierungsdisclaimer geändert worden. Abgeordnete beider Parteien würden den offensichtlich politischen Charakter kritisieren. Das Weiße Haus verteidige den Spot als “öffentliche Bekanntmachung”.

6. Hacker greifen Daten von SRF-Journalisten ab
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) sei Ziel eines Cyberangriffs geworden, bei dem Kontakt- und Organisationsdaten aus dem Jahr 2020 von rund 340 aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwendet worden seien. Betroffen sei primär journalistisches Personal der SRF-Informationseinheit. Erbeutet worden seien Namen, Funktionen sowie dienstliche und teils private Kontaktdaten. Die SRG habe die betroffenen Zugänge gesperrt, Anzeige erstattet und erklärt, die Lage sei unter Kontrolle. Hinweise auf einen Abfluss von Passwörtern, Bankdaten, Rechercheinhalten oder journalistischen Quellen lägen derzeit nicht vor.

KW 38/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

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1. Macht, Medien, Maschinen – Bedroht KI die Demokratie?
(ardmediathek.de, Anke Plättner, Video: 44:56 Minuten)
Bei Phoenix debattieren Medienwissenschaftler Martin Andree, Journalist Markus Beckedahl, Lokalreporterin Manuela Müller sowie Ippen-Chefredakteur Markus Knall über die Folgen von Künstlicher Intelligenz für Öffentlichkeit und Journalismus. Andree und Beckedahl warnen vor einer Übermacht US-amerikanischer Digitalmonopole, die Werbemärkte absaugen sowie Distributionswege kontrollieren, und fordern strengere Plattformhaftung sowie Werberegulierungen. Aus redaktioneller Sicht sieht Knall in KI ein unverzichtbares Werkzeug, während Müller betont, dass die persönliche Vor-Ort-Recherche und Einordnung durch Menschen unersetzlich bleiben.

2. KI-Gefahr: Was Desinformation mit dem Journalismus macht
(youtube.com, Mirko Drotschmann, Video: 16:21 Minuten)
Mirko Drotschmann (“MrWissen2go”) analysiert die wachsende Bedrohung von Demokratie und Journalismus durch KI-generierte Desinformation. Automatisierte Fälschungen bis hin zu Deepfakes von Politikerinnen und Politikern würden sich heute mit minimalem Aufwand erstellen und über Bot-Netzwerke rasant verbreiten lassen. Dahinter stehe die enorme Marktmacht weniger US-Technologiekonzerne, deren Algorithmen auf Interaktion ausgelegt seien und die sich weitgehend staatlicher Regulierung entzögen. Als Gegenpol hebt Drotschmann die Rolle des professionellen Journalismus hervor.

3. Journalismus im Abseits? Die Kommunikationsstrategie des DFB
(ardsounds.de, Johannes Leininger, Audio: 22:24 Minuten)
Moderator Johannes Leininger diskutiert bei “BR24 Medien” mit Sportjournalismus-Forscherin Inga Oelrichs und “SZ”-Sportpolitik-Redakteur Johannes Aumüller über den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Medienunternehmen. Mit eigenen Social-Media-Kanälen und dem Pay-TV-Sender DFB.TV setze der Verband verstärkt auf “Owned Media Content” mit exklusiven Dokus und Interviews. Dies werfe die Frage auf, ob dadurch der kritische Sportjournalismus verdrängt wird. Außerdem geht es in der Sendung um das Verhältnis von Bundestrainer Jürgen Klopp zur Presse und die historisch angespannte Beziehung zwischen Sportjournalismus und mächtigen Verbänden.

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4. Wofür brauchen wir das ZDF noch?
(lagedernation.org, Ulf Buermeyer & Philip Banse, Audio: 1:12:38 Stunden)
In der aktuellen Folge von “Lage der Nation” sprechen Philip Banse und Ulf Buermeyer mit ZDF-Intendant Norbert Himmler über die Zukunft und Daseinsberechtigung des öffentlich-rechtlichen Senders. Schwerpunkte des Gesprächs sind die Existenzberechtigung des dualen Systems aus ARD und ZDF, die Rolle und Aufgaben eines Intendanten, die Zusammensetzung der Rundfunkgebühr sowie der interne Sparkurs des Senders. Zudem diskutieren sie über öffentlich-rechtliche Unterhaltung, neue Zielgruppenansprachen via Social Media und “snackable Content”.

5. Seriös oder spekulativ? Medien über Merz | Immer mehr Video: Podcast-Trend
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 23:58 Minuten)
Anh Tran präsentiert bei “mediasres” verschiedene interessante Medienthemen: Im Interview ordnet “Zeit”-Journalist Robert Pausch die spekulativen medialen Personaldebatten um Bundeskanzler Friedrich Merz nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein. Ein Vor-Ort-Bericht aus Kyjiw zeigt, wie ukrainische Investigativjournalisten trotz russischer Angriffe verstärkt interne Korruption recherchieren, um staatliche Institutionen zu stärken. Zudem analysiert die Sendung den rasanten Boom von Video-Podcasts, die laut Online-Audio-Monitor insbesondere bei jüngeren Zielgruppen stark wachsen.

6. Alltag, Auto, Auffindbarkeit: Der Online-Audio-Monitor 2026
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 20:51 Minuten)
Podcast-Host Lukas Schöne bespricht bei “This is Media Now” die aktuellen Ergebnisse des Online-Audio-Monitors. Die Audionutzung bleibe insgesamt stabil, allerdings würden jüngere Zielgruppen zunehmend zu Streaming und Podcasts auf Plattformen wie Spotify abwandern. Branchenvertreter sähen das Radio zwar weiterhin als wichtiges lokales “Lagerfeuer”, würden jedoch vor schwieriger Refinanzierung und Datenmonopolen durch globale Plattformen warnen.

AfD-Normalisierer Lanz?, Musk droht Doku-Machern, “Sie belügen euch”

1. Markus Lanz, die AfD und der lässige Wiederaufbau unser Demokratie
(substack.com, Dirk Laabs)
Investigativjournalist Dirk Laabs wirft dem ZDF-Talkmaster Markus Lanz vor, durch unkritisches Diskursmanagement und Quotenfixierung maßgeblich zur Normalisierung der AfD beigetragen zu haben. Ausgehend von einer Begegnung im Jahr 2018, bei der Lanz bereits pauschalisierende Narrative über Migration bedient habe, zeichnet Laabs die Entwicklung der Talkshow nach. Dass sich Markus Lanz nun bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises mit Durchhalteparolen als Retter der Demokratie inszeniere, sei scheinheilig und zeuge von gefährlicher Realitätsverweigerung.

2. Menschengecodete Krise
(taz.de, Marie Kilg)
In der “taz” kommentiert Marie Kilg die “menschengecodete Krise”. Die Debatte um existenzielle Bedrohungen durch Künstliche Intelligenz, ausgelöst durch den öffentlichkeitswirksamen Abgang des Anthropic-Entwicklers Jacob Coxon, verschleiere die eigentliche Ursache der Risiken: Hinter jedem autonomen Schadenspotenzial stünden menschliche Entscheidungen, Trainingsdaten und gezielt programmierte Schleifen. Sprachmodelle würden nicht eigenständig handeln, sondern von Entwicklern mit Werkzeugen und Zielen ausgestattet. Der Vorstoß führender US-Tech-Konzerne für eine angebliche Selbstregulierung diene vor allem dem Schutz der eigenen Marktanteile vor Konkurrenten.

3. Musk droht Machern von kritischer Doku über ihn Klagen an
(derstandard.at)
Elon Musk habe den Machern eines Dokumentarfilms über den Tech-Milliardär mit rechtlichen Schritten gedroht. Musks Anwalt Alex Spiro werfe Regisseur Alex Gibney sowie beteiligten Unternehmen wie HBO und Universal vor, in dem beim Filmfestival von Venedig uraufgeführten Film “Musk” gezielt Falschinformationen und Diffamierungen zu verbreiten. Unter anderem habe das Filmteam einen Vorab-Faktencheck mit Elon Musks Umfeld abgelehnt und unbelegte Thesen über eine Wahlmanipulation via Starlink transportiert. Die Produktionsfirma Jigsaw habe die Vorwürfe zurückgewiesen. Eine kritische Auseinandersetzung mit einflussreichen Persönlichkeiten sei elementarer Bestandteil der Meinungsfreiheit.

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4. Kann die “Humanisierung” des Journalisten Medienvertrauen schaffen?
(de.ejo-online.eu)
Die Forscherin und Journalistin Emilie Gambade habe in ihrer Doktorarbeit untersucht, wie das gezielte Ablegen der distanzierten “professionellen Maske” das schwindende Vertrauen in Medien wiederherstellen kann. Da Glaubwürdigkeit zunehmend über intuitive, emotionale Resonanz bewertet werde, helfe das Sichtbarmachen von Verwundbarkeit und persönlicher Motivation dabei, parasoziale Bindungen aufzubauen. Am Beispiel ihrer Doku-Serie “The Messenger” plädiert Gambade dafür, Journalistinnen und Journalisten nahbar als vollwertige Menschen mit eigenen Werten und Schwächen zu porträtieren.

5. Mentoring für mehr Vielfalt
(verdi.de, Till Schmidt)
Das Projekt “Mentoring@NRW” fördere Nachwuchskräfte mit Zuwanderungsgeschichte beim Einstieg in den Journalismus, um der sozialen Selektion durch unbezahlte Praktika entgegenzuwirken. Wie Projektleiterin Anna Kravčíková berichte, habe die Initiative seit ihrem Start vor sechs Jahren über 60 Talente in Medienhäuser vermittelt. Wegen finanzieller Kürzungen weiche das Programm nun auf ein intensives Camp-Format für 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus, das Themen wie Bezahlung, Story-Pitches und Rassismuserfahrungen adressiere. Ein besonderer Fokus liege dabei auf dem Lokal- und Regionaljournalismus.

6. Sie belügen euch und werden reich damit
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 18:44 Minuten)
Mats Schönauer deckt in diesem Video auf, wie mit KI-generierten Inhalten (“KI-Slop”) auf Social-Media-Plattformen massenhaft Klicks und Geld generiert werden. Als Beispiel dient der reichweitenstärkste deutsche YouTube-Kanal “Tsuriki Show”, der Milliarden Aufrufe mit automatisiert wiederholtem KI-Trash erziele. Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

KW 34/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

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1. AfD im Wahlkampf: Angriff auf ARD und ZDF
(ndr.de, Lea Eichhorn, Video: 21:56 Minuten)
Im Vorfeld der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt untersucht das NDR-Medienmagazin “Zapp”, gewissermaßen in eigener Sache, die Pläne der AfD, den Medienstaatsvertrag zu kündigen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf einen steuerfinanzierten “Grundfunk” zu reduzieren. NDR-Justiziar Michael Kühn fasst die Kündigungsdrohungen als verfassungswidrigen Angriff auf die freie Medienordnung zusammen. Das jetzige System habe seinen Grund: “Das sind die Lehren aus dem Dritten Reich”, so Kühn.

2. REICH – Das Geschäft mit dem Zweifel
(ardsounds.de, Patrick Stegemann, Audio: fünf Folgen, je zwischen 30 und 40 Minuten)
In dieser fünfteiligen investigativen Podcast-Reihe deckt ein Journalistenteam auf, wie einflussreiche Lobbyorganisationen, Denkfabriken und PR-Strategen gezielt wissenschaftliche Erkenntnisse relativieren. Das System sei historisch für die Tabak- und Alkoholindustrie entwickelt worden. Heute werde es vor allem von Öl- und Gaskonzernen für deren Desinformations- und Medienkampagnen genutzt.

3. Warum sind Sportlerinterviews immer so nichtssagend?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 24:11 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast unterhält sich Holger Klein mit Christian Spiller, dem Leiter des Sportressorts bei der “Zeit”. Es geht um Sinn und Zweck von Sportlerinterviews bei Großereignissen oder nach Spielen und Wettkämpfen: “Welche Interviews haben bei der Leichtathletik-EM für Aufsehen gesorgt? Wieso geben Fußballer meist so langweilige Antworten? Und wie könnte man das ändern?”

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4. DAS ist die dümmste ZDF-Talkshow des Jahres!
(youtube.com, Maurice Höfgen, Video: 1:08:59 Stunden)
Der Ökonom und Publizist Maurice Höfgen kritisiert die ZDF-Talkshow von Sarah Tacke und wirft sowohl der Redaktion als auch den Gästen gravierende ökonomische Fehlurteile sowie mangelhafte Faktenprüfung vor. Die Live-Zuschauerumfrage zur Arbeitszeit sei methodisch unbrauchbar, faktische Falschaussagen seien in der Runde unwidersprochen geblieben. Der anschließende redaktionelle Erklärungsversuch in den Sendungskommentaren habe das Problem nicht behoben.

5. Die dümmste Zeitschrift Deutschlands
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 19:45 Minuten)
Mats Schönauer zerlegt in seinem Video die Mechanismen der Regenbogenpresse am Beispiel der Zeitschrift “Meine Freizeit”. Er zeigt auf, wie Verlage mit reißerischen, oft nicht direkt justiziablen, aber vollkommen irreführenden Titelschlagzeilen hunderttausende Exemplare pro Jahr absetzen. Außerdem geht es um redaktionelle Schleichwerbung, ungekennzeichnete PR-Texte sowie absurde Ratgeber-Inhalte.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

6. Warum wir das Kino noch brauchen
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 26:47 Minuten)
Im Gespräch mit Gastgeber Christian Jakubetz erörtert Matthias Helwig, Kinobetreiber und Leiter des “Fünf Seen Filmfestivals”, warum es Millionen von Menschen immer noch regelmäßig ins Kino zieht. Es geht aber auch um die strukturellen Herausforderungen der Branche und den wachsenden Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Filmproduktion.

KW 29/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

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1. Berichten über Rechtsaußen: Wie covert man die AfD?
(youtube.com, Maria Exner, Video: 1:16:23 Stunden)
Im Interview mit Maria Exner von Publix berichtet “Spiegel”-Politikredakteurin Ann-Katrin Müller über ihren von massiven Sicherheitsmaßnahmen geprägten Alltag als AfD-Reporterin. Die extreme Rechte nutze kritische Journalistinnen und Journalisten gezielt als Feindbild und werfe sie der eigenen Anhängerschaft “zum Fraß vor”. Dass ihr dennoch regelmäßig exklusive Enthüllungen gelingen, liege an den brutalen internen Machtkämpfen der Partei: “Die hassen sich untereinander mehr als mich.” Müller kritisiert zudem die sprachliche Verharmlosung in den Leitmedien. Der Begriff “rechtspopulistisch” greife längst zu kurz, die AfD sei eine rechtsextreme Partei.
Weiterer Gucktipp: Melanie Amann – Müssen wir anders mit der AfD umgehen?: “Brauchen wir den klassischen Journalismus überhaupt noch, wenn Podcaster mit stundenlangen Höcke-Interviews ein Millionenpublikum erreichen? Melanie Amann, Chefredakteurin Digital der Funke Mediengruppe und langjährige ‘Spiegel’-Journalistin, stellt sich im Podcast ‘Zwischen den Zeilen’ bei Bettina Böttinger der existenziellen Krise ihrer Branche.” (youtube.com, Bettina Böttinger, Video: 1:11:58 Stunden)

2. Wen erreichen Newsfluencer und News Creator und warum?
(leibniz-hbi.de, Kristina Kobrow, Audio: 44:01 Minuten)
Laut der deutschen Teilstudie des Digital News Report 2026 des Reuters Institute (PDF) nutzen 13 Prozent der erwachsenen Internetuser in Deutschland Inhalte von sogenannten Newsfluencern oder News Creatoren. Bei den 18- bis 24-Jährigen seien es sogar 30 Prozent. Im Podcast “BredowCast” betonen Julia Behre und Sascha Hölig, dass diese Internet-Persönlichkeiten klassische Nachrichtenangebote nicht ersetzen, sondern vielmehr das Spektrum stark nachrichteninteressierter Menschen erweitern würden. Das Vertrauen in etablierte Medien leide durch die Nutzung nicht. Ausschlaggebend für den Erfolg von Newsfluencern seien andere Nutzungsmotive: Ihre Inhalte würden oft unterhaltsamer, verständlicher und leichter zugänglich wirken.

3. Entertainment und zu viele Experten: Die Medienbilanz der Fußball-WM
(ardsounds.de, Ingo Lierheimer, Audio: 27:16 Minuten)
Das Magazin “BR24 Medien” zieht eine kritische Medienbilanz der fünfwöchigen Fußball-Weltmeisterschaft. Trotz massiver politischer Zündstoffthemen abseits des Rasens hätten Medien das von FIFA-Chef Gianni Infantino forcierte Superlativ-Narrativ bereitwillig bedient. Statt investigativer Tiefe habe in der Berichterstattung die reine Event-Inszenierung dominiert. Kritisiert wird zudem eine regelrechte Inflation an Studio-Expertinnen und -Experten, die kaum Mehrwert böten, sowie ein zur Unterhaltung neigender Sportjournalismus, der sich zum PR-Verlängerungsarm der FIFA-Interessen mache.

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4. Lokal ist nicht egal! (mit Dennis Rink)
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 1:05:52 Stunden)
“Wer verstehen will, wie Demokratie funktioniert, muss nicht nach Berlin schauen. Oft reicht ein Blick vor die Haustür, in den Stadtrat, in die Ortsbeiräte um die Ecke. Genau dort entsteht Politik, die die Menschen im Alltag betrifft. Doch wer berichtet darüber? Wer schaut den Verantwortlichen auf die Finger? Und wer macht Themen sichtbar, die sonst kaum jemand bemerken würde?” Darüber sprechen die “Medienversteher” Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer mit Dennis Rink, dem Chefredakteur Rheinland-Pfalz VRM (“Allgemeine Zeitung” und “Wormser Zeitung”).

5. Wie gefährlich ist Social Media für Kinder, Herr Korte?
(youtube.com, Alexander Armbruster & Carsten Knop, Audio: 33:37 Miniten)
Im “FAZ”-Podcast “Digitalwirtschaft” fordert der Neurobiologe Martin Korte ein klares Alterslimit für Soziale Medien und unterstützt die Verbotspläne der EU. Bei Kindern unter zwölf Jahren zeige die Bildschirmzeit ausschließlich negative Effekte auf Sprachkompetenz und Gefühlsverarbeitung. Zudem sei das jugendliche Gehirn in der Pubertät durch den Umbau des Stirnlappens extrem anfällig für digitale Suchtreize. Plattformen wie TikTok oder Instagram würden ihre Produkte bewusst so designen, dass das Belohnungssystem getriggert werde. Korte plädiert neben einer strikten Alterszulassung für Software vor allem für die Vorbildfunktion der Eltern.

6. Hermine trifft Jesse Pinkman: Deutsche Stimmen im Talk
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 1:04:44 Stunden)
Im Podcast “Hollywoodgeflüster” von Charles Rettinghaus machen die Synchronsprecher Gabrielle Pietermann (deutsche Stimme von Emma Watson/Hermine, Selena Gomez, Emilia Clarke) und Marcel Collé (deutsche Stimme von Ashton Kutcher, Aaron Paul/Jesse Pinkman) Front gegen die umstrittenen KI-Klauseln von Streaming-Giganten wie Netflix. Collé stellt klar, dass es für ihn “keine angemessene Vergütung gibt, sich selbst abzuschaffen”, und lobt die aktuelle Haltung und den Zusammenhalt innerhalb der Sprechergemeinschaft, die das Unterschreiben dieser Verträge größtenteils verweigere. Neben der Branchenpolitik geht es in der Episode auch um die Anfänge der beiden im Studio sowie um skurrile Anekdoten um “Harry Potter” und “Two and a Half Men”.

Gespräche bestätigt, Medienrecht auch bei KI, Doping-Pranger erlaubt

1. Springer-Verlag bestätigt zwei Gespräche zwischen Döpfner und Merz über AfD
(spiegel.de)
Nach wochenlangen Spekulationen im Berliner Regierungsviertel habe der Axel-Springer-Verlag zwei direkte Treffen zwischen Konzernchef Mathias Döpfner und Friedrich Merz bestätigt. Laut einem Bericht des “Stern” (nur mit Abo lesbar) habe das erste Treffen Ende 2024 stattgefunden und zu einem tiefen Zerwürfnis zwischen dem damaligen Oppositionsführer Merz und Döpfner geführt. Gerüchte aus dem Podcast “Wenn Sie wüssten…” des “Redaktionsnetzwerk Deutschland”, laut dem Döpfner Merz zu einer Kooperation mit der AfD gedrängt und ihm gedroht habe, habe der Springer-Verlag zurückgewiesen. Beim “‘Welt’-Wirtschaftsgipfel” zu Beginn dieses Jahres soll Friedrich Merz, inzwischen Kanzler, im Springer-Hochhaus die schärfsten Schlagzeilen des Verlags über sich laut vorgelesen haben. Die Stimmung sei von Teilnehmern als “eisig” beschrieben worden.

2. ZAK: Medienrecht gilt auch für KI-Suchmaschinen und Chatbots
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) der Landesmedienanstalten habe erstmals formelle Bescheide gegen die KI-Angebote von Google (AI Overviews) und Perplexity erlassen und damit einen wegweisenden Präzedenzfall geschaffen. Gestützt auf ein neues Rechtsgutachten stelle die ZAK klar, dass KI-generierte Antworten als eigene redaktionelle Inhalte der Anbieter zu werten seien und das Haftungsprivileg des Digital Services Act für sie nicht greife. Gegen den Beschluss könnten die Anbieter nun Rechtsmittel einlegen.

3. EU-Experten wollen ein Social-Media-Verbot bis 13. Ja, und jetzt?
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Lisa Hegemann kommentiert das derzeit diskutierte Social-Media-Verbot für Kinder bis 13 Jahren: “Wer ein besonders scharfes Schwert zieht, sollte zwei Grundregeln beachten: Er sollte sich erstens sicher sein, dass das Schwert das angemessene Werkzeug für den vorgesehenen Zweck ist. Und zweitens, dass er bei der Nutzung nicht versehentlich irgendetwas kaputthaut, das er gar nicht kaputthauen wollte.”

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4. Doping-Pranger im Netz recht­lich unbe­denk­lich
(lto.de)
Wie “Legal Tribune Online” berichtet, dürfen nationale Anti-Doping-Behörden die Namen von überführten Profisportlerinnen und -sportlern im Internet veröffentlichen. Die DSGVO stehe laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs einem solchen “Doping-Pranger” grundsätzlich nicht entgegen, da die Bekämpfung von Doping dem Gemeinwohl diene. Die Richter hätten klargestellt, dass Namen sowie Dauer und Grund einer Sperre weder schutzbedürftige Gesundheitsdaten noch strafrechtliche Daten darstellen, solange der genaue Wirkstoff nicht genannt wird.

5. Er sicherte ab, wo andere Muffensausen bekamen
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der NDR-Justiziar Klaus Siekmann geht in den Ruhestand. In der “taz” bedankt sich Steffen Grimberg für dessen Wirken: “Klaus Siekmann hat über 30 Jahre lang Recherchen von ‘Panorama’ bis STRG_F nicht nur ermöglicht und abgesichert, sondern quasi mitgemacht. Immer mit dem Ziel, herauszuholen, was geht. Hohe Risiken hat er dabei in Kauf genommen und Generationen von Jour­na­lis­t*in­nen beigebracht, wie Verdachtsberichterstattung geht, ohne hinterher auf die Mütze zu kriegen.”

6. Vertical Drama: Deutsche Anbieter und der Hype
(medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler kommentiert den aktuellen Trend um das “Vertical Drama”, speziell fürs Handy gedrehte Serien im Hochkantformat: “Es geht nicht darum, das klassische Kino oder das große TV-Drama abzuschaffen, sondern Geschichten radikal aus der Perspektive eines scrollenden Publikums zu denken. Was auf dem großen Bildschirm an den Jungen vorbeiläuft, könnte dann funktionieren, wenn der Daumen dieser Zielgruppe zum wichtigsten Werkzeug der Unterhaltung gemacht wird.”

Von Männern für Männer, Kein Geld für Bücher, Prekäre Bedingungen

1. Sportjournalismus in Österreich – Von Männern, für Männer, über Männer
(kobuk.at, Judith Kantner)
Das Watchblog “Kobuk” hat sich angeschaut, wie es um den Sportjournalismus in Österreich bestellt ist: “Für diese Analyse haben wir die Print-Sportberichterstattung von Juli bis Dezember 2025 in der Heute-Zeitung (Wien-Ausgabe), der Kronen Zeitung (Wien Krone) und Der Standard untersucht. Dabei wurde in jeder einzelnen Ausgabe erhoben, wie viele Sportartikel sich primär mit Männersport, Frauensport oder gemischten Bewerben beschäftigen und wie Bilder dabei eingesetzt werden.”

2. “Werde gefragt, warum ich Män­nern den Job weg­nehmen muss”
(lto.de, Franziska Kring)
Im Interview mit “Legal Tribune Online” erzählt die Juristin Rena Schwabl, warum sie sich nach dem zweiten Staatsexamen statt für einen klassischen juristischen Beruf für die Selbstständigkeit als Sportreporterin entschieden habe. Sie arbeite mit Saisonverträgen für Sky Sport und Magenta Sport und sei als Social-Media-Reporterin bei Bundesligaspielen von Männern und Frauen im Einsatz. Als Frau im Fußballgeschäft erlebe sie massive Anfeindungen. So habe es etwa 200 sexistische Kommentare unter der Ankündigung eines von ihr kommentierten Länderspiels gegeben.

3. Hamburger Universitätsbibliothek: Kein Geld für neue Bücher
(ndr.de)
Der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky fehle das Geld für den Ankauf von Büchern, sodass sie ihren Kernauftrag derzeit nicht erfüllen könne. Direktor Robert Zepf bedauere, dass neu erscheinende Titel in gedruckter wie elektronischer Form nicht im erwarteten Umfang erworben werden könnten. Hintergrund seien erhebliche Kostensteigerungen, auch wegen der baulichen Probleme des Gebäudes. Bis zu einer Lösung bitte die Bibliothek um Spenden.

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4. Volontariat: Prekäre Bedingungen und was sich ändern muss
(media-lab.de, Ella Gößelein)
Für eine Masterarbeit seien zwölf Volontärinnen und Volontäre verschiedener Medienhäuser befragt worden. Sie hätten zwar von guter sozialer Einbindung und Absicherung berichtet, aber vor allem die niedrige Bezahlung, hohe Arbeitsbelastung und fehlende Planungssicherheit bei befristeten Verträgen kritisiert. Frauen würden zudem sexistische Bemerkungen und erschwerten Zugang zu Netzwerken erleben. Ein Teil der Befragten ziehe schon während der Ausbildung in Betracht, den Journalismus zu verlassen.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 258 vom 26.06.2026
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Annelie Naumann)
Der Newsletter des Netzwerk Recherche blickt auf die eigene Jahreskonferenz NR26 in Hamburg zurück, bei der mehr als 800 Medienschaffende über Recherche, KI und die Zukunft des Journalismus diskutiert und zugleich das 25-jährige Bestehen des Vereins gefeiert hätten. Außerdem gibt es wie immer einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Rundfunkbeitrag, Reformen, Risiko: Wie sich der ÖRR neu aufstellt
(ardsounds.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 22:45 Minuten)
Bei “BR24 Medien” ordnet Antonetta Stephany aus der ARD-Rechtsredaktion das Verfahren um den Rundfunkbeitrag in Karlsruhe ein. Medienwissenschaftlerin Annika Sehl von der Katholischen Universität Eichstätt stellt fest, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in immer mehr Ländern unter Beschuss steht: “Wir sehen in vielen europäischen Ländern delegitimierende Kritik, die auf eine de facto Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zielt.”

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