Suchergebnisse für ‘sport’

KI-Firmen kaufen Antiquariate leer, Alte “Bild”-Meldungen, RTL-Saison

1. KI-Firmen kaufen Antiquariate leer – und vernichten die Bücher
(srf.ch, Sven Ahnert)
KI-Unternehmen würden mutmaßlich europäische Antiquariate leerkaufen, die Bücher als Trainingsdaten einscannen und danach wegwerfen. Ein kanadisches Unternehmen namens Zoom Books habe palettenweise vergriffene Sachbücher und Romane geordert, gezielt je ein Exemplar pro Titel. Dahinter stehe vermutlich ein Konstrukt aus dem US-Urheberrecht: Wer Bücher physisch besitze und nach dem Scannen vernichte, könne sich auf das Fair-Use-Prinzip berufen. Gedruckte Bücher seien begehrt, weil die frei zugänglichen Onlinetexte für das Training weitgehend ausgeschöpft seien.

2. Nein, alte “Bild”-Meldungen widerlegen nicht den Klimawandel
(zdfheute.de, Oliver Klein)
In den Sozialen Medien würden tausendfach geteilte alte “Bild”-Schlagzeilen auftauchen, die mit Hitzemeldungen von 1957 und 1975 den Klimawandel infrage stellen sollen. Die Schlagzeilen seien zwar echt, ihre Verwendung aber irreführend: Die “56 Grad” von 1957 seien im Inneren eines Uhrgehäuses gemessen worden, die “40 Grad” von 1975 nur eine Prognose gewesen, die damals nirgends erreicht worden sei. Oliver Kleins Fazit: “Meldungen über einzelne Hitzewellen in den 50er- oder 70er-Jahren beweisen nicht, dass das Klima in Deutschland damals bereits ähnlich heiß war wie heute. Der Trend, dass die Temperaturen in Deutschland und der ganzen Welt ansteigen, ist hingegen gut belegt.”

3. Endlich ich!
(taz.de, Adrian Lobe)
Adrian Lobe argumentiert in seinem Kommentar, KI könne pseudoobjektive Diskurssimulation gut, und genau deshalb müsse der Journalismus persönlicher werden. Anlass seien die KI-generierten Texte des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt in der “FAZ” und des Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner in der “Welt am Sonntag”. Faktenlastige Standardware wie Agenturmeldungen und Länderporträts könne die Maschine übernehmen. Was KI jedoch nicht könne: eigene Eindrücke sammeln und Stimmungen einfangen.

Bildblog unterstuetzen

4. SEED-​Newsletter Nr. 37
(netzwerkrecherche.org)
Thomas Schnedler warnt im Editorial des “SEED”-Newsletters des Netzwerk Recherche davor, dass der Lokaljournalismus auf dem Land immer schwächer werde. Anlass sei eine Bilderstrecke im AfD-Blatt “Blauer Mut”, das der Thüringer Gratiszeitung “Bürgerzeit aktuell” beiliege. Zwei Bilder würden dasselbe Freibad zeigen: “früher” friedlich, “heute” voller Müll und Gewalt mit Menschen, die wie das AfD-Bild von Migranten aussähen. Die Bilder seien offenbar von einer Künstlichen Intelligenz erzeugt, ohne dass darauf hingewiesen werde. Solche kostenlosen Anzeigenblätter sprängen dort ein, wo es kaum noch echte Lokalzeitungen gebe, und könnten so rechte Botschaften unauffällig verbreiten. Das Netzwerk Recherche fordere deshalb, guten Lokaljournalismus zu stärken.

5. Wer weiß wie wann was mit Raab am besten funktioniert?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
In seiner Bilanz zur RTL-Saison 2025/26 stellt Timo Niemeier fest, dass der Versuch einer wöchentlichen Stefan-Raab-Show auch im zweiten Jahr gescheitert sei. Die Sport-Strategie mit 2. Fußball-Bundesliga und NFL bringe nur überschaubare Reichweiten, während Länderspiele und Einzelevents wie die Basketball-EM erfolgreich gewesen seien. Die eigentliche Stärke des Senders liege in Dauerbrennern wie “Ich bin ein Star”, “Wer wird Millionär?” und “Let’s Dance”, die ihre Marktanteile stabil gehalten hätten.

6. Co-Regis­­seur von “Kau­­litz & Kau­­litz” muss genannt werden
(lto.de)
Das Oberlandesgericht Köln habe entschieden, dass Pablo Ben Yakov, einer von drei Regisseuren der Netflix-Serie “Kaulitz & Kaulitz”, als Co-Regisseur im Nominierungstext des Deutschen Fernsehpreises genannt werden müsse. Der Preis habe 2025 die zweite Staffel der Serie ausgezeichnet, im Text aber nur Annika Blendl und Michael Schmitt als “Regie-Duo” geführt, was den falschen Eindruck erweckt habe, Ben Yakov sei nicht beteiligt gewesen.

In Sachen Mario Voigt, Wie die Fifa Geld macht, Weimers Eigentlichkeit

1. In Sachen Mario Voigt
(faz.net)
Die “FAZ” reagiert auf eine Recherche von “FragDenStaat”, laut der der Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) von Mitte August 2025 mit Künstlicher Intelligenz generiert worden sei, und depubliziert den Artikel: “Wir veröffentlichen heute und auch künftig keine Originalbeiträge mit von KI generiertem Text. Es sei denn, die Tatsache, dass der Text von KI generiert wurde, ist der eigentliche Sinn des Beitrags.”

2. Wie die Fifa Geld macht
(taz.de, Yannik Achternbosch)
Bei der heute beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft laufen nur 60 der 104 Spiele bei ARD und ZDF. Die restlichen 44 Partien seien exklusiv bei MagentaTV zu sehen. Yannik Achternbosch ordnet diese Situation als Teil des Geschäftsmodells der Fifa ein: Fernsehrechte, Sponsoring und Tickets würden dem Verband im Vierjahreszyklus Milliarden US-Dollar einbringen. Sportökonom Christoph Breuer warne, dass die Ausweitung auf immer mehr Teams und Spiele das Produkt WM auch entwerten könne. Im Kern gehe es nicht nur um Fußball, sondern um Macht: Je mehr Geld die Fifa, auch durch die TV-Gelder, einnehme und an Mitgliedsverbände verteile, desto stabiler bleibe die Machtbasis von Präsident Gianni Infantino.

3. Wolfram Weimer baut der Eigentlichkeit ein Gehäuse
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier seziert die Rhetorik von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Im Mittelpunkt des Beitrags stehen Weimers Lieblingsbegriffe “Eigentlichkeit” und “Gehäuse”, die er seit Jahren in Kolumnen, Reden und Interviews verwende, oft ohne dass klar werde, was genau damit gemeint ist. Niggemeiers Fazit: “Wolfram Weimer ist ein Großproduzent heißer, nach Intellektualität riechender Luft, und die Eigentlichkeit seines Gehäuses ist ein Gebläse.”

Bildblog unterstuetzen

4. Hauptpreis des Zentralrats der Juden: Nuhr betrüblich
(campact.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert die Verleihung des Leo-Baeck-Preises des Zentralrats der Juden an Dieter Nuhr. Der Preis gilt als höchste Auszeichnung des Zentralrats und soll Persönlichkeiten ehren, die sich besonders für jüdisches Leben einsetzen. Meisner stellt infrage, ob Nuhr dafür geeignet ist. Zwar positioniere er sich deutlich gegen Antisemitismus, zugleich bediene er nach Ansicht vieler Kritiker rassistische, anti-woke und antiliberale Ressentiments.

5. Der Pudding wird uns auf die Füße fallen
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Beim Blick auf die politische Debatte über verpflichtende Alterskontrollen im Internet sieht Sebastian Meineck gleich mehrere Probleme: Ausweis-Apps würden Menschen ohne passende Dokumente oder Geräte ausschließen, robuste Kontrollen die Privatsphäre gefährden und Sperren sich über VPN oder Tor umgehen lassen. Statt einer scheinbar perfekten Altersverifikation fordert Meineck eine ehrlichere Debatte über die Zielkonflikte. Strenge Alterskontrollen könnten sonst zum Grundstein eines digitalen Kontrollapparats werden.

6. Bildmarkt ächtzt unter KI-Entwicklung
(verdi.de, Susanne Stracke-Neumann)
Susanne Stracke-Neumann fasst die Ergebnisse der Umfrage “Image Market – Business Trends” (PDF) der Hochschule Hannover zusammen und zeigt, wie stark der Bildmarkt durch Künstliche Intelligenz unter Druck gerät. Auf Auftraggeberseite steige die Nachfrage nach derartigen Bildern. Als Gründe nennten Käufer die kreativen Möglichkeiten, vor allem aber Kosteneinsparungen. Die Studie zeige zudem stagnierende Honorare, einen Gender-Pay-Gap und große Skepsis gegenüber KI-Training: Über 90 Prozent der Kreativen würden es ablehnen, ihr Material dafür zur Verfügung zu stellen.

Face­book löscht zu langsam, Prebunking, “Goldener Spatz”

1. Soziale Medien: Nutzen und Risiken aus Sicht von Jugendlichen und Erwachsenen
(bpb.de)
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat Daten des ifo-Bildungsbarometers 2025 zur Social-Media-Nutzung von Jugendlichen ausgewertet. Befragt wurden Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie Erwachsene. Beide Gruppen sähen Soziale Medien überwiegend kritisch, Jugendliche aber etwas positiver als Erwachsene. Social Media gelte für viele als Risiko, sei für junge Menschen aber zugleich ein wichtiger Informations-, Sozial- und Identitätsraum.

2. Face­book löscht zu langsam
(lto.de)
Das Landgericht Frankfurt habe ein Ordnungsgeld in Höhe von 100.000 Euro gegen den Social-Media-Konzern Meta verhängt, da Facebook gerichtliche Löschanordnungen zu langsam umgesetzt habe. Hintergrund seien falsche Vorwürfe gegen einen Soldaten im Gazastreifen, der auf Facebook mit Klarnamen und Foto als Kriegsverbrecher bezeichnet worden sei. Obwohl Meta die Verbreitung untersagt wurde, seien die Beiträge noch lange Zeit online geblieben. Die Entscheidung sei noch nicht rechtskräftig.

3. Vor Desinformation schützen
(verdi.de)
Die Initiative “Prebunking Elections” von dpa, dem Verein Medienebene sowie der Günter-Holland-Journalistenschule wolle Desinformation zu Landtagswahlen nicht erst nachträglich widerlegen, sondern Menschen frühzeitig gegen typische Muster und Narrative von Falschbehauptungen sensibilisieren. Im Mittelpunkt stünden niedrigschwellige Kurzvideos für Social Media, etwa zur Erkennung von KI-generierten Bildern und Videos. Ergänzt werde die Kampagne durch lokale Formate. Dort könnten junge Menschen mit Journalistinnen und Journalisten über Desinformation und Faktenchecks sprechen.

Bildblog unterstuetzen

4. “Nius” wehrt sich juristisch gegen Werbestopp der BVG
(turi2.de, Björn Czieslik)
Wie “turi2” unter Berufung auf die “FAZ” (nur mit Abo lesbar) berichtet, gehe das rechtspopulistische Portal “Nius” juristisch gegen die Berliner Verkehrsbetriebe und die Werbefirma Wall vor. Hintergrund sei der Werbestopp für eine “Nius”-Kampagne, der nach einem Social-Media-Beitrag von Chefredakteur Julian Reichelt veranlasst worden sei. Der “Nius”-Anwalt habe darauf verwiesen, dass der Beitrag satirisch gemeint sei und unter die Meinungsfreiheit falle.

5. Zwischen FIFA, Politik und Fans: Wie Medien über die WM berichten
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 27:06 Minuten)
“Wie entsteht eigentlich das Bild, das wir von dieser Fußball-WM haben? Und lässt sich Sportberichterstattung von Politik trennen?” Darüber spricht Sophie Morár bei “BR24 Medien” mit ARD‑Reporter Holger Dahl, ARD‑Programmchef Thomas Wehrle und dem Sportpublizisten Marcus Bölz.

6. Die Welt für Kinder etwas fairer machen
(tagesschau.de, Lars Meyer)
Lars Meyer stellt das Kinder-Medien-Festival “Goldener Spatz” als zentrale Plattform für deutschsprachige Kindermedien vor. Das Festival, 1979 in der DDR gegründet, verbinde Filmprogramm, Branchenangebote und Medienpädagogik. Besonders sei, dass die wichtigsten Preise nicht von Erwachsenen, sondern von einer Kinderjury vergeben werden. Inhaltlich stehe diesmal die Frage im Zentrum, wie Kinder stärker an Gesellschaft teilhaben können.

KW 23/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Regierungskrise in Deutschland: Übertreiben die Medien?
(ndr.de, Lea Eichhorn & Konstanze Mastarowitz, Video: 21:18 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” fragt, ob Medien politische Konflikte zu stark als Dauerkrise erzählen. Am Beispiel der aktuellen Koalition zeigen Journalisten wie Robin Alexander und Christian Teevs, warum Streit, Machtfragen und knappe Mehrheiten aus ihrer Sicht berichtenswert sind. Zugleich kritisieren Stimmen wie Steffen Hebestreit, Ricarda Lang und Victoria Reichelt, dass Politikberichterstattung oft wie Sportberichterstattung funktioniere: Wer gewinnt, wer verliert, wer setzt sich durch? Dadurch würden Inhalte, konkrete Folgen und Lösungen in den Hintergrund geraten.

2. BRAVO – Headlines, Hypes und Herzschmerz
(ardmediathek.de, Mariska Lief, Video: drei Folgen je zwischen 30 und 33 Minuten)
Die ARD-Dokuserie “BRAVO – Headlines, Hypes und Herzschmerz” erzählt die Geschichte der “Bravo” von ihrer Hochphase Anfang der 1990er bis zum Bedeutungsverlust im Internet. Das Magazin sei damals ein zentrales Jugendmedium gewesen. Es habe Stars großgemacht und Fankultur, Körperbilder, Liebesvorstellungen und sexuelle Aufklärung geprägt. Verschiedene Prominente berichten, wie “Bravo” Karrieren beförderte, aber auch Druck erzeugte und Idole verschliss.

3. Wer bestimmt, was wir sehen? Social Media und Macht – Gavin Karlmeier
(ndr.de, Norbert Grundei, Audio: 1:08:18 Stunden)
Norbert Grundei spricht mit dem Journalisten und Digitalberater Gavin Karlmeier über den Wandel von Social Media. Aus den früheren vernetzten Freundesplattformen seien KI-gestützte Aufmerksamkeits- und Entertainmentmaschinen geworden. Karlmeier erklärt, warum klassische Soziale Netzwerke im engeren Sinne “eigentlich tot” seien und wie Plattformen heute bestimmen, welche Inhalte sichtbar werden.
Weiterer Gucktipp: Der “6-vor-9”-Kurator war bei Karlmeiers Videopodcast über Social Media “Haken dran” zu Gast. In dem Gespräch geht es um gehackte Instagram-Konten, Identitätsdiebstahl und die Frage, warum es 100 Euro kostet, wenn man Friedrich Merz auf Facebook einen “Lackaffen” nennt (youtube.com, Video: 1:01:39 Stunden).

Bildblog unterstuetzen

4. Redaktion und Reklame: Der Ärger um Schleichwerbung
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 35:59 Minuten)
Die “Medienversteher” behandeln das journalistische Trennungsgebot: Redaktionelle Inhalte müssen klar von Werbung, PR und bezahlten Botschaften unterscheidbar sein. Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer erklären, warum diese Trennung zentral für die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit des Journalismus sei und warum sie heute immer stärker unter Druck gerate. Beispiele sind Schleichwerbung, Advertorials, Native Advertising, Product Placement, Affiliate-Links und vor allem Host-Read-Ads in Podcasts.

5. Aktivismus vs. Journalismus: Wo ist die Grenze?
(youtube.com, Markus Lanz & Richard David Precht, Video: 55:02 Minuten)
Markus Lanz und Richard David Precht sprechen über die Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus. Ausgangspunkt ist das viel diskutierte Höcke-Interview im Podcast “Ungeskriptet”, an dem die beiden die Frage verhandeln, ob Medien AfD-Politiker ausgrenzen oder kritisch stellen sollten. Precht unterscheidet zwischen freien Gesprächsformaten, die auch unkritisch sein dürfen, und journalistischen Formaten, die harte Nachfragen leisten müssen. Außerdem geht es um den Wandel des Journalismus: weg von anzeigenfinanzierten Medienmarken, hin zu leserfinanzierten Communitys und aktivistischen Formaten.

6. Deutscher Schauspieler in Marvel, Wes Anderson & Co. – warum kennt den keiner?
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 58:34 Minuten)
Im Podcast “Hollywoodgeflüster” spricht Charles Rettinghaus mit Schauspieler, Synchronsprecher und Musiker Milton Welsh. Es geht um Welshs Weg über Theater, Schauspielschule und internationale Drehs bis in die Synchronarbeit. Welsh erzählt von Bühnenpannen, Method Acting, Dreharbeiten mit Wes Anderson bei “Grand Budapest Hotel” und vielem mehr aus seinem Schauspielleben.

Aus für Cosmo, Probleme des Einzelfalls, Hochkant-Hype

1. Die ARD macht schon jetzt die Medienpolitik der AfD
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Bei netzpolitik.org kommentiert Markus Reuter das Aus für den WDR-Radiosender Cosmo: “Die Abschaffung des mehrsprachigen Cosmo Radio ist eine demokratische Bankrotterklärung. Wir erleben hier eine öffentlich-rechtliche Medienpolitik, die schon heute vor den Rechtsradikalen kuscht und die braune politische Agenda in vorauseilendem Gehorsam umsetzt.”
Weiterer Lesetipp: In einer Stellungnahme (PDF) wenden sich die “Neuen deutschen Medienmacher:innen” an Rundfunkräte und Politik: “Stoppen Sie diesen Kahlschlag! Wiederholen Sie nicht den historischen Fehler von 2008, als der rbb mit dem Aus von Radiomultikulti eine tragende Säule der Vielfalt opferte. Sparzwänge rechtfertigen kein Demokratiedefizit.”

2. ver.di ruft beim WDR zum Warnstreik au
(verdi.de)
Verdi kündigt einen Warnstreik beim WDR vor der fünften Tarifrunde am 9. Juni an. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Arbeitgeberseite bislang kein ausreichendes Angebot vorgelegt habe. Verdi fordert 7 Prozent mehr Gehalt, Sonderzahlungen und Honorare, für Festangestellte mindestens 300 Euro monatlich, außerdem 200 Euro mehr Ausbildungsvergütung bei zwölf Monaten Laufzeit. Mit einem “Streikfrühstück” und einer Kundgebung in Köln wolle man den Druck auf den öffentlich-rechtlichen Sender vor der nächsten Verhandlungsrunde erhöhen.

3. Wenn Beispiele die Berichterstattung verzerren
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 28:03 Minuten)
Im Deutschlandfunk-Podcast “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, wie Beispiele die Berichterstattung prägen, aber auch verzerren können. Über strukturelle Missstände werde oft anhand einzelner Geschichten berichtet. Das könne Probleme anschaulich machen, aber auch den Blick aufs Ganze verengen. Wo Einzelfälle im Journalismus helfen und wo sie in die Irre führen – darüber diskutieren Anna Mayr (“Zeit”) und Martin Schmidt (RTL) mit Deutschlandfunk-Moderator Stephan Beuting.

Bildblog unterstuetzen

4. Die Zeit von Social Media ist vorbei
(flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Peter Stawowy argumentiert, dass die große Zeit von Social Media vorbei sei, vor allem für öffentliche Verwaltungen und demokratische Institutionen. Verwaltungen sollten prüfen, ob Aufwand, Reichweite und demokratischer Nutzen noch zusammenpassen. Die zentrale Frage sei: Dienen Soziale Netzwerke noch verlässlicher öffentlicher Kommunikation? Oder beschädigen sie inzwischen genau das Vertrauen, das Institutionen herstellen sollen?

5. “Mechanik kaum verstanden”: Die Produzenten und der Hochkant-Hype
(dwdl.de, Torsten Zarges)
Torsten Zarges beschreibt, wie die deutsche Produktionsbranche auf den Vertical-Drama-Trend reagiert. China und die USA hätten bereits Plattformen und Monetarisierung aufgebaut, in Deutschland fehle bislang eine dominante App oder eine lokale Infrastruktur. Die Branche diskutiere das Phänomen Vertical Drama zudem oft noch als Content-Trend, obwohl es eigentlich um Plattformlogik, Distribution und Themen wie das Vertical Storytelling gehe.

6. Wie politisch sollte die WM-Berichterstattung sein?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 24:49 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit Sportjournalist Ronny Blaschke über die Berichterstattung zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft: “Wie finden Medien die richtige Balance zwischen klassischen Spielberichten und politischen Recherchen zu dem Großereignis? Begegnen sich Sport- und Politikjournalisten in den Redaktionen auf Augenhöhe? Und welchen Gefahren sind Journalisten weltweit ausgesetzt, die zu problematischen Verflechtungen im Sport recherchieren?”

KW 20/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Ein zahnloser Tiger? Der Deutsche Presserat!
(youtube.com, Markus Wolsiffer & Tanjev Schultz, Video: 39:26 Minuten)
In der aktuellen “Medienversteher”-Folge sprechen Markus Wolsiffer und Tanjev Schultz über den Deutschen Presserat als freiwillige Selbstkontrolle der Presse. Dabei geht es auch um typische Konfliktfelder wie Sorgfaltspflicht, Opferschutz, Persönlichkeitsrechte, Schleichwerbung und Sensationsberichterstattung. Die zentralen Fragen: Hat der Presserat zu wenig Sanktionsmacht? Und wie kann er sich im digitalen Zeitalter, etwa mit Blick auf KI und neue Medienformen, weiterentwickeln?

2. “Viele Leute sind total dankbar, wenn man ihnen Dinge mal erklärt”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 43:17 Minuten)
Bei “Nice & Nötig” unterhält sich Annika Schneider mit dem “Lage-der-Nation”-Macher Philip Banse über den Erfolg des Politik-Podcasts, den er zusammen mit Ulf Buermeyer betreibt. Die ruhige und detailreiche Analyse helfe vielen Hörerinnen und Hörern gegen Nachrichtenstress und erreiche laut Banse bis zu zwei Millionen Downloads im Monat.

3. Meinung in Medien: Wie wir berichten sollten in Zeiten von Krisen
(bonjourno.de, Olivia Samnick, Audio: 40:48 Minuten)
Olivia Samnick tauscht sich in ihrem Podcast “Bonjourno” mit der Journalistin und Autorin Özge İnan über Meinung in Medien aus: “Wie hilft Meinungsjournalismus in Zeiten vermehrter Krisen? Kann er Orientierung bieten? Und: Wie schafft man überhaupt fundierte Meinungen für die Öffentlichkeit?”

Bildblog unterstuetzen

4. Medienwandel: Papier oder Social Media?
(youtube.com, Kim van der List & Nele Nitschky, Audio: 46:26 Minuten)
Bei den Schülermedientagen 2026 haben zwei Volontärinnen erklärt, wie Lokaljournalismus heute für Print, Online und Instagram aufbereitet wird, warum Social-Media-Beiträge viel Planung, Recherche und Schnittarbeit brauchen und weshalb journalistische Standards auch dort gelten. Es geht um die Präsenz im Netz und die Frage: “Oder liegt das journalistische Glück doch noch in der Zeitung, die ich in der Hand halte, und die ganzen Social-Media-Kanäle sind ‘out’ bevor sie ‘in’ waren”?

5. Krise im Sportjournalismus: Droht eine “Abwärtsspirale”?
(ardsounds.de, Linus Lüring, Audio: 27:25 Minuten)
Linus Lüring unterhält sich bei “BR24 Medien” mit dem Sport- und Kommunikationswissenschaftler Christoph Bertling von der Deutschen Sporthochschule über dessen Buch “Abwärtsspirale” und über die Krise im Sportjournalismus: “Warum unterscheidet sich Sportjournalismus von anderen Medienbereichen? Sind Sportjournalisten vor allem Fans und haben zu wenig Distanz? Und müssen ARD und ZDF eigentlich Spitzensport übertragen?”

6. Re:publica 2026 – oder: Warum wir das Netz nicht aufgeben
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 32:33 Minuten)
Bei “Satzzeichen” spricht Gastgeber Christian Jakubetz mit Andreas Gebhard, Mitgründer und Geschäftsführer der re:publica, über Geschichte, Selbstverständnis und Zukunft der Digitalkonferenz. Es geht um die Anfänge als Blogger-Treffen, die besondere Atmosphäre der Veranstaltung und das diesjährige Motto “Never Gonna Give You Up”. Gebhard beschreibt die re:publica als Hoffnungsort für eine freie, offene digitale Gesellschaft.

Verdacht ist nicht Gleichsetzung, Klarnamenpflicht, Strafrechtsfalle

1. Verdacht ist nicht Gleichsetzung
(taz.de, Johannes Eisenberg)
Der Medienanwalt Johannes Eisenberg verteidigt in seinem Beitrag die umfassende Berichterstattung im Fall von Collien Fernandes und Christian Ulmen. Er betont, dass sich dieser Fall deutlich von früheren Skandalen unterscheide, da hier handfeste Belege wie Zeugenaussagen, E-Mails und mutmaßliche Tonaufnahmen vorlägen, die den Verdacht massiv stützen würden. Andere Medien dürfen laut Eisenberg die Recherchen des “Spiegel” übernehmen, solange sie sachlich bleiben, nicht vorverurteilen und dem Beschuldigten stets selbst die Chance zu einer eigenen Stellungnahme geben.
Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Berichterstattung: “‘Es gilt die Unschuldsvermutung.’ Das sind die vier Wörter, die in den letzten Tagen in fast jedem Artikel über den Fall Fernandes/Ulmen stehen. Und dieser Satz sei ja nicht falsch, sagt Lorenz Meyer. Er sei das Fundament unseres Rechtsstaats. Aber er sei oft eingebettet in einen Text, der das genaue Gegenteil transportiere.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:48 Minuten)

2. Stefanie Hubig lehnt Klarnamenpflicht im Internet ab
(zeit.de)
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) erteile den im Zuge des Falls von Collien Fernandes laut gewordenen Forderungen nach einer gesetzlichen Klarnamenpflicht im Internet eine klare Absage. Sie betone, dass Anonymität im Netz aus vielen legitimen Gründen unerlässlich bleibe. Um Täter bei digitaler Gewalt dennoch konsequent zur Rechenschaft ziehen zu können, setze die Ministerin stattdessen auf eine nachträgliche Identifizierung durch die dreimonatige Speicherung von IP-Adressen. Parallel dazu wolle ihr Ministerium noch in dieser Woche einen neuen Gesetzentwurf ins Kabinett einbringen, der unter anderem die Erstellung sexualisierter Deepfakes gezielt unter Strafe stelle.

3. Deepfakes und die Strafrechtsfalle
(verfassungsblog.de, Aziz Epik)
Strafrechtsprofessor Aziz Epik warnt davor, das Problem sexualisierter Deepfakes ausschließlich durch schnelle Verschärfungen des Strafrechts lösen zu wollen. Zwar räumt er ein, dass es unbestreitbare rechtliche Schutzlücken gebe, doch hastig formulierte Gesetze seien fehleranfällig und würden der juristischen Komplexität des Themas nicht gerecht. Epik argumentiert, dass digitale Gewalt tief in strukturellen, patriarchalen Problemen verwurzelt sei, die sich nicht allein durch die strafrechtliche Verfolgung von Einzeltätern beheben lassen würden.

Bildblog unterstuetzen

4. Strapazierter Journalismus: Anfeindungen und strukturelle Belastungen von Journalist:innen in Deutschland
(ecpmf.eu, Patrick Peltz & Yann Rees)
Eine neue Studie des European Centre for Press and Media Freedom und der Universität Bielefeld befasst sich mit der Belastung von Journalistinnen und Journalisten in Deutschland. Die Ergebnisse würden zeigen, dass wiederkehrende Anfeindungen und Drohungen im Berufsalltag vermehrt zu redaktioneller Selbstzensur führen. Gleichzeitig würden Medienschaffende unter einem massiven strukturellen und ökonomischen Druck leiden. Die Folgen: Arbeitsverdichtung, Qualitätsverlust und Abwanderungsgedanken.

5. Terrorpropaganda und Gewaltvideos auf Knopfdruck – OpenAI macht Sora dicht
(ohje-internet.de, Karolin Schwarz)
Karolin Schwarz kommentiert die Entscheidung der ChatGPT-Mutter OpenAI, ein Tool zur Generierung von KI-Videos einzustellen: “Wer solche Inhalte erzeugen will, wird auch bei anderen Slop-Fabriken auf dem Markt fündig. Dass einer der Marktführer sein Tool nun einstellt, ist unter den beschriebenen Gesichtspunkten und insbesondere mit Blick auf die mangelhaften Moderationspraktiken allerdings kein Verlust.”

6. Meta und YouTube sollen einer Social-Media-Süchtigen drei Millionen Dollar zahlen
(spiegel.de)
In einem wegweisenden Prozess in den USA seien die Tech-Giganten Meta und Google zu Schadensersatz in Millionenhöhe verurteilt worden. Die Konzerne hätten fahrlässig gehandelt und nicht ausreichend über das immense Suchtpotenzial ihrer Plattformen wie Instagram und YouTube aufgeklärt. Geklagt habe eine 20-jährige Frau, die ihre schweren Depressionen und Angstzustände auf die bewusst suchtsteigernde Gestaltung der Netzwerke, etwa durch endloses Scrollen, zurückführe.

Intendant tritt zurück, Deutliches Scheitern, Fall “Washington Post”

1. ORF-Intendant Weißmann tritt zurück
(tagesschau.de)
Roland Weißmann, bisher Intendant des Österreichischen Rundfunks ORF, sei mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten, nachdem Vorwürfe der sexuellen Belästigung durch eine Mitarbeiterin gegen ihn erhoben worden seien. Der Stiftungsrat des öffentlich-rechtlichen Senders fordere nun eine rasche und transparente Aufklärung der Anschuldigungen. Weißmanns Anwalt weise die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten zurück und bringe den Fall mit der anstehenden Generaldirektorenwahl in Verbindung.
Weiterer Gucktipp: Beim ORF kommentiert Stefan Kappacher vom Radiosender Ö1 die Situation: “Weißmann bleibt dabei: Vorwürfe nicht stichhaltig” (orf.at, Video: 10:08 Minuten).

2. Wichtiges Signal: Volksabstimmung über Kürzung der Rundfunkgebühren ist gescheitert
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen begrüßt das deutliche Scheitern der sogenannten Halbierungsinitiative in der Schweiz, bei der sich eine recht klare Mehrheit der Bevölkerung gegen eine drastische Kürzung der Rundfunkgebühren ausgesprochen habe. Sowohl der Wahlausgang als auch die kürzlich gesicherte Finanzierung des Auslandsportals “Swissinfo” seien ein wichtiges Signal für den Erhalt des unabhängigen, öffentlich-rechtlichen Journalismus. Es gebe jedoch einen Wermutstropfen: der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG würden schmerzhafte Budgetkürzungen drohen.

3. Was der Fall «Washington Post» für den Journalismus bedeutet
(republik.ch, Aaron Wiener & Bettina Hamilton-Irvine)
In einem persönlichen Erfahrungsbericht schildert der kürzlich entlassene Korrespondent Aaron Wiener, wie der massive Stellenabbau durch den Eigentümer und Amazon-Gründer Jeff Bezos die “Washington Post” schwer erschüttert und geschwächt habe. Es stehe der fatale Verdacht im Raum, dass Bezos wichtige Auslandsressorts der Zeitung und damit kritischen Journalismus gezielt opfere, um sich bei Donald Trumps Regierung anzubiedern. Medienexperten würden warnen, dass die wachsende Macht einzelner Milliardäre eine akute Bedrohung darstelle.

Bildblog unterstuetzen

4. Mediale Vielfalt im Münsterland erhalten
(djv-nrw.de, Volkmar Kah)
Wie der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) in Nordrhein-Westfalen mitteilt, übernehme die Rheinische Post Mediengruppe die komplette Westfälische Medien Holding mitsamt traditionsreicher Titel wie den “Westfälischen Nachrichten”. Angesichts dieses massiven Verlusts an verlegerischer Anbietervielfalt fordert der DJV vom neuen Eigentümer ein dauerhaftes Bekenntnis zum Erhalt der redaktionellen Meinungsvielfalt sowie der knapp 3.000 regionalen Arbeitsplätze.

5. 1. Hörfunkratssitzung 2026
(deutschlandradio.de)
Bei seiner ersten Sitzung im Jahr 2026 habe der Deutschlandradio-Hörfunkrat eine wissenschaftliche Studie zur vergangenen Wahlberichterstattung ausgewertet, die den Diskursformaten zwar eine hohe journalistische Qualität bescheinige, jedoch mehr ostdeutsche, migrantische und junge Perspektiven anmahne. Zudem habe der Medienrechtler Hubertus Gersdorf betont, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht zur Disposition des Staates stehe. Rechtlich gesehen seien keine Alleingänge von Ministerpräsidenten bei der Kündigung von Medienstaatsverträgen möglich.

6. Wie viel Sinn hat ein Social Media-Verbot?
(flurfunk-dresden.de, Christopher Brinkmann)
Christopher Brinkman stellt fest, dass ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren bei Politik und Bevölkerung zwar auf breite Zustimmung stoße, von Medienexperten jedoch scharf kritisiert werde. Ein pauschaler Ausschluss verletze laut den Fachleuten das in der UN-Kinderrechtskonvention verbriefte Recht junger Menschen auf digitale Teilhabe, Meinungsbildung und Informationsfreiheit. Anstatt die Jugendlichen auszusperren, müssten die Plattformbetreiber ihre Algorithmen entschärfen und sichere digitale Umgebungen schaffen.

Springer kauft “Telegraph”, Jimmy Lai, Eisschnelllaufverband vs. ARD

1. Springer kauft Telegraph
(taz.de)
Der Axel-Springer-Konzern habe die traditionsreiche britische Zeitung “The Telegraph” in letzter Minute für 575 Millionen Pfund erworben, also etwa 660 Millionen Euro. Wie Springer-Chef Mathias Döpfner mitgeteilt habe, gehe damit ein über 20 Jahre alter Traum in Erfüllung, das Blatt künftig zum führenden bürgerlich-konservativen Medium der englischsprachigen Welt auszubauen. Durch diesen überraschenden Schritt habe Springer den direkten britischen Konkurrenten DMGT (“Daily Mail”) aus dem Rennen gedrängt.

2. Jimmy Lai legt keine Berufung gegen Verurteilung zu 20 Jahren Haft ein
(spiegel.de)
Der inhaftierte Hongkonger Verleger und Demokratieaktivist Jimmy Lai werde laut Angaben seiner Anwälte keine Berufung gegen seine drakonische Verurteilung zu 20 Jahren Gefängnis einlegen. Der 78-jährige Gründer der inzwischen eingestellten Zeitung “Apple Daily” sei zuvor auf Basis des umstrittenen chinesischen “Sicherheitsgesetzes” wegen angeblicher “Kollaboration mit ausländischen Kräften” und “Aufruhrs” schuldig gesprochen worden.

3. Wer hat Angst vorm kritischen Bürger?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Bei “Übermedien” lobt Stefan Niggemeier eine Reihe des ARD-“Mittagsmagazins”, in der die Spitzenkandidaten der baden-württembergischen Landtagswahl gezielt mit kritischen Bürgerinnen und Bürgern aus deren jeweiligem Fachgebiet konfrontiert worden seien. Anstatt die übliche, weichgespülte Wahlkampf-Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen, habe das gute Casting der widerborstigen Gesprächspartner zu pointierten und teils entlarvenden Momenten geführt.

Bildblog unterstuetzen

4. NIUS & OAZ: Gleiche Autoren, gleiche Interviewpartner, gleiche Propaganda?
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert die auffälligen personellen und thematischen Überschneidungen zwischen dem rechten Krawallportal “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt und der neu gegründeten “Ostdeutschen Allgemeinen” des Verlegers Holger Friedrich. Beide Medien böten bevorzugt denselben Akteuren vom rechten Rand eine unwidersprochene Bühne. Das dahinterstehende Ziel sei es, gezielt gegen die “Brandmauer” zur AfD zu agitieren und rechte Narrative zu normalisieren.

5. Lokaljournalismus – “Das Frühwarnsystem vor Ort”
(belltower.news, Shila Samanthi)
Der Lokaljournalist Alexander Roth betont im Interview, dass regionalen und lokalen Medien bei der frühzeitigen Aufdeckung rechtsextremer Netzwerke eine unverzichtbare Rolle zukomme. Der von der AfD oftmals strategisch instrumentalisierte Vorwurf der mangelnden Neutralität dürfe Redaktionen nicht zu einer unkritischen Gleichbehandlung verleiten. Demokratiefeindliche Positionen müssten zwingend fachlich eingeordnet werden.

6. Eisschnelllauf-Wirbel: Das sagt die ARD zu einer Abmahnung
(digitalfernsehen.de)
Die ARD weigere sich, eine vom Eisschnelllaufverband (DESG) geforderte Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Man halte die eigene kritische Berichterstattung über angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten zulasten der Sportlerinnen und Sportler für wahrheitsgemäß und gerichtlich belegbar. Der Verbandspräsident Matthias Große weise die Vorwürfe vehement zurück. Die der “Sportschau” vorliegenden Dokumente widersprächen der Darstellung jedoch.

Block ver­liert gegen “Spiegel TV”, Protest gegen Hausverbot, KI-Songs

1. Chris­tina Block ver­liert gegen Spiegel-TV
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Hamburg habe einen Unterlassungsantrag der Unternehmerin Christina Block abgewiesen, mit dem sie “Spiegel TV” die Veröffentlichung von Ermittlungsdetails zu ihrem laufenden Entführungsprozess verbieten wolle. Die zuständige Pressekammer habe geurteilt, dass es sich um zulässige Verdachtsberichterstattung handele. An dem Fall bestehe ein “überragendes Informationsinteresse”.

2. Protest gegen Hausverbot
(djv.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Diese habe den ARD-Sportjournalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus die Akkreditierung verweigert und ein Hausverbot für eine aktuelle Pressekonferenz erteilt. Hintergrund des Ausschlusses sei eine kritische Berichterstattung der beiden Reporter über ein angebliches Klima der Angst und systematische Einschüchterungen von Athletinnen und Athleten innerhalb des Sportverbandes.

3. KI-Songs für die AfD und Russland
(belltower.news, Felix Michaelis)
Auf Streaming-Plattformen wie Spotify seien derzeit massenhaft KI-generierte Lieder im Umlauf, die rechtsextreme, AfD-nahe und russlandfreundliche Botschaften verbreiten würden. Spotify betone, streng gegen Hassrede vorzugehen und bereits Millionen von KI-Titeln gelöscht zu haben. Trotzdem seien verschiedene Propaganda-Profile mit teils hunderttausenden Streams weiterhin ungehindert abrufbar.

Bildblog unterstuetzen

4. Vermummte Polizisten suchen Fotojournalisten heim
(taz.de, Aljoscha Hoepfner)
Die Polizei habe die Wohnung des freien Fotojournalisten Leon Enrique Montero durchsucht und seine gesamten Speichermedien sowie Arbeitsgeräte beschlagnahmt. Der Vorwurf: Er sei bei einer Demonstration an einem Angriff auf zwei Personen aus dem “rechten politischen Spektrum” beteiligt gewesen. Montero weise dies jedoch zurück. “taz”-Chefredakteurin Ulrike Winkelmann kritisiere den Vorgang als massiven Eingriff in die Pressefreiheit und fordere die sofortige Rückgabe der Ausrüstung.

5. Unterkomplexe Verbotsdebatte?
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth, Audio: 30:58 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Im ersten Teil kommen EU-Politikerin Alexandra Geese (Die Grünen) und Kinderrechtler Torsten Krause (Stiftung Digitale Chancen) zu Wort, im zweiten Teil der 17-jährige Schüler Erik Sczygiol, stellvertretender Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz.

6. Netflix steigt aus: Der Weg ist frei für Paramount
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Wie “DWDL” berichtet, ist die Bieterschlacht um den US-amerikanischen Medienkonzern Warner Bros. Discovery entschieden. Vier Tage habe Netflix Zeit gehabt, das Angebot von Mitbewerber Paramount zu überbieten, doch der Streamingdienst sei ausgestiegen: “Zu dem Preis, der erforderlich wäre, um mit dem jüngsten Angebot von Paramount Skydance gleichzuziehen, ist der Deal finanziell nicht mehr attraktiv, sodass wir davon absehen.” Uwe Mantel kommentiert: “Damit kommt auch CNN wie zuvor schon CBS unter die Kontrolle der Ellison-Familie, die als Trump-nah gilt.”

Blättern: ◄ 1 ... 7 8 9 ... 176 ►