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Wenn das der Netzer wüsste

Der eine oder andere mag es schon gehört haben: Das gestrige EM-Qualifikationsspiel zwischen Italien und Serbien wurde wegen anhaltender Krawalle durch serbische Hooligans vorzeitig abgebrochen.

Daraus lernen wir zwei wichtige Dinge. Erstens: Hooligans schaden immer ihrer eigenen Mannschaft — das Spiel wird wohl gegen Serbien gewertet. Und zweitens: Fotogalerien auf Bild.de werden nach dem beschriftet, was der zuständige Mitarbeiter auf den ersten Blick auf der Aufnahme zu sehen glaubt:

Ein Serbien-Hool schneidet das Tornetz ab

Was der “Serbien-Hool” da auf dem fünften Bild der Klickstrecke tatsächlich abschneidet, ist allerdings nicht das Tornetz auf dem Spielfeld, sondern lediglich das Netz, das über der Absperrung des Zuschauerblocks gespannt ist, auf der der Mann rittlings sitzt. Es soll verhindern, dass Gegenstände aufs Spielfeld geworfen werden.

Das erkennt man auch klar auf dem neunten Bild derselben Fotogalerie, das poetischerweise mit “So sehen vermummte Idioten aus” beschriftet ist (oder zwischen 0:25 und 0:30 auf YouTube).

Mit Dank an Marco, Marcel Sch. und Björn C.

Nachtrag, 10.45 Uhr: Bild.de hat das “Tornetz” zum “Sicherheitsnetz” umdeklariert.

Flattr, Gottschalk, Gerüchte

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “‘Bild’-Zeitung kämpft für ihre Chefs”
(taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg glaubt, dass die Berichterstattung um ein Bauprojekt in Potsdam gefärbt sei von persönlichen Interessen der Führungsetage des Axel-Springer-Verlags: “Zwar dürfen sich im Artikel einige namentlich genannte Nachbarn Luft machen. Dass allerdings auch Springer-Vorstand Mathias Dö. und Bild-Chef Kai Di. gleich nebenan hausen, wird verschwiegen.”

2. “Flattr belohnt Meinung
vor Qualität und Aufwand”

(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert stellt fest, dass Nutzer des Mikrobezahldienstes Flattr häufig “Meinung und Kreativität, aber nicht notgedrungen Aufwand, Tiefe und Informationsgehalt” belohnen – “eine ernüchternde Erkenntnis für diejenigen, die in dem Service eine eventuelle Refinanzierungsform für ihren Content sahen, aber nicht in stark emotional besetzten Nischen aktiv sind”.

3. “Wenn Thomas Gottschalk die Welt nicht mehr versteht, warum erklärt er sie uns dann?”
(faz-community.faz.net, Peer Schader)
Peer Schader schreibt auf, was Thomas Gottschalk über “das Facebook” erzählt. “Manchmal wirkt Deutschlands größter Entertainer wie ein Mann, der im Dampfmaschinenzeitalter groß geworden ist und mit großem Staunen aus der Zeitmaschine steigt.”

4. “Medien auf Auto-Pilot”
(juliane-wiedemeier.de)
Juliane Wiedemeier fragt sich, warum verschiedene deutsche Zeitungsportale sich von der Automobilindustrie nicht mit Anzeigen bezahlen lassen. “Einfacher kann man es der finanziell gut aufgestellten PR-Maschinerie hinter der Automobilindustrie wirklich nicht machen. Über einen ‘unabhängigen Partner’ stellt man den Zeitungen für ihre Online-Präsenz ein paar Hochglanzvideos zur Verfügung; in den Redaktionen denkt man sich, dass der Ruf des Auto-Journalismus eh schon ruiniert ist, und so bauen die Verlage mit den Händen nach außen hin eine schöne glitzernde Multimedia-Fassade auf, und reißen zeitgleich mit dem Arsch das um, was einst der Kern des Journalismus war: Wir nennen es Glaubwürdigkeit.”

5. “Der Mann wurde geselbstmordet”
(tagesanzeiger.ch, Monica Fahmy)
Die “Kronen Zeitung” zitiert einen Historiker, der behauptet, in Schweizer Gefängnissen werde gefoltert. “Die abstrusen Aussagen des ‘Dr. Hross’, die an einen drittklassigen Agententhriller erinnern, druckte die ‘Kronen Zeitung’ ungeprüft ab. Dabei gibt es weder einen Historiker namens Sean Hross in Bern noch eine O2T-Foltermethode.”

6. “Gerüchte-Küche, ein unscharfes Dossier”
(derwesten.de, Bodo Hombach)
Bodo Hombach stellt in einem Essay fest, dass die gute Recherche der Tod des Gerüchts ist. “‘Es stand in der Zeitung’ – das könnte ein Gütesiegel sein, wenn das Blatt ordentlich arbeitet.” Könnte, wenn! Siehe dazu “Journalisten machen Kemnader See unsicher” (stefan-niggemeier.de, 29. April 2010).

David Simon, Webportale, Egon Krenz

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. Interview mit David Simon
(faz.net, Tobias Rüther)
David Simon, Erfinder und Produzent der Fernsehserien “The Wire” und “Treme”, sieht die Zukunft des Fernsehens als Leihbibliothek: “Die Leute werden ihre Serien schon finden. Zur Hölle mit den Quoten! Die eine Hälfte schaut ‘The Wire’ auf DVD oder on demand und die andere, wie es ihnen passt. Damit werden Quoten immer bedeutungsloser, egal ob die Leute von den Sendern das wollen oder nicht.” Ein zweites Gespräch mit Simon findet sich auf jetzt.sueddeutsche.de.

2. “Prominent inkonsequent”
(timklimes.de)
Ole von Beust und sein “knäbischer Freund” ist ein Thema, das “Die Zeit” nicht “prominent ignoriert”.

3. “Die Portale der Chinesen”
(scarlatti.de, Lorenz Lorenz-Meyer)
Lorenz Lorenz-Meyer vergleicht deutsche Webportale wie T-Online mit chinesischen Portalseiten: “Ob Nachrichten, Verbraucherinformationen, Marktberichte von der Börse oder die neuesten Gaming-Erfahrungen, die Portale bedienen alle Bedürfnisse, und sie bedienen sie exzellent. Immer noch dürfen die Portalredaktionen dabei in den meisten Themenfeldern nicht selbst journalistisch tätig werden (Wirtschaft, Lifestyle und Sport sind die Ausnahmen). Aber auch in der Auswahl aggregierter Inhalte aus anderen Quellen kann man sich publizistisches Profil erarbeiten. Und die Portale sind somit – auch dies anders als in Deutschland – zu einer wirklich relevanten Instanz in der chinesischen Öffentlichkeit geworden.”

4. “Abt. timeline – heute: eines mutmasslichen Mordes”
(infam.antville.org, patpatpat)
Patpatpat verfolgt, wie sich Meldungen über einen Mann, der tot in seiner Zelle aufgefunden wird, entwickeln.

5. “Aus dem Tagesablauf eines DDR-Spitzenpolitikers”
(dctp.tv, Video, 24:04 Minuten)
Alexander Kluge redet mit dem letzten SED-Generalsekretär, Egon Krenz, über seine damaligen Arbeitstage, die um 4.45 Uhr starteten und nach 23 Uhr endeten.

6. “Durchsageterror bei der Deutschen Bahn”
(heise.de/tp, Egon Müller)
“Die Älteren werden sich vielleicht noch dunkel erinnern: Es gab einmal eine Zeit, da konnte man in einen Zug steigen und stundenlang fahren, ohne auch nur ein einziges Mal von einer Durchsage belästigt zu werden.”

Bild  

Draufhauen und Zähneklappern

Seit gestern erscheint in “Bild” der Vorabdruck eines Buchs über den Fußballer Robert Enke, der unter Depressionen litt und sich im vergangenen November das Leben genommen hat. Anlass genug für Franz Josef Wagner, Enkes Witwe Teresa am Montag mit einem Brief zu behelligen:

Liebe Teresa Enke, es ist erst ein Jahr her – und ich erinnere mich, dass wir uns alle gelobten, offener mit unseren Versagungsängsten umzugehen. (...) Es ist ein Jahr her. Was ist geschehen seitdem? Nichts ist geschehen. Die Bundesliga tobt. Es hat sich auch in unserer Gesellschaft nichts geändert.

Wagner schließt mit einer Feststellung, von der man nicht ganz genau weiß, ob sie resigniert oder vorwurfsvoll sein soll:

Klose schießt kein Tor, Gomez auf der Ersatzbank. Wir hauen auf sie drauf und bejubeln sie.

Dieses “wir”, das Wagner da verwendet, ist diesmal keine seiner üblichen Anmaßungen im Sinne von “alle, die meiner Meinung sind”, “wir Deutschen” oder “wir Menschen” — Wagner spricht von der Zeitung, für die er arbeitet.

Denn 16 Seiten hinter seinem Brief wurde auch gestern ordentlich draufgehauen:

BILD gibt

Allerdings war “Bild” sowieso schon im Januar wieder zu alter Form aufgelaufen.

Die Ironie hielt sich für Leser der Printausgabe allerdings in Grenzen: Wagners Schlusssatz mit dem “wir” fehlt in der gedruckten “Bild”.

Mit Dank an Benjamin K.

Bild  

Rekordpferdächtig

Es gibt ja die verrücktesten Wettläufe: Zwischen Hase und Igel, zum Südpol, ins All.

Gestern kam es in Leipzig zu einem Rennen zwischen einem Pferd und einem Porsche, die bei einer Aktion der MDR-Jugendwelle Jump gegeneinander (im Sinne von “nacheinander”) antraten. Der Sportwagen war ein bisschen schneller, aber auch das Pferd erreichte noch eine erstaunliche Geschwindigkeit.

So berichtet es zumindest “Bild” heute:

Aus Sicherheitsgründen absolvierten Pferd und Porsche nacheinander den 6,1-Kilometer-Parcours. Miriam, die als Erste ran durfte, nach dem Rennen: “Bis auf die Kurve, die wir nicht ganz hingekriegt haben, war das eine super Leistung!”

Mit einer Zeit von 36,88 Sekunden war sie dennoch nicht schnell genug, um “Porsche-Rocky” zu schlagen: Kollege Bleifuß raste nach 35,48 Sekunden über die Ziellinie. “Dabei hab’ ich einige Fehler gemacht. Ich hätte noch schneller sein können…”

36,88 Sekunden auf 6,1 Kilometern sind rund 595 km/h. Der Porsche erreichte gar einen Durchschnittswert von 619 km/h, was bedeutend schneller ist als ein Düsenjäger beim Start und etwa halber Schallgeschwindigkeit entspricht. Und das auf unebenem Gelände!

Und diese Sensationsmeldung steht nur klein in der Leipziger Regionalausgabe von “Bild”?! Ja.

Die Zeiten stimmen zwar, aber die Wegstrecke, die “Chici Mici” und Porsche Cayenne in der Zeit zurückgelegt haben, ist etwas kürzer: Von der 6,1 km langen Offroad-Strecke habe man “nur rund 500 m” genutzt, teilte uns der MDR auf Anfrage mit. Die Durchschnittswerte liegen damit bei rund 50 km/h.

Mit Dank an René, Andreas Sch., kmr, André B. und Ronny K.

Missbrauch, Steinbach, Beckham

6 vor 9

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1. Interview mit Norbert Pfeiffer
(jetzt.sueddeutsche.de, Marc Widmann)
Norbert Pfeiffer war als Leiter der Mainzer Uniklinik mehrere Tage im Fokus der Medien, nachdem drei Babys an Infusionen verstarben, die mit Bakterien verseucht waren. “Mein Umgang mit dieser Situation war von einem einfachen Prinzip geprägt: Ich wollte authentisch bleiben und bei der Wahrheit bleiben.”

2. “Ein schwerer Fall von Missbrauch”
(novo-argumente.com, Boris Kotchoubey)
Boris Kotchoubey fragt, wer an Missbrauchsfällen Geld verdient und mahnt an, das Wort “Missbrauch” nicht wahllos zu gebrauchen. “Glaubt man den Journalisten, so führten all diese Handlungen bei den Opfern zu gleich schweren seelischen Verletzungen, sodass das einzige Heilmittel wahrscheinlich in der Möglichkeit bestand, jetzt – in manchen Fällen 30 bis 40 Jahre nach dem Ereignis – darüber ein exklusives Interview zu geben.”

3. Interview mit Willi Steul
(merkur.de, Dieter Anschlag)
Deutschlandradio-Intendant Willi Steul tut vom vielen Schulterklopfen über das nicht quotenorientierte Programm des Deutschlandradios bereits die Schulter weh: “Von der Quote, würde ich sagen, sind wir relativ befreit. Aber auch wir brauchen eine Anerkennung. Wir können ja nicht für die Fische senden.”

4. “David Beckham takes legal action over claims he slept with prostitute”
(telegraph.co.uk, Anita Singh, englisch)
David Beckham verklagt das US-Magazin “In Touch”. Sein Sprecher dazu: “The allegations that have been made are completely untrue and totally ridiculous, as the magazine was clearly told before publication. Sadly, we live in a world where a magazine can print lies and believe they can get away with it. We are taking legal action against the magazine”.

5. Ein Buch von Erika Steinbach
(visdp.de, Sebastian Esser, PDF-Datei, 1.7 MB)
Sebastian Esser fragt: “Wenn Erika Steinbach ein Buch herausbringt, und niemand schreibt darüber, ist es dann immer noch eine Provokation?”

6. “Narrensicheres Geschäftsmodell, kostenlos abzugeben”
(oetting.posterous.com, Martin Oetting)
“Das Geschäftsmodell nennt sich ‘Berater-Berater’, und man muss nur das folgende Redemanuskript bei irgendeiner Social Media Konferenz möglichst energisch vortragen. Danach sollte man für ca. ein Jahr ausgesorgt haben.”

Lörrach, Stuttgart21, Mario Basler

6 vor 9

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1. “Die Bild-Zeitung-Lüge zur Blockadenacht im Stuttgarter Schlossgarten”
(buntgrau.de, Jo Schwarz)
Jo Schwarz dementiert den “Bild”-Artikel “Sturz-Gefahr für Radler durch S21-Barrikaden”. “Es gab keine ‘lebensgefährliche Falle für Radfahrer’, da die Blockade von der Seite ‘Schillerstraße’ durch ein Absperrgitter und einen Pylonen gesichert war.”

2. “Die Textbausteine der Gewohnheitsheuchler”
(achinger.com, Till Achinger)
Stern.de: Die Empörung von Felix Disselhoff 2010 über Kommentare zum Amoklauf von Lörrach (BILDblog berichtetete) besteht aus ähnlichen Formulierungen wie die Empörung von Gerd Blank 2009 nach dem Amoklauf von Winnenden.

3. “Lörrach: Der publizistische Amoklauf der Exekutive”
(fastvoice.net, Wolfgang Messer)
Wolfgang Messer glaubt, dass es bei Staatsanwälten zunehmend in Mode ist, “sich durch übereilte und unnötig detaillierte Veröffentlichungen entweder als Behörde insgesamt bei den Medien beliebt zu machen oder einfach das individuelle Geltungs- und Ruhmesbedürfnis zu befriedigen.”

4. “Kickwelt-Flop der Woche: Mario Basler (BILD-Experte)”
(kickwelt.de)
Am 17. August 2010 glaubte Mario Basler, dass Shinji Kagawa in der Bundesliga weggeweht wird: “Der kleine Racker muss sich erst mal daran gewöhnen, dass Tauben im Ruhrpott keine Delikatesse sind. Und dass es in der Bundesliga immer schön auf die Stäbchen gibt…”. Der bei Borussia Dortmund unter Vertrag stehende japanische Fußballspieler erzielte bisher in vier Spielen drei Tore.

5. “ITV embarrassed by report of polar bear washed up on beach”
(telegraph.co.uk, Anita Singh, englisch)
Ein angeblilch in Bude (Cornwall) angeschwemmter Eisbär stellt sich bei näherer Inspektion als Kuh heraus. Zuvor hieß es: “The bear comes from the Arctic Circle and an investigation is under way as to how it could have ended up there.”

6. “Medien ohne Computer: ‘Schreiben war beschissen'”
(medienzeitmaschine.wordpress.com)
Die Medienzeitmaschine blickt auf die Arbeitsbedigungen von Medienmenschen in den 1980er-Jahren zurück.

kicker.de, sid  etc.

Jeder Schütze ein Treffer (2)

Was haben Jan Rosenthal (SC Freiburg), Pawel Pogrebnjak (VfB Stuttgart), Erwin Hoffer (1. FC Kaiserslautern), Marcel Risse (Mainz 05) und Luiz Gustavo (TSG 1899 Hoffenheim) gemeinsam?

Die Antwort: Sie alle waren für kurze Zeit oder sind der 3000. Torschütze der Bundesligageschichte:

 Da ist doch tatsächlich noch das 3000. Bundesligator und es hätte nicht zählen dürfen. Nicu steht bei Kopfballverlängerung von Cissé klar im Abseits. Er geht diagonal auf das Tor zu und passt dann überlegt nach rechts. Dort ist ROSENTHAL mitgelaufen und schiebt souverän ein.

Pogrebnyak macht die 3000 voll

Hoffer 3000. Torschütze der Bundesliga

Gustavo 3000. Torschütze der BundesligaRisse erzielt das Jubiläums-Tor

Aber beginnen wir von vorn:

Noch am Freitag wurde in den Live-Tickern der App iLiga 3.0, von Bild.de und anderen Medien der Freiburger Jan Rosenthal als Schütze des 3000. Bundesligatores gefeiert. Dort hieß es:

Da ist doch tatsächlich noch das 3000. Bundesligator (…) Nicu (…) geht diagonal auf das Tor zu und passt dann überlegt nach rechts. Dort ist ROSENTHAL mitgelaufen und schiebt souverän ein.

Das ist doppelt falsch. Denn es wurde ja nicht das 3000. Bundesligator gesucht (BILDblog berichtete) sondern der 3000. Torschütze. Außerdem ist Rosenthal einer der Kandidaten, der dafür überhaupt nicht in Frage kam, weil er sein erstes Tor bereits in der Saison 2006/07, damals noch für Hannover, erzielt hat.

Von gleichem Kaliber war ein Bericht, der am Samstag zwischenzeitlich auf kicker.de zu lesen war, und den Trainer Baade freundlicherweise für die Nachwelt konserviert hat. Der Stuttgarter Pawel Pogrebnjak machte demnach nicht nur “die 3000 voll”, sondern es war auch noch “das 3000. Tor der Bundesligageschichte”. Mal vom Unfug mit dem 3000. Bundesligator ab, hat Pogrebnjak genau wie Rosenthal schon längst sein erstes Bundesligator erzielt und war deshalb von vornherein nicht mehr im Rennen.

Um 16.54 Uhr verlieh der Sport-Informations-Dienst (sid) dann Erwin Hoffer vom 1. FC Kaiserslautern vorübergehend den Titel 3000. Torschütze der Bundesligageschichte. Die Überschrift der rund 30 Minuten später korrigierten Nachricht lässt sich etwa noch bei “Google News” und bei fußball.tv finden. Welt.de, “Frankfurter Neue Presse” und andere führen einem dpa-Bericht folgend Hoffer noch immer als Nummer 3000:

Für Neuling 1. FC Kaiserslautern wird der Betzenberg wieder zu einer Festung. Trotz eines Rückstandes trotzten die Pfälzer dem bisherigen Spitzenreiter aus Hoffenheim ein 2:2 ab. Erwin Hoffer (46./75. Minute), der als 3000. Torschütze in die Liga-Historie eingeht, drehte mit seinen beiden Toren die Partie.

Auf Hoffer ließ der sid um 17.21 Uhr den Hoffenheimer Luiz Gustavo, der bereits sieben Minuten vor Hoffer traf, folgen. Vielleicht wurde er zunächst übersehen, weil er schon seit 2007 für Hoffenheim spielt und deswegen eigentlich zu erwarten gewesen wäre, dass er bereits einige Tore auf dem Konto hatte. Die meisten Medien haben mittlerweile Gustavo als 3000. Torschützen übernommen.

Eigentlich könnte es das gewesen sein, wenn da nicht noch Marcel Risse wäre. Dieser wurde auf bundesliga.de, der offiziellen Website der Deutschen Fußball Liga (DFL), zum 3000. Torschützen erklärt:

Marcel Risse ist der 3000. Spieler, der in 47 Jahren Bundesliga ein Tor geschossen hat. Der Mainzer erzielte den Jubiläumstreffer am Samstag in der 53. Minute gegen den SV Werder Bremen zum zwischenzeitlichen 1:0.

Und auch bei der Nachberichterstattung im Pay-TV-Sender Sky wird Risse als 3000. Torschütze genannt, was Bild.de gleich zur “TV-Panne des Tages” erklärte:

Einziger Fehler: Der 3000. Torschütze ist Hoffenheims Luiz Gustavo (23)…

So einfach, wie Bild.de es sich macht, ist es – wer hätte das gedacht? – nicht.

Denn die DFL, die mit dem Statistikanbieter Opta Sport Daten AG zusammenarbeitet, hat uns bestätigt, dass ihrer Statistik zufolge nach wie vor Marcel Risse als 3000. Toschütze geführt wird. Als 2997. Schützen verzeichnen sie den Kölner Taner Yalçin, als 2998. Luiz Gustavo und als 2999. Erwin Hoffer.

Der sid wiederum, der mit dem Fußballdatendienstleister Impire AG zusammenarbeitet, beharrt gegenüber BILDblog darauf, dass ihrer Statistik zufolge Luiz Gustavo die Ehre gebührt, sich 3000. Torschütze nennen zu dürfen.

Allerdings wollen sowohl DFL als auch sid nicht ausschließen, dass die beiden Statistikanbieter in der Vergangenheit das eine oder andere unklare Tor einem anderen Spieler zugeschrieben oder als Eigentor gewertet haben als der jeweils andere. Somit gibt es jetzt tatsächlich zwei amtierende 3000. Torschützen, einen von sids und einen von DFLs Gnaden — wobei es ganz danach aussieht, als würde sich die Auffassung des sid durchsetzen.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

sid  

Out of time

Gestern haben wir über den Sportinformationsdienst (sid) geschrieben, weil der eine neun Jahre alte Information für brandneu hielt.

Kurz darauf war der sid mal seiner Zeit voraus und berichtete bereits gestern Abend um 22.45 Uhr, wie der Dortmunder Nuri Sahin am heutigen Abend drauf (gewesen) sein wird:

Sahin strotzte nur so vor Selbstbewusstsein, als er am Donnerstagabend zu seinem vierten Europacup-Einsatz auflief (…)

Mit Dank an symsy.

Jeder Schütze ein Treffer

Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Das sind Fragen, die uns alle bewegen. Etwas profaner ist da schon die Frage, die sich “RP Online” am vergangenen Freitag stellte:

Wer schießt das 3000. Tor? Düsseldorf (RPO). Seit Beginn der Bundesliga am 24. August 1963 sind 2997 Tore gefallen. Der bis heute letzte erfolgreiche Schütze heißt Mario Götze von Borussia Dortmund. Wer erzielt den 3000. Treffer? Ein Hoffenheimer oder Schalkes neues Sturmdo?

3.000 Tore sollen also in den letzten 47 Jahren Bundesliga gefallen sein. Klingt erst mal nach viel, ist es aber nicht. Allein in der letzten Saison wurden 866 Tore erzielt und in der davor 894. Tatsächlich sind in der Geschichte der Bundesliga bereits über 44.000 Tore gefallen. Selbst den Lesern kam das spanisch vor:

Kommentare

Dass an der Sache irgendwas faul ist, hat dann auch “RP-Online” im Laufe des Tages bemerkt und sich einer höchst unsportlichen Methode der Fehlerkorrektur bedient: der sang- und klanglosen Löschung. Auf dem Portal “News Aktuell” kann man den Artikel allerdings immer noch lesen.

Aber eine Frage bleibt. Nein, nicht die, wer denn jetzt das 3.000. Tor schießt, sondern diese: Wie kommt “RP Online” auf so einen Unfug?

Auch wenn am Anfang des Artikels “(RPO)” steht, ist es sehr wahrscheinlich, dass hier eine Meldung des Bundesliga-Portals von t-online.de weiterverarbeitet wurde. Dort heißt es jedoch “Wer wird der 3000. Torschütze?” und das macht den ganzen Unterschied: Wenn jeder Torschütze nur einmal gezählt wird, also auch ein Gerd Müller mit 365 Toren, dann dürfen wir uns tatsächlich schon bald auf den 3.000. Torschützen freuen. Der “RP Online”-Redakteur, der den t-online.de-Artikel als Vorbild genommen hat, hat das leider nicht verstanden – genausowenig übrigens wie derjenige, der die Bildergalerie für t-online.de mit weiteren Jubiläumsschützen erstellt hat.

Jetzt aber doch noch: Hat sich am vergangenen Wochenende jemand als 3.000. Torschütze in die Annalen der Geschichte eintragen können?

Nein. Wir haben bei der DFL nachgefragt und uns sagen lassen, dass ihrer Statistik zufolge der Kölner Taner Yalçin am Sonntag gegen den FC St. Pauli (1:0) als 2997. Torschütze getroffen hat.

Mit Dank an Frank B.

Nachtrag, 17. September: Unser Leser Fabian K. hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass ein kurzer (und korrekter) Artikel des ‘kicker’ vom 9. September den Berichten von t-online.de und “RP Online” zugrunde lag.

Wirklich unfassbar ist allerdings das, was unser Leser Marcus beim Sportwettanbieter bwin.com entdeckt hat. Dort konnte man heute tatsächlich darauf wetten, welcher Spieler das 3000. Bundesligator erzielt – auf ein Tor also, das bereits vor Jahrzehnten gefallen ist. “Cisse, Gekas, Altintop – sie alle können Geschichte schreiben” heißt es da. Dabei hatten die drei noch nicht einmal die Chance der 3000. Torschütze zu werden, da sie alle schon einmal getroffen haben. Wenn das mal kein juristisches Nachspiel hat…

Nachtrag, 18. September: Und es geht munter weiter. Arne B. und Sebastian M. weisen uns darauf hin, dass in den Live-Tickern der App iLiga 3.0 und von Bild.de Maximilian Nicu als Schütze des 3000. Bundesligatores gefeiert wurde:

Da ist doch tatsächlich noch das 3000. Bundesligator und es hätte nicht zählen dürfen. Nicu steht bei Kopfballverlängerung von Cissé klar im Abseits. Er geht diagonal auf das Tor zu und passt dann überlegt nach rechts. Dort ist ROSENTHAL mitgelaufen und schiebt souverän ein.

Nein. Es war nicht das 3000. Bundesligator und Nicu kann auch nicht der 3000. Torschütze der Liga sein, da er in der vergangenen Saison bereits drei Treffer erzielte. Mal sehen, wer noch alles in die Geschichte eingeht.

Nachtrag/Korrektur, 19. September: Diesmal habe ich mich selbst anstecken lassen: Das Freiburger Tor am Freitag hat natürlich nicht Nicu, der nur die Vorlage gab, erzielt, sondern Jan Rosenthal. Dennoch wurde erst am Samstag Luiz Gustavo von TSG 1899 Hoffenheim mit seinem Treffer zum 1:0 gegen Kaiserslautern zum 3000. Torschützen erklärt. Damit sollte das Thema jetzt endgültig erledigt sein – zumindest bis in gut zehn Jahren der 4000. Torschütze gesucht wird.

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