Suchergebnisse für ‘sport’

Auferstanden aus Ruinen

Nur weil der BFC Dynamo zu DDR-Zeiten mal Serienmeister war (1979 bis 1988 zehnmal in Folge), heißt das nicht, dass sein Erstrundengegner im diesjährigen DFB-Pokal, der 1. FC Kaiserslautern, auch aus der DDR stammt.

Oder was immer “Zeit Online” mit dieser Dachzeile ausdrücken wollte:

DDR: FCK im Schongang in die nächste Runde

Andererseits ist die Kunde von der Wiedervereinigung Deutschlands bekanntlich immer noch nicht soooo weit verbreitet.

Mit Dank an Ronald F.

Nachtrag, 22.30 Uhr: “Zeit Online” hat die Dachzeile in “DFB-Pokal” geändert.

Blau und Weiß, wie lieb ich Dich

Was macht man als Online-Portal der “Pforzheimer Zeitung”, wenn man für einen Artikel über Fans des Karlsruher SC ein Bild braucht, aber (aus was für Gründen auch immer) keines zur Hand hat?

Man zeigt natürlich je einen Fan von Borussia Dortmund und Schalke 04 und anonymisiert das Ganze ein bisschen:

KSC-Fans (Symboldbild) wehren sich - bislang - erfolgreich gegen ein Gesichtserkennungsprojekt, das die Gesichter der Besucher des Wildparkstadions aufgenommen hätte.

(Originalbild z.B. bei der “Augsburger Allgemeinen”.)

Mit Dank an Jonathan O.

Nachtrag, 29. Juli: pz-news.de hat die Bildunterschrift geändert:

Automatisierte Gesichtserkennung in deutschen Fußballstadien? Noch müssen dies der Dortmund- und Schalke-Fan auf diesem Symbolbild nicht fürchten, auf die Fans des Karlsruher SC könnte solch ein Projekt im Wildparkstadion bald zukommen.

Offensichtlich ist in Pforzheim tatsächlich kein Foto von Karlsruher Fans verfügbar.

Libyen, Spiegel, Tour de France

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Bericht aus einem Goldenen Käfig”
(tagesschau.de, Jörg Armbruster)
ARD-Korrespondent Jörg Armbruster beschreibt die Situation der Journalisten in der libyschen Hauptstadt Tripolis. “‘An alle Journalisten: Kommen Sie in die Halle! Es findet eine Pressekonferenz statt!’ Kein bitte, keine Erläuterung, wer auf der Pressekonferenz sprechen wird. Die militärisch knappe Ansage kommt über Lautsprecher, die in jedem Hotelzimmer in die Decke eingebaut sind. Überhören kann man diese geschnarrten Befehle nicht. Abstellen kann man die Lautsprecher auch nicht. Jeder soll sofort verfügbar sein.”

2. “Ein guter Journalist – Was ist das?”
(achtungmeinung.de, Leo Gergs)
Leo Gergs schreibt auf, was er sich unter zeitgemäßem Journalismus vorstellt: “Mehr Profil! Und das bedeutet nicht, dass man Nachrichten und Meinung miteinander vermischt, sondern dass man Geschehnisse nicht nur wiedergibt, sondern in all ihren Facetten präsentiert, einordnet und erläutert.”

3. “Wie ich Zeitung lese”
(blog.fimsch.net, konrad)
Konrad erklärt, was “Zeitung lesen” für ihn heute bedeutet. “Die ipad-Apps von Zeit und FAZ mögen viel­leicht gut sein, aber ich will keine Abos für die Zei­tun­gen abschlies­sen. Ich will mich nicht mal dafür regis­trie­ren müs­sen.”

4. “Ein Boulevard-Boykott wäre eine Option”
(journal21.ch, Reinhard Meier)
Reinhard Meier stellt fest, dass es die Konsumenten selbst in der Hand haben, ein “wirkungsvolles Stopp-Zeichen” gegen fragwürdige Praktiken des Boulevard zu setzen. “Sie könnten diejenigen Medien, die die Grenzen des Tolerierbaren überschreiten, boykottieren. Falls bei einer solchen Empörungs-Aktion genügend Konsumenten mitmachen, würde dies den Verantwortlichen in den Medienhäusern schnell und tief unter die Haut gehen – das gilt für die Leserzahlen beim gedruckten ebenso wie für die Einschaltquoten beim elektronischen Boulevard.”

5. “SPIEGEL: Da wir Sie nur ungern als Leser ver­lieren, möchten wir Sie fragen”
(noemix.twoday.net)
Nömix schreibt dem Kundenservice des “Spiegel”, warum er nach 25 Jahren sein Abo gekündigt hat. “Indem man seiner Stammleserschaft den gleichen Schmarrn auftischt wie eine BILD oder BUNTE oder neunundneunzig andere Schmarrnblätter, wirds schwer gelingen, sie zu halten.”

6. “E.P.O.-Suche an der Baumgrenze”
(de.eurosport.yahoo.com, Andreas Schulz)
Eurosport-Kommentator Andreas Schulz bloggt über seinen Einsatz bei der Tour de France: “Im Schnitt vier Stunden Live-Überragung pro Tag, gewürzt mit vier Stunden Autofahrt und abgerundet mit vier Stunden Vor- und Nachbereitung. Ein toller Job, aber eben auch kein Ponyhof.”

Bild  

Nur gucken, nicht anfassen!

“Japan, ihr habt’s verdient”, schreibt “Bild” heute an die Adresse der japanischen Fußballfrauen, die gestern Abend in Frankfurt die Weltmeisterschaft gewonnen haben.

Aber so ganz scheint die Zeitung das Aus der Deutschen im Viertelfinale noch nicht verwunden zu haben, wie die Titelseite zeigt:

Japan Weltmeister! Passt gut auf unsere "Spirale" auf! Japan ist Frauen-Weltmeister! 5:3 nach Elfmeterschießen im Finale gegen die USA. Aber den Pokal (sieht aus wie eine Spirale) haben euch die deutschen Mädchen nur geliehen...

Von aller Überheblichkeit mal ab: Es ist einfach Quatsch, dass “die deutschen Mädchen” den Japanerinnen den Pokal “nur geliehen” hätten.

Der Fußballweltverband FIFA schreibt in seinen “50 Fakten zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft” (PDF):

Für jede Weltmeisterschaft wird eine eigene Trophäe hergestellt, die der Sieger behalten darf, dies im Gegensatz zum FIFA WM-Pokal, der stets im Besitz der FIFA bleibt.

Insofern stimmt auch nicht, was “Bild” weiter schreibt:

Die letzten Deutschen, die den Pokal bis zur WM 2015 in Kanada anfassen durften, sind OK-Chefin Steffi Jones und Renate Lingor, Weltmeisterin von 2003 und 2007. Sie tragen die Pokal-Spirale ins Stadion.

Denn selbst wenn “wir” 2015 wieder Weltmeister würden, würden “unsere Mädels” eine andere Version des Pokals in Empfang nehmen, als die, die die Japanerinnen gestern in die Höhe gereckt haben.

Mit Dank an Stefan K.

Nocebo-Effekt, Norderney, Spiegel Online

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Geheime Pressekonferenz im ‘Dortmunder Kreis'”
(blog.telefacts.tv, Thomas Schweres)
Die Einladung zu einer Pressekonferenz der Polizei Dortmund geht exklusiv an einen “Dortmunder Kreis”. Der Leiter der Pressestelle, Wolfgang Wieland, sagt Thomas Schweres warum: “Wenn ich die Sache per Pressemitteilung rausgegeben hätte, müsste ich gleich eine Schul-Aula mieten und die Straße für Übertragungswagen sperren lassen.”

2. “Medienpolitik während der WM”
(taz.de, J. Kopp & M. Völker)
Interviews mit Spielerinnen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft werden “nach Steinzeitmethoden” autorisiert. “Das gesprochene Wort wird hier nicht nur nicht respektiert, sondern verfälscht.” (…) “Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und etliche Manager von Spielerinnen waren der Meinung, man könne der Öffentlichkeit ein bestimmtes Bild oktroyieren, die Presse führen und bevormunden.”

3. “FCB-Fans griffen in Bern Journalisten an”
(20min.ch, Lukas Mäder)
In Bern werden Journalisten und Fotografen von Fußball-Hooligans angegriffen.

4. “Vorgestellt: Top-Themen 2011”
(derblindefleck.de)
Die Initiative Nachrichtenaufklärung gibt “die Rangliste der wichtigsten von den Medien vernachlässigten Themen und Nachrichten im Jahr 2011” bekannt. Mit dabei ist die “Bankenrettung ohne wirksame parlamentarische Kontrolle”, der “Doping im Fußball” oder der “Nocebo-Effekt”: “Schon das Wissen über Nebenwirkungen von Medikamenten und über Krankheitsverläufe kann Symptome auslösen.”

5. “Wulff mimt Urlaubsidylle für ZDF-Sommerinterview”
(welt.de)
Bundespräsident Christian Wulff fliegt für ein “Sommerinterview” mit dem ZDF kurzfrisitig nach Norderney. Noch ist er aber gar nicht im Urlaub: “Tatsächlich verbringt der Bundespräsident mit seiner Frau Bettina und den Kindern den Sommer auf der Ostfriesischen Insel – allerdings erst in ein paar Wochen.”

6. “SpOn-Politiker-Fotos”
(fuckyeahsponpolitikerfotos.tumblr.com)
Fotos von Politikern auf “Spiegel Online”.

Interview-Promotion

Selten wurde in der breiten Öffentlichkeit soviel über richtiges Zitieren diskutiert wie heute. Der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis etwa musste gerade schmerzhaft erfahren, dass Anführungszeichen nicht ganz so bedeutungslos sind, wie ihr Spitzname “Gänsefüßchen” nahelegen könnte; andere prominente Politiker stolperten darüber, dass sie Aussagen anderer in ihren Promotionen als eigene ausgegeben haben.

Im Journalismus ist das alles anders, wie uns “Zeit Online” beweist, wo sich seit gestern folgende, relativ dramatische Überschrift findet:

ZDF-Sportchef: "Der Frauenfußball wird wieder von der Bildfläche verschwinden"

Die Anführungszeichen sind brav an ihrem Platz, und man kann “Zeit Online” auch nicht vorwerfen, sich die Aussagen des ZDF-Sportchefs Dieter Gruschwitz angeeignet zu haben. Eher…

…umgekehrt:

ZEIT ONLINE: Der Frauenfußball wird nach der WM in Deutschland also wieder von der Bildfläche verschwinden? Ihre Bundesligaspiele werden weiterhin wohl nicht im bundesweiten TV zu sehen sein und die Olympia-Qualifikation fürs kommende Jahr haben die Frauen verpasst.

Gruschwitz: Da haben Sie Recht. Schon bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 waren die Frauenfußballspiele eine attraktive Programmware für uns. Aber auf dieser großen Bühne werden die deutschen Fußballerinnen in London 2012 nicht vertreten sein. Das Ausmaß des Olympia-Startverlusts wird in seinen vielschichtigen Auswirkungen von einigen noch gar nicht so richtig wahrgenommen.

Mit Dank an Jakob V.

Nachtrag, 17.15 Uhr. Der Interviewer sagt, im Gespräch habe Gruschwitz seine Aussage “Der Frauenfußball wird wieder von der Bildfläche verschwinden” wiederholt und gesagt, dass er sie teile.

Marko Arnautović, Christoph Keese, Busen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Irgendwas mit Medien: Vermischte Bemerkungen zur Krise des Journalismus”
(novo-argumente.com, Tobias Prüwer)
Tobias Prüwer fasst verschiedene Diskussionen über den Journalismus erhellend zusammen. Zum Beispiel zum iPad: “Mit Erstaunen konnte man feststellen, wie sich seit Anfang des letzten Jahres Journalisten wie Verleger überschlugen mit Prognosen für ein prosperierendes Geschäft dank iPad. Keiner kannte das Gerät, aber die Redaktionen wurden nicht müde, schon vor Erscheinen zu schwärmen und Zukunft zu erträumen, und bei der Präsentation applaudierten Journalisten zuhauf! Das war ja auch zu schön: Man muss nichts ändern, mit Apple-Magie würden schon genug Anwender plötzlich für Publikationen zahlen, die sie in Printform nie erworben hätten. Nun, da das Coffee-Table-Accessoire auf dem Markt ist, scheint diese Euphorie verflogen zu sein.”

2. “Google plant die Super-Datenbank”
(tarzun.de, Klaus Peukert)
Klaus Peukert analysiert Texte mit Schlagzeilen wie “Google plant die Super-Datenbank” (sueddeutsche.de) und “Google will Nutzerprofile direkt verkaufen” (zeit.de, inzwischen geändert).

3. “Alles Lüge!”
(taz.de, Judith Pape)
“Bild” behauptet, es gäbe “konkrete Pläne” von DFB und ARD, Frauenfußball zukünftig in der “Sportschau” am Samstag zu senden. Axel Balkausky, Sportkoordinator der ARD, dementiert: “Alles falsch, ich halte es derzeit für ausgeschlossen, dass wir regelmäßig Spielberichte aus der Frauen-Bundesliga zeigen. Wie bisher werden wir den Frauen-Fußball in den dritten Programmen abbilden.”

4. “Arnautovic vs. Seitenblicke-Magazin”
(derstandard.at, red)
Hat Fußballspieler Marko Arnautović ein Interview geführt mit dem Magazin “Seitenblicke”? Auf seiner Website ist zu lesen: “Marko Arnautovic weist darauf hin, dass er mit keiner österreichischen Zeitung ein Interview geführt hat und die Behauptungen daher vollkommen aus der Luft gegriffen sind.”

5. “Lieber Christoph Keese”
(sixtus.cc)
Mario Sixtus schickt Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs bei Axel Springer, eine Rechnung in der Höhe von 1070 Euro, weil dieser in einem Beitrag für sein Blog presseschauder.de die Lizenzbedingung eines von ihm geschossenen Fotos nicht eingehalten hat. Keese hält dagegen den Betrag von 50 Euro angemessen, denn “dies hier ist ein privater Blog mit ein paar hundert Lesern” (in den Kommentaren).

6. “Riesen-Busen steht gutem Journalismus im Weg”
(antimedien.de, Hektor Haarkötter)
Hektor Haarkötter prüft die Schlagzeile “Riesen-Busen rettet Urlauberin vor Ertrinken” (tz-online.de) auf ihren Wahrheitsgehalt.

Haarte Zeiten für Wayne Rooney

Es gibt Geschichten, die schreiben sich fast von alleine. Die Sache mit Wayne Rooney, dem britischen Fußballspieler, der sich vor sechs Wochen Haare transplantieren ließ, aber heute scheinbar mehr Glatze hat als vorher, ist so eine Geschichte. Es brauchte nur eines Fotos, auf dem man einen klaren Blick auf die aktuellen Haarverhältnisse auf Rooneys Schädel werfen konnte, und keiner Recherche. Boulevardmedien in aller Welt, von Bild.de über die “Sun” bis “Spiegel Online”, machen sich mit unverhohlener Häme über den scheinbaren Misserfolg der Operation lustig.

“Trotz Moos nix los”, feixt “Spiegel Online”, wo sich offenbar schlecht bezahlte Mitarbeiter damit trösten, dass man sich mit Geld doch nicht alles kaufen kann: “Fußballstar Wayne Rooney hat Tausende Pfund in eine Haartransplantation investiert. Die Resultate sind äußerst spärlich.” Zunehmend müsse sich Rooney “eingestehen, dass die Transplantation wohl wenig bis gar nichts gebracht hat”.

Die Konkurrenz von Bild.de titelt: “Bei Rooney wächst kein Gras mehr…”, zweifelt am “langfristigen Erfolg der Behandlung” und meint, Rooney hätte die 11.000 Euro, die die Umpflanzung der Haare angeblich gekostet hat, besser für einen “schönen Urlaub” ausgegeben: “Mit Sonnencrème für die Glatze…”.

Die Online-Redaktion der “Rheinischen Post” diagnostiziert: “Transplantation ohne Wirkung”. Grundlage dafür ist ein Bericht des Sport-Informationsdienstes, dessen Haar-Experten heute meldeten: “Wayne Rooney (25), englischer Fußball-Nationalspieler in Diensten von Manchester United, muss sich wohl mit dem Gedanken an eine Glatze abfinden.”

In einem Wort: nein.

Vermutlich wird Rooney sogar damit gerechnet haben, zum jetzigen Zeitpunkt weniger Haare zu haben als vor dem Eingriff. Die Leute, die solche Transplantationen anbieten oder vermitteln, weisen nämlich ausdrücklich auf folgenden Umstand hin: Einige Wochen nach der Operation fallen die meisten verpflanzten Haare (und teilweise sogar einige alte Haare) zunächst einmal aus. Die Wurzeln bleiben aber erhalten. Erst nach etwa drei bis vier Monaten beginnt das neue Haar zu wachsen; abgeschlossen ist das alles nach rund einem Jahr.

Was hätte das für eine nette Geschichte werden können, wenn man das aufgeschrieben hätte: Ein Lehrstück an einem prominenten Beispiel, mit weniger Häme über den doofen reichen haarlosen Fußballspieler, aber voller Hoffnung für Menschen, die an Haarausfall leiden. Es hätte halt jemand recherchieren müssen, anstatt bloß auf- und abzuschreiben, was jeder sieht und sich (fälschlicherweise) denkt, aber wer sollte das tun? Journalisten?

Mit Dank an Andreas K.!

Menschenjäger, Höllenengel, Manuela Schwesig

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Bilder machen Muslime”
(zeit.de, Deniz Baspinar)
Deniz Baspinar plädiert dafür, nicht immer die gleichen Bilder von Einwanderern zu zeigen: “Wenn von Migranten oder Muslimen die Rede ist, sehen wir die ewig gleiche Rückenansicht einer Gruppe von Frauen mit Kopftuch und bodenlangen Mänteln. Diese Frauen tun das, was ihre Bestimmung zu sein scheint: Kinderwagen schieben oder Einkaufstüten tragen. Sehr beliebt ist auch das unscharfe Motiv, auf dem die Frau drei Schritte hinter dem Patriarchen her läuft oder das vom Döner- respektive Gemüseverkäufer.”

2. “Seltsame PR-Strategie”
(spiegel.de, flo)
Die Ministerin für Soziales und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, schickt den Redaktionsleitern mehrerer Zeitungen Artikel zum Abdruck: “Wünschenswert wäre es, wenn die Artikel über einen Zeitraum von ca. sechs Monaten in regelmäßigen Abständen (ggf. vierzehntägig) erscheinen würden.”

3. “News of the World: Britischer Boulevardjournalismus”
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Unter dem nicht grade neutralen Titel “Insel der Menschenjäger” vergleicht Hans Leyendecker den britischen mit dem deutschen Boulevardmarkt. “Bild” habe zwar “immer wieder Täter an den Pranger gestellt”, aber das sei “nichts im Vergleich zur Menschenjagd auf der Insel”.

4. “Lügen, die man gerne glaubt”
(zeit.de, Sabine Rückert)
Sabine Rückert fasst einige Beschuldigungen der letzten Zeit und die Reaktionen darauf zusammen: “Die Political Correctness gebietet es, dem vermeintlichen Opfer – eines NS-Verbrechens oder einer Vergewaltigung – bedingungslos zu glauben. Unbequeme Nachfragen und Recherchen unterbleiben. Zweifler laufen Gefahr, selbst im Reich des Bösen verortet zu werden.” (Eine Diskussion zur Rolle von Rückert im Kachelmann-Prozess findet sich hier).

5. “Nur ein Sommermärchen? Claudia Pechstein und die Höllenengel”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
Eisschnellläuferin Claudia Pechstein dementiert auf ihrer Website diverse Medienberichte: “Ich pflege keinerlei Kontakte oder Geschäftsbeziehungen zu den Hells Angels.”

6. “Fremdschämen mit den taz-LeserInnen”
(spiegelfechter.com, Jens Berger)
Deniz Yücel erntet auf einen taz-Text mit dem Titel “Schämt euch, ihr Schlampen” über 400 Leserkommentare.

Pyeongchang, Nachrichtensender, Anne Will

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die deutschen Medien und der Sportsgeist”
(farorientalism.blogspot.com, eo)
Wie kommentieren deutsche Medien die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 nach Pyeongchang (und nicht nach München)? “Pech für die Kommentatoren, dass dieses Mal weder eine Diktatur den Zuschlag erhielt, noch ein Land, von dem zu befürchten ist, dass es in halbfertige Sportstätten lädt oder die Sicherheit der Athleten nicht gewährleisten kann. So blieb – unisono, als wären Anweisungen direkt aus Katis ZK gekommen – nur Rummosern.”

2. “Schweizer Währungswucher am Kiosk – Deutsche Verlage zocken Schweizer Konsumenten ab”
(blog.huwi.ch, Michael Huwiler)
2007 kostete ein Euro 1,65 Franken, inzwischen nur noch 1,20 Franken. Michael Huwiler fragt nach, warum die Preise deutscher Zeitschriften in der Schweiz unverändert hoch sind.

3. “Zur Lage des Nachrichtenjournalismus”
(bouhs.tumblr.com, Daniel Bouhs)
In einem “Impulsreferat” fragt Daniel Bouhs, warum die Öffentlich-Rechtlichen keinen 24-Stunden-Nachrichtensender liefern. Und warum sich ihre Auslandkorrespondenten “erst in ihren Büros und dann sogar in Privaträumen” verstecken. “Immerhin war es Antonia Rados, die den Sturz Mubaraks auf dem Tahir-Platz in Kairo zwischen der jubelnden Menschenmenge live an das heimische Publikum vermeldete – während Jörg Armbruster in der ‘Tagesschau’ lediglich von seinem Balkon herab auf die Straßen blickte.”

4. “Es war fast immer wie immer”
(faz.net, Stefan Niggemeier)
“Es war wie immer”, lautet die Bilanz von Stefan Niggemeier nach vier Jahren “Anne Will” im Sonntagabendprogramm der ARD. “Man kann sich die Sendung angucken wie einen Filmklassiker, den man sich immer wieder anschaut. Es ist eine Konstante mit beruhigender Wirkung. Sie rüttelt nicht auf, sondern sediert. Was auch passiert in der Welt, es werden sich Menschen finden, die dafür oder dagegen sind und sich bei ‘Anne Will’ gegenseitig vorwerfen, nicht ausreden zu dürfen, obwohl sie die anderen gerade haben ausreden lassen.”

5. “W wie wunderbar”
(welt.de, Marc Reichwein)
“Mit welchen Vokabeln rühmt man, wenn die Argumentation aufhört? (…) Wie klingt es, wenn Kritiker rhetorisch den ‘Like-Button’ drücken?”

6. “Zwölf hoffentlich finale Thesen zur Zukunft des Journalismus”
(wolfgangmichal.de)

Blättern: ◄ 1 ... 100 101 102 ... 176 ►