Suchergebnisse für ‘spiegel online’

Neue Betroffenheit, Enttäuschte Liebe, Richter vs. Pentagon

1. Neue Betroffenheit
(journalist.de, Anne Hünninghaus & Kathi Preppner)
Redaktionen würden verstärkt Journalistinnen und Journalisten suchen, die sich mit Sicherheitspolitik, Bundeswehr und Rüstungsindustrie auskennen. Gute Berichterstattung über Krieg und Krisen müsse sachlich einordnen, Begriffe erklären und Desinformation erkennen. Zugleich müssten die Interessen von Staat, Militär und Industrie kritisch voneinander unterschieden werden. Im Text von Anne Hünninghaus und Kathi Preppner schildern mehrere Medienschaffende, dass das öffentliche Interesse an diesen Themen und die eigene Betroffenheit deutlich zugenommen hätten.

2. Richter verbietet Pentagon das Aussperren von Journalisten
(spiegel.de)
Ein US-Richter habe dem Pentagon untersagt, die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten weiter einzuschränken, und die Wiederherstellung des freien Pressezugangs angeordnet. Das Gericht sehe in den neuen Pentagon-Regeln den Versuch, eine frühere richterliche Entscheidung zu umgehen. Hintergrund sei ein länger andauernder Konflikt über Pressefreiheit und Zugang zwischen dem US-Verteidigungsministerium unter Pete Hegseth und verschiedenen Medien.

3. Öffentlich-rechtliche Medien vor dem Großinquisitor
(taz.de, Rudolf Balmer)
Rudolf Balmer schildert, wie ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien in Frankreich zunehmend zu einem politischen Tribunal gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) geworden sei. Vor allem der rechtsnationale Kommissionssprecher habe die Anhörungen mit aggressiven und teils fehlerhaften Vorwürfen geprägt. Dem französischen ÖRR würden im Fall eines rechten Machtgewinns tiefgreifende Einschnitte bis hin zur Privatisierung drohen.

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4. So krass werdet ihr von NIUS und BILD manipuliert
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 36:44 Minuten)
“Bild” und “Nius” hätten mit einer erfundenen Geschichte über angeblich shoppen gehende Afghanen gezielt Wut auf Geflüchtete geschürt und damit rechtsextreme Narrative bedient. Mats Schönauer wirft beiden Redaktionen vor, solche Geschichten nicht nur ungeprüft oder bewusst verzerrt weiterzuverbreiten, sondern Korrekturen später zu verschleppen oder ganz zu unterlassen.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

5. Fact-Checking: Zwischen Effizienz und Kontrolle
(de.ejo-online.eu, Susanne Fengler)
Fact-Checking-Organisationen würden zunehmend Künstliche Intelligenz einsetzten, etwa beim Monitoring, bei der Recherche, in der Produktion und bei der Verbreitung von Korrekturen. In der Praxis zeige sich jedoch eine deutliche Skepsis hinsichtlich der Grenzen solcher Systeme. Ein zentrales Ergebnis einer Analyse sei, dass KI beim Fact-Checking nicht als eigenständiger Akteur verstanden werde, sondern ausschließlich als unterstützendes Werkzeug unter menschlicher Aufsicht.

6. Das Radio zwischen enttäuschter Liebe und neuem Aufbruch
(deutschlandfunk.de, Mathias Greffrath, Audio: 39:33 Minuten)
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, besonders das Radio, befinde sich in einer tiefen Legitimations- und Formkrise, findet Mathias Greffrath in seinem Audioessay. Viele Wellen würden auf ihn routiniert, belanglos und vom Quotendruck entkernt wirken, während Podcasts, Plattformen und Algorithmen die Öffentlichkeit fragmentieren würden. Radio solle weniger beschallen und stärker Räume schaffen, in denen Menschen tatsächlich miteinander ins Gespräch kommen. Es brauche mehr physische Präsenz außerhalb der Funkhäuser, neue gemeinwohlorientierte Funktionen und ein Auftritt jenseits bloßer Marktlogik.

Unfallvoyeurismus, OnlyFans für die AfD, Jobgarantie Journalistenschule?

1. Onlyfans für die AfD
(belltower.new, Felix Michaelis)
Bei “Belltower News” geht es um Social-Media-Profile, die rechtsextreme beziehungsweise AfD-nahe Botschaften mit sexualisiertem Content und Verweisen auf kostenpflichtige Plattformen wie OnlyFans kombinieren. Die identischen Slogans, die AfD-Nähe und die wiederkehrenden visuellen Codes würden nahelegen, dass hier gezielt eine konservativ bis rechtsextrem geprägte männliche Zielgruppe angesprochen werden soll.

2. Auch Griechenland verbietet Social Media für Nutzer unter 15
(zeit.de)
Griechenland wolle ab 2027 Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren den Zugang zu Plattformen wie Instagram und TikTok verbieten. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis begründe den Schritt mit zunehmenden Angstzuständen, Schlafproblemen und dem wachsenden Druck durch soziale Vergleiche und Onlinekommentare. Zugleich dränge die Regierung auf ein koordiniertes Vorgehen in der EU und schlage ein europaweites “digitales Mündigkeitsalter” von 15 Jahren sowie verpflichtende Alterskontrollen für alle Plattformen vor.

3. Wiederbelebungsversuche und Autowracks: Unfallvoyeurismus in österreichischen Medien
(kobuk.at, Sophie Tiganas)
Eine Auswertung von Artikeln österreichischer Medien zeige, dass viele Redaktionen Unfälle mit “unzensierten Fotos von Autowracks, Rettungseinsätzen oder Leichenboxen” illustrieren und damit die Intimsphäre der Betroffenen verletzen. Besonders Boulevardmedien wie “Oe24”, “Krone” und “Heute”, aber auch einzelne Qualitätsmedien, würden dabei identifizierbare Opfer, Rettungsversuche oder persönliche Details von Angehörigen zeigen. Sophie Tiganas kritisiert, dass solche Darstellungen kaum zusätzlichen Informationswert hätten, aber Leid und Tod zur Sensation machen und Betroffene retraumatisieren könnten.

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4. ORF entlässt Ex-Generaldirektor Roland Weißmann
(spiegel.de)
Der ORF habe das Dienstverhältnis mit seinem früheren Generaldirektor Roland Weißmann aufgekündigt, weil dieser laut einer internen sowie externen Prüfung gegen Compliance- und ethische Standards verstoßen habe. Eine sexuelle Belästigung “im rechtlichen Sinn” habe im konkreten Fall laut Untersuchung nicht vorgelegen. Der österreichische öffentlich-rechtliche Sender betone jedoch, von Führungskräften “nicht bloß die Einhaltung zwingenden Rechts” zu erwarten, “sondern ein sehr hohes Maß an Integrität”. Weißmann, der bereits im März wegen entsprechender Vorwürfe als Generaldirektor zurückgetreten sei, wolle die Kündigung nach Angaben seines Anwalts anfechten.

5. Ist die Journalistenschule eine Jobgarantie?
(journalist.de, Carlott Bru)
Carlott Bru schreibt, sie habe die Journalistenschule lange als Eintrittskarte in eine sichere Medienkarriere betrachtet und gehofft, danach stünden ihr alle Türen offen. Mit dem Ende der Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule werde ihr jedoch klar, dass auch eine renommierte Journalistenschule keine Jobgarantie biete. Ihre Ernüchterung bestehe nicht darin, dass die Journalistenschule nichts bringe, sondern darin, dass Prestige allein keine materielle Sicherheit schaffe.

6. “Sinn- und Stillos”: Heidenreich fordert Absetzung von Scheck
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Elke Heidenreich fordere in einem Gastbeitrag für die “Zeit” (nur mit Abo lesbar) die Absetzung von Denis Scheck und dessen ARD-Sendung “Druckfrisch”. Anlass sei Schecks Verriss von Ildikó von Kürthys Buch “Alt genug”, den Heidenreich als Ausdruck eines herablassenden und misogynen Tons gegenüber Autorinnen werte. Heidenreich sehe in Schecks Sendung keinen Kulturauftrag mehr, sondern eine sinn- und stillose Form der Literaturkritik.

Kein Spielraum für Verbot, Abschied vom Papier, Personeller Aderlass

1. Kein Spielraum für deutsches Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck berichtet über ein neues Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags, laut dem ein nationales Social-Media-Verbot für Minderjährige in Deutschland rechtlich kaum umsetzbar sei. Demnach stünden einem solchen Vorhaben vor allem das EU-Recht sowie das im Grundgesetz verankerte Erziehungsrecht der Eltern massiv entgegen. Obwohl es für ein derartiges Verbot parteiübergreifende Unterstützung bis hin zum Bundeskanzler gebe, würden Kritiker vor populistischen Scheinlösungen warnen.

2. Chris­tian Ulmen greift Deep-Fake-Ver­dacht gericht­lich an
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Einem aktuellen Bericht von “Legal Tribune Online” zufolge habe Christian Ulmen vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den “Spiegel” beantragt. Ulmen wehre sich gegen den durch einen Artikel seiner Meinung nach erweckten Verdacht, er habe Deepfake-Videos seiner Ex-Frau Collien Fernandes produziert oder verbreitet. Bemerkenswert sei an diesem Vorgehen, dass Ulmen die massiven Kernvorwürfe des “Spiegel”-Berichts juristisch nicht angreife.

3. Chefreporterin kehrt Verleger Friedrich den Rücken
(taz.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner berichtet über einen personellen Aderlass bei der “Berliner Zeitung”: Nach drei Jahrzehnten verlasse die prägende Chefreporterin Anja Reich-Osang das Blatt, begleitet von ihrer Kollegin Wiebke Hollersen. Hintergrund des Abschieds sei die Entwicklung der Zeitung unter dem Verleger-Ehepaar Friedrich. Diese sei laut Meisner durch Kreml-Propaganda, eine politische Öffnung nach rechts außen sowie ein drastisch verschlechtertes Betriebsklima gekennzeichnet.

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4. US-Gericht stuft Mittelkürzung bei NPR und PBS als rechtswidrig ein
(zeit.de)
Ein US-Bundesrichter habe die von Präsident Donald Trump angeordnete Streichung staatlicher Mittel für die öffentlichen Sender NPR und PBS für rechtswidrig erklärt. Der Entzug der Fördergelder stelle eine verfassungswidrige Vergeltungsmaßnahme für unliebsame Berichterstattung dar und verletze das Recht auf freie Meinungsäußerung. Reale finanzielle Folgen habe der juristische Sieg für die Sender jedoch kaum noch.

5. Tschüss Papier, hallo Pixel
(verdi.de, Peter Nowak)
Die linke Tageszeitung “nd” habe ihre werktägliche Printausgabe zum 1. April eingestellt und erscheine unter der Woche nur noch digital. Lediglich die Wochenausgabe bleibe als Printmedium erhalten. Laut Vorstand seien drastisch gestiegene Druck- und Zustellkosten sowie ein akuter Personalmangel der Grund für diesen Schritt, mit dem das Blatt dem Vorbild der “taz” folge. Man hoffe, durch die konsequente Digitalisierung künftig vermehrt ein jüngeres Publikum zu erreichen.

6. Netzwerk Recherche feiert 25. Geburtstag
(netzwerkrecherche.org, Franziska Senkel)
Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens blickt der Journalistenverein Netzwerk Recherche auf ein Vierteljahrhundert Einsatz für investigativen Qualitätsjournalismus und branchenweite Kooperationen zurück. Neben der Ausrichtung der stark besuchten Jahreskonferenz habe die Organisation die deutsche Medienlandschaft durch die Vergabe von über 120 Recherche-Stipendien, die Etablierung bekannter Branchenpreise wie dem “Leuchtturm” oder der “Verschlossenen Auster” sowie durch praxisnahe Leitlinien maßgeblich geprägt.

Kriminalstatistik in Medien, Lokales Zeitungssterben, “Heimatstrom”

1. Lokalmedien: Vorsicht, Lückenfüller!
(netzwerkrecherche.org)
Das Netzwerk Recherche warnt in seinem neuen Report (PDF) davor, dass das Zeitungssterben im ländlichen Raum gefährliche publizistische Lücken hinterlasse. Am Beispiel einer thüringischen Region zeige sich, dass diese Leerstellen zunehmend von kommunaler PR, polemischen Gratisblättern und AfD-nahen Portalen gefüllt würden. Als Gegenmittel fordern die Studienautoren eine stärkere Förderung der Medienkompetenz sowie den Aufbau regionaler Rechercheverbünde und verlässlicher digitaler Lokalformate.

2. Kriminalstatistik: Wie Medien Zahlen falsch einordnen
(ardsounds.de, Linus Lüring & Andreas Strobel, Audio: 28:12 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” geht es um die Polizeiliche Kriminalstatistik und die Einordnung der Zahlen durch Medien: “Was zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik tatsächlich – und was eben nicht? Warum spielt das ‘Lüchow-Dannenberg-Syndrom’ eine wichtige Rolle? Was ist problematisch, wenn es um die Zahlen nichtdeutscher Tatverdächtiger geht? Und generell: Wie können wir besser über Kriminalität berichten?”

3. Nach Streik: DJV und ver.di erzielen Tarifeinigung mit der dpa
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Das Medienmagazin “DWDL” berichtet, dass sich die Gewerkschaften DJV und Verdi nach einem Warnstreik mit der Nachrichtenagentur dpa auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt hätten. Demnach sollen die Gehälter der Beschäftigten im laufenden Jahr in zwei Stufen um insgesamt 200 Euro monatlich und ab Mitte 2027 um weitere 2,5 Prozent steigen, wovon Volontärinnen und Volontäre sowie Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger besonders stark profitieren würden.

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4. Australien ermittelt gegen Tech-Konzerne wegen Verstößen gegen Social-Media-Verbot
(spiegel.de)
Australische Behörden würden aktuell gegen fünf große Tech-Konzerne (darunter Meta, TikTok und YouTube) ermitteln, weil diese das seit Dezember geltende Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren nicht konsequent genug umsetzen würden. “Am Anfang haben die meisten Plattformen die nötigen Schritte eingeleitet. Aber unsere jüngsten Beobachtungen zeigen, dass manche Firmen nicht genug tun, um dem australischen Recht zu folgen”, so eine Vertreterin der zuständigen Aufsichtsbehörde.

5. Onlinekultur und digitales Pathos
(taz.de, Hilka Dirks)
Hilka Dirks befasst sich mit der Buchvorstellung des Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich, der in seinem neuen Werk “Memokratie” die demokratiegefährdende Macht von Memes und autoritärer Bildpolitik untersuche. Ullrich argumentiere, dass die Ära des dokumentarischen Bildes als verlässlicher Tatsachenbeleg endgültig vorbei ist und sogenannte “Meme-Warriors” weitreichenden politischen Einfluss ausüben.

6. Die 15 witzigsten “Heimatstrom”-Memes – und wie sie Rechte entlarven
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Beim “Volksverpetzer” schaut Thomas Laschyk auf einen aktuellen Social-Media-Trend, bei dem KI-generierte Bilder im Stil historischer NS-Propaganda ironisch für erneuerbare Energien werben. Diese satirischen “Heimatstrom”-Memes würden darauf abzielen, die Energiepolitik rechter Parteien als widersprüchlich und unpatriotisch zu entlarven. Laschyks Fazit: “Am Ende bleibt die Frage, ob diese Satire der ‘Heimatstrom’-Memes wirklich Meinungen ändert. Oder gar ein Umdenken erreichen könnte bei denjenigen, die sonst gerne auf rechte und fossile Propaganda hereinfallen. Aber vielleicht schärft sie das Bewusstsein bei denen, die noch zweifeln.”

Weimer sagt ab, Steingarts Vorwurf, TikTok statt Lokalzeitung

1. Kulturstaatsminister Weimer sagt Termine auf Leipziger Buchmesse ab
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe seinen Besuch auf der Leipziger Buchmesse drastisch verkürzt und alle Termine für den ersten regulären Messetag abgesagt. Er werde lediglich beim feierlichen Eröffnungsakt am heutigen Mittwochabend sprechen. Der traditionelle Messerundgang sowie eine Diskussionsrunde zur Meinungsfreiheit seien gestrichen worden. Hintergrund des Rückziehers sei massive Kritik aus der Kulturbranche an den jüngsten Entscheidungen Weimers.
Weiterer Lesetipp: Tomaten für Wolfram Weimer: “Gibt es ‘verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse’ zu einer Buchhandlung im Bergischen Land südlich von Köln? Wie das skandalöse Vorgehen des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer landauf, landab Kreise zieht.” (campact.de, Matthias Meisner). In der “taz” kommentiert Steffen Grimberg die Entscheidung des Kulturstaatsministers, den Ausbau der Deutschen Nationalbibliothek zu stoppen: Bücher-, ähhh, Bürokratieabbau à la Weimer (taz.de).
Und noch ein Gucktipp: Bei YouTube widmet sich Kabarettist und Satiriker Florian Schroeder dem Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer – der Killer der Kunstfreiheit?! (youtube.com, Video, 11:42 Minuten)

2. Cor­rectiv ver­liert Streit um Kernaus­sage in Potsdam-Bericht
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) berichtet, habe die AfD-Politikerin Gerrit Huy mit ihrer Klage gegen “Correctiv” Erfolg gehabt. Das Landgericht Berlin habe unter anderem die Aussage verboten, es sei auf dem Potsdamer Treffen um einen “Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger” gegangen. “LTO”-Chefredakteur Felix W. Zimmermann schreibt dazu: “Das Urteil des LG Berlin II ist ein harter Schlag für Correctiv, aber nicht das Ende des Rechtsstreits. Ein Gang zum Kammergericht in Berlin durch Correctiv ist genauso sicher wie umgekehrt eine Berufungsentscheidung in Hamburg im Fall Vosgerau. Ob die Passagen letztlich verboten werden oder nicht, ist völlig offen.”

3. Rosenfeld sagt sich nach Prostitutionsvorwurf von Steingart los
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach scharfer Kritik von “The-Pioneer”-Chef Gabor Steingart an sogenannten “Host-Read”-Werbespots habe die Journalistin Dagmar Rosenfeld ihre Tätigkeit als Kolumnistin für Steingarts Portal per sofort beendet. Dieser habe die Werbeform, bei der Journalistinnen und Journalisten bezahlte Reklametexte in Podcasts selbst vorlesen, zuvor öffentlich mit Prostitution verglichen. Steingart habe seine Wortwahl daraufhin verteidigt und argumentiert, er greife niemanden persönlich an, halte die gezielte Vermischung von Redaktion und Werbung jedoch für unehrenhaft und “klebrig”. Rosenfelds Podcast-Partner Robin Alexander sei ihr online beigesprungen und habe Steingart im Gegenzug mangelnden Stil und fehlenden Anstand vorgeworfen.

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4. US-Sender wegen Iran-Berichterstattung unter Druck
(tagesschau.de)
Die US-Medienaufsichtsbehörde drohe US-Sendern im Zusammenhang mit deren Berichterstattung über den Iran-Krieg offen mit dem Entzug ihrer Lizenzen. Behördenchef Brendan Carr habe erklärt, dass Sender, die angebliche Falschmeldungen verbreiten, nicht im öffentlichen Interesse handeln würden und ihren Kurs vor anstehenden Lizenzverlängerungen zwingend korrigieren müssten. Medienhäuser und Menschenrechtsorganisationen hätten sich alarmiert gezeigt und die Drohungen verurteilt.

5. TikTok statt Lokalzeitung
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Die Medienberaterin Pauline Tillmann warne davor, dass Lokalzeitungen eine ganze Generation verlieren könnten, wenn sie die Plattform TikTok ignorieren. Da junge Menschen ihre Informationen primär aus Sozialen Netzwerken bezögen und kaum noch klassische Zeitungswebsites besuchen würden, sei eine Social-Media-Präsenz für Medienhäuser heutzutage unverzichtbar. Viele Lokalzeitungen hätten auf TikTok jedoch nur mäßigen Erfolg, was oft an zu schwach besetzten Social-Media-Teams liege. Es gebe jedoch auch Erfolgsbeispiele aus der Praxis.

6. Kleine Unternehmen, großes Engagement: Wie unabhängige Verlage auf dem angespannten Buchmarkt überleben
(tagesspiegel.de, Nadia Gering)
Kleine und unabhängige Buchverlage in Deutschland stünden unter massivem wirtschaftlichem Druck. Die ökonomischen Rahmenbedingungen hätten sich durch stark gestiegene Druck- und Produktionskosten drastisch verschlechtert. Laut Heiko Hartmann, Professor für Publishing Management, fehle großen Buchhandelsketten oft das Interesse an kleinen Nischenanbietern. Daher beziehe deren Zentraleinkauf primär Mainstream-Titel bei großen Konzernverlagen. Die Arbeit der unabhängigen Verlage sei allerdings kulturell unverzichtbar.

Doku über Natascha Kampusch, Der Hassanzeiger, Verantwortungslücke

1. ORF nimmt Kampusch-Doku nach Protesten aus dem Programm
(spiegel.de)
Der österreichische Rundfunk ORF habe eine für den heutigen Montag geplante Fernsehdokumentation über das frühere Entführungsopfer Natascha Kampusch nach massiven Protesten vorerst aus dem Programm genommen. Als Grund für die kurzfristige Absetzung nenne der öffentlich-rechtliche Sender noch ungeklärte Fragen bezüglich der Persönlichkeitsrechte der heute 38-Jährigen. Zuvor hätten unter anderem Medienanwälte, behandelnde Ärzte sowie die Opferhilfeorganisation Weißer Ring scharf gegen die Doku protestiert.

2. Der Hassanzeiger
(taz.de, Jost Maurin)
Der 25-jährige Fabian F. durchforste in seiner Freizeit Soziale Netzwerke nach rechtsextremer Hetze und zeige gezielt strafbare Inhalte wie NS-Symbole oder Mordaufrufe an. Es gehe ihm darum, die demokratische Debattenkultur zu schützen und zu verhindern, dass aus hasserfüllten Worten reale Taten würden. Um nicht als bloßer Denunziant zu gelten, habe er sich bei seinen rund 300 erstatteten Anzeigen bewusst auf schwere Vergehen und notorische Wiederholungstäter konzentriert.

3. Vom Incel-Forum zum TikTok-Trend – Wie Incel-Sprache Mainstream wurde
(belltower.news, Kira Ayyadi)
Toxische Vokabeln wie “Looksmaxxing” aus frauenfeindlichen Incel-Foren seien mittlerweile zu einem viralen, scheinbar harmlosen TikTok-Trend für Jugendliche avanciert. Hinter diesem Hype um extreme körperliche Selbstoptimierung verberge sich ein zutiefst misogynes Weltbild, das den Wert von Menschen auf einen rein optischen Marktwert reduziere, schreibt Kira Ayyadi. Dieser Lifestyle werde gezielt von rechtsextremen Influencern genutzt, um junge Männer für rassistische und antidemokratische Ideologien zu rekrutieren.

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4. Iran-Krieg aus 3 Perspektiven: Vor Ort, in den USA, für Kinder
(br.de, Linus Lüring, Audio: 28:44 Minuten)
Im Podcast “BR24 Medien” diskutiert Moderator Linus Lüring mit drei Medienschaffenden über die massiven Herausforderungen aktueller Kriegs- und Krisenberichterstattung. Katharina Willinger, Leiterin des ARD-Studios in Istanbul, spricht über die schwierige Aufgabe, über einen Krieg zu berichten, ohne in das Land des Geschehens reisen zu können. Christian Fahrenbach, Journalist in New York, ordnet die Kommunikation der Trump-Administration und den medialen Umgang mit den Epstein-Akten ein. Und “logo!”-Redaktionsleiterin Constanze Knöchel erläutert, wie man Kindern ein komplexes Kriegsgeschehen verantwortungsvoll und teils sogar humorvoll vermittelt.

5. Die Verantwortungslücke
(npj.news, Leif Kramp & Stephan Weichert)
In einem aktuellen Debattenbeitrag vertreten Leif Kramp und Stefan Weichert die These, dass sich die Bühne des Journalismus massiv verschoben habe. Texte müssten künftig zwingend maschinenlesbar für KI-Assistenten aufbereitet werden, um in den digitalen Informationsströmen überhaupt noch sichtbar zu bleiben. Weitreichende neue Finanzierungsmodelle seien nötig. Denkbar seien etwa API-Lizenzzahlungen von Tech-Konzernen, direkte Community-Unterstützung oder gar eine Öffnung des Rundfunkbeitrags für jeglichen gemeinwohlorientierten Journalismus.

6. Werbung muss klar erkennbar sein
(verbraucherzentrale-bawue.de)
Das Landgericht Bamberg habe nach einer Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geurteilt, dass die Werbekennzeichnung auf YouTube deutlich transparenter und dauerhafter erfolgen müsse. Es reiche keinesfalls aus, wenn bei einem minutenlangen Video eines Finanz-Influencers lediglich in den ersten zehn Sekunden ein Werbehinweis eingeblendet werde und der eigentliche Sponsor unklar bleibe. Auch das Onlineportal des “Handelsblatts” stehe wegen unzureichender Transparenz massiv in der Kritik.

Ehrenlose Staaten, ARD muss Bericht korrigieren, Zulässiger “Pinocchio”

1. Ehrenlose Staaten
(taz.de, Christian Rath)
Der Bundesgerichtshof habe in einem Grundsatzurteil entschieden, dass ein Staat keine persönliche Ehre und keine Persönlichkeitsrechte besitze und daher nicht auf Unterlassung gegen Medienberichte klagen könne. Folglich sei Marokko mit seinen Klagen gegen die “Süddeutsche Zeitung” und “Zeit Online” gescheitert. Die Redaktionen hätten dem Land in ihrer Berichterstattung den mutmaßlichen Einsatz der Spionagesoftware Pegasus vorgeworfen.

2. Auch ARD korrigiert Bericht nachträglich und entschuldigt sich
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die ARD habe für einen Fehler im “Bericht aus Berlin” um Entschuldigung gebeten. Durch einen Zusammenschnitt von Aufnahmen des CDU-Parteitags sei fälschlicherweise der Eindruck erweckt worden, Angela Merkel habe nach der Wiederwahl von Friedrich Merz zum CDU-Parteichef im Saal applaudiert. Tatsächlich sei Merkel zum Zeitpunkt der Ergebnis-Bekanntgabe gar nicht mehr vor Ort gewesen. Der Sender habe den Beitrag in der Mediathek umgehend korrigiert und auf den zeitlichen Zuordnungsfehler des an sich authentischen Bildmaterials hingewiesen.

3. Staats­an­walt­schaft sieht “Pinoc­chio” als zuläs­sige Kritik an Merz
(lto.de)
Die Staatsanwaltschaft Heilbronn habe ein Ermittlungsverfahren gegen einen Facebook-Nutzer eingestellt, der Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Online-Kommentar als “Pinocchio” bezeichnet habe. Laut den Behörden handele es sich bei diesem Vergleich nicht um eine strafbare Beleidigung, sondern “um eine von der Meinungsfreiheit gedeckte und damit zulässige Machtkritik”.

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4. ZDF: Neue Regeln für Programmbeschwerden
(verdi.de, Volker Nünning)
Das ZDF habe seine Beschwerdeordnung novelliert, um mit strengeren Regularien auf die stark gestiegene Zahl von Programmbeschwerden und auf gezielte digitale Beschwerdekampagnen zu reagieren. Künftig müssten Eingaben an den Fernsehrat neun klare Kriterien erfüllen, darunter vollständige Kontaktdaten. Außerdem müssten “Beschwerden respektvoll und angemessen formuliert sein, insbesondere dürfen sie ‘keinen beleidigenden, erpresserischen oder nötigenden Charakter’ haben.”

5. So navigieren Verlage durch die kritische Phase
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Laut einer aktuellen Branchenumfrage befinde sich die Verlagslandschaft in einer kritischen Transformationsphase, in der ein kontrollierter Abschied vom schrumpfenden Printgeschäft durch wachsende Digitalerlöse abgefedert werden müsse. Parallel dazu steige der Konsolidierungsdruck. Viele Medienhäuser seien nach wie vor existenziell vom Traffic der großen Tech-Plattformen abhängig. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz werde zwar branchenweit als notwendig betrachtet, erfordere jedoch dringend neue Standards und EU-Regulierungen.

6. Britische Datenschützer verhängen Millionenstrafe gegen Reddit
(spiegel.de)
Die britische Datenschutzbehörde ICO habe eine Strafe von umgerechnet rund 16,5 Millionen Euro gegen Reddit verhängt. Die Plattform habe Minderjährige nicht ausreichend geschützt, da sie ihrer gesetzlichen Pflicht zur besonderen Absicherung von Kindern nicht nachgekommen sei. Laut ICO reiche eine einfache Selbstauskunft der Nutzerinnen und Nutzer nicht aus. Reddit habe Widerspruch gegen die Entscheidung angekündigt.

Altbekannte Meckerei, Showdown um Warner, Streit über Zettel-Verkäufer

1. Altbekannte Meckerei
(taz.de, Michael Bartsch)
In seinem Kommentar wirft Michael Bartsch der neuen “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” vor, lediglich eine Mischung aus Ostalgie, Sowjetromantik und AfD-Nähe zu bedienen, anstatt den Leserinnen und Lesern wirklich neue Perspektiven zu bieten. Das Blatt von Verleger Holger Friedrich kultiviere in Bartschs Augen eine reaktionäre Opferhaltung und ein ständiges Beleidigtsein der Bürgerinnen und Bürger, ohne zur demokratischen Mitwirkung aufzurufen. Zudem sei es für ihn geradezu ironisch, dass in der Zeitung überwiegend Autorinnen und Autoren westdeutscher Herkunft schreiben würden.

2. Türkischen Botschafter einbestellen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die Inhaftierung des Deutsche-Welle-Korrespondenten Alican Uludağ in der Türkei: “Das ist pure Schikane gegen einen kritischen und unabhängigen Journalisten, der seinen Beruf ernst nimmt und sich nicht mundtot machen lässt”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Und es ist ein Frontalangriff auf den deutschen Auslandssender Deutsche Welle, der die Menschen journalistisch und nicht propagandistisch informiert.”

3. Showdown um Warner: Bringt Paramount den Netflix-Deal zu Fall?
(dwdl.de, Uwe Mantel)
In der Nacht zum heutigen Dienstag sei die Verhandlungsfrist für ein verbessertes Übernahmeangebot von Paramount für Warner Bros. Discovery ausgelaufen. Bislang favorisiere der Warner-Vorstand den bereits im Dezember beschlossenen Milliarden-Deal mit Netflix. Sollte der von der Familie Ellison gestützte Paramount-Konzern sein Gebot nun erhöhen, habe Netflix vier Tage Zeit, um finanziell gleichzuziehen. Ein direkter Vergleich der beiden Angebote sei jedoch kompliziert, schreibt Uwe Mantel bei “DWDL”.

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4. Streit über Schabowski-Zettel geht in nächste Runde
(spiegel.de)
Der Rechtsstreit um Günter Schabowskis historischen Sprechzettel zum Mauerfall gehe in die nächste Instanz. Ein “Bild”-Journalist poche auf seinen presserechtlichen Auskunftsanspruch. Der Reporter fordere vom Bonner Haus der Geschichte für eine Recherche die Offenlegung der Namen jener Personen, die dem Museum das Dokument für 25.000 Euro verkauft hätten. Zwei Vorinstanzen hätten der Klage des Journalisten bereits stattgegeben. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung sei jedoch die Revision zugelassen worden.

5. 18 Monate im Europäischen Observatorium für (Desinformations)narrative
(de.ejo-online.eu, Martin Lestra)
In einem Rückblick auf die vergangenen anderthalb Jahre berichtet Projektleiter Martin Lestra, dass das europäische Pilotprojekt “PROMPT” in den zurückliegenden 18 Monaten erfolgreich zielgerichtete KI-Werkzeuge zur Erkennung und Bekämpfung von Desinformation entwickelt habe. Dabei habe sich gezeigt, dass Künstliche Intelligenz zwar große Datenmengen schnell verarbeite, menschliche Analysen für die Interpretation von Kontexten jedoch unersetzlich seien. Das Projekt habe zudem eine gemeinsame Terminologie für Desinformationstaktiken geschaffen und frei zugängliche Verifizierungs-Tools bereitgestellt.

6. Weimer will Tiktok nach US-Vorbild in europäische Hände legen
(n-tv.de)
Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer habe sich dafür ausgesprochen, bei TikTok und dessen Mutterkonzern Bytedance ähnlich wie die USA vorzugehen: “Bei Tiktok bin ich der Meinung, wir müssen dort auch die Eigentumsfrage stellen, wie die Amerikaner. Europa sollte eine Antwort darauf finden: Wem gehört Tiktok, ob wir das nicht in europäische Hände legen sollten, im Einvernehmen mit Bytedance.”

Wie umgehen mit Social Media?, Kuschelblatt, Satz für die Ewigkeit

1. Tolerieren, regulieren oder verbieten: Wie umgehen mit Social Media?
(wdr.de, Susan Link, Video: 57:13 Minuten)
Im “Presseclub” geht es um die Frage, ob nach australischem Vorbild ein Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren eingeführt werden soll, um junge Menschen vor Suchtgefahren zu schützen: “Wie gefährlich sind die sozialen Netzwerke für unsere Demokratie und welche Möglichkeiten gibt es, sich aus der Abhängigkeit der großen Tech-Konzerne in den USA und China zu lösen?” Es diskutieren Jakob Hanke Vela (Büroleiter des “Handelsblatt” in Brüssel), Laura Hertreiter (Feuilletonchefin der “Zeit”), Gavin Karlmeier (freier Journalist und Digitalexperte) sowie Katharina Nocun (freie Journalistin, Autorin und Podcasterin).
Weitere Lesetipps: Social-Media-Sucht: Wie Schwarz-Rot die Verantwortung auf Nutzer schiebt (volksverpetzer.de, Patrick Gensing). Bei netzpolitik.org hat Sebastian Meineck die allgemeine Stimmungslage zusammengefasst: So breit ist die Kritik am Social-Media-Verbot: “Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) findet ein Social-Media-Verbot bis 16 Jahre sympathisch. Viele Organisationen aus Kinderschutz, Wissenschaft und Pädagogik lehnen das Verbot allerdings ab – und warnen vor Schäden für Kinder und Jugendliche. Die Übersicht.” (netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
 Die Union ist sich bei dem Thema anscheinend nicht einig. Die CSU widerspreche ihrer großen Schwester: CSU stellt sich gegen Altersgrenze für Social Media (spiegel.de).

2. ZDF zieht New-York-Korrespondentin Nicola Abrecht ab
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das ZDF berufe seine New-York-Korrespondentin Nicola Albrecht ab, da sie in einem Bericht für das “heute journal” ungekennzeichnete KI-Bilder und thematisch falsches Videomaterial verwendet habe. Chefredakteurin Bettina Schausten spreche von einem schweren Verstoß gegen interne Richtlinien. Dies habe die journalistische Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders massiv beschädigt.
Weiterer Lesetipp: Unterstützung habe Albrecht vom langjährigen “heute-journal”-Moderator Claus Kleber erhalten: “Es gilt, den Rücken breit zu machen und dafür zu sorgen, dass professionelle Journalisten furchtlos ihrer Arbeit weitermachen können. Wie Nicola Albrecht.” (dwdl.de, Uwe Mantel)

3. Kuschelblatt für klasse Leute
(taz.de, Anne Fromm & David Muschenich)
Der Verleger Holger Friedrich habe mit der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” (“OAZ”) eine neue Wochenzeitung auf den Markt gebracht, die gezielt ostdeutsche Identitätsgefühle und Befindlichkeiten bedienen wolle. Anne Fromm und David Muschenich haben sich die erste Ausgabe der “OAZ” angeschaut. Diese fokussiere sich auf das Narrativ einer angeblich bedrohten Meinungsfreiheit und falle durch unkritische Beiträge auf, darunter ein schmeichelhaftes Porträt des AfD-Chefs Tino Chrupalla sowie russlandfreundliche Forderungen.
Weiterer Lesetipp: Für t-online.de hat Medienexperte Volker Lilienthal die “Ostdeutsche Allgemeine Zeitung” rezensiert. Ihm ist neben vielem Großen auch eine in ihrer Widersprüchlichkeit bezeichnende Kleinigkeit aufgefallen: “Reden müssen wir noch über eine ganz merkwürdige Losung in kleiner Schrift auf Seite eins ganz unten: ‘Unabhängig. Mutig. Gewaltfrei.’ Was soll das? Wie könnte eine Zeitung je gewalttätig sein? Was wären ihre Instrumente? Oder sind die anderen gewalttätig, die ‘OAZ’ aber nicht? Im Impressum findet sich ganz unten noch ein Hinweis: ‘Unsere Waffe ist das Wort. Es kann, wenn nötig, geschliffen sein.’ Also doch nicht so ganz gewaltfrei?” (t-online.de, Volker Lilienthal)

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4. Von Trumps Gnaden
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Der US-Sender CBS beuge sich zunehmend dem politischen Druck der Trump-Administration. So habe man in vorauseilendem Gehorsam ein Interview des Satirikers Stephen Colbert zensiert. Zudem sei die Unabhängigkeit der Nachrichtenredaktion massiv eingeschränkt. Der neue, Trump-freundliche CBS-Eigentümer David Ellison baue den Sender ideologisch um und lasse kritische Berichte unterdrücken. Tomas Rudl hat die Entwicklung für netzpolitik.org zusammengefasst.

5. Nostalgie in Hof: Radiogeschichte zum 80. Jubiläum von RIAS Berlin
(radiowoche.de, Stephan Wunder)
Der 80. Geburtstag des Rundfunksenders RIAS sei vom offiziellen Nachfolgesender in Berlin weitgehend ignoriert worden, doch in der oberfränkischen Stadt Hof hätten sich über 120 ehemalige Hörerinnen und Hörer, Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter zusammengefunden. Die Stadt Hof pflege eine besonders enge emotionale Verbindung zu dem Sender. Dieser habe über viele Jahre als “mediales Schaufenster” mit zahlreichen Live-Übertragungen fungiert.

6. Ein rätselhafter Todesfall – und ein erster Satz für die Ewigkeit
(spiegel.de, Hauke Goos)
Hauke Goos analysiert humorvoll eine kuriose Lokalnachricht aus dem Jahr 1979 über einen rätselhaften Todesfall. Dabei nimmt er die unbeholfenen, aber charmanten Phrasen des damaligen Reporters detailliert unter die Lupe, wie etwa den angesichts der Leiche “nicht schlecht staunenden” Briefträger. Am Ende feiert Goos diese eigenwillige Wortwahl als unfreiwillig komische Prosa-Miniatur und würdigt den kuriosen Einleitungssatz als Meisterwerk für die Ewigkeit.

Im freien Fall, Raus aus der Manege, Vorteile des Bibliotheksausweises

1. Im freien Fall
(taz.de, Nicholas Potter)
Amazon-Gründer Jeff Bezos habe die “Washington Post” einst als Retter übernommen und ihr eine “goldene Ära” versprochen. Doch nun stecke die traditionsreiche Zeitung in einer tiefen Krise, die sich durch den massenhaften Verlust von Abonnentinnen und Abonnenten, den Abgang namhafter Journalistinnen und Journalisten sowie die Entlassung von hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeige. Kritiker würfen Bezos vor, strategisch versagt zu haben und die journalistischen Werte der “Washington Post” politischen Interessen zu opfern. Das Management unter ihm beharre jedoch weiterhin auf seinem rigiden Sparkurs.

2. Raus aus der Manege – Warum öffentliches Reden mit Rechten ein Problem ist
(54books.de, Simon Sahner)
Simon Sahner argumentiert, dass die Strategie des öffentlichen Redens mit Rechten gescheitert sei, da die AfD trotz ständiger medialer Aufmerksamkeit heute stärker dastehe als je zuvor. Er kritisiert, dass Talkshows und Influencer rechtsextremen Akteuren oft nur aus Quotengründen eine Bühne böten. Dadurch würden deren radikale Ansichten fälschlicherweise als normale, diskutierbare Meinungen legitimiert. Statt inszenierter “Schaukämpfe” vor der Kamera fordert Sahner, sich wieder den konkreten Alltagsproblemen der Menschen zu widmen.

3. Epstein Files: Medien, Schwefelsäure und die Wahrheit
(youtube.com, Raja Khadour & Fritz Lüders, Video: 8:44 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” hat sich mit dem Recherche-Hype um die veröffentlichten Epstein-Akten beschäftigt. Dieser sei durch den freien Zugang für Privatpersonen ausgelöst worden und habe eine Flut an ungeprüften, teils vermeintlichen, teils tatsächlichen Enthüllungen und KI-Fälschungen in den Sozialen Netzwerken ausgelöst. Klassische Medienhäuser stünden vor dem Dilemma, dass sie mit der Geschwindigkeit der Online-Gerüchteküche nicht mithalten können, ohne ihre journalistische Sorgfaltspflicht zu verletzen.

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4. Australien: “Viele Jugendliche machen sich über die Altersgrenze lustig”
(deutsches-schulportal.de, Alexander Brand)
Der australische Lehrer Chris Bush berichtet, dass das Social-Media-Verbot in seinem Land für Personen unter 16 Jahren das Nutzungsverhalten bisher kaum verändert habe. Die Jugendlichen würden die Sperren oft durch falsche Altersangaben oder das Nutzen von VPNs mühelos umgehen. Dennoch hält er das Gesetz langfristig für richtig und vergleicht es mit dem Rauchverbot, dessen positive Effekte auf die psychische Gesundheit erst bei der nachfolgenden Generation sichtbar werden dürften. Unmittelbar wirksamer seien derzeit die konsequenten Handyverbote an Schulen, die bereits jetzt dazu führen würden, dass Schülerinnen und Schüler in den Pausen wieder miteinander spielen und direkt miteinander kommunizieren.

5. Medienanstalten sehen Staatsferne bei KI-Kontrolle gewahrt
(faz.net)
Nachdem die “FAZ” das neue KI-Durchführungsgesetz wegen mangelnder Staatsferne kritisiert habe, widersprächen nun das Digitalministerium sowie die Landesmedienanstalten dieser Darstellung. Sie würden auf die gesetzliche Regelung verweisen, laut der die Kontrolle von Medienanbietern weiterhin explizit in der Zuständigkeit der Länderbehörden verbleibe, womit die journalistische Unabhängigkeit gewahrt sei.

6. Das bekommen Sie alles kostenlos, wenn Sie einen Bibliotheksausweis haben
(spiegel.de)
Viele Bibliotheken hätten ihr Angebot längst über das Ausleihen von Büchern hinaus erweitert und böten nun auch “Makerspaces” mit 3D-Druckern oder eine “Bibliothek der Dinge” für den Verleih von Alltagsgegenständen wie Bohrmaschinen. In Städten wie Frankfurt und München stünden Nutzerinnen und Nutzern zudem Musikinstrumente zum Ausleihen oder Tonstudios für eigene Aufnahmen zur Verfügung. Ergänzend dazu ermögliche der Bibliotheksausweis oft den digitalen Zugriff auf Streamingdienste, Sprachlernprogramme sowie umfangreiche Pressearchive.

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