1. Mob gegen Presse
(taz.de, André Zuschlag)
Nach Recherchen über zwei extrem rechte AfD-Kandidierende für die Oldenburger Kommunalwahl sei das freie “taz”-Duo Aljoscha Hoepfner und Mieke Wolke massiven Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Neben gezieltem Online-Doxxing, Beleidigungen und Diffamierungskampagnen durch rechte Influencer habe eine der Porträtierten vor Veröffentlichung des Artikels mutmaßlich Hoepfners Wohnadresse ausgespäht. “Wir gehen davon aus, dass der Zweck dieses Einschüchterungsversuchs war, die Veröffentlichung des Artikels zu verhindern”, so Hoepfner.
2. AfD-Rundfunkpläne in Sachsen-Anhalt: RSF prüft rechtliche Schritte
(reporter-ohne-grenzen.de)
Im Vorfeld der Wahlen in Sachsen-Anhalt kündigt die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) Gegenwehr an, sollte die AfD ihre Pläne zum Rundfunkabbau umsetzen: “Wir nehmen die Ankündigungen der AfD ernst und bereiten uns deshalb schon jetzt auf mögliche staatliche Eingriffe in die Rundfunkordnung vor”, so RSF-Geschäftsführer Christian Mihr: “Sollte eine künftige Landesregierung die Rundfunkstaatsverträge kündigen und sich abzeichnen, dass die dann entstehende Rundfunkordnung keine umfassende und freie Meinungsbildung mehr erlaubt, werden wir entsprechende rechtliche Schritte einleiten.”
3. Mit ihrem Verbot helfen Meta und Google der AfD
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Als Reaktion auf strengere EU-Transparenzvorgaben hätten Digitalkonzerne wie Meta und Google bezahlte politische Anzeigen in Europa verboten. Vor den anstehenden Landtagswahlen in drei Bundesländern habe dies zwar positive Effekte, zwinge Parteien im Internet jedoch vollends in die organische Plattformlogik. Da Algorithmen vor allem emotionale Zuspitzung, Wut und Polarisierung belohnen, profitiere hiervon überproportional die AfD, schreibt Ingo Dachwitz bei netzpolitik.org.
4. “Das ist keine Welt, in der wir leben wollen”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Die Klimaforscherin Friederike Otto erklärt im Gespräch mit dem “journalist”, wie die Zuordnungsforschung den direkten Einfluss der menschengemachten Erderwärmung auf Extremwetterereignisse wie Starkregen und tödliche Hitzewellen nachweist. Von Medien fordert Otto eine konsequentere Berichterstattung: Journalistinnen und Journalisten sollten Extremwetter verlässlich in den Klimakontext einordnen, Desinformation und deren finanzielle Hintermänner klar benennen sowie sozial gerechte, lebenswerte Lösungen in den Mittelpunkt stellen.
5. Propaganda: Die Macht der Beeinflussung
(verdi.de, Till Schmidt)
Im Gespräch mit dem Verdi-Magazin “M – Menschen machen Medien” analysiert die Historikerin Alexandra Bleyer die Mechanismen moderner Propaganda. Einst wertneutral als werbende Überzeugungskommunikation verstanden, diene der Begriff heute vor allem als polarisierender Kampfbegriff. Propagandistische Strategien würden auf emotionale Schwarz-Weiß-Bilder, selektive Auslassungen und psychologische Schwachstellen setzen. Um Manipulationen wirksam zu begegnen, seien sowohl ein reflektiertes Medienpublikum als auch ein professioneller Journalismus unverzichtbar.
6. News-Charts: Nackte Tatsachen sorgen für Reichweiten-Furore
(dwdl.de, Simon Pycha)
In den aktuellen “Publisher Charts” von “DWDL” für TikTok hätten die Redaktionen von “Tagesspiegel” und “rbb24” im August außergewöhnliche Reichweitenerfolge durch ihre Berichterstattung über den Berliner “World Naked Bike Ride” erzielt. Während Medienhäuser freizügige Inhalte wegen strenger Plattformrichtlinien meist vorsorglich zensieren oder meiden würden, habe der “Tagesspiegel” Verpixelungen durch gezielte Kameraperspektiven geschickt umgehen können und mit rund 117,8 Millionen Aufrufen einen Allzeitrekord der “DWDL”-Auswertung für journalistische Accounts erreicht.
