Suchergebnisse für ‘spiegel online’

US-Neonazi-Content, Kamera als Waffe, Zensurvorwürfe gegen TikTok

1. Die Kamera als Waffe
(taz.de, Valérie Catil)
Valérie Catil argumentiert, dass erst die Videoaufnahmen eines Augenzeugen die Tötung von Alex Pretti durch ICE-Beamte als kaltblütige Hinrichtung und die offizielle Notwehr-Darstellung der US-Regierung als Lüge entlarvt hätten. Die Handykamera fungiere in diesem Kontext als eine Form der Bewaffnung. Sie sei die einzige Möglichkeit, staatlicher Propaganda und der Verzerrung der Realität durch US-Präsident Donald Trump und dessen Behörden wirksam entgegenzutreten. Das Dokumentieren staatlicher Gewalt sei unverzichtbar.

2. US-Regierungsaccounts posten Neonazi-Content
(volksverpetzer.de, Annika Brockschmidt)
Wie Annika Brockschmidt beim “Volksverpetzer” ausführt, würden sich US-Regierungsaccounts unter der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump seit 2025 gezielt der Ästhetik und Codes rechtsextremer Online-Subkulturen bedienen. Diese Strategie ziele darauf ab, die eigene rechtsextreme Basis zu mobilisieren und politische Gegner einzuschüchtern. Etablierte Medien übersähen die oft subtilen Hinweise auf White-Supremacy-Literatur oder faschistische Computerspiel-Mods häufig. Die Normalisierung solcher Inhalte zeige, dass eine neue Generation radikalisierter Republikaner in den Institutionen Fuß gefasst habe.

3. Ökonomin Veronika Grimm wird Herausgeberin bei „The Pioneer“
(deutschlandfunk.de)
Die Ökonomin und Wirtschaftsweise Veronika Grimm werde Herausgeberin des von Gabor Steingart gegründeten Portals “The Pioneer”: “Ich hoffe, mit meinem wirtschaftspolitischen und geoökonomischen Blick neue Impulse einbringen zu können und bin sicher, dass die Zusammenarbeit auch meinen Blick auf die gesellschaftliche Debatte erweitern wird.” Die Personalie wird von “Spiegel”-Kolumnist Christian Stoecker auf Threads kritisch kommentiert: “Veronika Grimm sollte Ihren Posten im Rat der ‘Wirtschaftsweisen’ mit sofortiger Wirkung niederlegen. Schon ihre Rolle im Aufsichtsrat von Siemens Energy ist ein Interessenskonflikt, aber Herausgeberin eines Pressemediums und Beraterin der Bundesregierung, das geht wirklich nicht.”

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4. Martenstein, Mario Barth und die Armee der Amazon-Rezensenten
(kulturundkontroverse859.substack.com, Johannes Franzen)
Johannes Franzen kritisiert Kolumnisten wie Harald Martenstein, die sich als mutige Außenseiter inszenieren, in Wahrheit aber nur ein populäres Ressentiment ihres wohlhabenden Publikums bedienen, indem sie sich über geschlechtergerechte Sprache lustig machen. Es gebe eine Allianz zwischen bildungsbürgerlichem Elitismus und aggressivem Populismus, bei der sich selbsternannte Verteidiger der Freiheit paradoxerweise für staatliche Verbote des Genderns einsetzen würden. Eine regelrechte “Armee” von Internetnutzern nutze gezielt Rezensionsplattformen wie Amazon, um Bücher mit geschlechtergerechter Sprache durch schlechte Bewertungen abzustrafen.

5. Wie Eventisierung den Literaturbetrieb stresst
(tagesschau.de, Julia Hercka)
Während kleine Veranstalter oft kaum das empfohlene Mindesthonorar für Lesungen zahlen könnten, würden wenige Literatur-Stars mit Einnahmen von bis zu 50.000 Euro pro Auftritt massiv von der sogenannten “Eventisierung” des Betriebs profitieren. Kritiker würden befürchten, dass durch die hohen Honorarforderungen der Top-Verdiener die Möglichkeit zur Querfinanzierung kleinerer Veranstaltungen wegfalle und somit die kulturelle Vielfalt bedroht sei.

6. Kalifornien untersucht Zensurvorwürfe gegen TikTok USA
(spiegel.de)
Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom habe eine offizielle Untersuchung gegen die neuen US-Betreiber von TikTok eingeleitet, nachdem Berichte über blockierte Nachrichten zum Namen “Epstein” und unterdrückte Kritik an der Trump-Regierung lautgeworden seien. Zudem sorge eine Passage in den Nutzungsbedingungen für Unruhe. Demnach sammele die Plattform Daten, die Rückschlüsse auf den Einwanderungsstatus der Nutzerinnen und Nutzer zulassen.

Richter als Hasskommentierer?, Presserat-Rüge, Social-Media-Verbot

1. Anonym verurteilt
(taz.de, Laurenz Schreiner)
Die “taz” berichtet, dass Indizien darauf hindeuten würden, dass ein hochrangiger Richter hinter einem Account stecken könnte, der seit Jahren Frauen und queere Menschen im Internet mit Hasskommentaren überziehe. Laurenz Schreiner ist der Sache in einer lesenswerten Recherche nachgegangen. Er habe dazu auch die betreffende Person angefragt, die davon nichts wissen wolle. Eine Folge habe es dennoch gegeben: “Nach Eingang der taz-Anfrage an Neuhäuser wurden zahlreiche der beanstandeten Kommentare des Accounts gelöscht. Der Anwalt weist darauf hin, dass daraus keine Rückschlüsse auf die Identität des Nutzers gezogen werden dürften.”

2. Presserat-Rüge: Irreführende Berichterstattung der WELT über NGOs
(lobbycontrol.de, Christina Deckwirth & Nina Katzemich)
Der Deutsche Presserat habe die “Welt” wegen einer irreführenden Artikelserie über Nichtregierungsorganisationen öffentlich gerügt. Die Redaktion habe fälschlicherweise behauptet, dass Umweltverbände durch geheime Verträge von der EU-Kommission für Lobbyarbeit bezahlt würden. LobbyControl begrüßt diese Entscheidung des Presserats als wichtiges Signal gegen gezielte Diffamierungskampagnen und für die Einhaltung journalistischer Sorgfaltspflichten.

3. Putins tote Soldaten: Reporter enthüllen die Bilanz des Krieges
(ndr.de, Roman Schell, Video: 15:38 Minuten)
“Zapp”-Reporter Roman Schell geht der Frage nach, wie hoch die russischen Verluste im Krieg gegen die Ukraine tatsächlich sind, und wie Medienschaffende für Transparenz sorgen. Da der Kreml die offiziellen Zahlen geheim halte, würden Journalistinnen und Journalisten versuchen, die Daten selbst zu rekonstruieren. Sie würden dafür öffentlich zugängliche Quellen wie lokale Todesanzeigen, Nachrufe und Beiträge in Sozialen Medien nutzen. Diese Arbeit sei für sie sehr gefährlich, da sie dadurch in Russland als “Auslandsagenten” gälten und meist aus dem Exil operieren müssten.

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4. Social-Media-Verbot ist nicht die beste Lösung
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Eine Umfrage unter 875 Eltern und Kindern habe ergeben, dass eine Mehrheit Soziale Medien lieber einschränken als komplett verbieten wolle. Zwar fänden viele Eltern ein gesetzliches Verbot für Personen unter 16-Jahren prinzipiell gut, allerdings lehne der Nachwuchs dies mehrheitlich ab. Die beliebteste Lösung sei für beide Gruppen daher nicht ein Komplettverbot, sondern eine technische Einschränkung von Funktionen. Einig seien sich fast alle Befragten, dass der Staat hier nicht allein entscheiden solle, sondern die Eltern weiterhin die Hauptverantwortung tragen müssten.
Weiterer Lesetipp: Fast fünf Millionen Konten von australischen Jugendlichen im ersten Monat gesperrt: “Seit Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greifen TikTok, Instagram und andere Techkonzerne hart durch: Innerhalb eines Monats wurden 4,7 Millionen Jugendkonten gesperrt – weit mehr als zuvor erwartet.” (spiegel.de)

5. Algo­rithmen regu­lieren statt Mei­nungen bestrafen
(lto.de, Carl Christian Müller)
Rechtsanwalt Carl Christian Müller argumentiert in seinem Gastbeitrag für “Legal Tribune Online”, dass die Debatte um Daniel Günthers missverstandenes “Ja” in der Talksendung von Markus Lanz den Blick auf die eigentlich relevanten rechtlichen Instrumente verstelle. Zivilrechtliche Schritte gegen bewusste Falschbehauptungen sogenannter alternativer Medien seien keineswegs Zensur, sondern rechtsstaatliche Normalität und für demokratische Institutionen sogar geboten. Die massenhafte strafrechtliche Verfolgung einzelner Social-Media-Posts sieht Müller hingegen kritisch. Diese wirke oft unverhältnismäßig und verstärke ungewollt Opfernarrative.

6. Mutter von Elon Musks Kind verklagt seine Firma wegen gefälschter Nacktbilder
(spiegel.de)
Die Autorin Ashley St. Clair, Mutter eines Kindes von Elon Musk, verklage dessen Unternehmen xAI, weil das KI-Tool “Grok” ohne Zustimmung sexuelle Deepfakes von ihr erstellt und auf der Plattform X veröffentlicht habe, teilweise auf Basis von Kinderfotos. Nachdem St. Clair diesen Missbrauch öffentlich kritisiert hatte, soll X als Vergeltungsmaßnahme ihren Premium-Status entzogen und ihr Konto demonetarisiert haben.

Vertrauter als Treuhänder, Ausblick aufs Medienjahr, Keine Abschreckung

1. Wolfram Weimer setzt engen Vertrauten als Treuhänder ein
(handelsblatt.com, Martin Greive & Thomas Sigmund)
Wie das “Handelsblatt” berichtet, habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer seine Anteile an der Weimer Media Group ausgerechnet an einen leitenden Angestellten des eigenen Unternehmens treuhänderisch übertragen. Kritiker wie Lobbycontrol würden diesen Schritt als bloße Augenwischerei werten, da der Treuhänder weisungsgebunden und wirtschaftlich abhängig sei. Weimers Interessenkonflikt zwischen Amt und Geschäft werde damit keineswegs gelöst. Als Reaktion auf die anhaltende Debatte um angeblich käuflichen Regierungszugang hätten mittlerweile sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als auch mehrere Bundesminister ihre Teilnahme am kommenden “Ludwig-Erhard-Gipfel” abgesagt.

2. Keine Abschreckung gegen Donald Trump
(taz.de, Christian Rath)
Christian Rath befasst sich mit dem neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung gegen sogenannte SLAPP-Klagen. Zwar solle das geplante Gesetz, das eine EU-Richtlinie für grenzüberschreitende Fälle umsetze, Gerichte ermächtigen, missbräuchliche Klagen, schneller zu identifizieren und zu sanktionieren, die tatsächliche abschreckende Wirkung bleibe jedoch zweifelhaft. Sinnvoller als die eher symbolischen gesetzlichen Hürden seien prozessuale Beschleunigungen. Den besten Schutz für betroffene Medien biete aber weiterhin die offensive Mobilisierung der eigenen Öffentlichkeit gegen den Angreifer.

3. X will Chatbot Grok an Erstellen von KI-Nacktbildern hindern
(spiegel.de)
Nach heftiger internationaler Kritik habe Elon Musks Firma xAI neue technologische Hürden für den Chatbot Grok eingezogen, um die Erstellung sexualisierter KI-Bilder zu unterbinden. Der US-Bundesstaat Kalifornien habe bereits Ermittlungen wegen der Verbreitung nicht einvernehmlicher expliziter Inhalte eingeleitet. Die EU-Kommission habe angekündigt, die Wirksamkeit der Maßnahmen genau zu prüfen und notfalls das volle Arsenal des Digital Services Act einzusetzen.

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4. Reuters Institute: Ausblick auf das Medienjahr 2026
(medientage.de, Petra Schwegler)
Wie eine aktuelle Studie des Reuters Institute zeige, würden viele Medienmanagerinnen und -manager zwar skeptisch auf die Zukunft des Journalismus blicken, aber mehrheitlich zuversichtlich auf ihre eigenen Unternehmen. Um in Zeiten sinkender Suchmaschinen-Reichweiten und mächtiger KI-Plattformen bestehen zu können, würden Verlage verstärkt auf Automatisierung, Videoformate und die Zusammenarbeit mit Influencern setzen. Zudem würden viele Häuser auf Einnahmen durch Lizenzdeals mit KI-Firmen hoffen.

5. Misstrauen abbauen und selbst machen
(verdi.de, Claudia Krieg)
Unter Anleitung der Journalistin Janett Vogelsberg erarbeiten im sächsischen Zwenkau derzeit sieben Bürgerinnen und Bürger eigene journalistische Beiträge, um im Rahmen des Projekts “Bürger machen Journalismus” das journalistische Handwerk praktisch zu erlernen. Projektleiterin Judith Kretzschmar von der Universität Leipzig habe trotz des gelungenen Auftakts eingeräumt, dass die Gewinnung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern generell schwierig sei. Hintergrund des Vorhabens sei eine Studie über das wachsende Misstrauen gegenüber Medien.

6. Ein anderes Internet ist möglich
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Anlässlich des 25. Geburtstags der Wikipedia würdigt Markus Reuter die Online-Enzyklopädie als unverzichtbaren Gegenentwurf zum kommerziellen Internet. Gerade weil das Projekt auf faktenbasiertem Gemeinwohl fuße, sei es autoritären Akteuren wie Elon Musk heute ein Dorn im Auge. Neben der politischen Relevanz hebt Reuter den spielerischen Wert des “Wikipedia-Tauchens” hervor, bei dem man sich stundenlang in den endlosen Verknüpfungen des Wissens verlieren könne.

US-Medien im ersten Jahr Trump, Stellenabbau bei RTL, Maduro-Foto

1. Macht und Geld: US-Medien im ersten Jahr Trump 2.0
(medien.epd.de, Konrad Ege)
In den USA gehe Präsident Donald Trump aggressiv mit Klagen gegen kritische Berichterstattung vor, woraufhin Konzerne wie Disney und Paramount bereits millionenschwere Vergleiche eingegangen seien. Gleichzeitig hätten sich Eigentümer wie Jeff Bezos oder der neue Paramount-Besitzer David Ellison dem Kurs Trumps angenähert und redaktionelle Inhalte im Sinne der Regierung beeinflusst. Zudem habe sich die Corporation for Public Broadcasting nach der Streichung staatlicher Gelder durch die Trump-Administration Anfang 2026 auflösen müssen.

2. RTL streicht 230 Stellen im Nachrichten-Bereich
(tagesspiegel.de)
Im Zuge des bereits angekündigten Konzernumbaus streiche RTL Deutschland nun 230 Arbeitsplätze im Bereich “RTL News”. Insgesamt sollen 600 Stellen wegfallen. Man wolle “journalistische Kräfte durch eine stärkere Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz effektiver” nutzen. Diese Umstrukturierung habe das Aus für bekannte Formate wie “Gala” (RTL) und “Prominent” (Vox) zur Folge. Die bisherigen Morgensendungen würden ab dem Frühjahr in einem gemeinsamen Programm von RTL und ntv aufgehen. Das Management begründe die einschneidenden Maßnahmen mit dem anhaltend schwachen Werbemarkt. Man wolle sich stärker auf das Streaming-Geschäft fokussieren.

3. Wie russische Propaganda die Methoden des “Dritten Reichs” übernimmt
(de.ejo-online.eu, Swetlana Mikhailowa)
In ihrer Analyse zeigt Swetlana Mikhailowa detailliert auf, wie die heutige russische Kriegspropaganda gezielt Narrative und Methoden des “Dritten Reichs” übernehme, indem Wladimir Putin seinen Angriff auf die Ukraine als “aufgezwungenen Verteidigungskrieg” zum Schutz der eigenen Bevölkerung deklariere. Dabei bediene sich der Kreml systematischer Euphemismen, indem er etwa Krieg als “Spezialoperation” oder Explosionen als bloße “Geräusche” verharmlose und zugleich imperialistische Mythen eines grenzenlosen “ewigen Reiches” beschwöre. Die hohe Zustimmung der russischen Bevölkerung zeige die Wirksamkeit dieser Strategien.

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4. Gefälschtes Maduro-Foto: Wie es dazu kam – und was die Lehren sind
(morgenpost.de)
Die Funke Mediengruppe, konkret die “Berliner Morgenpost”, räumt ein, dass sie irrtümlich ein KI-generiertes Foto veröffentlicht habe, welches die angebliche Festnahme des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro durch US-Truppen zeige. Das Bild sei von einer renommierten Agentur mit einem Begleittext geliefert worden, der die Echtheit der Szene suggeriert habe. Erst auf Nachfrage Dritter habe die Agentur bestätigt, dass die Aufnahme künstlich erzeugt worden sei. Man habe das Bild umgehend gelöscht und wolle künftig die internen Sicherheitsvorkehrungen gegen Manipulationen verstärken.

5. So funktioniert Bewegtbild für junge Zielgruppen
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Die Filmproduzentin Corinna Mehner erkläre, dass die Generationen Z und Alpha keineswegs unter einer kurzen Aufmerksamkeitsspanne leiden, sondern aufgrund ihrer digitalen Sozialisation vielmehr eine komplexe, temporeiche und sprunghafte Erzählweise benötigen würden. Entscheidend für den Erfolg seien dabei eine Kommunikation auf absoluter Augenhöhe sowie eine spezifische Ästhetik. Junge Zielgruppen würden pädagogische Belehrungen ablehnen und sich stattdessen in den Protagonisten und Themen ihrer Lebenswelt wiederfinden wollen.

6. Rowohlt geht Väterrechtlern auf den Leim
(taz.de, Matthias Meisner)
Der Rowohlt-Verlag sei wegen eines geplanten Buchs über “Eltern-Kind-Entfremdung” in die Kritik geraten. Laut Experten bediene es wissenschaftlich widerlegte Narrative der sogenannten Väterrechtsbewegung. Besonders die Beteiligung des umstrittenen Lobbyisten Stefan Rücker, der das Nachwort verfasst habe, sei auf Unverständnis gestoßen. Der Verlag habe den Erscheinungstermin nun verschoben und wolle den Inhalt des Buchs prüfen.

7. Trump, Venezuela und die Medien
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:22 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator eine verharmlosende und teils bewundernde Wortwahl deutscher Medien, die den völkerrechtswidrigen US-Angriff auf Venezuela mit Begriffen wie “Husarenstück” oder “kühne Machtdemonstration” beschreiben: “Wir erleben in Europa gerade eine Debatte darüber, wie wir mit einem Amerika umgehen, das sich nicht mehr an Regeln gebunden fühlt. Diese Debatte können wir nur führen, wenn wir die Dinge beim Namen nennen.”

Nicht zum Jubeln, Gespräche aufnehmen, Prägende Internetstars

1. Nicht zum Jubeln
(taz.de, André Zuschlag)
Das Hamburger Landgericht habe die Klagen gegen “Correctiv” zwar abgewiesen, dennoch sei die Argumentation der Kläger nicht völlig von der Hand zu weisen. Ein Großteil der Öffentlichkeit habe den Text tatsächlich als Tatsachenbericht über konkrete Ausweisungspläne missverstanden. Dies bringt André Zuschlag in seinem Kommentar zu folgendem Fazit: “Juristisch war die Berichterstattung weitgehend sauber, journalistisch hingegen – ein bisschen weniger.”
Weiterer Lesetipp: Felix W. Zimmermann, Chefredakteur bei “Legal Tribune Online”, sieht in der Entscheidung des Landgerichts “kein gutes Urteil für die Debattenkultur” und kommentiert: Die Begründung des Gerichts “ist nichts anderes als eine vorsätzliche Realitätsverweigerung.” (lto.de)

2. Gespräche aufnehmen: Was ist erlaubt?
(verdi.de, Jasper Prigge)
Rechtsanwalt Jasper Prigge erläutert, dass das “Recht am eigenen Wort” grundsätzlich davor schütze, dass nichtöffentlich getätigte Äußerungen ohne Erlaubnis aufgezeichnet werden. Strafbar sei das Mitschneiden laut Gesetz nur dann nicht, wenn eine “faktische Öffentlichkeit” gegeben sei, in der auch unbeteiligte Dritte das Gespräch mithören könnten. Da auch die Verbreitung rechtswidriger Aufnahmen verboten sei, werde Journalistinnen und Journalisten im Zweifelsfall empfohlen, auf wörtliche Zitate zu verzichten und Inhalte stattdessen zu paraphrasieren.

3. Weimer stellt Kompromiss “in wenigen Wochen” in Aussicht
(dwdl.de, Alexander Krei)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe nach den jüngsten Verzögerungen eine baldige Einigung im Streit um die Investitionsverpflichtung für die Filmbranche in Aussicht gestellt. Der diskutierte Kompromiss sehe vor, zunächst mit freiwilligen Selbstverpflichtungen zu starten und erst bei einer negativen Evaluation zur Mitte der laufenden Legislaturperiode ein Gesetz einzuführen. Obwohl die SPD ursprünglich auf eine gesetzlichen Regelung bestanden habe, habe sich Weimer zuversichtlich gezeigt, mit diesem stufenweisen Vorgehen in wenigen Wochen eine Lösung zu finden.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 252
(netzwerkrecherche.org, Greta Linde & Daniel Drepper)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Daniel Drepper über dessen Erfahrungen in den USA und die aktuellen Herausforderungen im Journalismus. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Kommerzielle Komedy
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
Bernhard Hiergeist holt für die neue Ausgabe seines Newsletters “Noten zur Comedy” noch einmal einen historischen Abmahnfall aus dem Archiv: Im Jahr 2011 habe Comedian Mario Barth einen T-Shirt-Hersteller abgemahnt, weil dieser den Spruch “Nichts reimt sich auf Uschi” verwendet habe. Dabei habe Barth den Slogan, der eigentlich von Oliver Kalkofe und Dietmar Wischmeyer stamme und den er selbst als Allgemeingut bezeichne, zuvor markenrechtlich schützen lassen. Dies zeige laut Hiergeist eine irritierende Doppelmoral und einen fehlenden Sinn für Selbstironie.

6. Zehn Internetstars, die das Jahr prägten
(spiegel.de, Markus Böhm & Pascal Mühle)
Markus Böhm und Pascal Mühle porträtieren zehn Internetpersönlichkeiten, die das Jahr 2025 mit ihren viralen Erfolgen und unterschiedlichen Inhalten maßgeblich geprägt hätten. Die Bandbreite der vorgestellten Personen reicht dabei vom weltweit bekannten US-Streamer IShowSpeed über den 88-jährigen Newcomer Opa Werner bis hin zur 15-jährigen Rapperin Zahide, die über TikTok in die Charts gelangt sei. Neben klassischem Entertainment wie Gaming oder Comedy hätten sich auch Nischenthemen wie Döner-Tests, Medienkritik und Lyrik erfolgreich im Netz etabliert.

Tödliche Arbeitsplätze, Lebenslanges Ruhegeld, Australiens Experiment

1. Gazastreifen und Mexiko sind die gefährlichsten Orte für Journalisten
(zeit.de)
Laut der aktuellen Jahresbilanz von Reporter ohne Grenzen sei der Gazastreifen im Jahr 2025 mit 29 von weltweit 67 getöteten Journalistinnen und Journalisten der gefährlichste Arbeitsplatz für Medienschaffende gewesen, gefolgt von Mexiko mit neun Opfern. Zudem befänden sich weltweit über 500 Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Arbeit in Haft. Neben tödlicher Gewalt und Gefängnisstrafen seien Reporterinnen und Reporter auch zunehmend durch Entführungen in Konfliktgebieten sowie staatliche Repressionen bei Protesten bedroht.

2. RBB muss Ex-Programmdirektorin Nothelle lebenslang Ruhegeld zahlen
(spiegel.de)
Die Entscheidung des Arbeitsgerichts Berlin, dass der RBB seiner ehemaligen Programmdirektorin Claudia Nothelle lebenslang ein Ruhegeld von monatlich über 8.400 Euro zahlen muss, sei nun rechtskräftig. Obwohl Nothelle inzwischen als Professorin tätig sei, könnten sich die Gesamtkosten für die Rundfunkanstalt laut einer Anwaltsberechnung des Senders auf bis zu vier Millionen Euro summieren. Transparenzhinweis: In einer früheren Version hatten wir behauptet, der Sender habe eine Frist verpasst. Das war falsch.

3. Nach Millionenstrafe gegen Musk-Plattform: Prominente und NGOs fordern Bundesregierung zum Verlassen von X auf
(tagesspiegel.de)
Ein Bündnis aus Prominenten und zivilgesellschaftlichen Organisationen habe die Bundesregierung in einer Petition aufgefordert, ihre Kommunikation von der Plattform X abzuziehen und auf gemeinwohlorientierte Alternativen zu verlagern. Hintergrund seien die jüngste 120-Millionen-Euro-Strafe der EU-Kommission wegen Verstößen gegen den Digital Services Act sowie die aggressive Reaktion des X-Eigentümers Elon Musk, der die Abschaffung der EU gefordert habe.

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4. EU-Kom­mis­sion ermit­telt wegen KI-Ant­worten
(lto.de)
Die EU-Kommission habe ein Wettbewerbsverfahren gegen Google eingeleitet. Es bestehe der Verdacht, dass der Konzern Onlineinhalte von Verlagen sowie Urheberinnen und Urhebern rechtswidrig und ohne Vergütung nutze, um seine KI-basierten Suchantworten zu generieren. Zudem würden die Wettbewerbshüter prüfen, ob Google seine Marktmacht missbrauche, indem es Webseitenbetreiber faktisch zwinge, ihre Daten bereitzustellen, um in der Suche sichtbar zu bleiben. Gleichzeitig verwehre der Konzern seinen KI-Konkurrenten den Zugang zu Trainingsdaten wie YouTube-Videos.

5. Australiens Experiment an Heranwachsenden
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Als “Experiment an Heranwachsenden” bezeichnet “taz”-Redakteur Johannes Drosdowski Australiens heute startendes Social-Media-Verbot für alle, die unter 16 Jahre alt sind: “Jugendliche werden das Verbot umgehen. Wenn die sich den Zugang zu den Plattformen nicht ergaunern wie bei Alkohol oder Clubs, werden sie alternative Social-Media-Plattformen nutzen, die sich gegen das Gesetz sträuben. Willkommen im rechtsfreien und damit gefährlicheren Raum.”

6. Wir gratulieren
(reporter-forum.de)
Am Montag wurden in Berlin die “Reporter:innen-Preise” 2025 verliehen, bei dem eine 42-köpfige Jury in elf Kategorien herausragende journalistische Arbeiten ausgezeichnet hat. Die prämierten Beiträge decken ein breites Spektrum des Erzähljournalismus ab und reichen von investigativen Recherchen zur Nord-Stream-Sprengung über Reportagen aus der Jugendhilfe bis hin zu Podcasts über den Bosnienkrieg. Tipp: Auf der Webseite sind alle Beiträge, sowohl die nominierten als auch die Gewinnertexte, als PDF abrufbar.

Kahlschlag bei RTL, Polizei behindert Presse, Wire­card-Berich­t­er­stat­tung

1. Der Deutsche Journalisten-Verband ist schockiert über die geplanten Stellenstreichungen bei RTL
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zeigt sich “schockiert” über den geplanten Personalabbau bei RTL, der 600 Stellen betreffen soll. “Das ist eine Katastrophe für die Kolleginnen und Kollegen bei RTL und ihren Töchtern”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Es dürfte für die Redaktionen mindestens schwierig werden, das jetzige Niveau mit noch weniger Personal zu halten”.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Hätte man sich die neunzig Millionen für Stefan Raab gespart, hätte man jedem dieser 600 Mitarbeiter ein Monatsgehalt von über 6.000 Euro zahlen können. Und zwar Monat für Monat. Volle zwei Jahre lang. Aber die Senderbosse wollten sich ja unbedingt den vermeintlichen König Midas gönnen. Nur dass der nichts mehr zu Gold macht, sondern alles in Rauch aufgehen lässt, was er anfasst.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:01 Minuten)
Weiterer Lesetipp: Auch beim österreichischen öffentlich-rechtlichen ORF herrsche Spardruck, doch die Auswirkungen sind vergleichsweise gering: Hier sollen lediglich 50 Jobs von 4.000 wegfallen und das auch nur über Nicht-Nachbesetzungen. (dwdl.de, Timo Niemeier)

2. Polizei behindert Presse bei Protesten in Gießen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Bei den Protesten gegen die Gründung der AfD-Jugend in Gießen habe die Polizei die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten massiv behindert, indem sie Presseausweise ignoriert und den Zugang zu polizeilichen Maßnahmen, beispielsweise Räumungen, verwehrt habe. Betroffen gewesen seien unter anderem Reporter der “taz” sowie des Bundesverbands Freier Radios. Innerhalb der Veranstaltungshalle seien Medienschaffende durch die AfD eingeschränkt worden. Man habe deren Bewegungsfreiheit durch Wachpersonal unterbunden und den Pressebereich eingezäunt.

3. An den Online-Pranger gestellt
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Das Weiße Haus habe auf seiner Website eine offizielle Liste eingerichtet, auf der kritische Medienschaffende wie die CBS-Chefkorrespondentin Nancy Cordes als vermeintliche “Media Offender of the Week”, also “Medientäter der Woche”, öffentlich an den Pranger gestellt würden. Cordes werde vorgeworfen, über Appelle der Demokraten an das Militär berichtet zu haben, illegale Befehle zu verweigern, was die Trump-Regierung in begleitenden Propagandavideos als aufrührerisch diffamiere. Neben dieser digitalen Hetzkampagne sehe sich die preisgekrönte Journalistin auch direkten Angriffen Donald Trumps ausgesetzt.

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4. Spiegel siegt vor BVerfG wegen Wire­card-Berich­t­er­stat­tung
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Bundesverfassungsgericht habe einem Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) München widersprochen und dem “Spiegel” in einem Rechtsstreit um die Berichterstattung über einen mutmaßlichen Wirecard-Hintermann Recht gegeben. Das Gericht habe klargestellt, dass Redaktionen bei komplexen Wirtschaftsstraftaten auch schon bei einem bloßen Anfangsverdacht identifizierend berichten dürfen. Das OLG München müsse den Fall nun neu bewerten, da es laut Bundesverfassungsgericht die Bedeutung der Meinungsfreiheit grundlegend verkannt und fälschlicherweise journalistische Rechercheergebnisse an rein strafrechtlichen Maßstäben gemessen habe.

5. “Mafia-Themen gehören in Italien zum ganz normalen journalistischen Tagesgeschäft”
(dfjv.de, Ralf Falbe)
Ralf Falbe hat mit der seit über 30 Jahren in Italien lebenden Journalistin Petra Reski gesprochen, die intensiv über die Mafia berichtet. Die italienische Mafia sei laut Reski in Deutschland längst tief verwurzelt. Deutsche Gerichte und Verlage würden die Gefahren für berichtende Journalistinnen und Journalisten oft unterschätzen oder diese im Stich lassen. In dem Interview schildert Reski auch ihre persönlichen Erfahrungen mit Drohungen und juristischen Klagen. Angesichts der prekären finanziellen Lage und einer fehlenden Rechtssicherheit rät sie Berufseinsteigern heute davon ab, sich als Freiberufler auf solch riskante Themen zu spezialisieren.

6. Wie wachsen Kinder und Jugendliche in einer mediatisierten Welt auf?
(leibniz-hbi.de, BredowCast, Audio: 42:22 Minuten)
Im “BredowCast” sprechen die Forscherinnen und Forscher Claudia Lampert, Rudolf Kammerl und Katrin Potzel über die Langzeitstudie “Connected Kids”, deren Ergebnis eine deutliche Verjüngungstendenz aufzeige, da Kinder immer früher Zugang zu Smartphones und digitalen Angeboten erhalten. Zudem konnten die Experten beobachten, dass Jugendliche bereits erste Erfahrungen mit KI-Tools wie ChatGPT sammeln und künftig vermehrt interaktives, KI-gestütztes Spielzeug in den Alltag einziehen könnte.

ARD streicht Programm, Junger Journalismus, Wandel in Polen

1. Wegen Reformstaatsvertrag: ARD reduziert Radiosender und Onlinetexte
(tagesspiegel.de)
Aufgrund des neuen Reformstaatsvertrags streiche die ARD zahlreiche Radiosender wie “BR Schlager” oder “MDR Klassik”. So solle die festgesetzte Obergrenze von 53 Programmen eingehalten werden. Auch im Internet gälten bald strengere Regeln: Bei tagesschau.de und in der “Tagesschau”-App müssten Texte künftig deutlich hinter Audio- und Videoinhalten zurückstehen. Der Senderverbund befürchte, dass diese Einschränkungen zu einem Verlust an Schnelligkeit und einer geringeren Reichweite in Suchmaschinen führen werden.

2. Zwischen Einfluss und Reform: Zwei Jahre medienpolitischer Wandel in Polen aus der Perspektive junger Medienschaffender
(de.ejo-online.eu, Ilka Gartner)
Zwei Jahre nach dem Regierungswechsel in Polen habe sich die Situation der Pressefreiheit zwar verbessert, doch der öffentlich-rechtliche Rundfunk bleibe ein politisch umkämpftes Feld. Junge Medienschaffende würden die Reformen als Neustart begrüßen, jedoch wegen fehlender rechtlicher Absicherung und der Sorge vor erneuter politischer Einflussnahme skeptisch in die Zukunft blicken. Die jüngere Generation ziehe ihre Informationen zunehmend aus Sozialen Netzwerken statt aus dem Fernsehen.

3. Pressefreiheitspreis 2025 geht an Koelbl und Ronzheimer
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der “Medienverband der freien Presse” habe die “Spiegel”-Korrespondentin Susanne Koelbl und den stellvertretenden “Bild”-Chefredakteur Paul Ronzheimer für ihre “herausragende Auslands-, Kriegs- und Krisenberichterstattung” mit dem Pressefreiheitspreis 2025 ausgezeichnet. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung würdige den Mut der beiden, die Weltöffentlichkeit unabhängig und direkt vor Ort über komplexe Konflikte zu informieren.

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4. Ein Funken Hoffnung für die Pressefreiheit
(taz.de, Mirco Keilberth)
Die bekannte tunesische Anwältin und TV-Kommentatorin Sonia Dahmani sei überraschend vorzeitig aus der Haft entlassen worden, nachdem sie wegen einer regierungskritischen Äußerung verurteilt worden war. Ihr Fall gelte als Symbol für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Tunesien durch eine umstrittene Gesetzesvorschrift, die im Land oft gegen Journalisten und Kritiker eingesetzt werde. Beobachter würden Dahmanis Freilassung als vorsichtigen Hoffnungsschimmer für die Zivilgesellschaft und Pressefreiheit in Tunesien werten.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 251 vom 28.11.2025
(netzwerkrecherche.org, Greta Linde & Margherita Bettoni)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Margherita Bettoni, die an Kolleginnen und Kollegen appelliert, öfter über geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide zu berichten. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Junger Journalismus: Lernen, vernetzen und schützen
(verdi.de, Linda Niedermüller)
Bei der “YouMeCon” in Dresden hätten junge Medienschaffende durch Redaktionsbesuche und Workshops praktische Erfahrungen in Recherche, Interviewführung und Investigativjournalismus gesammelt. Neben dem Handwerk habe bei der Veranstaltung die Verteidigung der Pressefreiheit im Mittelpunkt gestanden. Linda Niedermüller fasst zusammen, was dort noch alles passiert ist.

Stimme der Mehrheit?, Druck auf dem Kessel, Gefahren von “AI Slop”

1. Ist es egal, ob es eine Kampagne ist?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier geht der Frage nach, ob etablierte Medien die Enthüllungen des rechten Portals “Apollo News” über Kulturstaatsminister Wolfram Weimer aus politischer Abneigung gegen “Apollo News” zunächst ignoriert haben könnten. Er widerlegt diese These, stellt jedoch fest: “Richtig ist aber, dass Journalisten sich auf eine kompliziertere Medienwelt einstellen müssen, in der rechte Medien nicht nur mit Hetze und Emotionen, sondern auch mit Recherchen und Journalismus den öffentlichen Diskurs beeinflussen.”

2. Stimme der Mehrheit? Wirklich? Wie erfolgreich ist Nius?
(kress.de, Marc Bartl & Markus Wiegand)
Das rechte Medienportal “Nius” habe laut einer Analyse von “kress pro” im September mit Platz 115 die Top 100 der deutschen Onlinemedien verfehlt und liege damit reichweitentechnisch noch hinter dem Konkurrenten “Tichys Einblick” (Platz 104). Gleichzeitig offenbare der “Bundesanzeiger” für das Jahr 2023 bei der “Nius”-Muttergesellschaft “Vius” einen Jahresfehlbetrag von 13,8 Millionen Euro. Damit könne das Portal von Julian Reichelt und Frank Gotthardt sein eigenes Versprechen, die “Stimme der Mehrheit” zu sein, derzeit weder publizistisch noch finanziell einlösen.

3. Druck auf dem Kessel
(taz.de, Harff-Peter Schönherr)
Wie Harff-Peter Schönherr in der “taz” berichtet, hat sich in Osnabrück die Leser-Initiative “Aktion NOZkritisch” formiert, die der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (“NOZ”) eine zunehmende Öffnung für rechtspopulistische Narrative vorwerfe. Die Kritiker sähen eine gefährliche Normalisierung rechter Positionen, die mit journalistischer Ausgewogenheit nichts zu tun habe. Verschärft habe sich der Konflikt durch den unangemeldeten Besuch von “NOZ”-Führungskräften beim Gründungstreffen der Gruppe.

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4. Wir versinken in Schrott
(wissenschaftskommunikation.de, Anna Henschel)
Bei Wissenschaftskommunikation.de berichtet Anna Henschel über die Gefahren von “AI Slop”. Gemeint ist damit die Flut minderwertiger, KI-generierter Inhalte, die digitale Räume überschwemmen und seriöse Informationen verdrängen würden. Dieses Phänomen führe zu Identitätsdiebstahl und einer Überlastung von Wissensinfrastrukturen wie der Wikipedia. Außerdem drohe durch das Training von KI mit KI-Daten ein irreversibler Qualitätsverfall (“Model Collapse”).

5. Das EU-Parlament steuert auf den nächsten Konflikt zu
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Der geplante “Digitale Omnibus” der EU-Kommission, der Digitalgesetze vereinfachen soll, sorge im Europaparlament für heftigen Streit, da Sozialdemokraten, Grüne und Linke eine gefährliche Aushöhlung von Datenschutz und KI-Sicherheitsstandards befürchten würden. Besondere Brisanz erhalte die Debatte durch die Sorge, dass die Konservativen erneut eine Mehrheit mit rechtsextremen Fraktionen bilden könnten, um die Deregulierung durchzusetzen.

6. CNN stoppt Lieferungen von Nachrichten an Apple News
(spiegel.de)
Der US-Nachrichtensender CNN habe die Belieferung von Apple News eingestellt, um in laufenden Vertragsverhandlungen den Druck auf den Tech-Konzern zu erhöhen und die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Dahinter stehe ein strategischer Kurswechsel des Senders, der die Abhängigkeit von externen Plattformen verringern und stattdessen das eigene, kürzlich eingeführte Abo-Modell vorantreiben wolle.

Vertuschte Studie?, Menschlicher Journalismus, Innovations-Irrtum

1. Menschlicher Journalismus hat Zukunft
(journalist.de, Bernward Loheide)
Angesichts der Medienkrise und des KI-Fortschritts plädiert Bernward Loheide, Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur, für eine Rückbesinnung auf “menschennahen Journalismus”, der Vertrauen schaffe und konstruktive Perspektiven biete. Menschlichkeit und authentischer Dialog seien die entscheidende Zukunftschance für Medienhäuser, um sich gegen Algorithmen und “Fake News” zu behaupten.

2. Meta soll Studie zu psychischen Schäden vertuscht haben
(spiegel.de)
Gerichtsakten zufolge soll der Social-Media-Konzern Meta eine interne Studie unterdrückt haben, die belege, dass der Verzicht auf die Plattformen das psychische Wohlbefinden der Nutzerinnen und Nutzer verbessert. Die Enthüllung sei Teil einer Klage von US-Schulbezirken, die dem Unternehmen vorwerfen, das eigene Wachstum über die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen zu stellen. Meta weise die Vorwürfe zurück und führe methodische Mängel als Grund für den Abbruch der Studie an.

3. Der Konflikt, den keine*r braucht
(patreon.com, LowerClassJane)
“LowerClassJane” kritisiert die neue ZDF-Sendung von Jan Fleischhauer und ähnliche Formate scharf als inhaltslose Inszenierungen, die Krawall über politische Aufklärung stellen würden. Progressive Gäste seien in diesen Shows chancenlos und würden lediglich als Dekoration missbraucht, um fragwürdige Debatten zu legitimieren. Statt sich an diesen Konflikten zu beteiligen, plädiert die Autorin für einen konsequenten Boykott. Den Formaten müsse durch Entzug von Substanz die Relevanz genommen werden.

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4. Steffen & Stefan und der Innovations-Irrtum im deutschen TV
(dwdl.de, Peer Schader)
Medienjournalist Peer Schader kritisiert die TV-Sender, die aus Sicherheitsdenken an den “Altmeistern” festhalten würden, statt jungen Talenten echte Chancen, Budgets und Programmplätze zur Primetime zu geben: “Die Hensslers und Raabs von morgen brauchen nicht nur Sendeplätze, auf denen sie gefunden und gesehen werden können – sie brauchen auch die Geduld und Beharrlichkeit ihrer Auftraggeber, für die es zunehmend selbstverständlich ist, neuen Produktionen direkt den Stecker zu ziehen, wenn sie nach zwei Folgen noch nicht quotenknallen.”

5. Warum Elon Musk die Wikipedia hasst
(youtube.com, Leonhard Dobusch, Video: 10:25 Minuten)
Elon Musk habe seine KI-Konkurrenz “Grokipedia” gestartet, weil er die unabhängige und nicht-käufliche Wikipedia nicht nach seinen ideologischen Vorstellungen kontrollieren könne, analysiert Leonhard Dobusch. Im Gegensatz zur transparenten Wikipedia fungiere Musks Projekt als undurchsichtige Blackbox, die gezielt rechte Narrative verstärke und etablierte Fakten untergrabe.

6. Der KiKA sollte im linearen TV bleiben – logo!
(taz.de, Katharina Federl)
In ihrer Kolumne plädiert Katharina Federl leidenschaftlich für den Verbleib des Kinderkanals KiKA im linearen Fernsehen und kritisiert die geplante Verschiebung in reine Online-Angebote als Fehler. Sie warnt davor, dass Streaming-Apps Kinder durch Überangebot und Ablenkung überfordern könnten. Das klassische TV biete hingegen einen kuratierten, niedrigschwelligen Zugang zu Bildung.

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