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KW 17/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Warum sind die Chats des Ex-ORF-Bosses keine Privatsache?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 18:29 Minuten)
Holger Klein spricht mit der “Falter”-Journalistin Barbara Tóth über die Affäre um den zurückgetretenen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Thema sind die von Tóth veröffentlichten Chats (nur mit Abo lesbar) zwischen Weißmann und einer ORF-Mitarbeiterin, die Tóth als Beleg für Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung wertet. Holger Klein fragt: “Was ist da los in Österreich? Warum ist die Causa Weißmann kein Einzelfall? Und wie berichtet eigentlich der ORF selbst über diesen Fall?”
Weiterer Lesetipp: #MeToo am Arbeitsplatz: Warum der ORF ein Sexismusproblem hat (falter.at, Barbara Tóth).

2. Wie Polizeigewerkschaften die Innenpolitik beeinflussen
(swr.de, Mohamed Amjahid & Natalie Widmann, Audio: 28:21 Minuten)
Das SWR Data Lab hat Pressemitteilungen und Social-Media-Beiträge der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) ausgewertet. Außerdem habe man sich die Äußerungen der Sprecher der Gewerkschaften in verschiedenen Medien angeschaut. Vor allem die DPolG gebe sich teilweise rechtspopulistisch.

3. Keiler & Kritiker (über weibliches Schreiben)
(spotify.com, Annika Brockschmidt & Rebekka Endler, Audio: 1:59:32 Stunden)
In letzter Zeit ist der ARD-Literaturkritiker Denis Scheck (“Druckfrisch”) selbst in die Kritik geraten. Annika Brockschmidt und Rebekka Endler fragen sich: “Ist Denis Scheck möglicherweise nichts weiter als das geschwülstige Symptom einer tieferliegenden, uralten Struktur über die Deutungshoheit von Literatur? Welche Abgründe tuen sich auf, wenn wir von dem Einzelfall auf das Ganze schauen? Haben wir bessere Literaturkritik und auch bessere Verrisse verdient?”

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4. Werner Herzog – zu groß für Deutschland
(ardsounds.de, Max Osenstätter, Audio: sechs Folgen zu je 38 bis 45 Minuten)
Der Filmemacher Werner Herzog ist nicht jedem bekannt, obwohl er zu Recht als Legende bezeichnet werden kann. Doch der Name des 83-Jährigen spricht sich nun auch wieder bei vielen jüngeren Menschen rum. Ein Grund dafür: Werner Herzogs Instagram-Auftritt, der sich durch die besondere, nun ja, Performance des Meisters auszeichnet. Max Osenstätter fragt sich in seiner sechsteiligen Audioserie: “Wer zur Hölle ist dieser Typ? Und wie konnten wir ihn so lange vergessen?”

5. Eine “Mängelliste” mit Folgen
(deutschlandfunkkultur.de, Anh Tran & Max Kuball, Audio: 30:57 Minuten)
Bei Deutschlandfunk Kultur wird rekonstruiert, wie eine vom Schriftsteller Ingo Schulze angefertigte “Mängelliste” zu Charlotte Gneuß’ Debütroman “Gittersee” nicht nur beim Verlag, sondern auch bei der Jury des Deutschen Buchpreises landen konnte. Für Gneuß habe die Liste weitreichende Folgen gehabt: Ihr Debüt sei fortan öffentlich vor allem unter dem Aspekt angeblicher Fehler diskutiert worden.

6. Network
(arte.tv, Sidney Lumet, Video: 1:56:24 Stunden)
Bei Arte gibt es noch bis Mitte Mai eine visionäre Mediensatire aus dem Jahr 1976 zu sehen: “Network”. Sidney Lumets Film ist eine bitterböse Abrechnung mit dem Kommerzfernsehen und dessen Kampf um Einschaltquoten: “Wegen sinkender Zuschauerzahlen soll Howard Beale, der alternde Nachrichtensprecher eines US-Fernsehsenders, entlassen werden. In seiner Verzweiflung kündigt Beale seinen Selbstmord vor laufender Kamera an. Die Quoten steigen und die Programmchefin baut die Sendung zum skandalträchtigen Format aus.” Unbedingter Gucktipp!

Medienversagen, Verdrehte Themen, Content aus dem Klassenraum

1. Medienversagen nach der Tragödie von Graz
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi kritisiert, dass zahlreiche Medien nach dem Amoklauf in Graz grundlegende journalistische Prinzipien verletzt hätten. Sie beanstandet unter anderem, dass einige Redaktionen den Täter durch Fotos, persönliche Details und Deutungen seiner Psyche unnötig in den Mittelpunkt gerückt hätten, was ein gefährliches Identifikationspotenzial für mögliche Nachahmer geschaffen haben könnte. Insgesamt sei Gutschis Einschätzung nach das mediale Verhalten in dieser Ausnahmesituation weniger von Aufklärung als von Emotionalisierung und dem Streben nach Reichweite geprägt gewesen.
Weiterer Lesetipp: Ganz ähnlich sieht das Boris Rosenkranz bei “Übermedien”: “Sie verbreiten reißerische Videos und belagern traumatisierte Menschen: Einigen Medien geht es nach dem Grazer Amoklauf nicht um sachliche Berichterstattung, sondern darum, im Rennen um exklusive Content-Schnipsel vorne zu liegen. Wie immer bei solchen Ereignissen.”

2. Die “Berliner Zeitung” verdreht Themen so lange, bis sie ins verhetzende Muster passen
(msn.com, Jochen Zenthöfer)
Jochen Zenthöfer kritisiert, dass die “Berliner Zeitung” Themen aus seiner Sicht systematisch so verdrehe, bis sie in ein populistisches oder hetzerisches Narrativ passen würden. Aktuell werde eine Soziologin, die demokratisch zur Präsidentin einer Hochschule gewählt worden sei, mithilfe fragwürdiger Plagiatsvorwürfe und suggestiver Berichterstattung diskreditiert. Wichtige Fakten und Kontext würden dabei weggelassen, um ein Bild von Skandal und politischer Fehlbesetzung zu erzeugen.

3. “Klimapolitik wird zum Kulturkampfthema erhoben”
(orsted.de, Nils Husmann)
Luis Paulitsch warnt im Interview mit Nils Husmann, dass viele Alternativmedien nicht primär Meinungsvielfalt fördern, sondern gezielt rechte Narrative verbreiten und einen politischen Rechtsruck anstreben würden. Unterstützt von Social-Media-Algorithmen könnten sie mit emotionalisierenden Inhalten gezielt Angst und Empörung schüren. Das geschehe oft im Zusammenhang mit Themen wie Klimapolitik, Migration oder Energiekrisen. Trotz oft geringer Reichweite würden sie es immer wieder schaffen, durch geschickte Themenplatzierung und ideologische Netzwerke die öffentliche Debatte spürbar zu beeinflussen.

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4. Warum wir regionale Zeitungen in der digitalen Ära brauchen
(medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler berichtet über eine neue Studie, der zufolge regionale Zeitungen trotz sinkender Auflagen weiterhin eine wichtige Rolle spielen, auch weil sie digital immer stärker genutzt würden. Die Studie stammt von der Score Media Group, einem Zusammenschluss regionaler Zeitungen, und zeige: Viele Menschen würden lokale Berichterstattung für unverzichtbar halten und seien zunehmend bereit, dafür zu zahlen und Werbung zu akzeptieren. Der digitale Wandel gelte dabei nicht als Bedrohung, sondern werde als Chance gesehen, neue Leserinnen und Leser über verschiedene Kanäle zu erreichen.

5. Berichten über LSBTIQ-Themen
(verdi.de)
Queere Menschen begegnen in Medienberichten noch immer häufig missverständlichen oder klischeehaften Formulierungen. Um Unsicherheiten zu beseitigen und Fehler zu vermeiden, helfe ein aktualisierter Leitfaden des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen, der konkrete Tipps und Fallbeispiele für sensible und sachgerechte Sprache liefere.

6. Content aus dem Klassenraum – Dürfen Lehrer Influencer sein?
(youtube.com, Lisa Beusch & Kim Kristin Mauch, Video: 18:57 Minuten)
Der Beitrag des NDR-Medienmagazins “Zapp” zeigt, wie Lehrkräfte auf Plattformen wie TikTok und Instagram mit Einblicken in ihren Schulalltag viralen Content erstellen. Dabei würden sie in Konflikt mit Datenschutz, Werbung und ihrem Bildungsauftrag geraten, wenn etwa Schülerinnen und Schüler Teil der Videos werden. Lisa Beusch und Kim Kristin Mauch begleiten zwei angehende Lehrerinnen, die wegen ihrer Posts ihren Job verloren haben, und gehen den rechtlichen und ethischen Fragen hinter dem Phänomen nach.

Angriff auf die Informationsfreiheit, Datenretter, Hilfe bei Krisen

1. Union will Informationsfreiheitsgesetz abschaffen
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott)
“In den Koalitionsverhandlungen drängen CDU und CSU darauf, das Recht auf staatliche Informationen abzuschaffen. Angetrieben wird das Vorhaben von Philipp Amthor – der wegen seiner umstrittenen Nebentätigkeiten bei Augustus Intelligence selbst unter IFG-Anfragen zu leiden hatte.” Arne Semsrott erläutert den geplanten “Frontalangriff auf die Informationsfreiheit”, der auch Auswirkungen auf die journalistische Arbeit hätte.
Weiterer Lesehinweis: Auch beim Netzwerk Recherche ist man besorgt: “Wer die Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes fordert, ohne eine andere Transparenzregel an seine Stelle treten zu lassen, fürchtet sich offensichtlich vor mehr Offenheit und Bürgernähe. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen den staatlichen Institutionen misstrauen, ist es ein gefährlicher Irrweg, demokratische Rechte beschneiden zu wollen und den Weg der Abschottung zu gehen”. (netzwerkrecherche.org)

2. Richter stoppt Schließung von Radio Free Europe
(faz.net)
Ein US-Bundesrichter habe die Schließung von “Radio Free Europe” vorerst gestoppt und angeordnet, dass die zuständige Behörde den Sender weiter finanzieren muss – auch wenn US-Präsident Donald Trump die Mittel streichen wollte. Der 1950 gegründete Sender, der wöchentlich rund 50 Millionen Menschen in autoritär regierten Staaten erreiche, begrüßt die Entscheidung: “Dieses Urteil ist eine weitere deutliche Botschaft an unsere Journalisten in aller Welt: Ihr Auftrag, wie er vom Kongress festgelegt wurde, ist würdig und wertvoll und sollte fortgesetzt werden”. Juristisch ausgestanden sei die Sache für “Radio Free Europe” jedoch noch nicht, der Rechtsstreit gehe weiter.

3. Diese Menschen retten Daten vor der Trump-Zensur
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck hat sich mit dem “digitalen Historiker” Sebastian Majstorovic über dessen Arbeit beim “Data Rescue Project” unterhalten. Dort sichert Majstorovic gemeinsam mit Hunderten von Freiwilligen gefährdete öffentliche US-Daten, die unter der zweiten Trump-Administration gelöscht werden sollen: “Da kommen Leute aus Elon Musks DOGE-Abteilung, die sich nicht dafür interessieren, welche Funktionen eine Behörde erfüllt. Sie haben eine Liste mit verbotenen Wörtern, darunter Begriffe wie ‘schwul’, ‘Frau’ oder ‘kulturelles Erbe’. Und sie löschen rücksichtslos Inhalte, in denen diese Wörter auftauchen. Sie haben gelöscht, dass der Schwarze US-General Charles Calvin Rogers mit der ‘Medal of Honor’ geehrt wurde. Sie haben auch medizinisches Wissen gelöscht, das Ärzt*innen für laufende Behandlungen von Patient*innen brauchen.” Majstorovic betrachtet die Löschaktionen als eine Form der “digitalen Bücherverbrennung”. Er warnt vor “technofaschistischen” Tendenzen und ruft dazu auf, auch in Europa Strategien zur digitalen Datensicherung zu entwickeln.

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4. So setzt sich RSF in Gaza und Nahost ein
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) setzt sich im Gaza-Krieg aktiv für den Schutz von Journalistinnen und Journalisten ein, indem sie Schutzzonen fordert, Ausrüstung und Nothilfe bereitstellt und internationale Ermittlungen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen unterstützt. Seit Beginn des Krieges wurden laut RSF fast 200 Medienschaffende getötet, viele davon gezielt oder im Zusammenhang mit ihrer Arbeit. RSF hat mehrfach beim Internationalen Strafgerichtshof Anzeige erstattet und dokumentiert systematisch die Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten.

5. Berlusconis MFE kündigt Übernahmeangebot für ProSiebenSat.1 an
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Der italienische Medienkonzern MFE unter Pier Silvio Berlusconi habe ein Übernahmeangebot für ProSiebenSat.1 angekündigt, um die Kontrolle über den deutschen TV-Konzern zu erlangen. Trotz großer strategischer Worte und der Vision einer paneuropäischen Sendergruppe bleibe das Angebot mit einem erwarteten Preis von rund 5,75 Euro pro Aktie eher zurückhaltend. Bei ProSiebenSat.1 begegne man dem Vorstoß mit Skepsis, verweise auf den niedrigen Preis und bleibe vorerst gelassen.

6. Wer hilft Journalist:innen bei mentalen Krisen?
(dfjv.de, Gunter Becker)
Gunter Becker schreibt, dass Journalistinnen und Journalisten besonders stark unter psychischen Belastungen wie Stress, Burn-out und Depressionen leiden, was eine aktuelle Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München belege. Gleichzeitig stellt Becker verschiedene Hilfsangebote wie “HateAid”, die “HelpLine” des Netzwerk Recherche und betriebliche Unterstützungsstrukturen bei Verlagen wie Funke und der “Zeit”-Gruppe vor. Inzwischen gebe es ein wachsendes Problembewusstsein in der Branche und vielfältige Anlaufstellen, so dass niemand mit seiner seelischen Not allein bleiben müsse.

7. Nach Chat-Sicherheitspanne: Trump beschimpft Journalisten
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:29 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Attacken des US-Präsidenten auf den “Atlantic” nach dem Militärchat-Skandal: “Die systematische Attacke auf unabhängige Medien ist kein Zufall. Sie ist das Herzstück populistischer Politik. Und sie erfüllt gleich mehrere Zwecke: Sie lenkt ab. Sie diskreditiert Kritik. Und sie schweißt das eigene Lager enger zusammen: Plötzlich geht es nicht mehr um den eigentlichen Fehler – sondern um denjenigen, der ihn sichtbar gemacht hat.”

TikToks Wortfilter, Ermittlungen ausgeweitet, NDR wehrt sich

1. TikTok schränkt Meinungsfreiheit ein
(tagesschau.de, Svea Eckert & Catharina Felke & Oskar Vitlif)
Tagesschau.de berichtet, dass die chinesische Videoplattform TikTok in Deutschland systematisch Wortfilter einsetzt. Recherchen von NDR, WDR und “Tagesschau” zufolge blockiere der hinter TikTok stehende Konzern mindestens 20 Wörter, darunter “Nazi”, “Sklaven” und “Gas”, aber auch “LGBTQ” und “schwul”. Die “Tagesschau” ist selbst bei TikTok mit einem Kanal vertreten.
Weiterer Lesehinweis: Bei “Message” fragen Florian Görres und Yaejun Rhee: “Immer mehr Medienhäuser platzieren journalistische Inhalte auf Tiktok – doch zu welchem Preis?” In Anspielung auf die aktuellen Enthüllungen zitieren sie “Tagesschau”-Chefredakteur Markus Bornheim, der 2019 gesagt habe: “Wenn wir merken, dass unsere Inhalte rausgenommen werden durch irgendeine Form von Moderation von TikTok, dann werden wir den Kanal sofort zumachen.”

2. NDR erwirkt einstweilige Verfügungen gegen “BI”, “Bild” und “Stern”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das Landgericht Hamburg hat in mehreren Entscheidungen Verdachtsäußerungen von “Business Insider”, “Bild” und “Stern” in Bezug auf den NDR als unzulässig beanstandet. Der Springer-Konzern habe sich zwischenzeitlich rechtsverbindlich gegenüber dem NDR verpflichtet, nicht mehr zu verbreiten, dass der Chefredakteur und die Politik-Chefin im Landesfunkhaus Kiel ihre Jobs wegen Vorwürfen der Einflussnahme auf politische Berichte verlören.

3. Generalstaatsanwaltschaft weitet Ermittlungen aus
(sueddeutsche.de)
In der Affäre um den RBB hat die Generalstaatsanwaltschaft Berlin laut einem Behördensprecher die Ermittlungen ausgeweitet. Diese würden sich gegen zwei Führungskräfte aus der aktuellen Geschäftsleitung des Senders richten und den Verdacht der Untreue sowie der Beihilfe zur Untreue betreffen.

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4. “Es braucht eine Umverteilung”
(journalist.de, Jan Freitag)
Wer sich für die Hintergründe und die Arbeitsbedingungen in einem Sender wie dem RBB interessiert, sollte unbedingt das “journalist”-Interview mit der “Abendschau”-Moderatorin Eva-Maria Lemke und dem Investigativjournalisten Olaf Sundermeyer lesen. Beide sprechen in schonungsloser Offenheit, kritisieren die Senderführung und mahnen notwendige Reformen an.

5. “Tod auf Raten”
(taz.de, Ralf Leonhard)
Wie Ralf Leonhard aus Österreich berichtet, habe der dortige Ministerrat beschlossen, dass die bisherige Tageszeitung “Wiener Zeitung” nur noch monatlich erscheinen soll. Diese Entscheidung werde heftig kritisiert, sowohl von der Belegschaft als auch von der journalistischen Konkurrenz.

6. »Du bist ein Tyrann und eine Witzfigur«
(spiegel.de)
Der “Spiegel” berichtet von einem Fall, der in der Modewelt für viel Empörung sorgt: Eine Modejournalistin habe Kanye Wests Shirt mit dem Slogan “White Lives Matter” kritisiert. Daraufhin habe der Rapper sie auf Instagram beleidigt und spöttische und beleidigende Kommentare über sie veröffentlicht.

Zuckerberg angeklagt, “Top Gun 2”, Stigmatisierende Nachrichten

1. Jetzt ist Zuckerberg dran
(netzpolitik.org, Alexandra Conrad)
Der Datenskandal um die Firma Cambridge Analytica kostete Facebook 2019 fünf Milliarden US-Dollar. Nun klagt der Generalstaatsanwalt von Washington D.C. Facebooks Firmenchef Mark Zuckerberg an. “Um was geht es in dem aktuellen Prozess und wieso wird Zuckerberg erst jetzt angeklagt?” Alexandra Conrad hat für netzpolitik.org die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

2. “Die Fakten müssen auf den Tisch”
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider)
“Die Medien können die Klimakrise nicht lösen, aber es ist ihre Verantwortung, die Zusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und den Folgen für Mensch, Natur, Wirtschaft und unsere Lebensweise wissenschaftlich fundiert, verständlich und in angemessenem Umfang darzustellen”, so der ZDF-Meteorologe Özden Terli in einem jüngst erschienenen Leitfaden. Terli plädiert dafür, nicht nur über das aktuelle Wettergeschehen, sondern auch über die Zusammenhänge mit dem Klimawandel zu berichten. Darüber spricht er im Interview mit dem Deutschlandfunk.

3. Affenpocken, voll schwul ey
(uebermedien.de, Frederik von Castell)
In der Berichterstattung zum Affenpockenvirus kam es zu Stigmatisierungen von homosexuellen Männern, kritisiert Frederik von Castell in seinem Kommentar. Eine bedeutende Rolle spiele dabei “Medizinkorrespondent” Christoph Specht, der Auftritte bei RTL und im ZDF hatte. Von Castell erklärt die tatsächliche Faktenlage und zeigt, wie es zu den stigmatisierenden Beiträgen und Nachrichten kam.

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4. Wo bleibt ein #medienmetoo, Juliane Löffler?
(druckausgleich.podigee.io, Annkathrin Weis & Luca Schmitt-Walz, Audio: 56:16 Minuten)
“Wir brauchen eine Debatte über Sexismus innerhalb der Medienbranche. Denn während wir über andere, korrupte oder missbräuchliche Systeme berichten und Machenschaften aufdecken, scheinen wir ausgerechnet die eigene Branche nicht ausreichend zu beachten. Woran liegt es, dass wir als Branche noch immer nicht an dem Punkt sind, solche Missstände und Fehlverhalten untereinander anzusprechen?” Darüber diskutieren Annkathrin Weis und Luca Schmitt-Walz mit Juliane Löffler, die maßgeblich an der Recherche zu den Machtmissbrauchsvorwürfen gegen den damaligen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt beteiligt war.

5. Newsletter Netzwerk Recherche, Nr. 209
(netzwerkrecherche.org, Annelie Naumann & Albrecht Ude)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für Journalistinnen und Journalisten aus dem Investigativbereich: der Newsletter des Netzwerk Recherche (nr). Die neueste Ausgabe liefert neben ein paar Worten zur Causa Kliemann einen aktuellen Überblick über Nachrichten, Veranstaltungen, Seminare, Stipendien und Preise. Außerdem gibt es Informationen zur alljährlichen nr-Jahreskonferenz, die am 30. September und 1. Oktober dieses Jahres in Hamburg stattfindet. Im Pressespiegel gibt es zudem wertvolle Lesetipps zu ausgesuchten Themen.

6. Top Gun 2: So trickst dich das US-Militär aus
(youtube.com, Walulis Story, Video: 11:04 Minuten)
Es hat bereits Tradition, dass Kriegsfilme aus Hollywood vom US-Militär unterstützt werden. Der diese Woche anlaufende Film “Top Gun 2” bildet da keine Ausnahme. Das Walulis-Team erklärt mit satirischen Mitteln, warum es sich dabei um ein Geschäft handelt, das auf Gegenseitigkeit beruht.

Kritik an Döpfner, Debatte um Buchmesse, Helene oder Hindukusch?

1. Medienhäuser üben offene Kritik an Verlegerpräsident Döpfner
(spiegel.de)
Zeitungsverlegerpräsident und Springer-Chef Mathias Döpfner gerät wegen einer privaten Äußerung, die von der “New York Times” zitiert worden war, zunehmend unter Druck. Döpfner hatte darin den damaligen “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt als nahezu einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch “mutig” gegen den “neuen DDR-Obrigkeitsstaat” aufbegehre. Fast alle anderen seien zu “Propaganda Assistenten” geworden. Nachdem bei anderen Verlegern zunächst vielfach Schweigen herrschte, melden sich nun kritische Stimmen zu Wort. Der “Stern”-Chefredakteur Florian Gless fordert beispielsweise in einem Meinungsbeitrag: “Mathias Döpfner sollte von allen Posten und Ämtern zurücktreten.”

2. Wehrhaft sein und es den Rechten ungemütlich machen
(deutschlandfunkkultur.de, Nicole Dittmer, Audio: 7:13 Minuten)
Erneut wird über rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse debattiert. Dieses Mal sei der Protest allerdings lauter als in den Jahren zuvor, sagt die Journalistin Hadija Haruna-Oelker, die auch Mitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ist: “Faktisch ist es nun einmal so, dass sie (die Verlage, die Red.) einen sehr prominenten Raum bekommen haben. Und neu ist, dass es total viele Autor:innen gibt, die früher keine Bücher geschrieben haben, die jetzt sehr prominent aus dem Diversitätsspektrum kommend eine Welle ausgelöst haben, eine Dynamik entfacht haben, die Druck ausübt. Und dieser Druck ist neu und stärker.”

3. IVW-Analyse: “Bild” fällt fast unter die Mio.-Marke, “Zeit” gewinnt massiv
(meedia.de, Jens Schröder)
Die Auflagenzahlen für das dritte Quartal 2021 sind draußen. Zu den Gewinnern gehört einmal mehr die “Zeit” (plus 10,8 Prozent), zu den Verlierern einmal mehr “Bild”: “Durch das Minus von 8,5 Prozent in den beiden wichtigsten IVW-Kategorien Einzelverkauf (in Kiosken, Supermärkten, etc.) und Abos fiel ‘Bild’ auf inzwischen 1.006.365 Exemplare zurück. Das Unterschreiten der Mio.-Marke ist also nicht mehr fern und wurde im dritten Quartal nur noch knapp verhindert.”

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4. Coming-out von Karin Hanczewski: Wer darf eigentlich queere Rollen spielen?
(rnd.de, Matthias Schwarzer)
Die fortschreitende Diversität bei Filmproduktionen bringe ganz neue Probleme mit sich. Probleme, die auch unter queeren Menschen für hitzige Debatten sorgen würden und für die es aktuell keine zufriedenstellende Lösung zu geben scheine, wie Matthias Schwarzer ausführt: “Es geht um nichts weniger als die Frage: Wer darf heterosexuelle, schwule, lesbische, transsexuelle oder behinderte Menschen überhaupt auf dem Bildschirm darstellen?”

5. Diversity im Fernsehen? “Die Branche ist bemüht”
(dwdl.de)
Bei “DWDL” kommentiert Timo Niemeier eine relativ neue Studie über Sichtbarkeit und Vielfalt im Fernsehen: “Gerade für die Fernsehbranche, in der sich viele selbst gern als tolerant und weltoffen beschreiben, sind durch die Studie eklatante Versäumnisse offengelegt worden. Zwar sind sich alle einig, dass man den eingeschlagenen Weg fortsetzen werde, doch um echte Vielfalt auf den Bildschirmen zu gewährleisten, wird es wohl noch dauern.” Niemeier hat sich in der Branche umgehört, inwieweit auf Diversity-Kriterien Rücksicht genommen werden kann, wenn innerhalb von kurzer Zeit ein Job zu besetzen ist.

6. the time has arrived
(twitter.com/TwitterSpaces)
Anfang des Jahres machte die App Clubhouse von sich reden. Die Audio-Plattform ermöglicht es Menschen, sich in digitalen Räumen zusammenzuschließen und live miteinander zu diskutieren. Twitter hat diese Live-Audio-Funktionalität nun im eigenen Netzwerk integriert und zeigt in einem kleinen Video, wie die Sache funktioniert. Mit Blick auf Medienthemen könnte das vor allem deswegen interessant sein, weil sich bei Twitter viele Journalistinnen und Journalisten tummeln. Und die nutzen die neue Funktion bereits: Erst kürzlich gab es eine mehrstündige Audio-Diskussion zum Aus von Julian Reichelt als “Bild”-Chef – mit über 1000 Personen, die zugehört haben.

7. Helene oder Hindukusch?
(sueddeutsche.de, Mats Schönauer & Moritz Tschermak)
Zusätzlicher Link, weil die Autoren aus unserem Haus stammen: In einem Gastbeitrag für die “Süddeutsche Zeitung” überlegen Mats Schönauer und Moritz Tschermak, wie die Post-Reichelt-Ära bei “Bild” aussehen könnte.

Die “Österreich”-Affäre, Missstände im “Zockerhaus”, Lesch gendert

1. Die “Österreich”-Affäre
(falter.at, Florian Klenk)
Mögliche Scheinrechnungen und Chats legen den Verdacht nahe, dass Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz im Zusammenhang mit einem System steht, das die öffentliche Meinung mit frisierten Studien manipuliert und wohlwollende Berichterstattung in Boulevardmedien gekauft haben könnte. Dafür könnten über eine Million Euro Steuergeld verwendet worden sein. “Falter”-Chefredakteur Florian Klenk erklärt die Hintergründe eines “beispiellosen Kriminalfalls”, der derzeit Österreich erschüttert.

2. Schwulenfeindliche Entgleisungen
(sueddeutsche.de, Clara Meyer)
Die Realityshow “Das Zockerhaus” bei ZDFtivi soll eigentlich den Freundschaftsgedanken fördern, stecke jedoch voller sexistischer und schwulenfeindlicher Klischees, schreibt Clara Meyer: “Die Missstände in Das Zockerhaus werden in einem offenen Brief an das ZDF vom Verein klische*esc, der sich für Gleichberechtigung einsetzt, kritisiert. Die schwulenfeindlichen und sexistischen Bestrafungen hätten das ‘Ziel, die Männlichkeit der jungen Protagonisten in Frage zu stellen … Dadurch werden nicht nur die Protagonisten herabgesetzt, sondern insgesamt Frauen* und Homosexuelle’, heißt es in dem Brief. Dem ZDF droht nun der Negativpreis ‘Der Goldene Zaunpfahl’, den der Verein für ‘absurdes Gendermarketing’ verleiht.”

3. DW-Korrespondenten werden aufgenommen
(verdi.de)
Der Deutschen Welle ist es gelungen, neun Korrespondenten und eine Korrespondentin sowie deren Familien aus Afghanistan zu evakuieren. Nun stellen die Städte Köln und Bonn den Evakuierten Unterkünfte zur Verfügung, bis die Deutsche Welle Wohnungen für sie gefunden hat.

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4. Her mit Gesetzen!
(zeit.de, Heinrich Wefing)
Es reiche nicht, sich über den rücksichtslosen Konzern Facebook zu empören – Deutschland müsse dagegen vorgehen, findet Heinrich Wefing: “Die Bürgerrechte sichern, den digitalen Raum zivilisieren, die Menschen vor der Macht der Tech-Giganten schützen – das wäre ein lohnendes Projekt für eine Ampelkoalition. Gegen die Herrschaft der Konzerne, für Freiheit durch Regeln. Es könnte das Markenzeichen eines avantgardistischen Liberalismus werden.”
Weiterer Lesehinweis: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht verlangt eine stärkere Regulierung Sozialer Netzwerke, und auch in der EU gebe es Pläne für strengere Regeln (spiegel.de).

5. Vielfalt im TV: Ein bisschen besser, aber noch nicht genug
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Am 5. Oktober hat Elizabeth Prommer vom Institut für Medienforschung der Universität Rostock die Ergebnisse einer aktuellen “Fortschrittsstudie zur audiovisuellen Diversität” (PDF) vorgestellt. Darin geht es nicht nur um Frauen, sondern auch um die Darstellung von Menschen mit Behinderungen, ethnischen Herkünften, Personen mit Migrationshintergrund sowie Menschen aus der LGBTQ-Community. Timo Niemeier fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

6. “Mehr als Ideologie”: Harald Lesch entkräftet Argumente gegen das Gendern
(rnd.de)
“Man muss es schlicht anerkennen, dass es beim Gendern um mehr geht als Ideologie. Eine männlich geprägte Sprache trägt nachweislich zu einem männlich geprägten Blick auf die Gesellschaft bei.” In der neuesten Ausgabe des ZDF-Sendung “Leschs Kosmos” behandelt Harald Lesch das Thema Gendern und räumt mit einigen Vorurteilen auf, denn “Gendern in der Sprache wirkt sich nachweislich auf das Verhalten aus”.

“Pandora-Papers”, Frontex vs. “FragDenStaat”, Handyvideo zulässig

1. So gefährlich können die “Papers”-Recherchen sein
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein & Michael Borgers, Audio: 9:58 Minuten)
“Panama Papers”, “Paradise Papers”, “Luxemburg Leaks” und nun die “Pandora Papers”: Die internationalen Recherchen über kriminelle Machenschaften und fragwürdige Offshore-Geschäfte reißen nicht ab. Hintergrund sei erneut ein Datenleck mit fast zwölf Millionen vertraulichen Unterlagen, die dann mehr als 600 Journalistinnen und Journalisten aus 117 Ländern ausgewertet haben. Der Deutschlandfunk hat mit Petra Blum über den aktuellen Fall gesprochen. Blum ist Mitglied des Investigativ-Zirkels ICIJ, dem die “Pandora Papers” zugespielt wurden.

2. Frontex will kein Bargeld von FragdenStaat
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Es ist ein Vorgang, der selbst vom EU-Parlament getadelt wird: Frontex, die milliardenschwere Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, hat die vergleichsweise kleine Transparenzinitiative “FragDenStaat” mit einer Forderung von mehr als 10.000 Euro überzogen. Arne Semsrott von “FragDenStaat” sieht darin eine Reaktion auf eine Bitte um Auskunft: “Unsere Klage ist der erste Fall, in dem eine NGO von Frontex vor Gericht die Herausgabe von Dokumenten verlangt hat. An uns soll ein Exempel statuiert werden.”
Auf Twitter berichten die wackeren Streiter für mehr Transparenz von ihrem vergeblichen Versuch einer Geldübergabe: “Wir haben heute versucht, der EU-Grenzpolizei Frontex in Brüssel 10.520,76 Euro bar zu übergeben. Aber Frontex hat die Tür nicht aufgemacht. Offenbar wurde das gesamte Gebäude nach unserer Ankündigung der Geldübergabe geräumt, Polizei war vor Ort.”

3. Han­dy­video von einem Poli­zei­ein­satz ist zulässig
(lto.de)
Weder Bild- noch Tonaufnahmen eines Polizeieinsatzes im öffentlichen Raum sind strafbar. Die Beschlagnahmung des dazu benutzten Handys sei daher nach Ansicht des Landgerichts Osnabrück rechtswidrig. “Legal Tribune Online” fasst die Entscheidung zusammen: Letztlich habe das Gericht ausgeführt, “dass gem. § 201 a StGB das Anfertigen von Bildaufnahmen im öffentlichen Raum grundsätzlich straffrei sei. Warum das Anfertigen von Tonaufnahmen in demselben Raum strenger geahndet werden sollte, sei nicht ersichtlich.”

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4. ARD-Programmdirektorin Strobl attackiert “Bild TV”: “Ausrichtung auf Spaltung der Gesellschaft”
(augsburger-allgemeine.de, Daniel Wirsching)
In einem Gespräch mit der “Augsburger Allgemeinen” wirft die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl den Springer-Medien und der AfD vor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk diskreditieren zu wollen. Auf den neuen Wettbewerber “Bild TV” angesprochen, antwortet Strobl: “Der ambitionierte Versuch, Zeitung und Fernsehen zusammenzubringen, ist nicht uninteressant. Aber ich finde die Art der Berichterstattung hochproblematisch: diese Art des Zuspitzens, diese Ausrichtung auf eine Spaltung der Gesellschaft und der Umgang mit Fakten.”

5. Dritte Mahnwache vor Verleger-Villa
(verdi.de, Frank Biermann)
Thomas Hoof war Landesgeschäftsführer der NRW-Grünen, bevor er das Versandhaus Manufactum (“Es gibt sie noch, die guten Dinge”) gründete. 2008 verkaufte Hoof die Firma für einen zweistelligen Millionenbetrag an das Versandunternehmen Otto und konzentriert sich seither auf seine (zweifelhaften) verlegerischen Aktivitäten. In Hoofs Verlagsbuchhandlung in Lüdinghausen tummeln sich allerlei Autoren der Neuen Rechten. Nun regt sich Widerstand von Kritikern und Kritikerinnen: “Sie haben mit zwei Mahnwachen und in Presseerklärungen bereits deutlich gemacht, was sie von Autoren des Verlages wie den AfD-Politikern Björn Höcke und Alexander Gauland, dem Verschwörungsideologen Jürgen Elsässer und dem Rechtspopulisten Acif Pirincci (‘Die große Verschwulung’) halten.”

6. WDR startet neue Newsmarke tickr im Netz
(dwdl.de, Manuel Weis)
Der WDR hat mit “tickr” ein weiteres junges Online-Newsformat gestartet. Das Angebot richte sich an Menschen unter 25 Jahren und finde auf den Plattformen Instagram und Snapchat statt. Montags bis freitags soll es dort in rund drei Minuten die wichtigsten News, Bilder und Statements des Tages im Hochkantformat geben.

Dieser Fall zeigt – im Wahlkampf verzerrt “Bild” heftig

Nachdem vergangene Woche vermutlich ein Anschlag auf eine Synagoge in Hagen vereitelt werden konnte, und sich seitdem ein 16-jähriger Syrer in Untersuchungshaft befindet, stand für “Bild” am Freitag fest:

Ausriss Bild-Zeitung - Deutschlands wichtigstes Thema - Dieser Fall zeigt - im Wahlkampf wird zu wenig über Islamismus gesprochen

Dazu präsentiert die Redaktion einen “Islamismus-Check”, in dem sie nach eigener Aussage überprüft, ob Grüne, SPD und CDU “Deutschlands wichtigstes Thema” (ob das wirklich zutrifft – dazu weiter unten mehr) auch wirklich ernst nehmen:

Ausriss Bild-Zeitung - Wer nimmt das Thema ernst? Die Kanzlerkandidaten im Islamismus-Check

Machtübernahme der Taliban! Islamistische Anschläge weltweit! Terrorangst auch in Deutschland!

Dennoch kommt das Reizthema Islamismus im Bundestagswahlkampf kaum vor.

Viele Wähler fragen sich: Wie wollen die Parteien mit der islamistischen Gefahr der selbst ernannten Gotteskrieger umgehen?

BILD macht den Wahlcheck!

Zu Annalena Baerbock und den Grünen schreibt “Bild”, dass es in der Partei “traditionell” eine “große Nähe zum islamistischen Mullah-Regime in Teheran” gebe, und “Kritik an islamistischem Hass auf Schwule, Lesben, Juden” eher “verhalten geäußert” werde. Und:

Im Programm der Grünen taucht das Wort “Islamismus” nicht auf

Also wird das Thema auch von den Grünen verschwiegen?

Dass das Wort “Islamismus” nicht im Wahlprogramm der Grünen auftauchen soll, ist eine klassische “Bild”-Verzerrung, die, wenn überhaupt, nur haarscharf an einer Lüge vorbeischrammt. Es ist richtig, dass der Begriff “Islamismus” im Programm (PDF) nicht zu finden ist. Dafür aber das Wort “islamistische” (Seite 195):

Zahlreiche Straftaten finden grenzüberschreitend statt, insbesondere die organisierte Kriminalität uns islamistische oder rechtsextreme Terrornetzwerke machen nicht an Landesgrenzen halt.

Und das Wort “islamistischer” (Seite 197):

Wir wollen daher auf Bundesebene einen Fonds für Opfer und Betroffene, insbesondere rechtsextremer, rassistischer oder islamistischer Gewalt, einrichten.

Und das Wort “Islamist*innen” (ebenfalls Seite 197):

Jede Form politisch motivierter Gewalt gefährdet unseren Rechtsstaat. Insbesondere durch Terrorismus von gewaltbereiten Rechtsextremist*innen und Islamist*innen ist die öffentliche Sicherheit in Deutschland bedroht.

Und das Wort “islamistischen” (Seite 198):

Aussteigerprogramme für Menschen aus der rechtsextremistischen und islamistischen Szene werden wir ebenso ausbauen wie Hilfs- und Beratungsangebote für Opfer und deren Angehörige.

Nichts davon erwähnt die “Bild”-Redaktion in ihrem “Islamismus-Check”.

Bei der SPD und deren Spitzenkandidaten Olaf Scholz raunt “Bild” derart rum, dass man glatt auf die Idee kommen könnte, Scholz trüge eine irgendwie geartete Mitschuld an den Anschlägen des 11. September 2001:

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde bekannt, dass einige der Attentäter aus Hamburg kamen und die Behörden sie nicht stoppten.

Innensenator damals: Olaf Scholz.

Und auch bei der SPD ist “Bild” aufgefallen, dass die Partei in ihrem Wahlprogramm (PDF) nicht von “Islamismus” spricht:

Die SPD vermeidet den Begriff “Islamismus” im Programm

Man findet allerdings diesen Absatz (Seite 47):

Extremisten und Terroristen bedrohen unsere freie Gesellschaft. Um dieser erheblichen Gefahr wirksam begegnen zu können, muss der Verfassungsschutz die Rolle eines demokratischen Frühwarnsystems erfüllen. Verfassungsfeindliche Organisationen werden wir verbieten. Wo Religionsfreiheit missbraucht wird und in religiösen Fanatismus umschlägt, müssen staatliche Sicherheitsbehörden konsequent eingreifen. Mit aller Konsequenz und Härte werden wir weiter gegen Terror und Gewalt vorgehen.

Auch dazu: kein Wort im “Bild”-“Islamismus-Check”. Stattdessen lässt die Redaktion es so wirken, als hätten lediglich die CDU und Armin Laschet eine Antwort parat (“In ihrem Wahlprogramm bezeichnet die CDU Islamismus als ‘extremistische politische Ideologie’, die mit ‘der ganzen Härte des Rechtsstaats’ bekämpft werden müsse.”).

Und dann noch zur Frage, ob Islamismus wirklich, wie “Bild” behauptet, “Deutschlands wichtigstes Thema” ist. Wie die Redaktion darauf kommt, ist uns schleierhaft. Vielleicht mag das in der eigenen Redaktionskonferenz so sein oder beim AfD-Stammtisch. “Bild” nennt jedenfalls keine Quelle für die Behauptung.

Uns ist keine aktuelle Umfrage bekannt, in der die Befragten mehrheitlich Islamismus oder wenigstens Terrorismus oder innere Sicherheit oder Kriminalität als “wichtigstes Thema” oder größtes Problem Deutschlands nennen. Nur wenige Tage vor Erscheinen des “Bild”-Artikels veröffentlichte “Bild am Sonntag” das Ergebnis einer eigenen Umfrage: “Welche der folgenden Themen sind für Sie bei der Bundestagswahl wahlentscheidend?” Auf Platz 1: “Klima” (35 Prozent). Platz 2: “Rente” (33). Platz 3: “Wohnen und Miete” (26). Gefolgt von: “Umgang mit Corona-Pandemie” (26), “Gesundheit und Pflege” (24), “Schule, Kitas und Bildung” (21). Auf Platz 10: “Innere Sicherheit” (17). Ein ähnliches Bild auch bei anderen Umfragen: Die EU-Kommission fragte zum Beispiel “Was sind Ihrer Meinung nach die beiden wichtigsten Probleme, denen Deutschland derzeit gegenübersteht?”. Am häufigsten wurde “Umwelt und Klimawandel” genannt (34 Prozent), dann “Steigende Preise/Inflation/Lebenshaltungskosten” (24) und dann “Das Bildungssystem” (22). Deutlich weiter hinten: “Kriminalität” (8) und “Terrorismus” (3). Das Umweltbundesamt fragte (PDF), welche Themen in Deutschland für “sehr wichtig” gehalten werden. Die meisten Befragten sagten “Zustand des Bildungswesens” (78 Prozent), “Zustand des Gesundheitssystems” (73) und “Soziale Gerechtigkeit” (66). “Kriminalität, öffentliche Sicherheit” (57) sowie “Kriege, Terrorismus” (48) antworteten deutlich weniger. Und auch auf europäischer Ebene sieht es nicht viel anders aus: Das Europäische Parlament wollte wissen “Welche der folgenden Themen sollte das Europäische Parlament Ihrer Meinung nach Priorität einräumen?” (PDF). Bei den Antworten aus Deutschland lagen die “Maßnahmen gegen den Klimawandel” ganz vorne (44 Prozent), gefolgt von “Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung” (37) und “Menschenrechte (in der EU und weltweit)” (29). “Die Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität” (25) wurde seltener genannt.

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“Zeit” mit Zeit für Putin, Dresdner “Corona-Quark”, Klick zur Krake

1. Heuler
(sueddeutsche.de, Nils Minkmar)
Die “Zeit” hat einen Gastbeitrag des russischen Präsidenten Wladimir Putin veröffentlicht. Eine verständliche Entscheidung, findet Nils Minkmar, wenn man etwas Entscheidendes beachte: “Bei einem Text gibt es eine Sorgfaltspflicht, wie sie auch für andere Produkte gilt, und zu so einem Artikel gehört in diesem Fall der Warnhinweis, das hier lupenreine Propaganda enthalten ist.”
Weiterer Tipp: Im Deutschlandfunk bezeichnet Samira El Ouassil die Veröffentlichung des Putin-Beitrags als “verstörendes Signal” und kommt zu folgendem Vergleich: “Es ist, als schriebe der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro in der ‘Süddeutschen Zeitung’ einen Essay über die Geschichte Brasiliens oder Trump einen Artikel über Wahlurnen im ‘Spiegel’ – oder als würde Alexander Gauland in der FAZ einen Gastbeitrag über Populi… – ach, Moment, Entschuldigung, das war ja tatsächlich passiert.”

2. Bekannte Corona-Leugner von Anonymous brutal vorgeführt
(watson.ch, Oliver Wietlisbach)
Eine “schweizerisch-europäische Facebook- & YouTube-Alternative” sollte es werden, was Corona-Verschwörungserzähler und sogenannte “Querdenker” vollmundig unter dem Titel “Ignorance” angekündigt hatten. Doch es kam anders: Hacker bemächtigten sich der Website und veröffentlichten auf ihrer Enthüllungsplattform diverse Interna des mutmaßlichen Hauptdrahtziehers und Profiteurs des Projekts, darunter diverse E-Mails und Rechnungen.

3. Mit einem Klick zur Krake
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
Als ein schwuler Buchhändler aus Stuttgart eine lange LGBT-Literaturliste in der Online-Ausgabe der “Stuttgarter Zeitung” entdeckt, ist die Freude zunächst groß. Doch sie währt nicht lange: Die Regionalzeitung empfiehlt nicht etwa den Erwerb der Bücher im lokalen Buchhandel, sondern hat stattdessen Empfehlungslinks zu Amazon gesetzt, schreibt Josef-Otto Freudenreich: “Und das verträgt sich seines Erachtens nicht mit der bisherigen Fürsorge des Stuttgarter Pressehauses, den lokalen Einzelhandel betreffend. In großformatigen Anzeigen werben die StZN und das Wochenblatt für den ‘Kauf vor Ort. Weil Deine Stadt alles hat’, nicht müde werden sie, darauf hinzuweisen, wie bedrohlich die Corona-Krise für die kleinen Läden ist, dass die Verödung der Innenstädte verhindert werden müsse.”

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4. Der “Corona-Quark” der Dresdner Stadtschreiberin
(mission-lifeline.de, Matthias Meisner)
Mit Kathrin Schmidt hat Dresden nicht nur eine neue Stadtschreiberin, sondern, wie sich erst jetzt herausstelle, auch eine engagierte Corona-Leugnerin und Anhängerin der “Querdenker”-nahen Partei “Die Basis”. Die Stadt Dresden wolle die Auszeichnung (ein halbes Jahr Mietfreiheit zuzüglich 1500 Euro je Monat) nicht zurücknehmen und biete an, “die unterschiedlichen Auffassungen insbesondere zur Coronapandemie in einem öffentlichen Diskurs mit anderen Autor:innen zu erörtern”. Matthias Meisner kommentiert: “So würden dann die Coronaverharmloser:innen doch noch eine weitere Bühne bekommen – quasi ergänzend zu den Protesten von Pegida und ‘Querdenken’. Typisch Dresden, möchte man sagen.”

5. Chinakritische “Apple Daily” stellt Betrieb ein
(spiegel.de)
Vergangene Woche gab es bei der wichtigsten Oppositionszeitung Hongkongs, der “Apple Daily”, eine Großrazzia: Etwa 500 Polizisten rückten an, nahmen mehrere Angestellte der Zeitung fest und beschlagnahmten Computer, Mobiltelefone sowie journalistische Aufzeichnungen. Außerdem erfolgte die Ankündigung, die Vermögenswerte des Medienunternehmens einzufrieren. Nun teilte die Muttergesellschaft mit, man werde das Blatt einstellen. Der Gründer und Besitzer von “Apple Daily”, Jimmy Lai, sitzt übrigens bereits seit Dezember 2020 im Gefängnis.
Weiterer Lesehinweis: Auf Twitter kritisiert Mario Sixtus eine Formulierung des hier verlinkten “Spiegel”-Beitrags: “Was heißt ‘knickt ein’? Was ist das für eine tendenziöse Formulierung? Jimmy Lai und andere Köpfe der Zeitung wurden unter fadenscheinigen Vorwürfen inhaftiert und die Konten eingefroren. ‘Peking zerstört größte Pro-Demokratie-Zeitung Hongkongs’ wäre passender als ‘einknicken’!”

6. Werbekennzeichnung in Online-Medien – neuer Leitfaden
(blmplus.de, Nele Heins)
Mit dem Inkrafttreten des Medienstaatsvertrags gelten auch neue Spielregeln zur Kennzeichnung von Werbung in Online-Medien. Hilfreich ist dabei der überarbeitete “Leitfaden der Medienanstalten zur Werbekennzeichnung bei Online-Medien” (PDF).

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