Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].
1. “Schwulenhetze als Verkaufsschlager” (taz.de, Simone Schlindwein)
Simone Schlindwein spricht mit dem 22-jährigen Herausgeber und Chefredakteur der Wochenzeitung “Rolling Stone” aus Uganda, Giles Muhame: “Bereits Anfang Oktober outete die damals noch unbekannte Zeitung die ‘100 Top-Homos in Kampala’. Auf den Folgeseiten war eine Serie schlecht gedruckter Schwarz-Weiß-Fotos von Männern in anzüglichen Posen zu sehen. Darunter jeweils Name, Wohnort und Angaben zur Penisgröße.”
2. “Michael Douglas-Interview eine Fälschung” (meedia.de)
Ein von “Berliner Kurier”, “Hamburger Morgenpost” und “Express” gedrucktes Interview mit Michael Douglas wurde nicht geführt. Der Sprecher des Schauspielers dazu: “Dieses Interview wurde sorgfältig zusammengesetzt aus Bemerkungen, die Michael Douglas auf verschiedenen Pressekonferenzen und in Interviews im vergangenen Jahr gemacht hat. Aber das meiste ist komplett ausgedacht.”
5. “Wenn das Zebra im eigenen Streifen spielt” (jungle-world.com, Heiko Werning, 11. November)
Heiko Werning beurteilt das Ausmaß von Manipulationen in Tierfilmen: “Solange die Tiere als Schauspieler arbeiten und einfach nur ein solides, gut recherchiertes Sachstück visualisieren, bei dem sie sich selbst spielen, ist alles in Ordnung. Peinlich wird es natürlich, wenn durch unsachkundige Zusammenschnitte plötzlich Arten gemeinsam durch einen Wald tollen, die in der Natur gar nicht im selben Lebensraum vorkommen, oder wenn dem Zuschauer Verhaltensweisen präsentiert werden, die das Tier unter normalen Umständen im Leben nicht zeigen würde.”
6. “Sport Bild-Watch (4)” (el-futbol.de, Sidan)
“Wird die Sport Bild etwa auf die alten Tage doch noch einmal zur vernünftigen Sportzeitung? Leider spricht wieder einiges dagegen: mit Statistiktricks, stillen Kampagnen und offensichtlichen Stimmungsschwankungen wird der Leser erneut manipuliert und für dumm verkauft.”
In den USA konnte sich ein Mann einige Tage nicht in ein Online-Spiel-Netzwerk einloggen, weil dessen Betreiber den Wohnort des Mannes für einen Witz hielt: Fort Gay.
“Hihi”, dachte man sich da bei “Spiegel Online”, “‘Schwulburg’, das ist ja witzig”, und kalauerte weiter:
Es ist kein Zufall, dass “Fickdorf” – im Gegensatz zu den anderen genannten Orten – nicht mit einem Link unterlegt ist: Ein Ort dieses Namens ist nämlich nirgends zu finden.
Die Geschichte ist so ungewöhnlich, dass das Polizeipräsidium Bochum im ersten Satz seiner Pressemitteilung erst einmal verkündet, dass der Inhalt der nachfolgenden Polizeipressemeldung “nun wirklich sehr ungewöhnlich” sei: Ein 35 Jahre alter Mann aus Herne ließ sich wegen einer Geschwulst am Kopf im Krankenhaus untersuchen, woraufhin die Ärzte auf seinem Röntgenbild einen Fremdkörper entdeckten, der sich bei einer Operation als Projektil des Kalibers 22 herausstellte.
Ein Mann aus Herne hat jahrelang mit einer Pistolenkugel im Kopf gelebt. Er hatte in einer Silvesternacht angetrunken einen Schlag am Hinterkopf verspürt, dem aber keine Bedeutung beigemessen. Die Polizei vermutet, dass er das Opfer eines Schützenbruders wurde.
Diese Vermutung äußert die Polizei allerdings weltexklusiv auf “Spiegel Online”. Wie uns der Polizeisprecher auf Anfrage bestätigte, habe er nie von einem “Schützenbruder” gesprochen. Er habe lediglich in einem der zahlreichen Gespräche mit Journalisten aus aller Welt erklärt, dass Projektile des Kalibers 22 (5,6 mm) typisch für Sportschützen seien — und die Polizei regelmäßig vor Silvester davor warne, mit Salutschüssen das Jahr zu begrüßen.
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1. “Fünf führende Wirtschaftsforschungsinstitute vs. Oktopus Paul” (mwinkelmann.de, Matthias Winkelmann)
Matthias Winkelmann analysiert die Trefferquote der von den Medien immer wieder vermeldeten Konjunkturprognosen. Er empfiehlt, die bestehenden Modelle nicht zu verbessern: “Dies wird seit 40 Jahren probiert, ist aber eben aussichtslos. Die Empfehlung lautet: hört einfach auf!”
2. “Textkritikkritik, halbschwul” (dugehstniemalsallein.de, nolookpass)
Nolookpass verteidigt Alexander Osang gegenüber der Kritik von Philipp Köster: “Osang hat gewiss nicht vergessen, Becker nach Belegen zu fragen, er hat es vermutlich nicht gewollt. Es ging ihm in dem Essay weder um harte Nachrichtenrecherche noch die Frage, was denn nun Privatsache von Nationalspielern sein sollte.” Philipp Köster antwortet in den Kommentaren.
3. Interview mit Paul Steiger (focus.de, Leif Kramp und Stephan Weichert)
Paul Steiger sieht keinen Grund, warum spendenfinanzierter Journalismus nicht auch in Deutschland funktionieren sollte: “Die Wirtschaftskrise hat zwar einige Vermögen dezimiert, aber als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, gab es immer noch etliche Milliardäre in Deutschland.”
4. “Die Zukunft des Abos” (dondahlmann.de)
Don Dahlmann über die konkreten Auswirkungen von “restriktiven Einzelabos”, die Bezahlmauern mit sich bringen: “Ich bekomme als Gegenleistung für meine gezahlten Abo-Gebühren einen Zugang, den ich, so sagen es die meisten AGBs, mit keiner anderen Person teilen darf. Theoretisch nicht mal mit meiner Frau oder meinen Kindern. Natürlich kann ich meiner Familie mein Passwort weitergeben, aber rechtlich gesehen darf ich es nicht, weil ich für die Weitergabe meiner Login-Daten verantwortlich bin. Stellt der Verlag mehrere, gleichzeitige Zugriffe unter meinem Login fest, kann er den Zugang sperren lassen.”
6. “WELT KOMPAKT checkt den Dresscode im Hause Springer” (youtube.com, Video, 1:53 Minuten)
“Welt Kompakt”-Mitarbeiter Florian Wichert erzählt, wie er darauf hingewiesen wurde, am Arbeitsplatz keine kurzen Hosen und keine Flip-Flops zu tragen.
Um 13.30 Uhr beginnt in Südafrika das Vorrunden-Spiel Deutschland gegen Serbien, welches das öffentliche Leben in der Bundesrepublik mutmaßlich für zwei Stunden zum Erliegen bringen wird.
“Spiegel Online” war gestern schon so freundlich, den Managementberater Rüdiger Klepsch zu fragen, was in Sachen Fußballgucken am Arbeitsplatz okay ist und was nicht.
Der geneigte Leser erfährt darin nicht nur etwas über den Umgangston in Büros, sondern auch den an anderen Orten:
Diese Meldung geht gerade um die Welt: In der nordenglischen Stadt Middlesbrough hat sich die Zahl der jährlichen Syphilis-Erkrankungen von unter zehn auf 30 erhöht. Peter Kelly, ein Verantwortlicher der örtlichen Gesundheitsbehörde, warnt deshalb vor ungeschütztem Sex mit wechselnden Geschlechtspartnern.
Das ist in dieser Form natürlich noch kein Anlass für internationale Schlagzeilen. Doch die Medien haben ihre industrielle Entenproduktion inzwischen soweit perfektioniert, dass das als Rohstoff schon ausreicht.
Ausgangspunkt war, wie so oft, das britische Revolverblatt “The Sun”. Es griff einen Satz Kellys aus der Safer-Sex-Warnung auf: “Soziale-Netzwerk-Seiten erleichtern es Menschen, sich mit anderen für zwanglosen Sex zu treffen.” Die “Sun” verknüpfte diese schlichte Beobachtung mit Zahlen aus dem vergangenen Monat, wonach die Menschen (zwar nicht in Middlesbrough, aber in Städten in der Nähe) überdurchschnittlich häufig solche sozialen Netzwerke nutzten. Sie spitzte beides auf “Facebook” zu, erfand einen kausalen Zusammenhang und titelte konsequent: “Sex diseases soaring due to Facebook romps” (frei übersetzt: Geschlechtskrankheiten explodieren wegen Facebook-Sex).
Damit war die Geschichte zwar falsch, aber spektakulär genug, ihre Reise um die Welt anzutreten, wobei die Lügen, die ihr zugrunde lagen, immer weiter ausgeschmückt wurden. Als eine der ersten schrieb die Online-Redaktion des “Daily Telegraph” die “Sun”-Meldung ab und veröffentlichte sie ohne Quellenangabe. Das war praktisch, weil sich weitere Abschreiber nun auf diese vermeintlich seriösere Zeitung berufen konnten. “Facebook ‘linked to rise in syphilis'” (“Facebook ‘mit Syphilis-Anstieg in Verbindung gebracht'”) titelte der “Telegraph” und legte somit gleich dem Gesundheitsbeamten den Zusammenhang in den Mund, den die “Sun” erfunden hatte.
Die britische Zeitung “Daily Mail”, der amerikanische Fernsehsender “Fox News” und viele andere verbreiteten die Falschmeldung der “Sun” weiter. Nach Deutschland schaffte es die Meldung mit tatkräftiger Unterstützung einer Hallenser Firma namens dts (“Deutsche Textservice Nachrichtenagentur”), die dem schon vorhandenen Unsinn weitere Fehler hinzufügte. Auch die einschlägig bekannte Düsseldorfer Agentur “Global Press” mischte mit ihrem Dienst “Medical Press” wieder mit.
Vor allem Online-Redaktionen, die auf irgendeinem Weg mit der offenbar ansteckenden Geschichte in Kontakt kamen, waren sofort von ihr infiziert. Sie breitete sich in Österreich (“Kurier”) ebenso aus wie in der Schweiz (“20 Minuten”), erreichte das deutschen Schwulen-Portal “queer.de” und das Jugendportal der “Süddeutschen Zeitung” “jetzt.de” — und natürlich: Bild.de.
“Facebook wird in Großbritannien als Sex-Kontaktbörse benutzt”, heißt es dort einigermaßen sinnlos in der Titelzeile, um dann erstaunlich skeptisch von einer “gewagten These” zu sprechen. Die Geschichte von Peter Kelly hat auf Bild.de inzwischen folgende Märchenform angenommen:
Nachdem er beobachtete, dass die Zahl der Syphilis-Erkrankungen in den britischen Orten Sunderland, Durham und Teesside um das Vierfache angestiegen sind, schaute er sich das Nutzerverhalten von Facebook an. Das Ergebnis: In den Orten mit hoher Syphilis-Rate nutzten auffällig viele Personen den Online-Dienst.
Macht Facebook krank?
Eine britische Untersuchung lässt vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen häufiger Facebook-Nutzung und der Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung an Syphilis gibt. “Diese Seite vereinfacht die Suche nach Sexabenteuern”, so die Forscher.
(“B.Z.”, 25. März)
Nichts davon ist wahr; mit Sunderland und Durham hat Kelly ohnehin gar nichts zu tun, die Städte waren nur die beiden mit den hohen Facebook-Nutzerzahlen, die die “Sun” unauffällig mit in das Gemenge eingerührt hatte, um überhaupt erst einen Schein-Zusammenhang zu konstruieren.
Die Gesundheitsbehörde hat inzwischen klargestellt, dass sie mit ihrer Mitteilung nur die Risiken von Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern herausstellen wollte: “Wir haben nicht behauptet, dass Soziale Netzwerke den Anstieg in der Zahl von Syphilis-Fällen verursachen.”
Und vielleicht lohnt es sich, am Ende den einen Satz von Kelly aus der “Sun” zu zitieren, von dem aus sich die ganze Falschmeldungsepidemie weltweit ausbreitete. Gesagt hatte er bloß: “Ich habe gesehen, dass mehrere der [von Syphilis] Betroffenen ihre Sex-Partner durch solche Sozialen Netzwerke kennen gelernt hatten.”
Das Erstaunliche ist, dass die Medien sich überhaupt noch die Mühe geben, von einer Tatsache auszugehen, die sie dann verdrehen, verfälschen und übertreiben, anstatt sich gleich Geschichten komplett selbst auszudenken — wenn ihnen doch so offenkundig egal ist, ob es stimmt, was sie berichten. Aber vielleicht wäre gerade das Selbstausdenken viel mehr Arbeit als die routinierte Methode der Produktion falscher, aber gut verkäuflicher Geschichten.
PS: So illustiert die “Sun” ihren Service-Artikel zur Frage, woran man erkennt, sich mit Syphilis infiziert zu haben:
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1. Interview mit Stefan Enderle (spreegurke.twoday.net, Ursula Pidun)
Stefan Enderle gibt Auskunft über seinen medienkritischen Film “Kann nicht sein, was nicht sein darf!?” (youtube.com, Video, 98 Minuten), “der im Rahmen der Diplomarbeit zum Abschluss des Studiums ‘Audiovisuelle Medien’ an der Hochschule der Medien in Stuttgart Vaihingen entstand.” Für den Film befragte er unter anderem Journalistikprofessoren und Journalisten.
2. “Berufskrankheit Zynismus” (konitzer.wordpress.com, Michael Konitzer)
Michael Konitzer hält die Überwachung des Privatlebens von Politikern für eine fast schon pubertäre “Erotik-Phantasie verklemmter Medienmacher”: “Wer sich mal ein paar Tage im Kreis verdienter Journalismus-Kollegen bewegt, bekommt massenhaft Tatsachen und Fakten erzählt, die bei Licht besehen nur Tratsch und Gerüchte sind. Der treibt es mit der, diese mit jenem. Der ist schwul und diese Lesbe. Diese Ehe ist im Eimer, jener ist jener hörig. Und alles ist so belanglos, und wenn es denn stimmen würde, dann nur reinste Privatsache der Beteiligten.”
3. “Tangerinegate” (bbc.co.uk/blogs/comedy, Lucy McDermott, englisch)
Wie ein Scherz über Gordon Brown, der angeblich mit dem Wurf einer Mandarine eine Maschine zerstörte, zur Nachricht wird. “So apparently a pretend worker at a pretend factory phoned The Sun to tell them about a pretend incident with a pretend tangerine breaking a pretend lamination machine.”
5. “Die Meinungskracher” (medienspiegel.ch, Fred David)
Fred David, ehemaliger Chefredakteur der Wirtschaftszeitung “Cash”, gibt zu, “selber auch schon Leserbriefe in meinem Sinn gefälscht” zu haben. “Ist allerdings lange her und durchaus branchenüblich. Ich schäme mich noch heute.”
6. Interview mit Michael Ringier (kleinreport.ch, Bruno Affentranger)
Verleger Michael Ringier (“Blick”) hat seinem hauseigenen Mitarbeitermagazin “Domo” ein Interview indreiTeilen gewährt, das der Kleinreport nun ins Internet gestellt hat. Ringier über das Internet: “Das Web bietet uns ein heilloses Chaos. Das Internet ist eine gigantische Ansammlung von absolutem Quatsch. Das ist unsere grosse Chance.”
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1. “Online-Gebühren: Über den Wert von Qualitätsjournalismus” (jensweinreich.de)
Sportjournalist Jens Weinreich setzt ab sofort Bezahlbuttons in seine Blogartikel. “Wer nichts zahlen möchte, weil ihm die Dienstleistung nicht gefällt, weil sie ihm nicht gut genug ist oder gar, obwohl sie ihm nützlich erscheint, trotzdem nichts zahlen möchte, weil er sich sagt: das Zeug gibt es doch sowieso umsonst; der hat Argumente, die ich schwerlich entkräften kann.”
2. “Blogs [metadiskussion]” (2-blog.net, Luca Hammer)
Ein langer Text über die immer mal wieder aktuelle Debatte “Blogs sind tot”: “Ich sehe die Entwicklungen rund um Blogs sehr positiv. Die Technologie kommt weiter, die Inhalte werden besser, mehr Leute wissen was Blogs sind und wenn die anderen Medien endlich ihre Paywalls hochziehen, steht den Blogs eine tolle Zeit bevor.”
3. “LSVD entsetzt über B.Z.” (queer.de, dk)
“Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) ist entrüstet über einen Kommentar in der Boulevardzeitung B.Z., in dem die Überfälle auf Homosexuelle in Berlin bagatellisiert werden.”
4. “Lauscher auf dem Lerchenberg” (faz.net, Michael Hanfeld)
Michael Hanfeld über Hugo Diederich, der Nikolaus Brenders Äusserungen über das ZDF als “verbale Entgleisung” geisselte: “Das ZDF sei keine kleine DDR. Der Mann muss es wissen; er sitzt in jenem Fernsehrat des Senders, dessen Mitglieder die Ministerpräsidenten, die im Verwaltungsrat sitzen, als Vertreter vermeintlich unabhängiger gesellschaftlicher Gruppen auswählen und aus deren Mitte wiederum acht Gesandte für den Verwaltungsrat bestimmt werden.”
5. “Mit dem Zweiten spitzelt man besser?” (spreegurke.twoday.net, Ursula Pidun)
Auch Ursula Pidun kommentiert die Auseinandersetzung: “So taff sich Brenders Worte also in diesen Tagen auch anhören mögen und so traurig die inhaltliche Brisanz für unsere Demokratie auch ist: Ein authentisch arbeitender Journalist hätte diese Zustände – so sie denn tatsächlich in dieser völlig inakzeptablen und verfassungswidrigen Form existent sind – bei Bekanntwerden sofort und auf der Stelle anzeigen und die Öffentlichkeit über die wahren Ausmaße in Kenntnis setzen müssen.”
6. “Splitter aus San Diego (IV): Die Journaille” (scienceblogs.de/alles-was-fliegt, Alexander Stirn)
Ein Bericht von einem Jahrestreffen der Wissenschaftsjournalisten, das mit viel weniger deutschen Journalisten und ohne Party auskommen muss.
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1. Interview mit Airen (faz.net, Tobias Rüther)
Nochmals zum in den Feuilletons gefeierten Plagiatsfall Axolotl Roadkill. Im Anschluss auf ein langes Gespräch mit dem Blogger Airen findet sich eine ebenso lange Liste von “Parallelstellen, die sich aus einem Abgleich der Bücher ‘Strobo’ und ‘Axolotl Roadkill’ sowie des Blogs mit Hegemanns Buch ergeben (Warnung: Die Zitate sind teilweise sexuell sehr explizit und könnten die Gefühle der Leser verletzen)”.
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1. “Lass klicken, Baby!” (jungle-world.com, Ivo Bozic)
Ivo Bozic beschäftigt sich mit den Klicks im Internet, die nach wie vor die Grundlage für Werbeeinnahmen sind: “Um Klicks zu erschleichen, scheint jeder Trick gerechtfertigt, so plump er auch sein mag. (…) Der Nachrichtenseite N24.de gelang es im Sommer, ihre Visits innerhalb von nur einem Monat um 328,7 Prozent zu steigern auf beachtliche 19,4 Millionen. Einfach dadurch, dass der Traffic der viel stärker frequentierten, ebenfalls zur ProSieben-Sat.1 Media AG gehörende Seite Wer-weiß-was.de seit Juli mitgezählt wird. Ein ganz legaler Trick.”
2. “Der Wert von Nachrichten bei N24” (ndr.de, Anne Ruprecht, Video, 5:44 Minuten)
Das Medienmagazin “Zapp” zu den Sparplänen bei N24. Das Blog “Nachrichten sind wichtig” liefert Zahlen zum Thema und schreibt, dass N24 2008 einen Jahresüberschuss von 13.13 Millionen Euro machte. “Im Jahr 2008 waren alle deutschen Sender im operativen Geschäft rentabel.”
3. Interview mit Matthias Eberl (beim-wort-genommen.de, Jonas Schaible)
Ein Gespräch mit Matthias Eberl, der Audioslideshows macht und damit kürzlich den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Online gewann: “Bisher bin ich nur wie ein Getriebener einigen wirren Idee hinterhergelaufen, jetzt ist rückblickend das Gefühl da, etwas gemacht zu haben, was journalistische Relevanz hat. Und ich hoffe auch, dass sich das Ansehen der Audioslideshow geändert hat.”
4. “Wer will Geld, wer nicht?” (persoenlich.com)
Eine Umfrage unter Schweizer Medienmachern zu Paid Content. Kurt W. Zimmermann: “Geld für Content können nur Medien verlangen, die etwas bieten, was sonst niemand bietet.”
5. “100 Jahre Zweisamkeit” (ftd.de, Thomas Birkner) Thomas Birkner glaubt, dass trotz der Paid-Content-Debatte “der Vertriebsweg keine Alternative zum Anzeigengeschäft” bieten kann. “Es ist erst die Mischfinanzierung aus Anzeigen- und Vertriebserlös von etwa 65 zu 35 Prozent, die es dem Journalismus 100 Jahre lang ermöglicht hat, sich als Kontrollorgan für den Staat zu etablieren.”