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Das läuft mit den Ausländern falsch

Die “Bild am Sonntag” veröffentlicht heute folgenden Leserbrief:

Randalierende ausländische Schüler ohne Deutschkenntnisse und ohne Integrationswillen sollten mit den Eltern ausgewiesen werden, da die Eltern den ihnen erteilten Erziehungsauftrag laut Artikel 6 des Grundgesetzes nicht erfüllt haben.

Ein abwegiger Gedanke? Nicht wenn man in den letzten Tagen “Bild” gelesen hat.

Die “Bild”-Zeitung glaubt nämlich, dass in den vergangenen Jahren in Deutschland nicht ehrlich genug darüber diskutiert wurde, was “mit den Ausländern falsch läuft”. Sie hat das in dieser Woche mal geändert und aufgeschrieben, was Ausländer für unser Land wirklich bedeuten:

(Repräsentative Ausrisse aus den “Bild”-Artikeln “Multi-Kulti ist gescheitert”, “Jeder 5. Tatverdächtige ist Ausländer”, “7 Wahrheiten über Ausländer-Politik”, “2010 so viele Ausländer wie junge Deutsche”, “Stoiber: Wer nicht Deutsch spricht, kommt auf die Sonderschule!” und “Sie nennen deutsche Mädchen ‘Hurentöchter'”. Wir haben die positiven Begriffe nicht weggelassen, das hat “Bild” getan. Der Gedanke, dass es Millionen Ausländer gibt, die “friedlich” und “freundlich” in Deutschland leben, fand sich immerhin in einem “Bild”-Kommentar am 1. April.)

In The Ghetto

In Hamburgs Süden gibt es unbestreitbar einige Stadtviertel mit hohem Ausländeranteil. Als Beispiel für Ghettoisierung hat sich die “Bild”-Zeitung in ihrem aufrüttelnden und “ehrlichen” Aufmacher “7 Wahrheiten über Ausländer-Politik” allerdings ausgerechnet Steinwerder ausgeguckt:

Die Suche nach all den Ausländern, die sich hier abschotten und “oft nach ihren eigenen Gesetzen” leben, dürfte etwas länger dauern. Verstecken sie sich vielleicht zwischen den zehntausenden Containern am Terminal Tollerort? Im riesigen Trockendock Elbe 17? Oder auf dem Gelände des Klärwerks Köhlbrandhöft?

Offensichtlich, denn die Statistiker haben 2004 (siehe Ausriss) gerade einmal 16 Ausländer auf Steinwerder entdecken können (von 57 gemeldeten Einwohnern insgesamt).

Und die deutschsprachige Wikipedia weiß noch mehr über das neu entdeckte Ghetto:

Steinwerder ist fast vollständig als Freihafen ausgewiesen. Der Stadtteil besteht aus Hafen-, Industrie- und Gewerbeflächen. Wohngebiete gibt es hier nicht.

neu  

“Bild” erfindet Fuchsberger-Rücktritt

Ziemlich gute Schlagzeile, das:

BLACKY FUCHSBERGER: Nie wieder TV!

Nur: Sie stimmt nicht.

“Das ist in dieser Form reiner Schwachsinn”, sagt Joachim Fuchsberger gegenüber BILDblog. “Das ist eine ‘Bild’-typische Übertreibung für eine gute Schlagzeile.” Und auch die markigen Sätze, mit denen er im Artikel von “Bild” zitiert wird, habe er nicht alle in dieser Form gesagt. Autorisiert habe er keinen einzigen davon.

Aber überrascht klingt er nicht. Vielleicht ist also das, was Fuchsberger einem so alles erzählt, wenn man ihn anruft, eine ganz normale Geschichte aus dem Alltag von “Bild”:

Fuchsberger sagt, er sei von “Bild” angesprochen worden, nachdem sein Freund Vicco von Bülow angekündigt hatte, nur dann noch einmal ins Fernsehen zurückzukehren, wenn Fuchsberger “noch einmal eine große Gala macht”. Der “Bild”-Reporter Malte Biss habe ihn daraufhin gefragt, ob denn eine solche Show geplant sei. Er habe geantwortet, was er seit vielen Jahren schon antwortet: Dass er ausschließt, im deutschen Fernsehen je wieder eine Samstagabend-Show zu machen. Von einem Rückzug darüber hinaus sei keine Rede gewesen, sagt Fuchsberger, im Gegenteil: Es gebe einige Pläne für neue Sendungen. Wenn aus diesen Projekten etwas werde, sei es ihm “eine große Freude”, weiter Fernsehen zu machen.

Gestern abend um halb zehn habe ihn Malte Biss dann angerufen und ein “sehr schlechtes Gewissen” gehabt, sagt Fuchsberger — offenbar wegen der sehr abwegigen Schlagzeile. Er habe das noch nie erlebt, dass ein Journalist ihn quasi vorab vor seinem eigenen Artikel gewarnt habe. Biss habe gefragt, ob Fuchsberger nun mit dem Anwalt gegen den Bericht vorgehen werde. Fuchsberger ließ das zunächst offen.

Gerade weil er mit verschiedenen Leuten über neue Fernseh-Projekte im Gespräch sei, hätte die falsche “Bild”-Schlagzeile geschäftsschädigend wirken können. Er habe dann heute erleichtert festgestellt, dass die meisten Menschen aus der Branche ohnehin nicht glaubten, was in “Bild” steht.

(Die “Nachricht” wurde dennoch weiterverbreitet. Die Agentur AP veröffentlichte heute nachmittag zwei Meldungen, in denen sie die “Bild”-Behauptungen ungeprüft übernahm. Überschrift: “Fuchsberger will kein Fernsehen mehr machen.”)

Fuchsberger ist überzeugt, dass “Bild” der Fehler nicht versehentlich unterlaufen ist. Dennoch will er nicht gegen die Zeitung vorgehen. Was könne ein Anwalt schon erreichen? “Eine Gegendarstellung? Who the hell cares!” Stattdessen habe er lieber einen “Deal” mit “Bild” gemacht, die nun bei ihm etwas gut zu machen habe.

Vermutlich wird also in den nächsten Tagen ein sehr freundlicher Artikel in “Bild” erscheinen, der ein neues Projekt von Fuchsberger vorstellt und ganz nebenbei den möglicherweise entstandenen Eindruck geraderückt, er könne sich für immer aus dem Fernsehen zurückziehen.

Zur Erinnerung: Chefredakteur Kai Diekmann rief vor eineinhalb Jahren eine neue “Null-Toleranz”-Politik gegenüber Verstößen gegen “unsere journalistische Standards” aus und gab vor, “übergeigte Überschriften” hätten in “Bild” “nichts zu suchen”. Ebenso behaupten Diekmann und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner, dass für alle Medien des Konzerns “journalistische Leitlinien” gälten, wonach Journalisten bei Axel Springer Interviews ohne Ausnahme vom Gesprächspartner autorisieren lassen müssen.

Danke an Jan K.!

[Fortsetzung hier.]

Die klare Sprache von “Bild”

Ausgesprochen unkritisch interviewt “Bild” heute den umstrittenen Historiker Arnulf Baring, nennt ihn “Deutschlands "Deutschlands klügster Kopf redet Klartext - Das läuft mit den Ausländern falsch"klügster Kopf” (obwohl man ihn mit derselben Logik auch den “naivsten Kopf Deutschlands” nennen könnte) und macht ihn zur Titelschlagzeile (siehe Ausriss).

Spiegel Online schreibt dazu:

Im (…) Interview erklärt der Historiker Arnulf Baring, der Deutschland schon vergangenes Jahr über Notverordnungen (!) regiert sehen wollte, dann jenen Satz, der seit dem Hilferuf der Rütli-Schule an jedem Stammtisch zu hören ist: “Multikulti ist gescheitert.” Schuld daran sind — so sehen es die Konservativen — natürlich die “Multikulti-Befürworter”, also jene rot-grünen Dummdeutschen, die in den vergangenen Jahrzehnten immer brav und arglos zwischen kurdischem Volksfest (vermutlich heimliche Terroristenversammlung) und libanesisch geführtem Italiener-an-der-Ecke (Schnauzbart, sehr suspekt) hin- und hergependelt sind. Freilich ohne zu merken, wie der Kurde und der südländische Kellner heimlich ihre blitzenden Messer wetzen, schlecht über unsere deutschen Frauen reden und hinter unserem Rücken ein unfriendly Takeover der Bundesrepublik vorbereiten. Wie gut, dass uns Arnulf Baring gerade noch rechtzeitig gewarnt hat!

Es ist deshalb höchste Zeit, mit ein paar Mythen aufzuräumen: Weder Rot-Grün oder die naiven Multikulti-Befürworter tragen die Hauptschuld an der jetzigen Integrationsmisere. Der Mann heißt Helmut Kohl. (…)

Auch ein Massenblatt wie die “Bild”-Zeitung könnte mit ihrer klaren Sprache hilfreich sein. Auf Ausgaben, in denen Kampagnen gegen erfolgreiche Schauspielerinnen türkischer Herkunft gefahren werden oder ein Arnulf Baring von der Leine gelassen wird, können wir dagegen verzichten.

1,3 Prozent mehr Milch für Mädchen

Am Dienstag vergangener Woche kündigte Bundestagspräsident Norbert Lammert an, den Fraktionen vorzuschlagen, dass die Diäten der Bundestagsabgeordneten in den nächsten Jahren um den gleichen Prozentsatz steigen sollen wie die Einkommen der übrigen Erwerbstätigen.

Gestern machte er diese Ankündigung wahr. Weil die Einkommen in Deutschland im vergangenen Jahr im Schnitt um 1,3 Prozent gestiegen sind, sollen auch die Abgeordneten 1,3 Prozent mehr bekommen.

Und Bild.de schafft es, einen Artikel über diese Umsetzung einer Ankündigung mit den Worten einzuleiten:

Schlechtes Gewissen oder Rückbesinnung zur Bescheidenheit?

Eine Frage, die schlicht keinen Sinn ergibt. Sie suggeriert, dass sich die Abgeordneten in den vergangenen Jahren sehr viel mehr “gegönnt” haben. Tatsächlich haben die Abgeordneten in den vergangenen beiden Jahren auf eine Diätenerhöhung verzichtet (“Nullrunde”).

Mit anderen Worten: Die “Bild”-Zeitung ist immer noch nicht bereit, den von ihr seit Jahren geführten und seit einigen Wochen intensivierten Kampf für eine grundsätzliche Neuregelung von Politiker-Diäten und -Alterversorgung mit fairen Mitteln zu führen.

Bild.de schreibt:

Allerdings sind 1,3 Prozent von 7000 Euro immer noch deutlich mehr Geld als 1,3 Prozent eines durchschnittlichen Angestellten-Einkommens von 1800 Euro.

Der Satz beschreibt nicht nur bedeutungsschwanger, was doch nur grundlegendes Prinzip der Prozentrechnung ist. Er ist auch falsch. Denn das durchschnittliche Angestellten-Einkommen betrug im vergangenen Jahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 3452 Euro.

Woher Bild.de die Zahl 1800 Euro hat, wissen wir nicht. Von der Größenordnung her könnte es sich allenfalls um das Nettoeinkommen handeln. Aber ist es denkbar, dass “Bild” einfach das Brutto-Einkommen eines Abgeordneten mit dem Netto-Einkommen eines Angestellten vergleicht, um besonders krasse Unterschiede zu produzieren?

Aber ja.

Danke auch an Holger R.

0:4

Wir unterbrechen unser Programm für eine Warnmeldung: Im Bundesliga-Spielbericht von Bild.de kommt Ihnen eine Reihe von Falschmeldungen entgegen. Bitte weichen Sie nach Möglichkeit auf andere Informationsquellen aus. Wir informieren Sie, sobald die Gefahr gebannt ist.

Bayern – Köln. Bei Bild.de heißt es:

Poldi flankt – Feulner köpft das Leder aus abseitsverdächtiger Position ins Tor.

Richtig ist: Scherz köpft, Feulner schießt.

Bayern – Köln. Bei Bild.de heißt es:

Makaay bedankt sich, macht endlich mal wieder ein Tor.

“Endlich mal wieder”? Roy Makaay hat auch am letzten Spieltag ein Tor gemacht. Und am Spieltag davor.

Gladbach – Dortmund. Bei Bild.de heißt es:

Nach einer Ecke von Oliver Neuville kommt Nando Rafael in der 6. Minute völlig frei zum Schuß, zieht aus 10 Metern ab!

Richtig ist: Es war kein Schuss, sondern ein Kopfballtor.

Gladbach – Dortmund. Bei Bild.de heißt es:

Nach einem Gladbacher Elfmeter kriegen die Dortmunder den Ball einfach nicht unter Kontrolle. Am Ende macht Rafael sein zweites Tor.

Richtig ist: Es war kein Elfmeter, sondern eine Ecke.

Vielen Dank an Thomas H. für den Hinweis!

Nachtrag, 3. April. Am Sonntagnachmittag hat Bild.de die Fehler korrigiert.

Wie “Bild” viel Wind produziert

Im Hintergrund ein Wirbelsturm, im Vordergrund ein lachender Umweltminister Sigmar Gabriel und darunter die gewaltige Schlagzeile: “Minister verhöhnt Hamburger Tornado-Opfer”. So machte die “Bild”-Zeitung gestern in Hamburg auf.

Und behauptete:

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in Berlin macht Späße über den Tornado! (…) In der gestrigen Haushaltsdebatte im Bundestag (es ging um den Klimawandel) witzelte er über den Tornado, der durch Hamburgs Süden fegte: “Das wird wohl eher etwas mit den Nachwirkungen der Ereignisse, in die der Justizsenator verwickelt war, zu tun gehabt haben.”

“Bild” nannte das im Stabreim eine “peinliche Politiker-Panne” — und hätte, wenn es so gewesen wäre, womöglich recht.

Heute greift “Bild” das Thema auch bundesweit auf und macht Gabriel zum “Verlierer des Tages”:

(…) Im Bundestag sagte er, die Katastrophe werde “wohl eher etwas mit den Nachwirkungen der Ereignisse, in die der Justizsenator verwickelt war, zu tun gehabt haben.”

BILD meint: Ganz schnell entschuldigen!

Und hätte, wenn es so gewesen wäre, womöglich recht.

Aber die Sache war ein bisschen anders. Gabriel hatte sehr ernsthaft über die Bedeutung des Klimaschutzes und die Gefahren des Klimawandels geredet und dann gesagt:

Letztens hatten wir in Hamburg einen Tornado. Ich weiß nicht, ob es so etwas schon einmal gab und ob das etwas mit dem Klimawandel zu tun hat.

An dieser Stelle wurde er von mehreren Zwischenrufen unterbrochen, die er nicht verstand. Er fragte nach, und der CDU-Abgeordnete Steffen Kampeter machte eine vermutlich witzig gemeinte Bemerkung:

Die Frage ist, ob das etwas mit den Mehrheitsverhältnissen in Hamburg zu tun hat!

Auf diesen Zwischenruf hin antwortete Gabriel:

Das wird wohl eher etwas mit den Nachwirkungen der Ereignisse, in die der Justizsenator verwickelt war, zu tun gehabt haben.

Was genau Kampeter und Gabriel meinten, wie Kampeter vom Tornado auf die “Hamburger Mehrheitsverhältnisse” kam und Gabriel von den Hamburger Mehrheitsverhältnissen auf die Entlassung des Justizsenators am Montag, bleibt auch nach Lektüre des stenografischen Berichts schleierhaft.

Aber die “Bild”-Zeitung verschweigt ihren Lesern den Zusammenhang: dass sich Gabriel nicht direkt auf den Tornado bezog, sondern auf eine Bemerkung über die “Hamburger Mehrheitsverhältnisse”. Dabei muss ihr der tatsächliche Ablauf bekannt gewesen sein. Denn Gabriels Satz lautete wörtlich (wie auf dem Video von der Sitzung zu sehen ist) etwas anders. “Bild” zitiert aus der redigierten Version im stenografischen Bundestags-Protokoll. Und in diesem Protokoll ist auch der vorhergehende Zwischenruf dokumentiert.

Lachen mit “Bild”

Beispielsweise im Jahr 2004 wurden laut Kriminalstatisik von der Polizei 8831 Vergewaltigungsfälle erfasst, davon 2551 überfallartig durch Einzeltäter, 224 überfallartig durch Gruppen, 335 durch Gruppen und 10 mit Todesfolge. Hinzu kommen 6792 Fälle sonstiger sexueller Nötigung und 26.224 Fälle sexuellen Missbrauchs. Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lag bei 57.306. Die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen wird auf das 10- bis 20-fache der erfassten Fälle geschätzt.

Und das ist ungefähr so lustig wie die Schlagzeile, die heute in Teilen Deutschlands auf Seite 3 der “Bild”-Zeitung und bei Bild.de zu finden ist:

Im Ernst: Wie lange wird es dauern, bis dieselben “Bild”-Redakteure auf derselben Seite womöglich “Froschmann vergewaltigt und tötet Fischverkäuferin” titeln? Und schreiben sie dann etwa als Erklärung für die Tat auch wieder lapidar: “Der Frühling ist da, die Triebe spielen verrückt (…)”?

Vergewaltigung ist die extremste Form sexualisierter Gewalt. Für “Bild” ist es nur ein Wort.

Mit Dank an die Hinweisgeber und Spirit of Entebbe für den Scan.

Parteiübergreifende Kritik an “Bild”

Die “Bild”-Zeitung berichtet heute, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert ihr angesichts ihrer unakzeptablen Kampagne eine “unakzeptable Kampagne” vorgeworfen habe:

Lammert sprach sogar von “Vorführung und Nötigung des Bundestages”.

Auch der zugehörige “Bild”-Kommentar erweckt den Eindruck, es sei allein Lammert gewesen, der “Bild” diese Vorwürfe gemacht habe. Dem ist nicht so. (Auch wenn FDP-Chef Guido Westerwelle die Zeitung in Schutz nimmt.) Im selben Interview Lammerts, aus dem “Bild” zitiert, sogar im selben Satz betont der Bundestagspräsident, dass er mit seiner Kritik nicht alleine sei:

… zumal gestern Abend alle Fraktionen sich ausdrücklich von dieser Kampagne der “Bildzeitung” distanziert haben und gerade die damit offenkundig beabsichtigte Vorführung und Nötigung des Bundestages als in der Form und in der Sache vollständig unakzeptabel zurückgewiesen haben.
(Hervorherbung von uns.)

Die “Bild”-Zeitung verschweigt auch, dass der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß ihre Art der Berichterstattung gestern im Bundestag zum Thema machte. Laut Protokoll der Plenar-Sitzung sagte er:

Lieber Herr Präsident Lammert, Sie begrüße ich heute Morgen besonders freundlich, weil ich finde, dass Sie Opfer einer üblen Kampagne der Zeitung mit den großen Buchstaben sind.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Parteiübergreifend sind wir der Auffassung, dass sich die Politik nicht alles gefallen lassen darf, wenn so gemobbt wird wie hier im Einzelfall geschehen. Das ist auch nicht der erste Fall.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Oskar Lafontaine (DIE LINKE))

Danke auch an Thomas S.!

Kurz korrigiert (84-86)

Es ist ja eigentlich halb so wild, dass Bild.de schreibt, der in den USA angeklagte Zacarias Moussaoui (oder auch “Zacharias Moussaoui”, da mag Bild.de sich nicht entscheiden), sei “Todespilot vom 11. September” gewesen, obwohl das schon deswegen unmöglich ist, weil er bereits im August 2001 festgenommen worden war, wie man als Bild.de-Leser wenig später erfährt. Und dass Bild.de meint, die Anschläge vom 11. September hätten in “New York und Washington” stattgefunden, auch darüber mag man u.U. hinwegsehen. Zumal man bei einem Besuch der Pentagon-Homepage den Eindruck gewinnen könnte, das Gebäude befinde sich in Washington, obwohl es doch in Arlington (Virginia) liegt.

Nicht nachvollziehbar ist dagegen die Bild.de-Behauptung, es handle sich bei dem Prozess gegen Zacarias Moussaoui um den “weltweit ersten Prozeß gegen die Terroristen vom 11. September 2001″. Schließlich war doch der Prozess gegen Mounir al Motassadeq, der bekanntlich in Deutschland stattfand, der weltweit erste Prozess im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September. Und auch der Prozess gegen Abdelghani Mzoudi (ebenfalls in Deutschland) fand früher statt. Das hätten die Mitarbeiter von Bild.de sogar auf Bild.de nachlesen können.

Mit Dank an André K. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 29.3.2006: Der Terrorismusbeauftragte von Bild.de hat den “weltweit ersten Prozeß” inzwischen zum “US-Prozeß” heruntergestuft.

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