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Man wird ja wohl noch antworten dürfen

Angesichts des Entwurfs eines neuen Schulgesetzes in Schleswig-Holstein fragte “Bild” gestern:

Warum dürfen Lehrerinnen kein Kreuz mehr tragen?

Und das ist schon mal eine lustige Frage, denn die geplante Regelung betrifft männliche Lehrer genauso, aber gut.

Eigentlich bemerkenswert ist aber vor allem, dass “Bild” die Antwort auf die Frage im Artikel schuldig bleibt. Ungefähr zwei Drittel des Textes geben den “Riesenkrach” wieder, den das geplante Gesetz auslöst (der in “Bild” schon zum “Gesetz” wird). Aber warum sich die Landesregierung zur Empörung auch der “Bild”-Zeitung dafür entschied, nicht nur Kopftücher im Unterricht zu verbieten, sondern (außerhalb des Religionsunterrichts) alle religiösen Symbole, das erklärt das Blatt seinen Lesern nicht.

Wen stört ein Kreuz?Auch der “Bild”-Kommentar von Willi Schmitt stellt zwar nicht weniger als zehn Fragen, beantwortet aber keine einzige davon, und schon gar nicht die zentrale:

Warum fordert die Große Koalition aus CDU und SPD (…) auf einmal: kein Kopftuch mehr in Schulen, dafür aber auch kein Kreuz mehr?

Dabei lässt sich die Frage relativ leicht beantworten. Die “Süddeutsche Zeitung” tat es am Freitag so:

Der Beschluss der Kieler Regierung entspricht dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2003. Das hatte
den Ländern nahegelegt, entweder prinzipiell den Lehrkräften zu erlauben, ihren Glauben symbolisch zu bekennen — oder dies komplett zu verbieten.

(Auch die nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche zum Beispiel ist der Ansicht, dass ein Privileg für christliche Symbole, wie “Bild” es fordert, “verfassungsrechtlich zweifelhaft” wäre: Wenn die muslimische Lehrerin kein Kopftuch tragen darf, dürfte auch der Pastor nicht mit umgehängtem Kreuz über den Schulhof gehen. Ein Gesetz in Hessen, das den Beamten im öffentlichen Dienst das Tragen von Kopftüchern verbietet, christliche Symbole aber erlaubt, verstößt nach Ansicht der hessischen Landesanwältin gegen die Verfassung. Und das Stuttgarter Verwaltungsgericht hat vor kurzem einer muslimischen Lehrerin Recht gegeben, die gegen das baden-württembergische Kopftuchverbot geklagt hatte.)

Natürlich kann man darüber streiten, wie man am besten mit den symbolträchtigen Kopftüchern in der Schule umgehen soll. “Bild” aber hat sich entschieden, kein Risiko einzugehen, dass die Leser womöglich zu einem anderen Urteil kommen als ihre Zeitung, die diese Debatte über die Grundwerte der deutschen Verfassung für eine “Gespenster-Diskussion” hält, und lässt sicherheitshalber die entscheidenden Fakten einfach weg. “Bild” macht aus der echten Frage, warum Lehrer kein Kreuz mehr tragen sollen, eine rhetorische — und lässt die Beschlüsse der Politiker dadurch, dass sie sie einfach nicht erklärt, schlicht unerklärlich erscheinen.

Danke an Alexander N. für den Hinweis!

6 vor 9

Maulbrüter (medienspiegel.ch)
NZZ-Journalistin Daniele Muscionico sitzt in London und möchte ihre fernen Kollegen dazu ermuntern, Fehler einzugestehen. Denn eines hat sie aus der Beobachtung des englischen Presse-Sumpfes gelernt: nur eine Zeitung, die Fehler bekennt, ist eine gute Zeitung.

Interview mit ARD-Journalist Thomas Roth (planet-interview.de)
Thomas Roth über Sommer-Interviews, Pressefreiheit, Ehrlichkeit bei Politikern, seine Russland-Erfahrungen und Kriegsberichterstattung.

Russischer Schriftsteller erfindet Weblogs – im Jahre 1837 (krusenstern.kaywa.ch)
Der russische Schriftsteller Wladimir Odojewskij hat schon im Jahre 1837 die Weblogs erfunden! Odojewskij beschrieb vor rund 170 Jahren in seiner Erzählung “Das Jahr 4338”, dass die Menschen über magnetische Telegrafen einander Tagesjournale senden und sogar telefonieren können.

Du bist das Radio (faz.net)
Die etablierten Hörfunksender verlieren immer mehr junge Hörer. Diese steigen vermehrt auf neue Techniken wie I-Pod und Podcasts um. Damit können sie sich ihre Programm selbst zusammenstellen. Das Radio wird beinahe überflüssig.

Den Westen im Fokus (dradio.de)
Vor zehn Jahren ging Al-Dschasira auf Sendung, der erste unabhängige Nachrichtensender in der arabischen Welt. Seitdem hat sich die arabische Medienlandschaft gewandelt. Anstelle von endlosen Beiträgen über Staatsempfänge und Parteikongresse liefern private Satellitensender unabhängige und kritische Informationen – auch über den Westen.

War?s al-Qaida? (zeit.de)
Nach dem Drama von London schlug wieder die Stunde der Terrorexperten. Die meisten haben nichts zu sagen.

Franz Josef Wagners Angst vor Ausländeraugen

In der Wikipedia wird Xenophobie* so definiert:

Die Xenophobie (griechisch ξενοφοβία — Fremdenangst, Fremdenfeindlichkeit, Kompositum aus ξένος, xénos — der “Fremd”, der “Gast” und φόβος, phóbos – “Furcht”) bezeichnet die Scheu oder Furcht vor dem Fremden. Xenophobie ist eine ablehnende Einstellung und Verhaltensweise gegenüber anderen Menschen und Gruppen, die vermeintlich oder real fremd sind (z. B. durch fremde Herkunft, Kultur, Sprache). Sie kann sich durch Furcht, Meidung, Geringschätzung, Spott oder Feindseligkeit ausdrücken, die bis zur Gewalt reicht. Teilweise wird der “Fremde” als Quelle unvorhersehbarer Gefahren gescheut.

Franz Josef Wagner schreibt heute in “Bild” bezüglich der versuchten Bombenanschläge in Deutschland u.a.:

(...) Wir werden uns in Zukunft daran gewöhnen müssen, niemandem zu vertrauen. Weder dem braven Asyl-Studenten, dem Döner-Koch und dem Kellner mit seinen arabischen Augen. Es bereitet mir Unbehagen, meine Freunde von gestern zu umarmen. Ali in der Paris-Bar, Muhamad in der Döner-Kneipe. Haben sie zwei Gesichter? Ich habe Angst vor ihren Augen. Ich weiß nicht, wo sie nachts hingehen und beten. Ich weiß überhaupt nichts von meinen muselmanischen Mitbürgern. (...)

*) Im Brockhaus heißt es zu Xenophobie auch:

“(…) Ursachen von Fremdenfeindlichkeit sieht die Individual- und Sozialpsychologie in Ichschwäche, repressiven Sozialisationsmodellen und mangelnder Gruppenidentität beziehungsweise fehlenden sozialen Stabilisierungen.

Die Soziologie nennt als Bedingungen, die Fremdenfeindlichkeit auslösen (die sich zur Gewalttätigkeit gegen die Fremden beziehungsweise das Fremde steigern kann), mangelnde familiäre Bindungen, berufliche Chancenlosigkeit, die Auflösung von traditionellen Milieus im Zuge beschleunigten sozialen Wandels und die Pluralisierung beziehungsweise den Verlust von gesellschaftlichen Normen und Werten.

Die Politikwissenschaft interpretiert Fremdenfeindlichkeit als Mangel an politischer Bildung, die die Unabdingbarkeit von Toleranz und universellen Menschenrechten gegenüber dem oder den Fremden in einer offenen, zunehmend mobilen pluralistischen Gesellschaft nicht genügend vermittelt. (…)”

6 vor 9

Politpropaganda auf Youtube eingeschleust (tagesanzeiger.ch)
Eine als Amateurvideo getarnte Parodie auf Al Gore erweist sich als gezielt platzierte Propaganda – und als Vorgeschmack auf die nächste Präsidentschaftswahl.

Umstrittener Wert des Wachstums (nzz.ch)
Das Internet wird immer grösser. Aber viele Analysten überschätzen seine kommerzielle Bedeutung, sagen Computerexperten.

Die Freiheit der Behörden (fr-online.de)
Das neue Informationsfreiheitsgesetz wird offenbar nicht selten gegen die ausgelegt, denen es doch nutzen soll.

Krise fällt heute aus (taz.de)
Seitdem Musik ständig und überall herunterladbar geworden ist, schwimmt auch die zuständige Kritik öfter im “Ocean Of Sound” – und taucht manchmal unter. Heute gilt es, die Fähigkeit zu Durchlässigkeit und Distinktion zu wahren.

Die Rechnungen der Liebe (zeit.de)
Wenn Rabea Eipperle auf ihren Fotos sich selbst mit unterschiedlichen Männern inszeniert, wirbelt sie nicht nur leichthändig unsere Rollenklischees von Mann und Frau durcheinander, sondern auch unser Verständnis von Kunst.

Türkische Klänge im Altenheim (tagesspiegel.de)
Immer mehr Migranten verbringen ihren Lebensabend in Deutschland – obwohl sie das nie geplant haben.

6 vor 9

Entertainer der Silver Generation (wdr.de)
Der Urlaub auf Föhr scheint ihm gut getan zu haben. Kurz vor Ende der Sommerpause von ‘Harald Schmidt’ plaudert der Late-Night-Talker im Gespräch mit WDR.de entspannt über Günter Grass und Eva Herman, den künstlerischen Wert seiner Sendung und die Zielgruppe, die er im Visier hat: das silberhaarige Kreuzfahrtpublikum.

“Die schnellsten Schreiber” (ftd.de)
Auf Finanzmeldungen spezialisierte Nachrichtenagenturen müssen vor allem fix sein – deshalb lassen Thomson und Reuters ihre Meldungen inzwischen von Computern verfassen.

Beichte beim Lieblingsfeind (tagesspiegel.de)
Ein weites Feld: Warum Günter Grass ausgerechnet bei der “Frankfurter Allgemeinen” sein Geständnis machte

Die Fernsehwahrheit sieht einfach besser aus (spiegel.de)
Der US-Satiriker Stephen Colbert outet ohne Rücksicht auf Verluste den Wahnsinn im US-Medien- und Polit-Alltag. Seine Methode: Er nennt Satire, was andere als Nachricht, Wahrheit oder Politik verkaufen.

“Ich bin der von Wir sind Papst” (bildblog.de)
Sigrid Neudecker besucht einen Vortrag von Bild-Chefredakteur Kai Diekmann.

Von Hobby-Knipsern und Profi-Kriegern (telepolis.de)
Warum besitzen Amateurfotografien für viele Internetnutzer einen “Authentizitätsbonus”?

  

“Ich bin der von Wir sind Papst”

Gute PR verschweigt die eigenen Schwächen, betont die Fehler der anderen und erklärt alles zur eigenen Stärke, was kein eindeutiger Fehler ist. Insofern war der gestrige Vortrag des “Bild”-Chefredakteurs Kai Diekmann über den “Erfolg der Marke BILD” beim PR Club Hamburg perfekt. 170 “angemeldete Gäste” lauschten, davon locker 80 Prozent junge Frauen sowie ein Diekmann-Jünger (gleiches rosa Hemd, gleiche Brille — nur die Haare wirkten gewaschen).

“Ich bin ausgesprochen froh”, beginnt Diekmann, “heute Abend etwas für das Image der ‘Bild’-Zeitung tun zu können, denn das ist in der Tat dringend notwendig. Sie wissen alle: Die ‘Bild’-Zeitung ist eine wirklich schlimme Zeitung.” (Erstes leises Kichern im Publikum.) “Das kann man schon daran erkennen, dass ich Hauptarbeitgeber für den deutschen Presserat bin, wenn es darum geht, Beschwerden zu verteilen.”

Ja: Ehrlichkeit kommt immer gut. Schmerzhafte, selbstzerfleischende Ehrlichkeit. Packt Papst-Buddy Diekmann gleich die Geißel aus? Nein. “Als Angela Merkel zur ersten deutschen Bundeskanzlerin gewählt wurde, haben wir sie mit der Schlagzeile begrüßt: Miss Germany. Prompt hat ein Leser den Presserat aufgefordert, uns dafür zu rügen. Jeder wisse, bei der Bundestagswahl sei es gar nicht um eine Miss-Wahl gegangen”, (leises Kichern) “und deswegen hätten wir mit unserer Schlagzeile gegen den Grundsatz der wahrheitsgemäßen Berichterstattung verstoßen.”

Kichern, Lachen, Ho Ho Ho

Bei der Headline “Wir sind Papst” habe sich “ein Deutschlehrer” (weiteres Kichern) “beschwert, die Zeile sei nicht nur grammatikalisch falsch, sondern auch inhaltlich, weil eben nicht alle Deutschen zum Papst gewählt wurden.” (Lachen.) “So geht das übrigens den meisten Eingaben, über 90 Prozent werden zurückgewiesen.”

Wir lernen: Der Presserat ist dazu da, sich mit Lächerlichkeiten zu befassen.

Denn Fehler? Fehler macht “Bild” ja keine. Na gut, keine schwerwiegenden. “Wo gearbeitet wird, werden Fehler gemacht. Macht ‘Bild’ mal einen Fehler, ist es gleich eine bösartige Kampagne, wenn nicht gleich eine Fälschung. Fehler passieren allen.” Nur in der Sportberichterstattung “darf nicht passieren, dass wir einen Fehler haben, darunter würden wir leiden.”

Der einzige “schwere handwerkliche Fehler”, den Diekmann zugibt, sei damals die Trittin-Geschichte gewesen. “Da hat jemand aufs Foto ‘Bolzenschneider’ und ‘Schlagstock’ geschrieben und das an den Texter geschickt. Der Texter dachte sich, dann muss das wohl stimmen und es in den Text übernommen, worauf sich der erste gedacht hat: Ah, hab ich also recht gehabt, steht ja auch im Text.” Onkel Kai hält Märchenstunde, und die Kinderlein lachen ganz brav. So harmlos war das also alles, wie nett!

Fehler machen immer die anderen: “Sport ist nicht die Kernkompetenz der SZ. Ich sehe es ihr nach, wenn sie bei Victoria Beckham nur von zwei Kindern spricht.“ Wo doch Frau Beckham eine so berühmte Sportlerin ist. “Ich nehme es aber der FAS übel, wenn sie beispielsweise den Kanzleramtsminister von Angela Merkel Lothar de Maizière nennt.” Sogar der “New York Times” sei doch vor kurzem wieder ein Fehler unterlaufen, das Foto mit dem “berühmten Mann im Gefängnis im Abu Ghraib”. Da sei ja auch der Spiegel drauf reingefallen.

Mit den Fingern in der Keksdose

Ablenkung ist ein wunderbares PR-Instrument. Auch mit den Fingern in der Keksdose hat man immer noch eine Hand frei, um damit auf jemand anderen zu zeigen. Und wenn einmal jemand anderer die gleichen Fehler macht, die einem selbst regelmäßig passieren, darf man umso lauter davon erzählen. Von diesem Tsunami-Foto vor zwei Jahren, nämlich, das von einem Leser angeboten worden war. Ein “gigantisches Foto von einer Flutwelle mit Menschen, die davonliefen.” Lange und aufwändig recherchiert habe man, bis man das Bild endlich im Internet gefunden habe: “Es war drei Jahre alt. Die Münchner tz ist am nächsten Tag damit erschienen, die haben das nicht erkannt.” Das Internet sei eben “kein journalistisches Medium, sondern ein Medium, in dem zuallererst Gerüchte verbreitet werden, unsortierte, ungeprüfte Informationen. Selbstverständlich müssen Leserinformationen genauso überprüft werden wie alle anderen Informationen auch.” Außer, man gefährdet damit eine tolle Schlagzeile. Die gestrige Headline über “Gerhard Schröders neues Russenbaby war nicht abgesichert”, gesteht Diekmann. “Das kam über einen Leser. Da habe ich lange gezittert.”

Da zeigt der Chefredakteur der drittgrößten Zeitung der Welt (“Ich kann Ihnen nicht sagen, ob Nummer 1 und Nummer 2 die Schlagzeilen noch besser formulieren, dabei handelt es sich um zwei japanische Zeitungen”) also doch auch ein wenig Menschlichkeit. Es sei eben auch ein harter Job. Von Franz Müntefering wurde er während der Bonusmeilen-Affäre angezeigt, “nur wer anstößig ist, kann gegebenenfalls Anstöße geben. Dafür werden wir attackiert, beschimpft, verdammt – aber das muss man aushalten, wenn man Marktführer ist. Wir steigen einer Menge Leute auf die Füße.” Sauerei bleibt Sauerei, bei den Großen wie bei den Kleinen. Die ‘Bild’-Zeitung sei der “Anwalt des Lesers”, und wenn eines der eigenen “Volks”-Produkte Scheiße ist, “dann schreiben wir auch das.”

Nein, es gebe auch Grenzen. Die aktuelle Affäre um Günter Grass hätte man dann doch nicht mit “Gestatten: Grass — mit SS” betitelt. (“Ho ho ho” im Publikum.) Den Ausriss mit dem Diana-Unfallfoto habe man aber sehr wohl gedruckt, “das war ein überaus ästhetisches Bild.”

Pulsmesser und Gemeinschaftserlebnis

Als es nach knapp 50 Minuten Vortrag zur Fragerunde kommt, nimmt Diekmann schon vorab die “Mir doch egal”-Abwehrhaltung ein: Arme verschränkt, leicht schmollend, herumtrippelnd, als ob er ja eigentlich schon viel lieber ganz woanders wäre. Doch er muss sich nicht fürchten. Die Fragen sind mehr als freundlich.

Er hat gewirkt, der Bombenhagel aus Überheblichkeit (“Auf nationaler Ebene ist nur noch ‘Bild’ in der Lage, die großen Themen wirklich zu setzen. Wir sind das letzte mediale Gemeinschaftserlebnis in einer Welt, die immer unübersichtlicher wird”; “Politiker messen mit ‘Bild’ den Puls Deutschlands”), Anekdötchen (“Ich habe zum Papst gesagt: ‘Ich bin der von Wir sind Papst'”) und Gags (“taz — die andere Boulevardzeitung in Deutschland”).

Als Belohnung, weil doch keine kritischen Fragen mehr kommen, wird dann noch eine Einladung ausgesprochen, doch mal eine Redaktionskonferenz zu besuchen. Das Publikum applaudiert dankbar, Diekmann wirkt erleichtert, verschwindet mit Kollegen in der Bar…

… und fast ist man versucht, noch ein wenig Leser-Reporter zu spielen.

Sigrid Neudecker
Die Autorin ist Redakteurin bei “Zeit Wissen” und Bloggerin

(Alle Links von uns.)

6 vor 9

Anspruch sucht Wirklichkeit (zeit.de)
Hart, aber gerecht: Bertelsmann soll für seine Mitarbeiter ein besonderes Unternehmen sein. Doch nun erleben Tausende nur noch eins: Härte

Journalisten als Spin Doctors (nzz.ch)
Kritik an Fehlern der britischen Presse

“Ich freue mich auf die Rückkehr von Roger Köppel” (persoenlich.com)
Seit April ist Res Strehle nicht nur Chefredaktor des Magazins, sondern auch Geschäftsführer. Strehle blickt auf schwierige Wochen zurück: Er war gezwungen, sich von seinem Stellvertreter Peer Teuwsen zu trennen. Im Interview mit “persoenlich.com” spricht der promovierte Ökonom über die Hintergründe des von Misstönen begleiteten Abgangs Teuwsens und sagt, wie er sich auf den Schlagabtausch mit Roger Köppels Weltwoche vorbereitet.

Chronik eines angekündigten Skandals (sz-magazin.sueddeutsche.de)
Weltweit demonstrierten Muslime gegen die Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung. Das war kein Zufall. Ein halbes Jahr später beschreiben zwei Redakteure von Jyllands-Posten erstmals, wie es so weit kommen konnte.

Dickens beim Döner (taz.de)
Am Nebentisch gibt es das pralle Leben, und ein altes Bild entsteht neu.

Alias Ned (tagesspiegel.de)
Für ein Buch wurde sie zum Mann, sie wollte die Welt der Kerle erkunden – doch man spielt nicht ungestraft mit der Identität.

Jetzt XIV

“Bild” findet heute, dass die Jagd nach einem Mann, der verdächtigt wird, mehrere Frauen getötet zu haben, “immer spannender” wird. In einem Artikel unter der Überschrift “Brummi-Killer wird nervös” heißt es:

Jetzt wird der Killer offenbar nervös!
(Hervorhebung von uns.)

“Bild” folgert das aus der Tatsache, dass jemand (wahrscheinlich der Täter) offenbar zwei Gegenstände weggeworfen hat, die einer der getöteten Frauen (Anna S.) gehörten:

Als [der Täter] in der Zeitung las, dass auch an der Leiche von Anna S. (18) aus Kassel seine DNA-Spuren gefunden wurden, schmiss er ihr Handy und ihr Portemonnaie auf einer Rheinbrücke zwischen Duisburg und Krefeld bei voller Fahrt aus dem Fenster. Die Tüte prallte gegen ein Geländer, wurde gefunden.

Allerdings wurden besagte DNA-Spuren schon vor über drei Wochen gefunden. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am 26. Juli bekannt. Und davon, dass der Verdächtige “jetzt” erst nervös wird, kann auch keine Rede sein — Handy und Portmonee der toten Anna S. wurden nämlich auch schon vor drei Wochen gefunden. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am 28. Juli bekannt.

Mit Dank an Christian B. für den sachdienlichen Hinweis.

6 vor 9

“Diese Geschichte haben alle überblättert” (telepolis.de)
Versäumnisse von Biografen und Kulturredakteuren bei der Berichterstattung über die Vergangenheit von Günter Grass.

“Man entscheidet einsam” – “So ist es” (weltwoche.ch)
Seit 50 Jahren ist er nun tot, dieser linkspathetische Jahrhundertdramatiker. Und? Was wird bleiben von Bertolt Brecht? Ein Gespräch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und dem österreichischen Schauspielkünstler Klaus Maria Brandauer.

Planspiel Libanon (jungewelt.de)
US-Enthüllungsjournalist: Israels Krieg war von langer Hand vorbereitet und von Washington abgesegnet (der betreffende Text von Seymour M. Hersh im New Yorker hier)

Ernest Hemingway on Writing (turi-2.blog.de)
Ein guter Text ist wahr, relevant, knapp, präzise, einfach, emotional und eine Einladung zum Gespräch.

Blogs als Standard (wortfeld.de)
Zeitungs-Websites im Ländervergleich. Im Wortfeld-Wiki werden die Features von Zeitungs-Websites in Deutschland gesammelt.

Vergiss die blöde Lust! (woz.ch)
Wenn frau nicht grad frisch oder halbfrisch verliebt ist, das Alter, in dem alles neu und spannend war, auch schon glücklich oder unglücklich hinter sich gebracht hat, muss sie gelegentlich anfangen, sich zu überlegen, aus welchen Gründen sie den leiblichen Genüssen eigentlich noch huldigt. Die Qualität der Gründe wie der Genüsse ist doch sehr unterschiedlich. (siehe auch: 1993 hatte die WOZ noch ein Sexleben)

“Bild” fand “SS-Beweis” auch

“Bild”-Autor Paul C. Martin schreibt heute über den Schriftsteller Günter Grass, der kürzlich öffentlich gemacht hatte, dass er als Jugendlicher Mitglied der Waffen-SS gewesen sei. Offenbar belegen auch Dokumente seine Waffen-SS-Zugehörigkeit. Und “Bild”-Autor Martin schreibt:

"Ein vergilbtes Dokument aus dem US-Militärarchiv, das BILD vorliegt. Der SS-Beweis!"

“Bild” widmet dem “SS-Beweis” heute auch die Titelschlagzeile (siehe Ausriss) und schreibt:

“Jetzt fand BILD das Dokument, das zweifelsfrei beweist: Grass war bei der Waffen-SS!”

Wie “Bild” das Dokument fand, steht indes nirgends. Eine vergleichsweise naheliegende Möglichkeit wäre ein Klick auf Spiegel Online gewesen. Dort nämlich ist die ganze Story bereits seit gestern nachmittag, 15.05 Uhr, weltweit und kostenlos zugänglich. Und ebenfalls seit gestern nachmittag wimmelt es daher auch im Angebot der Nachrichtenagenturen von Meldungen über die auf Spiegel Online veröffentlichten Dokumentenfunde des “Spiegel”-Autors Klaus Wiegrefe.

Und natürlich ist der “SS-Beweis”, der, nebenbei bemerkt, laut “Berliner Zeitung” seit Jahrzehnten “öffentlich zugänglich” ist, seit seinem Bekanntwerden am gestrigen Nachmittag auch in diversen anderen Medien ein Thema — meist unter Verweis auf den “Spiegel” oder Spiegel Online. Nur Focus Online berichtet treudoof: “Das meldet die ‘Bild’-Zeitung (Mittwochausgabe).”

Übrigens:
Bei Bild.de, wo der Dokumentenfund erstmals gestern abend, 22.57 Uhr, in der “Bild”-Version (“Jetzt fand BILD…”) auftauchte, heißt es in einem Teaser fälschlicherweise noch immer: “Grass-Affäre: Bei der SS musste er Fingerabdrücke abgeben”, obwohl er das doch gar nicht “bei der SS” tat, sondern als Kriegsgefangener der Alliierten.

Nachtrag, 17.8.2006: Bei Focus Online wurde der Hinweis auf “Bild” mittlerweile ersatzlos aus dem Artikel entfernt — offenbar allerdings erst, nachdem BILDblog-Leser Christian G. (Danke übrigens!) die Focus-Online-Redaktion auf ihre Ungeschicklichkeit hingewiesen hatte.

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