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KW 48/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wo stehen Lokalmedien?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 35:05 Minuten)
Im Deutschlandfunk-Podcast “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Zwickmühle des deutschen Lokaljournalismus: Während eine aktuelle Studie dessen Rolle als unverzichtbaren “Pfeiler der Demokratie” hervorhebt, kämpfen viele Häuser ums wirtschaftliche Überleben. Über diesen Spagat zwischen gesellschaftlicher Relevanz und finanziellem Mangel sprechen “MOZ”-Chefredakteur Claus Liesegang, Ralf Heimann vom Projekt “RUMS” und die Medienforscherin Leyla Dogruel.
Transparenzhinweis: Ralf Heimann hat auch schon für das BILDblog geschrieben, unter anderem die achtteilige Serie “Kleine Wissenschaft des Fehlers”.

2. Peinlich, peinlicher, ARD – Wie der ÖRR Boateng reinwaschen will
(youtube.com, Sashka, Video: 17:26 Minuten)
Sashka kritisiert in ihrem Video, dass die dreiteilige ARD-Dokuserie “Being Jérôme Boateng” wie eine reine Image-Kampagne wirke, die den durch Skandale beschädigten Ruf des ehemaligen Fußballspielers auf Kosten der Gebührenzahler aufpoliere. Statt die schweren Vorwürfe gegen ihn sachlich aufzuarbeiten, biete die Serie Boateng eine unkritische Plattform. Die Perspektiven der betroffenen Frauen und die Machtdynamiken würden weitgehend ausgeblendet.
Weiterer Lesetipp aus dem Archiv: Siehe auch unsere Berichterstattung: Die “Bild”-Redaktion hat vergessen, wie “SCHMUTZIG” sie berichtet hat (bildblog.de, Moritz Tschermak).

3. Wie erklärt man seinen Lesern, dass das Privatleben von Konstantin Wecker die Öffentlichkeit etwas angeht?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 32:49 Minuten)
Die “Süddeutsche Zeitung” (“SZ”) hat eine große Recherche über Konstantin Wecker veröffentlicht (nur mit Abo lesbar), in der es um die Beziehung des Musikers zu einer Minderjährigen geht. Holger Klein spricht mit “SZ”-Investigativchef Ralf Wiegand über die Recherche, für die es auch Kritik gebe: “Wie geht die Redaktion mit der Kritik um? Wieso hat sich die ‘Süddeutsche’ entschieden, die Geschichte – auch in dieser Detailtiefe – zu erzählen? Und was unterscheidet diesen Fall von anderen MeToo-Recherchen?”

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4. Brandon Q. Morris, wie verkauft man zwei Millionen Bücher?
(zeit.de, Jochen Wegner & Christoph Amend, Audio: 5:21:02 Stunden)
Im Podcast “Alles gesagt?” bestimmen nicht die Moderatoren Jochen Wegner und Christoph Amend das Ende, sondern allein der Gast. Diesmal nutzte Matthias Matting diese Freiheit für ein über fünfstündiges Gespräch: Der Physiker und Autor, auch bekannt unter seinem Pseudonym Brandon Q. Morris, verrät sein Arbeits- und Geschäftsmodell hinter zwei Millionen verkauften Büchern, spricht über die Unmöglichkeit des Beamens und blickt auf die Anfänge des Internets sowie auf seine Jugend in der DDR zurück.

5. Wie schützen wir die Demokratie vor Tech Bros und KI?
(wind-und-wurzeln.podigee.io, Marina Weisband, Audio: 45:09 Minuten)
Künstliche Intelligenz könnte viele Berufe obsolet machen. Besonders bitter: Die Systeme lernen mit den Werken von Journalisten, Musikerinnen und Künstlern, die sich nun plötzlich in Konkurrenz zur Maschine befinden und von dieser möglicherweise verdrängt werden. In der neuen Ausgabe von “Wind und Wurzeln” analysiert Marina Weisband diesen gigantischen Werttransfer weg von der Gesellschaft hin zu wenigen Konzernen.

6. Der Absturz von Dieter Bohlen
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 26:46 Minuten)
In seinem neuesten Video macht Mats Schönauer dem Musikproduzenten und “Pop-Titan” Dieter Bohlen schwere Vorwürfe: Bohlen schüre gemeinsam mit dem Goldhändler Dominik Kettner gezielt Panik vor einem angeblichen Wirtschaftskollaps, um daraus Profit zu schlagen. Außerdem verbreite er rechtspopulistische Narrative und Falschinformationen, um Kettners Gold-Produkte als vermeintlich einzige Rettung vor Enteignungen zu bewerben.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

Kulturabbauministerium, Trump und die Medien, “Gefährlichste Straßen”

1. Das Kulturabbauministerium
(taz.de, Georg Seeßlen)
Die aktuelle Kritik an Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer wegen dessen geschäftlicher Verflechtungen verstelle den Blick auf das gravierendere Problem, schreibt Georg Seeßlen in seiner “taz”-Kolumne: eine gezielte Politik des Kulturabbaus. Anstatt die Unabhängigkeit der Kunst zu schützen, betreibe Weimer eine neoliberale Kommerzialisierung und nehme zunehmend direkten Einfluss auf Inhalte. Dies zeige sich unter anderem in der Verdoppelung der Förderung für den rechtskonservativen Thinktank “Republik21” bei gleichzeitigem Spardruck auf andere Projekte. Der Angriff auf die freie Kulturlandschaft leite letztlich den Abbau der Demokratie selbst ein, so Seeßlen.

2. Diese Journalistin bietet Trump die Stirn
(youtube.com, Daniel Bröckerhoff, Video: 7:12 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” thematisiert den offenen Angriff von US-Präsident Donald Trump auf die ABC-Korrespondentin Mary Bruce. Trump habe sie nach einer kritischen Frage an den saudischen Kronprinzen zum ermordeten “Washington-Post”-Journalisten Jamal Khashoggi beschimpft und ihren Sender bedroht. “Zapp” zieht das Fazit, dass Trumps Umgang mit Medien zunehmend autokratische Züge annehme. In den USA erfordere kritischer Journalismus inzwischen enormen Mut und starke Nerven.
Zusätzlicher Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die jüngste Attacke Trumps auf eine Reporterin: “Der mächtigste Mann der Welt nennt eine Journalistin ‘Schweinchen’. Alle schweigen, und das Protokoll verschweigt es. Wenn Journalismus sich so disziplinieren lässt, ist er kein Wachhund mehr, sondern ein Schoßhund.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:08 Minuten)

3. Wenn die bürgerliche Mitte mit Neonazis paktiert
(blog.campact.de, Matthias Meisner)
Nach dem Abschied von Langzeit-Präsident Thomas Krüger sehe sich der designierte Nachfolger an der Spitze der Bundeszentrale für politische Bildung, der SPD-Politiker Sönke Rix, bereits vor Amtsantritt einer Kampagne konservativer und rechter Medien ausgesetzt. Matthias Meisner warnt in diesem Zusammenhang vor einer zunehmenden Diskursverschiebung. Selbst etablierte Medien wie der “Tagesspiegel”, die “Berliner Zeitung” oder der öffentlich-rechtliche MDR würden durch unkritische Berichterstattung die Grenzen nach Rechtsaußen verschwimmen lassen.

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4. Die “gefährlichsten Straßen Deutschlands”
(rwi-essen.de)
Die Autorinnen und Autoren der “Unstatistik des Monats” kritisieren Medienberichte über eine Allianz-Studie zu den vermeintlich gefährlichsten Straßen Deutschlands. Dort werde systematisch absolutes Verkehrsaufkommen mit tatsächlichem Unfallrisiko verwechselt. Die Einstufung von Nordrhein-Westfalen und Bayern als besonders gefährlich sei ein logischer Fehlschluss, da ohne Bezugsgrößen wie gefahrene Kilometer lediglich die hohe Verkehrsdichte abgebildet werde, nicht jedoch die echte Gefährdungslage.

5. Grokipedia: Musks Angriff auf die Wahrheit
(verdi.de, Lorenz Matzat)
Aus Frust über eine angebliche “Wokepedia” habe Elon Musk mit seiner “Grokipedia” eine KI-basierte Alternative lanciert, die laut ersten Studien gezielt “alternative Fakten” und geschönte Darstellungen rechter Akteure präsentiere. Dieses Vorgehen folge der Desinformationsstrategie Steve Bannons, Kommunikationsräume global zu beeinflussen. Als Gegenmaßnahmen schlügen Experten vor, “Grokipedia”-Inhalte konsequent aus den Trainingsdaten anderer KI-Modelle auszuschließen.

6. Was die Podcast-Branche 2025 bewegt
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Auf der Fachkonferenz “So Many Voices” hat die Podcast-Szene ihre Erfahrungen ausgetauscht. Der zunehmenden Professionalisierung und drohenden Austauschbarkeit durch Künstliche Intelligenz müsse mit mutigen Experimenten und Authentizität begegnet werden. Trotz der Dominanz von Formaten mit Prominenten und Algorithmen böten Nischen oder hyperlokale Inhalte weiterhin Chancen für Relevanz.

Stimme der Mehrheit?, Druck auf dem Kessel, Gefahren von “AI Slop”

1. Ist es egal, ob es eine Kampagne ist?
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier geht der Frage nach, ob etablierte Medien die Enthüllungen des rechten Portals “Apollo News” über Kulturstaatsminister Wolfram Weimer aus politischer Abneigung gegen “Apollo News” zunächst ignoriert haben könnten. Er widerlegt diese These, stellt jedoch fest: “Richtig ist aber, dass Journalisten sich auf eine kompliziertere Medienwelt einstellen müssen, in der rechte Medien nicht nur mit Hetze und Emotionen, sondern auch mit Recherchen und Journalismus den öffentlichen Diskurs beeinflussen.”

2. Stimme der Mehrheit? Wirklich? Wie erfolgreich ist Nius?
(kress.de, Marc Bartl & Markus Wiegand)
Das rechte Medienportal “Nius” habe laut einer Analyse von “kress pro” im September mit Platz 115 die Top 100 der deutschen Onlinemedien verfehlt und liege damit reichweitentechnisch noch hinter dem Konkurrenten “Tichys Einblick” (Platz 104). Gleichzeitig offenbare der “Bundesanzeiger” für das Jahr 2023 bei der “Nius”-Muttergesellschaft “Vius” einen Jahresfehlbetrag von 13,8 Millionen Euro. Damit könne das Portal von Julian Reichelt und Frank Gotthardt sein eigenes Versprechen, die “Stimme der Mehrheit” zu sein, derzeit weder publizistisch noch finanziell einlösen.

3. Druck auf dem Kessel
(taz.de, Harff-Peter Schönherr)
Wie Harff-Peter Schönherr in der “taz” berichtet, hat sich in Osnabrück die Leser-Initiative “Aktion NOZkritisch” formiert, die der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (“NOZ”) eine zunehmende Öffnung für rechtspopulistische Narrative vorwerfe. Die Kritiker sähen eine gefährliche Normalisierung rechter Positionen, die mit journalistischer Ausgewogenheit nichts zu tun habe. Verschärft habe sich der Konflikt durch den unangemeldeten Besuch von “NOZ”-Führungskräften beim Gründungstreffen der Gruppe.

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4. Wir versinken in Schrott
(wissenschaftskommunikation.de, Anna Henschel)
Bei Wissenschaftskommunikation.de berichtet Anna Henschel über die Gefahren von “AI Slop”. Gemeint ist damit die Flut minderwertiger, KI-generierter Inhalte, die digitale Räume überschwemmen und seriöse Informationen verdrängen würden. Dieses Phänomen führe zu Identitätsdiebstahl und einer Überlastung von Wissensinfrastrukturen wie der Wikipedia. Außerdem drohe durch das Training von KI mit KI-Daten ein irreversibler Qualitätsverfall (“Model Collapse”).

5. Das EU-Parlament steuert auf den nächsten Konflikt zu
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Der geplante “Digitale Omnibus” der EU-Kommission, der Digitalgesetze vereinfachen soll, sorge im Europaparlament für heftigen Streit, da Sozialdemokraten, Grüne und Linke eine gefährliche Aushöhlung von Datenschutz und KI-Sicherheitsstandards befürchten würden. Besondere Brisanz erhalte die Debatte durch die Sorge, dass die Konservativen erneut eine Mehrheit mit rechtsextremen Fraktionen bilden könnten, um die Deregulierung durchzusetzen.

6. CNN stoppt Lieferungen von Nachrichten an Apple News
(spiegel.de)
Der US-Nachrichtensender CNN habe die Belieferung von Apple News eingestellt, um in laufenden Vertragsverhandlungen den Druck auf den Tech-Konzern zu erhöhen und die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Dahinter stehe ein strategischer Kurswechsel des Senders, der die Abhängigkeit von externen Plattformen verringern und stattdessen das eigene, kürzlich eingeführte Abo-Modell vorantreiben wolle.

Vertuschte Studie?, Menschlicher Journalismus, Innovations-Irrtum

1. Menschlicher Journalismus hat Zukunft
(journalist.de, Bernward Loheide)
Angesichts der Medienkrise und des KI-Fortschritts plädiert Bernward Loheide, Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur, für eine Rückbesinnung auf “menschennahen Journalismus”, der Vertrauen schaffe und konstruktive Perspektiven biete. Menschlichkeit und authentischer Dialog seien die entscheidende Zukunftschance für Medienhäuser, um sich gegen Algorithmen und “Fake News” zu behaupten.

2. Meta soll Studie zu psychischen Schäden vertuscht haben
(spiegel.de)
Gerichtsakten zufolge soll der Social-Media-Konzern Meta eine interne Studie unterdrückt haben, die belege, dass der Verzicht auf die Plattformen das psychische Wohlbefinden der Nutzerinnen und Nutzer verbessert. Die Enthüllung sei Teil einer Klage von US-Schulbezirken, die dem Unternehmen vorwerfen, das eigene Wachstum über die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen zu stellen. Meta weise die Vorwürfe zurück und führe methodische Mängel als Grund für den Abbruch der Studie an.

3. Der Konflikt, den keine*r braucht
(patreon.com, LowerClassJane)
“LowerClassJane” kritisiert die neue ZDF-Sendung von Jan Fleischhauer und ähnliche Formate scharf als inhaltslose Inszenierungen, die Krawall über politische Aufklärung stellen würden. Progressive Gäste seien in diesen Shows chancenlos und würden lediglich als Dekoration missbraucht, um fragwürdige Debatten zu legitimieren. Statt sich an diesen Konflikten zu beteiligen, plädiert die Autorin für einen konsequenten Boykott. Den Formaten müsse durch Entzug von Substanz die Relevanz genommen werden.

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4. Steffen & Stefan und der Innovations-Irrtum im deutschen TV
(dwdl.de, Peer Schader)
Medienjournalist Peer Schader kritisiert die TV-Sender, die aus Sicherheitsdenken an den “Altmeistern” festhalten würden, statt jungen Talenten echte Chancen, Budgets und Programmplätze zur Primetime zu geben: “Die Hensslers und Raabs von morgen brauchen nicht nur Sendeplätze, auf denen sie gefunden und gesehen werden können – sie brauchen auch die Geduld und Beharrlichkeit ihrer Auftraggeber, für die es zunehmend selbstverständlich ist, neuen Produktionen direkt den Stecker zu ziehen, wenn sie nach zwei Folgen noch nicht quotenknallen.”

5. Warum Elon Musk die Wikipedia hasst
(youtube.com, Leonhard Dobusch, Video: 10:25 Minuten)
Elon Musk habe seine KI-Konkurrenz “Grokipedia” gestartet, weil er die unabhängige und nicht-käufliche Wikipedia nicht nach seinen ideologischen Vorstellungen kontrollieren könne, analysiert Leonhard Dobusch. Im Gegensatz zur transparenten Wikipedia fungiere Musks Projekt als undurchsichtige Blackbox, die gezielt rechte Narrative verstärke und etablierte Fakten untergrabe.

6. Der KiKA sollte im linearen TV bleiben – logo!
(taz.de, Katharina Federl)
In ihrer Kolumne plädiert Katharina Federl leidenschaftlich für den Verbleib des Kinderkanals KiKA im linearen Fernsehen und kritisiert die geplante Verschiebung in reine Online-Angebote als Fehler. Sie warnt davor, dass Streaming-Apps Kinder durch Überangebot und Ablenkung überfordern könnten. Das klassische TV biete hingegen einen kuratierten, niedrigschwelligen Zugang zu Bildung.

KW 47/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Was ist beim Grazer Amoklauf schiefgegangen?
(youtube.com, Zeitgeist, Video: 27:50 Minuten)
Das Video übt scharfe Kritik an der sensationslüsternen Berichterstattung vieler österreichischer und deutscher Medien (unter anderem “Krone”, “oe24”, “Bild”, “Auf1”, aber auch “Profil”) nach dem Amoklauf an einer Grazer Schule am 10. Juni dieses Jahres. Es wird detailliert aufgezeigt, wie Journalistinnen und Journalisten ethische Grenzen überschritten haben, indem sie traumatisierte Kinder interviewt, Falschinformationen über Motive verbreitet und den Täter durch unverpixelte Fotos und Namensnennung heroisiert haben. Dies habe auch die Gefahr von Nachahmungstaten (“Columbine-Effekt”) massiv erhöht.

2. Viel Lärm und wenig Echo? Die Weltklimakonferenz und die Medien
(ardaudiothek.de, Thomas Bimesdörfer & Stefan Eising, Audio: 19:41 Minuten)
Die Weltklimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém ist vorüber. Thomas Bimesdörfer und Stefan Eising haben bei “Medien – Cross und Quer” Janina Schreiber aus der ARD-Klimaredaktion eingeladen und mit ihr über die medial vermittelte Wahrnehmung der Konferenz gesprochen: “Bekommt dieses Treffen auch die öffentliche Aufmerksamkeit, die sich die Veranstalter für ihr Thema erhoffen? Oder sind Großveranstaltungen dieser Art inzwischen zu Ritualen erstarrt? Ist das Ringen um einzelne Formulierungen in Abschlusserklärungen vielleicht einfach nicht spannend genug, um den Weg in die Schlagzeilen zu finden?”

3. Macht Behörden-PR dem Lokaljournalismus das Geschäft kaputt?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 28:55 Minuten)
Machen Kommunen mit ihren Aktivitäten auf Social-Media-Plattformen der Lokalpresse Konkurrenz oder verdrängen sie sogar, wie manche Verleger behaupten? Darüber spricht Holger Klein mit dem Journalisten und Rechtsanwalt Hermann von Engelbrechten-Ilow: “Lässt sich das Verbot für Kommunen, eigene Radiosender oder Zeitungen zu betreiben, so einfach auf Social-Media-Auftritte übertragen? Wie passt das mit der Pflicht zur Öffentlichkeitsarbeit zusammen, die Behörden eben auch haben? Und liegen die Probleme des Lokaljournalismus in Wahrheit nicht ganz woanders – und vor allem: viel tiefer?”

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4. Unterschätzen Medien die Gefahr von rechts?
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 34:14 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Medien, auch die öffentlich-rechtlichen, die Gefahr von rechts unterschätzen. Der DLF-Hörer und Mitarbeiter des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg Julian Staiger diskutiert darüber mit dem Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer.

5. Pinar Atalay, was ist Ihre Rolle in gesellschaftlichen Debatten?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 26:03 Minuten)
Bei “Läuft”, dem Medienpodcast von “epd medien” und Grimme-Institut, unterhält sich Alexander Matzkeit mit Pinar Atalay, die einige Zeit die “Tagesthemen” moderiert hat und seit September alle zwei Wochen bei n-tv eine Talkshow präsentiert: “Was zeichnet sie aus? Was bringt sie mit? Und wie sieht sie die Rolle der Medien und damit auch ihre eigene Rolle in einer polarisierten Gesellschaft?”

6. Podcast-Markt im Umbruch
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 46:19 Minuten)
Lukas Schöne spricht bei “This is Media Now” mit Sarah Berg-Türkis, Audiolead beim “Zeit”-Verlag, über die strategische Bedeutung von Podcasts. Im Fokus stehen dabei der erfolgreiche Wandel vom reinen Reichweitenmodell hin zu kostenpflichtigen Abonnements auf externen Plattformen. Zudem diskutieren die beiden darüber, wie Live-Events und nahbare Hosts dabei helfen können, in einer schnelllebigen Medienwelt eine treue Hörerschaft aufzubauen.

Weimer trennt sich vorläufig, Weg für ÖRR-Reform frei, Gruseliger Spiegel

1. Weimer trennt sich vorläufig von Verlagsanteilen
(tagesschau.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gebe seine Anteile an der Weimer Media Group (WMG) für die Dauer seiner Amtszeit treuhänderisch ab und verzichte auf Gewinnausschüttungen. Hintergrund sind Berichte über den von der WMG veranstalteten Ludwig-Erhard-Gipfel, bei dem zahlende Teilnehmer womöglich Einfluss auf politische Entscheidungsträger erhalten könnten, was Weimer zurückgewiesen habe. Die bayerische Staatsregierung prüfe zudem, ob die staatliche Förderung der Veranstaltung fortgesetzt werden soll.
Weiterer Lesetipp: Ehefrau von Weimer lehnt plötzlich Verfassungsorden ab: “In die Affäre um Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kommt Bewegung. Nun tritt auch seine Co-Gesellschafterin, seine Ehefrau Christiane Goetz-Weimer, von einer bedeutenden Auszeichnung zurück.” (t-online.de, Daniel Mützel & Carsten Janz & Annika Leister)

2. Brandenburg macht Weg für Reform von ARD und ZDF frei
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie Alexander Krei bei “DWDL” berichtet, habe Brandenburg als letztes Bundesland dem Reformstaatsvertrag für ARD, ZDF und Deutschlandradio zugestimmt. Die Reform, die zum 1. Dezember in Kraft treten soll, sehe die Einstellung mehrerer Spartensender, die Reduzierung der Hörfunkwellen, eine Beschränkung von öffentlich-rechtlichen Textangeboten im Internet und eine Deckelung der Sportrechtekosten vor. Zudem sollen die Anstalten stärker zusammenarbeiten, eine gemeinsame digitale Plattform aufbauen und Kooperationen mit privaten Anbietern eingehen.

3. Was plant die EU-Kommission bei KI und Datenschutz?
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Daniel Leisegang)
Ingo Dachwitz und Daniel Leisegang haben ein Erklärstück mit den wichtigsten Fragen und Antworten zum “Digitalen-Omnibus“-Gesetzespaket der EU-Kommission verfasst. Entlang zentraler Fragen (KI-Verordnung, DSGVO-Lockerungen, Cookies/Präferenzsignale, Gerätezugriffe, Betroffenenrechte) fassen sie die Positionen von Politik, Industrie und Zivilgesellschaft zusammen und erklären das weitere Gesetzgebungsverfahren.

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4. dju mahnt Polizei zu Zurückhaltung: Schutzbereich der Pressefreiheit gilt auch für Wohnungen und journalistische Kommunikationsmittel
(dju.verdi.de)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi begrüßt den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zur Durchsuchung bei einem Mitarbeiter von Radio Dreyeckland als wichtige Klarstellung zum Schutzbereich der Rundfunk- und Pressefreiheit. Der Schutz gelte nicht nur für Redaktionsräume, sondern auch für Homeoffice und dienstlich genutzte Geräte wie Laptops und Handys, auf denen Recherchen und Quellenkontakte stattfinden. Staatsanwaltschaften und Polizei müssten dies zwingend berücksichtigen, um wichtige Grundsätze wie den Quellenschutz und das Redaktionsgeheimnis nicht zu gefährden.

5. Mit KI gegen Femizide?
(blaetter.de, Sonja Peteranderl)
Sonja Peteranderl zeigt, wie KI-gestützte Risikoanalysen und elektronische Fußfesseln Gewalt gegen Frauen früher erkennbar machen sollen, und veranschaulicht am Beispiel Spaniens sowohl Chancen als auch gravierende Fehlbewertungen. In Deutschland gebe es einen Flickenteppich aus uneinheitlichen Risikotools, Plänen für präventive Fußfesseln und dem neuen Gewalthilfegesetz. Nötig seien klare Standards, unabhängige Kontrollen und ein umfassender gesellschaftlicher Wandel.

6. Instagram, der gruselige Spiegel
(taz.de, Eva Fischer)
Eva Fischer beschreibt, wie der Instagram-Algorithmus ihren Alltag, ihre Interessen und sogar ihre Beziehungsphasen erstaunlich genau erkennt und damit oft mehr über sie zu wissen scheint als Freundinnen und Freunde. Sie sieht die Schattenseiten wie Dopaminsucht, Schlafmangel und Echokammern, empfindet die App aber trotzdem als “mein persönliches Guilty Pleasure”: “Ja, das ist gruselig. Aber es ist auch irgendwie schön.”

Durchsuchung verfassungswidrig, Weimer widerspricht, Meta entkommt

1. Durchsuchung bei Redakteur war verfassungswidrig
(taz.de, Christian Rath)
Das Bundesverfassungsgericht habe die Wohnungsdurchsuchung im Januar 2023 bei Fabian Kienert, Redakteur bei Radio Dreyeckland, als verfassungswidrig bewertet. Eine Durchsuchung bei Journalisten brauche plausible Gründe. Ein bloßer Link auf eine alte Archivseite reiche dafür nicht. Kienert hatte in einem Artikel einen Link auf die Archivseite der seit 2017 verbotenen Website linksunten.indymedia gesetzt. Offen bleibe, ob das Setzen eines Links allein als strafbare Unterstützung einer verbotenen Vereinigung gelten kann.

2. Wolfram Weimer schaltet Medienanwalt Schertz ein – und verteidigt sich mit einer überraschenden Aussage
(kress.de, Marc Bartl)
Das rechte Onlinemedium “Apollo News” werfe der Weimer Media Group vor, beim Ludwig-Erhard-Gipfel bezahlten Zugang zu Ministern zu vermitteln. Darauf habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer den Medienanwalt Christian Schertz eingeschaltet und in der “FAZ” eine klare Trennung von politischem Amt und Verlag betont. Schertz habe erklärt, Weimer habe alle operativen Funktionen vor Amtsantritt niedergelegt und nehme nicht mehr am Gipfel teil. Man sei “ausdrücklich beauftragt, rechtliche Schritte für unsere Mandanten zu prüfen”.

3. Meta entkommt seiner Zerschlagung
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Wie Tomas Rudl bei netzpolitik.org berichtet, habe ein US-Bundesrichter den Social-Media-Konzern Meta nicht als Monopolisten eingestuft. Bei den Übernahmen von Instagram und WhatsApp habe es keinen Wettbewerbsverstoß gegeben, der Markt für Soziale Medien gelte als ausreichend umkämpft. Rudl kommentiert: “Für Kritiker:innen des Unternehmens und der gegenwärtigen Verhältnisse im digitalen Raum ist die Entscheidung eine herbe Niederlage – zumal der Ansatz, gegen die Übermacht von Big Tech gerichtlich statt gesetzgeberisch vorzugehen, zu einem guten Teil der Dysfunktionalität des US-Kongresses geschuldet ist.”

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4. Neue DW-Intendantin kritisiert geplante Etatkürzung
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die neue Intendantin der Deutschen Welle (DW) Barbara Massing kritisiere die geplante Kürzung des DW-Etats um zehn Millionen Euro als falsches Signal bei weltweit steigendem Bedarf an freien Informationen. Trotz der Kürzung wolle sie den deutschen Auslandsrundfunk zur “führenden Stimme der Freiheit aus Europa” machen. Massing setze auf eine engere Zusammenarbeit mit France Médias Monde und der BBC, um Lücken zu schließen, die durch den Ausfall von US-Sendern entstanden seien.

5. Faktenbasiert, aufklärend, machtkritisch
(verdi.de, Till Schmidt)
Das Verdi-Medienmagazin “M” hat mit Georg Restle gesprochen, dem langjährigen Leiter und Moderator des ARD-Politmagazins “Monitor”, der für einen “werteorientierten Journalismus” eintrete. Restle weist auch auf die Wichtigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hin: “In Zeiten der Unübersichtlichkeit des Mediengeschäfts steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk für demokratischen Journalismus. Das bedeutet in seinem besten Sinn: Bürger*innen zu ermöglichen, an den wichtigen Debatten dieser Gesellschaft teilzuhaben, informiert zu sein und auf Grundlage von Fakten und Hintergrundrecherchen selbst einschätzen zu können, wie Politik oder wie Macht funktioniert.”

6. Zum Jahresende werden sich die Wege des Stern und meine trennen
(facebook.com, Til Mette)
Der bekannte Cartoonist Til Mette und der “Stern” gehen nach dreißigjähriger Zusammenarbeit getrennte Wege. Auf Facebook bedankt sich Mette bei den Beteiligten, zeigt sich aber auch enttäuscht darüber, dass im “Stern” dieses Format anscheinend nicht weitergeführt werden soll: “Über Jahrzehnte gehörten die Humorseiten, wie die des satirischen Grossmalers Haderer, die des akribisch kalauernden Tetsche und meine Seite zur DNA des Stern. Ich bedauere sehr, dass es auch für meine Seite ab Januar 2026 keinen Nachfolger/in geben wird.”

Gekaufte Zugänge?, Klöckners Schlagseite, Fabulierende Maschinen

1. Geld für gezielte Beeinflussung von Politikern?
(tagesspiegel.de)
Die bayerische Staatsregierung überprüfe die staatliche Förderung des “Ludwig-Erhard-Gipfels”, nachdem Vorwürfe über käufliche politische Einflussnahme rund um die Veranstaltung am Tegernsee laut geworden seien. Medienberichten zufolge biete die veranstaltende Agentur des heutigen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer Unternehmen gegen Geld exklusiven Zugang zu Spitzenpolitikerinnen und -politikern an. Weimers Sprecher betone, dass der Minister keine operativen Tätigkeiten mehr ausübe. Dennoch stehe die Frage im Raum, ob die Veranstaltung weiterhin mit Steuergeldern unterstützt werden soll.

2. Klöckner klickt rechts
(correctiv.org, Sebastian Haupt & Stella Hesch & Annika Joeres & Isabel Knippel)
Eine Analyse von “Correctiv” zeige, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner auf ihren Social-Media-Kanälen systematisch Inhalte rechtspopulistischer Akteure und Medien wie “Nius” oder dem “ÖRR-Blog” verbreite. Klöckner nutze ihre Reichweite strategisch, um neben harmlosen Hundefotos Stimmung gegen die Grünen sowie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu machen und Narrative des rechten Randes zu normalisieren.

3. Hanois Justiz verklagt in Berlin lebenden Chefredakteur
(taz.de, Alexandra Wagner)
Vietnams Justiz klage den in Berlin unter Polizeischutz stehenden Journalisten Trung Khoa Lê an, da dieser laut dem vietnamesischen Ministerium für öffentliche Sicherheit durch sein Medium “Thoibao” die sozialistische Ordnung untergrabe. Der Chefredakteur des regierungskritischen, in Berlin beheimateten Onlinemediums vermute hinter dem Vorgehen politische Rache. Er habe einst die Verwicklung des heutigen KP-Chefs in die Entführung des ehemaligen vietnamesischen Politikers und Managers Trịnh Xuân Thanh im Jahr 2017 aufgedeckt.

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4. An vorderster Front, hinter den Kulissen: Was machen Fixer?
(de.ejo-online.eu, Oleksandra Yaroshenko)
Oleksandra Yaroshenko erklärt in ihrem Artikel die unverzichtbare Rolle von sogenannten Fixern, die als lokale Expertinnen und Experten im Ukraine-Krieg maßgeblich entscheiden, welche Informationen und Bilder das internationale Publikum erreichen. Diese Helfer seien keine neutralen Übersetzer, sondern subjektive “Gatekeeper”, deren persönliche Betroffenheit und kulturelle Kompetenz die Berichterstattung forme. Dennoch würden sie oft ohne ausreichenden Schutz oder Versicherung arbeiten und trotz lebensgefährlicher Risiken meist unsichtbar bleiben.

5. Freiheit im Netz nimmt beständig ab
(netzpolitik.org, Paula Clamor)
Der aktuelle “Freedom-on-the-Net”-Report (PDF) der Organisation Freedom House stelle fest, dass die globale Internetfreiheit zum 15. Mal in Folge abnehme. Auch Deutschland verliere Punkte. Politische Aktionen gegen Netzkritik, rechtsextreme Einschüchterungen und russische Cyberangriffe nähmen zu. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plädiere Freedom House für unabhängigen zivilgesellschaftlichen Aktivismus, lehne jedoch Maßnahmen zur Einschränkung der Anonymität wie Altersverifikationen ab.

6. Tödliche K.I. – Über fabulierende Maschinen und fabulierende Menschen
(54books.de, Joanna Nowotny)
Joanna Nowotny warnt in ihrem Beitrag vor der Gefahr durch KI-Chatbots, da diese die Wahnvorstellungen psychisch labiler Nutzerinnen und Nutzer unkritisch bestätigen und so Tragödien wie Suizide begünstigen könnten. Nach Ansicht der Autorin verstärken die Maschinen durch das Vermischen von Fakten und Fiktion sowie emotionale Bindungsstrategien bestehende psychische Krisen massiv. Da für Tech-Konzerne der Fokus vorrangig auf Profit und Nutzerbindung liege, würden wirksame Schutzmaßnahmen fehlen.
(Solltest Du Suizid-Gedanken haben, dann gibt es Menschen, die Dir helfen können, aus dieser Krise herauszufinden. Eine erste schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommst Du etwa bei der “TelefonSeelsorge”, die Du kostenlos per Mail, Chat oder Telefon (0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222) erreichen kannst.)

Springers US-Expansionsgelüste, Exilmedien unverzichtbar, Deep Nudes

1. Expansion in den USA: Axel Springer hat es auf CNN und “Wall Street Journal” abgesehen
(tagesspiegel.de, Philipp Blanke)
Der Axel-Springer-Konzern prüfe laut US-Medienberichten eine massive Expansion in den USA. Das Unternehmen habe Interesse an einer Übernahme von CNN sowie dem “Wall Street Journal”. Springer-Chef Mathias Döpfner wolle den Firmenwert durch große Zukäufe verdoppeln, da er das deutsche Mediengeschäft als weniger relevant und zukunftsträchtig ansehe. Döpfner suche in den USA zudem gezielt die Nähe zu wichtigen Tech-Bossen.

2. BBC bittet Trump um Entschuldigung
(spiegel.de)
Die BBC habe US-Präsident Donald Trump für einen irreführenden Schnitt in einer Dokumentation um Entschuldigung gebeten. Die Doku habe fälschlicherweise den Eindruck erweckt, Trump habe in einer Rede direkt zur Gewalt aufgerufen. Der BBC-Vorsitzende habe in einem Brief sein Bedauern ausgedrückt. Gleichzeitig habe der öffentlich-rechtliche Sender die rechtliche Grundlage für die von Trump angedrohte milliardenschwere Verleumdungsklage entschieden zurückgewiesen.

3. RSF: Exilmedien als Quelle
(verdi.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) betone in einem neuen Bericht, dass Exiljournalismus unverzichtbar sei, um Zensur, Kriegsverbrechen und Desinformation in autoritären Regimen aufzudecken. Als Beispiele für diese wichtige Arbeit werden Enthüllungen von Exilmedien wie “The Insider” über russische Propaganda, den Wirecard-Manager Jan Marsalek oder die Ausbeutung politischer Gefangener durch einen AfD-Politiker in Belarus genannt. RSF fordere demokratische Regierungen daher dringend auf, diese Medienschaffenden besser zu schützen und nachhaltig zu unterstützen.

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4. “Jemand macht Geld mit Fake-Nacktbildern”: Ja, die Heute-Zeitung!
(kobuk.at, Sophia Ţigănaş)
Sophia Ţigănaş kritisiert die Berichterstattung des österreichischen Boulevardportals Heute.at über sogenannte Deep Nudes. Ihr Fazit: “Bei der Berichterstattung über die Verbreitung von KI-generierten Nacktbildern im Internet ist Heute.at Teil des Problems, über das die Zeitung berichten will: Sie verbreitet ungewollte Sexualisierung und verletzt zusätzlich die Intimsphäre realer Menschen.”

5. Wie steht es um den Klimajournalismus?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 39:56 Minuten)
Vom 10. bis zum 21. November findet im brasilianischen Belém die UN-Klimakonferenz COP 30 statt. Damit rückt auch der Zustand des Klimajournalismus in den Fokus. Im Deutschlandfunk diskutieren Alexandra Endres (“Table.Media”) und Torsten Schäfer (FH Darmstadt) mit Moderator Sascha Wandhöfer darüber, welche Rolle das Klima im Alltag in deutschen Medien spielt.

6. Immer mehr Werbung im Fernsehen?! Ein Realitäts-Check
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Uwe Mantel analysiert bei “DWDL” den weit verbreiteten Eindruck, dass die Werbung im Privatfernsehen überhandnehme, und stellt klar, dass dieser täusche – jedenfalls wenn man auf die klassische Werbung schaut. Die dafür vorgesehene Zeit sei gesetzlich streng auf 20 Prozent, also zwölf Minuten pro Stunde, begrenzt und habe sich nicht erhöht. Die Wahrnehmung längerer Pausen entstehe durch eine flexiblere Verteilung der Werbeblöcke sowie durch zusätzliche Programmtrailer, Eigenwerbung und Spendenaufrufe, die nicht zur offiziellen Werbezeit zählen würden.

Trump vs. BBC, AfD-Aussteiger Ahrens, “Servicemagazin”

1. Einlenken oder dagegenhalten?
(tagesschau.de, Gabi Biesinger)
Nach dem Rücktritt der gesamten Führungsspitze wegen einer irreführend geschnittenen Dokumentation über Donald Trump stecke die BBC in einer tiefen Krise. US-Präsident Trump drohe dem Sender nun mit einer Milliardenklage. Bis morgen Abend müsse zudem eine Richtigstellung und eine persönliche Entschuldigung erfolgen.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Die BBC sieht gerade nicht aus wie die würdigste Verteidigerin der Pressefreiheit. Deshalb hat sie etwas gutzumachen. Also nicht zahlen, liebe BBC, nicht einknicken. Um sich und allen anderen zu zeigen: Wir lassen uns nicht einschüchtern.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:18 Minuten)


2. So plante Erik Ahrens die TikTok-Strategie der AfD
(ndr.de, Tom Fugmann, Video: 26:16 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” beschäftigt sich mit Erik Ahrens, dem ehemaligen digitalen Vordenker der AfD und selbsternannten Aussteiger aus der rechtsextremen Szene. Der Beitrag zeigt Ahrens’ widersprüchlichen Weg vom linken Aktivisten zum rechtsextremen Strippenzieher, der AfD-Politiker Maximilian Krah auf TikTok groß gemacht habe. Ob es sich bei Erik Ahrens’ jüngster Wandlung um echte Reue, Selbstinszenierung oder Wichtigtuerei handele, bleibe jedoch offen.

3. Welche Rolle spielt Brandenburg?
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
In Brandenburg finde in wenigen Tagen die entscheidende Abstimmung über den Reformstaatsvertrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks statt. Der Vertrag, der bereits von den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten beschlossen wurde, sehe Einschnitte bei Programmen und strengere Regeln, zum Beispiel bei der “Presseähnlichkeit”, vor, müsse aber von allen 16 Landtagen bestätigt werden. “taz”-Redakteurin Ann-Kathrin Leclère hat die wichtigsten Fragen und Antworten dazu zusammengestellt.

Bildblog unterstuetzen

4. “Autofocus” – Wie das Werbeformat einer Industrielobby zum “Servicemagazin” im ORF wurde
(kobuk.at, Hans Kirchmeyr)
Hans Kirchmeyr kritisiert das ORF-Format “Autofocus” als getarnte PR-Sendung für die österreichische Automobilindustrie. Die Sendung, die als “Servicemagazin” bezeichnet werde, sei ursprünglich von der Autolobby initiiert und finanziert worden. Kirchmeyr belegt mit Beispielen, wie “Autofocus” kritiklos die Interessen der Industrie bedient.

5. Fokus auf die Timelines – Dokumentarfilm und Internetkultur
(54books.de, Lennart Rettler)
Der Autor Lennart Rettler lobt aktuelle deutsche Dokumentarfilme wie “Lord of the Toys”, “Goldhammer” und “Soldaten des Lichts” dafür, dass sie die Mechanismen und Abgründe der Internetkultur präzise abbilden. Die Filme würden auf einordnende Experten verzichten. Stattdessen würden sie auf reine Beobachtung setzen und zeigen, wie ihre problematischen Protagonisten (YouTuber, Influencer, Reichsbürger) rassistische oder verschwörungsideologische Inhalte als Geschäftsmodell nutzen.

6. Reality-TV: Von wegen Unterschichtenfernsehen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Entgegen dem weit verbreiteten Mythos des “Unterschichtenfernsehens” seien Reality-TV-Formate längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und würden alle Bildungsschichten erreichen. Daten der AGF Videoforschung sollen zeigen, dass das Publikum der Top-10-Reality-Shows im Schnitt sogar einen höheren Bildungsabschluss habe. Sender wie RTL würden betonen, dass sich diese Formate vom “Guilty Pleasure” zum “Talk of Town” gewandelt hätten, weil sie Eskapismus, soziale Erlebnisse und Diskussionsstoff bieten.

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