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Enthüllungen über Springer-Chef, NPR verlässt Twitter, Offener Brief

1. Enthüllungen über Springer-Chef – Ostbeauftragter hält Döpfner für “nicht mehr tragbar”
(tagesspiegel.de, Juliane Schäuble & Maria Fiedler & Felix Hackenbruch)
Gestern hat die “Zeit” eine Geschichte über Springer-Chef Mathias Döpfner veröffentlicht (nur mit Abo lesbar), die für viel Aufmerksamkeit sorgte: Interne Dokumente würden zeigen, wie Döpfner wirklich denkt und wie er mit “Bild” Politik machte (“Angela Merkel hielt er für den Sargnagel der Demokratie, Ostdeutsche seien Faschisten oder Kommunisten, den Klimawandel fand er gut.”) Der “Tagesspiegel” hat einige Reaktionen aus der Politik zusammengefasst. In einem Kommentar schreibt Robert Ide: “Ostdeutschland ist viel weiter als es der abwertende, in Teilen selbst die Demokratie gefährdende Populismus von Mathias Döpfner wahrhaben will. Und auch weiter als die nächste plump geführte Ost-West-Schuldzuschieberei, an der mit Vorurteilen weiter Geld verdient wird.”
Für “Übermedien” hat der “6-vor-9”-Kurator versucht zu erahnen, wie sich “Bild”-Kolumnist Franz Josef Wagner in seiner “Post von Wagner” zu dem Vorgang äußern würde: “Wo andere ihr Herz auf der Zunge tragen, tragen Sie es auf der Tastatur” (übermedien.de, Lorenz Meyer).

2. RSF reicht Verfassungsbeschwerde ein
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat Verfassungsbeschwerde gegen die rechtliche Grundlage für den Einsatz sogenannter Staatstrojaner durch den Bundesnachrichtendienst (BND) eingelegt: “In seiner jetzigen Form ist das deutsche Verfassungsschutzgesetz eine echte Gefahr für investigativ arbeitende Medienschaffende und ihre Quellen, und das weltweit. Jeder Journalist und jede Journalistin, die in extremistischen Kreisen recherchiert, könnte durch den BND per Staatstrojaner überwacht werden und hat aktuell praktisch keine Möglichkeit, sich auf dem Rechtsweg dagegen zu wehren. Das muss sich ändern.”

3. Evan Gershkovich freilassen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Zahlreiche Persönlichkeiten aus Journalismus und Medienwirtschaft haben sich in einem offenen Brief an den russischen Botschafter in Deutschland gewandt und die sofortige Freilassung des US-Journalisten Evan Gershkovich aus russischer Haft gefordert. Die unrechtmäßige Verhaftung habe westliche Medien dazu veranlasst, erneut Korrespondenten und Korrespondentinnen aus Moskau abzuziehen: “Das höhlt die Pressefreiheit in Russland weiter aus, denn diese Korrespondenten müssen nun aus der Ferne über die Situation in Russland berichten – viele von ihnen aus Berlin. Das ist eine Entwicklung, die die Welt seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges nicht mehr erlebt hat.”

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4. Ist das Erotik oder schon Porno?
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Wie Sebastian Meineck bei netzpolitik.org berichtet, spitzt sich der Konflikt zwischen der deutschen Medienaufsicht und Pornodarstellerinnen und -darstellern zu. Nach einiger Recherchearbeit kommt Meineck zu folgendem Ergebnis: “Die Medienaufsicht droht Porno-Darsteller*innen mit Strafanzeige, wenn sie sich nicht an die Regeln für zulässige Erotik halten. Sie behauptet, die Regeln seien klar. Aber auch bei der wiederholten Frage nach konkreten Beispielen mauert die Behörde. Was sie stattdessen anbietet: direkte Beratung am Telefon, und zwar für alle, die sich mit Nachfragen melden.”

5. Seelsorge per Instagram und digitale Ostereier
(wdr.de, Anja Backhaus, Audio: 40:53 Minuten)
Im WDR5-Medienmagazin geht es unter anderem um die Situation der Auslandskorrespondenten in Moskau, Seelsorge per Instagram, TikTok-Mönche aus Kambodscha und Mediengrößen mit NS-Vergangenheit. Durch die Sendung führt Anja Backhaus.

6. US-Sender NPR zieht sich von Twitter zurück
(spiegel.de)
NPR, das US-amerikanische National Public Radio, zieht sich von Twitter zurück. Der Hintergrund: Das von Elon Musk kontrollierte Netzwerk habe NPR erst als “staatlich kontrolliert” und inzwischen als “von der Regierung finanziert” gelabelt, was mindestens irreführend sei. Musk fordert nun, dem Senderverbund die staatliche Unterstützung zu entziehen. Dazu muss man wissen, dass diese auf weniger als ein Prozent geschätzt wird …

Accountsperren gegen Hass, Baerbocks China-Reise, Assange

1. Mit Accountsperren gegen Hass im Netz
(tagesschau.de, Kristin Becker)
Kristin Becker berichtet über ein Eckpunktepapier der Bundesregierung, das Maßnahmen zur Bekämpfung digitaler Gewalt vorschlägt. Verschiedene Themen würden darin angesprochen, darunter die Verbesserung des Schutzes vor Hass und Hetze im Internet, die Stärkung der Opferrechte und die Regulierung Sozialer Medien.

2. “Julian kämpft ums Überleben”
(taz.de, Rob Savelberg)
Die “taz” spricht mit Stella Assange, Ehefrau und Anwältin des inhaftierten Wikileaks-Gründers Julian Assange. In dem Interview schildert sie unter anderem die katastrophalen Haftbedingungen in einer winzigen Zelle: “Er muss mindestens 20 Stunden pro Tag in der Zelle bleiben. Besucher dürfen 75 Minuten bleiben. Die Häftlinge dürfen höchstens eine Stunde lang nach draußen. Dann muss er sich Essen holen und es in der Zelle alleine essen. Alle paar Tage darf er duschen. (…) Einmal in vier Jahren durfte er ins Fitnessstudio gehen. Und einmal zum Fußballspielen, als der Minister zu Besuch kam.”

3. Hilfe für Journalist:innen in Gefahr
(fachjournalist.de, Gunter Becker)
Im “Fachjournalist” stellt Gunter Becker die Hannah-Arendt-Initiative vor. Das staatlich geförderte Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen wurde gegründet, um bedrohte Medienschaffende im Ausland und im Exil zu schützen und zu unterstützen. In dem Beitrag berichten Vertreter der an der Initiative beteiligten NGOs mit Fokus auf Belarus, Ukraine, Russland und Afghanistan, wer die Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen kann und wie diese vermittelt werden.

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4. Twitter-Belegschaft auf 1.500 Angestellte geschrumpft
(zeit.de)
“Zeit Online” berichtet, dass Twitter-Chef Elon Musk über 6.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen habe. Etwa 1.500 Angestellte umfasse die Belegschaft derzeit noch, vor Musks Übernahme waren es mehr als 8.000. So habe er es jedenfalls in einem BBC-Interview gesagt. Was Musk der BBC sonst noch erzählt hat, kann man beim “Spiegel” nachlesen: Twitter hat einen neuen Namen und laut Elon Musk angeblich einen neuen Chef (spiegel.de).

5. Muss man wieder alles selber machen
(freischreiber.de)
Im April-Newsletter des Berufsverbands freier Journalistinnen und Journalisten Freischreiber werden wichtige Entwicklungen in der Medienlandschaft zusammengefasst, Fortbildungen, Stipendien und Preise vorgestellt und kommende Veranstaltungen angekündigt.

6. Freilassung von Journalisten fordern
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich der China-Reise von Annalena Baerbock appelliert Reporter ohne Grenzen an die Außenministerin, sich für die Freilassung der mehr als 100 inhaftierten Journalistinnen und Journalisten einzusetzen: “Die Lage der Pressefreiheit in China ist so katastrophal, dass die Außenministerin ihr einen zentralen Platz in den Gesprächen vor Ort einräumen muss.”

Mit Tätern sprechen?, Front-Verbot in der Ukraine, Auf1 und das Klima

1. 3,4 Millionen Deutsche waren noch nie im Internet
(spiegel.de)
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nutzen knapp sechs Prozent der 16- bis 74-Jährigen in Deutschland das Internet nicht. Am größten sei der Anteil der sogenannten Offliner in der Gruppe der 65- bis 74-Jährigen. Insgesamt liege Deutschland damit knapp unter dem EU-Durchschnitt.

2. Mit Tätern sprechen
(journalist.de, Malte Herwig)
Malte Herwig ist Journalist, Buchautor und Podcast-Host von Produktionen wie “Faking Hitler” und “Jack”, ein Podcast über den österreichischen Serienmörder Jack Unterweger. Für sein aktuelles Podcast-Projekt interviewt Herwig Frauenmörder, Serienkiller und NS-Verbrecher. Das wirft verschiedene, auch ethisch-moralische Fragen auf, denen er in seinem Gastbeitrag nachzugehen versucht.

3. Front-Verbot für Medienschaffende
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Ukraine hat zahlreiche Städte und Dörfer an der Front im Osten des Landes für Medienschaffende gesperrt. Reporter ohne Grenzen ist damit nicht einverstanden: “Wir halten die neuen Regeln für übertrieben”, so Geschäftsführer Christian Mihr: “Sie machen die Berichterstattung von der Front praktisch unmöglich.” Die ukrainische Regierung müsse sicherstellen, dass Journalistinnen und Journalisten weiterhin aus erster Hand über den russischen Krieg gegen die Ukraine berichten können.

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4. Auf1 verbreitet mehrere falsche Behauptungen zum Klimawandel
(correctiv.org, Paulina Thom)
Der österreichische Fernsehsender Auf1 verbreitet in einem Video sieben Behauptungen über den Klimawandel, die sich einem Faktencheck durch “Correctiv” zufolge als falsch erwiesen hätten und dem Stand der Wissenschaft widersprächen: “Fünf der Hauptbehauptungen im Video sind größtenteils falsch, zwei Behauptungen fehlt relevanter Kontext. An einigen Stellen im Video werden aus richtigen Aussagen falsche Schlüsse gezogen.”

5. Was die neuen EU-Regeln für die Wikipedia bedeuten
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Das Digitale-Dienste-Gesetz bringt neue Regeln für Online-Plattformen, die sich auch auf Wikipedia auswirken werden. netzpolitik.org hat mit Dimitar Dimitrov von Wikimedia in Brüssel darüber gesprochen, was das neue Regelwerk für die Online-Enzyklopädie bedeutet, und wo es noch Herausforderungen gibt.

6. Eine künstliche Blondine spricht Nachrichten für Kuwait
(faz.net)
Die “Kuwait News” wollen ihre Nachrichten künftig von “Fedha” vorlesen lassen, einer virtuellen Sprecherin, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz geschaffen worden sei. Die Website, die zur englischsprachigen Zeitung “Kuwait Times” gehört, teste zurzeit das Potential von Künstlicher Intelligenz, um “neue und innovative Inhalte” zu liefern, so der stellvertretende Chefredakteur.

Tödliche Bilanz, Papers, Leaks und Files, Horror-Thema Komödie

1. 1.657 Medienschaffende seit 2003 getötet
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen blickt auf die vergangenen zwei Jahrzehnte zurück, die sich für Medienschaffende als besonders tödlich erwiesen hätten: “Seit 2003 kamen bis 7. April insgesamt 1.657 Journalistinnen und Reporter bei oder wegen ihrer Arbeit ums Leben, durch Morde oder Auftragsmorde, bei Überfällen, Angriffen in Kriegsgebieten oder nach schwersten Verletzungen. Im Schnitt sind das mehr als 80 im Jahr.”

2. Die Macht des Boulevards über die Politik
(derstandard.at, Fabian Schmid)
Die Korruptionsermittlungen gegen die Macher der “Kronen Zeitung” und des Gratisblatts “Heute” würden zeigen, wie tief Politik und Boulevardmedien “im Inseratesumpf stecken”, schreibt Fabian Schmid in seinem lesenswerten Text über die Macht des österreichischen Boulevards über die dortige Politik und umgekehrt.

3. Können ausländische Medien in Russland bleiben?
(deutschlandfunk.de, Pia Behme & Sebastian Wellendorf)
In Russland hat sich die Situation für Journalistinnen und Journalisten verschlechtert, so dass einige das Land verlassen haben, insbesondere seit der Verhaftung des “Wall-Street-Journal”-Reporters Evan Gershkovich. Viele Korrespondentinnen und Korrespondenten würden nun nach Berlin wechseln, erzählt Bojan Pancevski, Leiter des Berliner Büros des “Wall Street Journal”.

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4. Die Masse ist die Message: Der Fluch der Papers, Leaks und Files
(uebermedien.de, Gabriel Yoran)
“Offshore Leaks”, “LuxLeaks”, “Swiss Leaks”, “Panama Papers”, “Paradise Papers”, “Football Leaks”, “Pandora Papers” und nun die “Vulkan Files”. Der Trend, aufwendige und komplexe investigative Recherchen als “Brands” zu vermarkten, löst bei Gabriel Yoran eine Form von Ermüdung aus: “Wie jetzt bei den ‘Vulkan Files’ wird seit einiger Zeit nicht das Ergebnis einer Recherche, sondern ihr Quellmaterial gebrandet. Aber jedesmal, wenn wieder Soundso-Leaks oder Dingenskirchen-Papers erscheinen, verliere ich schlagartig die Lust, das zu lesen. Selbst wenn es ‘die größte Recherche aller Zeiten’ ist, gewonnen aus ‘dem größten Datenleck aller Zeiten’ – ich merke einen Widerstand, mich damit zu befassen.”

5. Nun liegt auch die BBC im Clinch mit Elon Musk
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Twitter hat den BBC-Account auf der Plattform mit dem Zusatz “Government Funded Media” versehen, wohl um die BBC als vorgebliches Staatsmedium zu brandmarken. Dagegen hat die BBC nun protestiert: “Die BBC ist und war immer unabhängig. Wir werden von der britischen Öffentlichkeit über Gebühren finanziert.” (Man darf auf die Antwort gespannt sein. Der Journalist Jake Kanter hatte sich in der gleichen Angelegenheit an Twitter gewandt und als Antwort ein Scheißhaufen-Emoji erhalten).
Weiterer Lesetipp: Wie die Jünger des Tesla- und Twitter-Chefs Elon Musk ihrem Herrn dienen (profil.at, Christina Hiptmayr).

6. Deutsche Komödien sind ein Horror
(nzz.ch, Andreas Scheiner)
Til Schweiger hat vor Kurzem seinen Film “Manta, Manta – Zwoter Teil” vorgestellt (Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt bezeichnet ihn als “traurigsten Film der Welt”). Anlass für Andreas Scheiner, sich mit deutschen Komödienproduktionen im Allgemeinen und im Besonderen zu beschäftigen: “Von der ‘Fack ju Göhte’-Reihe bis hin zum Klamauk eines Michael ‘Bully’ Herbig hat die bundesdeutsche Humorfabrikation in der Vergangenheit schon viele Filmkritiker in tiefere Sinnkrisen gestürzt. Aber das ist der deutschen Komödie natürlich egal, sie macht einfach weiter. Nirgendwo auf der Welt hat sich eine Filmindustrie vergleichbar auf ein Genre kapriziert.”

“Bild” und das “Schauspiel im Schauspiel”, Fake-Anzeigen, KI-Fail

1. “Bild” löscht Artikel über Reichsbürger
(tagesspiegel.de, Julius Geiler)
Bei der Premiere eines Theaterstücks in Halle über die Welt der Reichsbürger war auch der in der Reichsbürgerszene bekannte und selbsternannte “König von Deutschland” Peter Fitzek als Besucher vor Ort. Die Eintrittskarten soll ihm ein “Bild”-Reporter besorgt haben, um ein “Schauspiel im Schauspiel” zu inszenieren, wie das Theater vermutet. Nach Bekanntwerden des Vorgangs entfernte die “Bild”-Redaktion den dazugehörigen Text von Bild.de.
Aktueller Lesetipp zum Thema, in dem auch besagter Peter Fitzek eine Rolle spielt: “Reichsbürger” wollen Parallelwirtschaft: “Sie sind Maler, Masseure oder Bestatter, verkaufen Solaranlagen oder vegane Lebensmittel. Dutzende Firmen sehen sich als Teil eines fiktiven ‘Königreichs Deutschland’. Der Verfassungsschutz rechnet sie der ‘Reichsbürger’-Szene zu.” (tagesschau.de, Kai Laufen)

2. So funktioniert die Abzocke mit Fake-Anzeigen
(spiegel.de, Torsten Kleinz)
Torsten Kleinz schreibt beim “Spiegel” über “die Abzocke mit Fake-Anzeigen”. In der vergangenen Woche hatte der “6-vor-9”-Kurator auf Twitter die Anzeigenpraxis des “Spiegel” kritisiert: “Lieber @derspiegel, es ist schon ziemlich, nun ja, erbärmlich, dass Ihr seit Jahren zulasst, dass auf Eurer Webseite übelste Fake-Meldungen von digitalen Trickdieben ausgespielt werden. Stoppt endlich diesen Mist! (Und ja, das gilt auch für andere Qualitätsmedien)”. Der konkrete Anlass war eine in einen Artikel eingebettete Anzeigen-Falschmeldung mit einem gefälschten Foto der vermeintlichen Verhaftung des TV-Moderators Markus Lanz und dem Locktitel: “Tausende strömen nach Lanz Verhaftung zu den Geldautomaten”. Nun erklärt der “Spiegel” wortreich und sinngemäß, wie schwierig es für Medien wie den “Spiegel” sei, das (seit vielen Jahren bekannte, Anmerkung des Kurators) Problem in den Griff zu bekommen, und dass dieses Anzeigenformat nun mal viele Einnahmen generiere, auf die man ungern verzichte. Dies erinnert den Kurator an eine Twitter-Diskussion mit einem Mitarbeiter des “Spiegel”: “Ach, und die Jobs, die an ‘dieser Art der Vermarktung’ hängen, rechtfertigen es, dass ‘Spiegel’-Leser und -Leserinnen seit Jahren und immer wieder geschädigt, geprellt und abgezockt werden? Und nein: Es ist nicht komplex. Hört endlich auf damit!”

3. Krasser KI-Sündenfall, @ippenmedia!
(twitter.com/LarsWienand)
Offenbar lässt die Ippen-Gruppe, zumindest vereinzelt, Beiträge von einer Künstlichen Intelligenz (KI) schreiben. Die entsprechenden Texte sind jedenfalls gekennzeichnet und mit dem Hinweis versehen, dass ein Mensch sie vor der Veröffentlichung geprüft habe. Was dabei schiefgehen kann, zeigt der Journalist Lars Wienand auf Twitter mit einem Beispiel aus der Praxis: Anscheinend hat die KI einen zehn Jahre alten Beitrag über einen Fall in den USA mit dem aktuellen Fall “Jule Stinkesocke” verwoben und zu einer neuen Meldung zusammenhalluziniert.
Weiterer Lesehinweis: In zahlreichen Medien wurden bereits Algorithmen und Künstliche Intelligenz eingesetzt, um über Sportergebnisse, Wettervorhersagen, Lottozahlen oder Kochrezepte zu berichten. Doch mit dem Aufkommen von ChatGPT explodiert die Zahl der möglichen Anwendungsbereiche von KI. Beim “Fachjournalist” schreibt Dennis Fajt über die Herausforderungen, Probleme und Lösungen beim Einsatz von “denkenden Maschinen” im journalistischen Umfeld.

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4. Nur dahingesagt – oder “dahingerotzt”?
(verdi.de, Lars Hansen)
Hamburgs Schulsenator Ties Rabe soll sich kürzlich vor jungen Leuten abfällig über Medien geäußert haben. Lars Hansen will das nicht so stehen lassen und kontert: “Journalistische Medien in Zeiten zahlreicher globaler Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche insgesamt zu diffamieren, anstatt sie wertzuschätzen und jungen Menschen näher zu bringen, ist eines Demokraten unwürdig. Journalistische Produkte, die durch mehrere Redaktionsprozesse gegangen sind, oft unter schwierigen Arbeitsbedingungen, bevor sie veröffentlicht wurden, als ‘dahingerotzt’ zu bezeichnen, ist der Stil eines ganz schlechten Lehrers. Setzen, Sechs!”

5. Hetzkampagne gegen Journalisten
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Als sich das Medienmagazin “Zapp” bei “Tagesspiegel”-Reporter Sebastian Leber meldete, wollte er es zunächst nicht glauben: Eine Reihe bekannter Verschwörungsideologen und Hetzer, so die “Zapp” vorliegenden Informationen, hätten im Geheimen eine koordinierte Kampagne geplant, um ihn und den “Tagesspiegel” zu diffamieren. Leber fragt sich: “Wenn die sich schon die Mühe machen, koordiniert gegen eine kleine Leuchte wie mich zu hetzen, gegen wie viele andere Journalist:innen in Deutschland liefen und laufen dann noch Diffamierungsaktionen?”
Transparenzhinweis: Für etwa eine halbe Stunde war hier ein anderer Beitrag verlinkt, den wir jedoch wegen inhaltlicher Mängel ausgetauscht haben.

6. Die Trump-Show LIVE
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 2:50 Minuten)
Tappen Redaktionen erneut in Donald Trumps Medienfalle? Boris Rosenkranz hat sich angeschaut, wie deutsche Medien über die aktuellen Ereignisse rund um die Trump-Anklage berichtet haben, und hat einen Zusammenschnitt erstellt, der für sich spricht: “Donald Trump muss in New York City vor Gericht. Und was machen Medien weltweit, als hätten sie nichts gelernt? Sie filmen den amerikanischen Ex-Präsidenten auf Schritt und Tritt, sogar aus Helikoptern – und bereiten ihm damit eine ganz große Bühne.”
Lesehinweis: Bei der “taz” kommt Carolina Schwarz zu einer ähnlichen Erkenntnis: Ein reines Spektakel: “Mit Live-Berichterstattung und Helikoptern begleiten US-Medien Donald Trumps Anklage. Dabei wiederholen sie journalistische Fehler aus dem Wahlkampf 2016.”

KI aber fair!, Momente der Wahrheit, Bußgeldverfahren gegen Twitter

1. Im Bündnis mit 15 Organisationen fordert die dju “KI aber fair!”
(dju.verdi.de)
Gemeinsam mit 15 Kultur- und Kreativverbänden hat die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) ein Positionspapier (PDF) zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) unterzeichnet. Die Verbände aus den Bereichen Text, Lektorat, Journalismus, Grafik, Illustration, Fotografie und Kunst fordern darin einen besseren Schutz ihrer kreativen Werke vor unberechtigter Nutzung, eine Stärkung des Urheberrechts und eine Vergütung für die Nutzung ihrer Werke: “Unsere schöpferischen Leistungen nutzen viele KI-Entwickler wie selbstverständlich zum Training ihrer Anwendungen. Diese Selbstbedienungsmentalität zulasten unserer Branche ist nicht akzeptabel”, so die Initiatoren von “KI aber fair!.
Weiterer Lesehinweis: Kanada ermittelt gegen Unternehmen hinter ChatGPT: “Der kanadische Datenschutzbeauftragte untersucht, ob OpenAI unerlaubt persönliche Daten sammelt. Auch US-Präsident Joe Biden fordert, dass KI-Produkte sicher sein müssen.”

2. “Ich möchte Momente der Wahrheit finden”
(journalist.de, Jan Freitag)
Khesrau Behroz hat bereits einige bemerkenswerte Podcasts produziert, darunter Cui Bono – WTF happened to Ken Jebsen?, Wer hat Angst vorm Drachenlord? und Noise. Was ihn antreibt, wie viel Aufwand er und sein Team betreiben, und warum er mit reinen Gesprächspodcasts mehr verdienen würde, verrät Behroz im gut geführten und lesenswerten Interview mit dem “journalist”.

3. Gefängnisleitung verwehrt RSF Assange-Besuch
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen protestiert gegen die Entscheidung der Londoner Gefängnisverwaltung, der Organisation das Recht zu verweigern, den dort inhaftierten Julian Assange zu besuchen: “Wir sind zutiefst enttäuscht über die willkürliche Entscheidung der Gefängnisverwaltung, uns den Besuch bei Julian Assange zu verwehren, obwohl wir alle Regeln befolgt haben. Julian Assange hat das Recht, Besucherinnen und Besucher im Gefängnis zu empfangen, und als Pressefreiheitsorganisation sind wir berechtigt, ihn zu besuchen. Wir fordern, dass die Entscheidung aufgehoben wird und wir umgehend Zugang erhalten.”

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4. Bundesamt für Justiz leitet Bußgeldverfahren gegen Twitter ein
(spiegel.de)
Wie Justizminister Marco Buschmann auf Twitter mitteilt, habe sein Ministerium ein Bußgeldverfahren gegen Twitter eingeleitet: “Dem BfJ liegen hinreichend Anhaltspunkte dafür vor, dass Twitter gegen die gesetzliche Pflicht zum Umgang mit Beschwerden über rechtswidrige Inhalte verstoßen hat. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Plattformen dürfen es nicht einfach hinnehmen, wenn ihre Dienste zur Verbreitung strafbarer Inhalte missbraucht werden.”

5. Springer schließt Druckstandort
(sueddeutsche.de)
Die Axel-Springer-Verlagsgruppe plant die Schließung ihres Druckstandorts Ahrensburg bei Hamburg. Dort drucke man bislang Regional- und Teilauflagen der “Bild”-Zeitung, von “Bild am Sonntag”, “Welt” und “Welt am Sonntag”, aber auch das “Hamburger Abendblatt” sowie Teilauflagen der “Süddeutschen Zeitung”. Von der Schließung des Standorts seien etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Die wegfallenden Auflagen wolle man auf andere im Besitz befindliche Druckereien verteilen.

6. Quelle Selbstauskunft: Falsche Opferidentitäten im Netz
(freitag.de, Özge İnan)
Özge İnan nimmt den Fall “Jule Stinkesocke”, eine bislang erfolgreiche, aber offensichtlich gefälschte Twitter-Identität, zum Anlass, ein paar gute Gedanken über unsere Liebe zu fein gesponnenem Seemannsgarn, analogen und digitalen Hochstaplern und erfundenen Opferidentitäten zu entwickeln.

KW 13/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Die Vulkan Files
(zdf.de, Joachim Bartz & Ulrich Stoll, Video: 28:07 Minuten)
Interne Dokumente des russischen IT-Unternehmens NTC Vulkan geben erstmals Einblick in Wladimir Putins Pläne für den digitalen Cyberkrieg. Recherchen von “Spiegel”, “Süddeutscher Zeitung” und weiteren renommierten Medien belegen, wie die Firma seit Jahren mit dem russischen Geheimdienst kooperiert. In Schulungsunterlagen würden mögliche Ziele der Angriffe benannt – etwa die “Lahmlegung von Kontrollsystemen des Schienen-, Luft- und Seeverkehrs” und die “Störung von Funktionen von Energieunternehmen und kritischer Infrastruktur”. Der verlinkte ZDF-Film gibt einen guten Überblick über die “Vulkan Files”.

2. Ramadan medial: mehr Perspektiven bitte
(sueddeutsche.de, Nils Minkmar, Audio: 32:13 Minuten)
In der neuen Folge von “quoted. der medienpodcast” ist Fabian Goldmann zu Gast, Islamwissenschaftler, Journalist und Medienkritiker sowie Betreiber des Blogs “Schantall und Scharia”. In dem Gespräch geht es um die Frage, wie der Islam in Fernsehen, Radio, Zeitungen und Online-Medien dargestellt wird: Wie kommt muslimisches Leben in der Berichterstattung in Deutschland vor? Wo verhindern Klischees und Stereotype eine angemessene Darstellung?

3. Mit Influencer*innen Nachrichtenmuffel erreichen?
(podcast.leibniz-hbi.de, Johanna Sebauer, Audio: 38:54 Minuten)
Influencerinnen und Influencer könnten auch ein nachrichtenfernes Publikum mit politischen Themen erreichen. Das haben Hannah Immler und Lisa Merten in einer Instagram-Studie herausgefunden. Dafür haben sie die 465 einflussreichsten Instagram-Kanäle im deutschsprachigen Raum einen Monat lang beobachtet, die geposteten Inhalte analysiert und das Publikum nach Nachrichtenaffinität kategorisiert.

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4. Psychische Gesundheit und Social Media
(zdf.de, Mai Thi Nguyen-Kim, Video: 28:07 Minuten)
“Depressionen, Zwänge oder ADHS – wer keinen Therapieplatz bekommt, findet häufig Leidensgenossen und eine Community in den sozialen Medien. Aber auch falsche Diagnosen und Scams.” Mai Thi Nguyen-Kim erläutert in ihrer Sendung “MaiThink X”, welche Wechselwirkungen zwischen psychischer Gesundheit und der Nutzung Sozialer Medien bestehen können.

5. Medien, Meteorologie und Anti Bullshit mit Özden Terli
(youtube.com, Patrick Breitenbach & Jens Brodersen, Video: 3:08:54 Stunden)
In der aktuellen Folge des Podcasts “2045 by Design or Disaster” ist der Diplom-Meteorologe und ZDF- Wettermoderator Özden Terli zu Gast, der über Medien, Meteorologie und den Kampf “gegen den alltäglichen Bullshit” spricht (dies tut er übrigens auch meinungsstark und empfehlenswert informativ auf Twitter).

6. Fake Diversity: Ist unser Journalismus wirklich für alle?
(funk.net, Strg_F, Sulaiman Tadmory & Lia Gavi, Video: 29:59 Minuten)
Die öffentlich-rechtlichen Medien wollen sich diverser geben, und wenn man sich die Programm anschaut, scheint dies auch zu gelingen. Doch wie sieht es aus, wenn man durch die Gänge der Sender geht? Die “Strg_F”-Reporter Lia Gavi und Sulaiman Tadmory haben sich gefragt, woran es liegt, dass vor der Kamera alles so anders aussieht als dahinter – oder ob der Eindruck täuscht.

Russlands Trollarmeen, Filterblasen-Theorie überholt, Keine Kohl-Akten

1. Wie Russland seine Trollarmeen bastelt und dirigieren will
(derstandard.at, Christo Buschek & Dajana Kollig & Roman Höfner & Fabian Schmid)
Der “Standard” beschäftigt sich mit den Versuchen Russlands, Trolle und Desinformationskampagnen im Internet zu organisieren und zu kontrollieren. Die russische Regierung setze auf eine Vielzahl von Strategien und Instrumenten, um die öffentliche Meinung im In- und Ausland zu beeinflussen. Dazu sollen unter anderem die gezielte Verbreitung von Falschnachrichten, die Nutzung von Social-Media-Plattformen und die Koordination von Trollarmeen gehören. Es geht darum, wie Russland gezielt Personen rekrutiert und ausbildet, um Propaganda und Desinformation zu verbreiten, und wie dabei auch moderne Technologien wie Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Der Artikel ist Teil der Recherchen zu den “Vulkan-Files”, die sich mit Russlands Cyberkrieg befassen und die neun Medien aus acht Ländern analysiert haben, darunter der “Spiegel”, die “Süddeutsche Zeitung” und das ZDF.

2. Die Filterblasen-Theorie ist überholt
(deutschlandfunkkultur.de, Anna-Katharina Meßmer, Audio: 4:35 Minuten)
Bewegen sich die Nutzerinnen Nutzer Sozialer Netzwerke nur noch in ihren eigenen Filterblasen? Und werden Diskussionen im Internet dadurch tatsächlich aggressiver? Die Soziologin Anna-Katharina Meßmer hält die Theorie der Filterblasen für überholt.

3. Kein Anspruch auf Her­aus­gabe von Kohl-Akten
(lto.de)
Muss das Bundeskanzleramt Akten von Helmut Kohl zurückholen, die bei dessen Witwe vermutet werden? Und wie viele Akten müssen durchsucht werden, die sich noch in der Behörde befinden? Mit diesen Fragen hat sich das Bundesverwaltungsgericht befasst und letztendlich zu Ungunsten der klagenden Journalistin entschieden.

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4. Wir müssen das Internet neu lernen
(spiegel.de, Carola Padtberg)
In ihrem Kommentar schreibt Carola Padtberg über die Notwendigkeit, das Internet und den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) neu zu erlernen. Sie argumentiert, dass die KI immer mehr Einzug in unseren Alltag erhalte. Gleichzeitig berge sie Risiken wie Datensammlung, Diskriminierung und Manipulation. Padtberg fordert daher mehr Bildung und Aufklärung in diesem Bereich, eine breitere gesellschaftliche Debatte und mehr Bewusstsein für die Thematik. Dies betreffe auch die Medienhäuser: “Je alltäglicher künstliche Intelligenz wird, je häufiger nun Fake-Bilder und Falschinformationen die Runde machen, desto schwieriger wird es, Leser von der Echtheit des eigenen Contents zu überzeugen.”

5. Burda stellt sieben Magazine wegen Unwirtschaftlichkeit ein
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Burda-Verlag will sieben seiner Magazine wegen Unwirtschaftlichkeit einstellen: die Zeitschriften “Villa”, “Einfach los”, “Sweet Dreams” sowie “Lisa Romance”, “Wohnen & Garten Feste & Gäste”, “Wohnen & Garten Hund im Glück” und “Mein schönes Landhaus”. Den bis zu 40 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollen die in solchen Fällen häufig genannten sozialverträglichen Lösungen oder andere Aufgaben im Unternehmen angeboten werden.

6. Landgericht: “Dämliches Stück Hirn-Vakuum” von Meinungsfreiheit gedeckt
(faz.net)
Der Artikel auf FAZ.net befasst sich mit einer vor dem Landgericht Heilbronn gescheiterten Beleidigungsklage der Politikerin Sawsan Chebli. Chebli hatte einen Mann wegen eines beleidigenden Kommentars auf Facebook angezeigt und eine Geldstrafe gefordert. Das Gericht entschied jedoch, dass der Kommentar nicht strafbar ist, da er von der Meinungsfreiheit gedeckt sei.

Rettung des Medienjournalismus, Unguter Gütetermin, Leere Bahnhöfe

1. RBB und Betriebsdirektor vor Arbeitsgericht
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Der RBB-Skandal kostet den öffentlich-rechtlichen Sender nach wie vor viel Zeit und vor allem viel Geld. Beim Arbeitsgericht Berlin gäben sich ehemalige und gekündigte Mitglieder der Geschäftsleitung die Klinke in die Hand, berichtet Joachim Huber. Er erklärt, um welche beträchtlichen Summen es dabei geht, und erörtert die Frage, warum der RBB bei einem Urteil schlechte Karten haben dürfte.

2. Eine Königsdisziplin
(epd.de, Hans-Jürgen Jakobs)
Hans-Jürgen Jakobs war einige Jahre Leiter des Medienressorts der “Süddeutschen Zeitung” und ist nun Senior Editor beim “Handelsblatt”. Beim epd macht er sich Gedanken über die Rettung des Medienjournalismus und fragt: “Inwieweit sind Presse und öffentlich-rechtlicher Rundfunk in der Lage, ein positives Gegenbild zum publizistischen Inferno der vorzugsweise amerikanischen Internetkonzerne abzugeben, oder sind sie in Wahrheit längst deren Zulieferer und Vollstrecker geworden?”

3. Bundesweit die Nachrichten kappen
(taz.de, Shoko Bethke)
Journalismus ist unterbezahlt und wird zu wenig wertgeschätzt, findet Shoko Bethke und überlegt, ob ein Streik helfen könnte: “Medien berichten ständig über Streiks. In der einen Woche ist es das Gesundheitspersonal, in der anderen das deutsche Verkehrswesen. Aber der Journalismus streikt nicht mit, zumindest nicht medienübergreifend und nicht bundesweit. Warum eigentlich nicht?”

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4. Fake News
(podcastfe7a98.podigee.io, Media Lab Bayern, Sabrina Harper, Audio: 32:01)
Die aktuelle Folge des “Media-for-Peace”-Podcasts beschäftigt sich mit dem globalen Problem der “Fake News”. Diese würden gezielt eingesetzt, um Meinungen und Stimmungen in Gesellschaften zu erzeugen, was besonders in Kriegs- und Krisengebieten brisant sei. Darüber sprechen der afghanische Journalist Omid Sobhani, Christoph Neuberger von der Freien Universität Berlin und Lina Timm, Leiterin des Media Lab Bayern.

5. Öffentliche Anhörung als Symbolpolitik?
(whistleblower-net.de)
Gestern fand die zweite öffentliche Anhörung des Rechtsausschusses des Bundestags zum Hinweisgeberschutz und zur Umsetzung der EU-Whistleblowing-Richtlinie statt. Das Whistleblower-Netzwerk ist pessimistisch, dass die von verschiedenen Experten und Interessenvertretern geforderten Änderungen noch umgesetzt werden.

6. “Wirklich etwas für die Geschichtsbücher”
(twitter.com, Übermedien, Boris Rosenkranz, Video: 1:20 Minuten)
Boris Rosenkranz hat in einem kurzen Video zusammengestellt, wie verschiedene Redaktionen ihre besten Leute in die Welt geschickt haben, um packende Bilder und viel Gerede über das große Nichts leerer Bahnhöfe und Bahnsteige liefern zu können.

Trauriger Spitzenreiter, Nuhr-Cringe, Supermegamonsterstreik

1. Presserat rügt Verstöße gegen die Sorgfaltspflicht und den Opferschutz
(presserat.de)
Wie der Deutsche Presserat mitteilt, wurden zwischen dem 21. und 23. März insgesamt 17 Rügen ausgesprochen. Trauriger Spitzenreiter ist mal wieder “Bild” beziehungsweise Bild.de mit acht der 17 Rügen. Eine Auflistung der aktuellen sowie der Rügen der vergangenen Jahre findet man auf der Übersichtsseite des Presserats.

2. “Der Cringe ist groß”
(spiegel.de, Kristin Haug)
Statt einer Ausgabe des “ZDF Magazin Royale” mit Jan Böhmermann im üblichen Setting gab es am Freitagabend etwas völlig Unerwartetes: Die Redaktion hatte die Sendung “Nuhr im Ersten” nachgebaut und ließ einen erschreckend gut parodierenden Dieter-Nuhr-Imitator durch die vermeintliche Satiresendung führen. Im Netz wurde die Aktion gefeiert und verurteilt. Kristin Haug hat einige Reaktionen gesammelt.

3. Tarifabschluss erzielt
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband und die Gewerkschaft Verdi auf der einen Seite und die Zeitschriftenverleger auf der anderen haben sich auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Dieser sieht unter anderem vor, dass die Gehälter in den Redaktionen ab dem 1. April dieses Jahres um 4,4 Prozent steigen. Ab dem 1. April 2024 soll es zudem eine Festbetragserhöhung von 125 Euro monatlich geben.

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4. Lustiger Literaturbetrieb
(taz.de, Fatma Aydemir)
Der Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch hat sich das TikTok-Format “Unverlangt eingesandt” ausgedacht, das sich in kurzen Videos über Manuskripteinreichungen lustig macht. Fatma Aydemir kann darüber nicht lachen: “Also ein Mensch schreibt da jahrelang an einem Text, fasst sich irgendwann ein Herz, sendet ihn an einen Verlag und der guckt dann bloß rein, um daraus pseudolustigen Content zu generieren.”
Transparenzhinweis: “Ohne Rücksicht auf Verluste”, das Buch der BILDblog-Autoren Mats Schönauer und Moritz Tschermak, ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

5. Das neue Feigenblatt des Spielejournalismus
(netzpolitik.org, Dom Schott)
Der Infokasten werde zum Schleichweg einer Branche, kommentiert Dom Schott auf netzpolitik.org. Statt Verantwortung zu übernehmen, würden sich die Redaktionen der Diskussion entziehen, wie moderner Spielejournalismus auszusehen hat. Als konkretes Beispiel nennt er den Umgang mit der Debatte “um den Riesenkonzern Blizzard, Missbrauchsvorwürfe von ehemaligen Mitarbeiterinnen, Kündigungswellen und Klagen von Angestellten.”

6. Ruhe bewahren!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video: 0:58 Minute)
Am heutigen Montag findet ein bundesweiter Warnstreik statt, der weite Teile des öffentlichen Nahverkehrs, des Flugbetriebs und der Schifffahrt betrifft. Oder wie einige Medien es nennen: ein “Superstreik”, ein “Megastreik”, ein “Monsterstreik”. Boris Rosenkranz hat sich angeschaut, zu welchen Formulierungen die berichtenden Fernsehsender sonst noch greifen.

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