Suchergebnisse für ‘korrigiert’

Trump als Restaurantkritik, Online-Antisemitismus, “Aldi”-Wutkultur

1. Berichterstattung und Haltung kann man nicht trennen
(spiegel.de, Sascha Lobo)
In der URL steht noch der ursprüngliche Titel : “Donald Trump in den Medien: Kotze muss man Kotze nennen!” Und das trifft den Kern von Sascha Lobos Text: “Trump erbricht sich und das Gros der Berichterstattung tut, als könne man das Ergebnis in Form einer Restaurantkritik besprechen.” Oder vornehmer ausgedrückt: “Mit den Instrumenten politischer Normalität versucht der Journalismus, das Aberwitzige zu verarbeiten.”

2. MDR Sachsen-Anhalt korrigiert die falsche Ausgewogenheit in einem Bericht übers Impfen
(blog.gwup.net, Bernd Harder)
Die kritischen Geister der GWUP freuen sich über eine positive Entwicklung beim MDR Sachsen Anhalt. Dort hatte man beim Thema Impfen zunächst beide Seiten zu Wort kommen lassen, was unter anderem vom Autoren und Kreativen Tommy Krappweis auf Twitter kritisiert wurde. Nun hat der Sender nicht nur den Artikel korrigiert, sondern auch mit einem Professor für Wissenschaftskommunikation über “false balance” (“falsche Gleichgewichtung”) gesprochen.

3. ARD: “Auch Unterhaltung ist Public Value”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Was gehört zum Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen? Wie viele Unterhaltungsformate sollen ARD und ZDF künftig noch zeigen dürfen? Darüber werde derzeitig heftig diskutiert, wie Timo Neumeier bei DWDL ausführt. Während das ZDF dazu weitgehend schweige, würde die ARD sich in Sachen Unterhaltung klar positionieren.

4. Gut gemeint, aber nicht gut genug
(zeit.de)
Die “Zeit”-Chefredaktion hat eine erneute Stellungnahme zur Causa “Oder soll man es lassen?” abgegeben. Man bedauere unter anderem, dass ein “anderer Eindruck” entstehen konnte und bescheinigt sich selbst: “Gut gemeint, aber nicht gut genug”.

5. Antisemitismus durchdringt das Netz
(tagesschau.de)
Nach einer Studie der TU Berlin ist der Antisemitismus so weit verbreitet wie noch nie in deutschen Blogs, Medien und Online-Kommentaren. In mehr als der Hälfte der untersuchten Texte seien Stereotype aufgetaucht, wie sie seit Jahrhunderten kursieren: die Juden als Fremde, Andere, Böse oder Wucherer.
Weiterer Lesetipp: Zuckerberg will Beiträge von Holocaust-Leugnern nicht entfernen lassen (spiegel.de)

6. In den Facebook-Kommentarspalten deutscher Discounter offenbart sich wahres Wutbürgertum
(vice.com, Rebecca Baden)
Heutzutage haben Verbraucher neben den gesetzlichen Möglichkeiten eine Waffe, von der sie gerne Gebrauch machen: Den wütenden Facebook-Eintrag beim Lebensmitteldiscounter oder Hersteller. Rebecca Baden hat für “Vice” einen Tag lang die öffentlichen Beiträge auf den Facebook-Seiten von Lidl, Aldi und Co. gelesen und dabei viel über die deutsche Wutkultur gelernt.

Medien fallen auf Witz rein und lassen Katrin Göring-Eckardt mit einem Einhorn gegen Beatrix von Storch protestieren

Wenn eine, ähm, Nachricht schon so lautet, sollte man misstrauisch werden: Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, saß am Sonntag in der Talkrunde von Anne Will mit einem Einhorn-Klebe-Tattoo im De­kolle­té, weil sie damit auf Beatrix von Storch, stellvertretende Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion, reagieren wollte, die sich einige Tage zuvor über ein Spielzeug-Einhorn mit regenbogenfarbener Mähne aufgeregt hat, weil dieses Kinder zur Homosexualität verleitet und die traditionelle Ehe und Familie torpediert.

Es stimmt, dass auf Göring-Eckardts Schlüsselbein in der Sendung im “Ersten” ein Einhorn zu sehen war. Der Rest ist Unsinn. Weder hat die Grünen-Politikerin damit auf von Storch reagiert, noch hat von Storch diesen Regenbogen-Einhorn-Unfug erzählt. Und dennoch berichten verschiedene Redaktionen, dass es genau so gewesen sein soll.

“Spiegel Online” zum Beispiel:

Screenshot Spiegel Online - Anne Will zum Bamf-Skandal - Von Regenbogen-Einhörnern und Schweißperlen

Womit wir beim Einhorn wären.

Göring-Eckardt trägt’s als Provokation an die Adresse der AfD, die in den vergangenen Tagen gegen ein solches Einhorn — ein Spielzeug mit regenbogenfarbener Mähne, wohlgemerkt — mit schwersten Geschützen zu Felde gezogen ist. Das Ding sei dazu angetan, so Beatrix von Storch, Kinder zu homosexuellen Neigungen zu verleiten und traditionelle Ehe und Familie zu torpedieren.

Bild.de macht mit und beruft sich dabei auf “Spiegel Online”:

Screenshot Bild.de - Grünen-Politikerin bei Anne Will - Nanu, was ist das für ein Tattoo?

Hintergrund: Am Sonntagvormittag protestierten nach Polizeiangaben 25 000 Gegner der AfD friedlich in Berlin gegen eine Demonstration der Rechtspopulisten mit 5000 Teilnehmern.

Mit dabei war auch die Grünen-Politikerin, die auf Twitter mehrere Fotos von der Aktion und auch ihrem Klebe-Tattoo zeigte. Nicht nur ihre Teilnahme an der Demo, auch die Wahl des Motivs ist eine klare Ansage an die AfD.

Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch hatte sich in den vergangen Tagen über ein Spielzeug-Einhorn aufgeregt, weil es Kinder angeblich dazu bringe, sich für Homosexualität zu interessieren und gegen das traditionelle Familienbild zu stellen, berichtete der “Spiegel”.

In der gedruckten “Bild” von heute gibt es auch einen Artikel zu Göring-Eckardts “Einhorn-Provokation”:

Ausriss Bild-Zeitung - Göring-Eckardt kämpft fürs Einhorn - Hintergrund der Einhorn-Provokation: Beatrix von Storch hatte sich über Spielzeug-Einhörner geärgert. Sie würden Kinder dazu bringen, sich für Homosexualität zu interessieren und gegen das traditionelle Familienbild zu stellen.

Die “Huffington Post” verbreitet die Geschichte ebenfalls, die Quelle ist auch hier “Spiegel Online”:

Screenshot Huffington Post - Göring-Eckardt zeigt Tattoo – Es ist eine Botschaft an AfD-Frau von Storch - Es blitzte aus ihrem Dekolleté hervor.

Ein Klebetattoo, wie sich schnell herausstellte. Damit wollte Göring-Eckhardt aber vermutlich nicht besonders trendy sein, sondern eine Botschaft vermitteln: an die AfD-Politikerin Beatrix von Storch.

Diese hatte in den vergangenen Tagen Einhorn-Spielzeug kritisiert, weil es angeblich Kinder dazu bringe, “sich für Homosexualität zu interessieren”, wie das Magazin “Der Spiegel” berichtete. Wie genau sich Frau von Storch diesen vermeintlichen Zusammenhang erklärt, bleibt derweil unklar.

Und die “Abendzeitung” aus München schreibt:

Screenshot abendzeitung-muenchen.de - TV-Talk mit Anne Will - Einhorn-Tattoo auf der Brust: Göring-Eckardt provoziert die AfD

Grund für diese Aktion war die umstrittene Aussage der stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden Beatrix von Storch über ein Einhorn-Kinderspielzeug mit regenbogenfarbener Mähne. Dieses solle laut Storch Kinder zu homosexuellen Neigungen verleiten und die Werte der Ehe verunglimpfen.

Wir haben im Büro von Katrin Göring-Eckardt nachgefragt. Dort bestätigte man uns, dass das Einhorn-Tattoo zwar von einer Demonstration gegen die AfD-Demo am Sonntag in Berlin stamme; dass es aber nichts mit einer möglichen Äußerung von Beatrix von Storch zu tun habe. Wir haben im Büro von Beatrix von Storch nachgefragt. Dort bestätigte man uns, dass es keine Äußerung der AfD-Politikerin zu einem Spielzeug-Einhorn mit Regenbogenmähne gebe. Auch auf keinem der Social-Media-Kanäle, auf denen von Storch aktiv ist, findet man etwas zum Thema.

Aber woher stammt nun die Geschichte mit dem Spielzeug-Einhorn? Von der Website nachrichten.de.com. Dort steht auf der Startseite:

Erfinde deine eigenen Witz (sic!) und lege alle deine Freunde rein!

… oder eben “Spiegel Online”, Bild.de, “Bild”, “Huffington Post” und die “Abendzeitung”.

Der ganze “Witz” geht übrigens so:

Ein Spielzeug von Schleich sorgt bei der rechtspopulistischen AfD derzeit für einen Sturm der Entrüstung. Die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch hat das circa 18 cm große Fabeltier als einen linken Versuch, Kinder zu verunsichern zu kritisiert. Die strikt konservative Politikerin betrachtet das Spielzeug als homosexuelle Propaganda, die gezielt verbreitet werde, um Kinder zu manipulieren. Kinder würden so durch die positive Verwendung der Regenbogensymbolik verleitet, mit homosexuellen Neigungen zu experimentieren, so von Storch. Dass das Einhorn als “Einhornstute” angepriesen wird, das Horn aber als Phallus-Symbol interpretiert werden könne, sei außerdem eine Abkehr von binären Geschlechtern und damit ein Angriff auf die traditionelle Ehe und Familie.

Bernd Höcke stimmt seiner Parteifreundin zu und legt noch nach. Wörtlich soll er das Regenbogeneinhorn als “Schweinkram” bezeichnet haben. Später relativierte Höcke dieses Aussage und unterbreitete Schleich stattdessen einen Vorschlag, wie das Spielzeug an traditionelle Wertvorstellungen angepasst werden könne: “Ich fordere ja kein totales Einhorn-Verbot. Nur der Regenbogen muss weg. Eventuell eine andere Farbe. Wie wäre es mit braun? Braun ist eine schöne Farbe. Die mochte ich schon immer.”

Beatrix von Storch gibt nun wirklich genug Blödsinn und Scheußlichkeiten von sich, an denen sich Redaktionen abarbeiten können. Sie müssen nicht auch noch auf eine Witze-Seite reinfallen.

Mit Dank an Günter F. für den Hinweis!

Nachtrag, 30. Mai: Die meisten Redaktionen haben inzwischen — mehr oder weniger transparent — reagiert: Das Onlineteam der “Abendzeitung” hat seinen Artikel einfach komplett und kommentarlos gelöscht.

Die “Huffington Post” schreibt nun:

Update: In einer früheren Version hatten wir mit Verweis auf andere Medien fälschlicherweise berichtet, Beatrix von Storch hätte gesagt, dass Einhörner Kinder dazu brächten, sich für Homosexualität zu interessieren. Laut dem Büro der AfD-Politikerin hat Beatrix von Storch diesen Satz nicht gesagt.

Bild.de hat ebenfalls korrigiert:

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es zudem auf Basis eines “Spiegel”-Berichts, Göring-Eckardt habe damit Beatrix von Storch (47, AfD) provozieren wollen, weil diese der Meinung sei, Einhörner würden Kinder dazu bringen, sich für Homosexualität zu interessieren.

Das trifft nicht zu. Wir bitten beide Politikerinnen um Entschuldigung.

Die Pressestelle der Grünen-Fraktion sagte am Dienstag auf BILD-Anfrage: “Das Einhorn ist ein Symbol gegen Hass, Hetze und Rassismus und ein Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Buntheit. Deshalb hat Frau Göring-Eckardt das Einhorn-Tattoo am Sonntag in Berlin auf einer AfD-Gegendemonstration spontan getragen.”

In “Bild” ist heute eine ganz ähnliche “Berichtigung” erschienen.

Nur bei “Spiegel Online”, dem Ursprung dieser Einhorn-Ente, hat offenbar noch niemand gemerkt, wie falsch die eigene Berichterstattung ist — der Artikel ist unverändert abrufbar.

Nachtrag 2, 30. Mai: Nun hat auch “Spiegel Online” eine Korrektur veröffentlicht. Die Redaktion schreibt:

Anm. d. Red: In einer früheren Version schrieben wir, dass die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt in der Sendung ein aufgeklebtes Einhorn-Tattoo trug — und dass es als Provokation an die Adresse der AfD und Beatrix von Storch gerichtet war. Das war nicht der Fall — wir haben die Passage geändert.

Amokfahrt von Münster, Weg mit der Börse, Medien, die auf Türen starren

1. Anschlag? Amoktat? Todesfahrt?
(taz.de, Daniel Bouhs)
Sollten Medien sich bei unsicheren Lagen frühzeitig auf ein Szenario festlegen? Und hat die Polizei nach dem Vorfall in Münster mit mehreren Stimmen gesprochen wie vom Digitalableger der „Rheinischen Post“ behauptet? „RP Online“ hatte relativ früh von einem „Anschlag“ gesprochen, sich danach aber transparent korrigiert. Auch die ARD glaubte an das Werk von Terroristen und hatte bereits einen „Brennpunkt“ angesetzt. Dort ruderte Programmdirektor Volker Herres zurück und erklärte auf Twitter, weshalb man auf die Sendung verzichtet habe.
Weitere Lesetipps: Bei „Spiegel Online“ schreibt Arno Frank über die Tweets der AfD-Politikerin Beatrix von Storch: „Es ist hier eine ganz spezielle Armseligkeit am Werk, die durch soziale Medien ihre volle Kraft entfaltet.“
In Gegen die Panik plädiert Dirk von Gehlen für mehr Social-Media-Gelasenheit und stellt einen Sieben-Punkte-Plan für Besonnenheit und Ruhe vor. (sz.de, Dirk von Gehlen)

2. Alles für die Blase
(sueddeutsche.de, Alexander Mühlauer)
In der so bezeichneten “Brussels Bubble” tummeln sich alle, die sich als Teil der EU-Machtmaschine verorten. Für diese Zielgruppe aus Kommissaren, Abgeordneten, Lobbyisten und Journalisten gibt es die Europa-Ausgabe von „Politico“. Es sei ein „exklusiver Club für Leser, die es sich leisten können, für Informationen zu zahlen“, schreibt Alexander Mühlbauer. In Amerika gäbe es bereits „Pro-Abos“, die bei Organisationen im hohen fünfstelligen Bereich liegen können: „Die Frage ist allerdings, was das noch mit klassischem Journalismus zu tun hat, denn Politico schließt damit den Großteil der Öffentlichkeit aus. Es ist vielmehr ein exklusiver Leserclub für Zahlungskräftige. Eine Pflichtlektüre kann das nur äußerst bedingt sein, schließlich ist es für viele schlicht zu teuer.“

3. Eben noch auf der Straße, jetzt in der Kunstgalerie
(faz.net, Andrea Diener)
Das Verfassungsgericht hat sich mit der sogenannten Straßenfotografie beschäftigt. Das Gericht habe einerseits die Legalität der Straßenfotografie unterstrichen und andererseits Grauzonen geschaffen, wie Andrea Diener in der “FAZ” schreibt: „Die Aushandlung dieser neu geschaffenen Grauzone dürfte wieder einige Jahrzehnte lang die Fotografen in die Verzweiflung treiben – bleibt zu hoffen, dass es nicht wieder mehr als hundert Jahre dauert, bis sich an der Gesetzeslage etwas bewegt.“

4. YouTube statt TV: Diese Sender bieten Millionen-Reichweiten günstig auf der Video-Plattform an
(omr.com, Torben Lux)
Sollen TV-Sender ihre Inhalte nicht nur in der eigenen Mediathek, sondern auch auf Youtube veröffentlichen? Dafür sprechen die kostengünstige Reichweiten- und Zielgruppenvergrößerung und die Werbeeinnahmen, dagegen die Verstärkung der Publikumsabwanderung. „Veescore“-Gründer Christoph Burseg hat die Performance deutscher Fernsehsender und einzelner Formate ausgewertet und stellt die zehn erfolgreichsten Kanäle vor.

5. Fernsehen für die Parallelgesellschaft
(spiegel.de, Thomas Fricke)
Thomas Fricke widmet sich einer der „verrücktesten Minderheitensendungen, die es je gab“, der “Börse vor acht“ (ARD): „Nun ist jede Minderheit bei uns natürlich willkommen – und darf nicht einfach diskriminiert werden. Klar. Und es ist natürlich auch wichtig, dass Unternehmen Geld bekommen; und die Leute was über Wirtschaft lernen. Muss es aber unbedingt Börsen-TV sein? Zur besten Sendezeit? Ab ins Nachtprogramm damit! Da, wo Fernsehen für Sonderbares sonst ja auch hin verschoben wird.“

6. Warten auf Puigdemont
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz, Video, 2:22 Minuten)
Die Blicke der Welt, so schien es, waren auf eine Tür gerichtet: Unzählige Medienvertreter hatten sich im schleswig-holsteinischen Neumünster versammelt, um den Moment festzuhalten, in dem der katalanische Separatistenführer Carles Puigdemont die JVA verlassen würde. Boris Rosenkranz hat daraus einen packenden Einakter geschnitten.

Compactgepfändet, Baby-Hitler, Graslutscher vs. Veganerfresser

1. Richard Gutjahr pfändet Compact-online.de
(golem.de)
Der Journalist Richard Gutjahr hat wegen ausstehender Kosten für eine einstweilige Verfügung die „gegnerische“ Domain Compact-online.de pfänden lassen. Hintergrund: Das umstrittene Online-Magazin hatte im vergangenen Jahr wahrheitswidrig behauptet, dass Gutjahr von dem Anschlag in Nizza und dem Amoklauf in München vorab gewusst habe. (Zum Hintergrund: In “Unter Beschuss” berichtet Gutjahr über seine Erfahrungen als Ziel- und Hassobjekt von Verschwörungstheoretikern und Hasskommentierern)
Nachtrag: Wie Gutjahrs Anwalt mitteilt, habe der Verlag gestern nachmittag “sehr eilig” bezahlt.

2. Wie der Deutschlandfunk 6 Absätze mit 6 fragwürdigen Falschbehauptungen veröffentlichte
(graslutscher.de, Jan Hegenberg)
Der sich zur veganen Szene zählende „Graslutscher“ ist ein Fan des „Deutschlandfunks“ und hat sich deshalb besonders über einen Beitrag des „Veganerfressers“ („FAZ“) Udo Pollmer geärgert, den „Deutschlandfunk Kultur“ am 19.01.2018 veröffentlichte. Der Text sei eine Aneinanderreihung von Fehlern und Falschbehauptungen, ein „in allen Belangen mangelhafter, geradezu unterirdischer Beitrag, in dem ein Autor offenbar seinen persönlichen Feldzug gegen Veganerinnen auslebt, dessen Ausführungen in der Redaktion vor Veröffentlichung zudem offenbar nicht im Ansatz geprüft werden, obwohl dort eigentlich bekannt sein müsste, wie manipulativ dieser das Thema in eigenen Publikationen behandelt.

3. Drei mal Medienkritik – drei verschiedene Reaktionen
(ennolenze.de)
Enno Lenze ist laut Eigenbeschreibung ehrenamtlicher Kriegsberichterstatter, Fotograf, Weltenbummler und politischer Aktivist. In diesen Funktionen kommt er viel in der Welt herum, auch in Krisenregionen, in die sich sonst nur wenige wagen. Was er dort erlebt, kann schon mal von dem abweichen, was hier in den Medien berichtet wird. In seinem Blog beschreibt Lenze anhand von drei Beispielen, wie Medien reagieren, wenn er sie auf Fehler hinweist.

4. Facebook will mit 10.000 neuen Mitarbeitern gegen Hetze vorgehen
(zeit.de)
Facebook-Chefin Sheryl Sandberg hat neue Maßnahmen gegen Online-Hass angekündigt: Bis zum Jahresende wolle man die Zahl der damit befassten Mitarbeiter verdoppeln. Von 10.000 Neueinstellungen ist die Rede. Außerdem wolle man den Nutzern mehr Kontrollmöglichkeiten geben und endlich dort Steuern zahlen, wo sie lokal anfallen. Facebook gehe auf Bedenken ein: “Wichtiger als alles andere ist: Wir wollen das Richtige tun“. Nun denn, warten wir es ab…

5. “Baby-Hitler töten!”: “Titanic” nach Kurz-Satire im Visier der Justiz
(derstandard.at, Oliver Mark)
Die „Titanic“ hat ein Bild des österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz verbreitet, versehen mit einem Fadenkreuz und der Aufschrift „Baby-Hitler töten!“. Das rief in Österreich das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung auf den Plan. Der Vorgang landete bei der Staatsanwaltschaft Wien, die wiederum die Kollegen in Berlin um Übernahme der Strafverfolgung ersucht hat. Nach Aussagen von Fachanwälten brauchen sich die Titanicler jedoch keine Sorgen machen. Die Fotomontage müsse im “satirischen Kontext” bewertet werden. Titanic-Chef Tim Wolff gibt sich eh unerschrocken: “Solange die linksgrün-versiffte Political-Correctness-Diktatur des Merkel-Regimes in Deutschland herrscht, haben wir vor frühreifen Baby-Hitlern keine Angst.”

6. Don Alphonso fotografiert jetzt für die FAZ Schwarze im Görlitzer Park. #Berlin
(facebook.com/uebermedien)
Der „FAZ“-Autor „Don Alphonso“, der in der „Welt“ jüngst als „Galionsfigur der Provokationsindustrie“ bezeichnet wurde, fotografiert in Berlin Schwarze und veröffentlicht die Bilder auf seinem “FAZ”-Twitter-Account. Weiterer Lesetipp: Maas fördert doch keine Terrorverharmlosung bei der „Zeit“ über die falschen Behauptungen des Don Alphonso, die von der “FAZ” öffentlich korrigiert werden mussten.

“Bild”-Medien lassen Flüchtlinge durch Deutsch-Tests fallen

Schaut man sich diese Überschrift aus der “Bild am Sonntag” von gestern an …

Ausriss Bild am Sonntag - Nach 1300 Unterrichtsstunden - vier von fünf Flüchtlingen fallen bei Deutsch-Test durch

… könnte man ja meinen, dass “4 von 5 Flüchtlingen” bei ihren Deutsch-Tests durchfallen.

So ist es aber nicht. Es sind nicht 80 Prozent, sondern deutlich weniger. Für “Bild”-Chefchef Julian Reichelt ist die falsche “BamS”-Zeile einfach nur “schlecht formuliert”. Für rechte und rechtsextreme Kräfte ist sie eine tolle Vorlage für ihre Stimmungsmache.

Doch der Reihe nach. Gestern schrieben “Bild am Sonntag” und Bild.de über die “Integrationskursgeschäftsstatistik” des “Bundesamts für Migration und Flüchtlinge” (“BAMF”), in der es auch um Zahlen zu Deutsch-Kursen für Geflohene geht. Online lautete die Titelzeile ganz ähnlich:

Screenshot Bild.de - Nach 1300 Unterrichtsstunden - vier von fünf Flüchtlingen fallen bei Deutsch-Test durch

Bei Bild.de befindet sich der Artikel hinter der Paywall, was schade ist, weil dadurch viele Bild.de-Besucher nur die falsche Überschrift lesen konnten und nicht den Text, in dem unter anderem steht:

Laut aktueller Bamf-Zahlen besuchten allein im ersten Halbjahr 2017 rund 43 000 Menschen einen speziellen Integrationskurs für Analphabeten (…).

Brisant: Trotz extra kleiner Lerngruppen und bis zu 1300 Unterrichtsstunden sprechen vier von fünf Flüchtlingen danach immer noch so schlecht Deutsch, dass sie nicht einmal einen Helfer-Job bekommen oder eine Ausbildung machen können. Das Sprachniveau B1 (…) erreichen in den Analphabeten-Kursen gerade mal 17 Prozent der Teilnehmer, wie das Bamf auf Anfrage bestätigt. (…)

Nicht besser sieht es bei den normalen Integrationskursen aus, also ohne Analphabeten. Insgesamt schafft bloß jeder zweite Teilnehmer den B1-Test.

Nur mit einem “Bild plus”-Abo erfährt man also, dass gar nicht “4 von 5 Flüchtlingen” bei ihrem Deutsch-Test durchfallen, sondern dass vier von fünf Flüchtlingen, die Analphabeten sind, nicht das Sprachniveau B1 erreichen. Das ist gleich ein doppelter Unterschied: Es geht weder um alle Flüchtlinge noch um die Frage “bestehen oder nicht bestehen?”, sondern darum, ein gewisses Niveau beim Bestehen zu erreichen.

Tatsächlich haben laut “BAMF”-Statistik (PDF) im ersten Halbjahr 2017 126.868 von insgesamt 165.997 erstmaligen Integrationskurs-Teilnehmern den “Deutsch-Test für Zuwanderer” bestanden, allerdings mit unterschiedlichen Sprachniveaus (53,9 Prozent mit B1-Niveau, 37,6 Prozent mit A2-Niveau, 8,5 Prozent unter A2-Niveau — zu den verschiedenen Sprachniveaus gleich mehr). Rund 76 Prozent der Teilnehmer haben also einen Abschluss hinbekommen und nicht — wie in der “BamS”-Schlagzeile behauptet — nur 20 Prozent.

Doch mal abgesehen von der falschen Zahl, die die Redaktionen von “Bild am Sonntag” und Bild.de prominent platziert haben: Sind die 17 Prozent der Alphabetisierungskurs-Teilnehmer, die das Sprachniveau B1 erreicht haben sollen, wirklich “ernüchternd”, wie “BamS” schreibt?

Der “Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen” gibt verschiedene “Kompetenzniveaus” beim Erlernen von Sprachen vor. Es gibt sechs verschiedene Stufen: A1 (Einstieg), A2 (Grundlagen), B1 (Mittelstufe), B2 (gute Mittelstufe), C1 (fortgeschrittene Kenntnisse), C2 (exzellente Kenntnisse). In den deutschen “Integrationskursen mit Alphabetisierung”, auf die sich “BamS” und Bild.de beziehen, sitzen einerseits Menschen, die in ihrer Muttersprache nicht lesen und schreiben können, und andererseits Menschen, die zwar lesen und schreiben können, aber nicht in lateinischen Buchstaben. Das Ziel dieser Kurse ist daher keineswegs, das “Mittelstufe”-Niveau B1 zu erreichen. In seinem “Konzept für einen bundesweiten Alphabetisierungskurs” (PDF) hat das “BAMF” die Ziele wie folgt beschrieben:

Für einen großen Teil der Lernenden wird das Sprachniveau A2.2 als realistisches Ziel erachtet. (…)

Für Teilnehmende in der Gruppe der primären Analphabeten ohne “Stifterfahrung” wird das Erreichen des Sprachniveaus A2.1 als realistisches Ziel erachtet. (…)

Für einzelne Teilnehmende (…) ist ein sprachliches Ziel oberhalb des Niveaus A2.2 möglich.

“Einzelne Teilnehmende” könnten laut “BAMF” also B1 erreichen. Im ersten Halbjahr 2017 waren es laut “BamS” und Bild.de immerhin 17 Prozent.

Aber zurück zur falschen Schlagzeile. Der “Bild plus”-Artikel, über dem sie stand, war gestern “meistgeklickt”:

Screenshot Bild.de - Meistgeklickt Bild plus - 4 von 5 Flüchtlingen bestehen Deutsch-Test nicht

Und die falschen “4 von 5 Flüchtlingen” verbreiteten sich wie wild. FAZ.net hat sie abgeschrieben:

Screenshot FAZ.net - BAMF - Vier von fünf Flüchtlingen schaffen Deutsch-Test nicht

Genauso die “B.Z.”:

Screenshot bz-berlin.de - Bundesamt: 4 von 5 Flüchtlingen schaffen den Deutsch-Test nicht

prosieben.de:

Screenshot prosieben.de - Hindernis für erfolgreiche Integration - Vier von fünf Flüchtlingen schaffen den Deutsch-Test nicht

sat1.de:

Screenshot sat1.de - Hindernis für erfolgreiche Integration - Vier von fünf Flüchtlingen schaffen den Deutsch-Test nicht

“Epoch Times”:

Screenshot Epoch Times - Vier von fünf Zuwanderern schaffen Deutschtest nicht – keine Jobaussichten

Auch bei “Focus Online” tauchte die Zeile auf, bei nordbayern.de, wobei die zwei Portale sie inzwischen korrigiert haben. Bei Welt.de schafft “nur einer von fünf Analphabeten” den Deutsch-Test, was ebenfalls falsch ist, denn rund einer von fünf Teilnehmern der Alphabetisierungskurse erreicht das Niveau B1. Es gibt aber weitere Teilnehmer, die den Test mit einem anderen Niveau bestehen.

Dem Publizisten Hugo Müller-Vogg fiel in seiner Ahnungslosigkeit auch was ein:

Und natürlich sprangen die AfD und ihre Fans auf den in die falsche Richtung fahrenden Zug der “Bild”-Medien, der “FAZ”, der “Welt” auf:

Bei Bild.de haben sie die Überschrift inzwischen in “Flüchtlinge haben Probleme bei Deutsch-Test” geändert. Die erste Version war laut “Bild”-Oberchef Julian Reichelt einfach nur “schlecht formuliert”.

Mit Dank an Sandra M. und Kai L. für die Hinwiese!

Bezahl-Reputation, Wumpehaftigkeit der AfD, Männer-Journalistenpreis

1. Wirtschaftspreise: Positive PR gegen Geld?
(ndr.de, Stefanie Groth & Inga Mathwig)
In der Wirtschaft ist es verbreitet, dass sich Unternehmen mit allerlei dekorativen Siegeln und Auszeichnungen schmücken. Ob “Beste Sales Performance”, “innovativstes Unternehmen im Mittelstand” oder “Top100”: All diese Auszeichnungen samt Gala und Promiauftritt kann man erhalten, wenn man die Teilnahmegebühr von bis zu 9900 Euro berappt. “Zapp” berichtet anhand eines Praxisbeispiels, was solche Auszeichnungen wert sind. Spoiler: Der ausgezeichnete Unternehmer sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft, wegen Verdachts auf Untreue und Betrug.

2. Unabhängiger Journalismus oder PR? Greenpeace-Magazin-Chef Stukenberg verteidigt Nominierung für Reporterpreis
(meedia.de, Kurt Stukenberg)
Als ein Beitrag des “Greenpeace Magazins” für den “Deutschen Reporterpreis” nominiert wurde, kam der Vorwurf auf, dass sich damit der Journalismus der interessengeleiteten PR öffne. In einem Gastbeitrag bei “Meedia” verteidigt der Chefredakteur die Nominierung und wehrt sich gegen einen kritischen “taz”-Beitrag. Das “Greenpeace Magazin” sei keine Mitgliederzeitschrift und sei redaktionell, inhaltlich und finanziell unabhängig.

3. Warum die AfD den Medien gerade wumpe ist
(deutschlandfunk.de, Arno Orzessek)
Es ist ein Phänomen: Vor der Bundestagswahl berichteten die Medien ausführlich über die AfD und sprangen teilweise über jedes noch so kleine hingehaltene Stöckchen. Nun, da die AfD im Bundestag sitzt, ist es erstaunlich ruhig. Arno Orzessek ordnet das Phänomen in seiner Glosse ein und erklärt, warum den Medien die AfD gerade “wumpe” ist.

4. Zahlt sich Sensationsmache aus?
(de.ejo-online.eu, Rana Khaled)
Wissenschaftler einer holländischen Universität haben untersucht, ob sich Sensationsmache auf die Sehdauer von Nachrichten-Videos auswirkt. Dazu haben sie 190 Teilnehmer unterschiedlich aufgemachte Nachrichtenbeiträge der niederländischen Hauptnachrichtensendung “Het Journaal” schauen lassen und die Sehdauer pro Beitrag gemessen. Das Ergebnis: Eine boulevardeske Aufmachung bringe die Zuschauer dazu, sich Nachrichtenbeiträge mit neutralen Inhalten länger anzuschauen. Bei negativen Inhalten aber, für die die Zuschauer sich sowieso schon interessierten, mache es keinen Unterschied. Je mehr, desto besser gelte dort also nicht.

5. Faktencheck: Wie Spiegel Online und Der Standard wegen eines Übersetzungsfehlers einer Nachrichtenagentur Fake News verbreiteten
(correctiv.org, Jacques Pezet)
Haben “Spiegel Online” und der österreichische “Standard” Fake News verbreitet, als sie über die Verhaftung einer Gruppe Rechtsradikaler in Frankreich berichteten? Dies behauptete jedenfalls die rechtsradikale Webseite “Breitbart”. In der Tat war die Nachricht falsch, was jedoch an einer Meldung der Presseagentur “AFP” lag. Agentur und Medien hätten sich nach Bekanntwerden des Fehlers entsprechend korrigiert.

6. Es ist 2017 und bei diesem Journalisten-Preis haben 100% Männer gewonnen
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
Auf dem Gruppenbild des “Georg von Holtzbrinck Preises für Wirtschaftspublizistik” sieht man ausschließlich Männer. Die Organisation “Pro Quote”, die sich für mehr Frauen an der Spitze der Medien einsetzt, twitterte: “Es entsteht der Eindruck, dass auf diesem Planeten keine Frauen leben.” Und auch sonst hagelte es negative Stimmen im Netz (“Männer feiern Männer”).
Dazu passend ein weiterer Lesetipp: “ARD will Frauenanteil in Filmen und Shows erhöhen” bei “DWDL”. Und was passiert, wenn eine Frau eine Hauptrolle in einem Film spielt (wie gerade Diane Kruger in Fatih Akins neuem Film über den NSU-Komplex), kann man beispielhaft im Magazin “DB Mobil” verfolgen: Dort sei Kruger zu Problemzonen und Schönheits-Ops befragt worden, so die “taz”-Autorin Elisabeth Kimmerle in ihrer heutigen “Geht’s noch”-Kolumne.

Bild.de, die Fehler-Konstante in politisch turbulenten Zeiten

Wer derzeit das Gefühl hat, bei der komplizierten politischen Lage in Deutschland den Überblick verloren zu haben, aber gern wieder etwas mehr Durchblick bekommen möchte, sollte auf jeden Fall nicht bei Bild.de vorbeischauen. Dort herrscht das völlige Durcheinander: Der letzte Ministerpräsident der DDR ist auf einmal Bundesinnenminister, Schlagersänger Patrick Lindner ist plötzlich Politiker, und ein CDUler wird zum “Juso”-Chef. Die Bild.de-Redaktion zeigt, dass sie noch immer beides beherrscht: die kleinen Dämlichkeiten und die große Falschinformation.

Fangen wir klein an. Laut Bild.de gab es eine personelle Sensation, die sonst keine Redaktion mitbekommen hat: Lothar de Maizière sitzt wieder im Bundestag — und er hat gleich einen Ministerposten abbekommen:

Screenshot Bildunterschrift bei Bild.de - Bei der zweiten Sitzung des Bundestages saß die alte und aktuelle Regierung auf der Regierungsbank im Bundestag. Hier Innenminister Lothar de Maizière (l.) und Außenminister Sigmar Gabriel im Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel

Wir haben noch mal ganz genau hingeschaut: Es ist gar nicht Lothar de Maizière (weiße Haare, weißer Bart), sondern dessen Cousin Thomas de Maizière (graue Haare, kein Bart). Immerhin: Beide tragen eine Brille.

Bild.de konnte noch eine weitere falsche Personalsensation präsentieren: Schlagersänger Patrick Lindner ist neuer FDP-Chef!

Intensives Hingucken hat ergeben: Es ist doch weiterhin Christian Lindner.

Paul Ziemiak ist laut Bild.de zwar in der CDU, aber gleichzeitig auch Chef der “Jusos”, der Jugendorganisation der SPD:

Screenshot Bild.de - Paul Ziemiak (32, CDU). Der Juso-Chef war optimistisch: Jamaika kann funktionieren. Pustekuchen!

Tatsächlich ist Ziemiak Chef der “Jungen Union”.

Bild.de macht aber nicht nur diesen kleinen Fehler. In einem Kommentar zum Scheitern der Gespräche zwischen CDU/CSU, FDP und Grüne schreibt “Bild”-Chefchef Julian Reichelt:

Die Grünen sind nicht nur, aber auch eine autoritäre Verbotspartei, die dazu aufruft, den Nachbarn zu denunzieren, wenn er sich das Bad schick fliesen lässt (“Luxussanierung”). Dass Menschen die Fliesen in ihrem eigenen Bad nicht frei wählen sollten, ist eine Überzeugung, die man haben kann — bloß passt sie nicht zur FDP, hat sie nie.

Erstmal: Schade, dass die Jamaika-Sondierungen an ein paar Fliesen im Bad gescheitert sind.

Reichelt hat recht, dass die Grünen sich gegen die “Verdrängung aufgrund von Luxussanierung” aussprechen. Allerdings hat das nichts mit dem Denunzieren des Nachbars zu tun, der “sich das Bad schick fliesen lässt”, außer dieser Nachbar schickt die Handwerker nicht in sein eigenes Bad, sondern in meines, weil er mein Vermieter ist, und verlangt danach mehr Miete von mir. Dann könnte man von einer “Luxussanierung” sprechen. Was Reichelt schreibt, ist allerdings Unsinn.

Ebenfalls Unsinn ist diese Meldung, die bei Bild.de auftauchte:

Screenshot Bild.de - Neuer Vorschlag von Malu Dreyer (SPD) - Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz machte am Dienstagabend bei der Talkmasterin Sandra Maischberger einen neuen Vorschlag: eine GroKo mit Kanzlerwechsel! Malu Dreyer: Jetzt mache ich mal einen verrückten Vorschlag. Sie verhandeln mit Angela Merkel und sagen, dass sie zwei Jahre lang regiert, und danach regiert jemand aus der SPD.

Schaut man sich die “Maischberger”-Folge an, erkennt man schnell: Der Vorschlag kommt gar nicht von Malu Dreyer, sondern von Sandra Maischberger, die Dreyer von ihrer “verrückten” Idee des Kanzlerwechsels erzählt. Bild.de hat diesen Fehler nach einiger Zeit klammheimlich und ohne irgendeinen Hinweis vertuscht korrigiert.

Falsche Namen, falsche Posten, falsche Verbote, falsche Zitatgeber — in politisch komplizierten Zeiten ist immerhin auf die Unfähigkeit der Bild.de-Redaktion Verlass.

Mit Dank an @WieselerSusanne, @MarkusMK73, Markus T., Tim F. und Ralf H. für die Hinweise!

Bild.de lässt Psychiater auf Fünfjährigen los

Noah Green ist fünf Jahre alt und hat das große Pech, dass die “Bild”-Medien ihn für so interessant halten, dass sie über ihn berichten. Noah ist der Sohn von Schauspielerin, Verzeihung, “von Schauspiel-Sexbombe” Megan Fox und Schauspieler Brian Austin Green. Und Noah findet Elsa aus “Disneys” Animationsfilm “Frozen” offenbar so klasse, dass er neulich in einem Elsa-Kleid durch die kalifornische Stadt Calabasas gelaufen ist.

Das ist eigentlich auch schon alles: ein fünfjähriges Kind, das eine Figur aus einem Animationsfilm gut findet und sich ab und zu so kleidet wie diese Figur.

“Bild” und Bild.de (die es nicht mal hinbekommen, das korrekte Alter von Noah nachzugucken) machen daraus allerdings deutlich mehr. Online schrieb die Redaktion gestern am späten Abend:

Screenshot Bild.de - Megan Fox - Warum ihr Sohn Mädchen-Kleider trägt
(Unkenntlichmachung durch uns.)

In den Familien der Hollywoodstars ist vieles erlaubt. Vor allem, wenn es um den Nachwuchs geht. Warum? Weil die Kurzen machen (dürfen), was sie wollen.

Neue Fotos zeigen Noah (4), den Sohn von Schauspiel-Sexbombe Megan Fox und Brian Austin Green (“David” aus “Beverly Hills 90210”) im Prinzessinnen-Kleidchen von “Frozen”.

Ist es ein seltsamer Trend oder einfach freie Entfaltung? Den Kindern der VIPs ist ihr Geschlecht offenbar nicht recht.

Bild.de nennt und zeigt noch zwei weitere Kinder — Charlize Therons fünfjährigen Sohn Jackson und Angelina Jolies elfjährige Tochter Shilo –, die immer mal wieder Klamotten tragen, die nicht ins Jungen-Mädchen-Koordinatensystem von “Bild” passen. Auch bei ihnen stellt sich also die Bild.de-Frage: “seltsam” oder “freie Entfaltung”?

Im Artikel gibt ein “Experte” so etwas wie eine Antwort:

Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff (62) zu BILD: “Es ist ein zunehmendes Phänomen in unserer Gesellschaft, dass sich Kinder in ihrem Auftreten schon früh an Erwachsenen orientieren. Zudem werden Kinder in unserer Gesellschaft zunehmend alleingelassen und in ihrem Verhalten auch nicht mehr korrigiert. Das gilt besonders für Konventionen und Kleidung. “Die Kinder wollen das eben so”, ist eine be­queme Ausrede. Wenn ein Mädchen Jungenkleider trägt oder umgekehrt, hat das aber nichts mit der künftigen sexuellen Orientierung oder Ausrichtung zu tun.”

Da drängen sich gleich mehrere Fragen auf: Was soll da “korrigiert” werden? Und in welche Richtung? Kinder so sein zu lassen, wie sie sein wollen, ist eine “bequeme Ausrede”? Inwiefern lässt Megan Fox, die auf dem Foto direkt neben ihrem Sohn zu sehen ist und seine Hand hält, ihr Kind allein? Und warum lässt Bild.de einen Kinder- und Jugendpsychiater aus der Ferne auf einen Fünfjährigen los?

Schiebt man mal das ganze Promi-Geschreibsel dieses Bild.de-Artikels beiseite, bleibt die fatale Aussage für alle Kinder und Jugendlichen: Wenn ihr, aus welchem Grund auch immer, gerne mal Klamotten tragt, die nicht zu dem passen, was die “Bild”-Medien eigentlich für Mädchen beziehungsweise für Jungen vorgesehen haben, dann seid ihr mindestens so merkwürdig, dass ihr einen “Bild”-Artikel wert seid.

Mit Dank an @b_obermayer für den Hinweis!

Die Suche nach dem richtigen Netzwerkgesetz

Seit dem 1. Oktober ist es nun also in Kraft, das Netzwerkdurch …

Screenshot n-tv.de - Um dem Hass und um Falschmeldungen im Netz Einheit zu gebieten, hat Bundesjustizminister Heiko Maas das Netzwerkdurchsuchungsgesetz vorangetrieben

Nee, n-tv.de*, so heißt das nicht. Kennt Handelsblatt.com den richtigen Namen?

Das von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) vorangetriebene Netzwerkdurchsuchungsgesetz, das seit Sonntag in Kraft ist, hat laut OSZE-Repräsentant Harlem Désir möglicherweise eine “abschreckende Wirkung auf die freie Meinungsäußerung”.

Auch nicht. Aber “Wired”* kann uns bestimmt sagen, wie das oft auch als “Facebook-Gesetz” bezeichnete Gesetz heißt!

Das oft auch als Facebook-Gesetz bezeichnete Netzwerkdurchsuchungsgesetz verpflichtet Online-Netzwerke dazu, schneller auf Beschwerden über Hasskriminalität und andere strafbare Inhalte zu reagieren und betreffende Inhalte zügiger zu entfernen.

Hm. Kann FAZ.net helfen?

Screenshot FAZ.net - Netzwerkdurchsuchungsgesetz - Kritik am Gesetz gegen Hasskommentare

Durch Großbuchstaben wird es auch nicht richtiger. Weiß “Deutschlandfunk Kultur”* vielleicht was?

Screenshot Deutschlandfunk Kultur - Netzwerkdurchsuchungsgesetz - Der Schritt in die Zensur ist nicht weit

Mdr.de?

Der Wirtschaftsjurist Gerald Spindler von der Universität Göttingen sieht in dem “Netzwerkdurchsuchungsgesetz” des SPD-Politikers gar eklatante Verstöße gegen europäisches Recht.

“Meedia”*?

Facebook wehrt sich gegen das geplante Netzwerkdurchsuchungsgesetz von Heiko Maas

Taz.de*?

Bundesjustizminister Heiko Maas hatte in den vergangenen Monaten mit seinem “Netzwerkdurchsuchungsgesetz” eine breite Debatte über den richtigen Umgang mit Hass im Netz angestoßen.

“Vice”?

Anlass für die versuchte Besetzung war das sogenannte Netzwerkdurchsuchungsgesetz von Maas.

“Mitteldeutsche Zeitung”?

Screenshot Mitteldeutsche Zeitung - Beschränkt das Netzwerkdurchsuchungsgesetz die Meinungsfreiheit?

“Huffington Post”*?

Hinter dem Titel “Netzwerkdurchsuchungsgesetz” versteckt sich der Vorstoß von Justizminister Heiko Maas, mit dem er Hass in sozialen Netzwerken bekämpfen will.

“Badische Zeitung”?

Facebook reagiert auf das Netzwerkdurchsuchungsgesetz und baut sein Löschteam aus.

Netzpolitik.org*?

Die Themen, die von der Kollaboration zwischen Kunst und Wissenschaft schon 2016 aufgegriffen wurden, erlangten in den letzten Wochen durch das Ende des NSA-Untersuchungsausschusses, den Staatstrojaner und auch das Netzwerkdurchsuchungsgesetz erneute Brisanz.

“Telepolis”?

Auf der einen Seite wurde der Beschluss zur “Ehe für alle” bei einem Teil der Bevölkerung mit großer Freude zur Kenntnis genommen wurde, auf der anderen Seite hat das Parlament zur gleichen Zeit noch ein paar Gesetze (Netzwerkdurchsuchungsgesetz; Reform des Wissenschaftsurheberrechts und einheitliche Netzentgelte) durch das Parlament gepeitscht, die für wesentlich weniger Verzückung sorgen werden sobald die breite Masse davon erfährt.

Süddeutsche.de?

Die Bundesregierung hat mit dem Netzwerkdurchsuchungsgesetz Facebook die Löschung von Hasskommentaren überantwortet und dem Konzern eine Richterrolle zugewiesen.

Irgendjemand? BILDblog vielleicht?

Das umstrittene Netzwerkdurchsuchungsgesetz ist besser als sein Ruf, findet Christian Humborg in seiner Kolumne auf “Carta”.

Ugh! Ja, auch wir haben “Netzwerkdurchsuchungsgesetz” geschrieben statt Netzwerkdurchsetzungsgesetz, wie es richtig heißt — oder in Langform: Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken. Den einst fehlerhaften Artikel haben wir inzwischen korrigiert.

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz bringt alle Voraussetzungen mit, um zum neuen “EU-Gericht” zu werden.

Mit Dank an @Rigolachs für den Hinweis!

*Nachtrag, 6. Oktober: n-tv.de, “Wired”, “Deutschlandfunk Kultur”, “Meedia”, taz.de, “Huffington Post” und netzpolitik.org haben auf unsere Kritik reagiert und ihre Artikel — mitunter sogar sehr transparent — korrigiert.

“Bild” befördert Gerhard Schröder ins falsche Rosneft-Gremium

Altkanzler Gerhard Schröder hat sich über “Bild” beschwert. Ein Bericht des Boulevardblatts zu seinem wohl bevorstehenden Engagement beim russischen Öl-Konzern Rosneft sei falsch. “Ich habe den Eindruck, das hat weniger mit meiner Tätigkeit zu tun als vielmehr mit dem Wahlkampf. Hier soll offenbar Frau Merkel geholfen werden”, sagte Schröder dem “Redaktionsnetzwerk Deutschland” (“RND”). Das ist wiederum eine recht steile These. Was aber feststeht: “Bild” verbreitet ziemlichen Unsinn über Schröders möglichen Job bei Rosneft.

Gestern erschien in “Bild” und bei Bild.de ein Text über Gerhard Schröders Zukunft bei dem russischen Unternehmen, das zu großen Teilen dem russischen Staat gehört:

Ausriss Bild.de - Riesen-Streit um Russland-Job - Lässt die SPD Schröder Fallen?

Autor Filipp Piatov schreibt dort:

Nun wird die Kritik am Altkanzler immer lauter — im Herbst soll er in den Vorstand des Öl-Giganten Rosneft berufen werden.

Seit 2005 steht Schröder bereits im Dienst von Gazprom, kümmert sich seit 2016 als Verwaltungsrat um das umstrittene Pipeline-Projekt Nord Stream 2. Doch der Aufstieg in den Rosneft-Vorstand ist keine einfache Beförderung. Es ist eine Adelung Schröders, seine Aufnahme in Putins innersten Kreis der Macht.

Die Überwindung moralischer Hindernisse lassen sich die Vorstände des Öl-Riesen fürstlich vergüten. Aus dem Geschäftsbericht von 2016 geht hervor, dass Rosneft seinen neun Vorstandsmitgliedern rund 52 Millionen Euro an Gehältern, Boni und Zuschüssen zahlte. Das sind fast sechs Millionen Euro pro Person.

Die in der “Bild”-Zeitung genannten Summen seien völlig absurd, sagt Schröder. Für die für ihn vorgesehene Rolle werde er weniger als ein Zehntel der von “Bild” genannten “sechs Millionen Euro” bekommen, vorausgesetzt er werde überhaupt in das Gremium gewählt.

Nun behaupten “Bild” und Piatov nirgendwo direkt, dass Gerhard Schröder sechs Millionen Euro pro Jahr bekommen solle. Der Dreischritt aus “in den Vorstand des Öl-Giganten Rosneft berufen werden”, “der Aufstieg in den Rosneft-Vorstand” und “dass Rosneft seinen neun Vorstandsmitgliedern rund 52 Millionen Euro an Gehältern, Boni und Zuschüssen zahlte” könnte bei der Leserschaft aber durchaus den Eindruck erwecken, dass Schröder eine derartige Summe bekommen könnte.

“Bild”-Chefchef Julian Reichelt sieht das naturgemäß anders. Nachdem Andreas Niesmann vom “RND” ihn bei Twitter auf die entsprechende Stelle in Piatovs Artikel hingewiesen hatte …

… twitterte Reichelt:

1) Wir haben große Zweifel, dass der durchschnittliche “Bild”-Leser, bei dem selbst die “Bild”-Redaktion es regelmäßig für notwendig hält, ihm eine Lesehilfe für das Wort “Bachelor” an die Hand zu geben, ohne Weiteres die feinen Unterschiede zwischen “Vorstand wird” und “in den Vorstand berufen wird” erkennt.

2) Im Text von Filipp Piatov steht tatsächlich nicht, dass Gerhard Schröder “Vorstand wird”. Drei Tage zuvor titelte Bild.de allerdings:

Ausriss Bild.de - Russischer Öl-Konzern - Gerhard Schröder wird Vorstand von Rosneft

3) Es ist völlig egal, ob da nun steht, dass Gerhard Schröder “Vorstand wird” oder “in den Vorstand berufen wird” — beides ist falsch. Schröder steht für das Aufsichtsgremium von Rosneft zur Wahl, den sogenannten “Rat der Direktoren”. Bei einer deutschen Aktiengesellschaft wäre das Pendant wohl der Aufsichtsrat. Das mag Schröders Verhalten nicht weniger fragwürdig erscheinen lassen, es handelt sich aber um einen anderen Posten als von “Bild” behauptet.

Auf der Rosneft-Website sind das “Management board”, in etwa der Vorstand, und das “Board of Directors” aufgelistet. Schröder ist einer von mehreren Kandidaten für das “Board of Directors”. Im anglo-amerikanischen Raum vereint das “Board of Directors” laut “Wikipedia” zwar die Funktionen von Aufsichtsrat und Vorstand; im selben “Wikipedia”-Artikel steht aber auch, dass in Russland “statt des Vorstandes der Aufsichtsrat als ‘Rat der Direktoren'” bezeichnet werde.

Der frühere Bundeskanzler wird also kein Vorstandsgehalt bei dem russischen Öl-Konzern bekommen, sondern ein Aufsichtsratsgehalt. Im Rosneft-Jahresbericht für 2016 (PDF, Seite 202) steht, dass die Mitglieder des “Board of Directors” im vergangenen Jahr jeweils zwischen 550.000 und 580.000 US-Dollar erhalten haben. Den neun elf* Mitgliedern des “Management board” zahlte Rosneft 2016 insgesamt 3.726.609.809 Rubel (Seite 203), was, je nach Wechselkurs, den von Filipp Piatov erwähnten 52 Millionen Euro entspricht. Die Summe, die die Mitglieder des “Board of Directors” bekommen haben und die für die Berichterstattung über Gerhard Schröder relevant wäre, erwähnt Piatov nicht. Entweder kannte er sie nicht oder er wollte sie nicht kennen oder er dachte wirklich, dass Schröder ein Kandidat für den Rosneft-Vorstand ist.

Mit Dank an @matthiasquenzer für den Hinweis!

*Nachtrag, 20. August: Bei dem “Bild”-Bericht ist noch mehr falsch als bisher gedacht. Anders als von Autor Filipp Piatov behauptet, besteht der Rosneft-Vorstand (“Management Board”) nicht aus neun, sondern aus elf Personen. So steht es im Rosneft-Jahresbericht für 2016 (PDF, Seite 193):

The number of members of the Company’s Management Board has not changed and totals 11 persons.

Somit verteilen sich die 3.726.609.809 Rubel (rund 52 Millionen Euro), die Rosneft im vergangenen Jahr ans gesamte “Management Board” zahlte, nicht auf neun, sondern auf elf Personen. Im Schnitt bekam also jeder etwa 4,7 Millionen Euro. Piatov hatte geschrieben, dass jedes Rosneft-Vorstandsmitglied im Schnitt “fast sechs Millionen Euro” bekommen hat.

Diese falsche Summe ist übrigens nicht im “Bild”-Kosmos geblieben — sie hat es auch zu FAZ.net geschafft. Eckart Lohse und Markus Wehner schreiben dort:

Die Tätigkeit der bisherigen neun Mitglieder des Aufsichtsrats waren zuletzt mit 52 Millionen Euro an Gehältern, Boni und Zuschüssen dotiert worden, fast sechs Millionen Euro je Person.

Auch wenn die beiden “FAZ”-Autoren es im Gegensatz zu Piatov hinbekommen, Altkanzler Gerhard Schröder mit dem Aufsichtsrat von Rosneft in Verbindung zu bringen und nicht mit dem Vorstand des Unternehmens, ist der Absatz falsch: Die neun Aufsichtsratsmitglieder bekamen 2016 nicht 52 Millionen Euro, sondern deutlich weniger (siehe oben). Offenbar haben Lohse und Wehner bei Piatov abgeschrieben — oder sie benutzen rein zufällig denselben Rubel-Euro-Wechselkurs wie der “Bild”-Autor und kommen rein zufällig auf dieselben falschen “sechs Millionen Euro je Person”.

Mit Dank an Klaus D. für den Hinweis!

Nachtrag 2, 20. August: Das FAZ.net-Team hat auf unsere Kritik reagiert und den Artikel transparent korrigiert.

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