Suchergebnisse für ‘fußball’

FC Wutbayern, Russlands Berliner Medienzentrale, Seifenoper Politik

1. Geschlossenheit als Drohung
(deutschlandfunk.de, Daniel Bouhs, Audio: 5:03 Minuten)
Der FC Bayern hat vergangene Woche eine Pressekonferenz veranstaltet, die wohl in die Fremdschäm-Geschichte eingehen wird. In einem, wegen seiner Peinlichkeit schwer zu ertragenden, Rundumschlag machten die Bayern-Chefs die Medien zu den Schuldigen an was auch immer. Eine “respektlose Berichterstattung” wolle man nicht mehr akzeptieren. Daniel Bouhs kommentiert die denkwürdige Veranstaltung.

Weiterer Lesetipp: Stefan Frommann (Ressortleiter Welt.de) kommentiert: “Die Bayern demaskierten sich als provinziell und beendeten auf schauerliche Weise die Mär vom Weltklub.”
Und “SZ”-Autor Philipp Selldorf hat in einer Glosse gleich mal ein Stück Lobhudel-Berichterstattung nach dem Geschmack der Bayern-Bosse vorgelegt: Bayern gibt eine Lehrstunde im modernen Fußball.

2. Russlands heimliche Medienzentrale in Europa
(t-online.de, Jan-Henrik Wiebe)
Drei russische Medienkanäle berichten aus Berlin: “Ruptly”, “Redfish” und “Maffick”. Vor allem im Netz sind die Beiträge sehr erfolgreich und werden oft geteilt. Verschwiegen wird jedoch, dass ihr Besitzer der russische Staat ist. Und der verfolgt seine eigenen Interessen. Jan-Henrik Wiebe ist der Sache für t-online.de nachgegangen.

3. Warum müssen Wirtschaftsredakteure noch arbeiten?
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff philosophiert in seiner Kolumne über die tollen Geld-Vermehr-Tipps von Wirtschaftsredakteuren: “Ein bisschen was haben diese ewigen Kauft-Aktien-Predigten von Totemtänzen wilder Medizinmänner, die durch stetes Stampfen auf den Boden für Regen sorgen sollen. Mal klappt’s, mal klappt es nicht. Und die Grundfrage, warum die Wirtschaftsredakteure anstatt in Gold zu baden immer noch arbeiten, obwohl sie doch den todsicheren Tipp haben, diese Frage bleibt eine fürs ewige Buch der Mysterien.”

4. Königliche Rückrufaktion
(sueddeutsche.de, Nora Reinhardt)
In Großbritannien löschen Bildagenturen schon mal Fotos, die dem britischen Hof nicht gefallen. Jüngstes Beispiel: ein Foto eines ungünstig sitzenden Rocks. Ob dies aus bloßer Nettigkeit oder vorauseilendem Gehorsam geschieht, ist schwer zu sagen. Aber die Bildagenturen sind auf das Wohlwollen des Buckingham Palace angewiesen, was sich auf die Bereitschaft auswirken könnte, Löschwünschen zu entsprechen.

5. Drama, Drama, Drama
(taz.de, Bettina Gaus)
Bettina Gaus geht in ihrer Kolumne mit dem politischen Journalismus ins Gericht: “Wer Politik mit einer Seifenoper verwechselt und in Kauf nimmt, dass angekündigte Stürme regelmäßig nur im Wasserglas toben, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Glaubwürdigkeit leidet.”

6. I forced a bot…
(twitter.com/KeatonPatti)
Comedy-Autor Keaton Patti will einen Bot dazu gebracht haben, sich mehr als 1.000 Stunden lang “Ted Talks” anzuschauen. Aus den Erkenntnissen habe dieser dann einen eigenen (recht speziellen) “Ted Talk”-Ablauf konstruiert.

“Ich kann noch alles ändern”

Ich sage dies, weil es teilweise bekannt ist, weil es Fotos gibt — und dass ich “Vetternwirtschaft” oder Beeinflussung bei dieser Recherche trotzdem komplett ausgeschlossen habe.

Das versprach “Bild”-Kolumnist Alfred Draxler im Oktober 2015. Sein Text zur Sommermärchen-Affäre, zur möglicherweise gekauften Fußball-WM 2006 in Deutschland, war laut Draxler das Ergebnis einer “Intensiv-Recherche”:

Screenshot Bild.de - Das Sommermärchen war nicht gekauft - So war es wirklich mit den 6,7 Millionen Euro

Draxlers Unabhängigkeitserklärung, die Betonung, er habe “Beeinflussung bei dieser Recherche” komplett ausgeschlossen, wirkte damals bereits ziemlich lächerlich, schließlich beruhte sein Freispruch für seine Kumpels beim Deutschen Fußball-Bund einzig auf “langen und intensiven” Gesprächen mit seinen Kumpels beim Deutschen Fußball-Bund. Jetzt scheint sich Draxlers Beteuerung als glatte Lüge zu entpuppen.

Ein Text im aktuellen “Spiegel” zu einem Gerichtsurteil rund um das Sommermärchen beginnt mit dieser Geschichte:

Das Arbeitsprinzip des Sportjournalisten Alfred Draxler ist das eines Unterziehleibchens: Keiner klebt so eng am Deutschen Fußball-Bund wie der Chefkolumnist der “Bild”, keiner umgarnt die großen Namen so hautfreundlich wie Draxler.

Das war schon so, als er 2015 den Verband nach einer angeblichen “Intensiv-Recherche” in Schutz nahm. Nein, das Sommermärchen, die deutsche WM 2006, sei nicht gekauft gewesen, schrieb er in einer Kolumne. Was der Leser damals nicht erfuhr: dass Draxler seinen Artikel zuvor noch dem amtierenden DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach zum Gegenlesen geschickt hatte, mit der devoten Betreffzeile “Ich kann noch alles ändern.”

Genauso ging das Stück vorab auch an Elvira Netzer, Ehefrau von Altstar Günter Netzer, der ebenfalls in jenen dubiosen Deal um 6,7 Millionen Euro aus der deutschen WM-Kasse verwickelt war: “Ich kann noch alles ändern.”

Alfred Draxler soll seinen Text also den Leuten, über die er berichtet hat, zum Gegenlesen geschickt und ihnen versprochen haben, er könne “noch alles ändern” — und hat dann in genau diesen Text geschrieben, dass er “bei dieser Recherche” Beeinflussung “komplett ausgeschlossen” habe.

Ein anderer Satz in Draxlers DFB-Verteidigungsschrift lautete:

ICH BIN MIR BEWUSST, DASS ICH MIT DIESEM ARTIKEL MEINE REPUTATION ALS JOURNALIST UND REPORTER AUFS SPIEL SETZE.

Kai Diekmann, damals noch “Bild”-Chefredakteur, fand das wohl so überzeugend, dass er in gleich zwei Tweets jubelte, was für eine vermeintliche “Hammer!!!”-Enthüllung seinem Kolumnisten Draxler da gelungen sei. Und auch für die “Zeit” wurde es etwas peinlich: Den redaktionellen Twitter-Account hatte auf Einladung “Bild am Sonntag”-Chefredakteurin Marion Horn übernommen, die im Namen der “Zeit” ihrem “Bild”-Kollegen zur Seite sprang und schrieb, dass sie “keinen Grund” habe, “an den Recherchen von Alfred Draxler zu zweifeln”. Zu diesem Zeitpunkt war schon recht offensichtlich, dass es sich nicht um eine Recherche handelte, sondern lediglich um einen Kniefall vor DFB-Buddys.

Alfred Draxler schreibt auch heute noch über die Sommermärchen-Affäre. Am Dienstag erschien in “Bild” ein Artikel von ihm mit der Überschrift “Kein Stimmenkauf!”. Auch dazu finden die “Spiegel”-Redakteure Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt sehr treffende Worte:

So gesehen war es keine Überraschung, dass Draxler in dieser Woche wieder für den DFB jubelte. Hintergrund: Das Landgericht Frankfurt hatte die Sommermärchen-Anklage gegen drei Ex-Funktionäre des DFB verworfen, darunter Niersbach. Den Beschluss legte Draxler gewohnt verbandsnah aus: “Der schwere Vorwurf des Stimmenkaufs wurde entscheidend entkräftet.” Eine Lesart, die mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun hat.

Die Frage, ob das Sommermärchen gekauft war oder nicht, war nämlich zu keinem Zeitpunkt Gegenstand der zweieinhalb Jahre währenden Ermittlungen.

Mehr zu Alfred Draxlers Tätigkeit als inoffizieller DFB-Pressesprecher:

Übertreiben? Da ist Bild.de dabei!

Kevin Großkreutz, einst Fußball-Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft und derzeit Spieler beim KFC Uerdingen in der 3. Liga, wird künftig das Trainerteam eines Landesliga-Klubs beraten. Großkreutz’ Vater ist dort, beim VfL Kemmingshausen, Vorsitzender, sein Freund Reza Hassani ist Trainer, Großkreutz selbst spielte in seiner Jugend in dem Verein.

Auch Bild.de berichtet über die neue Aufgabe von Kevin Großkreutz. Im Artikel steht unter anderem:

Großkreutz in den “Ruhr Nachrichten” über seine neue Rolle: “Reza ist verantwortlich, da will ich mich auch gar nicht aufspielen”. Und weiter: “Mich Co-Trainer oder gar Trainer zu nennen, wäre übertrieben”.

Übertreiben? Kaum etwas machen sie bei “Bild” und Bild.de lieber. Und so lautet die Überschrift zum Artikel folgerichtig:

Screenshot Bild.de - Ex-Nationalspieler - Großkreutz wird Co-Trainer in der Landesliga

Gesehen bei @ralfheimann.

Richtige Worte, Journalistenmord, Ronaldo und das lange Schweigen

1. Liebe @fr
(twitter.com/berufslesbe, Friederike Wenner)
Friederike Wenner kritisiert auf Twitter die Wortwahl eines Beitrags der “Frankfurter Rundschau” über den Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege und dessen Arbeit. Dabei findet sie Worte, die von so grundsätzlicher Natur sind, dass sie in das Handbuch einer jeden Redaktion gehören. Die “FR” hat sich zu dem Vorgang wiederum vorbildhaft selbstkritisch geäußert und eine Überarbeitung der Formulierungen vorgenommen.

2. Wurde Kashoggi in Istanbul ermordet?
(tagesschau.de)
Der regierungskritische saudische Journalist Jamal Khashoggi wollte sich im Istanbuler Konsulat seines Landes nur kurz Unterlagen für seine anstehende Hochzeit besorgen und tauchte anschließend nicht mehr auf. Medien berichten von einem Mordkomplott.
Weiterer Lesehinweis: In Bulgarien wurde die TV-Journalistin Wiktorija Marinowa vergewaltigt und ermordet. Sie soll zu Korruption und Betrug mit EU-Geldern recherchiert haben. (zeit.de)

3. ARD und ZDF prüfen rechtliche Schritte gegen AfD
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Nach Recherchen von t-online.de nutzt die AfD offenbar systematisch urheberrechtlich geschütztes Material der öffentlich-rechtlichen Sender für Parteiwerbung. Dabei gehe es vor allem um Videos von Interviews und Talkshows der öffentlich-rechtlichen Medien, die die Partei mit eigenen Botschaften und oft mit dem AfD-Logo versehe. t-online.de hat die AfD zu den möglichen Urheberrechtsverstößen befragt. Dort gibt man sich unwissend: Bislang hätten sich keine Sender an die AfD mit der Aufforderung gewandt, Inhalte zu löschen. Dies widerspricht jedoch Angaben von WDR und RBB.

4. Zum Beitrag des „heute journals“ über die geplante Änderung der rumänischen Verfassung zur bzw. gegen die „Ehe für alle“
(twitter.com/SebMeineck, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck beschäftigt sich in einem Twitter-Thread mit einem “heute Journal”-Beitrag über die geplante Änderung der rumänischen Verfassung zur bzw. gegen die “Ehe für alle”. Der Beitrag sei “ein Beispiel dafür, wie die scheinbar neutrale Gegenüberstellung von extremen und liberalen Standpunkten zu einem diskriminierenden Ergebnis führt.”

5. Cristiano Ronaldo und das lange Schweigen der dpa
(morgenpost.de, Kai-Hinrich Renner)
Als der “Spiegel” über Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Fußballer Cristiano Ronaldo berichtet, ist von der Nachrichtenagentur dpa erstmal nichts zu hören. Das Schweigen könnte mit weiterer Recherche zu tun haben, aber auch mit einem einschüchternden Medienanwalt, der für seine Mandanten gerne “Informationsschreiben” verschickt, welche eine Berichterstattung verhindern sollen. dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger hat Kai-Hinrich Renner in einem Twitter-Thread öffentlich geantwortet: “Lieber Herr Renner, nein, Schertz war kein entscheidender Grund dafür, dass wir erst nach mehreren Tagen auf die Vorwürfe gegen Ronaldo eingestiegen sind. Wir hätten auch ohne das presserechtliche Informationsschreiben nicht anders gehandelt.”

6. Dann nennt uns doch Lügenpresse!
(spiegel.de, Ferda Ataman)
“Spiegel Online”-Kolumnistin Ferda Ataman denkt über Deutschlands Medienlandschaft und seine Lügenpresse-Rufer nach: “Der Lügenpresse-Vorwurf kommt entweder von Leuten, die nicht wissen, was Meinungsfreiheit ist. Oder von Leuten, die finden, dass alle Medien ihre Ansicht verbreiten müssen. Tun sie das nicht, ist das ein Beweis dafür, dass die Meinungsfreiheit unterdrückt wird.” Und sie macht auf einen geradezu absurden Umstand aufmerksam: “Nicht wenige von denen, die sich heute als Opfer angeblicher Zensur inszenieren, würden die ihnen unliebsame Presse am liebsten selbst zensieren.”

Keine Extrawürste für “Bild”-Reporter? Das gibt Ärger!

Christian Titz, Trainer der Profi-Fußballer des HSV, soll die Tradition seiner Vorgänger, Extrawürste an “Bild”-Reporter zu verteilen, nicht fortgeführt haben. Dafür soll Titz nun den Zorn der “Bild”-Redaktion spüren. Das berichten jedenfalls andere Hamburger Medien.

Tatsächlich steht Christian Titz in den “Bild”-Medien besonders in der Kritik. Nach der — zugegeben, blamablen — 0:5-Heimniederlage gegen Jahn Regensburg stellte Bild.de den Posten des Trainers direkt in Frage:

Screenshot Bild.de - HSV-Trainer bei zwei weiteren Pleiten weg? Titz unter Druck

Und “Bild” titelte zur Niederlage:

Ausriss Bild-Zeitung - Dieser HSV ist ein Titz

Es folgten ein 0:0 gegen die SpVgg Greuther Fürth und ein weiteres 0:0 im Stadtderby gegen den FC St. Pauli am vergangenen Wochenende. Und schon wieder fragen sie sich bei “Bild”, ob es das für Christian Titz jetzt gewesen ist:

Ausriss Bild-Zeitung - 0:0 gegen St. Pauli - Jetzt letzte Chance für Titz?

Dazu muss man wissen: Aktuell liegt der HSV auf Platz 4 der 2. Fußball-Bundesliga. Nach der 0:5-Klatsche gegen Regensburg stand der Klub sogar noch auf Platz 2. In den Sportteilen der lokalen Medien gab und gibt es natürlich auch Kritik am HSV-Trainer, gerade nach der deutlichen Niederlage vor eineinhalb Wochen. Es wird dort aber längst nicht so hart gegen ihn geschossen wie bei “Bild”.

Woher kommt die harsche Kritik der “Bild”-Redaktion? Lars Albrecht, stellvertretender Sportchef der “Hamburger Morgenpost” erklärte sie bereits am 25. September so:

Eine Zeitung mit vier Buchstaben, die nicht MOPO heißt, hat es sich zum klaren Ziel gemacht, Christian Titz als HSV-Trainer abzusägen. Die Kampagne läuft schon lange vor und hinter den Kulissen auf Hochtouren, das 0:5 gegen Regensburg kam da gerade recht, im Derby wird dann nun wohl St. Pauli die Daumen gedrückt.

Klar, der “Trainer-Lehrling” (BILD) hat Fehler gemacht – wie jeder andere Trainer auch. Er hat es aber auch mit seiner unvergleichlichen Art geschafft, die Fans trotz des Abstieges für die 2. Liga zu mobilisieren, sie wieder hinter die Mannschaft zu stellen. Der HSV lebt!

Nach dem Derby gegen den FC St. Pauli wird die “Mopo” konkreter. Simon Braasch und Christian Jung schreiben:

Erschwert, und auch das beklagt Titz offen, werde dieser Prozess durch äußere Einflüsse. “Wenn du beim HSV Trainer bist und deine Spiele nicht gewinnst, gibt es immer ein gewisses mediales Tohuwabohu”, erklärt der Coach und schmückt etwas nebulös aus: “Ich nehme gewisse Aufmerksamkeiten wahr. Das Thema, dass man sich auf gewisse Dinge fokussiert, hat schon vor einiger Zeit begonnen.”

Um zu wissen, was genau Titz damit meint, muss man die Hintergründe kennen. Denn einen seit Monaten wirklich schweren Stand (unabhängig von Ergebnissen) hat der Trainer eigentlich nur bei einem Medium, allerdings Deutschlands lautestem, der “Bild”. Darüber, warum das so ist, hält sich vor allem eine Darstellung hartnäckig.

So soll der Trainer zu Beginn seiner Amtszeit im März recht zügig klargestellt haben, dass er im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger nicht beabsichtige, gesondert mit “Bild” kooperieren zu wollen, woraufhin ihm gegenüber unverhohlen angedeutet worden sein soll, er könne sich dann auf ein deutlich schwereres Leben als HSV-Trainer einstellen. War dem so, wurde diesbezüglich Wort gehalten.

Und Kai Schiller schreibt im “Hamburger Abendblatt” zum selben Gerücht:

Dass nach dem dritten Spiel in Folge ohne Sieg und ohne Tor nicht jeder Kritiker so schnell zufriedengestellt werden kann, dürfte Trainer Titz spätestens nach der Lektüre der “Bild”-Zeitung am Morgen klar gewesen sein. “Jetzt letzte Chance für Titz?”, hatte die Boulevardzeitung getitelt — und damit den roten Faden der Berichterstattung der vergangenen Tage konsequent aufgenommen. “Dieser HSV ist ein Titz”, hatte die “Bild” nach dem 0:5 gegen Regensburg getitelt. Danach folgte: “Titz unter Druck — zwei Pleiten könnten schon sein Aus bedeuten.”

Warum Titz, der noch bis zur vergangenen Woche hinter Legende Branko Zebec der nach Punkten und Siegen erfolgreichste HSV-Coach der Clubgeschichte war, so hart kritisiert wird, beantwortet Matthias Müller, Sportchef der Hamburg-Ausgabe der “Bild”, auf Nachfrage so: “Unsere Berichterstattung über den HSV spiegelt das Ergebnis unserer Recherchen wider. Nicht mehr — und nicht weniger.”

Ein anderer Erklärungsansatz könnte dieser sein: Nach Informationen des Abendblatts hatte sich Titz direkt nach seiner Beförderung zum Cheftrainer die Chuzpe herausgenommen, der “Bild” — anders als die meisten seiner Vorgänger — keine Privataudienz nach den wöchentlichen Spieltagskonferenzen zu gewähren. Was erlauben Titz?

Mit Dank an Dirk H., Martin R. und Anonym für die Hinweise!

Kurz korrigiert (514)

Um bei “Bild” Sportchef zu werden, muss man besondere Fähigkeiten besitzen. Man muss während eines Fußballspiels zum Beispiel Dinge sehen, die andere nicht sehen.

Walter M. Straten, aktueller “Bild”-Sportchef, kann das. Zum gestrigen Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern München und Bayer 04 Leverkusen schreibt er in “Bild am Sonntag” und bei Bild.de:

Ausriss Bild am Sonntag - Die Lage der Liga - von Walter M. Straten über die Trainer-Psychose - Feigheit vor den Bayern wird immer bestraft

Heiko Herrlich dachte wirklich, wenn er seine Leverkusener zu einer Maurer-Truppe umbaut, könnte er sich einen Punkt ermörteln. Julian Brandt, der beim Frankreich-Spiel in München noch so begeistert hat, wurde zunächst sogar geopfert.

Für Laien wie uns ist es schwer zu sagen, was einen Fachmann wie Straten da “so begeistert hat” — Leverkusens Julian Brandt kam beim 0:0-Unentschieden der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich gar nicht zum Einsatz.

Mit Dank an Frank L. für den Hinweis!

Nachtrag, 13:19 Uhr: Bei Bild.de haben sie den Fehler inzwischen korrigiert. Dort heißt es nun:

Heiko Herrlich dachte wirklich, wenn er seine Leverkusener zu einer Maurer-Truppe umbaut, könnte er sich einen Punkt ermörteln. Julian Brandt, der beim Peru-Spiel noch so begeistert hat, wurde zunächst sogar geopfert.

Beim 2:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Peru hat Julian Brandt auch tatsächlich mitgespielt und sogar ein Tor erzielt. Kann also gut sein, dass er den “Bild”-Sportchef “begeistert” hat.

Walter M. Straten hat die Sache auch bei Twitter noch mal geradegerückt:

Screenshot eines Tweets von Bild-Sportchef Walter M. Straten - Danke für alle Hinweise! Ich habe im Eifer des Gefechts Mist  geschrieben. SORRY!!! Also: Mich hat Julian Brandt gegen Peru begeistert  – und nicht gegen Frankreich auf die Bank

Besinnungslos durchformatiert, Götz-en-Anbetung, Analoger Clickbait

1. Eine Show, die nur Action will
(zeit.de, Matthias Dell)
Matthias Dell hat sich die Sendung “Dunja Hayali” im ZDF zu den rassistischen Aufwallungen in Chemnitz angeschaut. Dell kritisiert die “bis zur Besinnungslosigkeit durchformatierte” Sendung mit den Worten: “Das Traurige an der Dunja-Hayali-Sendung ist, dass mehr Energie und Originalität in die Frage fließt, wie man in Einspielfilmen Namen von Protagonisten geil einblenden kann (mit Sendungslogo, schicken Linien und zeitweisen Unschärfen), als in jede inhaltliche Beschäftigung mit dem Thema, um das es geht.”

2. Zu Besuch bei Götz Kubitschek
(twitter.com/agitpopblog)
Seit Jahren besuchen Journalisten den Protagonisten und Publizisten der Neuen Rechten Götz Kubitschek auf dessen Rittergut im sachsen-anhaltischen Schnellroda. Das Ergebnis dieser Besuche sind oft verklärt-verquaste und romantisierende Homestories. Der Twitterer “Baron von Agitpop” hat einige Beispiele der letzten Zeit zusammengestellt und wendet sich mit einer Forderung an die Journalisten: “Wenn es schon das 20. Kubitschek-Profil sein muss (WENN), dann kommt der Selbstdarsteller woanders hin. Ihr fahrt *nicht* nach Schnellroda, wo er die Deutungshoheit über sein Image hat.”

3. Fußballjournalismus: Die Kunst des Kommentars
(fachjournalist.de, Michael Schaffrath)
Fußball-Reporter und -Reporterinnen stehen besonders im Fokus von Kritik. Das war schon immer so, doch neue Medien wie Facebook und Twitter verschärfen das Phänomen bis zu gelegentlichen Shitstorms. Ist die Kritik an den Sport-Kommentatoren gerechtfertigt? An der TU München wurde die “Qualität der Live-Kommentierung bei der EURO 2016” untersucht. Der für diesen Bereich verantwortliche Leiter der Sportfakultät fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

4. Jeder Dritte rechnet mit „Fake News“
(faz.net)
Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat sich in 27 Ländern nach dem Vertrauen der Menschen in Medien umgehört. Fast jeder dritte Deutsche sei der Überzeugung, häufig oder regelmäßig auf bewusste Falschmeldungen zu stoßen. Damit geht es Deutschland im Vergleich relativ gut: In allen anderen untersuchten Ländern war das Vertrauen in Medien geringer.

5. Späte Revolution beim “Spiegel”
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Der “Spiegel” gehört zu etwa einem Viertel Gruner+Jahr, zu einem Viertel den Augstein-Erben und zur Hälfte der Mitarbeiter-KG, was auf eine Schenkung des Magazingründers Rudolf Augstein zurückgeht. Bislang herrschte jedoch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Haus, denn Mitarbeiter von “Spiegel Online” konnten nicht Teilhaber der KG werden. Nun gibt es Bestrebungen, dies sukzessive zu ändern.

6. Daher kommt der Clickbait
(facebook.com/Walulis, Video: 9:47 )
Medien-Satiriker Walulis beschäftigt sich in seiner neuesten “Walulyse” mit den Erfindern des analogen Clickbaits: den Klatschzeitschriften der Regenbogenpresse. Ihm zur Seite: Yellow-Press-Experte Mats Schönauer vom “Topf voll Gold”, der erklärt, wie hemmungs- und gewissenlos die Branche schwindelt, täuscht und trickst.

Sarrazins Stöckchenspringer, Supernova des “ND”, Stumme Stimme

Hinweis: Wegen des aktuellen Geschehens in Chemnitz gibt es heute eine “6 vor 9”-Sonderausgabe, die sich ausschließlich diesem Thema widmet.

1. Sarrazin, Trump und die Medien: Ah, ein Stöckchen!
(dwdl.de, Hans Hoff)
Anlässlich der Vorstellung von Thilo Sarrazins neuem Faktenverdreh-Schmöker fragt sich Hans Hoff, ob die Medien über jedes Stöckchen springen sollten, das man ihnen hinhält. Natürlich nicht, so seine Botschaft, aber das sei alles andere als einfach: “Wie man’s macht, macht man es falsch. Im Prinzip müsste ich diesen Text noch vor Veröffentlichung in die Tonne kloppen, um nicht auch zum heimlichen Umsatzbeförderer zu werden. Ich tue es nicht und spüre sofort, in welchem Dilemma all die Kollegen da draußen stecken. Man möchte was sagen, was man besser nicht sagen sollte, aber meint, unbedingt sagen zu müssen. Und dann sagt man es halt und macht es wieder falsch. Stinknormaler Journalismus dieser Tage.”

2. Facebook ist das neue Sportfernsehen
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Facebook wehrt sich stets gegen die Einordnung als Medienunternehmen mit dem Hinweis, man würde keine eigenen Inhalte anbieten. Doch im Sportbereich tritt Facebook durchaus als Inhalteanbieter auf: Das Netzwerk hat für viel Geld Übertragungsrechte für europäischen Spitzenfußball gekauft. Was es damit auf sich hat und welche Technologie-Konzerne ebenfalls im lukrativen Sportgeschäft mitmischen wollen, erklärt Adrian Lobe in der “Medienwoche”.

3. Hoffen auf ein helles Wunder
(taz.de, Anne Fromm)
Viele Medien haben sich in den letzten Jahren Online-Begleitboote für Millenials und junge Leser zugelegt. Nun will es auch das “Neue Deutschland” wissen und startet am Mittwoch ein Portal für junge Linke. “Supernova” heißt die Seite, auf der sich künftig drei Redakteure um eine jüngere Leserschaft bemühen wollen.
Weiterer Lesehinweis: Hier erklärt das “Supernova-Kollektiv” die Intention des linken Lifestyle-Magazins: Hauptsache, es knallt.

4. Reuters-Journalisten in Myanmar zu sieben Jahren Haft verurteilt
(diepresse.com)
Zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters sind in Myanmar wegen der “Verletzung von Staatsgeheimnissen” zu siebenjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten über die Ermordung von zehn Männern und Jungen recherchiert, die der muslimischen Minderheit der Rohingya angehörten.
Weitergehende Informationen zur Lage der Pressefreiheit in Myanmar gibt es bei den “Reportern ohne Grenzen”.

5. Network des Schweigens
(faz.net)
Nach Angaben von “New York Times” und “The Daily Beast” soll der amerikanische Fernsehsender NBC News versucht haben, die Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein zu vertuschen. Nach monatelangen Recherchen hätte es von der Chefetage die Anweisung gegeben, kein Interview mit einem mutmaßlichen Weinstein-Opfer zu führen und die ganze Geschichte fallenzulassen.

6. Eine Stimme verstummt
(sueddeutsche.de, Nikolaus Piper)
Die “Village Voice”, die älteste Alternativzeitung Amerikas, wird eingestellt. Ende der Sechzigerjahre war die “Voice” die meistverkaufte Wochenzeitung der Vereinigten Staaten, vor knapp einem Jahr wurde die Druckausgabe eingestellt, und nun hat der Verleger das endgültige Aus des Magazins verkündet.

Chemnitz im Würgegriff, Verpanschte Sprachkritik, Youtubes Werberausch

1. +++ »Nazis werden Tag als Sieg verbuchen« +++
(neues-deutschland.de, Sebastian Bähr & Robert D. Meyer)
In Chemnitz marschierten Tausende gewaltbereiter Hooligans und Rechtsradikale auf. Ein gefährliches Pflaster auch für erfahrene Journalisten, die sich teilweise akut gefährdet sahen und den Rückzug antraten. Sebastian Bähr war vor Ort und hat das Geschehen protokolliert.
Weitere Lesehinweise: Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach stört sich an der Erzählweise von den “rechten und linken Demonstranten”. Auf seinem Blog schreibt er: “Es ist nicht links, gegen Nazis zu sein und aufzustehen, wenn sie marschieren oder rennen. Es ist normal.”
Thomas Laschyk kommentiert beim “Volksverpetzer”: “Durch selektive Wahrnehmung, Bots und Fake-Accounts und Fake News wurde in den letzten Jahren der Grundstein für den Faschismus gelegt. 2015 wurde zur Dolchstoßlegende des 21. Jahrhunderts konstruiert. Ein austauschbarer Anlass wurde genutzt, um die Früchte des Hasses zu ernten und auf die Straße zu tragen. Und jetzt, wird in Chemnitz auf der Straße ausgetestet, ob sich der Faschismus auch da draußen halten kann.”

2. Die Fabrikantin
(sueddeutsche.de, David Denk)
Wenn ihren Namen auch nur Insider kennen: Ute Biernat ist so etwas wie die Frontfrau der deutschen Fernsehunterhaltung. Die 58-Jährige ist Geschäftsführerin der Showsparte des Produktionsriesen Ufa und verantwortet dort Formate wie “Bauer sucht Frau” und “DSDS”. Anlässlich des aktuell bei Sky anlaufenden “X-Factor” hat David Denk die Schnellarbeiterin und Spezialistin für leicht verderbliche TV-Ware porträtiert.

3. Sprachkritik am DFB: Verband distanziert sich von eigenem Sponsor
(stefan-fries.com)
Der “Verein Deutsche Sprache” verleiht jedes Jahr einen Negativpreis. Dieses Jahr ging die Auszeichnung “Sprachpanscher des Jahres” an den Deutschen Fußballbund (DFB). Stein des Anstoßes: Das Motto “Best never rest”, das man mit dem DFB in Zusammenhang gebracht hatte. Der Sportverband reagierte verschnupft, denn das Motto stamme nicht vom DFB, sondern von DFB-Sponsor Mercedes. Stefan Fries kommentiert den in mehrfacher Hinsicht unglücklichen Vorgang: “Es ist schon eine bemerkenswerte Übung in Kritikfähigkeit, die der DFB hier zeigt. Da geht praktisch komplett unter, dass der Verein Deutsche Sprache den Urheber des Slogans tatsächlich falsch ausgemacht hat. Er müsste sich an Mercedes richten. Dass der DFB aber nun plötzlich nichts mehr damit zu tun haben will, wie er hier behauptet, ist von einer interessanten Verantwortungslosigkeit.”

4. „Wir geben nicht auf!“
(message-online.com, Mirjam Bittner & Pia Seitler)
Der französische Journalist Laurent Richard gründete das Netzwerk “forbidden stories”, das die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten weiterverfolgen will, die sich bedroht fühlen oder bereits getötet wurden — wie die bekannte Journalistin Daphne Caruana Galizia, die auf Malta einer Autobombe zum Opfer fiel. Das sogenannte Daphne-Projekt war das erste Projekt von “forbidden stories”: Journalisten von 18 Medienorganisationen aus 15 Ländern recherchierten gemeinsam, um die Arbeit der ermordeten Kollegin weiterzuführen.

5. Youtube: Nicht überspringbare Werbung wird ausgeweitet
(t3n.de)
Bei Youtube wird’s für die Zuschauer ungemütlicher: Das Videoportal weitet seine nicht überspringbare Werbung aus. Das hat natürlich einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund: Man will die Werbeerlöse steigern, aber auch Nutzer für die werbefreien Abo-Modelle Youtube Music und Youtube Premium gewinnen.

6. Die Buchgestalterin und Schriftstellerin Roswitha Quadflieg
(deutschlandfunk.de, Audio, 90 Minuten)
“Die unendliche Geschichte” von Michael Ende kennen Millionen: Das 1979 im Thienemanns Verlag erschienene Buch hat eine ganze Generation von Lesern und Leserinnen geprägt. Gestaltet wurde es von der Schriftstellerin und Diplom-Designerin Roswitha Quadflieg, die seinerzeit kein Pauschalhonorar, sondern einen Anteil von zwei Prozent vereinbart hatte. (Was eine ziemlich gute Entscheidung war, um es zurückhaltend zu formulieren.) Im “Deutschlandfunk” spricht sie über diese Episode, aber auch ihre weiteren schriftstellerischen Projekte.

100 Leid-Artikel, Das Fegefeuer des Wettergotts, Blick auf RB Leipzig

1. “Wir sind nicht die Feinde des Volkes”
(sueddeutsche.de, Christian Zaschke)
Der amerikanische Präsident Donald Trump überzieht die Medien seit seinem Amtsantritt mit hasserfüllten Attacken und bezeichnet sie öffentlich gar als “Feinde des Volkes”. Auf Initiative des “Boston Globe” haben sich mehr als 100 Zeitungsredaktionen in den USA zusammengeschlossen, um ein Zeichen gegen Trump und seine pressefeindliche Agitation zu setzen: Am heutigen Donnerstag erscheint in jedem der Blätter ein Leitartikel, der sich kritisch mit Trumps Angriffen auseinandersetzt.

2. Huch, Agathe, die Leser schreiben!
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Die “Deutsche Welle” hat vor ein paar Tagen die Kommentarfunktion unter ihren Beiträgen weitgehend abgeschaltet. Man sehe sich außerstande, die Vielzahl von teilweise hasserfüllten und beleidigenden Kommentaren zu moderieren. Sascha Lobo hält dies für eine falsche Entscheidung. Eigene Communities seien der kritische Erfolgsfaktor von Medienseiten. Daher würde es sich lohnen, in diese zu investieren: “Man muss das nur wollen und eben bezahlen wollen — eine Prioritätenfrage. Aber da Kommentarverachtung unter Medienpeople zum guten Ton gehört, möchte man in diese Latrine natürlich nicht auch noch Geld hineinwerfen.”

3. Jörg Kachelmann im Interview: “Warum schreibt ihr so einen Scheiß?”
(hna.de, Matthias Lohr)
Medienvertreter, die den Wetterexperten Jörg Kachelmann interviewen, müssen Nehmerqualitäten haben. “HNA”-Redakteur Matthias Lohr hat sich der Herausforderung gestellt und mit Kachelmann telefoniert. Sein Artikel endet mit den Worten: “Falls es einen Wettergott gibt, wünscht man sich nach diesem Interview, dass es bitte nicht Jörg Kachelmann sein möge. Sonst wird es für einen im Fegefeuer sehr viel heißer werden als diesen Sommer. Und trockener sicher auch.”

4. “Kinder werden nicht zu Nazis, wenn sie ein Hakenkreuz sehen”
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Bislang waren Hakenkreuze, SS-Runen oder der Hitlergruß in Computerspielen verboten, doch die Prüf- und Freigabestelle USK hat diese Regelung aufgehoben. Lisa Hegemann hat für “Zeit Online” mit der Medienwissenschaftlerin Lisa Gotto über die möglichen Folgen gesprochen. Gotto hat keine Bedenken, dass es nun zu einer Hakenkreuz-Überflutung kommt: “Die USK wird auch künftig noch jedes Computerspiel einzeln daraufhin prüfen, ob es für Kinder und Jugendliche geeignet ist. Auch in anderen Medien werden Nazisymbole ja nicht inflationär abgebildet, nur weil man sie theoretisch zeigen darf.”

5. Tschüss Google, Tschüss Tracking?
(journalist-magazin.de, Marvin Milatz)
Seit dem 25. Mai gilt die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Viele Verlage haben daraufhin ihre Abläufe überprüft und angepasst. Doch an ein Feld will man ungern ran: den Werbemarkt. Und deshalb setzen Medienseiten immer noch auf den Einsatz von Cookies und Trackingtools. Der österreichische “Standard” beschreitet nun einen neuen Weg: Für sechs Euro im Monat kann man eine komplett trackingfreie Version beziehen. Medien- und Datenjournalist Marvin Milatz hat sich das Modell näher angeschaut und bei anderen Medienhäusern nach deren Strategie gefragt. Ein spannender Blick auf einen Aspekt, der ansonsten weitgehend im Dunklen bleibt.

6. Sportjournalismus: RB Leipzig – neutrale Berichterstatter als Spiegel der Kritik?
(fachjournalist.de, Jonas Bormann)
Der vom Brausehersteller Red Bull finanzierte Fußballklub RB Leipzig sieht sich seit seiner Gründung Kritik ausgesetzt. Dabei geht es unter anderem um die als unfair empfundene Finanzkraft des Klubs und die fehlende Tradition. An der Hochschule Darmstadt wurde nun untersucht, wie deutsche Sportmedien mit der Kritik umgehen. Die Untersuchung hat sich dabei auf die Sportmedien “Kicker Online” und Sport1.de konzentriert.

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