FC Wutbayern, Russlands Berliner Medienzentrale, Seifenoper Politik

1. Geschlossenheit als Drohung
(deutschlandfunk.de, Daniel Bouhs, Audio: 5:03 Minuten)
Der FC Bayern hat vergangene Woche eine Pressekonferenz veranstaltet, die wohl in die Fremdschäm-Geschichte eingehen wird. In einem, wegen seiner Peinlichkeit schwer zu ertragenden, Rundumschlag machten die Bayern-Chefs die Medien zu den Schuldigen an was auch immer. Eine „respektlose Berichterstattung“ wolle man nicht mehr akzeptieren. Daniel Bouhs kommentiert die denkwürdige Veranstaltung.

Weiterer Lesetipp: Stefan Frommann (Ressortleiter Welt.de) kommentiert: „Die Bayern demaskierten sich als provinziell und beendeten auf schauerliche Weise die Mär vom Weltklub.“
Und „SZ“-Autor Philipp Selldorf hat in einer Glosse gleich mal ein Stück Lobhudel-Berichterstattung nach dem Geschmack der Bayern-Bosse vorgelegt: Bayern gibt eine Lehrstunde im modernen Fußball.

2. Russlands heimliche Medienzentrale in Europa
(t-online.de, Jan-Henrik Wiebe)
Drei russische Medienkanäle berichten aus Berlin: „Ruptly“, „Redfish“ und „Maffick“. Vor allem im Netz sind die Beiträge sehr erfolgreich und werden oft geteilt. Verschwiegen wird jedoch, dass ihr Besitzer der russische Staat ist. Und der verfolgt seine eigenen Interessen. Jan-Henrik Wiebe ist der Sache für t-online.de nachgegangen.

3. Warum müssen Wirtschaftsredakteure noch arbeiten?
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff philosophiert in seiner Kolumne über die tollen Geld-Vermehr-Tipps von Wirtschaftsredakteuren: „Ein bisschen was haben diese ewigen Kauft-Aktien-Predigten von Totemtänzen wilder Medizinmänner, die durch stetes Stampfen auf den Boden für Regen sorgen sollen. Mal klappt’s, mal klappt es nicht. Und die Grundfrage, warum die Wirtschaftsredakteure anstatt in Gold zu baden immer noch arbeiten, obwohl sie doch den todsicheren Tipp haben, diese Frage bleibt eine fürs ewige Buch der Mysterien.“

4. Königliche Rückrufaktion
(sueddeutsche.de, Nora Reinhardt)
In Großbritannien löschen Bildagenturen schon mal Fotos, die dem britischen Hof nicht gefallen. Jüngstes Beispiel: ein Foto eines ungünstig sitzenden Rocks. Ob dies aus bloßer Nettigkeit oder vorauseilendem Gehorsam geschieht, ist schwer zu sagen. Aber die Bildagenturen sind auf das Wohlwollen des Buckingham Palace angewiesen, was sich auf die Bereitschaft auswirken könnte, Löschwünschen zu entsprechen.

5. Drama, Drama, Drama
(taz.de, Bettina Gaus)
Bettina Gaus geht in ihrer Kolumne mit dem politischen Journalismus ins Gericht: „Wer Politik mit einer Seifenoper verwechselt und in Kauf nimmt, dass angekündigte Stürme regelmäßig nur im Wasserglas toben, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Glaubwürdigkeit leidet.“

6. I forced a bot…
(twitter.com/KeatonPatti)
Comedy-Autor Keaton Patti will einen Bot dazu gebracht haben, sich mehr als 1.000 Stunden lang „Ted Talks“ anzuschauen. Aus den Erkenntnissen habe dieser dann einen eigenen (recht speziellen) „Ted Talk“-Ablauf konstruiert.