Suchergebnisse für ‘falschmeldung’

Missbrauchs-Nachrichtensperre, Gemein(de)schreiber, Lügen-Charts

1. Ein Urteil, über das (fast) niemand spricht
(deutschlandfunk.de, Marco Bertolaso)
Dem Kurienkardinal George Pell (77) wird in Australien Missbrauch Minderjähriger vorgeworfen. Dass man wenig über den Fall erfährt, liegt an der von der australischen Justiz verhängten weltweiten Nachrichtensperre. Marco Bertolaso erklärt, warum sich der “Deutschlandfunk” nicht an diese Nachrichtensperre halte: “Das Thema ist weltweit bedeutsam. Es ist bedeutsam für die deutsche Gesellschaft. Der Missbrauch durch Priester und die langen Jahre der Vertuschung haben auch unser Land erschüttert. Auch in Deutschland sind viele Menschen Opfer geworden. Und auch bei uns wird über die Rolle der Kirche diskutiert. Dabei geht es nicht zuletzt um den Vatikan und seine hohen Vertreter wie Kardinal Pell. Die Relevanz des Themas steht also außer Frage.”

2. Stimmverlust
(sueddeutsche.de, Alan Cassidy)
Der amerikanische “Weekly Standard” gehörte zu den wenigen konservativen Medien, die Kritik am US-Präsidenten übten. Weil dem Geldgeber die Blattlinie nicht passte, muss die Zeitschrift nun dichtmachen. Die Blattmacher suchen jetzt finanzielle Unterstützung für ein Nachfolgeprojekt. Ob dieses Projekt je wieder an den Einfluss des “Weekly Standard” herankommt, sei jedoch fraglich.

3. Boswiler Gemeindeschreiber: Medien-Richter kennen keine Gnade
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Der Gemeindeschreiber des Schweizer Dorfs Boswil hat auf Facebook allerlei hässliche Botschaften hinterlassen. Dies griff die Schweizer Boulevard-Tageszeitung “Blick” in ihrer Berichterstattung auf. Was danach geschah, erzählt und bewertet Rainer Stadler in seiner “NZZ”-Kolumne.

4. “Richtig Stimmung machen”
(taz.de, Aron Boks)
Beim “Adbusting” werden bekannte Markennamen und Logos gekapert und in Fake-Plakate eingearbeitet. Bekanntes Beispiel der jüngeren Vergangenheit: Das gefakte Werbeplakat, auf dem sich Coca-Cola vorgeblich gegen die AfD positionierte. Die “taz” hat sich anlässlich des konkreten Falls mit einem PR-Berater über Marketingstrategien von großen Konsummarken unterhalten.

5. Das sind 8 der erfolgreichsten Falschmeldungen auf Facebook 2018
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
“BuzzFeed News” hat recherchiert, welche Falschmeldungen 2018 auf Facebook besonders erfolgreich waren. Erschreckend: Acht der erfolgreichsten Falschmeldungen hätten mehr Facebook-Interaktionen bewirkt als fast alle Artikel der größten Nachrichtenseiten in Deutschland. Wichtigste Verbreiter dieser Falschnachrichten seien die AfD und die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach gewesen.

6. Volks-Rock’n’-Proll
(spiegel.de)
Der heimatverliebte Volkstümler und Schlagersänger mit Schlagseite Andreas Gabalier überzog auf seinem Abschlusskonzert die als linksliberal geltenden Zeitungen “Standard” und “Falter” mit allerlei Schmähungen. Er glaube, dass Redakteure der — seiner Ansicht nach traditionsfeindlichen — Blätter “undercover in der Halle” seien, um “verheerende Geschichten” zu schreiben.

True-Schwampf-Agenda, Wir sind denen egal, Sinnloses Clickbait

1. “Dass jetzt diese Verlage loslegen, ist mindestens fragwürdig”
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries)
Fünf bedeutende Medienkonzerne haben eine “Agenda für True Media” beschlossen. “Wir sichern das publizistische Fundament für die pluralistische Demokratie”, heißt es dort in einer Mischung aus Stolz, Selbstbewusstsein und Hybris, unterschrieben von Axel Springer, der Bauer Media Group, Gruner+Jahr, der Funke Mediengruppe und Hubert Burda Media. Das Manifest handelt von so hehren Zielen wie publizistischer Verantwortung, Wahrheit, Aufrichtigkeit, Sicherheit und Transparenz. Im Interview mit dem “Deutschlandfunk” verrät BILDblog-Chef Moritz Tschermak, was er von den wohlklingenden Worten der Medienkonzerne hält.

2. Vernünftige Argumente haben häufig keine Wirkung mehr.
(planet-interview.de, Laura Bähr)
“Planet Interview” hat mit Kultur- und Wissenschaftsjournalist Gert Scobel gesprochen, der seit über drei Jahrzehnten für Rundfunk und Fernsehen arbeitet. Scobel spricht unter anderem über die Rolle von Kultur im Fernsehen, Unterforderung der Zuschauer, asoziale Netzwerke, die Bedeutung von Quoten und Satireformate. Und er denkt zurück an die Zeit ohne Internet: “Natürlich war es damals schwieriger an Informationen zu kommen, aber die Schnelligkeit und der Wahrheitswert der Informationen war gemessen an der damaligen Zeit nicht schlechter als heute. Heute habe ich eher das Problem, dass ich in Echtzeit so viele unterschiedliche Informationen zu einem Thema reinbekomme, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich das filtern soll.”

3. Im Rundfunk sind Frauen in Spitzenpositionen die Minderheit
(sueddeutsche.de)
Der Verein “Pro Quote” hat eine vom Bundesfamilienministerium geförderte Studie zur Geschlechterverteilung in journalistischen Führungspositionen durchgeführt. Eine Erkenntnis daraus: Der Rund­funkjournalismus ist mehrheitlich weiblich, in Spitzenpositionen dominieren jedoch weiterhin die Männer.

4. Tim Cook als Präsident 2020? So hat Facebooks PR-Agentur Schmutzkampagnen gesteuert
(meedia.de, Robert Tusch)
Nach Angaben der “New York Times” soll die Firma Public Definers im Auftrag von Facebook und anderen Firmen Konkurrenten diskreditiert haben. Robert Tusch hat für “Meedia” die Erkenntnisse der amerikanischen Kollegen zusammengefasst und aufgeschrieben, mit welchen zweifelhaften Methoden die Agentur gearbeitet hat und welche Schmutzkampagnen von ihr angestoßen wurden.

5. “Unsere Stimme zählt”
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Johanna Mack hat für “EJO” mit dem preisgekrönten pakistanischen Reporter, Moderator und Menschenrechtsaktivisten Saddam Tufail Hashmi gesprochen. Im Interview geht es um die Schwierigkeiten und Gefahren, denen Journalisten in Pakistan täglich ausgesetzt sind. Mit deutlichen Worten kritisiert Hashmi die pakistanischen Medienunternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht ausreichend schützten: “Wir sind denen völlig egal. Was sie wollen sind Breaking News, so schnell wie möglich.” Dazu gibt es gleich das passende Beispiel: “Einmal durfte ich nicht in die Redaktion zurückkehren, um mir eine schusssichere Weste zu holen, bevor ich von einer Schießerei berichten musste — ich sollte nicht langsamer sein als die Konkurrenz.”

6. Warum BuzzFeed kein Clickbait macht
(buzzfeed.com, Ben Smith)
“Buzzfeed”-Chefredakteur Ben Smith schreibt über Clickbait: “Wenn du nicht willst, dass deine Leser etwas teilen, dann ist der beste Weg dafür, sie auszutricksen. Jeder, der die letzten 20 Jahre im Netz verbracht hat, kennt dieses nervige Gefühl, wenn eine Überschrift ihr Versprechen nicht einhält. Es ist das Gefühl, das man hat, wenn man in einen glänzenden, aber verdorbenen Pfirsich beißt. Die Webseite hat den Klick bekommen, die Klickzähler registrieren deine Wut nicht — aber deinen Freunden und deiner Familie wirst du das niemals zumuten.”

Erika Fakebach, Pro und Contra Klarnamenpflicht, Debatten-Detlev

1. Steinbach wegen Twitter-Fake belangt
(faktenfinder.tagesschau.de, Karolin Schwarz)
Die ehemalige CDU-Politikerin und jetzige Vorsitzende einer AfD-nahen Stiftung Erika Steinbach nutzt begeistert Social-Media-Kanäle, um ihre Botschaften unters Volk zu bringen. Falschmeldungen, untergeschobene falsche Zitate und bösartige Empörungs-Bildchen haben es ihr besonders angetan. Nach Claudia Roth ist nun auch deren Grünen-Kollegin Renate Künast rechtlich dagegen vorgegangen. Erfolgreich: Steinbach musste eine entsprechende Erklärung abgeben, die sie verpflichtet, das Fake-Zitat nicht erneut zu verbreiten.

2. Auf kurzem Weg zum Verleger
(taz.de, Ralf Leonhard)
Auf dem österreichischen Pressemarkt gibt es Bewegung: Ein medienscheuer Selfmade-Milliardär namens René Benko hat jeweils 24 Prozent der “Krone” und des “Kurier” übernommen. Der für Österreich zuständige “taz”-Korrespondent Ralf Leonhard erklärt Hintergrund und Zusammenhänge.

3. Weniger Anonymität im Netz?
(brodnig.org)
Immer wieder gibt es Bestrebungen zur Einführung einer Klarnamenpflicht im Internet. Die Idee dahinter: Wenn sich Menschen nicht mehr hinter ihrer Anonymität verstecken können und befürchten müssen, für strafbare Äußerungen belangt zu werden, gibt es weniger Hass und Hetze. Ingrid Brodnig führt aus, warum eine solche Pflicht aus ihrer Sicht die Probleme nicht löst.

4. Philipp Kadelbach: “Ganz ehrlich, es gibt zu viele Serien”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Für “Unsere Mütter, unsere Väter” bekam er einen Emmy, nun steht für Filmregisseur Philipp Kadelbach mit der ZDFneo-Serie “Parfum” das nächste deutsche Projekt an. “DWDL” hat sich mit Kadelbach über Inszenierung, Rhythmus, Zeitgeist und die allgegenwärtige Serien-Flut unterhalten. Und natürlich über seine Arbeit an dem berühmten Süskind-Stoff.

5. Facebook kann Portale in die Bedeutungslosigkeit herunterpegeln
(sueddeutsche.de, Adrian Lobe)
Von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gibt es das Zitat, nach dem er mit dem Newsfeed “die perfekte personalisierte Zeitung für jede Person auf der Welt” schaffen wolle. In den USA sei ihm das nach einer Erhebung eines Meinungsforschungsinstituts in gewisser Hinsicht bereits recht gut gelungen. Die Allmacht des Konzerns sei riesig, schreibt Adrian Lobe. Wenn Facebook an seinen Algorithmen drehe, habe dies massiven Einfluss auf den Traffic von Nachrichtenportalen und könne diese schon mal in den wirtschaftlichen Abgrund reißen.

6. Debatten-Detlev
(titanic-magazin.de, Paula Irmschler)
“Titanic”-Autorin Paula Irmschler lässt “Debatten-Detlev” zu Wort kommen: “Frauen mit ihren Entscheidungen machen mich wahnsinnig. Ich sage nur, wie es ist. Wir geben ihnen Posten, Wahlrecht und Kolumnen, und was machen sie damit? Hysterisch rumstressen.”

BRD als Exporteur der Unfreiheit, Beschlagnahme, Paypal-Heuchler

1. Bundesregierung gegen Überwachungsexport-Kontrolle
(reporter-ohne-grenzen.de)
Eigentlich wollte sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass der Export von Überwachungstechnologie stärker kontrolliert wird. Zum Beispiel, um zu verhindern, dass Spähsoftware an Staaten verkauft wird, in denen Menschenrechte missachtet und Journalisten überwacht werden. Nun liegen vertrauliche Strategiepapiere der Bundesregierung vor, die den Schluss nahelegen, dass sie ihre eigenen Absichtserklärungen torpediert. Die deutsche Taktik gefährde die gesamten Reformbemühungen der EU, schreibt “Reporter ohne Grenzen”.

Weiterer Lesehinweis: Überwachungsexporte: Bundesregierung stellt Industrie vor Menschenrechte (netzpolitik.org, Daniel Moßbrucker).

2. Ausrüstung beschlagnahmt
(taz.de, Anett Selle)
Bei den Anti-Kohle-Protesten von “EndeGelände” wurde ein Journalist festgenommen, der von dort für den “Spiegel”-Ableger “Bento” berichten wollte. In der Gefangenensammelstelle sei er durchsucht worden und habe sich komplett ausziehen müssen. Seine Kamera habe er abgeben müssen. Nach zehn Stunden wurde er entlassen, seine Kamera blieb jedoch bei der Polizei. Ole Reißmann, Redaktionsleiter bei “Bento”, protestiert gegen die Beschlagnahme: “Wir erwarten die Herausgabe von Kamera und Bildern. Etwaigen Bestrebungen der Behörden, das beschlagnahmte Bildmaterial für Zwecke der Strafverfolgung zu missbrauchen, ist dringend Einhalt zu gebieten.”
Weiterer Lesehinweis: Hambach: Polizei setzt bento-Mitarbeiter 10 Stunden fest — hier erzählt er, was ihm passiert ist (bento.de, Steffen Lüdke).

3. Im Fokus der Fakes
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Beim “Faktenfinder” beschäftigt sich Patrick Gensing mit dem Hass der Ultrarechten gegen die Grünen. Dieser mache sich in zahlreichen Falschmeldungen, gezielt gestreuten Gerüchten und Kampagnen in den Sozialen Medien bemerkbar. Woher kommt all der Hass? Die Wissenschaftlerin Julia Ebner hat eine Vermutung: Die Grünen seien zum Hauptfeind geworden, da sie all das verkörpern, “wogegen rechtsextreme Akteure kämpfen: Diversität, Multi-Kulturalismus, Feminismus und gesellschaftlicher Liberalismus”.

4. Klatsche für Hamburg
(djv.de, Hendrik Zörner)
Prominente, die sich gegen Berichterstattung juristisch zur Wehr setzen wollten, wendeten sich of an die Hamburger Pressekammer — das Hamburger Landgericht gilt als besonders medienkritisch. Nun hat das Bundesverfassungsgericht klargestellt, dass Pressekammern vor Erlass einer einstweiligen Verfügung die Gegenseite anhören müssen. Der Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands Hendrik Zörner kommentiert: “Damit ist bei den Pressekammern keine Trendwende hin zu medienfreundlichen Entscheidungen verbunden, aber wahrscheinlich ausgewogenere Urteile. Das immerhin ist ein Wert an sich.”

5. Erst das Geschäft, dann das Bedauern
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Paypal und andere Dienstleister wollen sich vom Hass-Netzwerk Gab.com distanzieren, seit klar ist, dass der Mörder von Pittsburgh dort aktiv war. Ihre Heuchelei dürfe man ihnen nicht durchgehen lassen, findet Patrick Beuth.
Weiterer Lesehinweis: Rechtes Portal nach Anschlag von Pittsburgh offline (sueddeutsche.de).

6. Nischenprodukt
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Hans Hoff hat sich mit Talk-Allrounder Jörg Thadeusz zum Gespräch getroffen und musste aufpassen, nicht selbst zum Mittelpunkt des Interviews zu werden: “Zum Gespräch erscheint der Plauderprofi in Cordhose und blauen Hosenträgern über schwarzem T-Shirt. Der Anzug hängt noch im Hotel, aber die typische Art, ein Gespräch zu eröffnen, hat er trotzdem dabei. Ehe man sich versieht, hat man als sein Gegenüber eine halbe Stunde von sich erzählt und noch nicht eine Frage gestellt.”

Blick auf den Osten, Frauen in der Fotografie, Gniffkes Brief an Maaßen

1. Deutschland, noch kein einig Medienland
(deutschlandfunk.de, Henning Hübert)
“Deutschlandradio”-Intendant Stefan Raue bedauert das regionale Ungleichgewicht bei den Schwerpunkten medialer Berichterstattung. Er könne nachvollziehen, dass Ostdeutsche das Gefühl haben, nur dann in den bundesweiten Medien vorzukommen, wenn es um Rechtsextremismus, Kriminalität und Arbeitslosigkeit gehe. In Sachen Chemnitz-Berichterstattung fehlt ihm der Blick auf das Positive: Die Stadt habe eine reiche Kulturlandschaft, Bürgergeist und Engagement. Raues Appell: “Es wäre ganz gut, wenn die Reporter und Reporterinnen häufiger mal in Chemnitz wären, wenn’s nicht knallt”.
Weiterer Lesehinweis: Ostdeutsche müssen sich “für alles” rechtfertigen: “Vor dem Einheitsfeiertag sieht Thüringens Ministerpräsident Ramelow Probleme zwischen alten und neuen Bundesländern. Der Umgang untereinander sei “verheerend”, Ostdeutsche erlebten täglich Schmähungen.” (spiegel.de)

2. Frauen in der Fotografie
(kwerfeldein.de, Katja Kemnitz)
Kamerahersteller Olympus arbeitet beim “Xplorers-Projekt” mit verschiedenen Foto-Influencern zusammen. Unter den 18 FotografInnen befindet sich jedoch nur eine einzige Frau. Liegt es daran, dass das Geschlechterverhältnis in diesem Segment bei “wahrscheinlich 1:100” liegt, wie von einem Fotografen behauptet? Wohl kaum: Der Frauenanteil in Fotografie-Ausbildung und Studium liegt meist bei mehr als 50 Prozent. Die Fotografin Katja Kemnitz macht Vorschläge, wie sich die Sichtbarkeit von Frauen in der Fotografie verbessern ließe.

3. Falschmeldung zu belgischem Atomkraftwerk
(faktenfinder.tagesschau.de, Wolfgang Wichmann)
Unbekannte haben den Internetauftritt des belgischen Senders RTL Info nachgebaut und dort eine Falschmeldung über eine angebliche Explosion im Atomkraftwerk Tihange veröffentlicht — illustriert mit einem bekannten Bild aus dem Netz, das eine Atomexplosion zeigt.

4. Unsere Sprache ist weniger diskriminierend geworden.
(planet-interview.de, Kaspar Heinrich)
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch beschäftigt sich mit diskriminierender Sprache, Sprachpolitik und dem politischen Gebrauch und Missbrauch von Sprache. Dieses Jahr erschien sein Buch “Eine Frage der Moral: Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen”. Im Interview spricht Stefanowitsch über Gendersternchen, das N-Wort, klamaukige Talkshows, amtliche Rechtschreibung und Korrekturen in Pippi-Langstrumpf-Büchern.

5. Tagesschau-Chef Gniffke wirft Verfassungsschützer Maaßen vor, im Bundestag die Unwahrheit gesagt zu haben
(buzzfeed.com, Marcus Engert)

Der Chefredakteur der “Tagesschau”, Kai Gniffke, hat sich per Brief an Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen und die Obleute im Innenausschuss gewandt. Maaßens Äußerungen seien geeignet, den “Ruf der Tagesschau zu beschädigen”, und bestimmte Behauptungen Maaßens seien “wahrheitswidrig”. “BuzzFeed News” hat den Brief in Faksimileform veröffentlicht und inhaltlich eingeordnet.

6. Fake Views: Die Ausstellung „Lust der Täuschung“ in der Kunsthalle München
(blog.gwup.net, Bernd Harder)
Bei der Ausstellung “Lust der Täuschung” in der Kunsthalle München geht es um “Fake Views”. Doch im Gegensatz zu den “Fake News” ist hier der Erfolg geglückt, wenn nach der Täuschung die “Ent-Täuschung” kommt.

Vermeintliche Falle im Hambacher Forst: Twittern Julian Reichelt Style

Die Polizei Aachen, die derzeit bei der Räumung des Hambacher Forsts aktiv ist, schrieb gestern bei Twitter:

Screenshot eines Tweets der Polizei Aachen - Neben Depots stößt die Polizei Aachen im Hambacher Forst auf solche Fallen. Mittels einer Drahtseilkonstruktion wurde ein mit Beton und Schutt gefüllter Eimer in die Höhe gezogen. Beim Auslösen der Falle, fällt der Eimer in die Tiefe. Es besteht Lebensgefahr für alle. - Dazu ein Foto eines mit Erde verschmutzten Eimers, der mit Beton gefüllt ist. Aus dem Beton guckt ein Drahtseil raus

Es gibt erhebliche Zweifel an dieser Geschichte. Und ein Anruf von uns bei der Polizei Aachen nährt diese Zweifel — dazu weiter hinten mehr.

Dennoch verbreitete sich der Polizei-Tweet gestern rasant. Auch weil “Welt”-Chefredakteur Ulf Poschardt drauf ansprang:

Screenshot eines Tweets von Welt-Chef Ulf Poschardt, der zum Tweet der Polizei Aachen schreibt: Neulich bei den Aktivisten - das Wort Aktivisten hat Poschardt in Anführungszeichen gesetzt

Genauso “Bild”-Chef Julian Reichelt, der diesen Tweet gerade offenbar gelöscht hat:

Screenshot eines Tweets von Bild-Chef Julian Reichelt, der zum Tweet der Polizei Aachen schreibt: Naturschutz Hafenstraße Style.

Und selbst Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet äußerte sich:

Screenshot eines Tweets von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der zum Tweet der Polizei Aachen schreibt: Vor friedlichem Protest gegen die rotgrüne Entscheidung zum Roden des Hambacher Forst habe ich großen Respekt, aber was Gewalttäter sich in diesen Tagen an Straftaten erlauben, wird der Rechtsstaat nicht dulden.

Verschiedene Onlinemedien haben den Tweet der Polizei in ihre Artikel eingebettet: ZDF.de, t-online.de*, jungefreiheit.de.

Zur Erzählung der Aachener Beamten gab es bei Twitter starken Widerspruch: Es handele sich nicht um eine Falle, sondern um ein relativ übliches Gegengewicht für ein Kletterseil. Tatsächlich ist es etwas merkwürdig, dass auf einem der Fotos, die die Polizei Aachen getwittert hat, noch eine Schaufel oder Hacke zu sehen ist; dass auf den Fotos Löcher im Boden zu erkennen sind; und dass die Handschuhe des Polizisten, der auf einem der Fotos kniet, recht erdig sind.

Auf unsere Nachfrage widerspricht eine Sprecherin der Polizei Aachen dann auch der Geschichte, die die Behörde im Tweet verbreitet hat: Der betongefüllte Eimer wurde nicht “mittels einer Drahtseilkonstruktion” “in die Höhe gezogen”. Man habe den Eimer am Boden vorgefunden. Dennoch gehe man davon aus, dass er geeignet wäre, “Kolleginnen und Kollegen zu verletzen”.

Es zeigt sich einmal mehr: Für Redaktionen und Journalisten (und Ministerpräsidenten) reicht es nicht, sich einzig und allein auf Verlautbarungen der Polizei zu verlassen.

*Nachtrag, 14:51 Uhr:Die Redaktion von t-online.de hat den Tweet inzwischen aus ihrem Artikel entfernt.

Nachtrag 18. September: Die Polizei Aachen schreibt in einer Pressemitteilung nun auch, dass es sich um “einen auf dem Waldboden liegenden mit Beton gefüllten Eimer” handelte:

Darin waren Seile eingelassen, die auch auf dem Boden lagen. Aus Sicht der Polizei hätte der Eimer in die Höhe gezogen und beim Passieren von Polizeibeamten zu Boden fallen gelassen oder als Pendel eingesetzt werden können.

Besinnungslos durchformatiert, Götz-en-Anbetung, Analoger Clickbait

1. Eine Show, die nur Action will
(zeit.de, Matthias Dell)
Matthias Dell hat sich die Sendung “Dunja Hayali” im ZDF zu den rassistischen Aufwallungen in Chemnitz angeschaut. Dell kritisiert die “bis zur Besinnungslosigkeit durchformatierte” Sendung mit den Worten: “Das Traurige an der Dunja-Hayali-Sendung ist, dass mehr Energie und Originalität in die Frage fließt, wie man in Einspielfilmen Namen von Protagonisten geil einblenden kann (mit Sendungslogo, schicken Linien und zeitweisen Unschärfen), als in jede inhaltliche Beschäftigung mit dem Thema, um das es geht.”

2. Zu Besuch bei Götz Kubitschek
(twitter.com/agitpopblog)
Seit Jahren besuchen Journalisten den Protagonisten und Publizisten der Neuen Rechten Götz Kubitschek auf dessen Rittergut im sachsen-anhaltischen Schnellroda. Das Ergebnis dieser Besuche sind oft verklärt-verquaste und romantisierende Homestories. Der Twitterer “Baron von Agitpop” hat einige Beispiele der letzten Zeit zusammengestellt und wendet sich mit einer Forderung an die Journalisten: “Wenn es schon das 20. Kubitschek-Profil sein muss (WENN), dann kommt der Selbstdarsteller woanders hin. Ihr fahrt *nicht* nach Schnellroda, wo er die Deutungshoheit über sein Image hat.”

3. Fußballjournalismus: Die Kunst des Kommentars
(fachjournalist.de, Michael Schaffrath)
Fußball-Reporter und -Reporterinnen stehen besonders im Fokus von Kritik. Das war schon immer so, doch neue Medien wie Facebook und Twitter verschärfen das Phänomen bis zu gelegentlichen Shitstorms. Ist die Kritik an den Sport-Kommentatoren gerechtfertigt? An der TU München wurde die “Qualität der Live-Kommentierung bei der EURO 2016” untersucht. Der für diesen Bereich verantwortliche Leiter der Sportfakultät fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

4. Jeder Dritte rechnet mit „Fake News“
(faz.net)
Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat sich in 27 Ländern nach dem Vertrauen der Menschen in Medien umgehört. Fast jeder dritte Deutsche sei der Überzeugung, häufig oder regelmäßig auf bewusste Falschmeldungen zu stoßen. Damit geht es Deutschland im Vergleich relativ gut: In allen anderen untersuchten Ländern war das Vertrauen in Medien geringer.

5. Späte Revolution beim “Spiegel”
(sueddeutsche.de, Claudia Tieschky)
Der “Spiegel” gehört zu etwa einem Viertel Gruner+Jahr, zu einem Viertel den Augstein-Erben und zur Hälfte der Mitarbeiter-KG, was auf eine Schenkung des Magazingründers Rudolf Augstein zurückgeht. Bislang herrschte jedoch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Haus, denn Mitarbeiter von “Spiegel Online” konnten nicht Teilhaber der KG werden. Nun gibt es Bestrebungen, dies sukzessive zu ändern.

6. Daher kommt der Clickbait
(facebook.com/Walulis, Video: 9:47 )
Medien-Satiriker Walulis beschäftigt sich in seiner neuesten “Walulyse” mit den Erfindern des analogen Clickbaits: den Klatschzeitschriften der Regenbogenpresse. Ihm zur Seite: Yellow-Press-Experte Mats Schönauer vom “Topf voll Gold”, der erklärt, wie hemmungs- und gewissenlos die Branche schwindelt, täuscht und trickst.

Rosens Ratschläge, Blogger-Studie, PR-Berater-Plage

1. Brief an die deutschen Journalisten
(faz.net, Jay Rosen)
Der US-amerikanische Journalismus-Professor Jay Rosen hat sich für ein von der Robert Bosch Stiftung unterstütztes Forschungsprojekt drei Monate in Deutschland aufgehalten. Bei der Untersuchung ging es um das Selbstverständnis deutscher Journalisten und die Frage, inwieweit es sich von dem ihrer amerikanischen Kollegen unterscheidet. Aus seinen Interviews mit 53 Journalistinnen und Journalisten hat Rosen ein Destillat herausgearbeitet und in einem “Brief an die deutschen Journalisten” zusammengefasst.
Weiterer Lesetipp: “Meedia” hat bei deutschen Online-Redaktionen nachgefragt, was sie von den Ratschlägen halten: “Wir berichten, was ist. Nicht, was wir glauben, das sein sollte”: Redaktionen zu Rosens Journalismuskritik (Thomas Borgböhmer).

2. Blogger und Journalisten: Ähnlicher als gedacht
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Eine Studie der Otto Brenner Stiftung (PDF) über Deutschlands Blogger geht der Frage nach, wie journalistische Blogger einzuordnen sind. Worin unterscheiden sich die “Amateure” von den “Profis”? Ist eine derartige Unterscheidung überhaupt nötig? Johanna Mack fasst die Ergebnisse der Studie zusammen: “Die Autoren vermuten, dass Blogs auch in Zukunft keine generelle Konkurrenz für den tagesaktuellen Journalismus darstellen werden, aber in bestimmten Fachbereichen wie Mode, Reise und Technik durchaus aufholen könnten.”

3. «10vor10» und «SonntagsZeitung» wehren sich gegen Zensur
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
In der Schweiz konnte man miterleben, welchen Einfluss PR-Berater auf ihre Politik-Klienten haben: Dort unterbrach ein PR-Sprecher von Außenminister Ignazio Cassis die Frage des “10vor10”-Journalisten mit den Worten: “Ich habe gesagt, das ist keine Thema”. Urs P. Gasche lobt die Schweizer Medien, die dieses Gebaren sichtbar gemacht und kritisiert haben.

4. Schweden warnt vor Bots und Fake News
(faktenfinder.tagesschau.de, Carsten Schmiester)
Vor der Parlamentswahl in Schweden hat sich eine führende Mitarbeiterin des schwedischen Geheimdienstes Säkerhetspolisen an die Öffentlichkeit gewandt: “Glaubt nicht alles, was online über Parteien, ihre Programme, ihre Stärken und Schwächen geschrieben ist und gesagt wird.” Dahinter steckt die Sorge vor gefälschten Konten, der Digital-Bombardierung durch Bots und der massenhaften Verbreitung von Falschmeldungen.

5. Medienzirkus zum Anfassen
(deutschlandfunk.de, Mirjam Kid, Audio, 5:53 Minuten)
Abweichend von herkömmlichen geschlossenen Veranstaltungen waren beim Campfire-Festival für Journalismus nicht nur Journalistinnen und Journalisten, sondern auch Nutzerinnen und Nutzer eingeladen. Mirjam Kid berichtet von ihren Eindrücken vom dreitägigen Lagerfeuer.

6. G+J startet erstes Magazin mit RTL-Gruppe – und mit hoher Druckauflage
(horizont.net, Roland Pimpl)
Wenn aus Fernsehformaten Erfolge im Print werden sollen: Gruner+Jahr wirft heute das Magazin zur Vox-Gründershow “Die Höhle der Löwen” auf den Markt. Es ist eine Art von familiärer Zusammenarbeit: Sowohl Gruner+Jahr als auch Vox gehören zur Bertelsmann-Gruppe.

Pseudojournale, Overton-Fenster, Bezeichnungsdrama Beziehungsdrama

1. Tausende Forscher publizieren in Pseudo-Journalen
(sueddeutsche.de, Till Krause & Katrin Langhans)
Immer mehr Pseudoverlage schreiben Forscher und Unternehmen an und bieten gegen Bezahlung eine Publikation in einem wissenschaftlich anmutenden Journal. NDR, WDR, “Süddeutsche Zeitung” sowie weitere nationale und internationale Medien haben gemeinsam recherchiert. Die Ergebnisse sind erschreckend: Weltweit sollen 400.000 Forscherinnen und Forscher in Fake-Journalen veröffentlicht haben. Die Zahl solcher Publikationen habe sich in den vergangenen fünf Jahren weltweit verdreifacht, in Deutschland gar verfünffacht.
Weiterer Lesehinweis: Forscher müssen ständig publizieren — das schadet der Wissenschaft (sueddeutsche.de, Patrick Illinger)

2. Falschmeldung über kroatische WM-Spenden
(fr.de, Danijel Majic)
Haben Sie auch auf einem der diversen Onlineportale gelesen, dass die kroatische Nationalmannschaft ihre 23 Millionen WM-Prämie für wohltätige Zwecke gespendet hat? Tolle Sache, oder? Stimmt nur leider nicht.

3. “Die Zeit” öffnet das Overton-Fenster
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Mit deutlichen Worten kritisiert Thomas Knüwer die “Zeit”. Diese scheine “nicht zu realisieren, dass sie Teil eines größeren Problems ist: Sie öffnet rechtsextremen Gedanken den Weg ins Bildungsbürgertum — und genau das wurde von den Rechten so kalkuliert.” Als Belege führt er vor allem die Seenotrettungsdebatte, aber auch einen aktuellen Text über die AfD an. “Gäbe es noch die Haltung einer Gräfin Dönhoff, wäre dieser Text so nie erschienen”, so Knüwer.

4. Unsichtbar und unverzichtbar
(deutschlandfunk.de, Benjamin Hammer)
Auslandskorrespondenten in fernen Ländern und Krisenregionen sind oft auf einheimische Helfer angewiesen. Benjamin Hammer berichtet im “Deutschlandfunk” von seinen beiden Helfern im Gazastreifen, die sich um Transport, Sicherheit und Kontakte kümmern.

5. Wenn Frauen von ihrem (Ex-)Partner getötet werden: das ist kein Beziehungsdrama, sondern Mord
(editionf.com, Helen Hahne)
Letztes Jahr wurden 147 Frauen in Deutschland von ihren Partnern oder Ex-Partnern umgebracht. Oftmals werden diese Morde als “Beziehungs-” oder “Eifersuchtstaten” deklariert und damit sprachlich marginalisiert. Helen Hahne hat sich mit den verschiedenen Aspekten dieses Verschleierungsvokabulars auseinandergesetzt.

6. Rheinneckarblog muss 9000 Euro Strafe zahlen
(horizont.net)
Der Betreiber des “Rheinneckarblogs” soll auf Betreiben der Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 9.000 Euro zahlen, nachdem er vor einiger Zeit einen erfundenen Bericht über einen angeblichen Anschlag in Mannheim veröffentlicht hatte. Wie nicht anders zu erwarten, sieht sich Blogbetreiber Hardy Prothmann als Opfer: “Die Staatsanwaltschaft verfolgt mit diesem Strafbefehl politische Ziele gegen einen auch für sie unbequemen Journalisten.”

Tichys Fehlblick, Geh sterben!, 100.000 erfundene Rehkitze

1. Wie „Tichys Einblick“ fast einen Skandal beim ZDF-“Politbarometer” aufdeckte
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Ein Stamm-Autor des rechten Online-Magazins “Tichys Einblick” meint einen Skandal um das ZDF-Politbarometer aufgedeckt zu haben, doch der eigentliche Skandal ist, dass es keiner ist. Oder um Stefan Niggemeier zu zitieren: “Es handelt sich dabei, freundlich formuliert, um ein Missverständnis.”
Weiterer Lesehinweis: Der Ex-CDU-Politiker Friedrich Merz lehnt die Annahme des Ludwig-Erhard-Preises ab (turi2.de). Er wolle nicht mit dem Stiftungsvorsitzenden Roland Tichy auf einer Bühne stehen. Nach der Absage von Merz seien die Journalisten Rainer Hank, Ursula Weidenfeld, Ulric Papendick und Nikolaus Piper aus der Jury des Preises zurückgetreten, denen nach der Absage von Merz anscheinend aufgefallen ist, für wen sie da in der Jury sitzen.

2. Beliebt, bedroht, beschossen – Leben mit Morddrohungen
(ennolenze.de)
Enno Lenze ist Verleger, Autor und Journalist, aber auch Museumsdirektor und politischer Aktivist. Und er zahlt für sein Engagement einen hohen Preis: Derzeit hätten 581 Personen angekündigt, ihn töten zu wollen. (“Wie sie die Reihenfolge festlegen wollen, ist mir unklar — aber wäre für mich dann ja auch das gleiche.”) In einem Blogbeitrag beschreibt Lenze, was das für ihn im Alltag bedeutet, ob in Berlin oder in Kriegsgebieten wie der Autonomen Region Kurdistan.

3. Twitter sperrt meinen Account für zwölf Stunden
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Rechtsanwalt Thomas Stadler ist wegen eines Tweets zu Horst Seehofer (“Geh endlich sterben, menschenverachtender Zyniker”, verbunden mit einem Link) mit einer zwölfstündigen Twitter-Sperre belegt worden. Zu Unrecht wie er findet: “Mein Tweet bewegt sich äußerungsrechtlich ganz klar im zulässigen Bereich. Mit dem Tweet habe ich Seehofer keinesfalls den Tod gewünscht. Es handelt sich vielmehr um eine drastische Aufforderung endlich zu verschwinden, ähnlich einer Formulierung wie “Fahr zur Hölle”. Der Tweet setzt sich mit kontroversen politischen Aussagen des Innenminsters auseinander und stellt somit eine Kritik an öffentlichen Äußerungen eines Spitzenpolitikers dar.” Stadler hat seinen Beitrag mittlerweile zweimal aktualisiert und um Bemerkungen zu Debattenkultur und Meinungsfreiheit ergänzt.

4. David Berger: Ein Theologe im Kampf gegen „Islamisierung” und „Nanny-Medien”
(correctiv.org, Caroline Schmüser)
Der Blog “Philosophia Perennis” ist ein Leitmedium der rechten Szene und in Kreisen der sogenannten “alternativen Medien”. Im Mai habe es die Seite auf Platz 18 der Seiten mit den meisten Social-Media-Interaktionen geschafft, noch vor n-tv.de, taz.de oder Tagesspiegel.de. Die Plattform fällt besonders durch spekulative Berichterstattung, Falschmeldungen und AfD-Nähe auf. Hinter der Seite steckt David Berger, ein katholischer Theologe, der gewissermaßen zum Islamhasser konvertiert ist. “Correctiv” hat die Hintergründe um Person und Seite recherchiert.

5. Drei Pressemitteilungen und eine Abschiebung
(keienborg.de)
Der Jurist Marcel Keienborg ist Spezialist für Asyl- und Aufenthaltsrecht und hat deshalb besonders aufmerksam registriert, dass vergangene Woche ein Tunesier abgeschoben wurde, obwohl ein Gericht die Abschiebung untersagt hatte. In einem Blogbeitrag widmet er sich den Pressemitteilungen, die zu diesem Thema vom Verwaltungsgericht veröffentlich wurden. Der Vorgang sei in jeder Beziehung ungeheuerlich: “Wenn Behörden sich nicht mehr verpflichtet fühlen, Gerichten gegenüber vollständige und wahre Angaben zu machen, was eben auch eine gewisse Sorgfalt bei der Lektüre der eigenen Akten voraussetzt, ist letztlich die Effektivität der gerichtlichen Kontrolle der Behörden insgesamt in Frage gestellt.”

6. Unser Hospitant ist Landwirt. Und er hat sich gefragt, ob eigentlich die immer wieder genannte Zahl stimmt, dass jedes Jahr 100 000 Bambis gekillt werden.
(twitter.com/vierzueinser, Jonas Jansen)
Erik Hecht ist für die “FAZ” der Frage nachgegangen, woher die jährlich in den Medien auftauchende Zahl von 100.000 von Mähdreschern getöteten Rehkitzen stammt. Die Antwort ist verblüffend: Die “Deutsche Wildtier Stiftung” habe sie nach eigenen Angaben irgendwann mal erfunden. Der Wert sei viel zu hoch. Die Hälfte sei wohl wahrscheinlicher, “wenn überhaupt”.

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