Archiv für September 18th, 2026

Staatsvertrag für digitale Medien, Verlorener Zufall, RTL baut ab

1. Mehr regeln, mehr werben
(taz.de)
Die Bundesländer hätten einen Entwurf für den “Digitale-Medien-Staatsvertrag Teil 2” beschlossen, um Informationssysteme auf Basis Künstlicher Intelligenz zu regulieren und die Auffindbarkeit journalistischer Inhalte auf Plattformen zu sichern. Nach Angaben der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz soll die Novelle die Refinanzierung von Medien stärken, Vielfalt fördern und das Medienkonzentrationsrecht reformieren. Zudem sehe der Entwurf Lockerungen für private Radio- und TV-Veranstalter vor.
Weiterer Lesetipp: KI, Werbung: Das soll der Digitale Medien-Staatsvertrag regeln: “Ob der Zeitplan hält, ist nicht ausgemacht. Da Staatsverträge einstimmig von allen Ländern beschlossen werden müssen, gilt die politische Lage in Sachsen-Anhalt als Risiko: Sollte dort ein AfD-Ministerpräsident gewählt werden, der Medienstaatsverträge grundsätzlich ablehnt, wäre die gesamte Reform zumindest fürs Erste blockiert.” (medientage.de, Petra Schwegler)

2. Wie die EU Kinderschutz sagt und Überwachung meint
(socialmediawatchblog.de, Martin Fehrensen)
Der Autor Dirk von Gehlen kritisiert in einem Gastbeitrag für das “Social Media Watchblog” den neu vorgestellten Entwurf des “EU Kids Act” als Scheinlösung, die Grundrechte einschränke und die digitale Demokratie schwäche. Anstatt Bildung, Teilhabe und Medienkompetenz junger Menschen zu fördern, folge die EU dem australischen Vorbild und setze primär auf staatliche Alterskontrollen und Verbote. Von Gehlen verweist auf Warnungen des Deutschen Ethikrats sowie von Bildungs- und Kinderschutzverbänden, laut denen derartige Identifikationsmechanismen die Tür für staatliche Zensurinstrumente öffnen und das elterliche Erziehungsrecht aushöhlen würden.

3. Der Zufall geht verloren
(out-takes.de, Peter Effenberg)
In einem Interview mit Peter Effenberg analysiert der US-Medienexperte Alan Wolk den Wandel der Medienbranche hin zu “Feudal Media”. Durch die Dominanz von Tech-Giganten würden traditionelle Medienhäuser unter Fusionsdruck geraten. Das Publikum zerfalle in algorithmisch isolierte “Königreiche” auf Plattformen wie Netflix, TikTok oder Spotify. Als gravierende Folge beklagt Wolk den Verlust von Serendipität: Da Empfehlungssysteme lediglich bestehende Vorlieben reproduzieren, fehlen zufällige Entdeckungen.

Bildblog unterstuetzen

4. Likes und Nebenwirkungen – Der Podcast der Landesanstalt für Medien NRW
(medienanstalt-nrw.de, Collien Fernandes)
Im neuen Podcast “Likes und Nebenwirkungen” der Landesanstalt für Medien NRW spricht Collien Fernandes über den Umgang von Familien mit digitalen Medien: “Wie kann mein Kind Desinformation erkennen? Wie geht man mit Sexting, Cybergrooming oder problematischen Inhalten um? Welche Chancen bieten digitale Medien – und wo ist Vorsicht gefragt?” Bis November sind insgesamt zehn Folgen angekündigt. Nachzuhören sind bereits zwei davon: “Mein Kind will ein Smartphone” mit Leonie Lutz (Audio: 24:00 Minuten) und “Hass im Netz” mit Laura Braam (Audio: 29:40 Minuten).

5. Die Lösung gegen Fake News, über die sich niemand traut zu sprechen
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Thomas Laschyk argumentiert, dass Faktenchecks und Medienkompetenz-Initiativen im Kampf gegen Desinformation reine Symptombekämpfung bleiben, da das Grundproblem in einer extremen Ungleichverteilung von Vermögen liege. Als strukturellen Ausweg fordert er eine gerechtere Besteuerung von Superreichen. Die Einnahmen sollten genutzt werden, um gemeinnützigen Journalismus, Medienbildung und den Sozialstaat dauerhaft abzusichern.

6. RTL Deutschland kündigt Abbau von 500 weiteren Stellen an
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Im Zuge der Integration des Bezahlsenders Sky streiche RTL bis Ende 2027 weitere rund 500 Arbeitsplätze, der Großteil davon bereits im laufenden Jahr. Nach Angaben des Medienkonzerns sollen durch den Abbau von Doppelstrukturen und Kostensenkungen jährliche Einsparungen von 250 Millionen Euro binnen drei Jahren erreicht werden. Der Stellenabbau solle sozialverträglich erfolgen, unter anderem über 150 auslaufende Verträge und den Wegfall offener Stellen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.