Suchergebnisse für ‘fakten’

Kleistern gegen Bedeutungslosigkeit, Gesetz gegen SLAPPs, Weimers Flut

1. Kleistern gegen die Bedeutungslosigkeit
(taz.de, Hanno Fleckenstein)
Die “taz” berichtet über eine Werbekampagne des rechten Krawallportals “Nius” in Berliner U-Bahnen, die online Kritik und eine Petition ausgelöst habe. “taz”-Autor Hanno Fleckenstein ordnet die Werbekampagne als Versuch ein, mangelnde Reichweite zu kompensieren: “Nius” habe laut Branchendaten deutlich sinkende Klickzahlen, schreibe rote Zahlen und sei stark von Geldgeber Frank Gotthardt abhängig.

2. Gesetz gegen Einschüchterungsklagen: SLAPPS
(verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi wirbt für ein wirksames deutsches Gesetz gegen SLAPPs, also Einschüchterungsklagen gegen Journalistinnen, Journalisten und andere kritische Stimmen. Zwar habe die EU ihre Mitgliedstaaten verpflichtet, gegen derartige missbräuchlichen Klagen vorzugehen, der deutsche Gesetzentwurf sei jedoch so stark abgeschwächt worden, dass er kaum noch Schutz biete. Verdi ruft deshalb zu einer Aktion auf: “Schreib Deinen Wahlkreisabgeordneten von CDU/CSU, um sie umzustimmen. Nur, wenn möglichst viele Unions-Abgeordnete das Problem anerkennen, kann ein wirksames Gesetz gegen SLAPPs kommen. Mach mit!” (Musterbrief)

3. Wolfram Weimer: “Die Flut, die da kommt, wird alle Boote heben”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Im Interview mit “DWDL” verteidigt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die neue Investitionsverpflichtung für Mediendienste als großen Schub für den Produktionsstandort Deutschland. Neben 250 Millionen Euro Bundesfilmförderung sollen Streamer, private Sendergruppen und Öffentlich-Rechtliche künftig stärker verpflichtet werden, in deutsche Produktionen zu investieren. Weimer erwartet bis zu 15 Milliarden Euro an Investitionen in fünf Jahren und spricht von einem “Filmbooster”. Teils offene Fragen bleiben bei der tatsächlichen Wirkung der Quoten, möglichen Ausweichstrategien internationaler Anbieter und der Durchsetzung bei Nichterfüllung.

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4. Sozialverband reicht Programmbeschwerde gegen ZDF-Dokumentation ein
(medien.epd.de)
Der Verein Sanktionsfrei habe Programmbeschwerde gegen die ZDF-Dokumentation “Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?” eingereicht. Die vor zwei Wochen ausgestrahlte Sendung arbeite wiederholt mit außergewöhnlichen Einzelfällen, ohne diese ausreichend statistisch einzuordnen, und erwecke so den Eindruck, Sozialleistungsbetrug sei weit verbreitet. Sozialverbände, Armutsforschung oder die Bundesagentur für Arbeit kämen kaum zu Wort. Helena Steinhaus, Gründerin von Sanktionsfrei, kritisiert: “Gerade öffentlich-rechtliche Formate tragen eine besondere Verantwortung, gesellschaftlich sensible Themen faktenbasiert und differenziert darzustellen.”

5. Meta startet kostenpflichtige Plus-Modelle
(spiegel.de)
Der Social-Media-Konzern Meta führe weltweit kostenpflichtige Plus-Modelle für Instagram, Facebook und WhatsApp ein. Die Abos sollen Zusatzfunktionen bieten, etwa bessere Statistiken, Story-Analysen, Profilanpassungen, Premium-Sticker und individuelle Klingeltöne. Konkrete Preise nenne Meta noch nicht. Verschiedene Medien würden von etwa 3,99 Dollar monatlich für Instagram Plus und Facebook Plus sowie 2,99 Dollar für WhatsApp Plus berichten. Ziel sei offenbar, zusätzliche Einnahmequellen neben Werbung aufzubauen.

6. Wie “Germany’s Next Topmodel” ein Exempel statuierte
(rhein-zeitung.de, Celina de Cuveland)
Celina de Cuveland erklärt anhand einer Erfahrung beim Finale von “Germany’s Next Topmodel” 2017, warum journalistische Absprachen wie Sperrfristen wichtig seien. Damals hätten Medien Ergebnisse der Liveshow wegen einer technischen Verzögerung erst mit einigen Minuten Versatz veröffentlichen dürfen. Eine Kollegin habe diese Absprache gebrochen und sei sofort aus der Veranstaltungshalle begleitet worden. De Cuvelands Fazit: “Wenn wir als Journalisten uns bewusst nicht an Absprachen halten, sollte das einen triftigen Grund haben oder das öffentliche Interesse sollte die Entscheidung rechtfertigen. Das hat nichts mit Angst oder Einflussnahme zu tun – sondern vielmehr mit Fairness, die in unserem Beruf relevant ist.”

7. Hitzeberichte ohne Hinweis auf die Klimakrise?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:23 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator, dass ARD und ZDF über die aktuelle Hitzewelle in Westeuropa ausführlich berichten, sie aber laut der Initiative “Klima vor acht” nicht als Folge der Klimakrise einordnen würden. Wenn Medien die Klimakrise aus der Berichterstattung ausblenden, erleichtere dies der Politik den Weg, die Klimaziele aufzuweichen.

Baerbocks SMS, Bestseller und Brainrot, “Wir sind Systemmedien”

1. Informationsfreiheit gilt auch für SMS
(fragdenstaat.de, Hannah Vos)
Die Transparenzinitiative “FragDenStaat” berichtet über ein Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin, laut dem auch SMS von Regierungsmitgliedern amtliche Informationen sein können und nach dem Informationsfreiheitsgesetz herausgegeben werden müssen. Anlass sind SMS der damaligen Außenministerin Annalena Baerbock an Vertreterinnen und Vertreter anderer Uno-Mitgliedsstaaten zur Unterstützung einer UN-Resolution zur Ukraine. Das Auswärtige Amt habe die Herausgabe verweigert, sei damit aber vor Gericht weitgehend gescheitert.

2. “New York Times” verklagt Pentagon
(taz.de)
Die “New York Times” verklage erneut das US-Verteidigungsministerium, weil Reporterinnen und Reporter das Pentagon nur noch in Begleitung betreten dürfen. Die Redaktion sehe darin einen verfassungswidrigen Eingriff in die unabhängige Militärberichterstattung. Das Pentagon weise die Kritik zurück und bezeichne sie als “Versuch, die Hürden zu beseitigen, um an klassifizierte Informationen zu gelangen”.

3. “Wir sind Systemmedien – wir sind Medien des demokratischen Systems”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Bei der re:publica haben der ARD-Vorsitzende Florian Hager und der ZDF-Intendant Norbert Himmler darüber diskutiert, wie öffentlich-rechtliche Medien in einer von Netflix, TikTok, YouTube und Google geprägten Öffentlichkeit relevant bleiben können (Videomitschnitt, youtube.com, 1:01:41 Stunden). Beide hätten betont, ARD und ZDF seien längst mehr als klassische Fernsehsender und müssten auch auf problematischen Plattformen präsent sein, um junge Menschen zu erreichen.

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4. MV: Wie Medien AfD-Wahlkampf machen, ohne es zu merken
(volksverpetzer.de, Leonie Wiegel)
Leonie Wiegel kritisiert, dass einige Medien mit ihrer Berichterstattung über das AfD-Wahlprogramm in Mecklenburg-Vorpommern ungewollt AfD-Narrative verstärken würden. Manche Überschriften würden den Eindruck fördern, eine AfD-Regierung sei bereits realistisch oder fast sicher, obwohl es dafür derzeit keine Koalitionspartner gebe. Wiegels Fazit: “Mit jeder Überschrift entscheidet man sich für eine Perspektive auf die Geschichte. Es ist alarmierend, dass die meisten Medien dabei eher zur rechten, zur AfD-Perspektive tendieren, und immer wieder auch Perspektiven einnehmen, die offensichtlich weiter weg von den Fakten sind, als andere.”

5. Guter Rat ist … anders
(arminwolf.at)
ORF-Moderator Armin Wolf kritisiert die parteipolitische Dominanz im ORF-Stiftungsrat und schlägt eine grundlegende Reform des Aufsichtsgremiums vor. Statt 35 Mitgliedern mit parteinahen “Freundeskreisen” solle es nur noch 15 Stiftungsräte geben. Die Mitglieder sollten transparenter und überparteilicher ausgewählt werden, etwa über öffentliche Hearings und qualifizierte Mehrheiten. Ziel sei ein Aufsichtsgremium des österreichischen öffentlich-rechtlichen Senders, das unabhängig die bestmögliche Führung suche.

6. Zwischen Bestseller und Brainrot – Wie der Markt die Literatur sortiert
(54books.de, Berit Glanz)
Berit Glanz analysiert, wie ökonomische Marktlogiken den gegenwärtigen Literaturbetrieb prägen. Ausgangspunkt ist ein Moment auf der re:publica, in dem öffentlich wurde, wie stark sich Buchvorschüsse unterscheiden können. Hohe Vorschüsse würden nicht nur Geld, sondern auch Sichtbarkeit und Marketing bedeuten, die sogenannte Midlist gerate dabei immer mehr ins Hintertreffen. Es stelle sich die Frage, unter welchen materiellen Bedingungen gute Literatur überhaupt noch entstehen könne.

Ungarn nach Orbán, “Schlampige Recherche”, Mediale Parallelwelt

1. Ungarn nach Orbán: Warum ein Regierungswechsel die Medien nicht automatisch befreit
(de.ejo-online.eu, Susanne Fengler)
Susanne Fengler analysiert, warum der Wahlsieg der Tisza-Partei in Ungarn die dortigen Medien nicht automatisch befreien werde. Zwar ende damit die lange Herrschaft Viktor Orbáns, doch die unter Fidesz geschaffenen Strukturen würden weiterwirken: regierungsnahe Medienkonzentration, politisch geprägte Aufsicht, ökonomischer Druck auf unabhängige Redaktionen und schwache Selbstregulierung. Fengler beschreibt das ungarische Mediensystem deshalb als formal plural, aber strukturell verzerrt.

2. Richter rügt “schlampige Recherche” bei Böhmermann
(t-online.de)
Im Rechtsstreit um eine Sendung des “ZDF Magazin Royale” über Arne Schönbohm habe das Oberlandesgericht München dem ZDF laut einem Bericht der “Welt” eine deutliche Niederlage signalisiert. Der Senat halte die Einschätzung der Vorinstanz offenbar für richtig, wonach die Sendung von Jan Böhmermann beim Publikum den Eindruck erweckt habe, Schönbohm habe Kontakte zu russischen Geheimdiensten gehabt. Das stelle eine schwere Verletzung des Persönlichkeitsrechts Schönbohms dar.

3. Die mediale Parallelwelt von “Timmy” und “Hope”
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha beschreibt am Beispiel des gestrandeten Wals an der Ostseeküste, wie sich auf Social Media eine mediale Parallelwelt zur klassischen Berichterstattung bilde. Auf TikTok und Instagram gebe es oft eine stärkere Emotionalisierung, verbunden mit alternativen Erzählungen. In diesen Echokammern würden sich Verschwörungstheorien, manipulierte Bilder, KI-Inhalte und falsche Spendenaufrufe verbreiten.

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4. Neues Mediengesetz für MV tritt in Kraft
(verdi.de, Volker Nünning)
In Mecklenburg-Vorpommern sei ein neues Mediengesetz in Kraft getreten, das die Förderung lokaler und regionaler Sender sowie privater Bürgermedien neu regele. Künftig könnten Lokal-TV-Anbieter über die Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern Landesmittel erhalten, um regionale Nachrichten- und Informationsangebote mit engem Ortsbezug zu sichern. Dafür stünden 2026 und 2027 jeweils insgesamt 300.000 Euro zur Verfügung.

5. Looksmaxxing – Macht dieser TikTok-Trend dein Kind zum Nazi?
(volksverpetzer.de, Lars Freudenberger)
Lars Freudenberger beschreibt das in den Sozialen Medien verbreitete “Looksmaxxing” als vermeintlichen Selbstoptimierungstrend für junge Männer, der von harmlos wirkenden Tipps schnell in extreme Körperkontrolle, pseudowissenschaftliche Schönheitsideale und gefährliche Praktiken kippen könne. Dabei gehe es nicht nur ums Aussehen, sondern um ein hierarchisches Weltbild, in dem Erfolg und sozialer Wert allein an Attraktivität geknüpft würden. In den einschlägigen Onlineforen würden zudem Frauenhass, Rassismus und rechtsextreme Denkmuster eine große Rolle spielen.

6. Wie überzeugend ist Journalismus auf der Bühne?
(deutschlandfunkkultur.de, Elena Philipp & Susanne Burkhardt, Audio: 59:51 Minuten)
“Journalistische Recherchen, als Theaterstück auf der Bühne präsentiert, machen seit einigen Jahren Furore. Entsteht damit ein neues Genre? Oder wird das Theater zu einer ‘Vertriebsstelle für journalistische Sendungen’ degradiert, wie die FAZ beklagt?” Darüber sprechen beim Deutschlandfunk Kultur Kay Voges, Intendant am Schauspiel Köln, und “FAZ”-Autor Simon Strauß, der dazu einen kritischen Kommentar geschrieben hatte (nur mit Abo lesbar).

Wahrheit in Gefahr, Polizeiliche Kriminalstatistik, Sampling geht klar

1. Wenn der Begriff Wahrheit zerstört wird
(taz.de, Patrick Gensing)
Patrick Gensing warnt in seinem Essay, “Fake News” könnten im öffentlichen Diskurs gegenüber überprüfbaren Fakten zunehmend die Oberhand gewinnen. Er argumentiert, dass Desinformation längst kein Randproblem mehr sei, sondern ein strukturelles Merkmal digitaler Öffentlichkeit. Plattformen würden Empörung, Tempo und Zuspitzung belohnen. Nötig seien nicht nur Korrekturen einzelner Falschmeldungen, sondern ein politischer und publizistischer Angriff auf die Macht der Plattformen.

2. Was die Polizeiliche Kriminalstatistik aussagt – und was nicht
(correctiv.org, Sara Pichireddu)
Sara Pichireddu erklärt, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik nur begrenzt aussage, wie sich Kriminalität in Deutschland tatsächlich entwickele. Die Statistik erfasse polizeilich registrierte Fälle und Tatverdächtige, nicht aber gerichtliche Schuldfeststellungen. Viele Deutungen seien deshalb irreführend. So lasse die Statistik keine belastbaren Aussagen darüber zu, ob etwa mehr Menschen kriminell würden, oder ob Migranten krimineller seien.

3. Sampling geht klar
(netzpolitik.org, Denis Glismann)
Der Europäische Gerichtshof habe im Fall “Metall auf Metall” das Recht auf Sampling und Remix gestärkt. Demnach könne die Übernahme geschützter Werkteile als erlaubtes Pastiche gelten. Eine bloße Nachahmung ohne eine künstlerische Auseinandersetzung reiche jedoch nicht aus. Damit gehe der seit 27 Jahren geführte Streit zwischen der Band Kraftwerk und dem Musikproduzenten Moses Pelham in die letzte Runde. Nun müsse der Bundesgerichtshof entscheiden, ob das Sample in Sabrina Setlurs Song “Nur mir” diese Voraussetzungen erfüllt.

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4. Fünf Fakten zu Fracking (die Medien immer wieder falsch darstellen)
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi widerspricht mehreren verbreiteten Darstellungen von Fracking in österreichischen Medien. Demnach seien Aussagen über eine mögliche Gasversorgung für 30 Jahre auf veraltete Schätzungen gestützt und heute wissenschaftlich nicht haltbar. Auch ein angeblich ökologisch unbedenkliches Frackingverfahren beseitige nicht die Risiken wie etwa die Methanemissionen, den hohen Wasserverbrauch und belastetes Lagerstättenwasser.

5. “Einen Politiker zu Fall zu bringen sehe ich nicht als unsere Aufgabe”
(dfjv.de, Gunter Becker)
Im Interview beschreibt Bernhard Pötter das Newsletter-Medienhaus “Table.Media” als Modell für vertieften Fachjournalismus. Beim “Climate.Table” etwa arbeite ein größeres Team deutlich spezialisierter und enger mit anderen Fachredaktionen zusammen als in klassischen Redaktionen. Ziel sei “Deep Journalism” für Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und NGOs.

6. Austria First: Der rechte Dudelfunk
(verdi.de, Till Schmidt)
Till Schmidt beschreibt den österreichischen Radiosender “Austria First” als Teil einer gezielten Medienstrategie der FPÖ. Der Webradiosender verbreite parteinahe Inhalte in einem freundlichen, journalistisch wirkenden Format. Beobachter sähen darin den Ausbau einer medialen Parallelwelt. Anders als in weiteren FPÖ-Medien trete die Parteipropaganda hier jedoch weniger schrill auf, sie werde stattdessen mit Popmusik und Unterhaltung verbunden.

7. Überall “Entlastung”: Wenn ein Regierungswort zur Nachricht wird
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins beschäftigt sich der “6-vor-9”-Kurator mit dem Wort “Entlastung”, einer Regierungsvokabel, die oft von Medien übernommen werde: “‘Entlasten’ spart den Konjunktiv, es spart die Einschränkung, das Möglicherweise. Es klingt nach einer fertigen Nachricht. Und genau das macht es so verführerisch.”

Klage gestoppt, Angst liest sich gut, Umstrittene Mitgliedschaft

1. Trump-Klage gegen “Wall Street Journal” vorerst gestoppt
(taz.de)
Ein US-Bundesrichter habe Donald Trumps Verleumdungsklage gegen das “Wall Street Journal” (“WSJ”) vorerst gestoppt. Der US-Präsident habe nicht ausreichend belegt, dass die Redaktion böswillig falsche Behauptungen veröffentlicht habe. Hintergrund sei ein Bericht des “WSJ”, laut dem Trump 2003 Jeffrey Epstein einen anzüglichen Geburtstagsbrief geschrieben haben soll. Trump wolle nach Angaben seiner Anwälte weiter gegen die Berichterstattung vorgehen.

2. Bei der geplanten BR-Reform braut sich ein Streit zusammen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, plane Bayern eine weitreichende Reform des Bayerischen Rundfunkgesetzes. Vorgesehen seien unter anderem eine feste Informationsquote von 60 Prozent im BR-Fernsehen, strengere Regeln für Faktenchecks, mehr Kompetenzen für den Rundfunkrat sowie neue Transparenzvorgaben. Kritiker sähen darin mögliche Eingriffe in die Rundfunkfreiheit und in die Programmgestaltung. Vor allem der Bayerische Journalisten-Verband äußere deutliche Bedenken.

3. Angst liest sich gut – Wie österreichische Printzeitungen über Geflüchtete berichten
(kobuk.at, Emilija Ilić)
Eine Analyse von Artikeln der österreichischen Medien “Presse” und “Kronen Zeitung” zeige deutliche Unterschiede in der Darstellung von Geflüchteten je nach Herkunft. Ukrainische Geflüchtete würden meist im Zusammenhang mit Schutz, Arbeit und gelungener Integration erscheinen. Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan oder Tschetschenien würden dagegen deutlich häufiger mit Kriminalität, Überforderung und Integrationsproblemen verbunden. Emilija Ilićs Fazit: “So entsteht ein verzerrtes Bild. Nicht unbedingt, weil einzelne Artikel falsch wären oder Tatsachen verdreht werden, sondern weil sie immer wieder dasselbe erzählen. Und genau das beeinflusst, wem Zugehörigkeit und Würde selbstverständlich zugeschrieben werden.”

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4. BPK: Umstrittene Mitgliedschaft
(verdi.de, Matthias Meisner)
Die Bundespressekonferenz stehe wegen der Aufnahme von Vertretern sogenannter Parallelmedien in der Kritik. Inzwischen seien dort unter anderem Journalistinnen und Journalisten von “Nius”, “Kontrafunk”, “Epoch Times” und anderen umstrittenen Medien vertreten oder zugelassen. Kritiker sähen darin eine Normalisierung von Akteuren, die etablierten Journalismus gezielt diskreditieren und teils verschwörungsideologische oder rechtspopulistische Positionen verbreiten.

5. Tägliche Dosis: Was die Suchtdebatte für Soziale Medien bedeutet
(flurfunk-dresden.de, Christopher Brinkmann)
Christopher Brinkmann beschreibt in seinem Gastbeitrag, wie sich die Debatte über Soziale Medien verändere. Lange habe exzessive Nutzung als Ausdruck mangelnder Selbstkontrolle gegolten. Nun rücke das Design der Plattformen in den Fokus. Auslöser sei ein Urteil in den USA, das Meta und Google wegen suchtfördernder Mechanismen zu Zahlungen verurteilt habe. Gemeint seien etwa Endlos-Scrollen, automatische Wiedergaben und algorithmische Empfehlungen. Brinkmann spricht von einem möglichen “Big Tobacco Moment” für Soziale Medien.

6. Moneypenny
(freischreiber.de)
Im Newsletter der “Freischreiber” geht es ums liebe Geld: Freie Journalistinnen und Journalisten sollten Honorare konsequent verhandeln, weil die Bezahlung oft zu niedrig sei. Ein Beitrag der “Berliner Zeitung” bestätige aus Sicht der “Freischreiber”, dass schlechte Honorare Qualität gefährden und erfahrene Freie aus dem Journalismus drängen. Außerdem geht es in dem Newsletter um die umstrittene Aktivrente für Selbstständige, bessere Regeln beim Mutterschutz und die Frage, wie sich soziale Absicherung im Alter garantieren lässt.

Passende Umfragen, Fragen aus dem Glashaus, Vergessene Nachrichten

1. Umfragen, die ins Weltbild passen
(verdi.de, Thomas Gesterkamp)
Thomas Gesterkamp kritisiert den unreflektierten medialen Umgang mit reißerischen und methodisch unsauberen Umfragen. Insbesondere die Methoden des Ipsos-Instituts seien unzureichend und verfälschend: “Ernst zu nehmende Forschung kann so nicht entstehen, die Resultate sind alles andere als repräsentativ. Von einer ‘Studie’, die einer wissenschaftlichen Prüfung standhält, kann keine Rede sein.”

2. Florian Warweg: Spitze Fragen aus dem Glashaus
(nd-aktuell.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre schreibt über den Journalisten Florian Warweg, der von sich behaupte, als neutraler Beobachter “alle Realitäten” abzubilden. In der Praxis zeige Warwegs Arbeit jedoch eine deutliche pro-russische Schlagseite und klammere Kritik am Kreml konsequent aus. Er habe jahrelang für den russischen Staatssender RT Deutsch gearbeitet und diesem auch nach der Annexion der Krim und dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine die Treue gehalten. Buhre stellt fest: “Je mehr man sich mit seinen Artikeln, Interviews und Tweets beschäftigt, desto klarer wird, dass Warwegs politische Überzeugungen mit den von RT verbreiteten Narrativen und Perspektiven oft deckungsgleich sind.”

3. Top Ten der Vergessenen Nachrichten 2026
(derblindefleck.de)
Die “Initiative Nachrichtenaufklärung” hat auch für 2026 wieder zehn gesellschaftlich hochrelevante Themen veröffentlicht, die in den großen Medien ignoriert oder stark vernachlässigt würden. Es geht unter anderem um die psychische Belastung von Untersuchungshäftlingen, die schleichende Vergiftung unserer Nahrungskette durch Mikroplastik in Ackerböden sowie die brutale Ausbeutung und Nikotinvergiftung von Kindern auf Tabakplantagen.

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4. CORRECTIV steigt aus der internationalen Faktencheck-Infrastruktur ClaimReview aus – Was jetzt folgt
(correctiv.org)
Wie die “Correctiv”-Redaktion in eigener Sache mitteilt, ziehe man sich aus der von Google finanzierten Faktencheck-Infrastruktur “ClaimReview” zurück, nachdem der Tech-Konzern die Sichtbarkeit von Faktenchecks intransparent und ohne Einbindung der Community eingeschränkt habe. Um sich aus der Abhängigkeit von US-Konzernen zu lösen, wolle das Medienhaus künftig auf eine eigene, unabhängige Datenbank setzen: “Mit dem CORRECTIV.Faktenforum baut CORRECTIV eine eigene, resiliente Infrastruktur, die unabhängig von Big Tech ist.”

5. News-Charts: Die kritischen Klicks mit dem Krieg
(dwdl.de, Simon Pycha)
Die aktuelle “DWDL”-Auswertung der TikTok-News-Charts zeigt, dass Medienmarken zunehmend mit der Darstellung von Krieg, Chaos und Zerstörung enorme Klickzahlen generieren. Obwohl TikTok explizite Inhalte eigentlich drossele, würden Algorithmus und Moderation bei Aufnahmen von Bombeneinschlägen oder Fluchtszenen offenbar nicht eingreifen. Dies habe im März zu einem neuen Allzeit-Rekord in der über dreijährigen Geschichte der “DWDL”-Charts geführt.

6. RBB-Intendantin Ulrike Demmer: Journalismus, Podcast, Zukunft
(spotify.com, Su Holder & Chris Guse, Audio: 1:06:00 Stunden)
Im Podcast übers Podcasten begrüßen Su Holder und Chris Guse die ehemalige “Spiegel”-Journalistin, frühere stellvertretende Regierungssprecherin und jetzige Intendantin des RBB Ulrike Demmer. Sie sprechen mit ihr über die schwierigen vergangenen Jahre des Umbaus und den radikalen Sparplan, dem sich der öffentlich-rechtliche Sender unterwerfen musste. Und natürlich geht es um die Bedeutung von Podcasts für den RBB.

KW 12/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Haben Medien im Kampf gegen KI-Fakes schon verloren?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 27:45 Minuten)
In der aktuellen Podcast-Folge von “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit der Deepfake-Expertin Anika Gruner, Mitgründerin des Start-ups Neuramancer AI Solutions, über die wachsende Gefahr durch unerkannte KI-Fakes im Journalismus. Anhand aktueller Fehler großer Medienhäuser wie dem “Spiegel” und dem ZDF gehen die beiden der Frage nach, warum Fälschungen zunehmend schwerer zu enttarnen sind. Zudem geht es in dem Gespräch darum, wie Erkennungs-Software Redaktionen künftig dabei helfen kann, manipulierte Bilder und Videos rechtzeitig zu identifizieren.
Weiterer Hörtipp: Beim österreichischen “Falter” erklärt ORF-Faktencheckerin Eva Wackenreuther, “wie man Bilder in Zeiten von KI auf ihre Echtheit prüft”: Kriegsfotos: Fact-Checking als Katz- und Mausspiel (falter.at, Eva Konzett, Audio: 29:37 Minuten).
Weiterer Gucktipp: Auf YouTube verkündet Chan-jo Jun: “Wir haben es geschafft: Herstellung von DeepFakes wird verboten!”: “Seit mehr als einem Jahr kämpfen HateAid, Marc-Uwe Kling, Eckart von Hirschhausen und über 400.000 Unterstützer dafür, dass es endlich wirksamen Schutz vor Deepfakes gibt. Die Bundesregierung war erst zögerlich und hatte uns dann immer wieder vertröstet, aber durch Collien Fernandes und die vorangegangenen Eskapaden von Musk wurde das Thema so dringend, dass es jetzt doch noch schnell auf die Agenda kam.” (youtube.com, Chan-jo Jun & Jessica Flint, Video: 10:41 Minuten)

2. Synchronsprecher packt aus: KI wird unsere Jobs zerstören?!
(youtube.com, Charles Rettinghaus, Video: 59:24 Minuten)
Bei “Hollywoodgeflüster” hat der Gastgeber und Synchronregisseur Charles Rettinghaus den Nachwuchsschauspieler und Synchronsprecher Oliver Szerkus zu Gast. Die beiden diskutieren intensiv über die wachsende Bedrohung für Sprecherinnen und Sprecher durch KI-Technologien sowie über veränderte mediale Konsumgewohnheiten durch Plattformen wie TikTok. Außerdem geht es um die Frage, wie die emotionale, menschliche Komponente in der Kunst zukünftig ihren Wert behalten kann.

3. Weimers Republik: Wie der Staatsminister Kultur zur Gesinnungsfrage macht – und warum der Staat auch extreme Kunst fördern sollte
(lagedernation.org, Philip Banse & Ulf Buermeyer, Audio: 1:56:15 Stunden)
Im Politik-Podcast “Lage der Nation” tauschen sich Philip Banse und Ulf Buermeyer wöchentlich über die wichtigsten politischen Geschehnisse aus. Dabei geht es auch um die diversen Skandale rund um Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und die Frage: Wie kann und wie darf der Staat Kultur fördern? (siehe die entsprechenden Kapitelmarken)
Weiterer Gucktipp: 3sat-“Kulturzeit”: Eklat um Buchhandlungspreis: Greift Kulturstaatsminister Weimer die Demokratie an? (youtube.com, Lotar Schüler & Jochen Werner & Vivian Perkovic, Video: 9:07 Minuten)

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4. Zwischen Klischee und Klassismus – wie Medien über Armut berichten
(thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 44:56 Minuten)
Im Gespräch zwischen Lukas Schöne und der freien Journalistin und Autorin Brigitte Theißl aus Österreich geht es um die Darstellung von Armut in Medien. Die beiden diskutieren darüber, warum armutsbetroffene Menschen im Journalismus häufig stereotypisiert oder auf klischeehafte Aufsteigergeschichten reduziert werden, anstatt die strukturellen Ursachen von Armut zu beleuchten. Theißl gibt zudem konkrete Tipps für eine sensiblere Berichterstattung.

5. Seine Abrechnung mit ZDF ging schief
(youtube.com, Rezo, Video: 1:00:53 Stunden)
Rezo hat sich mit dem YouTuber Ben (Kanal “{ungeskriptet} by Ben”) und dessen Aussagen nach einem Auftritt im ZDF-Format “13 Fragen” auseinandergesetzt. Er analysiert Bens Argumentationsweise und wirft ihm systematische Widersprüche sowie die Nutzung von Strohmann-Argumenten vor. Außerdem erkenne Ben wissenschaftliche Fakten nur dann an, wenn sie in sein Weltbild passen würden, und biete Extremisten unkritisch eine Plattform.

6. Vergessen Medien das Völkerrecht?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 28:49 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Medien selektiv das Völkerrecht “vergessen” wie zum Beispiel beim Angriff auf den Iran. Es diskutieren DLF-Hörer Wolfram Friedrichs, DLF-Nachrichtenchef Marco Bertolaso und Medienforscherin Carola Richter von der FU Berlin.

Weltkugel gegen Weimer, “Nius” und Frauenhass, Kaum Reichweite auf X

1. “Zur Schwan­kenden Welt­kugel” mahnt Weimer wegen Inter­view ab
(lto.de, Annelie Kaufmann)
Die Inhaberinnen der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” würden sich nun juristisch gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wehren und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung fordern. Grund dafür sei ein aktuelles Zeitungsinterview, in dem Weimer die vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Läden öffentlich als “politische Extremisten” bezeichnet habe. Der Anwalt der Buchhandlung kritisiere diese Wortwahl als rechtswidrige und stigmatisierende Diffamierung, die der Kulturstaatsminister im Falle einer Weigerung vor Gericht mit konkreten Fakten belegen müsse.

2. Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
(taz.de, Erik Peter)
Das neu gegründete “Edelweiß Netzwerk” habe den “Nius”-Macher Julian Reichelt mit einer fahrbaren Großbildleinwand im Berliner Regierungsviertel gezielt provoziert. Auf der Leinwand seien Schmähzitate gegen ihn präsentiert worden. Reichelt und seine Anhängerschaft hätten sich online sofort lautstark über den vermeintlichen linken Hass empört. Die verwendeten Zitate seien in Wahrheit jedoch aus “Nius”-Kommentarspalten entnommen worden und hätten sich ursprünglich gegen prominente Frauen gerichtet.

3. Ramadan-Luxusbuffet erfunden: NIUS blamiert sich wieder mit Fake-Story!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Das Portal “Nius” habe laut “Volksverpetzer” eine gezielte Falschmeldung über ein angeblich steuerfinanziertes “Ramadan-Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger” in der Dortmunder Arbeitsagentur verbreitet. Recherchen von t-online.de hätten den Vorfall jedoch rasch aufgeklärt: Die neue, selbst nicht muslimische Kantinenpächterin habe die rein weltliche Eröffnungsfeier als Werbeaktion komplett aus eigener Tasche bezahlt.

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4. Wenig Reichweite, viel Hass
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Eine aktuelle Analyse des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie zeige, dass deutsche Bundesministerien und Behörden auf der Plattform X (ehemals Twitter) kaum noch nennenswerte Reichweiten erzielen. Viele staatliche Stellen würden ihre Präsenz mit ihrem verfassungsrechtlichen Informationsauftrag begründen. In der Realität würden ihre Beiträge jedoch nur minimale Interaktionsraten im einstelligen Prozentbereich verzeichnen: “Die meisten untersuchten Accounts der Bundesministerien haben unter 200.000 Follower:innen und erzeugen kaum Resonanz.”

5. “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien”
(mdr.de)
Der öffentlich-rechtliche MDR habe gemeinsam mit zahlreichen Institutionen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur einen “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien” veröffentlicht. Die Initiative wolle ein starkes Signal für den uneingeschränkten Zugang zu Informationen setzen und betonen, dass jeder Angriff auf die Informationsfreiheit unweigerlich auch das demokratische Gemeinwesen angreife.

6. Facts and Fantasy
(journalist.de, Hilmar Poganatz)
Der Journalist Hilmar Poganatz berichtet, dass immer mehr öffentliche-rechtliche Medienhäuser wie BR und SWR sogenannte Pen-and-Paper-Rollenspiele als innovatives, auch journalistisches Format entdecken. Durch diese live auf Plattformen wie Twitch und YouTube gestreamten Spielrunden würden sich komplexe oder historische Themen stark emotionalisieren lassen. Dadurch erreiche man gezielt jene “Digital Natives”, die klassische Nachrichtenangebote mittlerweile oft meiden.

Lügengeschichte bei Ronzheimer, Buchläden, Krieg als Computerspiel

1. Sat.1 fällt bei “Ronzheimer” auf Lügengeschichte rein
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die Sat.1-Reportagereihe “Ronzheimer” mit dem stellvertretenden “Bild”-Chefredakteur Paul Ronzheimer in der namensgebenden Hauptrolle sei auf einen Hochstapler hereingefallen, der sich mithilfe gefälschter Dokumente erfolgreich als “Sozialschmarotzer” inszeniert habe. Nachdem der Schwindel aufgeflogen sei, habe der Sender die Folge um die entsprechenden Szenen gekürzt und prüfe nun rechtliche Schritte. Außerdem habe man beim unverschuldet in die Kritik geratenen Jobcenter Hannover um Entschuldigung gebeten.

2. So wollen sich die Buch­läden gegen Minister Weimer wehren
(lto.de)
Nach ihrem umstrittenen Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hätten die drei betroffenen linken Buchhandlungen nun rechtliche Schritte angekündigt, um die zugedachte Auszeichnung gerichtlich einzufordern. Weimer rechtfertige die Streichung von der Gewinnerliste mit vagen “verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen”, die durch das rechtlich zweifelhafte und für die Betroffenen intransparente “Haber-Verfahren” übermittelt worden seien.

3. Das Weiße Haus inszeniert den Krieg gegen Iran als Computerspiel
(spiegel.de)
Der offizielle X-Account des Weißen Hauses habe ein Video veröffentlicht, in dem reale, tödliche Angriffe des US-israelischen Krieges gegen den Iran in der Ästhetik des Videospiels “Call of Duty” inszeniert worden seien. Der Clip reihe sich in eine umstrittene Social-Media-Strategie der Trump-Regierung ein, die gezielt teils brutale Kriegsszenen in gewaltverherrlichende Memes verwandle.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Wenn ein Krieg in der Sprache von Technik und Strategie erzählt wird, normalisiert er sich. Dann ist ein Angriff ein ‘Präventivschlag’, eine Bombardierung eine ‘Operation’, und Bomben sind ‘ins Ziel gebracht’ worden. Und irgendwann liest sich das Ganze wie ein Bundesligabericht: Ballbesitz, gelbe Karten, Torschüsse. Nur dass es hier nicht um Fußball geht.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:02 Minuten)

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4. “Ohne das Geld müssen wir viele Aktivitäten einstellen”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Der feministische Verein ProQuote Medien stehe nach dem überraschenden Stopp der jahrelangen Bundesförderung vor massiven finanziellen Problemen. Ohne die fehlenden 600.000 Euro müsse man voraussichtlich Kernprojekte wie die Leitmedienzählung einstellen. Carolina Schwarz hat mit Vorstandsmitglied Olga Herschel über die schwierige Situation für den Verein gesprochen.

5. Vor den Landtagswahlen: Tipps für Lokaljournalist:innen aus der Praxis
(netzwerkrecherche.org, Maria-​Mercedes Hering)
Bei einer neuen Gesprächsreihe von Netzwerk Recherche habe sich eine Gruppe von über 40 Lokaljournalistinnen und -journalisten intensiv über die massiven Herausforderungen, zunehmenden Anfeindungen und Sicherheitsbedenken bei der Berichterstattung im Vorfeld von Landtagswahlen ausgetauscht. Um Parteien wie der AfD professionell begegnen zu können, rate die Runde unter anderem zu proaktiven Vor-Ort-Recherchen, zum Einsatz divers besetzter Redaktionsteams sowie zur Festlegung von Leitlinien für die Wahlberichterstattung.

6. Wir haben die “Ostdeutsche Allgemeine” gefaktencheckt, damit du es nicht tun musst
(volksverpetzer.de, Philip Kreißel & Thomas Laschyk)
In einem ausführlichen Faktencheck kritisieren Philip Kreißel und Thomas Laschyk, dass die erste Ausgabe der neu gegründeten “Ostdeutschen Allgemeinen” von Herausgeber Holger Friedrich massiv mit längst widerlegten “Fake News” und kremltreuer Propaganda durchsetzt sei. Um sich an eine Zielgruppe aus “Querdenkern” und Rechtsextremen anzubiedern, reproduziere das Blatt unter anderem alte Falschbehauptungen über angebliche Gesundheitsgefahren durch Corona-Masken sowie unwirksame PCR-Tests.

KI-Material im “heute journal”, Altersbeschränkungen, TV-Quote

1. Mit dem Zweiten … sieht man KI-Videos
(taz.de, Martin Seng)
Das ZDF habe im “heute journal” in einem Bericht über Abschiebungen in den USA ungekennzeichnetes KI-Videomaterial verwendet, was einen schweren Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht darstelle. Nachdem der Sender zunächst von einem technischen Versehen gesprochen habe, sei die entsprechende Sendung zwischenzeitlich gelöscht und der Fehler von der Chefredaktion eingeräumt worden. Martin Seng schreibt dazu in der “taz”: “Der ÖRR muss Seriosität und Faktentreue bieten, verletzt in diesem Fall aber seine eigenen Standards. Noch dazu bedienen solche Fehler das trumpsche Narrativ der Fake News und schädigen das Vertrauen in den Journalismus allgemein.”
Nachtrag: ZDF entschuldigt sich im ‘heute journal’ bei Zuschauern: “‘Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards’: Die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin hat sich im ‘heute journal’ an das Publikum gewandt. Hintergrund war ein ‘Doppelfehler’ des Senders.” (spiegel.de)

2. Auch Unionspolitiker für Social-Media-Beschränkung
(tagesschau.de)
Nach einem Vorstoß der SPD würden nun auch führende Unionspolitiker wie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Fraktionschef Jens Spahn strengere Altersbeschränkungen für Soziale Medien fordern, um die psychische Gesundheit junger Menschen besser zu schützen. Trotz der grundsätzlichen Einigkeit in der schwarz-roten Koalition wolle die Bundesregierung einem Sprecher zufolge zunächst die Ergebnisse einer Expertenkommission im September abwarten, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen werde.

3. Kampf um Mei­nungs­f­rei­heit darf nicht am Geld schei­tern
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Felix W. Zimmermann kritisiert, dass die enormen Prozesskosten im deutschen Äußerungsrecht faktisch die Meinungsfreiheit einschränken würden. Oft könnten sich nur wohlhabende Personen oder große Medienhäuser die juristische Gegenwehr gegen Abmahnungen leisten. Ursächlich seien vor allem schematisch zu hoch angesetzte Streitwerte durch die Gerichte sowie die Praxis, Ansprüche wie Unterlassung und Gegendarstellung separat abzurechnen. Dieses Vorgehen treibe das Kostenrisiko selbst bei Bagatellfällen in die Höhe.

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4. Kann die AfD den MDR abschalten?
(flurfunk-dresden.de)
Im “Politik-Podcast” des MDR Sachsen sei analysiert worden, ob die AfD im Falle einer Regierungsbeteiligung den öffentlich-rechtlichen Sender tatsächlich abschalten könnte. Die befragten Experten hätten klargestellt, dass aufgrund einer zweijährigen Kündigungsfrist keine sofortige Schließung möglich sei. Juristen hätten zudem betont, dass der Staat verfassungsrechtlich zur Gewährleistung einer unabhängigen Grundversorgung verpflichtet sei. Die vagen AfD-Pläne für einen steuerfinanzierten “Grundfunk” seien rechtlich kaum haltbar.

5. Erschreckende Zahlen: Journalismus zwischen Burnout und Berufung
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 29:37 Minuten)
Alexander Matzkeit diskutiert in seinem Podcast “Läuft” mit der Medienwissenschaftlerin Anna von Garmissen über die prekären Arbeitsbedingungen im Journalismus, die zunehmend zu einer Flucht aus dem Beruf führen würden. Basierend auf aktuellen Studien stellen sie fest, dass über die Hälfte der Befragten ein erhöhtes Risiko für Burnout und Depressionen aufweise.

6. Plausibel oder problematisch: Stößt die TV-Quote an ihre Grenzen?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei thematisiert die anhaltende Ratlosigkeit der TV-Branche über massive Quoteneinbrüche bei Kindersendern im Januar. Er wertet die Vorfälle als Warnschuss, der eine offene Debatte über die Belastbarkeit der TV-Quoten in Zeiten fragmentierter Mediennutzung unumgänglich mache.

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