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Social-Media-Verbot?, Burkard rudert zurück, Christliche Influencer

1. “Ein Social-Media-Verbot macht den Jugendschutz schlechter”
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Der Medienrechtler Stephan Dreyer kritisiert im Interview mit netzpolitik.org, dass die politische Debatte über ein Social-Media-Verbot für Minderjährige nach australischem Vorbild weitgehend von der komplexen Forschungslage entkoppelt sei. Zudem würde ein derartiges Verbot gegen geltendes EU-Recht wie den Digital Services Act verstoßen. Dreyer warnt davor, dass nationale Alleingänge rechtlich kaum durchsetzbar seien und ein pauschales Verbot den Jugendschutz sogar verschlechtern könne. Außerdem verlören Jugendliche wichtige Teilhabe- sowie Kommunikationsräume.

2. Wir werden zu Wölfen gemacht
(taz.de, Annekathrin Kohout)
Die unkommentierte Veröffentlichung der Epstein-Files diene lediglich als Rohmaterial für die “Reaktionsmaschinerie” der Sozialen Medien, stellt die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout in ihrer “taz”-Kolumne fest. Statt zur Aufklärung beizutragen, würden die Akten von Content Creatorn und True-Crime-Formaten zu Unterhaltung verarbeitet. Dadurch verschwimme die Grenze zwischen authentischem Material, Fiktion und gezielter Desinformation bis zur Unkenntlichkeit.

3. Merz in den Epstein-Files: Erwähnung ist kein Hinweis auf Straftaten
(correctiv.org, Gabriele Scherndl)
Gabriele Scherndl stellt klar, dass Behauptungen über eine Verwicklung von Bundeskanzler Friedrich Merz in den Epstein-Skandal haltlos seien, da sein Name lediglich in einem den Akten beigefügten Blogpost über die Trilaterale Kommission auftauche. Die bloße Erwähnung belege keinerlei Kontakt zu dem Sexualstraftäter, werde jedoch in Sozialen Medien gezielt aus dem Kontext gerissen, ähnlich wie bei Falschmeldungen über Stephanie von Bismarck oder KI-generierten Bildern von Politikern. Die Unübersichtlichkeit der riesigen Datenmenge des US-Justizministeriums biete einen idealen Nährboden für Verschwörungsmythen.

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4. Notfalleinsätze bei RTL nach Entlassungen? Burkard rudert zurück
(dwdl.de, Timo Niemeier)
RTL-Moderatorin Katja Burkard habe ihre Aussagen aus dem Podcast “Zwischen den Zeilen” revidiert, wonach es im Zuge der Bekanntgabe des Stellenabbaus beim TV-Sender zu Zusammenbrüchen und Krankenwageneinsätzen gekommen sei. In einem Instagram-Video habe sie eingeräumt, ungeprüftes Hörensagen weiterverbreitet zu haben. Sie habe nun klargestellt, dass die dramatischen Schilderungen über medizinische Notfälle nicht der Wahrheit entsprächen.

5. Wie christliche Influencer mit dem rechten Rand flirten
(youtube.com, Angela Giese & Felix Wolf, Video: 28:31 Minuten)
“Hat der christliche Glauben ein Comeback in der GenZ? Wenn man sich die Social-Media-Accounts von Christfluencern ansieht, hat man den Eindruck, die Antwort lautet: ja. Sie propagieren den ‘Jesus Glow’ und versprechen jungen Menschen, dass der Glaube ihnen in Krisenzeiten Halt und Orientierung bietet.” Angela Giese und Felix Wolf haben sich auf die Spur der sogenannten Christfluencer gemacht, die am rechten Rand fischen würden: “Wir zeigen, wie mit dieser schwarz-weißen Weltanschauung die politischen Linien zu Rechtspopulisten und der AfD verschwimmen. Dabei sprechen wir mit Theologen, Aussteigern und folgen der Spur in die USA bis zu Donald Trump.”

6. Instagram-Chef bestreitet Suchtpotenzial der App
(spiegel.de)
Instagram-Chef Adam Mosseri habe in einem richtungsweisenden Prozess in Los Angeles bestritten, dass die App “klinisch süchtig” macht, und den Konsum lediglich mit der Begeisterung für Fernsehserien verglichen. Die Klägerin werfe den Plattformen vor, durch Funktionen wie das endlose Scrollen gezielt psychische Probleme verursacht zu haben. Der hinter Instagram stehende Social-Media-Konzern Meta argumentiere, dass die Ursachen in den vorbestehenden schwierigen Familienverhältnissen der Frau zu suchen seien. Snapchat und TikTok hätten sich bereits vor Prozessbeginn mit der Frau auf einen Vergleich geeinigt.

7. Ein Reality-Format jagt das nächste
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:34 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Der “6-vor-9”-Kurator kritisiert anlässlich des fast nahtlosen Übergangs vom “Dschungelcamp” zu “Germany’s Next Topmodel”, dass seriöse Medien diese Reality-Formate oft wie echte Dokumentationen besprächen, obwohl es sich um konstruierte Inszenierungen handele: “Man muss sich mal vorstellen, ein Journalist würde über einen Spielfilm schreiben: ‘Brad Pitt hat gestern mutig gegen die Zombie-Invasion gekämpft.’ Das wäre doch absurd, oder?”

Metas Werbeverbot, Problematische Reise-Influencer, Zu schlau für TV

1. “Das Wort Demokratie kann problematisch sein”
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Ingo Dachwitz beschreibt in seinem Artikel, wie Metas pauschales Verbot politischer Werbung in der EU zu willkürlichen Sperrungen bei NGOs, Museen und Unternehmen führe. Selbst harmlose Aufklärungskampagnen oder Spendenaufrufe würden darunter fallen. Offiziell begründe der Social-Media-Konzern diesen Schritt mit der Komplexität neuer EU-Transparenzregeln. Kritiker würden dahinter jedoch den Versuch vermuten, sich jeglicher Regulierung zu entziehen und Strafzahlungen zu vermeiden.

2. Epstein taucht in Epstein-Akten auf!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die mediale Aufarbeitung der neu veröffentlichten Epstein-Akten sei oft von Sensationsgier und mangelnder Sorgfalt geprägt, findet Boris Rosenkranz bei “Übermedien” (jetzt frei lesbar). Er bemängelt, dass viele Redaktionen statt auf tiefergehende Analysen lediglich auf schnelles “Namedropping” und Clickbait setzen würden. Dadurch würden selbst harmlose Erwähnungen in den Dokumenten zu Skandalen aufgebauscht.

3. Wie rechte Influencer*innen Reisen für Propaganda-Zwecke instrumentalisieren
(belltower.news, Kiran Bowry)
Kiran Bowry analysiert in seinem Text, wie rechte Influencer das vermeintlich unpolitische Genre der Reise-Vlogs instrumentalisieren. Insbesondere der YouTuber Kurt Caz verbreite durch inszenierte “Gefahrensituationen” rassistische und nativistische Narrative. Bowrys Botschaft an die Medien: “Faktenchecks genügen nicht. Ohne Einordnung bleiben Reise-Influencer*innen wirksame Akteure bei der schleichenden Normalisierung rechtsextremer Weltbilder.”

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4. Gezielte Angriffe auf Medienschaffende
(verdi.de)
Aus einer Antwort der Bundesregierung gehe hervor, dass zwischen April 2024 und November 2025 mehr als 800 politisch motivierte Straftaten gegen Medienschaffende registriert worden seien. Angesichts dieser Bedrohungslage fordert die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union, Journalistinnen und Journalisten im Rahmen der anstehenden Strafgesetzbuch-Novelle (§ 116 StGB-E, PDF) ausdrücklich als schutzwürdige Berufsgruppe gesetzlich zu verankern.

5. Sieben Forderungen gegen Desinformation
(neuemedienmacher.de)
Die Neuen deutschen Medienmacher*innen haben einen Sieben-Punkte-Katalog vorgelegt (PDF), um die “Leerstelle bei der Mehrsprachigkeit” zu schließen. Hiesige Medienangebote hätten der Vielsprachigkeit von Falschmeldungen bisher kaum etwas entgegengesetzt. Zu den zentralen Forderungen zählen der massive Ausbau mehrsprachiger Angebote im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie eine stärkere Diversität in Redaktionen. Das Ziel sei es, manipulative Narrative frühzeitig zu identifizieren und Faktenchecks in mehreren Sprachen anzubieten.

6. Zu schlau fürs Fernsehen: Der Publizist Roger Willemsen
(wdr.de, Anke Rebbert, Audio: 13:23 Minuten)
Anlässlich seines zehnten Todestages erinnert das WDR-“Zeitzeichen” an den Publizisten Roger Willemsen, der als “boulevardtauglicher Intellektueller” das Fernsehen der 90er-Jahre geprägt habe. Autorin Anke Rebbert beschreibt, wie der promovierte Musik-Experte durch seinen einzigartigen, zugewandten Moderationsstil zum Publikumsliebling avanciert sei, bevor er sich Ende der 90er-Jahre bewusst aus dem Talkshow-Geschäft zurückgezogen habe.

KW 06/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Tatort Schlagzeile: Die Debatte um Herkunft
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 40:44 Minuten)
Bei “Die Medienversteher” diskutieren der Medienwissenschaftler Tanjev Schultz und der Journalist Markus Wolsiffer über das ethische Dilemma, ob und wann die Herkunft von Straftätern in der Berichterstattung genannt werden sollte. Die Kölner Silvesternacht 2015/16 markiere eine Zäsur, die zu einer Aufweichung des Pressekodex geführt habe. Daraufhin sei die Nennung der Nationalität in vielen Redaktionen und auch in Polizeimeldungen zur unhinterfragten Routine geworden.

2. Warum ist der Sportjournalismus immer noch fest in Männerhand?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:18 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast fragt Holger Klein die Sportjournalistin Nora Hespers, warum das Sportressort trotz einer gestiegenen Sichtbarkeit von Frauen im TV weiterhin eine Männerdomäne bleibe. Der Frauenanteil in der Branche liege lediglich bei zehn bis 15 Prozent, und weibliche Führungskräfte sowie Kommentatorinnen würden nach wie vor die Ausnahme bilden. “Obwohl mehr Frauen in den Sportjournalismus kommen, bleibt noch viel zu tun”, so Hespers Fazit.

3. Kommt ein neues “Spotify für Verlage”?
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 24:08 Minuten)
Christian Jakubetz unterhält sich mit Swantje Dake, ehemalige Digital-Chefredakteurin der “Stuttgarter Zeitung” und der “Stuttgarter Nachrichten”, über deren neues Start-up namens “Unlock”. Dabei handele es sich um eine Plattform nach dem “Spotify-Prinzip”, die Nutzerinnen und Nutzern gegen eine monatliche Gebühr (geplant seien circa 15 Euro) den Zugriff auf Bezahlartikel verschiedener Verlage ermöglichen soll. Dake ist zuversichtlich, dass dieses Modell jetzt funktioniert, da Paid-Content mittlerweile etabliert sei und Verlage unter höherem Digitalisierungsdruck stünden.

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4. Die Krise des Musikjournalismus
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth, Audio: 27:37 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die prekären Arbeitsbedingungen im Popjournalismus. Deutschlandfunk-Hörerin Luise Herzog diskutiert darüber mit Ruben Jonas Schnell vom Internetradiosender ByteFM und Thomas Venker von “Kaput”, dem “Magazin für Insolvenz & Pop”.

5. Wenn’s beim Buschmann zweimal klingelt (mit ⁨@AnwaltJun⁩)
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 1:05:25 Stunden)
Gavin Karlmeier und Anwalt Chan-jo Jun diskutieren über Elon Musks mutmaßliche Strategie, durch kontroverse KI-Inhalte von “Grok” Aufmerksamkeit zu generieren. Zudem erörtern sie das juristische Schwinden des sogenannten Providerprivilegs, wodurch Plattformen künftig schneller und direkter für Datenschutzverstöße und KI-Risiken haften müssten. Abschließend berichtet Jun von einer erfolgreich zugestellten einstweiligen Verfügung an X (ehemals Twitter), nachdem vorherige Zustellversuche gescheitert seien.

6. Marietta Slomka – 2 + 2 = 4
(hr2.de, Jagoda Marinić, Audio: 1:12:33 Stunden)
Bei “Freiheit Deluxe” unterhält sich Jagoda Marinić mit der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka über die Entwicklung der Medienwelt in den vergangenen Jahrzehnten. Die Nachrichtenproduktion sei heute komplexer, Faktenchecks würden zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Zudem erklärt Slomka, wie sie sich professionell von der Flut schlechter Nachrichten abgrenzt, um ihre persönliche Zuversicht für das herausfordernde Jahr 2026 zu bewahren.

Massenentlassungen, Bei Lanz kein Ministerpräsident, Exilmedien

1. Der Letzte macht das Licht aus
(taz.de, Nicholas Potter)
Die “Washington Post” habe in einem radikalen Kahlschlag rund 30 Prozent ihrer Redaktion entlassen, “mehr als 300 der insgesamt rund 800 Journalisten sollen ihren Job verloren haben.” Besonders betroffen sei die Auslandsberichterstattung in Krisenregionen wie der Ukraine oder dem Nahen Osten. Ursache sei vor allem das politische Kalkül von Eigentümer Jeff Bezos, kommentiert Nicholas Potter. Kritiker wie Ex-Chefredakteur Marty Baron hätten diesen Schritt als “selbstverschuldete Zerstörung” bezeichnet.

2. Daniel Gün­ther war bei Lanz kein Minis­ter­prä­si­dent
(lto.de, Markus Sehl)
Das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein habe einen Antrag des Portals “Nius” gegen das Land abgewiesen, mit dem untersagt werden sollte, dass Daniel Günther das Medium als “Feinde der Demokratie” oder “faktenfrei” bezeichnet. Zur Begründung habe die Kammer ausgeführt, dass Günther in der Talkshow “Markus Lanz” nicht als Ministerpräsident, sondern als Parteipolitiker aufgetreten sei. Somit habe er keine amtliche Neutralitätspflicht verletzt. Der Beschluss sei noch nicht rechtskräftig. “Nius” könne noch Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen.

3. Russische Medien im Exil: “Diese Redaktionen sind zur Innovation verdammt”
(geo.de, Diana Laarz)
Russische Exilmedien fänden trotz massiver Repressionen weiterhin Wege, um ihre Zielgruppen in der Heimat zu erreichen und so das staatliche Informationsmonopol aufzubrechen. Die rund 63 russischen Redaktionen im Exil seien nicht nur Nischenphänomene; sie würden mit Millionenreichweiten auch ländliche Gebiete erreichen. Dennoch sei die Finanzierungslage prekär.

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4. Paramount-Chef Ellison wirbt um Unterstützung der Branche
(dwdl.de, Uwe Mantel)
In einem offenen Brief an die deutsche Kreativbranche werbe Paramount-Chef David Ellison um Unterstützung für die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery, um so das konkurrierende Angebot von Netflix doch noch auszustechen. Ellison verspreche unter anderem, die Produktion beider Studios auf jährlich mindestens 30 Kinofilme zu erhöhen und strikte exklusive Kinofenster von bis zu 90 Tagen einzuhalten, bevor Filme im Streaming landen.

5. Die Medienhölle – Episode 004
(youtube.com, Jörg Wagner, 1:54:17 Stunden)
In der aktuellen Ausgabe seiner “Medienhölle” widmet sich Jörg Wagner unter anderem dem 38. dju-Journalismustag, auf dem er mit der ehemaligen TikTok-Mitarbeiterin Sara Tegge über Künstliche Intelligenz und mit der Forscherin Anna von Garmissen über die Grenzen zwischen Influencern und Journalisten gesprochen hat. Des Weiteren diskutiert Wagner mit dem Medienunternehmer Sebastian Jabbusch über Insolvenzszenarien und unterhält sich mit dem ehemaligen “Business-Insider”-Chef Kayhan Özgenç.

6. Wer einen Instagram- oder Facebook-Account hat, kann Schadenersatz kassieren
(netzpolitik.org, Martin Schwarzbeck)
Das Oberlandesgericht Dresden habe vier Klägern jeweils 1.500 Euro Schadenersatz zugesprochen, weil der Meta-Konzern über sogenannte “Business Tools” das Nutzerverhalten auf Drittwebseiten ohne Einwilligung illegal aufgezeichnet habe. Für den Anspruch sei es laut Gericht nicht notwendig, eine konkrete Überwachung im Einzelfall nachzuweisen. Angesichts der umfassenden Datensammelpraxis sei bereits der bloße Besitz eines Facebook- oder Instagram-Accounts ausreichend.

Bedrohte Vielfalt, Schock nach Kahlschlag, Auswirkungen von KI

1. Weinende Soldaten, angebliche Desertion – wie KI-Videos in sozialen Medien den Ukrainekrieg verzerren
(faktencheck.afp.com, Katharina Zwins)
Laut einer Analyse von AFP würden prorussische Kreise seit November 2025 massenhaft KI-generierte Videos auf Sozialen Netzwerken verbreiten, die weinende oder desertierende ukrainische Soldaten zeigen sollen. Experten stufen diese Kampagne als “kognitive Kriegsführung” ein, die durch emotionale Inszenierungen gezielt die Moral der ukrainischen Bevölkerung untergraben und die internationale Unterstützung schwächen solle. Obwohl die meist mit Tools wie Sora 2 erstellten Clips oft technische Fehler aufweisen, würden sie auf Plattformen wie TikTok ein Millionenpublikum erreichen.

2. Rundfunkverbände sorgen sich um Medienvielfalt im Radiomarkt
(dwdl.de, Alexander Krei)
Mehrere private Rundfunkverbände aus dem deutschsprachigen Raum hätten sich zur “Linzer Erklärung” zusammengeschlossen, um vor dem Verlust der Medienvielfalt durch den massiven Abfluss von Werbegeldern an globale Online-Plattformen zu warnen. Sie würden die Politik dazu auffordern, durch Entbürokratisierung, Regulierungen für Big-Tech-Konzerne und diskriminierungsfreie Auffindbarkeit die wirtschaftliche Existenz des Privatradios zu sichern. Ohne schnelles Handeln würden nach Ansicht der Verbände irreversible Schäden für die demokratische Öffentlichkeit drohen.

3. Schock nach Kahlschlag bei RTL
(verdi.de, David Bieber)
Der private TV-Sender RTL habe angekündigt, bis zu 600 Stellen zu streichen (allein im Nachrichtenbereich rund 230), was bei der Belegschaft für Fassungslosigkeit gesorgt habe. Da die linearen Werbeeinnahmen massiv gesunken seien, wolle der Konzern künftig stärker auf Streaming setzen, weshalb bekannte Formate eingestellt und Redaktionen in neuen Newsrooms zusammengelegt würden. Um betriebsbedingte Kündigungen möglichst abzuwenden, habe man sich mit dem Betriebsrat auf einen umfassenden Sozialplan geeinigt.

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4. Welchen Horror wir erwarten
(taz.de, Yasemin Said)
Yasemin Said kritisiert, dass unser Gedenken an den Holocaust fast ausschließlich durch eine feste Ikonografie geprägt sei, die Erwartungen daran wecke, wie das Grauen auszusehen habe. Problematisch sei dabei, dass viele der bekannten Bilder ursprünglich von SS-Fotografen stammen. Dadurch würden wir die Geschichte unbewusst durch die zynische Perspektive der Täter betrachten. Diese verengte Ästhetik der Erinnerung führe dazu, dass unscheinbare, alltägliche Orte der Gewalt oft übersehen würden.

5. KI verdrahtet Film, TV und Produktion neu
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Laut einer aktuellen McKinsey-Analyse stehe die Film- und TV-Branche vor einem tiefgreifenden Umbruch, bei dem Künstliche Intelligenz bis 2030 Budgets und Workflows neu ordne. Ähnlich wie bei früheren Innovationen dürften laut der Studie vor allem große Distributoren und Plattformen den wirtschaftlichen Mehrwert abschöpfen. Es drohe gleichzeitig ein Rückgang der Gesamterlöse im System, sollte das Publikum weiter zu offenen Videoplattformen abwandern.

6. Die RiffReporter: Zehn Jahre selbstverwalteter Fachjournalismus
(dfjv.de, Gunter Becker)
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der “RiffReporter” hat sich Gunter Becker mit “RiffReporter”-Vorständin Christiane Schulzki-Haddouti und Autorenvertreter Björn Lohmann über ihr Modell des selbstverwalteten Fachjournalismus unterhalten. Dank der demokratischen Struktur der Genossenschaft genössen die Mitglieder als Miteigentümer zwar redaktionelle Freiheit, sie müssten aber zugleich hohe Qualitätsstandards und ethische Richtlinien einhalten.

Ver­öf­f­ent­li­chung strafbar, Betrug mit KI-Bildern, Springer-Krise?

1. Ver­öf­f­ent­li­chung von Gerichts­be­schlüssen im Ermitt­lungs­ver­fahren strafbar
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof (BGH) habe die Verurteilung des Journalisten Arne Semsrott bestätigt, da er unerlaubt Gerichtsbeschlüsse aus einem laufenden Ermittlungsverfahren gegen die “Letzte Generation” im Wortlaut veröffentlicht habe. Nach Auffassung der Richter schränke das entsprechende Gesetz die Pressefreiheit nur geringfügig ein. Semsrott, der diesen Rechtsstreit bewusst provoziert habe, wolle nun vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, um die Abschaffung des seiner Meinung nach veralteten Straftatbestands zu erreichen.
Weiterer Lesetipp: Semsrotts Organisation “FragDenStaat” hat ein Statement anlässlich des BGH-Beschlusses veröffentlicht: “Es darf nicht sein, dass Journalist*innen für faktische und korrekte Berichterstattung verurteilt werden und das Strafgesetzbuch zur Gefahr für die Pressefreiheit wird. Darum legen wir nun gemeinsam mit der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) Verfassungsbeschwerde ein, um vor dem Bundesverfassungsgericht zu zeigen: Paragraph 353d Nr. 3 muss endlich abgeschafft werden.”

2. Massenhafter Betrug in ganz Deutschland
(t-online.de, Florian Harms)
Florian Harms warnt vor einer Flut täuschend echter KI-Bilder und -Videos, die gezielt Emotionen wecken würden, um durch Klicks Geld zu verdienen und politische Stimmungen zu manipulieren: “KI-Bilder sind die Vorboten einer neuen Ära, in der die Grenze zwischen Schein und Sein zerfließt. Wir erleben den Generalangriff auf das letzte verbliebene Vertrauen, das unsere Zivilisation zusammenhält: den Glauben an unsere eigenen Augen.”

3. Zahlreiche Journalist:innen im Visier bei Attacke über Signal-Messenger
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wie Markus Reuter berichtet, nimmt ein unbekannter Akteur derzeit gezielt Journalistinnen und Aktivisten ins Visier, indem er über den Messenger Signal Phishing-Nachrichten an Dutzende Medienvertreter, etwa von “Zeit” und “Correctiv”, sowie Anwälte in ganz Europa versende. Der oder die Angreifer gäben sich dabei als “Signal Support” aus, mit dem Ziel, den Account zu übernehmen und sensible Kontaktnetzwerke auszuspähen. Signal betone, dass man Nutzerinnen und Nutzer niemals per Chat kontaktiere.

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4. Datensammelei mit Folgen
(taz.de)
Der österreichische Verbraucherschutzverein habe eine Sammelklage gegen den Social-Media-Konzern Meta gestartet, da das Unternehmen über im Hintergrund laufende Tracking-Tools heimlich sensible Daten von Nutzerinnen und Nutzer gesammelt habe. Parallel dazu verhandele das Oberlandesgericht Hamburg Ende Februar über eine weitere Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands wegen eines massiven Datenlecks aus den Jahren 2018/2019, bei dem persönliche Informationen im Darknet gelandet seien.

5. 10 Dinge, die ich beim Beta-Test einer KI zur Verfolgung von Desinformation gelernt habe
(de.ejo-online.eu, Martin Lestra)
Martin Lestra hat 18 Monate lang das EU-Projekt “PROMPT” koordiniert, bei dem er gemeinsam mit über 30 Partnern aus Journalismus und Faktenprüfung den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Analyse von Desinformationsnarrativen getestet habe. Aus diesen intensiven Beta-Tests leitet er zehn zentrale “Learnings” ab, die unter anderem verdeutlichen, dass KI-Tools für Experten absolut präzise arbeiten müssen und keine Fehlalarme produzieren dürfen. KI sei außerdem nur erfolgreich, wenn sie sich einfach in den stressigen Redaktionsalltag integrieren lasse.

6. Springer-Krise? das Ende einer Ära.
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt & Stefan Schulz, Video: 20:57 Minuten)
Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt analysieren den Weggang von Robin Alexander, der mit seinem erfolgreichen Podcast “Machtwechsel” das Medienhaus Axel Springer verlassen hat, um ihn eigenständig weiterzuführen. Die beiden sehen darin ein Beispiel für die wachsende Bedeutung von “Personal Branding” im Journalismus.

7. Freeclimber schreibt Geschichte in Taipeh
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:02 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator die Streaming-Plattform Netflix, die am vergangenen Wochenende die ungesicherte Besteigung eines Wolkenkratzers per Livestream übertragen hat. Zudem warnt er eindringlich davor, dass solche Events Jugendliche dazu animieren könnten, für Klicks im Internet leichtsinnig ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.

Richter-Rücktritt, Gemeinsamer KI-Kodex, Abzocke mit Stearinlicht

1. Ostdeutsche Allgemeine Zumutung
(campact.de, Matthias Meisner)
Der Verleger Holger Friedrich plane die Gründung der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung”. Laut Matthias Meisner würden Kritiker dies als Versuch werten, ein pro-russisches und demokratieskeptisches Leitmedium zu etablieren. Besonders die Einstellung des Journalisten Florian Warweg, der zuvor für “Russia Today” und die “NachDenkSeiten” tätig gewesen sei, bestätige laut Meisner die Befürchtung, dass das Blatt als Plattform für Kreml-Propaganda dienen könne.

2. Rücktritt nach taz-Recherche
(taz.de, Nadine Conti)
Gert Armin Neuhäuser, Präsident des Verwaltungsgerichts Osnabrück, sei als Vorsitzender des Verbandes der niedersächsischen Verwaltungsrichter und Verwaltungsrichterinnen zurückgetreten, nachdem er durch Recherchen der “taz” unter den Verdacht geraten sei, unter einem Pseudonym Hasskommentare gegen Frauen und queere Personen verfasst zu haben (BILDblog berichtete). Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg sowie die Staatsanwaltschaft Göttingen würden derzeit dienstrechtliche beziehungsweise strafrechtliche Konsequenzen prüfen. Das niedersächsische Justizministerium und die Universität Hannover, an der Neuhäuser als Honorarprofessor lehre, seien zwar entsetzt über die Inhalte, würden aber auf den noch fehlenden Beweis der Urheberschaft verweisen.

3. ARD, ZDF, Deutschlandradio und DW mit gemeinsamen KI-Kodex
(dwdl.de, Alexander Krei)
ARD, ZDF, Deutsche Welle und Deutschlandradio hätten sich auf gemeinsame Grundsätze für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz verständigt, um die Technologie im Einklang mit ihren Werten und dem öffentlich-rechtlichen Auftrag zu nutzen. Kern der Vereinbarung sei der Grundsatz, dass die publizistische Verantwortung stets beim Menschen verbleibe und KI-generierte Inhalte transparent gekennzeichnet werden müssten, um das Vertrauen des Publikums zu sichern.
Weiterer Lesetipp: Zwischen Leitlinien und Redaktionstisch: Verantwortungsvoller KI-Einsatz im Journalismus: “Das EU-Projekt PROMPT hat sich damit beschäftigt, wie Journalismus, Fact-Checking und KI verantwortungsvoll zusammenspielen können – und daraus konkrete Best-Practice-Guidelines entwickelt.”

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4. Femizid: So machen Medien Johanna G. ein zweites Mal zum Opfer
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi kritisiert die sensationslüsterne Berichterstattung über den Mord an Johanna G., bei der Boulevardmedien wie die “Kronen Zeitung” und “oe24” dem Opfer durch Schlagzeilen über angebliche “Tinder-Affären” und private Spekulationen eine Mitschuld zugeschrieben hätten. Zudem werde der mutmaßliche Täter, ein Polizist, durch die unkritische Übernahme seiner Verteidigungsstrategie (“Sex-Unfall”) sowie durch Bezeichnungen wie “Elite-Polizist” oder “Halbgott” als faszinierende Figur stilisiert und verharmlost.

5. Festnahme und Abschiebungsandrohung gegen den französischen Journalisten Raphaël Boukandoura alarmieren RSF
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt sich alarmiert über die Festnahme des französischen Journalisten Raphaël Boukandoura, der am 19. Januar in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen worden sei. Dem langjährigen Türkei-Korrespondenten drohe nun die Abschiebung, nachdem er über eine von den Behörden nicht genehmigte Demonstration berichten wollte. RSF verurteilt das Vorgehen gegen den akkreditierten Journalisten als willkürlichen Angriff auf die Pressefreiheit und fordert, das Unrecht umgehend zu korrigieren.

6. Wie Forum-User 9Live das Handwerk legten
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 17:12 Minuten)
Philipp Walulis blickt zurück auf die fragwürdigen Methoden des einstigen Fernsehsenders 9Live, der Zuschauerinnen und Zuschauer mit kaum lösbaren Rätseln und Tricks wie dem “Hot Button” systematisch abgezockt habe, um hohe Umsätze zu generieren. Er zeigt anhand eines konkreten Skandals, wie Redakteure sogar betrogen haben sollen, indem sie eine erratene Lösung (“Stearinlicht”) während der Livesendung heimlich gegen eine andere ausgetauscht hätten, um den eigentlich fälligen Gewinn nicht auszahlen zu müssen.

7. AI Slop statt Erinnerung: Wie KI den Holocaust verzerrt
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: “Mehr als 40 Holocaust‑Gedenkstätten warnen vor einer Flut täuschend echter KI‑Bilder zur NS‑Zeit. Lorenz Meyer erklärt in seinem Kommentar, wie ‘AI‑Slop’ historische Fakten verzerrt, Erinnerungskultur beschädigt und warum Social‑Media‑Plattformen dringend handeln müssen.”

Vertrauter als Treuhänder, Ausblick aufs Medienjahr, Keine Abschreckung

1. Wolfram Weimer setzt engen Vertrauten als Treuhänder ein
(handelsblatt.com, Martin Greive & Thomas Sigmund)
Wie das “Handelsblatt” berichtet, habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer seine Anteile an der Weimer Media Group ausgerechnet an einen leitenden Angestellten des eigenen Unternehmens treuhänderisch übertragen. Kritiker wie Lobbycontrol würden diesen Schritt als bloße Augenwischerei werten, da der Treuhänder weisungsgebunden und wirtschaftlich abhängig sei. Weimers Interessenkonflikt zwischen Amt und Geschäft werde damit keineswegs gelöst. Als Reaktion auf die anhaltende Debatte um angeblich käuflichen Regierungszugang hätten mittlerweile sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als auch mehrere Bundesminister ihre Teilnahme am kommenden “Ludwig-Erhard-Gipfel” abgesagt.

2. Keine Abschreckung gegen Donald Trump
(taz.de, Christian Rath)
Christian Rath befasst sich mit dem neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung gegen sogenannte SLAPP-Klagen. Zwar solle das geplante Gesetz, das eine EU-Richtlinie für grenzüberschreitende Fälle umsetze, Gerichte ermächtigen, missbräuchliche Klagen, schneller zu identifizieren und zu sanktionieren, die tatsächliche abschreckende Wirkung bleibe jedoch zweifelhaft. Sinnvoller als die eher symbolischen gesetzlichen Hürden seien prozessuale Beschleunigungen. Den besten Schutz für betroffene Medien biete aber weiterhin die offensive Mobilisierung der eigenen Öffentlichkeit gegen den Angreifer.

3. X will Chatbot Grok an Erstellen von KI-Nacktbildern hindern
(spiegel.de)
Nach heftiger internationaler Kritik habe Elon Musks Firma xAI neue technologische Hürden für den Chatbot Grok eingezogen, um die Erstellung sexualisierter KI-Bilder zu unterbinden. Der US-Bundesstaat Kalifornien habe bereits Ermittlungen wegen der Verbreitung nicht einvernehmlicher expliziter Inhalte eingeleitet. Die EU-Kommission habe angekündigt, die Wirksamkeit der Maßnahmen genau zu prüfen und notfalls das volle Arsenal des Digital Services Act einzusetzen.

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4. Reuters Institute: Ausblick auf das Medienjahr 2026
(medientage.de, Petra Schwegler)
Wie eine aktuelle Studie des Reuters Institute zeige, würden viele Medienmanagerinnen und -manager zwar skeptisch auf die Zukunft des Journalismus blicken, aber mehrheitlich zuversichtlich auf ihre eigenen Unternehmen. Um in Zeiten sinkender Suchmaschinen-Reichweiten und mächtiger KI-Plattformen bestehen zu können, würden Verlage verstärkt auf Automatisierung, Videoformate und die Zusammenarbeit mit Influencern setzen. Zudem würden viele Häuser auf Einnahmen durch Lizenzdeals mit KI-Firmen hoffen.

5. Misstrauen abbauen und selbst machen
(verdi.de, Claudia Krieg)
Unter Anleitung der Journalistin Janett Vogelsberg erarbeiten im sächsischen Zwenkau derzeit sieben Bürgerinnen und Bürger eigene journalistische Beiträge, um im Rahmen des Projekts “Bürger machen Journalismus” das journalistische Handwerk praktisch zu erlernen. Projektleiterin Judith Kretzschmar von der Universität Leipzig habe trotz des gelungenen Auftakts eingeräumt, dass die Gewinnung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern generell schwierig sei. Hintergrund des Vorhabens sei eine Studie über das wachsende Misstrauen gegenüber Medien.

6. Ein anderes Internet ist möglich
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Anlässlich des 25. Geburtstags der Wikipedia würdigt Markus Reuter die Online-Enzyklopädie als unverzichtbaren Gegenentwurf zum kommerziellen Internet. Gerade weil das Projekt auf faktenbasiertem Gemeinwohl fuße, sei es autoritären Akteuren wie Elon Musk heute ein Dorn im Auge. Neben der politischen Relevanz hebt Reuter den spielerischen Wert des “Wikipedia-Tauchens” hervor, bei dem man sich stundenlang in den endlosen Verknüpfungen des Wissens verlieren könne.

Durchsuchung rechtswidrig, Sky-Deal in der Schwebe, Seitenwechsel

1. Durchsuchungsanordnungen wegen des Archivs waren rechtswidrig
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Anna Biselli berichtet, dass das Landgericht Karlsruhe die Hausdurchsuchungen bei den vermeintlichen Betreibern des “linksunten.indymedia”-Archivs nachträglich für rechtswidrig erklärt habe. Das Gericht habe festgestellt, dass für die Maßnahmen im August 2023 weder ein ausreichender Anfangsverdacht noch die nötige Verhältnismäßigkeit bestanden hätten. Ein statisches Web-Archiv lasse nicht automatisch auf das Fortbestehen der verbotenen Vereinigung schließen.

2. Offener Brief: Konsequentes Vorgehen gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen auf Social-Media-Plattformen
(gedenkstaettenforum.de)
In einem offenen Brief warnt ein breites Bündnis aus NS-Gedenkstätten, Museen und Bildungseinrichtungen vor der zunehmenden Verbreitung KI-generierter Fälschungen zum Holocaust auf Social-Media-Plattformen. Diese oft als “AI-Slop” bezeichneten Inhalte würden historische Fakten durch emotionalisierte Fiktion ersetzen. Um einer Trivialisierung der Geschichte entgegenzuwirken, fordern die Unterzeichner von den Plattformbetreibern eine strikte Kennzeichnungspflicht, den Ausschluss solcher Accounts von der Monetarisierung sowie ein proaktives Vorgehen.

3. Rechter Jour­na­list wegen Faeser-Post nun doch frei­ge­spro­chen
(lto.de)
Das Landgericht Bamberg habe David Bendels, Chefredakteur des “Deutschland-Kurier”, im Berufungsverfahren vom Vorwurf der Verleumdung gegen die frühere Bundesinnenministerin Nancy Faeser freigesprochen und damit ein anderslautendes Urteil der Vorinstanz aufgehoben. Bendels sei vorgeworfen worden, eine Fotomontage verbreitet zu haben, auf der Faeser ein Schild mit der Aufschrift “Ich hasse die Meinungsfreiheit!” hält. Das Gericht habe den Beitrag jedoch als satirisches Meme und zulässige Meinungsäußerung gewertet.

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4. FBI durchsucht Wohnung von »Washington Post«-Journalistin
(spiegel.de)
US-Medien berichten übereinstimmend, dass das FBI die Wohnung der “Washington-Post”-Journalistin Hannah Natanson durchsucht und mehrere Geräte beschlagnahmt habe. Die Reporterin stehe jedoch nicht selbst im Fokus, sondern ein Systemadministrator des Pentagon, der geheime Dokumente entwendet habe. US-Justizministerin Pam Bondi habe den Einsatz bestätigt und erklärt, dass der mutmaßliche Informant bereits in Haft sitze.

5. ”Tagesthemen”-Chef Helge Fuhst wechselt zur “Welt”
(taz.de)
Helge Fuhst, bislang Leiter der “Tagesthemen”-Redaktion, wechsele zum Springer-Konzern, um dort den Vorsitz der Chefredaktionen der “Premium-Gruppe” sowie die Leitung der “Welt”-Gruppe zu übernehmen. Er trete damit die Nachfolge von Jan Philipp Burgard an, der seine Ämter aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niedergelegt habe. Springer-Chef Mathias Döpfner habe Fuhst als ausgezeichneten Manager gewürdigt, der die strategische Ausrichtung der Marken “Welt”, “Politico” und “Business Insider” weiter schärfen solle.

6. Das große Warten: Wie steht’s um den Sky-Deal von RTL?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei berichtet, dass die geplante Übernahme von Sky Deutschland durch RTL auch über ein halbes Jahr nach der Ankündigung noch in der Schwebe hänge. Zwar habe die KEK das Vorhaben bereits abgesegnet, allerdings bleibe die Werbevermarktung ein kritischer Punkt. RTL hoffe nun auf eine Freigabe durch die europäischen Kartellbehörden im ersten Halbjahr 2026, um im Streaming-Markt zu Amazon und Netflix aufzuschließen.

7. Will Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wirklich Medien verbieten?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:05 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den Streit zwischen dem Portal “Nius” und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Der Vorwurf, Günther habe in der Sendung von Markus Lanz Zensur gefordert, basiere auf der chaotischen Gesprächsführung des Moderators sowie böswilliger Fehlinterpretationen.

Ringen um Spartenkanäle, Heiße Luft aus der Krone, Grok und X

1. Was bleibt, was geht? Wie ARD & ZDF um ihre Spartenkanäle ringen
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach dem Inkrafttreten des Reformstaatsvertrags müssten ARD und ZDF die Anzahl ihrer Spartenkanäle in den Bereichen Information und Unterhaltung drastisch reduzieren. Dies führe hinter den Kulissen zu einem komplexen Ringen um die künftige Aufteilung. Der Kinderkanal KiKa sei bestandsgeschützt, aber Angebote wie One, ZDFneo, Phoenix und ZDFinfo könnten künftig gebündelt werden. Der ARD-Vorsitzende Florian Hager habe eine Einigung für das erste Halbjahr 2026 in Aussicht gestellt, damit die Reform fristgerecht zum Januar 2027 umgesetzt werden könne.

2. Heiße Luft aus der Kronen Zeitung: Das Kern-Comeback ist wieder da
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Bei “Kobuk” berichtet Andrea Gutschi über eine von der “Kronen Zeitung” initiierte Debatte um ein angebliches Polit-Comeback von Christian Kern als SPÖ-Chef, die auf dünner Faktenlage und einer Umfrage mit fiktiven Szenarien basiere. Kern selbst und wichtige Parteiflügel würden die Gerüchte dementieren oder zurückhaltend reagieren. Medien wie die “Krone”, “Heute” und “Oe24” würden das Thema jedoch durch ständige Spekulationen und Kommentare am Köcheln halten.

3. Übermedien wird 10!
(uebermedien.de)
Die “Übermedien”-Redaktion feiert das zehnjährige Bestehen des Portals und blickt auf die Entwicklung vom Projekt der Gründer Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz zu einer etablierten Marke für unabhängige Medienkritik zurück. Das werbefreie Angebot finanziere sich ausschließlich über seine Abonnentinnen und Abonnenten und habe mittlerweile rund 3.300 Beiträge veröffentlicht. Anlässlich des Geburtstags wirbt die Redaktion mit einem speziellen Jubiläumsangebot, um den Fortbestand des kritischen Journalismus zu sichern.

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4. Regierungswechsel ohne Pressefreiheit
(verdi.de, Knut Henkel)
Nach Einschätzung der Journalistin Ronna Rísquez habe sich die Lage für Journalistinnen und Journalisten in Venezuela auch unter der Interimsregierung nicht verbessert, weshalb sie aus Angst vor Repressionen oft nur noch anonym berichten würden. Experten würden davon ausgehen, dass die neue Führung zwar wirtschaftliche Zugeständnisse an die USA mache, die autoritären Strukturen im Inneren jedoch beibehalte.

5. Wie Regierungen gegen Grok und X vorgehen
(netzpolitik.org, Laura Jaruszewski)
Laura Jaruszewski berichtet über die weltweiten Reaktionen auf die Flut sexualisierter Deepfakes durch den Chatbot Grok auf der Plattform X. Länder wie Indonesien und Malaysia hätten Grok bereits gesperrt, andere Staaten würden noch prüfen. Die EU-Kommission erwäge derweil Maßnahmen auf Grundlage des Digital Services Act. Ein Eilverfahren gelte als wahrscheinlichste Option.

6. Alle reden vom Wetter
(taz,de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg thematisiert in der “taz” die aktuelle Dominanz der Wetterberichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Diese beschere den Sendern hohe Einschaltquoten, obwohl die Politik die Programmmenge kritisiere. Grimberg sieht in den Wetterextremen jedoch einen wichtigen Anlass, den Klimawandel stärker in den Fokus der Berichterstattung zu rücken. Er plädiert daher dafür, Formate wie “Klima vor 8” endlich umzusetzen.

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