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Russland desinformiert, Weniger Frauen, KI-Bücher fluten den Markt

1. Russland verstärkt vor Landtagswahlen offenbar Desinformation
(spiegel.de)
Russland habe seine zentral gesteuerten Desinformations-Aktionen im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern drastisch verschärft. Die Kampagnen würden darauf abzielen, etablierte Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP) sowie Lokalpolitikerinnen und -politiker durch gefälschte Medienbeiträge gezielt zu diskreditieren und das politische Klima zu polarisieren.

2. Weniger Frauen in Führungspositionen
(verdi.de)
Eine aktuelle Auswertung des Vereins ProQuote Medien zeige, dass der Frauenanteil in den Führungsspitzen der Leitmedien seit dem Höchststand im Jahr 2023 kontinuierlich sinke. Die Vorstandsvorsitzende Helena Ott warne vor einem anhaltenden Abwärtstrend, der die mühsam erkämpfte Repräsentation von Frauen im Journalismus gefährde. Während die “taz” mit einem Frauenmachtanteil von knapp 62 Prozent weiterhin den Spitzenplatz belege, hätten andere Medienhäuser wie die “Süddeutsche Zeitung”, die “Welt” oder die “Zeit” Verluste verzeichnet.

3. Die Vermutung war richtig: Was eine neue Studie über KI-Bücher auf Amazon beweist
(buchmarkt.de, Patrick Meier)
Ein Forschungsteam habe in der Preprint-Studie “Generative AI floods and dilutes the market for books” anhand von über 14.000 selbstveröffentlichten E-Books nachgewiesen, dass die Flut KI-generierter Titel den Buchmarkt auf Amazon KDP massiv verwässert. Wie Patrick Meier berichtet, sei das Titelangebot zwischen 2023 und 2026 etwa um das 38-Fache gewachsen, während der Gesamtumsatz nur um das rund Neunfache gestiegen sei. Der Umsatz pro verkauftem Buch sei dadurch auch bei Titeln ohne KI-Anteil um durchschnittlich ein Fünftel gefallen. Besonders stark treffe dieser Verdrängungseffekt den Abodienst Kindle Unlimited.

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4. Klimaskepsis durch »Alternativmedien«? (PDF)
(journalistik.online, Luis Paulitsch)
Eine Fachuntersuchung des Medienethikers Luis Paulitsch in der Zeitschrift “Journalistik” analysiert die systematischen Methoden deutschsprachiger rechtsalternativer Medien zum Schüren von Klimaskepsis und Ablehnung der Energiewende. Anhand von Faktenchecks etablierter Prüforganisationen identifiziert der Autor vier zentrale Muster: “(1) Angriffe gegen klimawissenschaftlichen Konsens; (2) unseriöse Quellen und »Experten«; (3) irreführende Wiedergabe; (4) Diskreditierung politischer Gegner:innen.”

5. Audio oder Video? Wie sich Podcasting durch Plattformen verändert
(dfjv.de, Brigitte Hagedorn)
Die Podcasting-Landschaft verändere sich durch die wachsende Bedeutung von Videopodcasts und empfehlungsgetriebenen Plattformen wie YouTube oder Spotify nachhaltig. Wie Brigitte Hagedorn ausführt, böten Videopodcasts erhebliche Vorteile bei der Sichtbarkeit, Hörergewinnung und Weiterverwendung von Inhalten als Kurzvideos für Social Media. Dennoch verliere der klassische Audiopodcast aufgrund seiner unkomplizierten Verbreitung via RSS-Feed und seiner Stärke als alltägliches Begleitmedium nicht an Relevanz.

6. Christian Meier wird Weimers neuer Kommunikationschef
(dwdl.de, Alexander Krei)
Christian Meier, langjähriger Medienjournalist und ehemaliger Co-Chefredakteur von “Meedia” sowie Reporter bei der “Welt”, wechsele in die Politik: Er übernehme die Leitung des Kommunikationsstabs bei Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Meier folge auf Hero Warrings, der das Haus nach rund einem Jahr in Richtung freie Wirtschaft verlasse. Zusammen mit Christiane Uhlig soll Meier künftig die strategische Kommunikation verantworten.

Menschen als Katastrophen, Mehr als ein Sieg, Frau­chens Restau­rant­kritik

1. Ceuta: Menschen als Katastrophen
(mdr.de, Antonia Groß)
Antonia Groß übt in ihrer Medienkolumne scharfe Kritik an der Berichterstattung über den massenhaften Grenzübertritt in die spanische Exklave Ceuta. Viele der Menschen seien offenbar durch gezielte Falschinformations-Kampagnen auf Social-Media-Plattformen getäuscht worden. Anstatt das Schicksal dieser Personen und die tatsächlichen Hintergründe in den Vordergrund zu rücken, würden politische Spekulationen und gegenseitige Schuldzuweisungen den medialen Diskurs bestimmen. Außerdem hätten sich zahlreiche deutschsprachige Medien einer entfesselten Bild- und Metaphernsprache (“Invasion”, “Grenzsturm”, “Strom”) bedient.

2. KI-Test: So einfach lassen sich Nachrichten mit ChatGPT und Co. fälschen
(correctiv.org, Max Bernhard & Kimberly Nicolaus)
Eine Recherche von “Correctiv” zeigt, dass gängige KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini und Copilot trotz bestehender Richtlinien ohne große Hürden gefälschte Nachrichtenbeiträge mitsamt echten Medienlogos (wie dem der “Tagesschau”) generieren. Besonders bedenklich habe OpenAI mit ChatGPT agiert. Der Chatbot habe täuschend echte Screenshots im Design bekannter deutscher Medienmarken geliefert.

3. Wenn die Lüge Wirkung zeigt
(medientage.de, Cathrin Hegner)
Eine experimentelle Studie der Universität Würzburg um die Psychologin Lara Grohmann zeige, dass Politikerinnen und Politiker von der sogenannten “Lügner-Dividende” (Liar’s Dividend) profitieren können, indem sie authentische Videobeweise für eigenes Fehlverhalten fälschlicherweise als KI-generierte Deepfakes abtun: “Da in Bezug auf KI-generierte Videoinhalte in den sozialen Medien Verunsicherung herrscht, kann es sein, dass man in bestimmten Situationen eher bereit ist, der Deepfake-Behauptung zu glauben. Sie bietet zumindest für den Moment Orientierung und eine Chance, Verunsicherung durch Heuristiken aufzulösen.” Im Interview erklärt Grohmann die Hintergründe.

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4. Frau­chens scharfe Restau­rant­kritik auf Ins­ta­gram ist erlaubt
(lto.de)
Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main habe entschieden, dass die emotionale und zugespitzte Kritik einer Hundehalterin an einem Restaurant rechtmäßig gewesen sei. Der Dackel der Frau habe im Gastraum des Lokals Schädlingsköder gefressen und sei in einer Tierklinik behandelt worden. Daraufhin habe die Halterin dem Betrieb auf Instagram unter anderem ein “massives Sicherheits- und Hygieneversagen” vorgeworfen. Das OLG werte diese Angaben als zulässige Meinungsäußerung im Rahmen eines konkreten Einzelvorfalls.

5. OLG erlaubt Veröffentlichung aller Weißmann-Chats: Mehr als ein Sieg des Falter
(falter.at, Florian Klenk)
Das Oberlandesgericht Wien habe in einer Grundsatzentscheidung zugunsten der österreichischen Wochenzeitung “Falter” entschieden, dass Originalzitate aus privaten Chatprotokollen des ehemaligen ORF-Generaldirektors Roland Weißmann veröffentlicht werden durften. “Falter”-Chefredakteur Florian Klenk kommentiert in eigener Sache: “Wer die Wahrheit einer öffentlichen Darstellung überprüfen will, braucht Zugang zu den Belegen. Und manchmal bedeutet das eben auch, Chats zu sehen, die wir lieber nicht so genau hätten sehen wollen.”

6. Ein unablässiges In-sich-selbst-Herumgraben
(taz.de, Valérie Catil)
Hollywood-Produktionen seien zunehmend besessen von psychischen Traumata und dem individuellen Blick nach innen, schreibt Valérie Catil in ihrer “taz”-Kolumne. Dadurch würden strukturelle gesellschaftliche Ursachen ausgeblendet. Wie Catil ausführt, suggeriere das wiederkehrende Narrativ einer ständigen Selbstoptimierung durch Aufarbeitung der eigenen Psyche, dass jegliches Leid rein subjektiv gelöst werden müsse. So würden globale wie auch systemische Belastungsfaktoren (etwa wirtschaftlicher Druck, politische Krisen oder patriarchalische Strukturen) entpolitisiert.

Eingeschränkte US-Visa, Neue KI-Labels, Bahn fordert Löschung

1. US-Regierung schränkt Journalistenvisa ein
(verdi.de)
Die US-Regierung unter Donald Trump schränke die Aufenthaltsbestimmungen für ausländische Journalistinnen und Journalisten massiv ein. Nach einer Neuregelung des Heimatschutzministeriums sollen die bisher bis zu fünf Jahre gültigen Journalistenvisa (I-Visa) auf eine Höchstdauer von maximal acht Monaten verkürzt werden. Die Europäische Journalistenföderation verurteile diese administrative Einschränkung als willkürlichen Druck auf die Pressefreiheit.
Weiterer Lesetipp: Trump startet extrem teuren Premiumzugang zu seinen Social-Posts: “Auf Truth Social verbreitet Donald Trump viel Unfug, aber immer wieder auch börsenrelevante Ankündigungen. Den schnelleren Zugang zu seinen Posts lässt er sich jetzt bezahlen – und zwar fürstlich.” (spiegel.de)

2. Was die neuen KI-Labels bringen und was nicht
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Mit dem Inkrafttreten weiterer Teile der EU-KI-Verordnung (AI Act) gelten ab sofort neue Kennzeichnungspflichten für synthetisch erzeugte Inhalte. Anbieter sowie professionelle Nutzerinnen und Nutzer seien verpflichtet, KI-generierte Texte, Bilder, Videos und Audioformate auszuweisen sowie maschinenlesbare Markierungen einzubinden. Ausgenommen würden lediglich private Nutzungen, bloße Editierfunktionen und offensichtlich fiktive Formate bleiben. Das Ganze habe jedoch seine Lücken, sagen Experten.

3. Bahn fordert Löschung der ZDF-Doku mit Dunja Hayali
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Streit zwischen der Deutschen Bahn und dem ZDF eskaliere. Der Konzern fordere, die Dokumentation “Unsere Bahn: Geliebt, verflucht – und gefährlich?” aus der Reihe “Am Puls mit Dunja Hayali” vollständig offline zu nehmen und in weiteren Teilen zu überarbeiten. Die Bahn werfe dem öffentlich-rechtlichen Sender vor, wesentliche entlastende Fakten bewusst verschwiegen und somit ein rechtswidriges Zerrbild erzeugt zu haben. Das ZDF sehe dagegen nach bereits vorgenommenen Nachbesserungen keinen weiteren Korrekturbedarf.

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4. KI-Musikanbieter Suno darf urheberrechtlich geschützte Melodien nicht nutzen
(spiegel.de)
Das Landgericht München habe in einem Prozess der Verwertungsgesellschaft GEMA gegen den KI-Musikanbieter Suno entschieden, dass das Unternehmen urheberrechtlich geschützte Melodien von Komponistinnen und Komponisten nicht ungefragt nutzen dürfe. Das Start-up sei zur Unterlassung sowie zu Schadensersatzzahlungen verurteilt worden. Suno habe seine Anwendung unter anderem mit Musikstücken von Boney M. und Alphaville trainiert und einen kostenpflichtigen Lizenzvertrag abgelehnt. Das Urteil sei zwar noch nicht rechtskräftig, gelte jedoch als europaweit wegweisend.

5. Sieg vor Gericht: “Falter” darf alle Weißmann-Chats veröffentlichen
(derstandard.at, Oliver Mark)
Das Oberlandesgericht Wien habe im Rechtsstreit zwischen dem ehemaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann und der Wochenzeitung “Falter” (sowie Journalistin Barbara Tóth) entschieden, dass die Redaktion alle strittigen Chat-Auszüge von Weißmann im Wortlaut veröffentlichen darf. Das Gericht habe die Entscheidung damit begründet, dass das öffentliche Informationsinteresse gegenüber den Rechten einer Person des öffentlichen Lebens überwiege. Das noch nicht rechtskräftige Urteil gelte für den “Falter” als wichtiger Etappensieg im Vorfeld mehrerer anstehender Medien- und Arbeitsrechtsprozesse.

6. BGH stärkt Per­sön­lich­keits­rechte von Promi-Kin­dern
(lto.de, Hasso Suliak)
Der Bundesgerichtshof (BGH) habe die Persönlichkeitsrechte von Kindern prominenter Eltern gestärkt und eine Berichterstattung der “Bild”-Zeitung für rechtswidrig erklärt. Hintergrund sei ein Artikel über eine eskalierte Geburtstagsfeier des 16-jährigen Sohnes eines Medienunternehmers, in dem “Bild” den vollen Namen des Vaters sowie den Namen und das Alter des zum Zeitpunkt der Party noch minderjährigen Sohnes nannte. Das Oberlandesgericht Hamburg habe der “Bild”-Redaktion zunächst recht gegeben, da sich der Sohn den Promi-Status des Vaters anrechnen lassen müsse. Der BGH habe diese Entscheidung nun aufgehoben. Ein Kind müsse sich nicht als Person des öffentlichen Lebens behandeln lassen, solange es nicht selbst die Öffentlichkeit sucht.

Jugendwort des Jahres, Heimat der Heuschrecke, Buchvorschüsse

1. Hände weg vom IFG!
(freischreiber.de)
Auch die Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, haben einen Offenen Brief zu den von der Bundesregierung geplanten Änderungen des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) unterzeichnet: “Sollten die Regierungspläne wie geplant umgesetzt werden, würde Millionen Bürger:innen sowie Journalist:innen und Organisationen das Recht auf Informationsfreiheit verwehrt. Darunter leiden werden: faktenbasierte Berichterstattung, öffentliche Kontrolle, das zivilgesellschaftliche Engagement sowie das Vertrauen in die Politik. Die Demokratie braucht ein starkes IFG!”

2. Wir gehen crashout, wenn Sie diesen Artikel über das Jugendwort des Jahres nicht lesen
(derstandard.at)
Der Langenscheidt-Verlag habe die zehn Finalisten für das deutsche Jugendwort des Jahres 2026 bekannt gegeben. Neben Dauerbrennern wie “Digga” und Ausdrücken wie “Peak”, “Crashout” oder “Schere” hätten es auch Phänomene wie “Gute Käse”, der TikTok-Trend “67” und politische Kampagnengriffe in die Auslese geschafft. Das Wort “Mehrzweckeier” sei wegen beleidigender Bezüge zu Bundeskanzler Friedrich Merz jedoch vom Verlag ausgeschlossen worden. Dazu ein weiterer Lesetipp: Langenscheidt, leck Eier!: “Denkt der Verlag, Jugendsprache ist nicht politisch? Peinlich.” (taz.de, Johannes Drosdowski)


3. Million-Dollar-Baby: Literaturagent Thomas Montasser über die Frage, wie Manuskripte bewertet werden
(buchmarkt.de, Thomas Montasser)
In einem Gastbeitrag lüftet der Literaturagent Thomas Montasser die Logik hinter der Bestseller-Branche und erklärt, warum Buchvorschüsse wenig mit literarischer Qualität zu tun haben. Ausschlaggebend sei primär die betriebswirtschaftliche Verkaufserwartung der Verlage, die wiederum stark von Marketing-Investitionen, Spitzentitel-Platzierungen und früheren Verkaufserfolgen beeinflusst werde. Montasser zeigt auf, wie Algorithmen im Buchhandel diesen Mechanismus noch verstärken.

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4. In der Heimat der Heuschrecke
(kontextwochenzeitung.de, Von Josef-Otto Freudenreich)
Josef-Otto Freudenreich kritisiert den Expansions- und Sparkurs der Ulmer “Neuen Pressegesellschaft”, die beachtliche Teile der baden-württembergischen Presselandschaft unter sich vereint habe: “Die Ulmer ‘Südwest Presse’ feiert sich als Hort des Qualitätsjournalismus. Und mit ihr Minister Manuel Hagel (CDU). Dabei wird immer klarer, dass der neue Monopolist eher auf Kahlschlag und Zombie-Zeitungen setzt.”

5. Die digitale TV-Revolution begann mit einem Fehlschlag
(dwdl.de, Alexander Krei)
Vor 30 Jahren habe Medienmogul Leo Kirch mit DF1 das erste digitale Fernsehen Deutschlands an den Start geschickt und damit unwissentlich den Niedergang seines eigenen Imperiums eingeleitet. Fehlende Exklusivrechte, teure Hardware und eine geringe Zahlungsbereitschaft des Publikums hätten dem Projekt Milliardenverluste beschert. Erst nach der dramatischen Kirch-Insolvenz und Jahre nach der Fusion mit Premiere (heute Sky) habe sich die Digitalisierung des Fernsehens schleppend durchgesetzt.

6. Blogger tyrannisiert: Ebay zahlt über 50 Millionen Dollar
(handelsblatt.com)
Nach jahrelanger juristischer Auseinandersetzung zahle der US-Online-Konzern Ebay im Rahmen eines Zivilvergleichs mehr als 50 Millionen US-Dollar Schadensersatz an ein Blogger-Ehepaar aus Massachusetts sowie an gemeinnützige Organisationen. Grund dafür seien schwere Einschüchterungs- und Belästigungsaktionen ehemaliger Sicherheitsmitarbeiter, die den Verfassern eines kritischen Newsletters lebendige Kakerlaken, einen Trauerkranz sowie eine mit Kunstblut verschmierte Schweinemaske per Post zugeschickt hätten. Auch der damalige Ebay-Chef, der das Vorgehen angeregt habe, zahle drei Millionen US-Dollar an die Betroffenen und eine Medienfreiheitsstiftung.

Weimer ändert Verfahren, Erfolg für HateAid, Deutschlandfunk-Reform

1. Weimer ändert Auswahlverfahren beim Deutschen Verlagspreis
(deutschlandfunk.de)
Nach dem anhaltenden Wirbel um den Deutschen Buchhandlungspreis habe Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Auswahlverfahren für den Deutschen Verlagspreis geändert. Künftig treffe der Kulturstaatsminister die finale Auswahl der auszuzeichnenden unabhängigen Verlage selbst, basierend auf den Empfehlungen der Jury. Ein Veto dürfe er laut einem Sprecher nur einlegen, wenn verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse zu den Nominierten vorliegen. Zudem werde ein neues Beratungsgremium mit Fachleuten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Kurt-Wolff-Stiftung installiert, um etwaige Streitfälle zu klären.

2. EU-Kommission verlangt grundlegende Änderungen von Instagram und Facebook
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Die Europäische Kommission habe dem Social-Media-Konzern Meta in einem vorläufigen Ermittlungsergebnis Verstöße gegen den Digital Services Act vorgeworfen. Facebook und Instagram würden durch Mechanismen wie endloses Scrollen, automatische Wiedergabe und hochgradig personalisierte Empfehlungen ein süchtig machendes Design verwenden, das zwanghaftes Nutzungsverhalten fördere. Zudem schütze der Konzern Minderjährige unzureichend vor exzessiver Nutzung in der Nacht. Bei einer finalen Feststellung des Verstoßes könnten Meta Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes drohen.

3. Erfolg für HateAid: AfD-Abgeordneter entfernt ein Dutzend Falschaussagen aus “NGO Files”
(hateaid.org)
Die gemeinnützige Organisation HateAid berichtet in eigener Sache, dass man einen juristischen Erfolg gegen gezielte Diffamierungskampagnen aus dem AfD-Umfeld erzielt habe. Wie die NGO mitteilt, habe der AfD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Maack (Betreiber der Plattform “NGO Files” und Sprecher einer fraktionseigenen Arbeitsgruppe) nach einer Abmahnung eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben. Maack habe auf einer Website systematisch Falschbehauptungen über die Organisation verbreitet. HateAid-Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg betont, wie wichtig die Gegenwehr sei, da Falschinformationen im Netz andernfalls schleichend zu gefühlten Fakten würden.

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4. Friedrich Küppersbusch: “Analoges Fernsehen ist was für Leute über 60”
(dwdl.de, Senta Krasser)
Wie Senta Krasser bei “DWDL” berichtet, blicke der Journalist und Produzent Friedrich Küppersbusch, einst prägendes Gesicht des WDR-Politmagazins “ZAK”, kritisch auf die schwindende Experimentierfreude des linearen Fernsehens. Dass er mit seiner Kölner Firma probono ausgerechnet zum 75. Geburtstag der ARD die erfolgreichste Primetime-Doku des Jahres 2025 für den Senderverbund produzierte, empfinde er selbst als Ironie. Seine persönliche kreative Befreiung erlebe der 65-Jährige ohnehin seit 2020 auf seinem eigenen YouTube-Kanal “Küppersbusch TV”, der Anfang 2026 die Marke von 100.000 Abonnenten geknackt hat.

5. Orientierung statt Reichweite
(djv.de, Hendrik Zörner)
Gemeinsam mit einem Bündnis aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie Klima- und Verbraucherschutzverbänden fordert der Deutsche Journalisten-Verband Korrekturen bei der geplanten Programmreform des Deutschlandfunks. In einem offenen Brief warnen die Organisationen vor einem Verlust an publizistischer Tiefe, Fachkompetenz und redaktioneller Kontinuität. Es bestehe die Gefahr, dass komplexe Zusammenhänge und Themen abseits des schnellen Nachrichtenzyklus hinter der tagesaktuellen Berichterstattung zurücktreten müssten.

6. Comedy-Presseschau
(setup-punchline.de, Bernhard Hiergeist)
In der aktuellen Ausgabe seiner “Comedy-Presseschau” greift Bernhard Hiergeist die Debatten der Stand-up-Welt auf, darunter Dieter Nuhrs jüngste Äußerung über Femizide. US-Kritiker Seth Simons warne derweil vor dem Satz “Funny is funny”. Abgerundet wird der Überblick von einem Hinweis auf Stefan Stuckmanns Kritik an der hiesigen TV-Landschaft sowie von Berichten über 35 Jahre “Quatsch Comedy Club” und verdeckte Marketing-Kampagnen hinter viralen Onlinetrends.

KW 28/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Darf der Staat Journalisten bald die Einsicht in Behördenakten verweigern?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 21:07 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit Investigativjournalist Daniel Drepper über die Pläne der Bundesregierung zur Überarbeitung des Informationsfreiheitsgesetzes: “Wie könnte man das Informationsfreiheitsgesetz tatsächlich sinnvoll überarbeiten? Inwiefern geben die Änderungen den Behörden mehr Macht? Und warum ärgert sich Drepper besonders über das aufgelöste Kostenlimit?”

2. Social Media: Wie Bots die Iran-Debatte manipulieren
(tagesschau.de, Jonas Helm, Audio: 29:37 Minuten)
Eine europäische Medienrecherche unter der Leitung der ORF-Faktencheckerin Eva Wackenreuther zeige, wie stark Kommentarspalten zu den Themen Iran und Nahost im Internet manipuliert würden. Für die Untersuchung seien 17 Millionen Social-Media-Kommentare ausgewertet worden. Dabei seien insbesondere zwei Arten von Netzwerken aufgefallen: Zum einen extrem billig gemietete Bot-Netzwerke, die im Sekundentakt identische, regimetreue Propaganda verbreiten würden. Zum anderen gebe es regimekritische Kampagnen, die zwar von echten Menschen stammen, aber über vorgefertigte Textbausteine aus Chatgruppen orchestriert würden.

3. Politik & Medien: Was ist eigentlich “Öffentlichkeit”, Julia Reuschenbach?
(republicast.podigee.io, Jonas Ross, Audio: 1:08:48 Stunden)
Die Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach erklärt, wie das Internet unsere Diskussionen verändert hat. Entgegen der allgemeinen Meinung sei die Gesellschaft bei den meisten Themen gar nicht so tief gespalten. Das Gefühl der Spaltung entstehe eher dadurch, dass ständig darüber geredet werde. Ein großes Problem sei, dass Medien oft lieber über Streit und das Gewinnen oder Verlieren von Politikerinnen und Politikern berichten würden. Das führe dazu, dass Menschen trotz vieler Nachrichten am Ende schlecht informiert und überfordert seien.

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4. Wie viel KI verträgt der Journalismus?
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 33:22 Minuten)
Bei “Satzzeichen” unterhält sich Gastgeber Christian Jakubetz mit Till Krause von der Hochschule Landshut über den Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf den Journalismus: “Das Gespräch räumt mit Schwarz-Weiß-Denken auf, analysiert die ‘Vinylisierung’ des handgemachten Journalismus und klärt die alles entscheidende Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen nützlichem Werkzeug im Maschinenraum und dem Verlust der eigenen Schöpfungshöhe?”

5. Gefahr für die Glaubwürdigkeit?
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 38:06 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Journalistinnen und Journalisten zuweilen zu nett zu ihren Interviewgästen sind. Es diskutieren DLF-Hörer Costa Rothfuß, die Moderatorin Josephine Schulz und die Publizistin Mary Abdelaziz-Ditzow.

6. Rudi Carrell: Zwei Gesichter einer Samstagabend-Legende
(wdr.de, Herwig Katzer, Audio: 14:51 Minuten)
Beim WDR-“Zeitzeichen” geht es um den Entertainer Rudi Carrell und dessen “zwei Seiten”. Carrell habe das deutsche Fernsehen mit Formaten wie “Am laufenden Band”, “Herzblatt” oder “7 Tage, 7 Köpfe” geprägt; doch hinter den Kulissen sei er ein extrem schwieriger Perfektionist und tyrannischer Chef gewesen, wie einige seiner Wegbegleiter erzählen. Neben seiner unbestrittenen Pionierarbeit für die TV-Unterhaltung geht es in dem Beitrag auch um Carrells zweifelhaften Ruf im Umgang mit Frauen.

Überarbeitung des Höcke-Gesprächs, Nuhr verlangt Löschung, Hitze im TV

1. »Ungeskriptet«-Podcaster wehrt sich offenbar gegen Überarbeitung des Höcke-Gesprächs
(spiegel.de)
Der Podcaster Ben Berndt wehre sich laut einem “Welt”-Bericht gegen Versuche der nordrhein-westfälischen Landesmedienanstalt, sein Gespräch mit AfD-Politiker Björn Höcke im Format “Ungeskriptet” nachträglich zu überarbeiten. Die Behörde dränge auf eine Änderung jener Passage, in der Höcke behaupte, die SA habe kein Motto gehabt, was die Anstalt als überprüfbare Tatsachenbehauptung werte. Sie berufe sich darauf, dass auch einzelne Blogger und Podcaster journalistisch arbeiten würden und an die Sorgfaltspflicht gebunden seien.
Weiterer Gucktipp: Bei YouTube ordnet der Jurist Christian Solmecke den Fall ein. Obwohl er Ben Berndt rechtlich in der Pflicht sehe, halte er das Vorgehen der Landesmedienanstalt für “maximal ungeschickt”: Medienanstalt greift Ben “ungeskriptet” wegen Höcke Interview an! (youtube.com, Video: 40:08 Minuten)

2. Dieter Nuhr verlangt Löschung eines Kommentars und droht dem STANDARD mit Klage
(derstandard.at, Oliver Mark)
Die Nuhr TV GmbH, an der der Kabarettist Dieter Nuhr beteiligt sei, drohe dem österreichischen “Standard” mit rechtlichen Schritten wegen des Kommentars “Bei Dieter Nuhr müssen selbst Femizide für eine Pointe herhalten”. Die Produktionsfirma halte den Kommentar in Titel und Tendenz für unwahr sowie persönlichkeitsverletzend und fordere Unterlassung und Beseitigung, andernfalls werde sie eine einstweilige Verfügung auch gegen die Autorin persönlich beantragen. Der “Standard” weist die Kritik zurück und verweist darauf, dass die Meinungsfreiheit auch für Kommentare gelte, die nicht Dieter Nuhrs Meinung entsprächen.

3. Tagesspiegel täuscht Leserschaft: KI schreibt Texte unter Namen von Journalist:innen
(fr.de, Tanjev Schultz)
In seiner Kolumne nimmt der Publizistikprofessor Tanjev Schultz die jüngsten Vorfälle um KI-Texte im Journalismus zum Anlass, über den Wert von Autorenschaft nachzudenken. Beim “Tagesspiegel” habe hinter einigen Texten kein Mensch, sondern eine Maschine gesteckt, ohne Hinweis und trotz einer Autorenzeile mit dem Namen eines realen Journalisten. Autorenschaft aber sei an Identität und Verantwortung gekoppelt. Schultz argumentiert, das Publikum werde auch künftig wissen wollen, mit wem es zu tun hat.

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4. Wissenschaftliches Gutachten: Geplanter COSMO-Umbau verstößt gegen das WDR-Gesetz
(neuemedienmacher.de)
Die “Neuen deutschen Medienmacher*innen” haben ein “(Kurz-)Rechtsgutachten” (PDF) in Auftrag gegeben, das die geplante Überführung des Radioprogramms “Cosmo” in den Hip-Hop-Sender “1Live Street” prüft. Der Leipziger Medienrechtler Hubertus Gersdorf komme zu dem Schluss, dass der Plan des WDR gegen das WDR-Gesetz verstoße: “Cosmo” sei gesetzlich beauftragt, sich an alle Altersgruppen zu richten und Themen des interkulturellen Zusammenlebens aufzugreifen. Daher dürfe der Sender nicht zu einer “jungen Welle” umgebaut werden.

5. Hitzedarstellung im TV: Video zu Wetterkarten ist nicht echt
(correctiv.org, Max Bernhard)
Der “Correctiv”-Faktencheck nimmt ein Video auseinander, das auf Instagram, TikTok und YouTube die Runde mache und mit je einem angeblichen alten und neuen Wetterbericht belegen solle, dass Medien die Hitze dramatisieren würden. Tatsächlich seien beide Berichte mit Künstlicher Intelligenz erzeugt und hätten nie existiert. Behauptungen über manipulative Wetterkarten würden seit Jahren kursieren, neu sei nur, dass nun KI eingesetzt werde, um sie zu untermauern.

6. Die Medienhölle: Schon wieder KI
(youtube.com, Jörg Wagner & Philipp Nitzsche, Video: 1:36:25 Stunden)
In der aktuellen Ausgabe des Medienpodcasts “Die Medienhölle” geht es vor allem um das Thema Künstliche Intelligenz im Journalismus: Die Medienwissenschaftler Leif Kramp und Stephan Weichert stellen ihr neues Buch “KI-Resilienz im Journalismus” vor und plädieren dafür, KI als unterstützenden “Sparringspartner” statt als Bedrohung zu begreifen. Daniela Hansjosten von RTL Deutschland erklärt, wie der Sender KI-Modelle bereits erfolgreich für den automatisierten Jugendschutz einsetze.

KI-Firmen kaufen Antiquariate leer, Alte “Bild”-Meldungen, RTL-Saison

1. KI-Firmen kaufen Antiquariate leer – und vernichten die Bücher
(srf.ch, Sven Ahnert)
KI-Unternehmen würden mutmaßlich europäische Antiquariate leerkaufen, die Bücher als Trainingsdaten einscannen und danach wegwerfen. Ein kanadisches Unternehmen namens Zoom Books habe palettenweise vergriffene Sachbücher und Romane geordert, gezielt je ein Exemplar pro Titel. Dahinter stehe vermutlich ein Konstrukt aus dem US-Urheberrecht: Wer Bücher physisch besitze und nach dem Scannen vernichte, könne sich auf das Fair-Use-Prinzip berufen. Gedruckte Bücher seien begehrt, weil die frei zugänglichen Onlinetexte für das Training weitgehend ausgeschöpft seien.

2. Nein, alte “Bild”-Meldungen widerlegen nicht den Klimawandel
(zdfheute.de, Oliver Klein)
In den Sozialen Medien würden tausendfach geteilte alte “Bild”-Schlagzeilen auftauchen, die mit Hitzemeldungen von 1957 und 1975 den Klimawandel infrage stellen sollen. Die Schlagzeilen seien zwar echt, ihre Verwendung aber irreführend: Die “56 Grad” von 1957 seien im Inneren eines Uhrgehäuses gemessen worden, die “40 Grad” von 1975 nur eine Prognose gewesen, die damals nirgends erreicht worden sei. Oliver Kleins Fazit: “Meldungen über einzelne Hitzewellen in den 50er- oder 70er-Jahren beweisen nicht, dass das Klima in Deutschland damals bereits ähnlich heiß war wie heute. Der Trend, dass die Temperaturen in Deutschland und der ganzen Welt ansteigen, ist hingegen gut belegt.”

3. Endlich ich!
(taz.de, Adrian Lobe)
Adrian Lobe argumentiert in seinem Kommentar, KI könne pseudoobjektive Diskurssimulation gut, und genau deshalb müsse der Journalismus persönlicher werden. Anlass seien die KI-generierten Texte des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt in der “FAZ” und des Springer-Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner in der “Welt am Sonntag”. Faktenlastige Standardware wie Agenturmeldungen und Länderporträts könne die Maschine übernehmen. Was KI jedoch nicht könne: eigene Eindrücke sammeln und Stimmungen einfangen.

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4. SEED-​Newsletter Nr. 37
(netzwerkrecherche.org)
Thomas Schnedler warnt im Editorial des “SEED”-Newsletters des Netzwerk Recherche davor, dass der Lokaljournalismus auf dem Land immer schwächer werde. Anlass sei eine Bilderstrecke im AfD-Blatt “Blauer Mut”, das der Thüringer Gratiszeitung “Bürgerzeit aktuell” beiliege. Zwei Bilder würden dasselbe Freibad zeigen: “früher” friedlich, “heute” voller Müll und Gewalt mit Menschen, die wie das AfD-Bild von Migranten aussähen. Die Bilder seien offenbar von einer Künstlichen Intelligenz erzeugt, ohne dass darauf hingewiesen werde. Solche kostenlosen Anzeigenblätter sprängen dort ein, wo es kaum noch echte Lokalzeitungen gebe, und könnten so rechte Botschaften unauffällig verbreiten. Das Netzwerk Recherche fordere deshalb, guten Lokaljournalismus zu stärken.

5. Wer weiß wie wann was mit Raab am besten funktioniert?
(dwdl.de, Timo Niemeier)
In seiner Bilanz zur RTL-Saison 2025/26 stellt Timo Niemeier fest, dass der Versuch einer wöchentlichen Stefan-Raab-Show auch im zweiten Jahr gescheitert sei. Die Sport-Strategie mit 2. Fußball-Bundesliga und NFL bringe nur überschaubare Reichweiten, während Länderspiele und Einzelevents wie die Basketball-EM erfolgreich gewesen seien. Die eigentliche Stärke des Senders liege in Dauerbrennern wie “Ich bin ein Star”, “Wer wird Millionär?” und “Let’s Dance”, die ihre Marktanteile stabil gehalten hätten.

6. Co-Regis­­seur von “Kau­­litz & Kau­­litz” muss genannt werden
(lto.de)
Das Oberlandesgericht Köln habe entschieden, dass Pablo Ben Yakov, einer von drei Regisseuren der Netflix-Serie “Kaulitz & Kaulitz”, als Co-Regisseur im Nominierungstext des Deutschen Fernsehpreises genannt werden müsse. Der Preis habe 2025 die zweite Staffel der Serie ausgezeichnet, im Text aber nur Annika Blendl und Michael Schmitt als “Regie-Duo” geführt, was den falschen Eindruck erweckt habe, Ben Yakov sei nicht beteiligt gewesen.

Selbst schuld, “Fatales Signal”, Essenz der Fotografie

1. Selbst schuld
(taz.de, Ambros Waibel)
Ambros Waibel kommentiert die jüngsten Entwicklungen im Journalismus: Der geschriebene Journalismus sei an seiner Verdrängbarkeit durch Künstliche Intelligenz selbst schuld, weil er ohnehin von Phrasen und vorhersehbaren Mustern lebe, die eine KI mühelos nachbilde. Bestand habe nur, wer Selbstgesehenes berichte, echte Neuigkeiten liefere oder Fakten essayistisch verknüpfe. Das aber sei teuer und müsse exklusiv vermarktet werden. Die Antworten lägen am Ende nicht in der Technik, sondern bei den Menschen, die sich fragen müssten, welchen Journalismus sie wollen.
Weitere Lesetipps: KI-Verdacht und Fehler: Holtzbrinck verdient mit Schrottbuch über “Colonia Dignidad” (msn.com/faz.net) und dju legt 5 Punkte für KI-Einsatz vor (verdi.de).

2. “Fatales Signal”
(kontextwochenzeitung.de)
“Kontext” habe sich bei einer Recherche auf einen Informanten gestützt, dessen Identität die Redaktion bewusst geheim halte. Vor Gericht hätte sie nun beweisen sollen, dass die Information echt ist. Dafür hätte sie die Quelle preisgeben müssen. Weil das “Kontext”-Team das verweigert habe, um den Informanten zu schützen, habe es den Prozess verloren. Der Bundesgerichtshof habe ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt bestätigt. Günter Wallraff, Reporter ohne Grenzen, Verdi und der Deutsche Journalisten-Verband würden warnen, dass damit der Quellenschutz in Gefahr gerate, eine der wichtigsten Grundlagen des investigativen Journalismus.

3. Warum W Social mehr kalter Kaffee als heißer Scheiß ist
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter kritisiert den Start des schwedischen Netzwerks W Social, das sich als europäische Twitter-Alternative inszeniere, mit Datenhosting in Europa und Ausweispflicht ab 18 Jahren. Damit werde Identifizierungspflichten und Alterskontrollen Vorschub geleistet. Außerdem bleibe unklar, warum ein profitorientiertes Start-up mit geschlossenem Code es besser machen solle als die quelloffenen Mastodon, Bluesky und Eurosky.

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4. MDR-Programmdirektor: “Es gibt kein Ranking im Schmerz”
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Im Interview spricht der seit April zurückgekehrte MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen über die jüngsten Sparmaßnahmen des öffentlich-rechtlichen Senders. Der MDR leide stärker als andere ARD-Häuser unter der ausgebliebenen Beitragsanpassung und einem demografisch schrumpfenden Sendegebiet. Deshalb pausiere man “Tatort” und “Polizeiruf 110” für drei Jahre, gebe das “Mittagsmagazin” an den NDR ab und stelle “MDR um 2” ein. Diese Einschnitte wären laut Lochthofen vermeidbar gewesen, hätten die Länder die von der KEF empfohlene Beitragserhöhung zum 1. Januar 2025 umgesetzt.

5. “Die Essenz der Fotografie ist auch Melancholie”
(dfjv.de, Ralf Falbe)
Damian Zimmermann, seit 2024 Redaktionsleiter des “fotoMAGAZIN”, spricht im Interview über die Lage der professionellen Fotografie und des Fotojournalismus. Das 1949 gegründete Heft richte sich an ambitionierte Amateure, Einsteiger und Profis und könne gegen die frei zugänglichen Inhalte im Internet nur mit Qualität und Tiefe bestehen. Angehenden Fotografinnen und Fotografen rät Zimmermann, weniger auf die Technik zu achten und vor allem das Sehen zu schulen.

6. Kulturjournalismus – kann man damit eigentlich Geld verdienen?
(freienpodcast.letscast.fm, Geraldine Friedrich & Françoise Hauser, Audio: 20:54 Minuten)
Im “Freien-Podcast” von Geraldine Friedrich und Françoise Hauser geht es um die Frage, ob man im Kulturjournalismus heutzutage finanziell überhaupt noch bestehen kann: “Wir haben uns mit dem Musikjournalisten Georg Rudiger unterhalten, wie er sich positioniert und arbeitet – und welche Tipps er Einsteigern mitgeben kann.”

Face­book löscht zu langsam, Prebunking, “Goldener Spatz”

1. Soziale Medien: Nutzen und Risiken aus Sicht von Jugendlichen und Erwachsenen
(bpb.de)
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat Daten des ifo-Bildungsbarometers 2025 zur Social-Media-Nutzung von Jugendlichen ausgewertet. Befragt wurden Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie Erwachsene. Beide Gruppen sähen Soziale Medien überwiegend kritisch, Jugendliche aber etwas positiver als Erwachsene. Social Media gelte für viele als Risiko, sei für junge Menschen aber zugleich ein wichtiger Informations-, Sozial- und Identitätsraum.

2. Face­book löscht zu langsam
(lto.de)
Das Landgericht Frankfurt habe ein Ordnungsgeld in Höhe von 100.000 Euro gegen den Social-Media-Konzern Meta verhängt, da Facebook gerichtliche Löschanordnungen zu langsam umgesetzt habe. Hintergrund seien falsche Vorwürfe gegen einen Soldaten im Gazastreifen, der auf Facebook mit Klarnamen und Foto als Kriegsverbrecher bezeichnet worden sei. Obwohl Meta die Verbreitung untersagt wurde, seien die Beiträge noch lange Zeit online geblieben. Die Entscheidung sei noch nicht rechtskräftig.

3. Vor Desinformation schützen
(verdi.de)
Die Initiative “Prebunking Elections” von dpa, dem Verein Medienebene sowie der Günter-Holland-Journalistenschule wolle Desinformation zu Landtagswahlen nicht erst nachträglich widerlegen, sondern Menschen frühzeitig gegen typische Muster und Narrative von Falschbehauptungen sensibilisieren. Im Mittelpunkt stünden niedrigschwellige Kurzvideos für Social Media, etwa zur Erkennung von KI-generierten Bildern und Videos. Ergänzt werde die Kampagne durch lokale Formate. Dort könnten junge Menschen mit Journalistinnen und Journalisten über Desinformation und Faktenchecks sprechen.

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4. “Nius” wehrt sich juristisch gegen Werbestopp der BVG
(turi2.de, Björn Czieslik)
Wie “turi2” unter Berufung auf die “FAZ” (nur mit Abo lesbar) berichtet, gehe das rechtspopulistische Portal “Nius” juristisch gegen die Berliner Verkehrsbetriebe und die Werbefirma Wall vor. Hintergrund sei der Werbestopp für eine “Nius”-Kampagne, der nach einem Social-Media-Beitrag von Chefredakteur Julian Reichelt veranlasst worden sei. Der “Nius”-Anwalt habe darauf verwiesen, dass der Beitrag satirisch gemeint sei und unter die Meinungsfreiheit falle.

5. Zwischen FIFA, Politik und Fans: Wie Medien über die WM berichten
(ardsounds.de, Sophie Morár, Audio: 27:06 Minuten)
“Wie entsteht eigentlich das Bild, das wir von dieser Fußball-WM haben? Und lässt sich Sportberichterstattung von Politik trennen?” Darüber spricht Sophie Morár bei “BR24 Medien” mit ARD‑Reporter Holger Dahl, ARD‑Programmchef Thomas Wehrle und dem Sportpublizisten Marcus Bölz.

6. Die Welt für Kinder etwas fairer machen
(tagesschau.de, Lars Meyer)
Lars Meyer stellt das Kinder-Medien-Festival “Goldener Spatz” als zentrale Plattform für deutschsprachige Kindermedien vor. Das Festival, 1979 in der DDR gegründet, verbinde Filmprogramm, Branchenangebote und Medienpädagogik. Besonders sei, dass die wichtigsten Preise nicht von Erwachsenen, sondern von einer Kinderjury vergeben werden. Inhaltlich stehe diesmal die Frage im Zentrum, wie Kinder stärker an Gesellschaft teilhaben können.

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