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B.Z., Bild  etc.

Volksgerechtigkeit

Sie sind ein Glücksfall für die Boulevardzeitungen, die Videoaufnahmen von dem Angriff auf einen jungen Mann in der Berliner U-Bahn-Station Friedrichstraße. Sie können gar nicht aufhören, die Bilder zu zeigen, auf ihren Titelseiten und in ihren Online-Angeboten. Vermutlich lohnt sich das.

Was sich auch lohnt, um den Volkszorn anzustacheln und von ihm zu profitieren: Fragen zu stellen, ohne sie zu beantworten. Bei Bild.de lesen sie sich unter anderem so:

Muss jemand, der einen anderen halb tot prügelt, nicht ins Gefängnis? Darf man einen solchen Schläger einfach wieder auf die Leute loslassen?

Darauf könnte man vielerlei antworten. Zum Beispiel, dass noch gar nicht ausgemacht ist, ob der 18-Jährige, gegen den Haftbefehl erlassen wurde, nicht ins Gefängnis muss — ein Urteil steht noch aus. Oder auch, dass man einen “solchen Schläger” nur dann “wieder auf die Leute loslassen” darf, wenn nicht davon auszugehen ist, dass er erneut zum Schläger wird.

Der deutsche Rechtsstaat sieht vor, dass es gute Gründe braucht, jemanden ohne ein Urteil ins Gefängnis zu stecken. Ein “dringender Tatverdacht” allein reicht dafür nicht aus. Ein Haftgrund ist neben der Wiederholungsgefahr die Fluchtgefahr. Im konkreten Fall hat der Richter entschieden, dass beides nicht vorliegt, und er hat gute Gründe dafür. Der mutmaßliche Täter ist bislang nicht polizeilich auffällig gewesen; er ist sozial integriert; er hat sich selbst gestellt, und er ist reumütig.

Wenn “Bild” die Mutter des Opfers fragen lässt: “Wie kann es sein, dass bei versuchtem Mord die Täter einfach entlassen werden?”, muss man ihr also antworten, dass Untersuchungshaft nicht der Strafe dient und dass sie nicht unmittelbar davon abhängt, wie schwer der Tatvorwurf ist. Der Düsseldorfer Strafverteidiger Udo Vetter erklärt uns auf Anfrage, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verdächtiger versucht, sich einem Verfahren zu entziehen, steigt, je höher die zu erwartende Strafe ist. Trotzdem müsse in jedem Einzelfall abgewogen werden, ob es wahrscheinlich ist, dass er flüchten will, und er somit in Untersuchungshaft gehört.

Und wenn “Bild” einen Leser fragen lässt: “Leben wir in einem Wattebausch-Land?”, muss man ihm antworten: Nein, in einem Rechtsstaat.

“Bild” versucht, den falschen Eindruck zu erwecken, die Frage der Untersuchungshaft hänge mit der Schwere des Tatvorwurfs zusammen:

Beim Haftrichter gibt der Brutalo-Treter zu, volltrunken Streit gesucht zu haben. Trotzdem lässt ihn der Richter laufen. (…)

Aufregung, weil der Schläger-Schüler Haftverschonung bekam, gegen Auflagen auf freien Fuß kam – und das obwohl er sein zufällig ausgesuchtes Opfer aus purer Streitlust fast tot geprügelt hätte!

(Hervorhebungen von uns.)

Besonders perfide ist, dass das Blatt den Eindruck erweckt, damit sei die Sache erledigt, dabei hat das Verfahren noch nicht einmal begonnen. Die Haftverschonung wird implizit mit einem Freispruch gleichgesetzt — und die Reaktionen der entsprechend in die Irre geführten, empörten Leser stolz vorgeführt.

Danach erwecken “Bild” und “B.Z.” den Eindruck, ihre Berichterstattung habe dazu beigetragen, dass bereits in den nächsten Wochen Anklage erhoben werden soll. Die “B.Z.” schreibt:

Der massive Druck der Öffentlichkeit zeigt offenbar Wirkung.

Vom Dementi der Staatsanwaltschaft und dem Hinweis, dass die günstige Beweislage aufgrund der Videoaufnahmen und der Geständnisse ein schnelles Verfahren ermöglichen, hat sich das Blatt offenbar nicht überzeugen lassen wollen.

Kaum verholen fordert die “B.Z.” auf ihrer heutigen Titelseite den Abschied vom Rechtsstaat. Denn “einfach mal Strafe” bedeutet im konkreten Fall offenbar: ohne Verhandlung, ohne Urteil. (Und sowieso ohne Betrachtung der Frage, ob es dadurch wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher wird, dass ein junger Mann auch in Zukunft straffällig wird.) Anders als die “B.Z.” behauptet, ist der Begriff für ein solches Vorgehen nicht “Gerechtigkeit”, sondern “Rache”.

Der “Bild”-Leitartikler Georg Gafron ist fassungslos, dass in Deutschland Menschen nicht einfach so ohne Verfahren und guten Grund eingesperrt werden können:

Ob der Richter, der diese nicht nachvollziehbare Freilassung zu verantworten hat, sich überhaupt der Tragweite seines Handelns bewusst ist?

Diese Art von Gutmenschen-Justiz fordert Nachahmungstäter geradezu heraus, statt sie mit unnachsichtiger Härte abzuschrecken!

Und hat sich dieser Richter in seiner unendlichen Milde auch einmal überlegt, was er mit dieser unverantwortlichen Entscheidung provozieren könnte:

Dass Menschen, die den Glauben an den Rechtsstaat verlieren, irgendwann einmal das Recht selbst in die Hand nehmen könnten?

Wir wollen keine Bürgerwehr — aber einen wehrhaften Staat!

Ob sich Gafron in seinem unendlichen Populismus auch einmal überlegt hat, wer begeistert daran arbeitet, den Menschen den Glauben an den Rechtsstaat zu nehmen, indem er ihn bis zur Unkenntlichkeit karikiert, anstatt korrekt über die Abläufe und zum Beispiel das Wesen von “Untersuchungshaft” zu informieren?

Die “Vereinigung Berliner Strafverteidiger” erklärt das Prinzip kurz und bündig so:

Die Feststellung der Schuld des Beschuldigten und Auswahl und Bemessung der entsprechenden Sanktion bleiben — auch bei geständigen Beschuldigten — dem Gericht in einer solchen Hauptverhandlung vorbehalten.

Doch die Boulevardzeitungen haben stattdessen längst den Richter an den Pranger gestellt (“Bild”: “Dieser Richter schickte Torben P. (18) nach Hause”; “B.Z.”: “Das ist der Richter, der den Schläger freiließ”) und zeigen ihn teils auch groß im Bild. Die Berliner Verteidiger protestieren: “Eine solch tendenziöse und auf die Person eines Richters abzielende (negative) Berichterstattung … widerspricht dem rechtsstaatlichen Verständnis, dem auch die Presse verpflichtet sein sollte.” In einer gemeinsamen Erklärung bemängeln die Präsidenten des Berliner Kammergerichts und des Amtsgerichts Tiergarten die Fehler in der Berichterstattung und mahnen:

Auch eine lebhafte und kritische öffentliche Diskussion darf die persönliche Integrität der Beteiligten nicht verletzen. (…) Ein Richter, der auf Grundlage von Recht und Gesetz entscheidet, darf nicht an den Pranger gestellt werden.

Mit Dank an die Hinweisgeber!

Bild, Ratlosigkeit, Schulenglisch

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “BILD-Zeitung, meinungsmächtig”
(ardmediathek.de, Audio, 15:17 Minuten)
Die Sendung “Wissenswert” auf hr2 blickt zurück auf die Geschichte der “Bild”-Zeitung. “Im internationalen Vergleich ist Bild ein untypischer Fall, weil sie sehr politisch und auf Wirtschaft bezogen ist. Boulevardzeitungen in Lateinamerika beispielsweise legen den Schwerpunkt viel stärker auf blutige Kriminalitätsthemen.”

2. “Bild dir deine Kohle”
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Hans Leyendecker stellt eine diese Woche erscheinende Studie zu “Bild” vor: “Die auf den ersten Blick kühne These, dass Bild vor allem eine brummende Verkaufsmaschine mit dazugehörigem Event-Marketing und irgendwo auch noch eine Zeitung sei, ist zumindest originell. Nicht das permanente Jammern über angeblich fehlende Moral bei den Blattmachern, nicht der ständige Verweis auf tatsächliche Schweinigeleien, sondern die schlichte Antwort: Bild ist vor allem ein Geschäftsmodell.”

3. “Die ‘BILD’ ist gar keine Zeitung – aber was dann?”
(detektor.fm, Audio, 8:46 Minuten)
Ein Gespräch mit einem der Machern der Studie, Hans-Jürgen Arlt.

4. “Partei oder Kaufhaus: Was Bild alles sein soll”
(meedia.de, Stefan Winterbauer)
Für Stefan Winterbauer greift es zu kurz, “die Bild-Kritik auf die Formel zu verkürzen, dass Bild kritikwürdig sei, weil die Zeitung wirtschaftlich erfolgreich ist. Das wirkt ein bisschen wie Alt-Linke Pauschal-Haue, nach der nur das Nicht-Kommerzielle und Spaßbefreite auch das Wahre, Gute und Schöne ist.”

5. “Der Anfang ist am schlimmsten”
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler bewertet die Aufbereitung der Ereignisse in Japan. “Die atemlosen News und Analysen der vergangenen Wochen erzeugten ein verwirrendes Gefühl der aufgeklärten Ratlosigkeit. Medien, welche die Sachlage intelligent wiederaufbereiten, dürften weiterhin dankbare Abnehmer finden. Ob die Information gedruckt oder elektronisch erscheint, ist eine zweitrangige Frage.”

6. “Sorry?”
(freitag.de, Verena Reygers)
Verena Reygers erzählt von ihren Erfahrungen im Musikjournalismus. “Auf der einen Seite die im breitesten Slang nuschelnden Musiker, auf der anderen Seite ein wenig ausgeschlafener und gerade mal des Schulenglisch fähiger Journalist.”

Lucien Favre spricht

Zweck-Optimismus in Mönchengladbach:

Lucien Favre lächelt wieder, der Schock vom 0:1 gegen Lautern ist halbwegs verdaut. Vor den Endspiel-Wochen spricht der Trainer im EXPRESS.

Favre spricht im “Express” unter anderem über “Borussias Minimal-Chance im Abstiegskampf”, “den nächsten Gegner Bayern München” und “die Formkrise von Marco Reus”.

Dabei ist entscheidend, dass er im “Express” spricht und nicht etwa mit ihm: Favres Statements hat der “Express” nämlich aus einem Interview mit dem Mönchengladbacher Radio 90,1 von vergangener Woche herausdestilliert, das in schriftlicher Form auch auf einer Borussia-Fanseite erschienen war.

Der “Express” selbst hat mit dem Trainer gar nicht gesprochen, wie uns der Verein auf Anfrage bestätigte.

Diese Art der O-Ton-Beschaffung scheint bei Boulevardzeitungen gerade voll im Trend zu liegen.

Mit Dank an Christian G.

Und Du gehst Rüssel an Schwanz hinterher

Seit die Band Wir Sind Helden öffentlich erklärt hat, warum sie nicht an einer “Bild”-Werbekampagne teilnehmen möchte, ist deren Webserver in die Knie gegangen — und unserer ächzt auch schon spürbar. Für einen Moment geriet bei Facebook, Twitter und Co. sogar Karl-Theodor zu Guttenberg in Vergessenheit.

Bei jetzt.de veröffentlichte die Userin synthie_und_roma “Die Antwort der Werbeagentur Jung von Matt auf Judith Holofernes”. Obwohl den Mitarbeitern von Werbeagenturen grundsätzlich viel Hybris, Irrsinn und Arroganz zuzutrauen ist, gab es Anhaltspunkte, dass es sich bei dem Text um eine Satire handeln könnte:

Die 10.000 Euro kommen den von ihnen gewünschten guten Zweck zu Gute: Sie geht an die Organisation “Gutmenschenmütter machen den Prenzlauer Berg besser”. Sie setzt sich für die totale Durchgentrifizierung des Bezirks ein. Unter anderem fordert sie Kinderspielplätze aus Bio-Holz, H&Ms ausschließlich mit nachhaltigen Textilien und die Begrenzung von Schriftgrößen für Boulevardzeitungen.

Man hätte also zumindest mal bei Jung von Matt anfragen können, ob diese Replik echt ist oder nicht.

Hätte:

Die Websites des “Kölner Stadt Anzeigers” und des Mediendienstes Kress brachten fröhlich den Text, den sie “Die Revanche” (ksta.de) bzw. “eine scheinbare Antwort” (kress.de) nannten.

Die Bloggerin Lisa Rank hat bei kress.de angerufen, die erklärten, gerade bei Jung von Matt angefragt zu haben.

Die dort gewonnenen Erkenntnisse fasst kress.de so zusammen:

Update 2: Jung von Matt gegenüber kress.de: “Die Antwort auf die Antwort von Judith Holofernes ist nicht von JvM.” “BILD und JvM haben Wir sind Helden um ihre Meinung zu BILD gefragt und Judith Holofernes hat für Wir sind Helden geantwortet und hat ihre Meinung veröffentlicht. Dass wir niemanden in seiner freien Meinungsäußerung einschränken wollen, haben wir in unserer Anfrage deutlich gemacht.”

Beim “Kölner Stadt Anzeiger” sind sie immer noch davon überzeugt, dass die Antwort echt war.

Mit Dank auch an Amon T.

Nachtrag, 15.40 Uhr: Auch ksta.de hat inzwischen erkannt, dass die “Antwort” ein Fake war, und schreibt:

Wir möchten dem User von jetzt.de zu seinem Coup gratulieren. Wir finden es toll, dass es heutzutage noch immer junge Leute gibt, die genug Zeit haben, sich so etwas Pfiffiges auszudenken.

2. Nachtrag, 15.57 Uhr: jetzt.de-Chefredakteur Dirk von Gehlen sah sich nach dem ganzen Chaos zu einer Stellungnahme genötigt. Er schreibt unter anderem:

Keiner der Dienste hat vor dieser Behauptung, den Kontakt zur Redaktion gesucht.

Dazu stellen wir fest: Dieser Text stammt von einem der rund 160.000 registrierten Nutzer auf jetzt.de. Er ist keine offizielle Antwort der Werbeagentur. Er ist nicht redaktionell verfasst und auch kein “Coup” von jetzt.de (wie der Kölner Stadtanzeiger behauptet). Es ist vielmehr so, dass es auf jetzt.de eine sehr aktive Community gibt, in der die Nutzerinnen und Nutzer kreativ mit den Themen umgehen, die sie umgeben. So auch in diesem Fall.

Asiaten, Mario Gomez, Quotensucht

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Hart, aber höflich”
(visdp.de, Frank Joung)
Frank Joung ärgert sich anlässlich des G20-Gipfels in Seoul über die Sicht einiger Journalisten auf Asiaten, die einzeln eher als harmlos beschrieben und belächelt werden, im Kollektiv aber schnell mal als “gelbe Gefahr” gelten. Ab Seite 8 (PDF-Datei) werden Zeitungstitel zu den Castortransport-Protesten gegenübergestellt.

2. “Gomez’ leiser Appell an die Menschlichkeit”
(de.eurosport.yahoo.com, Thomas Janz)
Mario Gomez erklärt, dass seine von “Bunte” publizierten Aussagen über das Coming-Out von homosexuellen Fußballern “vor acht bis neun Monaten” getätigt und weder von ihm noch vom Verein freigegeben wurden. “Die Leute wollen immer ehrliche und offene Antworten hören. Aber wenn etwas daraus gemacht wird, was nicht der Wahrheit entspricht, überlegt man sich vielleicht dreimal, was man Preis gibt.”

3. “Die Dynamik der Angst”
(taz.de, Frank Miener)
“Immer neue Themen” werden bei der alarmistischen Berichterstattung zu angeblich gefährlichen Krankheiten “durch den medialen Durchlauferhitzer gejagt – bis sie sich als harmlos erweisen”. “Die Folge: Die Leser stumpfen ab und reagieren immer uninteressierter auf die neueste Katastrophe, so berechtigt sie auch sein mag.”

4. “Der Fall Oberhauser und das Elend der Meinungsmache”
(derstandard.at, Gerhard Zeillinger)
Gerhard Zeillinger kommentiert den Umgang von Boulevardzeitungen mit Elmar Oberhauser: “Worum es in der Sache eigentlich geht, wird nicht berichtet. Darüber nämlich, wie massiv eine Partei Einfluss auf die Personalpolitik eines öffentlich-rechtlichen Senders nimmt.”

5. “Correction practices at major news sites are a mess, survey finds”
(mediabugs.org, Mark Follman and Scott Rosenberg, englisch)
Beim Umgang von US-Nachrichtenseiten mit Fehlern werden große Unterschiede festgestellt. “Fox News is the exception in the group. Apparently the Fox network never makes errors. We found no corrections content at all on its website.”

6. “ARD: Einknicken vor der Quote?”
(sueddeutsche.de, Christopher Keil)
Die drei letzten Folgen von “Im Angesicht des Verbrechens” werden wegen tiefer Quoten “am 19. November hintereinander versendet”. “Zwei Millionen Menschen sind ordentlich, aber natürlich deutlich weniger als 3,5 Millionen, die den üblichen Zuschauerschnitt am Freitagabend bilden, wenn die ARD um 21.45 Uhr zur Tatort-Wiederholung ansetzt.” Auch Fernsehkritik.tv berichtet: “Im Angesicht der Quotensucht”.

Ottfried Fischer, Hans Paul, Mel Gibson

6 vor 9

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1. “Hat ‘Bild’ Ottfried Fischer genötigt?”
(sueddeutsche.de, Nicolas Richter)
Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen einen ehemaligen “Bild”-Mitarbeiter, der Ottfried Fischer genötigt haben soll: “Der damalige Bild-Mann soll – laut Anklage – Mitte Oktober 2009 die PR-Agentin Fischers kontaktiert und von dem kompromittierenden Film erzählt haben. Fischer habe sich daraufhin bereit erklärt, Bild das Exklusiv-Interview zu gewähren, das im Oktober erschien.” Der Axel-Springer-Verlag dementiert: “Herr Fischer wurde zu keinem Zeitpunkt erpresst, an diversen Artikeln mitzuwirken.”

2. “Halt die Fresse Freifrau”
(motor.de/motorblog, Tim Renner)
Tim Renner hält nicht viel vom von “Bild” auf der Titelseite (“Besorgte Minister-Gattin schlägt Alarm”) thematisierten Buch “Schaut nicht weg” von Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg.

3. “Peter Hahne ist gegen Kinderpornographie und lästige Details”
(faz-community.faz.net, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier kommentiert das Gespräch (zdf.de, Video, 26:59 Minuten) zwischen Peter Hahne und Stephanie zu Guttenberg zum Thema Kindesmissbrauch: “Hahne hat in der Sendung systematisch fast jede Gelegenheit gemieden, die Zuschauer aufzuklären, klüger zu machen. Er hat sie nur in ihren Gefühlen bestärkt.”

4. “Und alle noch einmal: Wempf!”
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)
Die “Neue Zürcher Zeitung” wiederholt einen Tippfehler, den sie 2004 gemacht hat. “Steht das denn so im Korrekturprogramm?”

5. “Wie ein Paparazzo Promis jagt”
(mainpost.de, Gisela Rauch)
Ein Porträt von Hans Paul, der von sich sagt, “einer von drei ernst zu nehmenden Paparazzos in Deutschland” zu sein. “Paul sagt, People-Zeitschriften wie die deutsche ‘Gala’, die amerikanische ‘inTouch’ und Boulevardzeitungen wie der englische ‘Mirror’ würden sich um private Bilder der schwangeren Kerr reißen. Am besten mit Babybauch drauf.”

6. “Mel Gibson Paps the Paps”
(kara.allthingsd.com, Video, 2:12 Minuten, englisch)
Mel Gibson filmt zurück: “What’s the matter, got nothing better to do?”

Sachsensumpf, Esoterik, Magath

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “RTL weist ‘Bild’-Bericht über “DSDS” zurück”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
“Bild” vermeldet Ende Juli, dass Sophia Thomalla in der Jury der neuen Staffel von “Deutschland sucht den Superstar” sitzen wird. Doch das wird sie nicht, denn es exisiert, wie RTL erklärt, kein Vertrag. “Erstaunlich viele Medien übernahmen diese Meldung an diesem Tag – als sei es ein Fakt – ungefragt und ohne jeden Zweifel daran zu äußern, obwohl RTL seit Wochen gebetsmühlenartig betonte, dass man sich zu Spekulationen nicht äußert und die Jury im August bekannt geben werde.”

2. Sachsensumpf-Prozess
(flurfunk-dresden.de, owy)
Peter Stawowy glaubt, dass der Kommentar “Der Sachsensumpf als Lehrstück” von Dieter Schütz in der “Sächsischen Zeitung” “derzeit in der Presselandschaft ziemlich alleine stehen” dürfte. “Denn der Autor lehnt es ab, das Urteil als ‘schweren Angriff auf die Pressefreiheit umzudeuten.'”

3. “Jahrbuch 2010: Qualität der Medien”
(jahrbuch.foeg.uzh.ch)
Das Observatorium öffentliche Kommunikation der Universität Zürich untersucht “die publizistische Versorgung, das Informationsangebot und die Berichterstattung in der Medienarena Schweiz” und löst damit einige Reaktionen aus. Der in gedruckter Form 373-seitige Bericht ist online, hier die Hauptbefunde.

4. SF bei den Esoterikern
(dasmagazin.ch, Birgit Schmid)
Birgit Schmid hat beim Schweizer Fernsehen eine esoterische Ader aufgespürt. “Man hat oft den Verdacht, die Fernsehmacher selbst gehen den Scharlatanen auf den Leim. Auch TV-Journalisten haben ein Faible für Esoterik, denn sie wissen, dass diese Themen Quote machen.”

5. “Risiko Magath”
(sportmedienblog.de)
“Magath wird von weiten Teilen des Boulevards hofiert. Man hängt ihm bereitwillig an den Lippen, sein Wort hat Gewicht.” Das Sportmedienblog fragt sich darum, ob die Sympathie für Felix Magath einen Zusammenhang mit dem “Schuldenberg von rund 250 Mio Euro” von FC Schalke 04 hat, den die Boulevardzeitungen angeblich kaum thematisieren.

6. “Journalism Warning Labels”
(tomscott.com)
Warn-Aufkleber für Journalismus zum Selbermachen.

Von den Medien zwangsverheiratet

Es war ein Skandal erster Güte, eine Geschichte über kulturelle Differenzen und über den ewigen Machtkampf zwischen Vater und Sohn, der in den letzten Wochen diverse deutsche und türkische Boulevardblätter beschäftigte: Der deutsche U21-Nationalspieler Baris Özbek, derzeit Spieler des türkischen Erstligisten Galatasaray Istanbul, wird von seinem Vater zur Heirat einer 16-Jährigen aus der Verwandtschaft seiner Familie gezwungen. Weigert er sich, wird er aus der Familie verstoßen.

So stand es zumindest im “Express”.

Die Geschichte klingt in der Tat äußerst dramatisch und so, als wären dies schwierige Tage für den jungen Baris Özbek — wenn, ja wenn die gesamte Geschichte nicht einen Haken hätte: Sie stimmt nicht.

Dabei hatten sich die deutsche und türkische Boulevardpresse Zitate und Gerüchte so lange im Doppelpass zugespielt, bis jeder eine Quelle hatte und besten Gewissens auf andere Medien als Urheber verweisen konnte.

Am 17. März meldete der “Express”:

Özbek soll laut türkischen Medienberichten zwangsverheiratet werden. Die Zeitung Star berichtet, Özbeks Vater Sinasi verlange von Baris (23) die Heirat mit einem 16-jährigen Mädchen aus dem Verwandtenkreis.

Eben diese Zeitung “Star” berichtete nun genau einen Tag später ebenfalls von der angeblichen Zwangsheirat und hatte dafür überraschende Quellen aufgetan:

Gerüchten zufolge soll Baris von seinem Vater Sinasi Özbek zur Ehe mit einer 16-jährigen mutmaßlichen Verwandten gezwungen werden. Nach Berichten deutscher Medien soll Baris, der sich seiner Familie und insbesondere seinem Vater gegenüber außerordentlich verbunden fühlt, in dieser Angelegenheit nicht in der Lage gewesen sein, zu widersprechen.

(Übersetzung von uns)

Die Meldung von der angeblichen Zwangsheirat verbreitete sich in Windeseile. “Bild” und Bild.de berichteten ebenso wie die großen türkischen Boulevardzeitungen “Hürriyet” und “Milliyet”. Und als sei die Gemengelage aus sich gegenseitig zitierenden Quellen, Spekulationen und Gerüchten nicht schon unübersichtlich genug, ergänzten die verschiedenen Redakteure ihre Beiträge hier und da und malten sich aus, wen und warum Özbek heiraten könnte, sollte, müsste.

Arno Schmitz, der Redakteur des “Express”, verstieg sich gar zu einer knappen Zusammenfassung dessen, was er ganz grundsätzlich für die “türkische Kultur” hält: Zwangsheirat mit Minderjährigen und verstoßene Söhne.

Auf die naheliegende Idee, Özbek selbst zu der Angelegenheit zu befragen, kam offensichtlich keiner der Redakteure der beteiligten Boulevardzeitungen. Verärgert schreibt Baris Özbek auf seiner eigenen Homepage:

Die Nachricht auf den Sportseiten der heutigen Hürriyet mit dem Titel “Wenn Du nicht heiratest, verstoße ich Dich” ist vollkommen aus der Luft gegriffen. (…) Dass diese unwahre Nachricht heute mit Bezug auf deutsche Medien als Quelle nochmals in unsere Zeitungen getragen wird, bedeutet nicht, dass die Inhalte wahr sind; dass darüber hinaus noch neue Details hinzuerfunden wurden, ist nicht zu rechtfertigen.

(Übersetzung von uns)

Ja, es war ein Skandal erster Güte und es waren schwierige Tage für Baris Özbek. Dafür haben “Express” und “Bild”, “Star”, “Milliyet” und “Hürriyet” selbst gesorgt.

Mit Dank an Erhan S. für den Hinweis und besonderem Dank an Baris Ü. für die Übersetzung aus dem Türkischen.

Blome, Islamkritiker, Nachrichtendschungel

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “BILD sucht die Exitstrategie”
(spiegelfechter.com, Jens Berger)
Jens Berger liest, was “Bild”-Hauptstadtbüroleiter Nikolaus Blome zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Hartz IV schreibt. “Da stellt das Verfassungsgericht fest, dass in der gängigen Hartz IV-Praxis eine Lücke bei den Ausgaben für die Bildung von Kindern aus prekären Verhältnissen besteht, und Leistungsträger Blome verkauft dies in einem ‘Entweder-Oder-Spiel’ als Belastung der Mitte der Gesellschaft.”

2. “Plagiatsfall Hegemann: Das Feuilleton findet Abschreiben ohne Quellenangabe voll OK”
(literaturcafe.de, Wolfgang Tischer)
Wolfgang Tischer kennt “den Automatismus von Verlagsmarketing und Journalisten”: “Der Verlag bedient mit einem autobiografisch anmutenden Roman die Erwartungen der Presse – und beißt eines der großen Magazine oder Zeitungen an, dann wollen sie sie alle.” Dem italienischen “Corriere della Sera” gemäss hat Autorin Hegemann übrigens nicht nur Teile des Romans aus dem Web entnommen, sondern gleich alles: “Il mio libro? Ho copiato tutto dal web”.

3. Interview mit Thierry Chervel
(heise.de/tp, Reinhard Jellen)
Perlentaucher-Mitgründer Thierry Chervel glaubt, dass es “gar nicht so viele Medien gibt, in denen sich die Islamkritiker wirklich äußern können”. Er spricht konkret die “Süddeutsche Zeitung” an. “Sie fährt zwar die härtesten Attacken gegen Islamkritiker, gleichzeitig existiert nicht der Hauch einer Chance der Erwiderung. Im Grunde ein zutiefst undemokratisches Verfahren für ein demokratisches Medium.”

4. “Mexikanische Boulevardzeitungen: Grausame Berichterstattung”
(medienblick-bonn.de, Linda Krummenauer)
Ein Blick auf mexikanische Boulevardzeitungen, die halb verweste Leichen auf der Titelseite abdrucken und Namen und Adressen von Straftätern nennen.

5. “Wem gehört der Sport?”
(jensweinreich.de, René Martens)
Ein langer Beitrag über den Versuch, die Aufnahme und Publikation von Bildern bei Sportveranstaltungen zu kontrollieren. “Jedermann im Stadion kann entfernt zeitungs-, radio- oder fernsehverwandte Kurzbeiträge produzieren, unabhängig davon, in welchem journalistischen Genre er eigentlich tätig ist beziehungsweise ob er überhaupt als Journalist arbeitet.”

6. “Verloren im Nachrichtendschungel”
(plus7.arte.tv, Video, 40 Minuten)
Für 7 Tage online: Ted Anspach besucht und begleitet verschiedene Macher von Online-Medien. Der Film hinterlässt ein Bild vom Internet als ein Ort, an dem kaum seriöse Informationen zu finden sind.

Bild  

Brangelinas schwere Trennkost

Es sind besonders rührende Momente, wenn die “Bild”-Zeitung gelegentlich den Eindruck zu erwecken versucht, dass es ihr wichtig sei, ob die Sachen auch stimmen, die sie so druckt.

So schrieb der frühere Popjournalist Alexander von Schönburg, der heute für “Bild” täglich die erste letzte Seite füllt, vor zwei Wochen an die “lieben Leser”:

Die Gerüchte um Brad Pitt und Angelina Jolie ernähren seit Monaten eine ganze Industrie. Bücher, Zeitschriften, Internet-Blogs. Wir haben darauf verzichtet, jedes neue Gerücht zu verbreiten.

Und das stimmt ja auch. “Bild” und “Bild am Sonntag” haben garantiert nicht jedes neue Gerücht verbreitet, vermutlich noch nicht einmal jedes alte. Nur, zum Beispiel, diese:

Sehr verliebt: Angelina Jolie (33) und Brad Pitt (45)
(10. Januar 2009)

Dunkle Wolken über der Beziehung von Brad Pitt und Angelina Jolie. Wie das US-Magazin “Star” berichtet, soll die Schauspielerin ihren Lebensgefährten mit einem Kindermädchen im Bett erwischt haben. Jolie soll daraufhin ausgerastet sein und Pitt geschlagen haben.
(15. März 2009)

Angelina Jolie (33) plant, ein indisches Kind zu adoptieren.
(1. April 2009)

Schauspielerin Angelina Jolie (33) ist bei den Dreharbeiten zu ihrem neuen Film “Salt” zusammengebrochen. (…) Angeblich isst Jolie morgens und abends nichts. Grund dafür soll eine Beziehungskrise mit Brad Pitt (44) sein.
(8. April 2009)

Angelina Jolie (33) soll im dritten Monat schwanger sein (…).
(17. April 2009)

Hat die überschlanke Angelina Jolie (33, hat sechs Kinder, davon drei leibliche) nur eine Erbse zu viel genascht oder ist da gar Nachwuchs unterwegs?
(19. April 2009)

Pfeifen Sie auf die Gerüchte! Brad Pitt (45) und Angelina Jolie (33) haben keine Liebeskrise. Nein, SIE ist nicht schwanger. Hier sehen wir den Fotobeweis – das Paar beim stinknormalen, gemeinsamen Family-Einkauf.
(22. April 2009)

Die Gerüchte verdichten sich: Laut der neuen Ausgabe der US-Zeitschrift “InTouch” haben sich Angelina Jolie (33) und Brad Pitt (45) getrennt. Grund dafür sei Brads angebliche Wiedervereinigung mit seiner Ex-Frau Jennifer Aniston (40). Der Beweis für das erneute Aufflammen der Beziehung: Brad trägt wieder eine Kette, die er von Jennifer vor Jahren geschenkt bekommen hat.
(9. Mai 2009)

BILD: Wollen Sie die Trennungsgerüchte kommentieren?
Er ist ein schöner Mann mit gesunder Haut, aber müden, blauen Augen.
Brad: “Was soll ich sagen? Wir verfolgen das nicht! Wir lesen das nicht! Das hat mit Wahrheit nichts zu tun.”
(23. Mai 2009)

Läuft da wieder was [bei Jennifer Aniston] mit Brad Pitt? Angeblich kriselt es zwischen ihm und Angelina Jolie. Angeblich traf er sich gerade mit Jen in New York. Nun strahlt sie wie frisch verliebt.
(14. Juni 2009)

Ein glückliches Paar sieht anders aus, oder? Bei der “Inglourious Basterds”-Premiere in Hollywood zeigten sich Brad Pitt (45) und Angelina Jolie (34) mal wieder recht uneinig: Sie wollte schon zum roten Teppich stöckeln, er lieber am Auto bleiben. Ihr genervter Blick spricht Bände, er hält sie trotzdem am dürren Ärmchen fest. Die Frage, über die derzeit ganz Amerika tuschelt, ist wohl: Wie lange halten sich die beiden noch gegenseitig fest?
(16. August 2009)

Die sechsfachen Eltern Angelina Jolie (34) und Brad Pitt (45) träumen von zwei weiteren Kindern. Ein Baby möchten sie adoptieren. Eins möchte Jolie selbst austragen.
(17. Oktober 2009)

Angelina Jolie (34) will ein Kind aus Syrien adoptieren. Brad Pitt (45) soll nach Angaben des “OK!Magazin” nicht begeistert sein.
(12. November 2009)

Nach einem Streit mit Brad Pitt (45) soll Angelina Jolie (34) einen Nervenzusammenbruch erlitten haben. Angeblich wiegt die Schauspielerin nur noch 50 Kilogramm.
(13. November 2009)

Angelina Jolie & Brad Pitt: Ist ihre Liebe am Ende? (…) Angeblich nervt Brad an Angelina hauptsächlich ihr krankhafter Kontrollwahn. Selbst die bevorstehende Trennung wird generalstabsmäßig geplant. Sie soll der Öffentlichkeit als “freundschaftlich” verkauft werden.
(30. November 2009)

Ausgerechnet an dem Tag, an dem in Amerika das Enthüllungsbuch “Brangelina — The Untold Story” auf den Markt kam, zeigten sich Brad Pitt (45) und Angelina Jolie (34) demonstrativ zutraulich. In dem Buch wird ihre Beziehung als zerrüttet beschrieben. Und wie reagieren die beiden? Sie wählten das Restaurant “Dolce Vita” in Beverly Hills für ihren Ausflug. Das angesagteste Lokal der Stadt. Mit Paparazzi-Garantie. Eine raffinierte Methode, böse Gerüchte zu dementieren.
(3. Dezember 2009)

Nachdem “Bild” all diese Gerüchte über Angelina und Pitt nicht ignoriert hatte, fand Alexander von Schönburg, dass “Bild” die Gerüchte über Angelina und Pitt nicht länger igorieren könnte, und schrieb also:

Die Gerüchte um Brad Pitt und Angelina Jolie ernähren seit Monaten eine ganze Industrie. Bücher, Zeitschriften, Internet-Blogs. Wir haben darauf verzichtet, jedes neue Gerücht zu verbreiten. Aber jetzt schreibt auch die “Times” darüber. Und langsam glauben auch wir: kein Rauch ohne Feuer.

Das mit der “Times” war der “Bild”-Zeitung ganz doll wichtig. Sie titelte auf Seite 1: “Angelina Jolie & Brad Pitt: Alles aus!” und erwähnte in dem Artikel das Blatt, das sie “die seriöse Londoner ‘Times'” nennt, immer wieder als Quelle:

Die “Times” nennt auch die Trennungsmodalitäten. Pitt und Jolie hätten sich darauf geeinigt, das in den letzten fünf Jahren (die Dauer ihrer Beziehung) verdiente Vermögen zu teilen. Jeder bekommt knapp 40 Millionen Euro. Auch das Sorgerecht der sechs Kinder (drei adoptierte, drei leibliche) soll geteilt werden.

Laut “Times” kam es Anfang Januar nach einem lautstarken Streit in dem New Yorker Restaurant “Alto” zum endgültigen Bruch. Seitdem sind die beiden nicht mehr gemeinsam aufgetreten. (…)

Die “Times” berichtet, Pitt habe versucht, Jolie zu psychiatrischer Behandlung zu überreden. Sie leide seit drei Jahren unter Depressionen. Jolie wiederum hasse es, dass Pitt regelmäßig Marihuana rauche.

Und das alles berichtet die “seriöse ‘Times'”? Ja und Nein. Die “Times” (genauer: die “Sunday Times”) hat nur nacherzählt, was ihr unseriöses Schwesterblatt “News of the World” unter Berufung auf “ungenannte Quellen” geschrieben hat. Für jede einzelne der Behauptungen, die ihr “Bild” zuschreibt, gibt die “Sunday Times” entweder die “News of the World” oder das berüchtigte halbseidene US-Magazin “National Enquirer” als Quelle an.

Ist das nicht süß? Die “Bild” verlässt sich bei wirklich wichtigen Themen wie dem Liebesleben von Angelina Jolie und Brad Pitt nicht mehr auf Boulevardzeitungen, sondern nur noch auf Zeitungen, die sich auf Boulevardzeitungen verlassen.

Die Anwälte von Jolie und Pitt haben jetzt angekündigt, rechtlich gegen die “News of the World” vorzugehen. Deren Bericht, den alle abgeschrieben haben, stelle erstens eine Verletzung ihrer Privatsphäre dar und sei zweitens: falsch.

PS: Wir hier bei BILDblog haben keinen blassen Schimmer, ob Jolie und Pitt in Wahrheit zusammen sind oder nicht und aus welchem Land das nächste Kind stammen wird, das sie adoptieren werden oder nicht, falls Jolie wieder schwanger ist oder nicht. Das ist etwas, das wir mit “Bild” gemein haben.
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