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Rückzug, Rechte Meme-Subkulturen, Deutsche Angst vor Berlusconi

1. Dunja Hayali zieht sich vorerst aus Öffentlichkeit zurück
(taz.de)
ZDF-Moderatorin Dunja Hayali habe sich nach massiven Anfeindungen, Hassnachrichten und Todesdrohungen, ausgehend von rechten Onlinekreisen, vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Auslöser sei ihre Moderation im “heute journal” zur Ermordung des rechten US-Aktivisten Charlie Kirk gewesen. Diese sei in rechten Medien und auf Social Media bewusst aus dem Zusammenhang gerissen und skandalisiert worden.

2. Kein Visumsentzug gegen Kritiker
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband hat sich an Alan Meltzer gewandt, den derzeitigen Interimsbotschafter der USA in Berlin. Auslöser ist die Forderung des ehemaligen US-Botschafters Richard Grenell, den ZDF-Korrespondenten in Washington, Elmar Theveßen, wegen dessen angeblicher Linksradikalität aus den USA auszuweisen: “Solange sich Journalistinnen und Journalisten im Rahmen der Presse- und Meinungsfreiheit bewegen, gehören staatliche Zwangsmaßnahmen wie der Entzug des Visums nicht in das Arsenal freiheitlicher Demokratien. Bisher kennen wir solche Druckmittel nur von Autokratien und solchen Staaten, die in Deutschland gemeinhin als Bananenrepubliken bezeichnet werden”.
Weiterer Lesetipp: ZDF verteidigt Büroleiter Theveßen gegen US-Kritik: “Donald Trumps MAGA-Bewegung kritisiert den Washingtoner ZDF-Studioleiter Elmar Theveßen vehement. Er hatte dem extrem rechten Vize-Stabschef Trumps Nähe zur NS-Ideologie attestiert. Nun schaltet sich das ZDF ein.” (spiegel.de)

3. Groyper-Wars: Wenn rechte Meme-Subkulturen tödlich werden
(belltower.news, Kira Ayyadi)
Nach dem Mord an Charlie Kirk würden sich die Hinweise verdichten, dass der mutmaßliche Täter selbst aus rechten Online-Subkulturen stammt. Gravuren auf Patronenhülsen wie “OwO what’s this” würden auf eine toxische Mischung aus Gaming-Memes, Furry-Witzen und rechter Troll-Ästhetik deuten. Der Fall zeige laut “Belltower News”, wie sehr sich rechtsextreme Gewalt mit ironisch-codierter Internetkultur und Gamifizierung verbindet.
Weiterer Lesetipp: Hold my Kampfjet: “Krieg? Das geht auch in lustig! Denkt offenbar die Nato. Die hat das Jet2-Holiday-Meme genutzt, um auf Social-Media mit Kampffliegern anzugeben.” (taz.de, Anastasia Zejneli)

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4. Mythos Berlusconi: Die deutsche Angst vor Media for Europe
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Bei “DWDL” ordnet Timo Niemeier die Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den italienischen Berlusconi-Konzern ein. Demnach sei MediaForEurope, unter Leitung von Pier Silvio Berlusconi, zwar in Deutschland mit Misstrauen empfangen worden, bislang aber nicht durch politische Einflussnahme aufgefallen. Anders als sein Vater, der frühere Ministerpräsident Italiens Silvio Berlusconi, habe Berlusconi junior keine politischen Ambitionen gezeigt und betreibe das Mediengeschäft in erster Linie als unternehmerisches Projekt.

5. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern mehr Aufmerksamkeit für den Globalen Süden
(de.ejo-online.eu, Ladislaus Ludescher)
Ladislaus Ludescher zeigt, dass Länder des Globalen Südens trotz ihres weltweiten Gewichts in deutschsprachigen Leitmedien kaum vorkommen. Oft liege ihr Anteil an der Berichterstattung unter zehn Prozent. Selbst schwerwiegende humanitäre Krisen wie in der Region Tigray oder im Sudan fänden kaum Beachtung. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie 150 Organisationen würden daher in einem Appell mehr mediale Sichtbarkeit für den Globalen Süden fordern.

6. US-Regierung verkündet TikTok-Einigung mit China, nennt aber keine Details
(spiegel.de)
Es soll eine Einigung der USA mit China im Streit um die Videoplattform TikTok geben. Nach Angaben von US-Finanzminister Scott Bessent sei ein Rahmenplan erarbeitet worden, der den Übergang des US-Geschäfts von TikTok an ein US-amerikanisches Unternehmen ermöglichen soll. Details würden allerdings nicht genannt. Auch ein möglicher Käufer bleibe bislang unklar. US-Präsident Donald Trump habe den Deal auf seiner Plattform Truth Social angedeutet und ein Gespräch mit Chinas Staatschef Xi Jinping für Freitag angekündigt.

Brosius-Gersdorfs Medienkritik, “ein bisschen dumm”, Sommergespräche

1. So erklärt Frauke Brosius-Gersdorf ihren Verzicht auf die Kandidatur fürs Verfassungsrichteramt
(tagesspiegel.de, Frauke Brosius-Gersdorf)
Nach einem langen und unwürdigen Ringen um die Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin, hat diese nun ihre Kandidatur zurückgezogen. Über ihre Rechtsanwälte hat Brosius-Gersdorf dazu eine Stellungnahme verbreiten lassen, in der sie auch die Berichterstattung von Medien kritisiert: “Medien, insbesondere Leitmedien, sind Eckpfeiler unserer demokratischen Ordnung. Zum professionellen Journalismus gehören sachlich fundierte, auch in zugespitzter Form geführte Kampagnen; Desinformation und Diffamierung hingegen nicht. Erstaunlich ist, dass im Politik-Teil (nicht: im Feuilleton) eines Qualitäts- und Leitmediums einzelne Journalisten (nicht: Journalistinnen) zunächst ‘Speerspitze’ eines ehrabschneidenden Journalismus waren. So wurde im Blatt das Narrativ einer ‘ultralinken’ ‘Aktivistin’ geprägt, obwohl die Verantwortlichen wissen mussten, dass hiermit ein wirklichkeitsfremdes Zerrbild gezeichnet wird.” (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Gemeint ist damit augenscheinlich die “FAZ”.)

2. Rechte Gratiszeitungen machen Meinung
(verdi.de, Louisa Theresa Braun)
Der Hauke-Verlag verteile in Ostdeutschland kostenlose Anzeigenblätter, die regelmäßig Desinformation, Verschwörungserzählungen und rechte Narrative enthalten würden. Laut Experten würden derartige Blätter Lücken des geschwächten Lokaljournalismus füllen und so Politikverdrossenheit sowie den Einfluss der AfD fördern, die in Berichten häufig direkt zu Wort komme. Laut Kritikern brauche es mehr unabhängigen Lokaljournalismus, bessere Medienkompetenz und sichtbaren Widerspruch, um dieser Form der getarnten Parteipropaganda entgegenzuwirken.

3. Das sagt Jean-Remy von Matt zu seinem Auftritt bei Nius
(horizont.net, Tim Theobald)
Der gerne als “Werbe-Ikone” gefeierte Jean-Remy von Matt habe im Podcast “Hungry” auch über seinen Buch-Promo-Besuch beim rechtspopulistischen Sender “Nius” gesprochen, der nicht nur in der Werbebranche für Stirnrunzeln gesorgt habe. Von Matt habe erklärt, er habe vorab nicht gewusst, um welches Medium es sich handelt, sei “da reingerasselt”, habe sich unwohl gefühlt und den Auftritt im Nachhinein als naiv und “ein bisschen dumm” bezeichnet. (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Als naiv und ein bisschen dumm betrachtet Jean-Remy von Matt wohl vor allem die Zuhörerinnen und Zuhörer, denen er den Bären aufbinden will, er habe nicht gewusst, wen und was er da besucht hat.)

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4. Bad News Alert!
(verbraucherzentrale.de, Patrick Lohmeier, Audio: 42:44 Minuten)
Bei “dürfen die das?”, einem Podcast der Verbraucherzentrale, spricht Moderator Patrick Lohmeier mit Martin Schwarzbeck von netzpolitik.org, Kristina Klein von der Universität Bremen, Susanne Punsmann von der Verbraucherzentrale NRW und Andre Wolf von “Mimikama” über die problematische Nähe zwischen seriösen Online-Nachrichten und getarnten Werbeinhalten. Außerdem geht es um die Fragen, warum immer mehr Unternehmen auf Influencer setzen und wie sich deren Werbung von früheren TV- und Print-Promi-Kampagnen unterscheidet.

5. Der Sturm ist bereits eingetroffen: Warum Redaktionen neue Regeln für die KI-Ära brauchen
(journalist.de, Tor Kielland)
Künstliche Intelligenz (KI) habe den Journalismus bereits tiefgreifend verändert, indem sie Nachrichten blitzschnell verarbeite, Fakten prüfe und Inhalte personalisiere. Der norwegische KI-Unternehmer Tor Kielland warnt in seinem Beitrag, dass wirtschaftlicher Druck, Personalisierungsalgorithmen und der Einfluss von Tech-Firmen die redaktionelle Unabhängigkeit gefährden könnten. Um das Vertrauen in Nachrichten zu bewahren, brauche es schnell gemeinsame, verbindliche KI-Regeln und -Standards.

6. Pingpong, Pool & Politik
(arminwolf.at)
Armin Wolf erzählt die Entstehungsgeschichte der ORF-“Sommergespräche” die damals mit ungewöhnlichen, sommerlich-lockeren Inszenierungen wie Pool-Interviews und Pingpong begannen. Er blickt auf prägende Momente, prominente Gäste, Quotenrekorde und statistische Besonderheiten der Gesprächsreihe zurück. Zum Schluss kündigt er die aktuelle Saison an, die im Studio stattfinde und ohne die spektakulären Einlagen der Anfangsjahre auskomme: “Es wird keinen Pool geben, kein Pingpong, aber viel Politik.”

KW 22/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wie Israels Krieg in Gaza die Pressefreiheit bedroht
(youtube.com, Manuel Biallas & Lisa Maria Hagen & Jonas Schreijäg & Pia Steckelbach, Video: 30:37 Minuten)
Der Krieg Israels im Gazastreifen schränke die Pressefreiheit stark ein, berichtet das NDR-Medienmagazin “Zapp”. Medienschaffende würden bedroht, angegriffen oder sogar getötet. Der Beitrag zeigt, wie schwierig es für Reporter und Reporterinnen geworden ist, offen und sicher über die Lage in Gaza zu berichten. Es stelle sich die Frage: “Wie können Medien überhaupt noch aus Gaza und besetzten Gebieten berichten?”

2. Schaut der Sportjournalismus beim Thema Doping zu oft weg?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 40:56 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast unterhält sich Holger Klein mit dem auf Sport spezialisierten Investigativjournalisten Hajo Seppelt: “Wie arbeitet die Dopingredaktion der ARD? Welchen Stellenwert hat das Thema heute im Vergleich zu früher? Was kritisiert er an der eigenen Branche? Und warum sagt Seppelt ungern seinen Namen, wenn er ans Telefon geht?”

3. re:publica 25: Roland Meyer – Generative KI und die Ästhetik des digitalen Faschismus
(youtube.com, re:publica, Roland Meyer, Video: 26:39 Minuten)
In seinem Vortrag auf der re:publica spricht Bild- und Medienwissenschaftler Roland Meyer über die Ästhetik und die politische Dimension generativer KI. Diese werde insbesondere von der globalen Rechten genutzt, um rassistische und sexistische Klischees sowie nostalgische Sehnsüchte zu bedienen. Er kritisiert, dass KI-Modelle nicht neutral seien, sondern aufgrund ihrer Trainingsdaten und der bevorzugten Ästhetik ihrer Nutzerinnen und Nutzer überwiegend stereotype und diskriminierende Bilder erzeugen würden.

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4. Was hat Gossip mit Politikjournalismus zu tun?
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 24:19 Minuten)
Nina Landhofer spricht mit Politik-Influencer Fabian Grischkat, Endometriose-Aufklärerin Theresia Crone, Ernährungsexpertin Sanaz Saleh-Ebrahimi und Charlotte Thies vom “Volksverpetzer” darüber, wie Medien junge Menschen besser erreichen können. Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht Soziale Medien nicht nur als Problem, sondern auch als Chance für die politische Kommunikation. Die Anthropologinnen Maria Ava Fischer und Moxi Ochsenbauer erklären zudem, warum Gossip ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Themen und Interessen der Generation Z sei.

5. Schluss mit Privilegien? Social Media und Regulierung
(ardaudiothek.de, Thomas Bimesdörfer & Michael Meyer, Audio: 16:21 Minuten)
Der Anwalt Chan-jo Jun war bei “Medien – Cross und Quer” zu Gast: “Für ihn sind X und Co. Medien, die sich in Wahlkämpfe einmischen und das politische Klima beeinflussen können.” Jun kämpfe seit rund zehn Jahren gegen die Macht der Social-Media-Konzerne und gelte als Befürworter einer robusten staatlichen Regulierung dieser Plattformen. Darüber spricht er mit Thomas Bimesdörfer und Michael Meyer.

6. Wie weit dürfen Medien gehen?
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 17:44 Minuten)
Mats Schönauer wirft auf seinem YouTube-Kanal “Topfvollgold” regelmäßig einen kritischen Blick hinter die Kulissen von Boulevardpresse, YouTubern und Social Media. In seinem aktuellen Video kritisiert er, dass Jan Böhmermann und dessen Team vom “ZDF Magazin Royale” mit der Enthüllung der privaten Identität des YouTubers “Clownswelt” zu weit gegangen seien, da das öffentliche Interesse dafür nicht ausreichend begründet worden sei. Zudem bemängelt Schönauer, dass Böhmermann kaum auf die konkreten Inhalte und potenziellen Rechtsverstöße des Kanals eingehe, sondern stattdessen persönliche Informationen preisgebe. Böhmermanns Aktion sei letztlich kontraproduktiv, da sie dem kritisierten Kanal massiven Zulauf und Aufmerksamkeit verschafft habe.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

Machtfaktor Social Media, “RTL Direkt” eingestellt, Besetzung

1. re:publica 25: Machtfaktor Social Media
(youtube.com, Chan-jo Jun & Jessica Flint, Video: 53:31 Minuten)
Die Rechtsanwälte Chan-jo Jun und Jessica Flint betonen in ihrem Vortrag auf der re:publica, dass Social-Media-Plattformen zunehmend die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen und die Demokratie bedrohen. Der Grund: Die Algorithmen würden oft extremistische und polarisierende Inhalte bevorzugen. Trotz bestehender Regulierung wie dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz oder dem Digital Services Act bleibe die Durchsetzung mangelhaft. Die zentrale Forderung der Experten: Soziale Netzwerke dürfen nicht länger als neutrale Plattformen, sondern müssen als redaktionell verantwortliche Medien behandelt und entsprechend reguliert werden, um Demokratie und Grundrechte wirksam zu schützen.

2. Propalästinensische Demonstranten besetzen “FAZ”-Gebäude
(tagesspiegel.de)
Etwa 20 propalästinensische Aktivisten hätten vorübergehend den Eingang des Gebäudes der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (“FAZ”) besetzt, um gegen den Gaza-Krieg zu protestieren und ein propalästinensisches Statement der Zeitung zu erzwingen. Die “FAZ” habe diese Forderung abgelehnt, die Polizei habe die Blockade aufgelöst.

3. Die neue Macht vom Golf
(zeit.de, Eike Kühl)
Bei einem Besuch von US-Präsident Donald Trump in den Golfstaaten hätten führende Tech-Konzerne aus den USA wie OpenAI, Nvidia und Amazon milliardenschwere Abkommen geschlossen, um gigantische KI-Projekte und Rechenzentren in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten aufzubauen. Der Plan der Golfstaaten sei es, Künstliche Intelligenz künftig als wichtigen Wirtschaftssektor auszubauen und somit die eigene Abhängigkeit von Öleinnahmen zu reduzieren.

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4. RTL stellt Nachrichtenjournal »RTL Direkt« mit Pinar Atalay ein
(spiegel.de, Vicky Bargel)
RTL stellt aus Kostengründen sein Nachrichtenmagazin “RTL Direkt” mit Moderatorin Pinar Atalay ein. Es gehe dabei auch darum, Zuschauerinnen und Zuschauer länger an sich zu binden und Umschaltpunkte zu reduzieren. Über 30 Stellen seien von der Schließung betroffen, Atalay bleibe jedoch bei der RTL-Mediengruppe und erhalte ein neues Talkformat beim Sender n-tv. Zusätzlich würden beim zum Konzern gehörenden Magazin “Stern” Stellen gestrichen, darunter die gesamte Faktencheck-Abteilung.

5. Neuwahlen in Rumänien: Erneut koordinierte Online-Kampagnen
(de.ejo-online.eu, Manuela Preoteasa)
Die Präsidentschaftswahlen in Rumänien, die 2024 wegen koordinierter Online-Manipulation aus Russland annulliert wurden, seien bei der Neuwahl 2025 erneut durch manipulierte Kampagnen beeinflusst worden. Eine Recherche zeige, dass rechte politische Kräfte wie George Simion mithilfe gezielter emotionaler Beiträge, KI-generierter Bilder und manipulativer Social-Media-Taktiken hohe Wahlerfolge erzielen konnten. Diese koordinierten Online-Aktivitäten würden weiterhin die öffentliche Meinung verzerren und eine Gefahr für demokratische Wahlprozesse darstellen.

6. Cosima Gill – Nachrichtenjournalistin und Live-Reporterin beim Fernsehen
(spotify.com, Lisabell Shewafera, Audio: 48:27 Minuten)
Lisabell Shewafera spricht in ihrem Podcast “Inside Medien” mit Cosima Gill über deren Einstieg in den Journalismus und den beruflichen Weg zur Nachrichtenjournalistin und Live-Reporterin beim Fernsehen (unter anderem WDR und “Tagesschau”). Gill erzählt von ihren Erfahrungen bei journalistischen Förderprogrammen und gibt angehenden Journalistinnen und Journalisten praktische Tipps für den Berufseinstieg. Außerdem berichtet sie über Herausforderungen und Unsicherheiten, die sie zu Beginn ihrer journalistischen Laufbahn erlebt hat.

KW 11/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Trump gegen die Medien
(arte.tv, Fanny Lépine, Video: 14:35 Minuten)
Donald Trumps Abneigung gegen Journalistinnen und Journalisten ist nicht neu. Schon während seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus attackierte er Medien immer wieder mit “Fake-News”-Vorwürfen. Fanny Lépine zeigt in ihrem Arte-Beitrag, mit welch radikalen Mitteln der US-Präsident aktuell versucht, die Medienlandschaft umzugestalten: “Er hat sich die richtigen Leute geholt, und Nichts, so scheint es, kann seine Abrisspläne aufhalten. Die US-Journalisten sind regelrecht betäubt.”

2. Kreativer Widerstand gegen die Zensur
(deutschlandfunknova.de, Sibylle Salewski, Audio: 48:59 Minuten)
Literaturwissenschaftlerin Heike Schäfer beschäftigt sich in ihrem Vortrag mit der steigenden Zahl der Bücherverbote in den USA. Sie sieht das demokratische Zusammenleben bedroht: “Es geht nicht nur darum, welche Bücher in einer bestimmten Bibliothek stehen dürfen, sondern letzten Endes werden Formen kultureller Teilhabe verhandelt. Es geht darum, wer zur Mehrheitsgesellschaft gehört und wer ausgegrenzt wird.”

3. Brauchen wir ein journalistisches Frühwarnsystem?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 48:59 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob ein “journalistisches Frühwarnsystem” gegen “Fake News” nötig ist. Es diskutieren DLF-Hörer Jonas Goedel, Joscha Weber von der Deutschen Welle und Marten Risius von der Hochschule Neu-Ulm.

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4. Journalismus vor Gericht
(youtube.com, Sebastian Loudon, Video: 1:14:00 Stunden)
Bei dieser Podiumsdiskussion des österreichischen Presseclubs Concordia geht es um das Verhältnis von Justiz und Journalismus. Unter der Moderation von Sebastian Loudon diskutieren Maria Windhager (Medienanwältin), Reinhard Hinger (Senatspräsident und Pressesprecher des Oberlandesgerichts Wien a.D.), Sahel Zarinfard (Journalistin bei “Dossier”) und Walter Strobl (“Rechtsdienst Journalismus” des Presseclubs Concordia).

5. Larissa Vassilian über ihre lange Podcast-Reise
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 26:56 Minuten)
Christian Jakubetz spricht mit der Podcasterin Larissa Vassilian über deren Podcast-Erfahrungen. Es geht dabei unter anderem um Vassilians Anfänge mit dem mittlerweile eingestellten Podcast “Schlaflos in München” und ihre Kunstfigur “Annik Rubens”. Sie berichtet zudem von ihrem aktuellen Podcast-Projekt “L und das”, in dem sie mit Autoren und Buchhändlern über Bücher spricht, sowie von ihrem Wissenschaftspodcast “Exzellent erklärt”. Außerdem gibt Vassilian eine Antwort auf die Frage, warum sie trotz ihrer Leidenschaft für Podcasts nicht hauptberuflich Podcasterin ist, sondern parallel im Bereich Social Media beim Bayerischen Rundfunk arbeitet.

6. China vs. Hollywood: Traumfabrik unter Kontrolle
(arte.tv, Mario Sixtus, Video: 52:03 Minuten)
Hollywood präsentiere sich gern als weltoffen und demokratisch, beuge sich hinter den Kulissen aber seit Jahren der chinesischen Zensur, um Profite auf dem dortigen Kinomarkt nicht zu gefährden. Seit kritischen Filmen im Jahr 1997 würden Themen wie Tibet oder Taiwan vermieden, und stattdessen China oft sogar positiv dargestellt. Der Filmemacher Mario Sixtus zeigt, wie sehr Hollywood bereit ist, seine Prinzipien und Künstler, etwa Richard Gere, für Geld aus China zu opfern.

Parteiversprechen, Umstrittener Wahlwerbespot, Golf von Mexiko

1. Was die Parteien in der Medienpolitik versprechen
(taz.de, Johannes Drosdowski & Leon Holly)
Johannes Drosdowski und Leon Holly haben untersucht, wie die verschiedenen Parteien zur Medienpolitik stehen. Sie schauen auf Themen wie Pressefreiheit, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Social Media und Medienbildung. Dabei wird deutlich, dass die Parteien teilweise recht unterschiedliche Vorstellungen haben, wie Medien reguliert und gefördert werden sollen.

2. ZDF muss Wahl­wer­bung von “Die Partei” senden
(lto.de)
Das Verwaltungsgericht (VG) Mainz habe entschieden, dass das ZDF eine Wahlwerbung der Satirepartei Die Partei ausstrahlen muss. Der Spot, der eine umgekehrte Vergewaltigungsszene mit einer Figur namens Friedrich Merz zeige, sei laut Gericht zwar “grenzwertig und geschmacklos”, aber durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Das VG sehe darin eine satirische Überzeichnung, die auf frühere Aussagen von Merz zur Vergewaltigung in der Ehe anspiele, und erlaube die Ausstrahlung, da keine Gesetze verletzt würden.

3. Zuschauer kritisieren Jauch für Quadrell-Moderation
(t-online.de)
Gestern Abend lief bei RTL das sogenannte Quadrell zur Bundestagswahl, also das Aufeinandertreffen der Spitzenkandidaten von CDU/CSU, SPD, Grünen und AfD. Moderiert wurde die Sendung von Pinar Atalay und Günther Jauch. Gerade Jauch sei “bei vielen Zuschauern durchgefallen. Sie kritisierten seinen Fragestil.” Außerdem habe es die Kritik gegeben, dass es keine “Auseinandersetzung mit zentralen politischen Themen” wie der Klimakrise gegeben habe.
Weiterer Lesetipp: In seiner TV-Kritik bei “DWDL” schreibt Alexander Krei: “Mit seinem ‘Quadrell’ vor der Wahl ist RTL ein echter Coup gelungen – und über weite Strecken gab sich der Privatsender seriös. Ganz ohne Dschungel ging’s dann aber doch nicht. Ärgerlicher war manch nicht verwandelter Elfmeter der Moderatoren.”

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4. Stimmt das eigentlich, dass Russland versucht, die Wahl zu beeinflussen?
(zeit.de, Eva Wolfangel)
Russland versuche, über Cyberangriffe, Agenten und gefälschte Nachrichtenseiten die Menschen in Deutschland zu verunsichern. Eva Wolfangel ist der Frage nachgegangen, was man dem entgegensetzen kann. Doch manchmal helfe auch das nichts. Denn wenn “die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung eine russische Lügenkampagne gegen die Umweltbewegung und die Grünen verbreitet, ist das Spiel ein anderes. Auch dann kann man zwar nicht messen, wie genau sie die Meinungsbildung Einzelner beeinflusst hat – aber man kann erahnen, dass nur wenige der ursprünglichen Leserinnen und Leser wahrgenommen haben, dass die Überschrift zwei Monate später geändert wurde.”

5. Trump verbannt Nachrichtenagentur AP dauerhaft aus Oval Office und Air Force One
(spiegel.de)
Die US-Regierung habe die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) dauerhaft aus dem Oval Office und der Air Force One verbannt. Der Grund: AP weigere sich, den Golf von Mexiko in “Golf von Amerika” umzubenennen, wie es Donald Trump per Dekret angeordnet habe. Das Weiße Haus begründe den Ausschluss mit begrenztem Platz für Reporterinnen und Reporter, während AP den Schritt als Angriff auf die Pressefreiheit kritisiere.

6. NDR-Rundfunkrat kann künftig einfacher Programm-Kritik üben
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der NDR-Rundfunkrat habe seine Geschäftsordnung überarbeitet und könne künftig auch ohne förmliche Programmbeschwerde leichter Programmkritik üben. Zudem habe das Gremium dem neuen Bundesliga-Vertrag ab der Saison 2025/26 zugestimmt. Darüber hinaus habe sich der Rundfunkrat kritisch mit der umstrittenen Moderationsentscheidung bei “titel, thesen, temperamente” auseinandergesetzt und eine interne Aufarbeitung des Vorgangs gefordert.

Rechtspopulismus, Angriffe, Fast elf Stunden Mediennutzung am Tag

1. Neue Studien bestätigen, dass Fake News vor allem aus dem rechten Lager stammen
(derstandard.de, Klaus Taschwer)
Eine neue Studie von Petter Törnberg und Juliana Chueri hat die Verbreitung von “Fake News” durch Parlamentarierinnen und Parlamentarier in 26 Ländern untersucht: “Die Daten zeigten eindeutig, dass der Rechtspopulismus ‘der stärkste Bestimmungsfaktor für die Neigung zur Verbreitung von Fehlinformationen’ war, so die Schlussfolgerung, während Abgeordnete von Mitte-rechts-, Mitte-links- und Links-Populisten nicht mit dieser Praxis in Verbindung gebracht wurden.”

2. Pressefreiheit EU: 1548 Angriffe in 2024
(verdi.de, Cara Räker)
Einem aktuellen Bericht des EU-Projekts “Media Freedom Rapid Response” zufolge wurden im vergangenen Jahr mehr als 1.500 Angriffe auf Medienschaffende in 35 europäischen Ländern dokumentiert. Für das laufende Jahr sieht es nicht unbedingt besser aus: “Schon zu Beginn des Jahres 2025 zeichnen sich erhebliche Bedrohungen für die Pressefreiheit ab. Der Machtgewinn populistischer Parteien in Europa, der anhaltende Konflikt in der Ukraine und die europaweite Protestbewegung im Angesicht des Israel-Hamas-Krieges sind Faktoren, die eine freie und unabhängige Presse auf ein wackliges Fundament stellen.”

3. Journalismus unter Druck – “Wie viel kann ich aushalten?”
(fachjournalist.de, Gesa Born, Audio: 11:32 Minuten)
Seit November 2023 bietet das Netzwerk Recherche eine kostenlose “Helpline” für Journalistinnen und Journalisten mit psychischen Belastungen an. Mit welchen Anliegen wenden sich Medienschaffende an die “Helpline”? Welche Hilfsangebote gibt es? Und was kann man vorbeugend tun? Darüber spricht Nea Matzen, eine der “Peer-Supporterinnen” des Projekts, im “Fachjournalist”-Podcast.

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4. Wetter Online zieht Konsequenzen
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Sebastian Meineck)
Nach Recherchen von netzpolitik.org, dem Bayerischen Rundfunk und internationalen Partnern soll “Wetter Online”, Deutschlands beliebteste Wetter-App, Daten erhoben und verarbeitet haben, ohne dafür eine Einwilligung der Nutzerinnen und Nutzer eingeholt zu haben. Bettina Gayk, die Datenschutzbeauftragte von Nordrhein-Westfalen, hatte sich deshalb an das Unternehmen gewandt: “Wetter Online hat innerhalb der uns gesetzten Frist reagiert und nun auf Website und Apps einen Einwilligungsbanner gesetzt, der auf die Verarbeitung von GPS-Standortdaten nur für Wetterinformationen hinweist. Wir prüfen derzeit, ob das ausreichend ist und unsere Anforderungen an den Schutz von GPS-Standortdaten der Nutzer erfüllt sind”, so ein Sprecher von Gayks Aufsichtsbehörde.

5. “Bad News” können in eine Negativ-Spirale hineinziehen – Wie man mit allzu vielen belastenden Nachrichten fertig wird
(turi2.de, Isabel Barragán)
Schlechte Nachrichten können belasten und sogar süchtig machen – vor allem online, wo sie von Algorithmen immer wieder in den Fokus gerückt werden. In der Reihe “NewsKNAcker” beleuchtet KNA-Journalistin Isabel Barragán, warum viele Menschen in die Spirale des “Doomscrollings” geraten und welche Folgen das für die Psyche haben kann. Expertinnen und Experten erklären, wie man seinen Nachrichtenkonsum besser steuern kann, ohne sich komplett abzuschotten.

6. Fast elf Stunden am Tag: Mediennutzung bleibt hoch
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei fasst die Ergebnisse der Mediennutzungsanalyse des Privatsenderverbands Vaunet für das Jahr 2024 (PDF) zusammen. Demnach verbrachten die Menschen in Deutschland im vergangenen Jahr durchschnittlich zehn Stunden und 53 Minuten pro Tag mit der Nutzung von Medien. Wohlgemerkt: pro Tag, nicht pro Woche.

7. TV-Duelle vor der Bundestagswahl: Darfs auch ein bisschen weniger sein?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:37 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die TV-Duelle rund um die bevorstehende Bundestagswahl: “Statt mit Schwertern wird heute mit Schlagworten, Statistiken und Slogans gekämpft. Die Arena ist das Fernsehstudio, und statt Blut will das Publikum rhetorische Knockouts sehen. Wer landet die beste Spitze? Wer hält am souveränsten Blickkontakt mit der Kamera? Wer kann seine vorbereiteten Powerphrasen am treffsichersten platzieren? Mit echten politischen Debatten hat das ungefähr so viel zu tun wie ein Horoskop mit Wissenschaft.”

“Von wegen!”

Für eine erfolgreiche Desinformationskampagne braucht es Leute, die das Lügenkonstrukt verbreiten. Da können reichweitenstarke Accounts auf Social-Media-Plattformen hilfreich sein oder, noch besser, Redaktionen mit einem Millionenpublikum.

Und damit zu “Bild”.

Gestern brachte die Redaktion diese Geschichte bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - Von wegen Klima-Kriminelle! Russland soll Auspuff-Sabotage in Deutschland gesteuert haben

Der Artikel basiert auf einer Recherche, die der “Spiegel” ebenfalls gestern veröffentlicht hatte (nur mit Abo lesbar). “Bild”-Redakteur Matteo Tomada schreibt bei Bild.de mit Blick auf eine Sabotageserie, bei der im Dezember vergangenen Jahres an verschiedenen Orten in Deutschland Auspuffrohre mit Bauschaum verstopft wurden:

Mehr als 270 Autos wurden in nur wenigen Tagen mit Bauschaum stillgelegt und mutwillig zerstört. Dazu prangten Habeck-Aufkleber auf den Karossen. Was zunächst aussah, wie Vandalismus seitens Klimakrimineller, scheint jetzt weit größere Kreise zu ziehen.

Hinter der Auspuff-Sabotage soll Russland stecken!

Wie der “Spiegel” berichtet, soll die Spur der Saboteure nach Moskau führen.

Leider erwähnt Tomada an keiner Stelle, wer den Spin mit den “Klimakriminellen” in die Welt gesetzt hat. Aber er verlinkt dankenswerterweise einen Bild.de-Artikel vom 12. Dezember zum Thema. Dessen Überschrift, die bis heute unverändert online ist, lautet:

Screenshot Bild.de - Bei 100 Fahrzeugen den Auspuff verstopft - Klima-Radikale attackieren Autos mit Bauschaum

Es handele sich um eine “neue Chaos-Taktik von Klima-Aktivisten”, schreiben “Bild”-Reporter Hagen Stegmüller und “Bild”-Chefreporter Michael Behrendt. Sie zitieren zwar einen Polizeisprecher, laut dessen Aussage es zu dem Zeitpunkt keine heiße Spur “zur Bauschaum-Bande” gebe. Doch das hält Stegmüller und Behrendt nicht davon ab, solche Sätze zu schreiben:

In der zweiten Nacht weiteten die Klima-Radikalen ihre Aktion auf Ulm, Blaustein und Neu-Ulm (Bayern) aus.

Noch sei unklar, wie viel Geld ihn die Straftat der Klima-Kriminellen koste.

Desinformationskampagnen haben es dann besonders leicht, wenn ihr scheinbarer Inhalt in ein festgezurrtes Weltbild passt. Dann wird munter geteilt und weiterverbreitet, ohne Abwägen, ohne Zweifel, ohne Einschränkung. Die “Bild”-Redaktion ist ein dankbarer Abnehmer.

Noch einmal zurück zu “Bild”-Redakteur Matteo Tomada. Der schreibt zum “mutmaßlichen Motiv” hinter der wahrscheinlich russisch gesteuerten Bauschaumaktion:

Die Öffentlichkeit solle gezielt auf eine falsche Fährte gelockt werden, um im Bundeswahlkampf Hass auf die Grünen und ihren Kanzlerkandidaten Robert Habeck zu schüren.

Sollte es sich bei der Auspuffaktion tatsächlich um eine russische Desinformationskampagne handeln und sollte damit tatsächlich die Öffentlichkeit “gezielt auf eine falsche Fährte gelockt werden”, dann können sich die Urheber in Moskau recht herzlich bei der “Bild”-Redaktion für die tatkräftige Unterstützung bedanken.

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Blick auf die Rundfunkreform, RBB-RAF-Verwechslung, Große Einsamkeit

1. “Kostenexplosion” gestoppt? Die Wahrheit über die Rundfunkreform
(ndr.de, Mandy Mülling & Hans Jakob Rausch, Video: 20:28 Minuten)
Das Medienmagazin “Zapp” setzt sich kritisch mit der angekündigten Rundfunkreform auseinander, die Einsparungen durch weniger Sender, gedeckelte Sportrechte und geringere Intendantengehälter verspricht. Es wird befürchtet, dass diese Maßnahmen kaum nennenswerte Einsparungen bringen. Die Politik nutze ihre Reformkraft nur oberflächlich, was sowohl den Sendern als auch der Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schaden und extremen Parteien in die Hände spielen könnte. “Zapp” ist als NDR-Magazin Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

2. Polizei verwechselt RBB-Mitarbeiter mit RAF-Terrorist
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Bei einer Demonstration in Berlin sei ein RBB-Mitarbeiter, der mit seinem Kamerateam die Demo begleitet hat, von der Polizei irrtümlich für den gesuchten RAF-Terroristen Burkhard Garweg gehalten worden. Nach einer Überprüfung der Personalien sei die Verwechslung schnell aufgeklärt worden. Die Polizei habe betont, dass das Vorgehen aufgrund eines Anfangsverdachts unumgänglich gewesen sei.

3. Die große Einsamkeit
(journalist.de, Kira Brück)
Kira Brück beschreibt in einem sehr persönlichen Beitrag, wie sie als freie Journalistin zwar finanzielle Stabilität und berufliche Erfüllung gefunden habe, aber von einer “großen Einsamkeit” im Homeoffice unvorbereitet getroffen worden sei. Der Mangel an kollegialem Austausch und die Isolation hätten sie fast wieder in eine Festanstellung getrieben, bis sie in Bürogemeinschaften Anschluss gefunden und erkannt habe, wie wichtig Vernetzung für Freiberufler ist.

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4. Mut braucht Ermutigung: So unterstützen wir mit Ihrer Hilfe Whistleblower
(whistleblower-net.de, Annegret Falter & Kosmas Zittel)
In seinem Jahresbericht wendet sich das Whistleblower-Netzwerk an Unterstützerinnen, Unterstützer und die allgemeine Öffentlichkeit und betont die unverzichtbare Rolle von Whistleblowern bei der Aufdeckung von Missständen wie Umweltverstößen, Kriegsverbrechen und Risiken der Künstlichen Intelligenz. Mit Projekten wie dem Umwelt-Whistleblowing-Programm, dem Ellsberg Whistleblower Award und der KI-Meldeplattform OAISIS unterstütze das Netzwerk Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber gezielt und stärke die öffentliche Wahrnehmung für deren Bedeutung.

5. DJV strikt gegen Jobabbau
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert den geplanten Abbau redaktioneller Arbeitsplätze beim Springer-Titel “Welt” im Zuge der Zusammenlegung mit “Politico” und “Business Insider” zu einer neuen “Premium-Gruppe”. Der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster wirft Springer vor, rein auf Einsparungen abzuzielen, ohne die publizistischen Anforderungen der drei Titel zu berücksichtigen.

6. Wellen des Widerstands
(taz.de, Alexander Teske)
In seinem Beitrag in der “taz” berichtet Alexander Teske über den DDR-Jugendsender DT64, der kurz nach der Wiedervereinigung trotz massiver Proteste von Jugendlichen und prominenter Unterstützung abgeschaltet wurde. Der Sender, der für viele kulturelle Identität und ein Symbol der Freiheit bedeutete, wurde zum Auslöser einer einzigartigen Hörerbewegung mit Demonstrationen, Blockaden und Unterschriftensammlungen.

Preiswürdiger Podcast?, Aufstieg und Fall der Netzwerke, Emmas Schwund

1. Von der Justiz gestoppt, von der Jury gefeiert
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Felix W. Zimmermann kritisiert die Vergabe des Reporter-Preises an den Podcast “Rammstein – Row Zero” von NDR und “Süddeutscher Zeitung”. Die Macherinnen und Macher seien zwar “in sensiblen Recherchen erfahrene und bereits in der Vergangenheit prämierte Journalisten. Sie aber ausgerechnet für ein Werk auszuzeichnen, das bei schwersten Verdächtigungen (Vergewaltigung, sexueller Übergriffe, Doping) einer gerichtlichen Überprüfung in keiner einzigen Folge standhält und dann auch noch die Rechtsstreitigkeiten als mutig hervorzuheben, schadet dem Ansehen des Preises und auch des Journalismus.”

2. Jede fünfte Leserin soll ihr »Emma«-Abo gekündigt haben
(spiegel.de)
Wie Alice Schwarzer bei emma.de mitgeteilt hat, soll “jede fünfte Leserin aus Protest ihr Abonnement gekündigt” haben. Dieser Prostest richte sich wohl gegen das “Manifest für Frieden”, das Schwarzer im Februar 2023 zusammen mit der Politikerin Sahra Wagenknecht verfasst hat. Nun sei Schwarzer “sauer” und teile mit: “Emma lässt sich nicht einschüchtern. Ich schon gar nicht. Ich kämpfe schließlich nicht mein Leben lang, um jetzt einzuknicken. Selbst vor euch nicht, liebe LeserInnen.”

3. RBB will offenbar deutlich mehr Geld von Patricia Schlesinger
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier berichtet bei “DWDL” unter Berufung auf eine entsprechende Berichterstattung der “Bild”-Redaktion, dass der RBB im anstehenden Prozess gegen seine ehemalige Intendantin Patricia Schlesinger Schadenersatzforderungen in Höhe von über 9 Millionen Euro geltend machen wolle. Dies Forderungen sollen unter anderem das gescheiterte Digitale Medienhaus sowie Bonizahlungen an außertariflich Beschäftigte betreffen. Gleichzeitig beschreibt der Artikel den für 2025 verabschiedeten Wirtschaftsplan des öffentlich-rechtlichen Senders, der Einsparungen und ein reduziertes Programmbudget vorsehe, um die finanzielle Stabilität zu sichern.

Bildblog unterstuetzen

4. Warum es mit X nun zu Ende geht
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Markus Reuter hat eine lesenswerte Analyse über den Aufstieg und Fall Sozialer Netzwerke vorgelegt: “Soziale Netzwerke sind wegen des Netzwerkeffekts nur schwer totzukriegen. Doch dem Twitter-Nachfolger X von Elon Musk droht nun genau das. Wie konnte das passieren? Welche Plattformen könnten die Nachfolge antreten?”

5. Die unangemessene Provokation
(verdi.de, Gunter Herkel)
Günter Herkel kritisiert in seinem Kommentar die Blockadepolitik der Bundesländer, die eine Anpassung des Rundfunkbeitrags verhindere, und verweist auf die daraus resultierenden finanziellen Engpässe vor allem kleinerer Rundfunkanstalten. Er betont die Verantwortung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Zeiten von “Fake News” und Filterblasen und stellt die Idee eines indexbasierten Beitragsmodells als gerechter dar. Die Ablehnung einer Finanzierung durch die Politik bezeichnet Herkel in Anlehnung an Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder als “unangemessene Provokation”, die die Angriffe auf ARD und ZDF eher verstärke als sie abzuwehren.

6. Newsletter Netzwerk Recherche
(netzwerkrecherche.org, Elisa Simantke)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die Dezemberausgabe beginnt mit einem Blick von Elisa Simantke auf das, was 2024 war, und das, was 2025 kommen könnte. Außerdem gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

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