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K.I.Z: Die “Gewalt-Verherrlicher”, die bei “Bild” Kultstatus haben

Nach gerade mal 50 Sekunden im Song “Wir” erklärt Nico von K.I.Z eigentlich alles, was “Bild”-Mitarbeiter über die Berliner Hip-Hop-Gruppe wissen muss:

Es liegt an eurem geistigen Fassungsvermögen,
wenn ihr bei K.I.Z nicht lacht, ihr Amöben.

“Bild”-Chefreporter Peter Tiede lacht ganz offenbar nicht bei K.I.Z. Stattdessen schreibt er solche Artikel:

Ausriss Bild-Zeitung - Beim Chemnitz-Konzert - 27 Minuten Hass auf Veranstaltung gegen Hass - gemeint ist der Auftritt von KIZ

Es geht um den K.I.Z-Auftritt am Montagabend beim Konzert #wirsindmehr in Chemnitz vor 65.000 Menschen. Tiedes Text ist auch bei Bild.de hinter der Paywall erschienen:

Screenshot Bild.de - Ich ramm die Messer-Klinge in die Journalisten-Fresse - 27 Minuten Hass beim Chemnitz-Konzert gegen Hass

In Deutschland gibt es kaum eine Band, die in ihren Songs so viel Ironie, Sarkasmus, Satire, maßlose Übertreibungen und Parodien einbaut wie K.I.Z. Keine Frage, ihre Texte sind provokant. Aber eben immer mit mehreren Ebenen versehen. Die kann oder will Peter Tiede nicht erkennen.

Er macht es sich dabei ziemlich einfach. Zum Beispiel mit einer Zeile aus dem Song “Urlaub fürs Gehirn”, die “Bild” groß zitiert:

Ich schleich mich ein bei den Sarrazins, sechs Uhr, alles pennt noch,
Selbstmordattentat!

Tiede übersetzt das alles eins zu eins:

In Bezug auf Thilo Sarrazin rappen sie von einem “Selbstmord-Attentat”.

Und wie wollen die Jungs von K.I.Z dieses Selbstmordattentat begehen, Peter Tiede? Mit einem Sprengstoffgürtel? Einer Autobombe? Oder vielleicht doch durch eine geschickte Selbstexplosion, die durch ein ausgetüfteltes Gemisch von Cola und Mentos-Bonbons herbeigeführt wird?

Die Textstelle, die “Bild” und Tiede zitieren, endet nämlich gar nicht mit einem Ausrufezeichen nach “Selbstmordattentat”, sondern geht noch weiter:

Ich schleich mich ein bei den Sarrazins, sechs Uhr, alles pennt noch,
Selbstmordattentat, ich trink drei Liter Cola mit Mentos

Wer darin ernsthaft die Ankündigung eines Selbstmordattentats erkennt, denkt auch, dass “Titanic”-Mitarbeiter immer alles ernst meinen und beim “Postillon” richtige Nachrichten zu finden sind.

Tiede zitiert noch weitere Textpassagen von K.I.Z:

“Ich ramm die Messerklinge in die Journalisten-Fresse”

Und:

“Eva Herman sieht mich, denkt sich: ‘Was’n Deutscher!’/Und ich gebe ihr von hinten wie ein Staffelläufer/Ich fick sie grün und blau, wie mein kunterbuntes Haus/Nich alles was man oben reinsteckt, kommt unten wieder raus.”

Wie gesagt: Die Texte sind zweifelsohne provokant.

Beide zitierten Stellen stammen aus dem Song “Ein Affe und ein Pferd”. Ein Lied, das mit einer Pippi-Langstrumpf-Melodie beginnt, bei dem es im Refrain heißt: “Ich war in der Schule und habe nix gelernt, doch heute habe ich einen Affen und ein Pferd, eine Pferd und einen Affen, ein Pferd und einen Affen, ratatatatatatata, wer will was machen?” Im Video hüpft ein Pippi-Double rum, die K.I.Z-Mitglieder Nico, Tarek, Maxim und DJ Craft ziehen mit anderen “Taka-Tuka-Ultras” durch Berlin.

Viel deutlicher kann man nicht in andere Rollen schlüpfen. Aber das erkennt man natürlich nur, wenn man sich nicht dagegen wehrt, es zu erkennen.

Stattdessen legt Tiede zum Ende seines Artikels noch mal richtig los:

Der K.I.Z.-Auftritt: symptomatisch: “Gegen rechts” dürfen auch Linksradikale und Gewalt-Verherrlicher ran!

Wieder die Spaltung: rechts und links. Die richtige Antwort? Gab die SPD-Geschäftsführerin für Südwest-Sachsen, Sabine Sieble. Im Partei-Blatt “vorwärts” bemängelt sie schon vor dem Skandal-Auftritt: “eine militante Antifa”, dass “eine Band mit ihren Songtexten und Ansprachen alles tat, um das Motto ins Gegenteil zu verkehren”. Sieble: “Da habe ich geweint. (…) Ich habe aber in dem Moment geweint, als mir bewusst wurde, dass Chemnitz zu einem bloßen Austragungsort im Kampf um die Deutungshoheit eines tragischen Ereignisses wurde.”

Na, gemerkt? Sabine Sieble schriebt gar nicht über den Montag in Chemnitz und den Auftritt von K.I.Z. Peter Tiede deutet das an (“bemängelt sie schon vor dem Skandal-Auftritt”), gibt sich aber auch keine große Mühe, es zu verdeutlichen und klarzustellen, worüber Sieble wirklich schreibt. Ihr Text, aus dem der “Bild”-Chefreporter zitiert, ist schon am Montagmittag erschienen — also einige Stunden bevor K.I.Z sie zum Weinen hätte bringen können. Tatsächlich äußert sich Sieble über die Veranstaltung “Herz statt Hetze”, die bereits am Samstag in Chemnitz stattfand. Die Band, die sie erwähnt, muss eine andere sein, vermutlich Egotronic.

Dass K.I.Z in “Bild” und bei Bild.de nun als Hass-Botschafter und “Gewalt-Verherrlicher” dargestellt werden, ist übrigens etwas überraschend. Früher haben die “Bild”-Medien völlig anders über die Band geschrieben. Zum Beispiel als sie 2015 bei “Rock am Ring” aufgetreten ist:

★ Noch ein Gewinner des Wochenendes ★

Die deutsche Musik! Vor allem der Freitag zeigte, wie beliebt deutschsprachige Musik bei den Kids ist. (…)

Auch Acts wie “K.I.Z.”, “Trailerpark” und “Deichkind” bewiesen, dass wir in Deutschland absolute Weltspitze sind

Oder 2016 in der Sammlung

Screenshot Bild.de - Protest in der Musik - Diese Künstler sind politisch

K.I.Z — “Hurra, die Welt geht unter” ft. Henning May

Vor allem im Deutschrap tut sich politisch gerade etwas. Die Band K.I.Z. ist schon länger dafür bekannt, sich zu Gesellschaftsthemen zu äußern. Auf ihrem letzten Album “Hurra, die Welt geht unter” machen sie das sehr deutlich — vor allem zum Thema Flüchtlinge.

Oder als ein “Bild”-Reporter 2015 zum K.I.Z-Konzert ging:

Screenshot Bild.de - Die Rüpel-Rapper KIZ und ihre Aktion zum Frauentag - Für Berlins versautestes Konzert musste ich mich als Frau verkleiden

Die Berliner Hip-Hop-Band K.I.Z. hat Kultstatus. Unter anderem auch wegen ihrer Texte, die oft ziemlich weit unter die Gürtellinie gehen.

Als all diese Artikel erschienen sind, waren die K.I.Z-Songs “Ein Affe und ein Pferd” und “Urlaub fürs Gehirn” längst veröffentlicht. Die Texte der Lieder hat die “Bild”-Redaktion damals offensichtlich nicht gestört.

Dass das nun anders ist, liegt vielleicht aber auch gar nicht an den Texten. Der Artikel von heute ist nur der nächste in einer Reihe von Beiträgen, die das #wirsindmehr-Konzert am Montag in Chemnitz schlecht dastehen lassen.

Für die “Bild”-Redaktion und ihren Chef Julian Reichelt scheint es momentan kaum etwas Bedrohlicheres zu geben als eine Handvoll Bands und ein paar Solo-Musiker, die sich gegen rechten Hass und Neonazis stellen. Seit Tagen versuchen sie bei “Bild” und Bild.de krampfhaft, #wirsindmehr und die mitwirkenden Künstler zu diskreditieren.

Nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf seinem Facebook-Account #wirsindmehr bewarb, fragte “Bild” am Montag:

Ausriss Bild-Zeitung - Warum wirbt Bundespräsident Steinmeier für Linksradikale Rockband?

Gemeint war die Band Feine Sahne Fischfilet.

Während des Konzerts, bei dem 65.000 Menschen eine gute, friedliche Zeit hatten, ging es bei Bild.de um Probleme rund um das Konzert:

Screenshot Bild.de - Wir sind mehr legt Chemnitz lahm! Schon 50000 Leute da - Öffentlicher Nahverkehr eingestellt - Polizei warnt vor Rückreise Chaos

Nach dem Konzert verbreitete Julian Reichelt bei Twitter ein Gerücht über Jan Gorkow, den Sänger von Feine Sahne Fischfilet:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Auf Twitter kursiert ein Foto von Feine-Sahne-Sänger Gorkow, der in Chemnitz den Hitlergruß zeigen soll. Allerdings weist das Foto am Handansatz zwei auffällige Pixel auf, die auf Montage hindeuten könnten. Handelt es sich um eine Fälschung? Wer kann helfen?

Der Tweet, auf den sich Reichelt dabei bezieht, stammt von einem NPD-Funktionär und Neonazi (über diese problematische Herkunft klärt der “Bild”-Chef natürlich nicht auf). Dieser hatte das Gerücht gestreut. Tatsächlich hat er das Foto, um das es geht, völlig aus dem Zusammenhang gerissen: Es ist ein Standbild aus einem Video, das die Band bei Instagram hochgeladen hat. Jan Gorkow zeigt dort nicht den Hitlergruß.

Nun könnte es sein, dass Julian Reichelt nicht in der Lage ist, zweieinhalb Minuten selbst zu recherchieren, sodass er bei Twitter um Hilfe bitten muss. Es kann aber auch sein, dass er sich lediglich dumm stellt, und es sich um einen in eine unschuldige Frage gekleideten Versuch handelt, ein bisschen mitzündeln zu können.

Am Dienstag fragte “Bild” dann noch einmal:

Ausriss Bild-Zeitung - Wie kann der Bundespräsident bloß eine radikale Band empfehlen?

Gemeint war wieder Feine Sahne Fischfilet. In der Zwischenzeit titelte Bild.de:

Screenshot Bild.de - Für diese Punkrocker warb der Bundespräsident - Die Akte Feine Sahne Fischfilet

Und heute dann eben die K.I.Z-Geschichte.

Wenn das so weitergeht, erfahren wir morgen noch, dass Casper, der ebenfalls in Chemnitz aufgetreten ist, in seinem Song “Sirenen” rappt: “Denn zehn Flaschen Wein könnten zehn Waffen sein”. Und übermorgen, dass Campino vor drei Jahren mal einen Strafzettel nicht bezahlt hat.

Dazu auch:

Hutbürger nimmt Hut, Abgang ohne Worte?, Falscher Guido-echte Fakten

1. LKA-Mann muss seinen Hut nehmen
(spiegel.de)
Der berühmt gewordene “Tarifangestellte” des LKA, der Journalisten in Dresden anpöbelte, verlässt den Polizeidienst, bleibt jedoch weiterhin Beschäftigter des Freistaats Sachsen. Das zum Meme gewordenen Bild des Wut- und Hutbürgers hat den “Spiegel” zu eine der lustigsten Überschriften dieses Jahres inspiriert.

2. Abgang ohne Worte?
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Welch ein merkwürdiger Vorgang: Interview-Großmeister Jakob Buhre reist nach Hamburg, um dort den Buchautor und “Spiegel”-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer zu interviewen. Dieser nimmt sich auch über eine Stunde Zeit, verweigert jedoch nachträglich die Autorisierung. Just an dem Tag, als der “Spiegel” seine Absetzung verkündete. Auf den Vorschlag Buhres, nur die Passagen ohne “Spiegel”-Bezug zu veröffentlichen, gibt es ein erneutes “Nein”. Buhre sieht sich nun um seine Arbeit betrogen und vergleicht den Vorgang mit dem zurückgezogenen bzw. beschlagnahmten Interview von Michel Friedmann mit dem türkischen Jugend- und Sportminister: “(…)als deutscher Journalist kann ich die türkische Regierung nicht dafür kritisieren, dass sie kritische Fragen unterdrückt, wenn deutsche Top-Journalisten exakt das Gleiche tun.” Brinkbäumer wiederum twittert, dass er das “dann doch etwas billig” finde: Buhre kenne die “unglücklichen Umstände” und “meine Entschuldigung.”
Weiterer Lesehinweis: Buhre hat sich mit offenen Briefen an die “Spiegel”-Redaktion und den Fischer Verlag gewandt.

3. Kann man machen…
(twitter.com/lepettre, Jan Petter)
“Bento”-Autor Jan Petter liest ein Interview in der “Welt” und stutzt, als er den Namen des Interviewten sieht. Petter befindet trocken: “Kann man machen: Die “Welt” interviewt zu Chemnitz einen “Experten”, der Erstunterzeichner der “Charta 2017” ist. Überraschenderweise leugnet er dann gleich, dass Rechtsextremismus in Sachsen ein besonderes Problem ist und relativiert rechte Gewalt.“

4. Ironiebefreit: Youtube löscht Arte-Video über digitale Zensoren
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Das ist fast ein wenig lustig: Youtube hat einen “Arte”-Trailer gelöscht, in dem es um die Arbeitsbedingungen philippinischer Content-Moderatoren im Auftrag von unter anderem Youtube geht. Grund dafür sei angeblich “schockierendes Bildmaterial”.

5. Das Trauerspiel von Chemnitz
(faktenfinder.tagesschau.de, Karolin Schwarz & Patrick Gensing)
Rechte kapern gerne das Thema Kriminalität, um Angst und Wut zu schüren. Was dabei oft auf der Strecke bleibt: die Wahrheit. Der “Faktenfinder” berichtet über “Fakes als Mittel zum Zweck”.

6. „Wo sich Heute und Gestern reimen“
(taz.de, René Martens)
René Martens hat für die “taz” mit dem Mann gesprochen, der bei Twitter @drguidoknapp heißt und dort täglich Tweets zu historischen Begebenheiten absetzt, die oft wie ein indirekter Kommentar zum Tagesgeschehen und auch zu aktuellen Debatten wirken.
Weiterer Lesehinweis: Der falsche Guido Knopp heißt Joachim Telgenbüscher, arbeitet für ein Geschichtsmagazin und hat sich sein Studium mit Quizshows finanziert. (ze.tt, Christine Reißing)

Sachsen, Hutbürger und die Polizei, He too, Die Cleaner von Manila

1. Sachsen, Hutbürger und die Polizei — sieben Journalisten erzählen, was sie erlebt haben
(krautreporter.de, Josa Mania-Schlegel)
Vor Kurzem hat die sächsische Polizei ein Reporterteam des ZDF bei der Arbeit behindert. Ein Einzelfall? Journalist Josa Mania-Schlegel hat bei einigen seiner sächsischen Kollegen nachgefragt — und recht ähnliche Geschichten gehört.

2. Die deutschen Chefredakteure in der Übersicht
(einfacherdienst.de)
Anlässlich des jüngsten Wechsels an der “Spiegel”-Spitze hat der “Einfache Dienst” alle Chefredakteurs-Wechsel der auflagenstärksten deutschen Tages- und Wochenformate seit 1998 in einer Grafik zusammengetragen. Interessant, wo Kontinuität oder Fluktuation vorherrschen, und auffällig, wie wenig Blattmacherinnen vertreten sind.

3. Speck lass nach
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Als ein Redakteur der “Wirtschaftswoche” seinem Blatt eine “Me Too”-Geschichte anbietet, winkt diese ab, woraufhin er den Artikel bei der “taz” unterbringt. Sein Arbeitgeber sprach daraufhin eine Abmahnung aus. Zu Recht, wie nun das Arbeitsgericht entschied. “Das heutige Urteil macht auf erschreckende Weise klar, wie gering der Spielraum für Journalisten ist, wenn einem Verlag die Veröffentlichung einer Information, warum auch immer, nicht genehm ist”, so der Betroffene.

4. Im Schatten der Netzwelt – The Cleaners
(arte.tv, Video, 85 Minuten)
In der Doku “The Cleaners — Im Schatten der Netzwelt” berichten einige Content-Moderatoren auf den Philippinen von ihrer digitalen Drecksarbeit. Zehntausende Menschen löschen dort in Zehn-Stunden-Schichten im Auftrag der großen Silicon-Valley-Konzerne belastende Fotos und Videos von Facebook, Youtube, Twitter & Co.
Weiterer Lesetipp: Mitarbeiter zweifeln an Facebooks Methoden im Kampf gegen Hetze (spiegel.de)

5. Kampusch: “Als würde ich einen Bombengürtel tragen”
(derstandard.at, Muzayen Al-Youssef)
Natascha Kampusch ist auch heute noch, Jahre nach der Selbstbefreiung aus ihrer Gefangenschaft, von massivem Hass betroffen, der seinen Ursprung in niederträchtiger Boulevardberichterstattung hat. Im österreichischen “Standard” erzählt sie von den Anfeindungen und all der Hetze, die ihr entgegenschlägt: “Es war mir zeitweise aufgrund der vielen Hasspostings und auch aufgrund der vielen Berichterstattungen, die nicht ganz oder überhaupt nicht der Wahrheit entsprochen haben, nicht möglich, rauszugehen. Zum Teil war es auch ein innerer Grund. Ich hatte einfach keine Lust mehr, im Supermarkt angerempelt, ausgelacht, verspottet zu werden.”

6. “Mit uns kann man Ideen umsetzen, für die anderen der Mut fehlt”
(t-online.de, Marc Krüger)
Paul Huizing ist bei der Amazon-Tochter Audible für die europäische Hörbuch- und Hörspielproduktion und das Podcast-Programm verantwortlich. Im Interview spricht er über die bisherige Programmentwicklung und verrät, welche Podcast-Produktionen ihm selbst besonders gefallen.

Wer im “Bild”-Haus sitzt, sollte nicht mit Shitstorms werfen

“Wir haben alle in den letzten Jahren etwas zu oft und auch zu dankbar über Shitstorms berichtet”, erklärte Julian Reichelt am 28. Dezember 2016 — und verkündete darum groß:

Screenshot Bild.de - Warum Bild 2017 den Shitstorm abschafft

Wenn wir nach dem Begriff Shitstorm bei BILD suchen, zeigt die Google-Suche mehr als 2500 Treffer: Die Links führen zu Artikeln mit Zeilen wie “Neid Shitstorm bei ‘Das ProSieben Auswärtsspiel'” oder “Mindestlohn-Tweet löst Shitstorm aus.”

Zwei von vielen Beispielen, bei denen wir uns selbstkritisch fragen: Sind eine Handvoll negativer Kommentare immer gleich ein Shitstorm? Wir finden: Nein!

Deshalb schafft BILD den Begriff Shitstorm im Jahr 2017 ab.

Und weil “Bild” ein Ehrenblatt ist, das zu seinem Wort steht, hat die Redaktion den Begriff seitdem auch nie wieder ben…

Der Shitstorm lies nicht lange auf sich warten (sic!)

(30. Dezember 2016)

Shitstorm gegen Lidl in Tschechien

(6. Januar 2017)

Shitstorm nach dem Bikini-Einsatz

(7. Januar 2017)

Die Folge: ein böser Shitstorm auf Calhanoglus Facebook-Seite.

(3. Februar 2017)

Die Jugendgruppe der AfD löste daraufhin bei Facebook einen Shitstorm gegen den OB aus

(4. Februar 2017)

(…) einen regelrechten „Pack die Brüste ein“-Shitstorm löste sie damit aus.

(10. Februar 2017)

NOCH hat Katy Perry nicht auf den Shitstorm reagiert.

(14. Februar 2017)

Ihre peinlichen Momente auf der Bühne entfachten prompt einen Shitstorm auf Twitter.

(5. März 2017)

Hollywood-Promis wie Colin Farrell (40) und Nicole Kidman (49) schüttelten im Publikum nur die Köpfe, auf Twitter entfachte ein Shitstorm.

(5. März 2017)

Shitstorm wegen dieses Busen-Bilds!

(7. März 2017)

Bodybuilderin kassiert Shitstorm

(16. März 2017)

Nach Shitstorm gegen Klaus Burgers Biber-Delikatessen

(1.April 2017)

Im Internet erntete United umgehend einen enormen Shitstorm.

(11. April 2017)

Der Sender reagierte damit auf den mächtigen Shitstorm, der nach Alphonsos überraschendem Ausscheiden im Internet losbrach.

(15. April 2017)

Dafür kassierte das Freilichtmuseum einen Shitstorm.

(21. April 2017)

Jetzt steht Van der Bellen in einem Shitstorm der Empörung

(28. April 2017)

Der Münchner Homeshopping-Sender ist nach dem ersten Auftritt von Alexander „Honey“ Keen (34) in einen schweren Shitstorm geraten.

(2. Mai 2017)

Auf die Twitter-Nutzerin, die Madison beschimpft hat, ging ein Shitstorm los.

(4. Mai 2017)

Das gab sogar einen kleinen Shitstorm bei ihren 61 000 Instagram-Fans.

(12. Mai 2017)

Auch wenn es im Internet mal wieder einen Shitstorm gibt, perlt das an ihr ab

(17. Mai 2017)

Die Folge: ein Shitstorm gegen den Bücher-Discounter.

(21. Mai 2017)

Ein unglaublicher Shitstorm unter dem Hashtag #donutgate kam über die Sängerin

(23. Mai 2017)

Im Netz brach ein Shitstorm aus.

(18. Juni 2017)

Auf Instagram löste diese Werbung einen Shitstorm aus.

(30. Juni 2017)

Vox hatte dafür einen Shitstorm erlebt.

(27. Juli 2017)

Was folgt, ist ein heftiger Shitstorm für den Star von Real Madrid.

(4. September 2017)

Über Meghan ergoss sich so mancher Shitstorm

(5. September 2017)

Panthers-Quarterback Cam Newton (28) antwortet auf den Sexismus-Shitstorm unter der Woche mit einer Gala-Vorstellung

(9. Oktober 2017)

Doch in den sozialen Netzwerken kam es zu einem richtigen „Shitstorm“.

(9. Oktober 2017)

In den sozialen Netzwerken setzte sofort der vorhersehbare Shitstorm ein.

(23. Oktober 2017)

Der Käse-Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten!

(30. Oktober 2017)

Luther erlebt auch einen Shitstorm

(30. Oktober 2017)

Prompt brach ein Shitstorm der „Trump-Trolle” in den sozialen Medien gegen ihn los.

(7. November 2017)

Der Shitstorm ist noch lange nicht zu Ende!

(28. November 2017)

Kurz vor ihrem Tod hatte die gebürtige Polin einen Shitstorm ausgelöst

(8. Dezember 2017)

Folge: Shitstorm!

(19. Dezember 2017)

Auf den Ikea-Facebook-Seiten in Schweden und Dänemark ist inzwischen ein Shitstorm ausgebrochen.

(22. Dezember 2017)

Der Shitstorm, der sich in England daraufhin über die geborene Baronin von Reibnitz ergoss, war gewaltig.

(27. Dezember 2017)

Er hat einen Shitstorm dafür geerntet, und das fand er gut.

(30. Dezember 2017)

Nach einem Shit-Storm gegen ihn, entschuldigte er sich öffentlich

(2. Januar 2018)

Das ging nach hinten los. Shitstorm.

(30. Januar 2018)

Shitstorm auf Facebook gegen den Nürnberger Sender Hitradio N1.

(1. Februar 2018)

Hat sie der Shitstorm, der über sie hereinbrach, zu sehr mitgenommen?

(1. Februar 2018)

Shitstorm gegen die „Zeit“

(2. Februar 2018)

Das Pöbel-Playmate erlebte einen Shitstorm

(6. Februar 2018)

Justin Bieber bekommt Shitstorm ab

(7. Februar 2018)

Ein gigantischer Shitstorm hat sich entladen über der SPD

(9. Februar 2018)

Tor gegen den Trainer-Shitstorm

(12. Februar 2018)

Auf Twitter tobt ein Shitstorm, Fans sind empört.

(14. Februar 2018)

Mutter erntet Shitstorm wegen Still-Videos

(19. Februar 2018)

Fieser Fuß-Shitstorm

(25. Februar 2018)

Als Fia-Präsident Jean Todt auf Twitter Fotos aller zehn Wagen postet und dazu schreibt „Viel Erfolg all diesen wunderbaren neuen Autos“, erntet er einen heftigen Shitstorm

(26. Februar 2018)

Und auf den Wirt geht ein Shitstorm nieder.

(12. April 2018)

Am Freitag hatte es nach dem Bekanntwerden seines Wechsels noch einen Shitstorm („Schäm dich!“, „sofortige Freistellung“) in den sozialen Netzwerken gegeben.

(14. April 2018)

Das Unternehmen kämpft derzeit wegen eines Postings – untertitelt mit den Worten „Unsere Osterhöschen“ – gegen einen Shitstorm.

(20. April 2018)

Die Folge: ein Shitstorm von frustrierten Fans im Netz!

(25. April 2018)

DJ Khaled erntet Shitstorm nach Machospruch

(7. Mai 2018)

Folge: ein Shitstorm auf Facebook.

(17. Mai 2018)

Im Internet tobte derweil ein Shitstorm.

(23. Mai 2018)

Als sie ein Treffen mit einem Imam verweigerte, der Frauen nicht die Hand gibt, ging ein rot-grüner Shitstorm auf sie nieder.

(7. Juni 2018)

Comedian Ricky Gervais tritt Shitstorm gegen Giraffen-Killerin los

(23. Juni 2018)

Entnervt vom Shitstorm nahm er das Video von seinem Instagram-Account.

(10. Juli 2018)

Das Gay Center Rom veröffentlichte das Foto der Rechnung am Donnerstag und trat damit einen Shitstorm gegen das Restaurant los.

(21. Juli 2018)

Aber da war es natürlich schon zu spät, das unerbittliche Internet hatte längst zum Shitstorm angesetzt.

(27. Juli 2018)

Das Ende der RTL2-News, Tiefer Fall, Das Arschgeweih des ZDF

1. Die letzten bunten Wochen
(sueddeutsche.de, Jan Schwenkenbecher)
Die 15-minütige Nachrichtensendung RTL2-News galt beim Sender lange Zeit als das Nachrichtenkonzept der Zukunft. Damit ist es nun vorbei: Das Berliner Studio wird aufgelöst, den mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde gekündigt. In einem Berliner Biergarten haben einige von ihnen ihre Sicht der Dinge erzählt, die sie aus Angst um ihre Abfindungen bisher für sich behalten haben. Der Sender sei hochprofitabel, die Sendung intern stets gelobt worden. Warum es trotzdem zum Aus gekommen ist? Die Biergarten-Runde tippt auf das Profitinteresse der Gesellschafter.

2. Ulle from the block
(taz.de, Anne Fromm)
Anne Fromm beschäftigt sich mit der Medienhetze des Boulevards gegen den Ex-Radprofi Jan Ullrich: “Ullrichs Geschichte ist nicht nur “der tiefe Fall” eines Ex-Sportlers, es ist vor allem der tiefe Fall des Sommerlochs.”

3. Osnabrücker Student aus China ausgewiesen
(ndr.de)
Der 24-jährige Journalismus-Student David Missal ist aus China ausgewiesen worden. Missal geht davon aus, dass die Ausweisung mit seiner Arbeit über die Verfolgung von Menschenrechtsanwälten in China zusammenhängt.

4. Geschäftsmodell – Leben zerstören
(spiegel.de, Christian Stöcker)
Der ultrarechte Online-Verschwörungstheoretiker und “Infowars”-Betreiber Alex Jones hat eine schlechte Woche hinter sich: Apple, YouTube, Pinterest, LinkedIn und Spotify schmissen ihn bzw. einige seiner Inhalte von ihren Plattformen: “Die augenscheinlich konzertierte Aktion aller großen Plattformen außer Twitter gegen Jones könnte ein Wendepunkt sein: Vielleicht ist man im Silicon Valley jetzt doch zu dem Schluss gekommen, dass man nicht Leuten beim Geschäftemachen helfen sollte, zu deren Geschäftsmodell es gehört, das Leben anderer Menschen mit Lügen zu zerstören.”

5. “Zur Medienkompetenz gehört, nicht immer online zu sein”
(golem.de, Tobias Költzsch/dpa)
Was in Frankreich schon gilt, fordert nun auch die Landesmedienanstalt Niedersachsen: Ein verpflichtendes Smartphone-Verbot an Schulen. Das in Frankreich jüngst beschlossene Gesetz verbietet grundsätzlich das Nutzen von Mobiltelefonen in allen Vor- und Grundschulen sowie in der Sekundarstufe I.

6. Am Arsch
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Der ZDF-“Fernsehgarten” könnte die Kultsendung der Gegner des gebührenfinanzierten Fernsehens werden: In der vergangenen Ausgabe des Fremdschäm-Klassikers haben sich Zuschauer und Gäste ein Arschgeweih mit “Fernsehgarten”-Logo aufsprühen lassen. Unter Aufsicht der hyperventilierenden Moderatorin Andrea Kiewel und der Sängerin Jasmin “Blümchen” Wagner.

Erfolgreiche Erdogan-Propaganda in den “Bild”-Medien

Vorgestern twitterte “Bild”-Chef Julian Reichelt das hier:

Screenshot eines Tweets von Bild-Chef Julian Reichelt - Erdogan telefoniert mit Özil und freut sich, dass große Teile der deutschen Medien und zahlreiche Politiker auf den Rassismus-Spin reingefallen sind. Das Foto mit Özil und die Nachwirkungen sind sein bisher größter Propaganda-Erfolg in Deutschland.

Das Foto mit Mesut Özil sei Teil von Erdogans “bisher größtem Propaganda-Erfolg in Deutschland”, und das auch dank deutscher Medien — ja, da könnte Julian Reichelt recht haben. Man erinnere sich nur mal daran, wie häufig diese Fotos von Erdogan mit Özil und mit Ilkay Gündogan und mit beiden deutschen Fußballern seit dem 14. Mai in Zeitungen und bei Onlineportalen zu sehen waren.

Manche Redaktionen waren besonders besessen von dem Bild haben dem türkischen Präsidenten bei diesem PR-Coup besonders fleißig geholfen. Dazu gehören ganz sicher Bild.de, “Bild” und “Bild am Sonntag”, die alle von Julian Reichelt verantwortet werden:

Collage mit 47 verschiedenen Screenshots und Ausrissen von Bild.de, Bild-Zeitung und Bild am Sonntag, die alle die Fotos von Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zeigen, manche mit Ilkay Gündogan, manche ohne.
(Ohne Anspruch auf Vollständigkeit — draufklicken für größere Version)

Dazu kommen noch einige Fotos, die nur Erdogan und Gündogan zeigen, die wir hier aber weggelassen haben.

Gestern twitterte “Bild”-Chef Julian Reichelt dann das hier:

Screenshot eines Tweets von Bild-Chef Julian Reichelt - Großer Dank an alle Politiker und Journalisten wie Patrick Bahners, die aus Social-Media-Gefallsucht und Bild-Hass der AKP die Propaganda-Tür geöffnet haben. Deutschland ist wegen Özil jetzt antidemokratisch und rassistisch und die AKP freut sich über jede Menge deutsche Zeugen.

In puncto “Propaganda-Tür” öffnen: siehe oben. Zu Reichelts Aussage, dass Deutschland jetzt “wegen Özil” als rassistisch gesehen werde: Klar, Erdogans Partei AKP und einige ihrer Anhänger schlachten die Sache jetzt auf üble Weise aus. Mesut Özil aber hatte in seinem dreiteiligen Statement nie behauptet, dass der Rassismus vom gesamten Land komme. Im Gegenteil. Er schrieb zum Beispiel …

I don’t want to even discuss the hate mail, threatening phone calls and comments on social media that my family and I have received. They all represent a Germany of the past, a Germany not open to new cultures, and a Germany that I am not proud of. I am confident that many proud Germans who embrace an open society would agree with me.

… und nannte die Leute, die ihn aus seiner Sicht rassistisch angegangen seien, größtenteils namentlich.

Die Erzählung, Özil habe mit ganz Deutschland abgerechnet, gibt es auch. Sie stammt von “Bild” und Julian Reichelt:

Ausriss der Bild-Titelseite - Im Internet! Auf Englisch! Özils wirre Jammer-Abrechnung mit Deutschland

Dazu auch:

Mit nicht existenten Mordaufrufen Stimmung machen. Oder soll man es lassen?

Ich ärgere mich gerade. Ich ärgere mich über Journalisten angesehener Medienhäuser, die von einem Mordaufruf gegen sie berichten, den es nicht gibt. Ich ärgere mich über Journalisten, die ihre Redlichkeit und das Vertrauen in ihre Verlage beschädigen und damit Kollegen beleidigen, die tatsächlicher Verfolgung ausgesetzt sind. Die manipulative, weil Mitleid- und Solidarität-triggernde Empörungs-Tweets absetzen, welche den Verdacht nahelegen, dass sie mit dem Mittel der Täter-Opfer-Umkehr von eigenen Fehlern ablenken wollen. Und ich ärgere mich über Journalisten, die all das Mordaufruf-Gerede nachplappern, weil es ihnen in ihr Weltbild passt.

Doch der Reihe nach.

Die Wochenzeitung “Die Zeit” veröffentlichte vergangenen Donnerstag ein Pro & Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung von Geflüchteten. Massive Kritik gab es vor allem für die in der Überschrift formulierte Frage “Oder soll man es lassen?”, wohl auch, weil aus ihr nicht klar hervorging, dass mit “es” nur die private Seenotrettung gemeint war und nicht die Seenotrettung im Allgemeinen:

Ausriss Die Zeit - Oder soll man es lassen?

In einem “SZ”-Kommentar kritisiert Heribert Prantl die “Zeit”. Man dürfe Menschen nicht als Sache betrachten und behandeln. So ein Pro & Contra sei vielleicht gut gemeint, aber nicht gut. Es relativiere die Menschenwürde:

Wer sich auf eine solche Denkweise einlässt, der landet bei der Folter und bei der Todesstrafe.

Auch die Publizistin Ingrid Brodnig beanstandet die Fragestellung. Diese sei ein Beispiel für “False Balance” im Journalismus: Journalisten seien darauf gedrillt, “beide Seiten” zu beleuchten. Dies führe im schlimmsten Fall dazu, dass menschenfeindliche Positionen denkbare Optionen werden:

Es ist ein Irrtum, dass ausgewogener Journalismus bedeutet, man gibt allen Meinungen Raum — egal wie menschenfeindlich oder faktenfern sie sind. Dieses Streben nach “alle Seiten müssen vorkommen” kann im Journalismus dazu führen, dass wir plötzlich Menschenrechte infrage stellen.

Bei “Deutschlandfunk Kultur” kritisiert Journalistik-Professor Klaus-Dieter Altmeppen die von der “Zeit” gewählte Form des Beitrags:

Man kann diese Frage natürlich stellen, aber dann muss sich die “Zeit” auch die Frage gefallen lassen, was das denn soll, diese Frage zu stellen.

Es sei ganz einfach eine Frage von Humanität und Menschenwürde, Leben zu retten. Und da gebe es kein Contra.


Doch hier soll es nicht vornehmlich um die inhaltliche Bewertung des “Zeit”-Artikels gehen, sondern um die Legende vom Mordaufruf gegen “Zeit”-Redakteure.

Der Versuch einer Chronologie - 12. Juli 2018, 12:04 Uhr

Auf Twitter reagiert “Titanic”-Chefredakteur Tim Wolff auf die vielerorts als unanständig und inhuman empfundene “Zeit”-Überschrift mit einer gespiegelten, ebenso unanständigen und inhumanen Gegenfrage samt Pro-Contra-Abstimmung:

Screenshot des Tweets von Tim Wolff - Zeit-Mitarbeiter auf offener Straße erschießen? Wahlmöglichkeiten: Pro und Contra

(Mittlerweile wurde der Tweet von Twitter gelöscht. Zunächst war Wolff mehrfach mitgeteilt worden, dass Beschwerden vorlägen, denen man jedoch nicht stattgegeben habe. Inzwischen hat Twitter offenbar seine Meinung geändert, den Tweet gelöscht und Wolff mit einer zwölfstündigen Sperre belegt.)

12. Juli 2018, 13:55 Uhr

Der renommierte Medienmanager und ehemalige Chefredakteur von “Zeit Online” Wolfgang Blau kommentiert:

Screenshot des Tweets von Wolfgang Blau - Zwei Wochen nach dem Amoklauf bei der Capital Gazette schlägt der Chefredakteur des Magazin Titanic vor, Journalisten zu erschießen und einer Autorin das Gesicht mit heißem Wasser zu verbrühen. Und sagt, dann bestimmt das sei Satire. Nein, das ist Aufruf zum Mord.

Nun ist es aber recht offenkundig, dass der Wortlaut des Tweets von Tim Wolff einen derartigen Mordaufruf nicht hergibt. Nur zur Erinnerung: Der “Titanic”-Chefredakteur reagierte mit einer ungehörigen Gegenfrage auf eine aus der Sicht von vielen ungehörige Frage (die, was wir am 12. Juli noch nicht wissen, der verantwortliche Redakteur später selbst als Fehler bezeichnen wird).

Die gespiegelte Gegenfrage stellt vor allem ein rhetorisches Mittel dar. Sie ist ein Vergleich, der verdeutlichen soll, wie unverschämt die Denkweise ist, die einer solchen Frage zugrunde liegt. Vielleicht ist es daher noch nicht mal Satire, sondern nur sehr zugespitzte Gegenrede. Man kann Wolffs Gag gut finden oder auch nicht. Was er auf jeden Fall nicht ist: ein ernst gemeinter Mordaufruf. Und das ist jedem klar, der soweit alphabetisiert ist, dass er aus einem Zusammenhang sinnentnehmend lesen kann.

Das Märchen vom Mordaufruf macht unter Journalisten dennoch weiter die Runde.

12. Juli 2018, 15:05 Uhr

Nun lässt die Chefredakteurin der “Deutschen Welle” ihrer Empörung freien Lauf:

Screenshot des Tweets von Ines Pohl - Was soll das? Schaut Euch mal um in der Welt, solche Aktionen sind weder lustig noch öffnen sie irgendwelche Perspektiven. Das ist schlicht Aufruf zum Mord. Pfui!

12. Juli 2018, 21:31 Uhr

Und “FAZ”-Redakteur Philip Plickert schreibt:

Screenshot des Tweets von Philip Plickert - Zeit-Redakteurin fragt, ob die private Seenotretter im Mittelmeer nicht auch Schlepperei ermuntern und ob dieses Retten von Migranten wirklich richtig ist. Dafür gibt es jetzt Tötungsaufrufe gegen Zeit-Mitarbeiter. Sagt viel über unsere Refugees-Welcome-Fanatiker.

Hier ließe sich einiges anmerken: Zum Setzen des Wortes Seenotretter in Anführungszeichen und der dadurch deutlich gemachten Unterstellung, es handele sich gar nicht um eine Rettung, oder zum diffamierenden Ausdruck “Refugees-Welcome-Fanatiker”. 
Doch bleiben wir bei der Legende von den “Tötungsaufrufen gegen “Zeit”-Mitarbeiter”.

12. Juli 2018, 21:38 Uhr

Nur wenige Minuten später twitterte der verantwortliche “Zeit”-Redakteur Bernd Ulrich:

Screenshot des ersten Tweets von Bernd Ulrich - Ich habe heute am eigenen Leib mitbekommen, wie es ist, wenn die flüchtlingsfreundliche Gemeinde ins Gefecht zieht. Arsch offen, Zeit-Redakteure töten? Zivilisationsbruch, die Zeit aus dem Diskurs raus, mit Kaffee verbrühen, maßlose Enttäuschung.
Screenshot des zweiten Tweets von Bernd Ulrich - ich kann besser erspüren, warum Leute aus Trotz weiter nach rechts gehen. Ich bin kein fragiles Gemüt, bei mir wird das nicht passieren. Aber man sollte schon mal überlegen, ob Humanismus mit nichthumanem Sprechen erreicht werden kann. Gute Nacht Freude

Auch hier könnte man einiges anmerken, zum Beispiel zum selbstmitleidigen und passiv-aggressiven Duktus und dem abschätzigen Gerede von der “flüchtlingsfreundlichen Gemeinde”, die gegen Ulrich und die “Zeit” angeblich ins “Gefecht” gezogen sei. Zur Wortwahl und Rechtschreibung, die wohl Emotionalität und Nachdenklichkeit signalisieren soll. Oder zu dem kühnen Vorwurf, dass derartige Kritik für den Rechtsruck in Deutschland verantwortlich sei. Hier soll es jedoch nur um die Bemerkung “Zeit-Redakteure töten?” gehen, die sich auch bei Ulrich wiederfindet.

13. Juli 2018

Und die beim Deutschen Journalisten-Verband einzieht. Dort kommentiert Hendrik Zörner im hauseigenen Blog:



Geht’s noch? Da ersaufen im Mittelmeer täglich Menschen, die Armut und Unterdrückung in ihren Heimatländern entkommen wollen. Hierzulande entspinnt ein Blatt eine akademische Diskussion über das Für und Wider von Humanität. Und unter dem Deckmantel der Satire wird ein kaum verdeckter Mordaufruf in die Welt gesetzt.

Noch einmal: Beim Tweet des “Titanic”-Chefredakteurs handelte es sich eindeutig nicht um einen Mordaufruf. Tim Wolff erklärt seine Technik mit folgenden Worten:

Ich kenne keine andere Methode, so jemanden in dieser kalten Routine der Bestätigung der mörderischen Verhältnisse zu stören, als ihn kurz spüren zu lassen, wie es sich anfühlt, wenn die eigene körperliche Versehrtheit öffentlich lässig verhandelt wird.

Bleibt die Frage, ob es sich bei der viral gestreuten Mordaufruf-Legende um Vorsatz oder Fahrlässigkeit handelt. Echte Sorgen scheinen sich die Empör-Journalisten jedenfalls nicht gemacht zu haben: Von dem naheliegenden Gang zur Polizei und dem Stellen einer Anzeige ist nichts bekannt. Auch nicht bei der “Titanic”, bei der wir extra nochmal nachgefragt haben.

Unanständige Fragen, Rätselhaftes Verschwinden, Digitaler Nachlass

1. “Zeit” gerät nach Pro-und-Contra zur Seenotrettung in die Kritik
(sueddeutsche.de, David Denk)
Die “Zeit” hat mit einem Pro und Contra zur Frage der Legitimität privater Seenotrettung massive Kritik ausgelöst. Dabei ging es um die in der Überschrift formulierte Frage “Oder soll man es lassen?” und die “Contra”-Position der “Zeit”-Korrespondentin Mariam Lau. In der Digitalausgabe wurde die Überschrift mittlerweile in “Gut? Oder nur gut gemeint?” geändert. Die Redaktion will darin jedoch kein Eingeständnis eines Fehlers sehen, dem lägen nur “technische Gründe” zu Grunde …
In einem “SZ”-Kommentar kritisiert Heribert Prantl die “Zeit”. Man dürfe Menschen nicht als Sache betrachten und behandeln. So ein Pro und Contra sei vielleicht gut gemeint, aber nicht gut. Es relativiere die Menschenwürde. “Wer sich auf eine solche Denkweise einlässt, der landet bei der Folter und bei der Todesstrafe.”
Vor allem auf Twitter wurde der Beitrag intensiv diskutiert. Hier drei Threads, die verschiedene Aspekte beleuchten: Simon Hurtz kritisiert den Text von Mariam Lau, plädiert jedoch für mehr Argumente und weniger Furor: “Bringt es uns wirklich weiter, wenn wir die Zeit jetzt als bürgerliche Bild-Zeitung bezeichnen oder den Untergang des Journalismus heraufbeschwören? Das ist doch genau das angebliche Sprechverbot, das Rechte immer beklagen.” Julian Pahlke von “Jugend Rettet” reagiert mit einer eindringlichen Tweetabfolge über das Sterben im Mittelmeer, wie er es selbst als Augenzeuge erlebt habe: “Der Tod im Mittelmeer ist nicht, wie man immer glaubt, ein lautes Ereignis. Er kommt langsam und wird immer ruhiger. Er ist gerade deshalb so dramatisch weil er so ruhig ist.” Und laut Ingrid Brodnig illustriere die Frage der “Zeit” das Problem der “False Balance” im Journalismus. Journalisten seien darauf gedrillt, “beide Seiten” zu beleuchten. Dies führe im schlimmsten Fall dazu, dass menschenfeindliche Positionen denkbare Optionen werden: “Es ist ein Irrtum, dass ausgewogener Journalismus bedeutet, man gibt allen Meinungen Raum — egal wie menschenfeindlich oder faktenfern sie sind. Dieses Streben nach “alle Seiten müssen vorkommen” kann im Journalismus dazu führen, dass wir plötzlich Menschenrechte infrage stellen.”
Im Blog der “Zeit” haben sich die verantwortlichen Chefredakteure Sabine Rückert und Bernd Ulrich mit einer Art Stellungnahme an die Leser gewandt: “Wir bedauern, dass sich einige Leser in ihrem ethischen Empfinden verletzt gefühlt haben, und dass der Eindruck entstehen konnte, die ZEIT oder auch Mariam Lau würden einer Seenotrettung generell eine Absage erteilen.”
Das Bedauern der “Zeit”-Verantwortlichen scheint sich jedoch hauptsächlich auf sich selbst zu beziehen: Auf Twitter klagt Bernd Ulrich selbstmitleidig und passiv-aggresiv über die “flüchtlingsfreundliche Gemeinde”. Und trägt dazu bei, dass sich das Märchen von “Mordaufrufen” gegen “Zeit”-Redakteure verbreitet, was sich augenscheinlich auf “Titanic”-Chefredakteur Tim Wolff bezieht, der jedoch keineswegs zu irgendeiner Tötung aufgerufen, sondern eine unanständige Frage mit einer unanständigen Gegenfrage satirisch gespiegelt hat.
Nachtrag, 12:24 Uhr: Bernd Ulrich schreibt “nach einmal Drüberschlafen” bei Twitter: “Die Überschrift war ein, war mein Fehler” und kündigt einen eigenen Text zum Thema in der nächsten Ausgabe an.

2. EU-Politiker Axel Voss nutzt auf Facebook urheberrechtlich geschützte Fotos und verrät uns nicht, ob er sie bezahlt hat
(buzzfeed.com, Karsten Schmehl)
Axel Voss sitzt für die CDU im EU-Parlament und hat dort das neue und strengere Urheberrecht vorangetrieben. Das neue Gesetz soll unter anderem Plattformen dazu zwingen, urheberrechtlich geschütztes Material mittels Uploadfilter zu blocken und damit ein Veröffentlichen durch Unberechtigte unmöglich zu machen. “BuzzFeed News” hat sich bereits vor ein paar Tagen auf dem Facebook-Profil des Politikers umgeschaut und dort zahlreiche urheberrechtlich geschützte Bilder entdeckt. Auf Nachfragen, ob und wie eine Lizenzierung dieser Bilder erfolgt sei, reagierte das Büro des Politikers ausweichend. Doch nun passiert gerade ein Wunder: Wie auf magische Weise verschwinden immer mehr Einträge von Voss’ Facebook-Seite, bei denen derartige Bilder verwendet wurden.

3. „Mehr Kontrolle von außen“
(taz.de, Frederic Valin)
Die “taz” hat mit dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt gesprochen. Es geht um die aktuelle Fußball-WM, die Vergabe an Katar, diverse Substanzen und seine Entscheidung, nicht nach Russland zu fahren. Seppelts Resümee: “Die Doping- und Korruptionsskandale der vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen. Sport ist bei weitem eben nicht der schöne Schein, den uns die Hochglanzbilder vorgaukeln. Auch im Fußball nicht. Nur, weil die Menschen die WM im Fernsehen gucken, heißt das noch lange nicht, das sie goutieren, was die Fifa macht. Einschaltquoten sind kein ethisches Argument.”

4. “Wie würde es im Netz aussehen, wenn es uns nicht gäbe?”
(golem.de, Jennifer Fraczek)
Die rund 40.000 Mitglieder der Facebook-Gruppe #ichbinhier schreiben Erwiderungen auf Hasskommentare. Im Interview mit Golem.de erklärt der Gründer der Online-Initiative Hannes Ley, wie er die Idee aus dem Netz in die echte Welt bringen will: “Unser Ziel ist es, ein Konzept für die Lehrerbildungsinstitute (LBI) zu entwickeln.”

5. Face­book-Chats sind auch nur Briefe
(lto.de, Bastian Biermann)
Der Bundesgerichtshof hat ein wichtiges Urteil zum sogenannten digitalen Nachlass gefällt und Eltern, die nach der Todesursache ihrer 15-jährigen Tochter suchen, Zugriff auf deren Facebook-Account gewährt. Damit habe das Gericht den digitalen Nachlass dem analogen gleichgestellt, so Bastian Biermann in seiner Einordnung des Urteils. Im Sinne der Rechtsklarheit sei es jedoch wünschenswert, dass der Gesetzgeber eine eindeutige Regelung zum digitalen Erbe treffe. Bis es soweit ist, rät Biermann zu Vorsorgemaßnahmen zu Lebzeiten.

6. Speechless Speech: Mark Zuckerberg
(webtapete.de)
Zum Wochenausklang noch etwas Leichtes: Der für seine “Musicless”-Videos (hier ein Beispiel) bekannte Sounddesigner und Vertonungskünstler Mario Wienerroither hat Mark Zuckerberg vertont.

Weiterwitzeln bei der Gebührenverschwendung

Perfektes Pointen-Ping-Pong im Highspeed-Modus. Weiterwitzeln!

So endete die auffallend positive “Bild”-TV-Kritik von Josef Nyary zur Sendung “WM Kwartira”, die derzeit im “Ersten” am späten Abend nach WM-Übertragungen läuft. Gastgeber Micky Beisenherz und Jörg Thadeusz seien “das schärfste Spottdrossel-Duo seit ‘Waldi’ Hartmann und ‘Dirty Harry’ Schmidt.” Sie stellten freche Fragen und hätten passende Gäste. Nyary war sehr angetan:

Ausriss Bild-Zeitung - TV-Kritik von Josef Nyary - Perfektes Pointen-Ping-Pong

Dieses Lob erschien am 20. Juni in der gedruckten “Bild” und bereits am Abend vorher bei Bild.de.

Am vergangenen Dienstag war Komiker Oliver Polak als einer von zwei Gästen im “WM Kwartira”. Seine Äußerungen über Lothar Matthäus, den er als “pädophilen Volltrottel” bezeichnete, sorgten verständlicherweise für viel Ärger.

In der heutigen “Bild”-Ausgabe schreibt auch Josef Nyary über Polaks Auftritt:

Ausriss Bild-Zeitung - Peinlich, ARD! Matthäus bepöbelt

Der Komiker Oliver Polak hat in der ARD-Spätshow “WM Kwartira” Lothar Matthäus als “Pädophilen” beschimpft. Einfach so.

Wörtlich sagte Polak über den Weltmeister von 1990: „In den letzten zwanzig Jahren war nichts mehr, wo man sagen kann: Respekt! Das ist einfach ein Volltrottel! Ein pädophiler Volltrottel!“

Er schreibt über Thadeusz und Beisenherz, die er einst für ein scharfes “Spottdrossel-Duo” hielt:

Und was machten die Moderatoren? Nichts!

Und er schreibt allgemein über “WM Kwartira”, das er vor zwei Wochen noch als “perfektes Pointen-Ping-Pong” bezeichnete:

Laut Programm soll Kwartira “unterhaltsam, informativ und meinungsstark” eine “humorvolle Fußball-Unterhaltung” liefern. Oder wie ich es nenne: Gebührenverschwendung.

Eine solche Kehrtwende bekommt bei “Bild” eigentlich nur Briefonkel Franz Josef Wagner hin. Und selbst der braucht dafür deutlich länger als zwei Wochen.

Diskursvergifter, Auf Vivasehen!, Google befeuert Podcasts

1. “Echt guter Auftritt”
(zeit.de, Christopher Lauer)
Sind politische Talkshows ein Segen oder ein Fluch für die Demokratie? Muss man sie gar einstellen? Gegen die letzte Forderung wandte sich letzte Woche Sandra Maischberger in der “Zeit” und verteidigte, nicht ganz uneigennützig, das Format. Darauf antwortet nun Christopher Lauer, der Talkshows als Zuschauer, aber auch als Teilnehmer kennt. Lauer ruft zu einer Diskussion über die demokratische Kontrolle der Plauderrunden auf: “Einer solchen Debatte müssen sich auch die Macherinnen und Macher von Talkshows stellen. Es sei denn, um bei Sandra Maischberger zu bleiben, sie haben Angst vor Streit.”

2. Warum Googles neue App mehr ist als ein Podcast-Programm
(t-online.de, Marc Krüger)
Marc Krüger hat für “T-Online” aufgeschrieben, warum Googles neue Podcast-App eigentlich keine richtige App ist, sondern eine neue Strategie: “Google hat nicht nur eine neue App veröffentlicht, sondern eine neue Chance geschaffen, Podcasts und Audios im Internet zu finden. Damit wird die Dominanz von Text und Video vielleicht nicht beendet, aber es gibt eine neue Bühne für alle, die Podcasts hören, entdecken oder machen wollen. Dass Google dabei das Quasi-Monopol von Konkurrent Apple angreift, könnte ein willkommener Nebeneffekt sein.”

3. Wir sagen auf Vivasehen!
(faz.net)
25 Jahre nach seiner Gründung stellt der Musiksender Viva sein Programm ein: Zum Jahresende ist Schluss! Bei der “FAZ” verabschieden sich einige Redakteure und Redakteurinnen mit persönlichen Erinnerungen an den Musiksender. Und auch Anne Fromm von der “taz” erinnert mit einem persönlichen Nachruf an den Musiksender.
Weiterer Lesetipp: “Horizont” hat mit dem Viacom-Manager Mark Specht darüber gesprochen, warum und wie es ohne Viva weitergeht: Viacom stellt Viva ein (Juliane Paperlein)

4. 800 Millionen Twitter-Beiträge analysiert: Abends wirds emotional und impulsiv
(heise.de)
Forscher der Universität Bristol haben 800 Millionen Tweets mit insgesamt sieben Milliarden Worten ausgewertet und kategorisiert. Dabei sind ihnen zeitliche Zusammenhänge aufgefallen: So gehe es morgens rationaler und gesitteter und abends emotionaler und impulsiver zu.

5. Face­book und die Toten
(lto.de, Bastian Biermann)
Seit Jahren streitet eine Mutter mit Facebook um den Zugang zum Facebook-Account ihrer verstorbenen Tochter. Nun bahnt sich die Entscheidung an: Am 12. Juli spricht der BGH sein Urteil. Es geht dabei auch um den Konflikt zwischen Erbrecht und Telekommunikationsrecht. Der Autor und Jurist Bastian Biermann hat am Ende seiner Einordnung einen wichtigen Tipp parat: “Solange es nur bei der Rechtsprechung des BGH bleiben sollte und sich Provider ohne ausdrücklicher gesetzlicher Regelung weiterhin zur Herausgabe von Daten des Erblassers weigern sollten, ist es unvermeidbar, sich zu Lebzeiten zu überlegen, ob und wem die eigenen Daten — sowohl im Falle des Eintritts einer Geschäftsunfähigkeit als auch im Falle des Todes — zur Verfügung stehen sollen.”

6. Roseanne soll ohne Roseanne weitergehen
(sueddeutsche.de)
Roseanne soll ohne Roseanne weitergehen? Nicht ganz, aber der amerikanische TV-Sender ABC plant einen Spinoff, der sich um den Rest der fiktiven Familie Conner drehen soll. Die ehemalige Hauptdarstellerin habe dem Projekt unter Verzicht etwaiger finanzieller Ansprüche zugestimmt, um die Jobs der rund 200 Ensemble- und Crewmitglieder zu retten.

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