Die zwei Herzen von Franz Josef Wagner

Selbstverständlich hat sich auch „Bild“-Briefchenschreiber Franz Josef Wagner zum Rücktritt von Fußballer Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft geäußert. Er schreibt in der heutigen Ausgabe und bei Bild.de:

Ausriss Bild-Zeitung - Post von Wagner - Lieber Mesut Özil, gut, dass Sie das Hemd mit dem Adler ausgezogen haben, wir passen nicht mehr zusammen. Das eine Foto mit dem Erdogan verzeihe ich Ihnen. Da wurden Sie in einen PR-Termin hereingequatscht. Es war eine Dummheit. Es gibt nur eine unverzeihliche Sünde: die doppelte Dummheit. Sie wollen also immer noch nicht begreifen, dass Sie besser kein Pose-Foto mit einem Mann gemacht hätten, der Journalisten ins Gefängnis wirft, Zeitungen und Radiosender schließt, Justizbeamte ins Gefängnis steckt. Sie sind Fußballer. Fußballer sind nicht politisch. Fußballer haben Berater. Irgendwer sagt den Fußballern, was sie tun, was sie sagen sollen. Welcher Idiot gibt Ihnen diese irren Ideen ins Gehirn? Sie sind ein großartiger Fußballspieler. Vor Jahren schrieb ich, dass Sie einmal der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft werden würden. Goodbye, Mesut Özil. Es muss furchtbar sein, wenn man mit seinem ganzen Herzen für eine Mannschaft spielt und sein zweites Herz für ein anderes Land schlägt. Alles Gute, Sie zerissener Mesut Özil. Herzlichst, Franz Josef Wanger

Die Sache mit den zwei Herzen kommt von Mesut Özil. Bei Twitter verkündete er gestern nicht nur seinen Rücktritt aus der Nationalelf, sondern gab auch eine recht dünne Erklärung zu dem dämlichen Foto ab, auf dem er mit dem türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdogan posiert hatte. Er habe das Foto aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes seiner Familie gemacht. Das habe nichts mit Politik zu tun gehabt.

Aber eigentlich kommt die Sache mit den zwei Herzen auch von Franz Josef Wagner. Der schrieb nämlich schon in der „Bild“-Ausgabe vom 10. Juli einen Brief an Mesut Özil. Und da fand der Kolumnist es noch gar nicht so „furchtbar“, wenn einer wie Özil ein deutsches und ein türkisches Herz hat:

Ausriss Bild-Zeitung - Post von Wagner - Lieber Mesut Özil, Sie sind ein Vorbild für alle Einwanderer-Kinder, 92-facher deutscher Nationalspieler, fünfmal wurden Sie zum Nationalspieler des Jahres gewählt. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung nannte Sie einen Brückenbauer. Wenige Einwanderer-Kinder werden Anwälte, Bundestagsabgeordnete, Ärzte. Sie wurden ein Fußballstar. Ihre Großmütter, Ihre Väter verkauften Gemüse. Arbeiteten in Bergwerken. Sie heißen nicht Müller, Sie heißen Özil. In Ihrem Herzen ist die Türkei, wo Ihre Oma, Ihre Cousins leben. Haben Sie keine Angst, das alles zu sagen! Alles, was in Ihrem Herzen ist. Was ist so falsch daran, dass man zwei Herzen hat? Herzlichst, Franz Josef Wagner

Da macht Mesut Özil ziemlich genau das, was Franz Josef Wagner ihm zuvor rät: Erklären, dass er neben dem deutschen auch ein türkisches Herz hat. Und schon passen die beiden für Wagner „nicht mehr zusammen.“