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Die Radikalos-Kampagnen der Brandstifter-Journalisten

“Pleite-Griechen” hat “Bild” schon lange nicht mehr geschrieben. Gut, vor einer Woche noch, aber schon lange nicht mehr so häufig wie vor ein paar Jahren. Inzwischen passt der Name auch nicht mehr ganz so gut, denn jetzt haben sie ja bekanntlich Geld (unser Geld), mit dem sie ihr Hängematten-Luxus-Leben finanzieren, und weil sie immer noch mehr Geld haben wollen (unser Geld), nennt die „Bild“-Zeitung sie jetzt die „gierigen Griechen“ — und rief Deutschland am Donnerstag dazu auf, per Selfie zu protestieren:

Die Kampagne wurde von vielen Seiten stark kritisiert, auch vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV), der Bild.de noch am gleichen Tag aufforderte, „sofort die laufende Anti-Griechen-Kampagne zu stoppen“ – allerdings mit einer merkwürdigen Begründung. In der Pressemitteilung heißt es:

„Die Griechenland-Politik der Bundesregierung kann man mögen oder ablehnen“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Eine Kampagne, die direkten Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen wolle, verbiete sich aber mit der beschreibenden Aufgabe des Journalismus. „Dass Boulevard-Medien eine andere Sprache und einen anderen journalistischen Stil pflegen, ist selbstredend. Die Selfie-Aktion von Bild.de überschreitet aber die Grenze zur politischen Kampagne“, kritisierte Konken.

Politische Kampagne? Wenn es danach geht, müsste der DJV eigentlich jeden zweiten Tag einschreiten, immerhin gehören Aktionen, die „Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen“ wollen, zum redaktionellen Alltag der „Bild“-Zeitung.

Nein, das Schlimme ist nicht die Tatsache einer Kampagne, sondern dass die „Bild“-Zeitung wieder ein ganzes Volk stigmatisiert und diffamiert (was der DJV immerhin für „medienethisch bedenklich“ hält), so wie sie es jahrelang mit der „Pleite-Griechen“-Berichterstattung getan hat. Und dass sie ihre Artikel mit diesem hetzerischen Wir-gegen-die-Gefühl auflädt, das durch die Selfie-Aktion nochmal auf besonders eklige Weise gestärkt und verbreitet wurde. Wir machen Fotos von uns, wir schließen uns zusammen, damit die kein Geld mehr kriegen.

Immerhin: Allzu erfolgreich war die Mob-Mobilisierung offenbar nicht. Laut Axel-Springer-Verlag kamen bis Donnerstagvormittag Fotos im “hohen dreistelligen Bereich” zusammen – das entspricht, gemessen an der Reichweite von „Bild“ und Bild.de, einer Mithetz-Quote von 0,004 Prozent.

Um überhaupt auf diese Zahl zu kommen und den Protest trotzdem als „gewaltig“ (Bild.de-Chef Julian Reichelt) zu verkaufen, musste „Bild“ ein bisschen tricksen: Knapp die Hälfte der auf Bild.de gezeigten „NEIN!“-„Selfies“ kam nicht von den Lesern selbst, sondern von „Bild“-Fotografen, die auf der Straße Passanten angesprochen hatten.

(Im Original ist der Kopf natürlich dran.)

In den sozialen Medien wurden währenddessen zahlreiche Gegenaktionen gestartet, viele sagten „NEIN!“ zur Hetze und zeigten sich solidarisch mit Griechenland. Selbst auf der Startseite von Bild.de wurde zeitweise versteckte Kritik laut, wenn auch eher unfreiwillig:

Da baute Bild.de dann lieber schnell wieder Brüste ein:

Und sogar im Bundestag wurde die Kampagne kritisiert. Axel Schäfer, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion, hielt die (von ihm durchgestrichene) „Bild“-Seite gestern während einer Rede hoch und sagte unter Applaus:

Wir sind hier sicherlich in einer Reihe von Punkten unterschiedlicher Auffassung. Das ist auch gut so, dass wir das diskutieren. Aber in einem Punkt sollten wir uns hier alle (…) einig sein: Wir unterstützen keine Kampagnen gegen andere Länder. Wir unterstützen das nicht!

Wenige Stunden später erschien ein Kommentar von „Bild“-Chef Kai Diekmann, was nicht oft vorkommt und in diesem Fall wie der Versuch wirkt, das Feuer ein wenig zu löschen. Diekmann bemüht sich sogar, so zu tun, als habe er Mitgefühl mit den Griechen. Griechenland sei „ein geschundenes Land“, schreibt er.

Die Menschen leiden unter der schwersten Schulden- und Wirtschaftskrise in der Geschichte des geeinten Europas. Die Arbeitslosigkeit nimmt einer ganzen Generation Hoffnung und Zukunft.

„Bild“ sei …

nicht nur in Deutschland, sondern auch in Griechenland nah bei den Menschen.

Wir haben Mitgefühl mit den Leuten, die unter dieser epochalen Krise leiden, die ihre Existenz verloren haben. Unsere

Huch, Verzeihung. Das muss da irgendwie zwischengerutscht sein. Wie war das, Herr Diekmann?

Wir haben Mitgefühl mit den Leuten, die unter dieser epochalen Krise leiden, die ihre Existenz verloren haben. Unsere

Ach, verdammt. Sorry. Jetzt aber, Herr Diekmann.

Wir haben Mitgefühl mit den Leuten, die unter dieser epochalen Krise leiden, die ihre Existenz verloren haben. Unsere Reporter haben immer wieder über die Verelendung eines ganzen Landes berichtet. Über volle Suppenküchen. Über mittellose Menschen, die in Mülltonnen wühlen müssen.

Stimmt. Wenn die Reporter nicht gerade Besseres zu tun hatten.

Diekmann erweckt den Anschein, als sei das Besondere an der „Bild“-Berichterstattung, dass sie unermüdlich „die verfehlte Griechenland-Politik in Deutschland und Europa“ kritisiere und „unseren und den griechischen Politikern ihre gebrochenen Versprechen“ vorhalte. Aber das machen auch viele andere Medien. Das Besondere an der „Bild“-Berichterstattung ist, dass sie das Ansehen Griechenlands gezielt in den Dreck zieht. Nicht nur mit den großen Haudrauf-Aktionen, sondern mit permanenten Sticheleien. Wer an Griechenland denkt, soll sofort ein negatives Bild vor Augen haben, soll an Gier, Faulheit und Betrug denken.

Und wer an die griechische Regierung denkt, soll Angst um sein Geld haben. Immer und immer wieder nennt “Bild” sie die „Griechen-Raffkes“ oder „Raffke-Griechen“ oder „Radikalo-Griechen“ oder „Griechos Radikalos“ oder „Radikalos-Regierung“, Premier Tsipras ist der „Krawall-Grieche“ oder „Raffke-Minister“, aus Finanzminister Varoufakis wird Finanzminister „Varoutricksis“ oder „Griechenlands Radikalo-Naked-Bike-Rider“.

Das mit dem Naked Bike kommt von Béla Anda, dem Politik-Chef von “Bild”. Der wettert besonders eifrig gegen die “Radikalos-Regierung” und schreibt Dinge wie:

Wie lederbejackte Rüpel-Rocker röhren Griechenlands Neo-Premier und sein Posterboy-Finanzminister seit ihrem mit platten Parolen erzielten Wahlsieg durch Brüssel. Ihr Gesetz ist die Straße. Hier sind sie (politisch) groß geworden. Hier ist ihre Hood. Deren Unterstützung wollen die Kawa-Naked-Biker (zumindest Varoufakis hat eine) nicht verlieren.

“Naked Bike” ist übrigens einfach nur die Bezeichnung für ein Motorrad ohne Verkleidung. Das erwähnt Herr Anda nicht, aber es wäre ja auch zu schade um die schönen Assoziationen in den Köpfen der “Bild”-Leser. (Mehr zu Andas “Radikalos“-Geschreibsel können Sie nebenan bei Stefan Niggemeier lesen.)

Yanis Varoufakis, der Finanzminister und lederbejackte Radikalo-Rüpel-Raffke-Rocker-Naked-Bike-Rider-Posterboy ist ohnehin das beliebteste Ziel der „Bild“-Attacken. Dem Blatt scheint jedes Mittel recht und keine Masche zu blöd, um Varoufakis wie einen irren, gierigen, deutschenfeindlichen Unhold aussehen zu lassen. So zum Beispiel:

Der Teaser lautet:

Keine Krawatte, der Kragen seines Sakkos hochgestellt, Hände in den Hosentaschen: So zeigen die meisten Fotos Yianis Varoufakis. Der griechische Finanzminister war jahrelang als Wirtschaftsprofessor tätig und ist für seine provokanten Aussagen bekannt.

Mit einer drastischen Geste – dem gestreckten Mittelfinger – zeigte er in der Vergangenheit auf Deutschland! BILD erklärt, zu welchem Anlass.

Erst im Artikel liest man, dass die „drastische Geste“ gar nicht so gemeint war, wie Bild.de suggeriert. Dort steht nämlich, dass Varoufakis den Finger schon vor zwei Jahren gezeigt hat und dabei sagte:

„Griechenland hätte im Januar 2010 einfach ankündigen sollen, dass es seinen Verpflichtungen im Euro nicht nachkommen kann – wie Argentinien es getan hat – und Deutschland den Mittelfinger zeigen und sagen sollen ‘Jetzt könnt ihr das Problem allein lösen!’“

Das alles erfahren aber nur zahlende „Bild-Plus“-Leser. Für alle anderen bleiben nur Schlagzeile und Teaser und damit der Eindruck, Varoufakis habe “uns” vor Kurzem den Mittelfinger gezeigt.

So verwenden die „Bild“-Leute alles, was sie von oder über Varoufakis finden, gegen ihn. Selbst sein Schriftbild.

BILD befragte dazu die Graphologin Christiane Sarreiter.

„Die Unterschrift ist extravagant“, analysiert die Expertin. „Neben Dynamik und Euphorie stecken Pathos und Geltungsbedürfnis dahinter.“

Klar.

Auffallend seien die vielen Schnörkel. „Das wirkt sehr selbstgefällig“, erklärt Christiane Sarreiter. „Er gefällt sich anscheinend in seiner neuen Rolle als Finanzminister.“ (…)

Merkwürdig sei vor allem, dass der Schlusszug wieder scharf nach links zurückgehe. „Das wirkt, als würde er sich selbst wieder durchstreichen, als würde er unbewusst das zuerst Gesagte wieder zurücknehmen.“

Oha! Was könnte das nur bedeuten, „Bild“?

Vielleicht will Varoufakis damit ausdrücken, man müsse ihn nicht immer wörtlich nehmen, es sei nicht alles so ernst gemeint?

Oder vielleicht will er damit ausdrücken, dass er gerne nackt Motorrad fährt?

Die Handschrift der “Bild”-Zeitung verrät jedenfalls, dass sie es auf die Griechen abgesehen hat, und dass es ihr ernst damit ist. Und wenn sie fragt:

… hätten wir eine Antwort. Aber es ist keiner von den beiden.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Bild  

Männer die Macher, Frauen die Objekte – über Sexismus in “Bild”

Seit vier Monaten setzt sich die Kampagne “StopBildSexism” gegen Sexismus in der “Bild”-Zeitung ein und fordert in einer Online-Petition die Abschaffung des “Bild-Girls” und den Verzicht auf sexistische Berichterstattung (bisher wurde die Petition über 34.000 Mal unterzeichnet). In einem BILDblog-Gastbeitrag erklären die beiden Initiatorinnen — Kristina Lunz studiert in Oxford Global Governance and Diplomacy, Sophia Becker arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Bundestag im Bereich Außenpolitik –, warum sie die Kampagne gestartet haben und wogegen sie dort eigentlich kämpfen.

***

Das “Bild-Girl” ist ein wahres Politikum. Immer wieder werden wir gefragt, was denn eigentlich das Problem sei, da diese Frauen das doch alle freiwillig machen würden. In der Tat, alle “Bild-Girls” lassen freiwillig die Hüllen fallen, sie scheinen selbstbewusst und mit sich und den Fotos im Reinen. Ja, die “Bild”-Zeitung erfüllt ihnen sogar einen lang ersehnten Wunsch. “Ich lasse mich gerne fotografieren”, sagt zum Beispiel “Bild-Girl” Jessica, und “Bild-Girl” Alina verrät: “Es ist mein Traum, in den Playboy zu kommen.” Wieso können wir also nicht einfach den freien Willen dieser Frauen akzeptieren? Ist das der neue Feminismus, der anderen Frauen vorschreiben will, was sie zu tun und zu lassen haben? Was soll diese Prüderie? Was ist denn so schlimm an ein paar Brüsten in einer Boulevardzeitung? 

Das Problem mit dem “Bild-Girl” liegt im Kontext. Täglich blickt es uns lasziv von den Seiten einer Tageszeitung entgegen, die 2,1 Millionen Mal verkauft und von zirka fünfmal so vielen Menschen gelesen wird. Es räkelt sich neben Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport und suggeriert somit, dass es sich auch hier um die Abbildung der Realität handelt. Die Nachricht, die das “Bild-Girl” sendet, ist: Frauen sind immer verfügbar und ausschließlich für die männliche Bedürfnisbefriedigung da.

Das “Bild-Girl” ist jedoch bei weitem nicht das größte Problem. Es ist eigentlich nur die Spitze des Eisbergs, denn der Sexismus schlägt einem aus fast jedem Artikel über Frauen entgegen. Die weibliche Hälfte der Bevölkerung wird in “Bild” fast ausschließlich auf ihr Äußeres und ihre Sexualität reduziert. Frauen werden im Vergleich zu Männern als schwach, verwundbar und passiv dargestellt. Sie werden objektifiziert und sexualisiert. Artikel über Frauen zeigen sie entweder als Pendant zu einem Mann, berichten über ihren Körper und ihre Kleidung oder zeigen Frauen als Opfer. Dafür gibt es jeden Tag unzählige Beispiele.

Besonders pervers ist, wie “Bild” Fälle von Gewalt gegen Frauen benutzt, um den Voyeurismus und die Sensationslust der Boulevardpresse zu befriedigen. Unter dem Deckmantel des Journalismus und der Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen werden Geschichten wie die von Tuğçe A. oder Maria P. bis ins kleinste Detail, ohne Rücksicht auf ihre Privatsphäre, ausgeschlachtet. 

So berichtete “Bild” zum Beispiel empört über einen Spanner in einer Sonnenbank. Die Verurteilung des Täters nahm “Bild” als Anlass, selbst ein Foto abzudrucken, das die nackte Geschädigte zeigt. Ein weiteres Beispiel findet sich in der Berichterstattung zum Urteil des Bundesarbeitsgerichts, das die Kündigung eines Mannes für unzulässig erklärte, der einer Reinigungskraft in seinem Betrieb an die Brust gefasst hatte. “Bild” gibt sich empört über diesen Sexismus und druckt gleichzeitig als Aufmacher das Bild eines weiten Ausschnitts über den Artikel. 

BILDblog hat vor einigen Tagen aufgezeigt, wie “Bild” sich seit Monaten am Buch und Film “50 Shades of Grey” ergötzt. Diese Berichterstattung ist auch ein treffendes Beispiel für den Sexismus und Voyeurismus, der täglich im Blatt zu finden ist. Im Artikel „BILD zeigt den Busen, auf den die Welt wartet“ druckte “Bild” schon vor Kinostart, bevor Screenshots veröffentlicht werden durften, ein Oben-ohne-Foto von Dakota Johnson, der Hauptdarstellerin des Films. Das Foto entstand jedoch vermutlich ohne Einwilligung der Schauspielerin während ihres Urlaubs. “Bild” behandelt Frau Johnson damit, als sei ihr Körper ein öffentliches Gut, das jedem zugänglich gemacht werden darf.

Männer hingegen werden in “Bild” grundsätzlich anders dargestellt: ob als Sportler, Staatsmänner oder Wirtschaftsbosse — Männer bekommen eine Berichterstattung, die sie als vollständige Person wahrnimmt, als Mensch mit Charakter, Interessen und Ideen.

Der anderen Hälfte der Bevölkerung wird diese respektvolle Berichterstattung nicht zuteil, was beispielsweise sehr eindringlich in der Ausgabe vom 11. Februar deutlich wurde: Männer diskutieren über Politik, Frauen werden zum Lustobjekt.

Wenn Sie auf Bild.de gehen, werden Sie feststellen, dass die große Mehrheit an Artikeln über Frauen diese auf ihren Körper und ihre Sexualität reduziert und die nebenstehenden Abbildungen ebenfalls die Frau ausschließlich zum Objekt degradieren. Ein kleiner Auszug von Artikeln vom 18. Februar, die ebenfalls mit Fotos von Frauen werben, auf denen diese auf ihr Äußeres reduziert oder sexualisiert dargestellt werden:











Eine ähnliche Zusammenstellung von Bild.de-Artikeln über einen Zeitraum von vier Tagen hinweg, die Frauen thematisieren, machten wir Anfang Februar:

Man kann dieses kleine Experiment jeden Tag machen und wird immer wieder das gleiche, diskriminierende Muster entdecken: Männer die Macher, Frauen die Objekte. Besonders auffällig ist dies im Sportteil der “Bild”-Zeitung, der ebenfalls von Männern dominiert wird. Es ist nicht so, als gebe es in Deutschland nicht genügend erfolgreiche Sportlerinnen — die sportlichen Leistungen von Frauen werden in “Bild” einfach nicht ansatzweise so gewürdigt wie die sportlichen Leistungen von Männern. Wenn Frauen es dann mal in den Sportteil schaffen, dann beispielsweise nicht etwa, weil sie erfolgreiche Tennisspielerinnen, sondern eben die Freundinnen mit Modelmaßen von berühmten Fußballern sind.

Deutschlands einflussreichste Zeitung zeichnet also ein klares Bild und bietet kaum Plattformen, respektvoll über Frauen als eigenständige Persönlichkeiten zu berichten, da sie keine Daseinsberechtigung über die sexuelle Bedürfnisbefriedigung von Männern hinaus zu haben scheinen. So wird in den Millionen von Haushalten, in denen “Bild” gelesen wird, allen — auch Mädchen und Jungen von klein an — ein klares Rollenbild vermittelt und damit die gläserne Decke verstärkt.

Denn Forschung und Wissenschaft haben gezeigt, dass sexualisierte Darstellungen in den Medien auch Implikationen für das wahre Leben haben und beschreiben die Verbindungen zwischen Objektifizierung, Dehumanisierung und Gewalt. So beobachten Puvia und Vaes, dass wenn Frauen objektifiziert werden, sprich: auf ihren Körper reduziert und als Objekt dargestellt, dann werden ihnen von Männern sowie von Frauen menschliche Eigenschaften abgesprochen, sie werden also dehumanisiert. Die Forscher Rudman und Mescher fanden zudem heraus, dass Männer, die Frauen als Objekt — also dehumanisiert — betrachteten, eine größere Neigung zu Vergewaltigungen und sexueller Gewalt im Allgemeinen zeigen. Auch Dr. Linda Papadopolous, die Autorin des Berichts „Sexualisation of young people” des britischen Innenministeriums legt dar, wie die sexuelle Objektifizierung als eine von vielen Formen der Unterdrückung von Frauen zu weiteren Benachteiligungen wie Diskriminierung am Arbeitsplatz und sexueller Gewalt führt.

Massenmedien beeinflussen bewusst und unbewusst unsere Meinungen und Werte. Sie formen unsere Normalität und geben uns Verhaltensrichtlinien vor. Deshalb ist es so gefährlich, wenn Deutschlands einflussreichste Zeitung täglich Frauen diskriminiert, auf ihren Körper reduziert und ihren Wert an ihrer Sexualität misst. Dieser Blick auf Frauen wird — bewusst oder unbewusst — von Leserinnen und Lesern übernommen und in ihr tägliches Leben übertragen.

Angesichts der vielen Fälle von Gewalt gegen Frauen in Deutschland geht es hier weit über ein paar nackte Brüste in einer Boulevardzeitung hinaus. Laut einer Studie der Bundesregierung (PDF) werden knapp 60 Prozent der Mädchen und Frauen in Deutschland im Laufe ihres Lebens mindestens einmal sexuell belästigt, und etwa 40 Prozent haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren.

Frauen sind, genauso wie Männer, mehr als die Summe ihrer Körperteile und Sexualität. Sie leisten ebenso herausragende Dinge und ihre Taten verdienen es, beachtet zu werden. Wir, unsere Freundinnen, Schwestern und alle Frauen sind ebenso vielfältig, sportlich, top ausgebildet, stark und kreativ wie Männer. Frauen sind keine Vorlagen zur sexuellen Bedürfnisbefriedigung, so wie es die Kommentare von “Bild”-Lesern und -Leserinnen unter den “Bild-Girls” suggerieren:

Deshalb haben wir, die zehn Männer und Frauen hinter “StopBildSexism”, uns vor vier Monaten zusammengetan, um diese Form der Diskriminierung zu bekämpfen. Wir verlangen eine respektvolle Darstellung aller Menschen in Deutschlands einflussreichsten Medien und allen voran in “Bild”. Wir wollen mehr erfolgreiche Frauen und weniger Gewaltopfer sehen. Eigentlich ist unsere Forderung extrem simpel: Wir wollen, dass “Bild” über Frauen ebenso berichtet wie über Männer: über ihre Arbeit in Bereichen wie Sport, Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Alle Quoten dieser Welt werden uns nicht die Gleichberechtigung bringen, so lange Deutschlands einflussreichste Medien ein eindimensionales, schwaches und passives Bild von Frauen verbreiten.

Unsere Kritiker greifen selten zu echten Argumenten. Persönliche Angriffe („Ihr müsst wohl arg unzufrieden mit eurem Sexleben sein“, „Ihr seid nur neidisch und habt sicher kleine Brüste.”) paaren sich mit einer vermeintlich heroischen Verteidigung der Meinungsfreiheit („Ihr wollt die Zensur!“) und einem beängstigenden Fatalismus („Wenn es euch stört, kauft halt die Zeitung nicht.“ „Was regt ihr euch so auf, das Bild-Girl gab es doch schon so lange ich denken kann.“)

Davon werden wir uns sicher nicht abhalten lassen, denn „der gefährlichste Satz einer Sprache ist: ‚Das haben wir schon immer so gemacht.’” (Grace Hopper). Wir stellen den Status Quo in Frage und akzeptieren nicht, dass Sexismus eine Form von Diskriminierung ist, die in unserer Gesellschaft noch immer heruntergespielt und belächelt wird. “This has never been about being ‘offended’, but being affected by it”, wie die britische Abgeordnete Stella Creasy das “Page 3 Girl” in der “Sun” einmal kommentierte. Es geht um die Konsequenzen der oben beschriebenen Darstellung von Frauen in unseren Massenmedien, die uns am Ende alle betreffen.

Natürlich führt das Durchblättern einer “Bild”-Zeitung nicht unverzüglich zur Belästigung einer Frau. Wir werden jedoch täglich mit Hunderten solcher Bilder konfrontiert. Ob wir es wollen oder nicht, diese Darstellungen beeinflussen unsere Wahrnehmung und tragen dazu bei, dass Leistungen von Frauen in unserer Gesellschaft schneller belächelt werden, dass Sexismus als Witz abgetan werden kann und dass eine Fixierung auf das Aussehen von Frauen Normalität ist. Dies, verbunden mit der Degradierung und Objektifizierung, kann eben auch zu sexueller Belästigung und Gewalt beitragen.

Wir stellen nicht in Frage, dass Frauen sich freiwillig dazu entscheiden können, Nacktfotos aufzunehmen. Uns geht es auch nicht um die einzelnen “Bild-Girls”, um ihre Motivation oder Gründe. Alle Menschen können ihr Leben so gestalten, wie sie möchten, so lange sie damit nicht die Freiheit anderer einschränken. Das gehört zu den Grundlagen unserer Demokratie. Zu den Grundwerten unserer Demokratie gehört jedoch auch, das Menschen weder aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft, ihrer Religion, ihrer Sexualität noch aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden. Doch das findet jeden Tag in der “Bild”-Zeitung statt.

Spionage, Krieg der Welten, Beziehungsnetzwerke

1. “Journalisten als Staffage”
(weblogs.evangelisch.de, Frank Lübberding)
Wie sind die Leistungen von Tilo Jung in der Bundespressekonferenz zu beurteilen? Frank Lübberding schreibt: “Er war wirklich penetrant, vor allem wenn es um den Umgang der Bundesregierung mit den Thema ‘Folter in den USA’ ging. Im Berliner Alltag spielte das bald kein Rolle mehr. Dort geht es dann wieder um die Performance der Minister, wie sie im Berliner Hauptstadtdorf namens Mitte reüssieren. So sorgte Jung für die Irritation einer altehrwürdigen Institution, die keinen anderen Sinn mehr hat als den, nun einmal da zu sein.”

2. “In eigener Sache – Datenklau”
(taz.de)
“Die taz wurde wohl von einem Angestellten ausspioniert”, schreibt die “taz” in eigener Sache, liefert dazu eine Chronologie, leitet arbeitsrechtliche Schritte ein und stellt Strafanzeige. In einem Kommentar dazu schreibt Ines Pohl: “Tatsächlich haben wir es mit einer Spionageaffäre zu tun. Der Schock bei uns allen sitzt tief.”

3. “‘Befugtes Spionieren'”
(heise.de/tp, Markus Kompa)
Der Spionage verdächtigt wird zufolge mehrerer Quellen Sebastian Heiser, der kürzlich in seinem Blog aufgedeckt hatte, wie 2007 die Sonderseiten der “Süddeutschen Zeitung” entstanden. “Auch, wenn Heiser nun im Zwielicht steht, gilt für ihn die Unschuldsvermutung. In der Taz waren durchaus schon professionelle Spitzel unterwegs – darunter V-Leute aus dem Ministerium für Staatssicherheit und dem Verfassungsschutz. Und da Heiser auch brisante Themen behandelt und sich etliche Feinde gemacht hat, kann nicht per se ausgeschlossen werden, dass jemand ein illegales Auge auf die Redaktionsräume wirft oder ein Ei legt. So manche Abhöraffäre hatte in Wirklichkeit einen harmlosen Hintergrund.”

4. “Verschwörung, und: The War of the Worlds”
(lesenmitlinks.de, Jan Drees)
Gab es nach der Radio-Ausstrahlung von “Der Krieg der Welten” am 30. Oktober 1938 eine Massenpanik? “Besagte Panik hat es nie gegeben. Selbst jene die später eingeschaltet haben sind mitnichten auf die Straße geflohen. Es gab keine Selbstmordversuche, keine traumatisierten Hörer, die später mit Elektroschocks behandelt werden musste. Dennoch wird diesem genialen Hoax weiterhin geglaubt.”

5. “Die heikle Nähe von Leitmedien zur Elite”
(nzz.ch, Stephan Russ-Mohl)
Stephan Russ-Mohl liefert Hintergründe zu einer Auseinandersetzung zwischen den Medienwissenschaftlern Christoph Neuberger und Uwe Krüger (Kritik / Replik): “Einig sind sich Krüger und Neuberger im Blick auf ein Problem, das Journalisten selbst nur allzu gerne ignorieren: dass sie in Beziehungsnetzwerken leben und auch leben müssen, wenn sie mit Erfolgsaussichten recherchieren wollen. Und dass über solche Netzwerke Transparenz herzustellen wäre, wenn die Redaktionen sich nicht dem Verdacht der Mauschelei und der Hofberichterstattung aussetzen wollen. Das allerdings gälte dann auch für Medienforscher.”

6. “Über Fotografie, Kommunikation, dämliches Grinsen und den öffentlichen Raum”
(sixtus.net)
Mario Sixtus schreibt über das Fotografieren im öffentlichen Raum: “‘Frag doch vorher’ oder ‘frag doch hinterher’, lauten die beiden Standardratschläge, die einem unsichtbaren Fotografiedebattennaturgesetz folgend, immer wieder von irgendjemandem in den Raum geworfen werden. Sie sind beide nicht realisierbar.”

Live Action Media Bullshit

Heute unternehmen wir mal einen kleinen Ausflug in die englischsprachige Medienlandschaft. Dort haben einige Journalisten in den letzten Tagen nämlich fleißig über ein ungewöhnliches Bildungsprojekt aus Deutschland geschrieben — und eine fast schon “Focus Online”-würdige Recherchedoofheit an den Tag gelegt.

Zum Hintergrund: Anfang des Monats wurde in Wilhelmshaven ein ausgemustertes Kriegsschiff zu einem Raumschiff aus „Battlestar Galactica“ umdekoriert. Es diente dann mehrere Tage lang als Kulisse für ein Live-Rollenspiel (LARP), an dem über 80 Menschen teilnahmen.

Der große Unterschied zu “normalen” Live-Rollenspielen: Dieses Projekt — „Projekt Exodus“ — wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert, die damit unter anderem herausfinden wollte, wie gut sich LARPs für die Bildungsarbeit eignen.

In der Pressemitteilung (PDF) schreibt das Organisationsteam:

Inmitten der engen Räume des aufwändig umdekorierten Schiffes werden die Spieler eine von der Spielleitung grob vorgegebene Handlung erleben, die sie selbst mit ihren Reaktionen beeinflussen können. (…) Projekt Exodus greift Fragen über Sicherheit, Vertrauen und über Menschlichkeit in Zeiten großer Gefahr auf. Hinzu kommt der auch in der aktuellen Politik stark thematisierte Flüchtlingsaspekt. Auf dieser Grundlage werden die Spieler selbst die Probleme der Gesellschaft aus einem völlig neuen Blickwinkel erleben.

Die gleiche Mitteilung wurde auch auf Englisch (PDF) herausgegeben, damit sich auch Journalisten aus dem Ausland über das Projekt informieren konnten. Bloß: So richtig verstanden haben die es trotzdem nicht.

Das australische Portal news.com.au schreibt:

Basing the live-action role-play event on the popular science fiction television series is no vote-winning gimmick. (…) And the German government hopes locking up 80 of its aspirant diplomats, politicians and military leaders aboard a retired naval destroyer will teach them a lesson or two in something largely missing from modern international politics — ethics.

Und zack — werden auf dem Schiff deutsche Diplomaten, Politiker und militärische Führungskräfte ausgebildet.

Wie das Portal darauf kommt, bleibt zwar offen, für die Leute von Tor.com klang es aber offenbar auch so schon plausibel genug, jedenfalls übernahmen sie die Story ohne Bedenken:

Ebenso die “New York Daily News”:

Auch die Online-Version von “The Independent” schrieb die Falschmeldung ungeprüft ab und titelte:

Die Macher des Projekts wiesen die Medien zwar gleich auf den Fehler hin, korrigiert hat ihn bis heute aber niemand. Wissen wir immerhin: Andere Länder, gleiche Sitten.

Mit Dank an Dennis Z.

Süddeutsche Zeitung, Recht auf Vergessenwerden, Til Schweiger

1. “‘Süddeutsche Zeitung’ wehrt sich gegen ‘SZ-Leaks’: Berichterstattung keine ‘Schleichwerbung für Steuerhinterziehung'”
(newsroom.de, Bülend Ürük)
Wolfgang Krach, stv. Chefredakteur der “Süddeutschen Zeitung”, nimmt Stellung zur Arbeitsweise der Sonderthemen-Redaktion, wie sie Sebastian Heiser aufgedeckt hat: “Warum entstehen Beilagen, warum veröffentlichen wir Sonderseiten? Es ist wie bei jeder anderen Zeitung in Deutschland, die Anzeigenabteilung kommt auf die Redaktion zu und schlägt ein Thema vor. Was wir dann journalistisch daraus machen, welche Themen in diesen Beilagen gesetzt werden, das entscheidet die Redaktion.” Siehe dazu auch “Gute Frage” (heisersstimme.wordpress.com).

2. “Habe ich ‘über angebliche Verstöße nicht informiert’?”
(heisersstimme.wordpress.com)
Weiter sagt Wolfgang Krach, Sebastian Heiser habe die Ressortleitung nicht informiert “über angebliche Verstöße gegen journalistische Grundsätze”. Heiser belegt mit Tondokumenten das Gegenteil.

3. “Diekmann twittert Adresse von Herbert Grönemeyer”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann twittert ein Foto eines Schreibens des Landgerichts Köln, auf dem die Privatadresse von Herbert Grönemeyer zu lesen ist. Thomas Lückerath schreibt: “Seine Behauptung, wonach der Beschluss des Landgerichts ja öffentlich sei und sein Tweet demnach also nur schlechter Stil, nicht aber unlauter gewesen sei, ist irreführend: Die Adressen der beteiligten Parteien werden vor Herausgabe von Beschlüssen von den Gerichten geschwärzt. Nach der eigenwilligen Logik des Kai Diekmann wären bei einer juristischen Auseinandersetzung Prominente sonst zwangsläufig zum Umzug gezwungen.”

4. “Vergessene Debatte ums Recht auf Vergessen”
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler bemerkt, dass die Debatte um das Recht auf Vergessenwerden von den Medien kaum noch geführt wird: “Das Bedürfnis, die Privatsphäre zu schützen und sich den Augen des interessierten Publikums zu entziehen, ist jedenfalls riesig. Seit dem genannten Gerichtsurteil hat Google fast 218 000 Gesuche um die Löschung von Links zu 786 000 Webseiten erhalten.”

5. “‘Freiheit birgt auch Verantwortung'”
(taz.de, Cigdem Akyol)
Ein Interview mit Jana Sinram, der Autorin der Dissertation “Pressefreiheit oder Fremdenfeindlichkeit? Der Streit um die Mohammed-Karikaturen und die dänische Einwanderungspolitik”, die ohne den Abdruck der Mohammed-Karikaturen auskommt: “Ich habe lange darüber nachgedacht und mich letztlich dagegen entschieden. Jeder, der diese sehen will, kann sie problemlos im Netz finden. Die Karikaturen haben für so viel Hass auf beiden Seiten gesorgt, dass es schwierig ist, sie in einem wissenschaftlichen Buch neutral abzubilden.”

6. “Til Schweiger versus SPIEGEL ONLINE: ‘Irgendwelche Spackos'”
(spiegel.de, Christian Buß)
Christian Buß antwortet Til Schweiger, der auf Facebook fragt, wo die Qualität bleibe, wenn man versuche, “klicks dadurch zu generieren, indem man die gehässigsten twitter-kommentare von irgendwelchen internetnerds, die nix anderes zu tun haben, als zu lästern und zu haten”, publiziere.

“heute-show” verfälscht Interview

Die „heute-show“ im ZDF hat sich gestern mal wieder kritisch-satirisch mit der AfD befasst. Doch so lustig und entlarvend das an vielen Stellen auch war: An einem Punkt sind die Macher gehörig über die Stränge geschlagen.

Durch die verkürzte Wiedergabe eines Interviews wurde eine junge Frau in die rechte Ecke gestellt — dabei hat sie mit Rechtspopulisten und Rassisten nichts am Hut. Im Gegenteil: Marlena Schiewer ist jugendpolitische Sprecherin bei „Die Linke“ in Görlitz und engagiert sich gegen Rassismus und für Flüchtlinge.

In der Anmoderation (Sendung in der Mediathek, ab 23:35 Min. Update: Die Passage wurde inzwischen entfernt) sagt Moderator Oliver Welke:

Die Frage ist: Kann die Partei [AfD] nach ihren sensationellen Wahlerfolgen in der DDR auch im Westen Fuß fassen? Was man zugeben muss: Sie haben immer mehr Fans.

Dann kommt die Interviewsequenz:

Ich möchte nicht mehr die NPD wählen, weil die mir zu rechtsextrem ist, und deswegen wähle ich jetzt die AfD, weil die … also ich sage immer: Das ist die NPD in freundlich.

Großes Gelächter im Publikum, amüsiert-verblüffter Blick von Welke.

Wie allerdings im Originalbeitrag des ARD-Nachtmagazins zu sehen ist (ab 0:20 Min.), gab Schiewer tatsächlich nur die Meinung anderer Leute wieder, nicht ihre eigene. Ihre vollständige Aussage lautete:

Hier auf dem Dorf gibt’s ziemlich viele Leute, die rechter Meinung sind und die einfach sagen: Ich möchte nicht mehr die NPD wählen, weil die mir zu rechtsextrem ist, und deswegen wähle ich jetzt die AfD, weil die … also ich sage immer: Das ist die NPD in freundlich.

Auf Facebook schreibt sie heute:

Wer die gestrige ZDF heute-show gesehen hat, konnte mich in einem Beitrag zur AfD sehen. Die Macher der Show erweckten den Eindruck, ich würde jetzt AfD wählen und hätte früher NPD gewählt. Dies ist eine Frechheit und widerspricht meinem bisherigen politischen Engagement für Flüchtlinge und gegen Rassismus. (…) Bitte helft mir, allen Menschen und zuerst der ZDF heute-show zu zeigen, so geht das nicht! Das schadet nicht nur mir persönlich, sondern auch dem Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen.

Mit Dank an Erwin Z.

Siehe auch: Heute-Show fälscht erneut (fernsehkritik.tv)

Nachtrag, 20.30 Uhr: Die “heute-show” hat sich bei Facebook zu Wort gemeldet:

Liebe Fans der heute-show: Bei der Verwendung des Statements von Marlena Schiewer ist uns offensichtlich ein Fehler unterlaufen, für den wir uns entschuldigen. Wir werden prüfen, wie es dazu kommen konnte und die Sache richtigstellen.

Nachtrag, 8. Februar: Oliver Welke hat sich auf Facebook für den Fehler entschuldigt:

Liebe heute-show Zuschauer,

in sechs Jahren heute-show haben wir ganz bestimmt nicht alles richtig gemacht. Aber der Fehler, der uns als Redaktion letzte Woche unterlaufen ist, ist mir tatsächlich richtig peinlich. Dass ausgerechnet wir einen TV Clip so geschnitten zeigen, dass er eine junge Frau als Rechtsextreme erscheinen lässt, die sich seit Jahren gegen Rassismus engagiert, hätte nie passieren dürfen. Noch peinlicher ist nur, dass wir erst durch den Facebook Eintrag der betroffenen Frau auf unseren groben Fehler aufmerksam gemacht wurden. Die heute-show vom 6.2. war so gesehen ein echter Schock für Marlena Schiewer und nebenbei noch Wasser auf die Mühlen der Menschen, die ohnehin davon überzeugt sind, dass die Medien notorisch lügen und manipulieren. Wir klären jetzt im Detail, wie genau das von uns “verbockt” wurde. Zum Hintergrund: Für die heute-show wird von unseren Sichtern alles was im Fernsehen im weitesten Sinne mit Politik zu tun hat (Nachrichten, Talkshows, Bundestagsdebatten) ausgewertet und in Clips für die Sendung verwandelt. Wenn jemand in einem so gefundenen Ausschnitt gar nicht seine Meinung sagt, sondern andere zitiert, wird das normalerweise explizit dazu geschrieben. Genau das ist aber in diesem Fall nicht passiert. Dafür habe ich mich bereits bei Marlena Schiewer persönlich entschuldigt, und wir werden den vollständigen Ausschnitt selbstverständlich in der nächsten heute-show zeigen. Denn dieser Ausschnitt hätte auch schon in der Sendung vom letzten Freitag in der ungekürzten Originalfassung hervorragend und, was das Wichtigste ist, im Sinne von Frau Schiewer funktioniert. Logischerweise werden wir jetzt sämtliche Abläufe bei uns so ändern, dass sich Vergleichbares nicht wiederholen kann. Es gibt in Deutschland zur Zeit genug echte Rechte die in Kameras sprechen, da muss man weiß Gott keine Linke zur Rechten machen. Auch nicht, wie in diesem Fall, aus Versehen. In diesem Sinne von mir noch mal eine aufrichtige Entschuldigung im Namen des ganzen Teams (…).

Nachtrag, 8. Februar: … und Marlena Schiewer hat die Entschuldigung angenommen.

Kuratieren, Nutzerdaten, Wolfgang Blau

1. “Wie das ‘Kuratieren’ den Journalismus verändert”
(wolfgangmichal.de)
Unter dem Deckmantel des Kuratierens finde in den Medien “eine Re-Feudalisierung hierarchischer Strukturen statt”, schreibt Wolfgang Michal: “Begünstigt wird der Entmachtungs-Prozess der Redaktionen noch durch die phlegmatische Haltung der Redaktionen selbst, die ihre ureigensten Aufgaben nicht mehr erfüllen und die aktive Autorenpflege bzw. das Auswählen und Ausprobieren neuer Autoren vernachlässigen. Zug um Zug lassen sich die Redaktionen Entscheidungs-Kompetenzen abnehmen, bis ihnen am Ende der Status einer besseren (Text-)Putzkraft bleibt oder sie – im besten Falle – in festangestellte Autorenpools umgewandelt werden.”

2. “Erst checken, dann posten – Hoax und Hetze im Netz”
(blogs.stern.de/tugendlustig, Sonja Vukovic)
Sonja Vukovic gibt “ein paar Infos, Tipps und Links, wie man Falschmeldungen und Propaganda entlarven und seinen Teil dazu beitragen kann, dass Hass und Lüge nicht weiter verbreitet werden.”

3. “Branded Content – angebrannter Inhalt”
(persoenlich.com, René Zeyer)
René Zeyer schreibt über die Unabhängigkeit der Medien von der Werbung: “Wer wie ich das eine oder andere kritische Wort über Finanzdienstleister wagt, erlebt häufig, welcher Gehirnschmalz darauf verwendet wird, eine Begründung zu erfinden, wieso dieser zwar gut geschriebene und überzeugend recherchierte Artikel nun leider doch nicht zur Veröffentlichung geeignet ist. Ich könnte da Namen und Beispiele nennen, aber ich will mir ja nicht meine letzten Plattformen selber abfackeln.”

4. “‘Guardian’-Digitalchef: ‘Können ohne Paywall höhere Erlöse erzielen'”
(derstandard.at, Oliver Mark)
Ein Interview mit Wolfgang Blau, Digitalchef beim “Guardian”: “Für viele Verleger gibt es in der digitalen Welt einfach nichts zu gewinnen, und wir sollten ihnen nicht so rasch Verschlafenheit vorwerfen. Ihre Strategie, das alte Printgeschäft so lange zu beschützen wie möglich und ihre digitalen Aktivitäten nur als markenpflegende Begleitmusik für Print zu betreiben, ist plausibel und legitim. Verlage sind keine Stiftungen, und die meisten Tageszeitungen haben nun einmal keine plausible digitale Zukunft, sondern nur eine mittelfristige Zukunft als Printmedien, und danach ist es leider vorbei.”

5. “Reduziert auf Brüste”
(sueddeutsche.de, Kathleen Hildebrand)
Kristina Lunz, Initiatorin der Kampagne “Schluss mit dem Bild-Sexismus”, die “Respekt und Wertschätzung in der Berichterstattung von BILD und BILD.de sowie die Abschaffung des BILD-Girls” fordert, findet halbnackte Männer auf der Seite 3 von Boulevardzeitungen keine gute Lösung: “Die Abwertung von Männern wäre dafür der komplett falsche Weg. Wir brauchen stattdessen eine Aufwertung von Frauen in Deutschlands einflussreichsten Medien.”

6. “Wer lässt die meisten Daten sammeln? Eine Top 22 der vertracktesten Websites”
(dasfilter.com, Ji-Hun Kim)
Für wie externe Services und Drittanbieter werden Nutzerdaten gesammelt? 22 subjektiv ausgewählte Websites im Vergleich.

Warum wir gegen die “Bild”-Zeitung kämpfen

Wir sind zurück!

Dank Ihnen.

Vor gut fünf Wochen haben wir an dieser Stelle um Spenden gebeten, weil wir die Finanzierung des Blogs nicht mehr aus eigener Kraft hätten stemmen können. Die Resonanz hat uns überwältigt: Hunderte von Ihnen sind dem Aufruf gefolgt und haben uns mit Spenden, Hinweisen und Kontakten versorgt, und inzwischen haben wir genug Geld beisammen, um den Blogbetrieb für dieses Jahr zu finanzieren.

Wir freuen uns sehr darüber und bedanken uns für die wunderbare Unterstützung. Wir werden verantwortungsvoll damit umgehen.

In der Zwischenzeit ist natürlich viel passiert in den Medien. Ein bisschen was davon wollen wir uns in den nächsten Tagen noch etwas näher anschauen. Heute konzentrieren wir uns aber erstmal auf die “Bild”-Zeitung, weil es da erstens noch einiges nachzuholen gibt, und zweitens, weil wir tatsächlich immer wieder gefragt werden, warum wir die “Bild”-Zeitung immer noch so schlimm finden. Warum? Nun, weil …

1. Weil sie Profit aus dem Leid von Menschen schlägt

… und die Opfer von Unfällen und Verbrechen ein zweites Mal zu Opfern macht.

Aktuelles Beispiel: Vor Kurzem soll ein Mann in Darmstadt seine 19-jährige Tochter getötet haben. Bild.de berichtete am Samstag so über den Fall:

(Namens-Unkenntlichmachung von uns.)

Eine Quelle für das Foto des Opfers ist nicht angegeben. In der Print-Version steht nur: „privat“. Wahrscheinlich hat „Bild“ es sich, wie so oft, einfach im Facebook-Profil des Opfers besorgt. Und es ist nicht davon auszugehen, dass die Eltern des Mädchens um Erlaubnis gebeten wurden – sie sitzen beide seit Tagen in U-Haft.

Immerhin, könnte man sagen, hat Bild.de das Gesicht des Mädchens auf der Startseite unkenntlich gemacht. Dahinter stecken jedoch keine ethischen oder journalistischen oder persönlichkeitsrechtlichen Gründe — sondern wirtschaftliche. Es soll die Leser zum Abschluss eines „Bild-Plus“-Abos anregen. Hinter der Paywall ist die Unkenntlichmachung dann verschwunden. Nur wer zahlt, darf das Opfer in aller Ausführlichkeit beglotzen.

***

2. Weil sie schon wieder gegen die Griechen hetzt.

… und es dabei auf die Allerärmsten abgesehen hat:

Die Autoren behaupten, die Wahlversprechen des neuen griechischen Ministerpräsidenten könnten nur auf „unsere“ Kosten umgesetzt werden, und rechnen empört vor, wie viel das sein wird:

„Die“ gegen „uns“. Faules Pack gegen fleißige Steuerzahler. Schwarzweißschreiberei ohne Platz für Grautöne, aber die interessieren bei „Bild“ ja auch niemanden. Wie sehr das Blatt die Wahrheit dabei tatsächlich entstellt, hat sich Thomas Otto vom Deutschlandfunk in diesem lesenswerten Blogpost näher angeschaut. Er schreibt zum Beispiel:

Minutiös listet das Blatt die Wahlversprechen von Alexis Tsipras auf und erweckt den Eindruck, als würden die Griechen in Saus und Braus leben – und das auf Kosten des deutschen Steuerzahlers. Vor lauter Galle, die die Autoren beim Schreiben gespuckt haben müssen, haben sie allerdings einige Fakten verdreht. Das beginnt schon bei der genannten Summe von 20 Milliarden Euro. Laut “Bild” hätten “Experten” diese Summe errechnet. Welche, das verraten die Autoren nicht. Und das könnte einen einfachen Grund haben:

Addiert man die einzelnen Posten des Wahlprogramms von Tsipras’ Syriza-Partei, so kommt man auf 11,382 Mrd. Euro – großzügig gerundet 12 Mrd. Euro. Genau diese Zahl ist auch den Autoren nicht ganz unbekannt. Eine Nachfrage beim Kieler Institut für Wirtschaftsforschung, das für die zweite genannte Zahl als Quelle angegeben wird, ergibt: Ein “Bild”-Redakteur hatte sich dort gemeldet und eine Anfrage gestellt: Wie groß wäre die Summe von 12 Mrd. Euro umgerechnet auf die Bundesrepublik? “Bild” kannte also die tatsächlich von Syriza geschätzten Kosten. Wohlwollend könnte man hier noch von einem (wiederholten) Tippfehler ausgehen – oder davon, dass 20 einfach viel besser klingt als zwölf…

Auch viele andere vermeintliche Tatsachen geben die „Bild“-Autoren auf ihrem krawalligen Feldzug kurzerhand falsch oder verzerrt wieder. Thomas Otto schreibt:

“Bild” pickt sich die Rosinen heraus, die in ihre politische Agenda passen und ignoriert die Fakten, die dem entgegenstehen. Ganz nach dem Motto “Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt”. Das entlarvt einmal mehr, dass für “Bild” nicht die Information, sondern die Empörung im Mittelpunkt ihrer “Arbeit” steht. Aber warum sollte man seine Leser auch mit störenden Fakten ablenken, wenn die sich gerade so schön aufregen.

***

3. Weil sich ihr Chefredakteur auch noch einen großen Spaß daraus macht.

***

4. Weil sie die Fakten verdreht, wie es ihr gerade passt.

Nicht nur, wenn es gegen die Griechen geht, sondern genauso bei Hartz-IV-Empfängern, Muslimen, Roma, der EU, der Linkspartei und den Rundfunkgebühren, um nur mal die Klassiker zu nennen. Gut zu beobachten beispielsweise in der vorletzten Ausgabe der „Bild am Sonntag“. Kategorie: Die Bekloppten von der EU schon wieder!

Normalerweise ist dafür „Bild“-Chefkorrespondent Dirk Hoeren zuständig, aber weil der ja vergangene Woche schon woanders rumhetzte, durfte diesmal „Bams“-Kollege Nils Mertens ran, der bis dato eher durch sein Talent im Ausschlachten tragischer Einzelschicksale aufgefallen war. Jetzt also die EU.

Diesmal geht es um eine Norm namens EN 13814, die 2004 erarbeitet wurde und grundsätzlich alle „Fliegenden Bauten“ betrifft, also Karussells, Achterbahnen und so weiter. Sie soll seit dem 1. Januar 2015 für einheitliche Sicherheitsstandards in Europa sorgen, stößt bei deutschen Schaustellern aber auf wenig Begeisterung, weil viele ihre Fahrgeschäfte aufwendig umrüsten mussten. Vor allem ärgert sie, dass es keinen Bestandsschutz mehr gibt, also auch bestehende Karussells, die jahrelang als sicher galten, plötzlich umgebaut werden müssen.

So viel zum Hintergrund. Jetzt zum „Bams“-Artikel. Zum Einstieg dichtet Mertens:

Wenn du glaubst, du hast es schwer, kommt die EU daher – und dann wird’s richtig mühsam. Mit ihren Richtlinien hat es die Europäische Union bisher noch immer geschafft, die Bürger ihrer 28 Mitgliedstaaten in den Wahnsinn zu treiben. Man denke nur an die verbindlich vorgeschriebene Krümmung von Bananen.

Hach ja, die Bananen-Verordnung. Die frei erfundene Bananen-Verordnung, wie man ergänzen muss, denn eine „verbindlich vorgeschriebene Krümmung von Bananen“ hat es in Wirklichkeit nie gegeben. Ja, es gab da mal diese Gurken-Verordnung, aber auch die ist seit einigen Jahren Geschichte, und auch die gerne zitierte „EU-Verordnung zum Import von Karamellbonbons“ ist Blödsinn. Aber zurück zur „Bams“ und den Karussells. Mertens schreibt:

Jetzt hat’s die deutschen Schausteller erwischt (…). Die EU-Verordnung DIN EN 13814 regelt seit 2004 die Sicherheit von „Fliegenden Bauten und Anlagen für Veranstaltungsplätze und Vergnügungsparks“.

Das heißt unter anderem: Ein Karussell mit 20 Sitzen durfte bisher maximal 1500 Kilo Menschenmasse rumschleudern, pro Fahrgast also 75 Kilo. Bei zehn 90-Kilo-Schwergewichten hätte der Rest also Modelmaße haben müssen. Dass dem nicht so ist, blieb auch den EU-Beamten nicht verborgen.

Jeder zweite Europäer ist laut OECD zu dick. Diese neue Fettleibigkeit wird nun zur Last der Karussellbetreiber. Deren Geräte sollen künftig im Schnitt 100 Kilo [statt 75 Kilo] tragen.

Dann noch ein armer, von der EU-Willkür gebeutelter Karussellbetreiber, der über die neuen Regelungen nur noch „stöhnt wie ein 200-Pfünder beim Treppensteigen“ (höhö) — und fertig ist der EU-Aufreger:

Fragt man Leute vom Fach, stellt sich die Sache allerdings ein bisschen anders dar.

Alles Unsinn.

… sagte der damalige Leiter der Abteilung „Fliegende Bauten“ beim TÜV Süd schon vor zwei Jahren zu dem Gerücht, die neuen Regelungen habe was mit der zunehmenden Fettleibigkeit zu tun.

Auch mit der neuen Norm gehen wir noch von einem mittleren Körpergewicht von 75 Kilo aus. So wird die Dynamik des gesamten Fahrgeschäfts berechnet. Aber früher mussten auch Einzelteile, wie etwa der Sicherheitsbügel bei der Achterbahn, nur für 75 Kilo ausreichen und dort ist die Vorschrift jetzt 100 Kilo.

Das habe aber nichts mit dicker werdenden Menschen zu tun, sondern einfach damit, dass sich „bei der Technik viel getan“ habe. Aber mal ganz abgesehen von der Motivation, die hinter den neuen Regelungen steckt: Es gibt noch einen weiteren Aspekt, den der „Bams“-Autor – aus gutem Grund – nicht erwähnt. Die „EU-Verordnung“, von der er spricht, ist in Wahrheit eine „EU-Norm“ — und vor allem: für die Mitgliedsstaaten freiwillig.

Die Europäische Kommission erklärt auf ihrer Internetseite:

Fakt: Grundsätzlich ist es Sache der EU Mitgliedsstaaten technische Vorschriften zu erlassen, die die Sicherheit von Karussells und anderen fliegenden Bauten betreffen. Dazu kann eine bestehende Norm von den zuständigen Behörden ganz oder teilweise für verbindlich erklärt werden. Dies liegt jedoch im Ermessen der Mitgliedsstaaten – also Deutschlands.

In der jetzt kritisierten Norm EN 13814 hat das Europäische Komitee für Normung (CEN) einheitliche Sicherheitsstandards für Karussells und andere fliegende Bauten für Jahrmärkte und Vergnügungsparks festgelegt. (…) Die Norm an sich ist jedoch freiwillig.

Hinzu kommt: Dass es in Deutschland keinen Bestandsschutz gibt — darüber ärgern sich die Schausteller ja besonders –, war keine Entscheidung der EU (in der EU-Norm ist eine solche Klausel enthalten), sondern wurde von den deutschen Behörden so festgelegt. Womöglich wäre es also sinnvoller, erstmal bei denen anzusetzen, statt gleich wild auf die EU einzuprügeln. Zumindest, wenn man an einer vernünftigen Auseinandersetzung mit der (sicherlich streitbaren) Norm oder der (zweifelsohne wahnwitzigen) EU-Bürokratie interessiert ist. Also im Gegensatz zu den Leuten von „Bild“.

Wir sind gespannt, wie lange es dauert, bis es bei denen heißt:

Mit ihren Richtlinien hat es die Europäische Union bisher noch immer geschafft, die Bürger ihrer 28 Mitgliedstaaten in den Wahnsinn zu treiben. Man denke nur an die Gaga-Verordnung für Dicke in Karussells.

Mit Dank an Jan R.!

***

5. Weil sie auf die Privatsphäre prominenter Menschen pfeift.

Als Heidi Klum Ende Dezember von einem Fotografen halbnackt am Strand erwischt wurde, druckte „Bild“ die Fotos groß auf der Titelseite …

Als Uli Hoeneß am Neujahrstag Haft-Urlaub hatte und von einem Fotografen beim Wald-Spaziergang mit seiner Frau erwischt wurde, druckte „Bild“ das Foto groß auf der Titelseite …

Als die Frau von Bushido nach einem Ehekrach einkaufen war und von einem Fotografen erwischt wurde, druckte „Bild“ das Foto groß auf der Titelseite …

All diese Fotos wurden offenbar heimlich und aus einiger Entfernung aufgenommen. Wir vermuten also, dass sie ohne Einverständnis der Abgebildeten gemacht und veröffentlicht wurden. Zumindest im Fall von Herbert Grönemeyer sind wir uns sogar ziemlich sicher: Als der Sänger neulich mit einem Kameramann und einem Fotografen aneinandergeriet, zeigte Bild.de das Video der Rangelei groß auf der Startseite — und musste es später wieder runternehmen, weil der Sänger eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte. Grönemeyer will sich auch weiterhin wehren und verlangt nun eine Gegendarstellung von der „Bild am Sonntag“. (Genaueres zu dem Fall hat Hans Leyendecker von der „Süddeutschen Zeitung“ hier und hier aufgeschrieben.)

Nun ist es eine Sache, wenn Prominente behelligt werden. Die kennen sich aus im Geschäft, haben in der Regel Medienanwälte und die nötigen Mittel, um sich gegen die medialen Attacken zu wehren. Und nicht zuletzt stehen sie, meistens jedenfalls, freiwillig in der Öffentlichkeit.

Etwas anderes ist es aber, wenn sich die „Bild“-Zeitung auf Menschen stürzt, auf die all das nicht zutrifft.

***

6. Weil sie auf die Privatsphäre nicht-prominenter Menschen pfeift.

… und Schicksale über Wochen hinweg gnadenlos ausschlachtet.

Wir haben das neulich am Fall einer jungen Mutter aufgezeigt, über deren Leben und Tod „Bild“ tagelang sensationslüstern berichtet hatte: Blutige Details, unverpixelte Facebook-Fotos, private Informationen, das volle Programm.

Ähnlich, aber noch heftiger, ging es bei der Berichterstattung über eine Studentin zu, die gestorben war, nachdem sie vermutlich versucht hatte, einen Streit zu schlichten: Über 50 Artikel veröffentlichten die „Bild“-Medien allein in den ersten Tagen nach dem Vorfall, mit unzähligen Fotos des Opfers, des mutmaßlichen Täters und der trauernden Hinterbliebenen; später schaltete sich sogar die Staatsanwaltschaft ein, weil „Bild“ ein Beweismittel — das Überwachungs-Video vom Tatort — ohne Genehmigung veröffentlicht hatte.

Solche Artikelserien — „So grausam starb die junge Frau“, „Hier wird sie beerdigt“, „So trauert das Netz“ — gibt es ständig; die “Bild”-Medien bringen sie reflexartig nach fast jedem brutalen Verbrechen, und am eifrigsten sind sie, wenn das Opfer weiblich und hübsch war.

Auch in den letzten Tagen gab es wieder eine solche Serie, diesmal zum Mord an einer schwangeren Frau, die in einem Berliner Waldstück lebendig verbrannt wurde — ein gefundenes Fressen für die Geier von “Bild”:















Bisweilen saßen sechs (!) „Bild“-Autoren gleichzeitig an dem Fall und haben ganze Arbeit geleistet: Das Blatt präsentiert unverpixelte Fotos des Opfers, unverpixelte Fotos der mutmaßlichen Täter, Fotos vom Abtransport der Leiche, Fotos vom Tatort, Fotos von der Festnahme, Fotos von der Schule des Opfers, Fotos von Trauernden, Informationen aus dem Privatleben des Opfers, Informationen aus dem Privatleben der mutmaßlichen Täter. Und, klar, jede Menge grausame Details und Spekulationen zu den Hintergründen der Tat.

Selbstverständlich auch in gedruckter Form:


(Alle Unkenntlichmachungen von uns.)

Und es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis sich die “Bild”-Medien das nächste Opfer vorknöpfen. Eine potenzielle Kandidatin (s. Punkt 1) haben sie auf jeden Fall schon gefunden.

***

7. Weil ihre Mitarbeiter solche Dinge von sich geben:

***

8. Weil sie kein Problem mit Schleichwerbung hat.

Einfaches Beispiel:

Sieht zwar aus wie ein normaler, redaktioneller Service-Artikel, ist aber von vorne bis hinten Werbung — für das kostenpflichtige Abnehmprogramm von Schauspielerin Ursula Karven.

Wir wollen Ihnen die PR-Hymnen ersparen. Schauen Sie sich nur mal diese Infobox an:

Ja, ganz schön toll das alles, vor allem für Frau Karven. Und am nächsten Tag ging’s sogar weiter:

Und am übernächsten Tag auch:

Bei Bild.de gibt’s außerdem noch eine Reihe von Videos mit Frau Karven, die sind aber kostenpflichtig. Verdienen wenigstens alle was daran.

***

9. Weil sie unglaublich scheinheilig ist.

Wir haben uns ja schon vor der Winterpause darüber aufgeregt, dass sich „Bild“-Zeitung plötzlich als die große „Pegida“-Bekämpferin inszenierte, ausgerechnet sie, die in den Wochen und Jahren davor mit ihren Lügengeschichten immer wieder Ressentiments gegen Ausländer und Muslime geschürt hatte.

Als vor zwei Wochen dann diese Titelstory erschien …


… waren wir schon kurz davor, unseren Winterschlaf zu unterbrechen, aber zum Glück war Lalon Sander zur Stelle und brachte es bei taz.de genau auf den Punkt:

„Bild“ will Pegida entlarven – und entlarvt vor allem sich selbst. Sie erkennt endlich, was andere schon wussten: dass sie eine rassistische Zeitung ist.

***

Wir könnten noch Dutzende andere Gründe auflisten — die Homophobie der „Bild“-Zeitung, ihren Sexismus, Paul Ronzheimer — und es werden mit Sicherheit noch viele neue dazukommen.

Gut, mit ein bisschen Glück erledigt sich die Sache ja bald von selbst. Bis dahin werden wir aber die Stellung halten. Und sind dankbar, dabei Leser wie Sie an unserer Seite zu haben.

Vom Untergang des Abendlandes kann “Bild” ein Liedchen singen

Wenn die “Pegida”-Bewegung heute wieder Zuwachs bekommt, dann liegt das mit Sicherheit auch an Schlagzeilen wie dieser:

Das berichtet die “Bild”-Zeitung heute — in der Print-Version unter der Dachzeile: “Politiker fordern”.

Im Text heißt es:

Es soll eine Geste des Friedens, ein Zeichen der Verständigung sein: Christen sollen in den Gottesdiensten an Heiligabend auch ein muslimisches Lied singen!

Das regen Politiker und der Zentralrat der Muslime in Deutschland an.

„Es wäre ein tolles Zeichen des friedlichen Zusammenlebens der Religionen, wenn in der Kirche ein islamisches Lied gesungen würde und in der Moschee ein Weihnachtslied“, sagte der Grünen-Menschenrechtsexperte Omid Nouripour (39) zu BILD. (…)

Der baden-württembergische SPD-Abgeordnete Thomas Funk (52) erklärte: „Wir brauchen Verständnis, Achtung und Toleranz.“ Er fände es gut, wenn sich das „mit einem Lied befördern lässt“.

Welche muslimischen Lieder kommen infrage?

Der Chef des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek (45), macht einen Vorschlag: Tala’a al-badru alayna („Heller Mondschein leuchtet“) des Sängers Yusuf Islam (66, hieß vor der Konvertierung Cat Stevens). „Das wäre ein wunderbares Zeichen des Friedens und der Anteilnahme“, sagte Mazyek zu BILD.

Frieden und Anteilnahme waren unter den „Bild“-Lesern allerdings weniger zu spüren, sondern vor allem: Wut.

Bei Facebook schreien sie:

wir sind doch hier in deutschland oder?! wir sollten unsere kultur schützen und uns nicht in unserem eigenen land an andere anpassen! (60 Likes)

Ich glaube es hackt wenn die Muslime unsere Lieder singen, können wir weiterreden! (394 Likes)

Wie sagte ein Herr Sarazin noch…..
DEUTSCHLAND SCHAFFT SICH AB. (308 Likes)

Ich geh nachher lieber deutsche Lieder mit der PEGIDA singen (354 Likes)

Banane in der Birnen? Wird ja immer schlimmer. Geht doch mal gucken ob sie demnächst in der Moschee auch Schweineschnitzel und Glühwein verteilen als Zeichen eines GEMEINSAMEN Zusammenlebens. Lach (115 Likes)

Auch in anderen sozialen Netzwerken und in den Kommentarspalten der Islamhasserblogs brach ein (erneuter) Sturm der Empörung los.

Geht’s noch? Sollen wir den °Nicht-Christen° jetzt noch den Arsch lecken? Toll! Eher sterbe ich, als musl. Lieder zu singen!

WIE BESCHEUERT UND VERRÄTERISCH GEBEN SICH DIESE ISLAM-ARSCHKRIECHER NOCH BEI DER ABSCHAFFUNG UNSERER KULTUR UND UNSERER WERTE?!

Diese Anbiederung kann man nur noch widerlich nennen. Eine Bankrotterklärung ersten Ranges.
Bin glücklicherweise aus diesem Jesus-Verein ausgetreten.
Warum wird nicht auch das Horst-Wessel-Lied gesungen, oder “Hohe Nacht der klaren Sterne, die wie helle Brücken stehen…”?
Da ist doch auch von Brücken die Rede, die zur “Versöhnung” gebaut werden sollen.

Auf der Facebookseite des Grünen-Politikers Omid Nouripour stehen inzwischen Kommentare wie …




Auch Wolfgang Bosbach (CDU) hat sich schon zu Wort gemeldet — via “Focus Online”:

„Weihnachten ist kein Hochamt für Multikulti, sondern ein christliches Fest, bei dem traditionell nur christliche Weihnachtslieder gesungen werden. Dabei soll es bleiben“, sagte Wolfgang Bosbach am Montag zu FOCUS Online. „Mir ist auch nicht bekannt, dass in irgendeiner Moschee ,Stille Nacht, heilige Nacht‘ gesungen wird oder es entsprechende Pläne gibt“, fuhr der Innenpolitik-Experte der Union fort. „Bevor Herr Nouripour vorschlägt, dass der Muezzin zur Christmette ruft, hoffe ich sehr, dass es beim christlichen Glockenläuten bleibt.“

Und man kann ihnen (Bosbach ausgenommen) die Verunsicherung nicht mal richtig übelnehmen, schließlich erweckt die „Bild“-Zeitung den Eindruck, als sei diese Idee — diese „Forderung“ — auf Nouripours Mist gewachsen und als gebe es schon konkrete Pläne für die Umsetzung. Auch andere Medien, etwa “Spiegel Online” oder FAZ.net schreiben (bei “Bild” ab), diese “Forderung” sei von Nouripour “in die Debatte eingebracht” worden.

Die Wahrheit sieht aber ganz anders aus. Tatsächlich stammt die Idee nämlich von „Bild“.

Omid Nouripour erklärte uns das Zustandekommen des Artikels heute so: Am vergangenen Dienstag habe ihn “Bild”-Autorin Karina Mößbauer (die den Artikel zusammen mit Ralf Schuler geschrieben hat) angerufen und sinngemäß gesagt:

Wir bringen zu Weihnachten ja immer gute Nachrichten. Und da haben wir uns gefragt, ob es nicht eine schöne Idee wäre, wenn in christlichen Weihnachtsgottesdiensten muslimische Lieder gesungen würden.

Daraufhin habe er geantwortet: Nein, das sei keine gute Idee. Wenn, dann sollte es eine Art Tausch geben: Muslimische Lieder in der Kirche, christliche Lieder in der Moschee. „Tolle Idee!“, habe die „Bild“-Autorin geantwortet.

Ja, toll. Denn so musste sie nur noch ein, zwei andere passende Zitate einsammeln — und fertig war die Schlagzeile. Vermutlich stand sie sogar vorher schon fest, und die “Bild”-Autoren haben nur so lange rumtelefoniert, bis sie prominente Stimmen gefunden hatten, die dazu passten.

Die Rechnung ist jedenfalls aufgegangen: Der Artikel gehört zu den Meistgelesenen auf Bild.de, wurde bei Facebook tausendfach geteilt.

Und die “Pegida”-Leute haben ein Scheinargument mehr für ihre Demonstrationen.

Auf seiner Facebookseite schreibt Omid Nouripour heute:

Der Vorschlag, wie er da steht, ist von der BILD-Zeitung – einem Politiker muslimischen Glaubens in den Mund gelegt. Mein Vorschlag war der eines Austauschs. Es würde auch vielen deutschen Moscheen gut zu Gesicht stehen, wenn dort die Weihnachtszeit besinnlich begangen werden würde.

So manche Reaktionen auf meiner Facebook-Seite zeigen, wie richtig mein Vorschlag eigentlich ist. Der gesellschaftliche Graben, der sich in unserem Land derzeit auftut, ist nicht der zwischen Christentum und Islam, sondern der zwischen demokratischen Kräften und der Feinde der Demokratie – ob Islamisten oder Pegida. Der Schulterschluss der Demokraten ist notwendig, nicht eine weitere Spaltung der Gesellschaft – wie ihm der Artikel der BILD-Zeitung Vorschub leistet.

So gelingt es der “Bild”-Zeitung mal wieder, den Keil noch weiter zwischen die Religionen zu treiben. Das ist natürlich nichts Neues. Aber man muss schon verdammt skrupellos sein, um dafür ausgerechnet die Zitate zu missbrauchen, die genau das Gegenteil bewirken sollten.

Nachtrag, 15.45 Uhr: Bild.de hat nochmal nachgelegt. Unter der Überschrift “Große Debatte um muslimische Lieder im Weihnachtsgottesdienst” wird jetzt auch das Bosbach-Zitat („Weihnachten ist kein Multi-Kulti-Hochamt”) aufgegriffen, auch andere Politiker und Kirchenvertreter kommen zu Wort. Dabei wird weiterhin der Eindruck erweckt, es gebe die “Forderung”, muslimische Lieder in christlichen Gottesdiensten zu singen. Die Umfrage für die Bild.de-Leser (“Deutschlands schnellste Meinung”) lautet dann auch: “Sollen wir im Weihnachtsgottesdienst auch ein muslimisches Lied singen?” (Aktuell: 97% für “Nein, Weihnachten ist ein christliches Fest”.)

Vermutlich war das auch die Grundlage, auf der Bild.de die Zitate eingeholt hat. Hans-Peter Uhl (CSU) zum Beispiel rumpelt: “Die Forderung ist kompletter Unsinn! Ich beanspruche ja auch nicht, dass in einer Moschee ,Stille Nacht, heilige Nacht’ gesungen wird.” Dass ein solcher Tausch gerade Teil des Vorschlags von Nouripour war, hat ihm der zuständige Zitate-Einholer von Bild.de offenbar lieber verschwiegen.

Das Facebook-Statement von Nouripour erwähnt Bild.de natürlich ebenfalls mit keinem Wort.

Nachtrag, 16.50 Uhr: “Spiegel Online” hat den Artikel korrigiert und eine Anmerkung dazu veröffentlicht.

Nachtrag, 17.50 Uhr: Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, von dem der Vorschlag zum Cat-Stevens-Song kam, hat sich inzwischen ebenfalls vom “Bild”-Artikel distanziert. Gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur sagte er, er sei bei der “Bild”-Anfrage davon ausgegangen, dass eine konkrete Gemeinde vorhabe, ein Zeichen zu setzen, und deshalb um einen Tipp gebeten habe.

Nachtrag, 22.10 Uhr: Auch FAZ.net hat den Artikel (einigermaßen) korrigiert und eine Anmerkung hinzugefügt.

Nachtrag, 23. Dezember: Die “Bild”-Zeitung hat heute eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sie sich allerdings nur gegen den Vorwurf wehrt, sie habe Omid Nouripour falsch zitiert. Sein Zitat sei ungekürzt und unverändert abgedruckt worden, heißt es dort, was ja auch stimmen mag, aber immer noch nicht erklärt, warum “Bild” aus einem “Vorschlag” eine “Forderung” machte und warum in der Überschrift nicht der Tausch erwähnt wird, sondern bloß die muslimischen Lieder in christlichen Gottesdiensten. “Bild” geht auch nicht darauf ein, ob die grundlegende Idee von den Politikern kam, wie der Artikel suggeriert, oder doch von der Redaktion.

Inzwischen hat sich auch der dritte Politiker, der im Text zitiert wird, Thomas Funk (SPD), zu dem Artikel geäußert. Die Initiative sei natürlich nicht von den Politikern ausgegangen, sagte er gegenüber BILDblog, sondern von “Bild”. Er sei von “Bild” gefragt worden, was er von der Idee mit dem Liedertausch halte; sein Zitat sei dann auch korrekt wiedergegeben worden. Dennoch sieht er in der Aktion im Nachinein ein “vergiftetes Geschenk”. Der Artikel sei ja augenscheinlich nicht auf Weihnachten gemünzt worden, sondern auf den “Pegida”-Montag, und “Bild” habe den Artikel genutzt, um Öl ins Feuer zu gießen.

Nachtrag, 24. Dezember: Die Bundestagsabgeordnete Ute Finckh-Krämer (SPD) hat gestern auf Facebook mitgeteilt:

Ich kann bestätigen, dass Karin Mößbauer nicht nur Omid Nouripour diesen Vorschlag gemacht hat – sie hat mich nämlich auch gefragt, ob ich einen solchen Vorschlag unterstützen würde. Meine Antwort passte dann wohl nicht so gut in den Artikel, ich habe nämlich die Hoffnung geäußert, dass in vielen Weihnachtsgottesdiensten mit Respekt über Mitbürgerinnen und Mitbürger islamischen Glaubens gesprochen wird. Egal, ob sie schon seit Generationen hier leben oder gerade als Flüchtlinge hierher gekommen sind.

Nachtrag, 17. März 2015: Die Berichterstattung ist nun auch vom Deutschen Presserat missbilligt worden.

RTL, NDB, Lügenpresse

1. “Die verlorene Ehre der Massenmedien”
(tageswoche.ch, Matthias Oppliger und Thom Nagy)
Medienhäuser und ihre Journalisten rücken aus Sicht des Publikums “in gefährliche Nähe zu den manipulativen Eliten”, schreiben Matthias Oppliger und Thom Nagy in einem langen Text zur Vertrauenskrise der Medien: “Sie werden von einem wachsenden Teil der Öffentlichkeit als bewusst handelnde, aktive und ähnlich interessengesteuerte Täter wie etwa Politiker wahrgenommen.”

2. “Pegida und die ‘Lügenpresse’ – ein Begriff und seine Geschichte”
(buggisch.wordpress.com)
Christian Buggisch geht dem Begriff der “Lügenpresse” nach: “In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde mit ‘Lügenpresse’ insbesondere die ausländische, als marxistisch und jüdisch geltende Presse diffamiert. Mit dem Kampfbegriff wurden die Publikationen der linken und ausländischen Zeitungen pauschal als ‘undeutsch’ und ‘vaterlandslos’ verurteilt.”

3. “RTL inkognito bei Pegida: So gefährdet man Glaubwürdigkeit”
(daserste.ndr.de/panorama, Volker Steinhoff)
Ein RTL-Reporter, der früher im Dienste des NDR stand, gibt dem NDR-Magazin “Panorama” an einer Pegida-Demonstration als Bürger Auskunft. “Seine Aussagen geben weder seine Meinung noch die von RTL wieder”, vermeldet RTL zunächst, und entlässt ihn kurz darauf. Siehe dazu auch “Hallo RTL, bitte unbedingt schneiden!” (taz.de, Deniz Yücel).

4. “Wenn Medien in den Krieg ziehen”
(infosperber.ch, Roman Berger)
Im Westen müsse man wissen, dass sich in Russland “Widerstand gegen die vom Kreml gesteuerte Kriegspropaganda” rege, schreibt Roman Berger. “Auch ist die Vorstellung falsch, in Russland herrsche nur eine vom Regime trockengelegte Medienwüste. Den immer noch existierenden Oasen von Glasnost am besten geholfen wäre, wenn die westlichen Medien selber auf eine neue Kalte-Kriegs-Rhetorik verzichten und damit zu einer Deeskalation beitragen würden.”

5. “Presserat weist Beschwerde gegen WOZ ab”
(tagesanzeiger.ch)
Der Schweizer Geheimdienst NDB beschwert sich beim Schweizer Presserat, weil die “WOZ” ihren Chef, Markus Seiler, ausspioniert hatte und “ihm unter anderem mit einem Auto auf seinem Weg zur Arbeit gefolgt” war. Die Beschwerde wird abgewiesen, siehe dazu die “Stellungnahme des Presserats vom 10. Dezember 2014”.

6. “2014: Das Jahr in 12 Anfragen”
(blog.fragdenstaat.de)

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