Suchergebnisse für ‘LINK’

Twitter-Kodex, “taff”, Gysi-Tricks

1. Auskunftsanspruch gegenüber Bundesbehörden: Netzwerk Recherche fordert schnelle gesetzliche Regelung
(netzwerkrecherche.org)
Anfragen von Journalisten haben Bundesbehörden immer mal wieder mit dem Argument unbeantwortet gelassen, dass die Landespressegesetze für sie nicht gelten. Gestern hat das Bundesverfassungsgericht bekanntgegeben, eine daran anknüpfende Beschwerde eines “Bild”-Reporters nicht anzunehmen; gleichzeitig sagt das Gericht aber, dass die Informationsrechte gegenüber Behörden des Bundes kein geringeres Niveau erreichen dürfen als auf Landesebene. Für Manfred Redels vom “Netzwerk Recherche” ist nun “der Gesetzgeber gefordert, schnell ‎eine Regelung auf den Weg zu bringen, die die Rechercherechte stärkt und auch bei Anfragen an Bundesbehörden für Klarheit sorgt”.

2. Twitter gibt sich einen Pressekodex
(konradlischka.info)
Mit seinem kürzlich gestarteten Angebot “Moments” hat sich Twitter endgültig von der reinen Plattform zum “Platisher” entwickelt und wildert jetzt im Geschäft der Publisher. Für den neuen Dienst wählen Redakteure Tweets aus und erstellen daraus kleine Geschichten. Dafür hat sich Twitter selbst Richtlinien auferlegt, die Konrad Lischka bekannt vorkommen: “Passagen dieses Dokuments lesen sich, als hätte Twitter den Pressekodex kopiert.” Für ihn ist das Vorgehen “ein Meilenstein”, da Suchmaschinen und soziale Netzwerke “als Publikumsverteiler ähnlich wie Medien” funktionierten. Allerdings seien die Richtlinien an einigen Stellen problematisch und könnten schon bald zu Problemen führen, etwa beim Schutz der Persönlichkeit und dem Umgang mit Richtigstellungen.

3. Juristisch falsche Berichterstattung des NDR zum Thema Identitätsdiebstahl
(internet-law.de, Thomas Stadler)
Den NDR-Bericht “Wie Kriminelle Identitäten missbrauchen” findet Thomas Stadler alarmistisch und “juristisch falsch”. Schließlich hafte man grundsätzlich nur für sein eigenes Verhalten — und nicht dafür, dass sich jemand der Identität bemächtigt hat und im Namen eines anderen Geschäfte tätigt.

4. Mir geht eure Sensationsgeilheit auf den Sack! #taff
(lilies-diary.com, Christine)
Snapchat-Fan Christine hat ein Kamerateam von “taff” ins Haus gelassen und ärgert sich im Nachhinein. “Das habe ich jetzt davon. Es lief eine völlig bescheuerte, teilweise frei erfundene Geschichte auf taff.” Der ganze Beitrag sei “auf einer Lüge aufgebaut”, schreibt sie: “Weder ich bin süchtig, noch habe ich Zeit 6 Stunden vor Snapchat zu hängen, noch ist meine Beziehung gefährdet.” Allerdings, so Alexander Krei bei DWDL, sei die 30-Jährige nicht ganz unschuldig am entstandenen Eindruck, schließlich habe sie “in der Vergangenheit gleich mehrfach mit einer Snapchat-Sucht kokettiert.”

5. The growing problem of Internet “link rot” and best practices for media and online publishers
(journalistsresource.org, Leighton Walter Kille, englisch)
Ein Problem, über das sich Print-Journalisten garantiert nie Gedanken machen müssen: Wie verlinke ich meine Quellen richtig? Online-Journalisten können dabei aber eine Menge falsch machen. Klar ist: Gar keine Links sind unsauber, aber auch mit dem Gegenteil tut man seinen Lesern keinen Gefallen — zu viele, wahllose Verweise schaden dem Lesefluss und stiften unnötig Verwirrung. Leighton Walter Kille gibt zehn wirklich wertvolle Tipps zum richtigen Umgang mit Hyperlinks — nicht nur für Journalisten, sondern für alle Menschen, die ins Internet schreiben.

6. So hat uns Gregor Gysi ausgetrickst
(heute.de, Andreas Kynast)
Gestern hatte Gregor Gysi seinen letzten Tag als Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag. “Der politische Langzeit-Erfolg” des Politikers beruhe zu einem Großteil auf seiner Wirkung im TV, schreibt ZDF-Korrespondent Andreas Kynast. Er stellt “sieben typische Gysi-Tricks” vor, “um im Fernsehen gut auszusehen”.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode vergnügt

Nun will Facebook also Emojis einführen. Statt ein Foto, ein Posting, einen Link nur zu liken, können ausgewählte Nutzer jetzt testweise ihre Zustimmung oder Ablehnung oder Überraschung durch kleine Symbole kundtun: ein Herz zum Beispiel oder ein Gesicht mit einer Träne.

Aber gibt’s das nicht schon längst woanders?

Sicher nicht ohne Stolz retweetet Kai Diekmann — nicht nur “Bild”-Chef, sondern auch Herausgeber von Bild.de –, dass Facebook bei ihm und seinem Team abkupfere.

Man könnte einwenden, dass Facebook ein entsprechendes Patent bereits im März 2013 angemeldet hat, also lange bevor Bild.de mit dem sogenannten Moodtagging loslegte. Und auch, dass in der Medienbranche beispielsweise “Buzzfeed” viel früher eine solche Funktion eingeführt hat.

Aber: Bild.de war mit dabei. Wenn es zum Beispiel ein Feuer im Flüchtlingscamp gab, und die Redaktion darüber berichtet hat, konnten die Leser mit einem Klick ihr Entsetzen ihre Freude darüber äußern:

Diese Reaktion über ein Unglück war keine Ausnahme. Ein Schwertfisch spießt einen Seemann auf? Lachen! Ein toter Porsche-Fahrer? Lachen! Gleichstellung für Homo-Ehe? Wut!















Dabei war es durchaus möglich, das Tool bei einzelnen Texten auszuschalten — zum Beispiel bei Kommentaren der “Bild”-Chefs. Wissen wir bis heute nicht, warum es nicht auch bei solchen Artikeln gemacht wurde:




Seit ein paar Wochen ist das Moodtagging bei Bild.de nicht mehr zu finden, die Redaktion hat die Funktion abgestellt.

Verurteilung in Iran, schlankes Web, Playboy

1. Events leading up to reporter Jason Rezaian’s reported conviction in Iran
(washingtonpost.com, Joby Warrick, englisch)
Jason Rezaian, der Bürochef der “Washington Post” in Teheran, ist von einem iranischen Gericht wegen Spionage verurteilt worden. Ein Strafmaß wurde noch nicht festgelegt. Festgenommen wurden Rezaian und seine Frau, ebenfalls Journalistin, bereits im Juli vergangenen Jahres. Gegen Rezaian wurde im März das Verfahren eröffnet — für etwas, das von vielen Menschen auf der Welt als “Journalismus” bezeichnet werden würde. Bei vox.com gibt es eine Linkliste zum Thema.

2. amphtml
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Mit dem “Project AMP” versucht Google, das Web schlanker und schneller zu machen. Wer sich bisher noch nicht damit auseinandergesetzt hat, sollte es wohl spätestens jetzt tun. Denn der geschätzte Felix Schwenzel befindet: “insgesamt sehe ich das amp-projekt als eine der spannensten sachen die dem web seit dem web 2.0 passiert ist.”

3. “Störsender” — Das illegale Radio Freies Drvar
(deutschlandradio.de, Karla Engelhard, Audio, 3:24 Minuten)
Ein Generator, etwas Benzin — und schon ist “Radio Freies Drvar” auf Sendung. Von einem unbekannten Ort im Westen von Bosnien und Herzegowina aus verbreitet das Team ein- bis zweimal pro Woche sein illegales Programm. Die Namen der Macher sind bekannt; und dennoch kritisieren sie gern die korrupte Führungselite der Region. “Sie äußern das, was viele Menschen denken, was aber niemand wagt zu sagen”, so ein Hörer.

4. Blendle und Pocketstory: Das kaufen die Deutschen im Digitalkiosk
(spiegel.de, Markus Böhm)
Mitte September ist “Blendle” offiziell in Deutschland gestartet. Nach einem Monat lässt sich der Digitalkiosk in die Karten schauen und veröffentlicht eine Top 5 der meistgekauften Artikel. Auf Nachfrage von Markus Böhm enthüllt auch der Hamburger “Blendle”-Konkurrent “Pocketstory” seine fünf am häufigsten nachgefragten Texte. Passend dazu eine Zwischenbilanz von “Blendle”-Gründer Marten Blankesteijn: “In Deutschland sind wir mehr als viermal so schnell gewachsen wie im Launch-Monat in Holland. Auch vier Mal schneller haben wir den Meilenstein von 50.000 verkauften Artikeln erreicht.”

5. Nudes Are Old News at Playboy
(nytimes.com, Ravi Somaiya, englisch)
Der “Playboy” zieht die Häschen wieder an: Ab März sollen die abgebildeten Frauen nicht mehr komplett nackt sein. “You’re now one click away from every sex act imaginable for free. And so it’s just passé at this juncture”, sagte Geschäftsführer Scott Flanders. Stellt sich bloß die Frage: “If you take nudity out, what’s left?” “NYT”-Reporter Ravi Somaiya wirft einen Blick auf die Geschichte des Magazins.

6. FAQ für Besorgte Bürger
(ennolenze.de)
Warum kommen die Flüchtlinge nur zu uns? Müssen hier bald alle Burka tragen? Und wer kümmert sich um unsere Obdachlosen? Enno Lenze gibt Antworten.

Wo laufen sie denn?

Der “Fan Run” sollte der nächste Höhepunkt der selbstlosen “Wir helfen”Werbekampagne der “Bild”-Zeitung werden. Die Idee: Gemeinsam mit dem FC Bayern München einen Fünf-Kilometer-Lauf initiieren (als besonderes Leckerli dürfen die Teilnehmer im Innenraum des Bayern-Stadions eine Runde drehen), die Startgebühr von knapp 30 Euro pro Person soll — nach Abzug der Steuern — an die “Bild”-Stiftung “Ein Herz für Kinder” gehen. Und, schwups, wieder einmal den Feuerlöscher gemimt.

Seit Bekanntwerden der Pläne haben die “Bild”-Medien eifrig für den “Fan Run” getrommelt:




Klar, es gab auch Gegenwind. Gleich zu Beginn hatten Bayern-Fans in ihrem Blog “Miasanrot” moniert, dass nicht genau klar sei, wofür die Teilnahmegebühren verwendet werden, die Organisationsstruktur undurchsichtig sei und Daten der Läufer an den Axel-Springer-Verlag weitergeben würden. Einige der Punkte haben die Veranstalter ausgemerzt. Doch bis zuletzt gab es Kritik.

Alles kein Problem für die “Bild”-Profis, die direkt den Werbekonter einleiteten: Der frühere Fanliebling Hasan Salihamidzic forderte bei Bild.de:

Und “Bild”-Kumpel Lothar Matthäus jubelte:

Total super und riesig werde das alles, kündigten “Bild” und den FC Bayern an. “Tausende” Menschen würden teilnehmen:

Vergangenen Samstag fand der “Traum für alle Fans” schließlich statt. Es kamen: “über 500 Läufer”.

Mit Dank an Florian E.

Fehlalarm, Alternativmedien, Expertentum

1. Gefährliches Geschäft
(sueddeutsche.de, David Denk)
“Die Lage für Journalisten ist generell prekärer, gefährlicher geworden.” Das sagt Astrid Frohloff, die nach zwölf Jahren im Vorstand der deutschen Sektion von “Reporter ohne Grenzen” ihr Amt aufgibt. Während Journalisten in Ländern wie Syrien und dem Irak um ihr Leben fürchten müssten und auf Demonstrationen in Kiew oder Hongkong massiv in ihrer Arbeit behindert würden, zeuge der Fall von Netzpolitik.org auch hierzulande von einer “irritierenden Geringschätzung journalistischer Arbeit und des Stellenwerts der Presse durch die Politik”.

2. Terroristen unter Flüchtlingen? Wie man mit Fehlalarmen Alarm schlägt
(stefan-niggemeier.de, Stefan Niggemeier)
Viele Medien berichteten vergangene Woche besorgt über eine Aussage von Bundesinnenminister de Maizière. Der hatte in einem Interview gesagt, es gebe Hinweise, “dass sich Terroristen unter die Flüchtlinge mischen.” Was in den meisten Überschriften und Teasern allerdings nicht stand: Zwei Sätze später sagte de Maizère, dass sich “keiner dieser Hinweise” “irgendwie bewahrheitet” habe.

3. Richtig oder falsch gerechnet mit Flüchtlingen?
(scilogs.de, Markus Pössel)
“Nützt Deutschland die Migration? Manche Studien behaupten das. Aber manche Forscher wollen lieber gut als wahrhaftig sein”, kommentiert Winand von Petersdorff-Campen in der “FAS”. Markus Pössel wundert sich über dessen Kritik an den Studien von IWF, Weltbank und NGOs: “Um den Text zu verfassen, so, wie er da steht, hätte der Autor die Studien noch nicht einmal in die Hand nehmen, geschweige denn durcharbeiten müssen.”

4. Die Stimmen des digitalen Untergrunds
(nzz.ch, Markus Linden)
Im August veröffentlichte der Publizist Wolfgang Storz eine Kurzstudie über alternative Medien. Die “Querfront”-Studie ist derzeit wegen juristischer Auseinandersetzungen nicht abrufbar, unter anderem weil sich Albrecht Müller von den linken “Nachdenkseiten” zu Unrecht in einen Topf mit Jürgen Elsässer oder Ken Jebsen geworfen sah. Der Politikwissenschaftler Markus Linden analysiert die Szene in Deutschland und der Schweiz und erkennt “bei den fundamental systemkritischen Alternativmedien Überschneidungen”, die “die Links-Rechts-Unterteilung transzendieren.”

5. Mehr Grexpertise, bitte!
(ejo-online.eu, Hanno Beck)
Arturo da Silva gab sich als Berater der Uno und der Weltbank, als Professor am Milton College und als ehemaliger Berater des portugiesischen Präsidenten aus — und wurde zum gefeierten Experten und Medienstar in Portugal. Hanno Beck nimmt das zum Anlass, um die “mediale Expertenkultur zu studieren”, am Beispiel deutscher Talkshows. Sein Fazit: “Die Komplexitätsreduktionskompetenz ist das einigende Band, das alle Talkshow-Protagonisten eint: Kurze Sätze, knackige, polarisierende Statements — am besten unter 30 Sekunden.”

6. Körperliche Schmerzen: Übergeben will gelernt sein
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff hat manchmal Schmerzen, wenn er vor dem Fernseher sitzt. Immer dann, wenn ein ARD-Magazin wie “Panorama” zu den “Tagesthemen” überleitet (Stichwort: “Audience Flow”), ertrage er es nicht, wie die gute Absicht baden gehe: “Das ist so komplett sinnentleert, dass es mich stets aufs Neue graust.”

“Falsche Syrer”, Interviews, #aufschrei

1. “Falsche Syrer”: Wie der Innenminister Gerüchte schürt
(daserste.ndr.de, Robert Bongen & Stefan Buchen)
Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat behauptet, dass sich 30 Prozent der Asylsuchenden als Syrer ausgeben, aber eigentlich keine seien. “Panorama” kritisiert, dass für diese Zahl jeder Beleg fehlt. Auf Nachfrage bestätigt das Innenministerium, dass es dazu gar keine Statistiken gibt. Auch Bundeskanzlerin Merkel hat bei Anne Will eine Studie zu Flüchtlingen zitiert, die laut den Krautreportern “problematisch” ist.

2. Verfassungsgericht stärkt Rechte von Demonstrationsbeobachtern
(netzpolitik.org, Nikolai Schnarrenberger)
Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, “dass die Dokumentation von polizeilichen Filmteams legal ist.” Wer die Arbeit der Polizei filmt oder fotografiert, dürfe dafür “nicht per se auch einer Identitätsfeststellung unterzogen werden”, schreibt Nikolai Schnarrenberger. Geklagt hatte ein Mitglied der Göttinger Gruppe „BürgerInnen beobachten Polizei und Justiz“.

3. Mit Müll zugeschüttet
(taz.de, Anne Wizorek)
Anfang 2013 verschickte Anne Wizorek den ersten Tweet mit dem Hashtag #aufschrei. Sie wollte ein Zeichen gegen Alltagssexismus setzen. Mittlerweile benutzen selbst Ulf Poschardt und Birgit Kelle den Hashtag. Wizorek fordert deshalb: „#schauhin wenn Rechtskonservative einen Hashtag wie #aufschrei kapern wollen, um ihren rassistischen Müll zu legitimieren.“

4. Das Gegenteil von Ambition: ze.tt und bento
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Byou, Bento, Ze.tt – die Jugendangebote der Verlage sprießen aus dem Boden, und nahezu täglich erscheinen neue Texte, die erklären, warum dies und jenes Portal toll/medioker/peinlich/katastrophal ist, bevorzugt aus Sicht „der Zielgruppe“ (s. Link Nr. 2). Die Kritik von Lorenz Matzat fällt weniger polemisch, dafür aber substantieller aus. Er fragt sich, warum derart schlagkräftige Verlagshäuser wie „Spiegel“ und „Zeit“ nicht mehr gewagt haben und sich auf „den abgegriffenen Mix aus Gifs, Youtube-Videos und Instagram-Bildern“ beschränken, anstatt in Datenjournalismus, mobile Reporting oder mehr Mulitmedia-Kompetenz zu investieren.

5. „Plastikwörter sind schlimme Quellen der Unbill“
(abzv.de, Mario Müller-Dofel)
Steffen Range, Wirtschaftsressortleiter und Digital-Chef bei der „Schwäbischen Zeitung“, hat in seinem Berufsleben nach eigenen Angaben bislang „weit über 1000“ Interview geführt und redigiert. Er sollte also ein Experte für Interviews sein, und dementsprechend folgerichtig erscheint es, mit ihm ein Interview über Interviews zu führen. Range gibt Tipps, wie man sich darauf vorbereitet, wie man langweilige Gespräche durch Redigieren retten kann – und lobt eine umstrittene deutsche Eigenart: „Ich verstehe die Aufregung um das Thema nicht. Die Autorisierungspraxis ist ganz vernünftig.“

6. Poschardts Kinder
(titanic-magazin.de, Oliver Maria Schmitt)
Oliver Maria Schmitt begleitet in Gedanken Ulf Poschardt durch die “Straßen von Großberlin”. Poschardt, “promovierter Polofahrer” und stellvertretender Chef der “Welt”-Gruppe, denkt über seine neusten Journalisteneinkäufe nach, die Mitglieder der “Poschardtjugend”, die “flink wie Schoßhunde, zäh wie Nappaleder und hart wie die Kronkorken von Club-Mate” sind; und über die absolute Story, für die sie ihn “endlasermäßig hart feiern” werden in Berlin.

Bedrohte Journalisten, Merkel mit Kopftuch, Reporterleben in den 80ern

1. Was hinter der Zahl von 1,5 Millionen steckt
(sueddeutsche.de, Robert Roßmann)
Am Montag sorgte “Bild” für Aufregung bei Politikern und anderen Medien. Genauer gesagt eine Zahl, die in der “Bild”-Zeitung zu lesen war: 1.500.000 — so viele Flüchtlinge sollen “Geheimpapieren deutscher Behörden” zufolge in diesem Jahr nach Deutschland kommen. Zumindest im Innenministerium scheint besagtes Papier nicht bekannt, dort kann man die genannten Zahlen “nicht bestätigen”. Robert Roßmann erklärt, warum zuverlässige Prognosen derzeit so schwierig sind.

2. Bericht aus Berlin: Was soll das?
(falk-steiner.de)
Falk Steiner beschreibt die “Bericht aus Berlin”-Sendung, in der Angela Merkel im Tschador und der Reichstag mit Minaretten gezeigt wurde. Die Erklärung der “BaB”-Redaktion auf Facebook will Steiner nicht gelten lassen: “‘Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Gleichstellung’ sollten diese beiden Grafiken symbolisieren, schreiben die BaB’ler. Nur wo sich das darin gefunden haben soll, ist das Geheimnis der Macher geblieben — schleierhaft, könnte man sagen.” Die “taz” schreibt, dass die ARD “von den Besten” kopiere, den “Pegida”-Mitmarschierern, die Merkel ähnlich abbildeten. Und der “Tagesspiegel” beobachtet, dass sich Moderator Rainald Becker nicht zur Kritik äußert, seine Redaktion allerdings schon.

3. Pressefreiheit ja – solange es die eigene Meinung deckt
(mdr.de, Uta Deckow)
Uta Deckow schreibt darüber, wie Journalisten von “Pegida”-Anhängern bedroht werden. “Jeder Kollege der berichtet, kann solche Geschichten erzählen — bis hin zu denen, die Zettel im Briefkasten fanden mit den Worten ‘Wir wissen wo Du und Deine Kinder wohnen’.” In den letzten Wochen habe sich die Bedrohungslage für Berichterstatter “erheblich verschärft”. Auch sie selbst habe solche Erfahrungen gemacht: Bei einer Demo habe sich ein “Pegida”-Ordner vor ihr aufgebaut und erklärt, “er habe noch nie eine Frau geschlagen, für mich mache er gern eine Ausnahme.”

4. Wie gut waren “die guten alten Zeiten”?
(medienwoche.ch, Nik Niethammer)
Früher war alles besser! Journalisten erinnern sich gerne an die “guten, alten Zeiten”. Nik Niethammer gesteht zu, dass das Reportleben Ende der 80er-Jahre “spassig” war, “unbeschwerter, weniger atemlos”, mit größeren Redaktonsbudgets und mehr Zeit für Recherche. Doch führt das zwangsläufig zu besserem Journalismus? “Fehlanzeige. In meinen Texten von damals knirscht und ächzt es an vielen Ecken. Viele von uns waren satt, selbstzufrieden.” Im Gegenteil: “So seriös, nachhaltig und kompetent wie der Journalismus in der Schweiz heute ist, war er nie. Finde ich!”

5. “Ich bin nicht der Typ, der jedem Reporter die Hand schütteln und sich nach seinem Wohlbefinden erkundigen muss”
(nachbern.ch, Ronnie Grob)
Laut “Sonntagsblick” ist Ulf Schläfli — nomen est omen — der “größte Hinterbänkler” unter den Schweizer Parlamentariern. Im Interview mit “Nachbern.ch” spricht er über den Umgang mit Journalisten, seinen Kontakt zu Lobbyisten und die Teilnahme am Medientraining.

6. Wer Österreichs BloggerInnen sind: Die Ergebnisse 2015
(digitalschmankerl.at, Petra Köstinger)
Weiblich, jung, “professionelle Hobbyisten”: Die beiden Blogger Petra Köstinger und Tom Schaffer haben ihre Kollegen in Österreich vermessen. “Trending Topics” fasst unter ökonomischen Gesichtspunkten zusammen: “64 Prozent verdienen überhaupt kein Geld mit dem Bloggen, 15 Prozent verdienen pro Monat mehr als 1.000 Euro (8 Prozent mehr als 2000 Euro).” Zum Vergleich: Konrad Lischka hat berechnet, welchen Umsatz “Medienfirmen je Mitarbeiter” erlösen.

“Bild” in die Tonne (3)

Hui, da war ja was los!

Eine größere Galerie mit Beispielbildern haben wir hier zusammengestellt (dauert einen Moment, bis alles geladen ist).

Über 5.500 Menschen, ein Dutzend Tiere und eine Pflanze haben sich an #BILDindieTonne beteiligt und ihre Gratis-“Bild” unschädlich gemacht. Viele haben auch gleich ihren Nachbarn einen Dienst erwiesen oder ihr Exemplar kurzerhand zurückgeschenkt. Mit so viel Einsatz hatten wir nicht gerechnet. Vielen Dank dafür!

Wir werden also alle der versprochenen 1.000 Lernhefte an Flüchtlingsunterkünfte verteilen. Und wir werden alle Spenden, die wir seit Dienstag bekommen haben, verwenden, um weitere Hefte zu besorgen (wie viele es am Ende geworden sind, tragen wir dann hier nach). Das Lernmaterial ist am besten für Unterkünfte geeignet, in denen es betreute Deutschkurse gibt. Wenn Sie Tipps haben, welche Unterkunft noch Hefte gebrauchen könnte, melden Sie sich gerne bei uns.

Die Gewinner der Verlosung kontaktieren wir in den nächsten Tagen.

Und falls Sie bisher ein schweres Rückenleiden daran gehindert haben sollte, die Gratis-“Bild” zu entsorgen: Hier kann man noch was Nützliches damit anstellen.

  

1329 x #BILDindieTonne

Bild.de hat den letzten

Auf den ersten Blick — und auch auf den zweiten — ist bei dieser Bild.de-Überschrift nicht so ganz klar, um wen es hier eigentlich geht: Um den vor zwei Tagen verstorbenen Hellmuth Karasek? Oder um “Bild”?

In der Gratis-“Bild”, die heute in allen Briefkästen des Landes stecken soll und die vermutlich schon im Druck war, als der Tod Karaseks bekannt wurde, klingt die Überschrift noch etwas weniger “Bild”-zentristisch:

Durch den Tod des Literaturkritikers wird eine Liste mit 25 Lesetipps, keiner davon länger als drei Sätze, für Bild.de und “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann (der es nicht hinbekommt, Karaseks Vornamen richtig zu twittern) also zum “Vermächtnis” Karaseks, der auch über 20 Bücher und für “Zeit” und “Spiegel” geschrieben hat und Teil des “Literarischen Quartetts” war und, und, und.

Nun gibt es aber noch ein Problem bei Karaseks Vermächtnis Liste: Sie hat ein paar Fehler. Zum Beispiel direkt bei Tipp Nummer eins, Günter Grass’ “Blechtrommel”:

Buchstäblich mit einem Paukenschlag meldete sich in diesem Schelmenroman der kleine Oskar Matzerath in die Literatur. Er weigerte sich zu wachsen und beobachtete mit dem Blick eines bösen Zwerges die schreckliche Erwachsenenwelt nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Ebenso erfolgreich wie das Buch war die Verfilmung von Volker Schlöndorff, die mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Mit dem “Ausbruch des Ersten Weltkriegs” hat die Blechtrommel zeitlich nichts zu tun. Protagonist Oskar Matzerath wird erst 1924 geboren, also sechs Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs.

Und auch bei Tipp Nummer drei, Theodor Fontanes “Effi Briest”, passt der zeitliche Rahmen nicht so recht:

“Effi Briest” ist neben Tolstois “Anna Karenina” und Gustave Flauberts “Madame Bovary” der berühmteste Ehebrecherroman des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt, an welchen Grenzen damals bürgerliche Frauen zerbrachen.

Theodor Fontane ist 1898 gestorben, also noch im 19. Jahrhundert. “Effi Briest” erschien wenige Jahre vor seinem Tod und ist damit — genau wie “Anna Karenina” und “Madame Bovary” — kein Roman “des 20. Jahrhunderts”.

Schade eigentlich, dass Hellmuth Karaseks letzter Text an diesen Details und dem offenbar nicht vorhandenen Gegenlesen der “Bild”-Redaktion krankt. Aber immerhin: Es ist ja nicht sein Vermächtnis.

Mit Dank an @SchaerWords.

Nachtrag, 16:53 Uhr:

Und auch bei Tipp Nummer 23 stimmt was nicht, diesmal sogar recht grundsätzlich:

Der große Roman der Wirtschaftskrise der kleinen Leute in Berlin zur Zeit des Börsenkrachs. Fallada beschreibt ein mutiges Paar, das trotz seiner “Stehaufmännchen”-Qualitäten unter die Räder zu kommen droht.

Diese Zweisatzbeschreibung soll laut “Bild” und Bild.de Hans Falladas Roman “Jeder stirbt für sich allein” zusammenfassen, klingt aber eher nach Falladas “Kleiner Mann — was nun?”.

Mit Dank an @JohannesFreytag und Jens.

Blättern:  1 ... 87 88 89 ... 290