Germanwings, Stephen Glass, Zeitungsvorleser

1. Hinter dem Flatterband
(tagesspiegel.de, Thomas Gehringer)
Vergangene Woche haben sich verschiedene Journalisten zusammengesetzt, um über die Berichterstattung zum Germanwings-Unglück zu sprechen. Motto der Veranstaltung, zu der unter anderem der Presserat eingeladen hatte: „Was lernen wir daraus?“ Doch am Ende, so Thomas Gehringer, „stellte sich das ungemütliche Gefühl ein, dass die Medienvertreter der Meinung sind, es gäbe nichts zu lernen, denn: Es war doch eigentlich nicht so schlimm.“

2. Sind Sie ein Diktator?
(taz.de, Saskia Hödl)
Der finnische Präsident Sauli Niinistö war auf Staatsbesuch in der Türkei. Und mit ihm unter anderem der Journalist Tom Kankkonen vom finnischen öffentlich-rechtlichen Sender „YLE“. Der „fragte Erdoğan gerade heraus, ob er ein Diktator sei.“ Das türkische Staatsoberhaupt war nicht gerade begeistert.

3. to go or to stay?
(wirres.net, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel will ausdrücklich „keine antwort auf diesen facebook-eintrag von mathias richel“ schreiben, sondern vielmehr versuchen, „die gleichen gedanken […] anders zu formulieren“. Im Wesentlichen geht es um diese Fragen: Wie und wo erreichen Medien heutzutage ihre Leser? Sollten sie sich immer noch auf ihre Homepage konzentrieren oder ihre Inhalte möglichst breit gestreut auf allen möglichen Kanälen verteilen — und sich dabei von dem Ziel verabschieden, die Nutzer von sozialen Medien mit Links auf die eigene Webseite zu locken?

4. Radionachrichten: Zu wenig Mut. Zu viele Handtücher
(radio-machen.de, Rita Vock)
„Wir Nachrichtenmacher […] haben bestimmte redaktionelle Standards und manchmal auch Scheuklappen.“ Das sagt Rita Vock, Nachrichtenredakteurin beim „Deutschlandfunk“. Mit sechs Thesen versucht sie, diese festgefahrenen Strukturen aufzubrechen und Radionachrichten neu zu denken.

5. Stephen Glass Repays Harper’s $10,000 for His Discredited Work
(nytimes.com, Ravi Somaiya, englisch)
Stephen Glass war Ende der 90er-Jahre einer der großen Nachwuchsstars im US-Journalismus. Bis sich herausstellte, dass mindestens die Hälfte seiner Artikel komplett oder teilweise erfunden waren. Jetzt hat Glass sich zurückgemeldet — mit einer Entschuldigung an seinen einstigen Auftraggeber „Harper’s“ in Form eines 10.000-Dollar-Schecks.

6. Sie lesen stundenlang Zeitungen vor
(nzz.ch, Viola Schenz)
Das Programm des australischen Radiosenders „2RPH“ ist leicht außergewöhnlich: Es gibt dort ausschließlich vorgelesene Zeitungs- und Zeitschriftenartikel zu hören, den ganzen Tag, jeden Tag. Das Kürzel „RPH“ steht für „Radio for the Print Handicapped“ und gibt die klare Zielgruppe des gemeinnützigen Senders vor: all jene, die nicht lesen können.