Tja. Wie viele Fotos hätte der Bild.de-Autor noch in der Fotogalerie gebraucht, um nicht zu behaupten, an diesem getunten VW Passat Variant (siehe Ausrisse) seien keine Außenspiegel zu sehen?
Nachtrag, 19. Februar. Nach drei Tagen hat auch Bild.de sie entdeckt.
1. Wenn der Begriff Wahrheit zerstört wird (taz.de, Patrick Gensing)
Patrick Gensing warnt in seinem Essay, “Fake News” könnten im öffentlichen Diskurs gegenüber überprüfbaren Fakten zunehmend die Oberhand gewinnen. Er argumentiert, dass Desinformation längst kein Randproblem mehr sei, sondern ein strukturelles Merkmal digitaler Öffentlichkeit. Plattformen würden Empörung, Tempo und Zuspitzung belohnen. Nötig seien nicht nur Korrekturen einzelner Falschmeldungen, sondern ein politischer und publizistischer Angriff auf die Macht der Plattformen.
2. Was die Polizeiliche Kriminalstatistik aussagt – und was nicht (correctiv.org, Sara Pichireddu)
Sara Pichireddu erklärt, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik nur begrenzt aussage, wie sich Kriminalität in Deutschland tatsächlich entwickele. Die Statistik erfasse polizeilich registrierte Fälle und Tatverdächtige, nicht aber gerichtliche Schuldfeststellungen. Viele Deutungen seien deshalb irreführend. So lasse die Statistik keine belastbaren Aussagen darüber zu, ob etwa mehr Menschen kriminell würden, oder ob Migranten krimineller seien.
3. Sampling geht klar (netzpolitik.org, Denis Glismann)
Der Europäische Gerichtshof habe im Fall “Metall auf Metall” das Recht auf Sampling und Remix gestärkt. Demnach könne die Übernahme geschützter Werkteile als erlaubtes Pastiche gelten. Eine bloße Nachahmung ohne eine künstlerische Auseinandersetzung reiche jedoch nicht aus. Damit gehe der seit 27 Jahren geführte Streit zwischen der Band Kraftwerk und dem Musikproduzenten Moses Pelham in die letzte Runde. Nun müsse der Bundesgerichtshof entscheiden, ob das Sample in Sabrina Setlurs Song “Nur mir” diese Voraussetzungen erfüllt.
4. Fünf Fakten zu Fracking (die Medien immer wieder falsch darstellen) (kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi widerspricht mehreren verbreiteten Darstellungen von Fracking in österreichischen Medien. Demnach seien Aussagen über eine mögliche Gasversorgung für 30 Jahre auf veraltete Schätzungen gestützt und heute wissenschaftlich nicht haltbar. Auch ein angeblich ökologisch unbedenkliches Frackingverfahren beseitige nicht die Risiken wie etwa die Methanemissionen, den hohen Wasserverbrauch und belastetes Lagerstättenwasser.
5. “Einen Politiker zu Fall zu bringen sehe ich nicht als unsere Aufgabe” (dfjv.de, Gunter Becker)
Im Interview beschreibt Bernhard Pötter das Newsletter-Medienhaus “Table.Media” als Modell für vertieften Fachjournalismus. Beim “Climate.Table” etwa arbeite ein größeres Team deutlich spezialisierter und enger mit anderen Fachredaktionen zusammen als in klassischen Redaktionen. Ziel sei “Deep Journalism” für Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und NGOs.
6. Austria First: Der rechte Dudelfunk (verdi.de, Till Schmidt)
Till Schmidt beschreibt den österreichischen Radiosender “Austria First” als Teil einer gezielten Medienstrategie der FPÖ. Der Webradiosender verbreite parteinahe Inhalte in einem freundlichen, journalistisch wirkenden Format. Beobachter sähen darin den Ausbau einer medialen Parallelwelt. Anders als in weiteren FPÖ-Medien trete die Parteipropaganda hier jedoch weniger schrill auf, sie werde stattdessen mit Popmusik und Unterhaltung verbunden.
7. Überall “Entlastung”: Wenn ein Regierungswort zur Nachricht wird (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins beschäftigt sich der “6-vor-9”-Kurator mit dem Wort “Entlastung”, einer Regierungsvokabel, die oft von Medien übernommen werde: “‘Entlasten’ spart den Konjunktiv, es spart die Einschränkung, das Möglicherweise. Es klingt nach einer fertigen Nachricht. Und genau das macht es so verführerisch.”
1. US-Präsident droht Journalisten mit Haft wegen Infos zu Pilotenrettung in Iran (spiegel.de)
US-Präsident Donald Trump habe Journalisten mit Gefängnisstrafen gedroht, falls sie ihre Informanten zu einer militärischen Rettungsmission im Iran nicht preisgäben. Trump werfe einem Medienhaus vor, durch die Veröffentlichung von Details das Leben eines noch im feindlichen Gebiet vermissten US-Waffenoffiziers gefährdet zu haben. Iranische Medien hätten laut CNN jedoch längst vor den US-Medien über den Vorfall berichtet. Trumps Vorgehen reihe sich in systematische Angriffe seiner Regierung und des Pentagons auf die Pressefreiheit ein.
2. Krieg im Nahen Osten: Kampf um die Wahrheit und Deutung (cemas.io, Julia Smirnova)
Der aktuelle Krieg im Nahen Osten werde von einer massiven Welle aus gezielter Desinformation und KI-generierten Fakes begleitet. Durch staatliche Internetsperren entstünden Informationslücken, die Kriegsparteien systematisch für Propaganda ausnutzen würden. Dabei würden aktuell vor allem pro-iranische Falschbehauptungen die Sozialen Netzwerke dominieren. Die Social-Media-Plattformen seien auf diese digitale Kriegsführung derzeit kaum vorbereitet.
3. Social-Media-Verbot lässt Bundesregierung ahnungslos zurück (netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Obwohl Spitzenpolitikerinnen und -politiker der Bundesregierung ein Social-Media-Verbot für Minderjährige fordern, gäbe es dafür bislang weder ein klares Konzept noch wissenschaftliche Belege für die Sinnhaftigkeit einer solchen Maßnahme. Wie eine Anfrage der Linken zeige, sei außerdem völlig unklar, ob ein Verbot überhaupt mit den Grundrechten oder dem EU-Recht vereinbar wäre.
4. Ein Blatt für die Community (taz.de, Amira Klute)
Das britische Lokalmedium “Bristol Cable” erprobe ein alternatives Modell gegen das Zeitungssterben: Statt auf schnelle Tagesmeldungen, Klickzahlen und Werbeeinnahmen setze die Redaktion auf tiefgründige, investigative Recherchen direkt vor der Haustür. Finanziert und mitgestaltet werde das Projekt als Genossenschaft von aktuell rund 2.500 zahlenden Leserinnen und Lesern. Diese enge Einbindung der Community ermögliche es, unabhängig zu arbeiten und alle Inhalte kostenlos und ohne Paywall anzubieten.
5. Duell, Triell, Bagatell (verdi.de, Bärbel Röben)
Medien und deren Berichterstattung seien für Wahlen zwar selten direkt ausschlaggebend, sie hätten jedoch massiven Einfluss darauf, welche Themen gesellschaftlich als wichtig und normal gelten. Extrem rechte Akteure würden die mediale Aufmerksamkeitsökonomie durch Dauerprovokationen gezielt ausnutzen. Schenke man ihnen zu viel Beachtung, führe dies zur Normalisierung ihrer Positionen. Zudem würden klassische Wahlkampf-Formate wie TV-Duelle und die ständige Fixierung auf Umfragen (Horse-Race-Berichterstattung) von den eigentlichen politischen Inhalten ablenken.
6. Macht KI bald die Tageszeitung? (correctiv.org, Anette Dowideit & Sebastian Haupt)
“Wie häufig kommt in Medienredaktionen Künstliche Intelligenz zum Einsatz? Wo genau? Und: Wozu führt das?” Zu diesem Thema haben das Recherchenetzwerk “Correctiv” und das Magazin “journalist” eine Umfrage gestartet: “Wenn Sie in der Redaktion eines Medienhauses arbeiten, können Sie uns unterstützen, indem Sie an der Umfrage in unserem CrowdNewsroom teilnehmen. Sie können dort Ihre Antworten anonym abgeben. Oder sie können freiwillig Ihre Kontaktdaten angeben, damit wir Sie für Rückfragen gegebenenfalls kontaktieren können.”
1. Kein Spielraum für deutsches Social-Media-Verbot (netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck berichtet über ein neues Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags, laut dem ein nationales Social-Media-Verbot für Minderjährige in Deutschland rechtlich kaum umsetzbar sei. Demnach stünden einem solchen Vorhaben vor allem das EU-Recht sowie das im Grundgesetz verankerte Erziehungsrecht der Eltern massiv entgegen. Obwohl es für ein derartiges Verbot parteiübergreifende Unterstützung bis hin zum Bundeskanzler gebe, würden Kritiker vor populistischen Scheinlösungen warnen.
2. Christian Ulmen greift Deep-Fake-Verdacht gerichtlich an (lto.de, Felix W. Zimmermann)
Einem aktuellen Bericht von “Legal Tribune Online” zufolge habe Christian Ulmen vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den “Spiegel” beantragt. Ulmen wehre sich gegen den durch einen Artikel seiner Meinung nach erweckten Verdacht, er habe Deepfake-Videos seiner Ex-Frau Collien Fernandes produziert oder verbreitet. Bemerkenswert sei an diesem Vorgehen, dass Ulmen die massiven Kernvorwürfe des “Spiegel”-Berichts juristisch nicht angreife.
3. Chefreporterin kehrt Verleger Friedrich den Rücken (taz.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner berichtet über einen personellen Aderlass bei der “Berliner Zeitung”: Nach drei Jahrzehnten verlasse die prägende Chefreporterin Anja Reich-Osang das Blatt, begleitet von ihrer Kollegin Wiebke Hollersen. Hintergrund des Abschieds sei die Entwicklung der Zeitung unter dem Verleger-Ehepaar Friedrich. Diese sei laut Meisner durch Kreml-Propaganda, eine politische Öffnung nach rechts außen sowie ein drastisch verschlechtertes Betriebsklima gekennzeichnet.
4. US-Gericht stuft Mittelkürzung bei NPR und PBS als rechtswidrig ein (zeit.de)
Ein US-Bundesrichter habe die von Präsident Donald Trump angeordnete Streichung staatlicher Mittel für die öffentlichen Sender NPR und PBS für rechtswidrig erklärt. Der Entzug der Fördergelder stelle eine verfassungswidrige Vergeltungsmaßnahme für unliebsame Berichterstattung dar und verletze das Recht auf freie Meinungsäußerung. Reale finanzielle Folgen habe der juristische Sieg für die Sender jedoch kaum noch.
5. Tschüss Papier, hallo Pixel (verdi.de, Peter Nowak)
Die linke Tageszeitung “nd” habe ihre werktägliche Printausgabe zum 1. April eingestellt und erscheine unter der Woche nur noch digital. Lediglich die Wochenausgabe bleibe als Printmedium erhalten. Laut Vorstand seien drastisch gestiegene Druck- und Zustellkosten sowie ein akuter Personalmangel der Grund für diesen Schritt, mit dem das Blatt dem Vorbild der “taz” folge. Man hoffe, durch die konsequente Digitalisierung künftig vermehrt ein jüngeres Publikum zu erreichen.
6. Netzwerk Recherche feiert 25. Geburtstag (netzwerkrecherche.org, Franziska Senkel)
Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens blickt der Journalistenverein Netzwerk Recherche auf ein Vierteljahrhundert Einsatz für investigativen Qualitätsjournalismus und branchenweite Kooperationen zurück. Neben der Ausrichtung der stark besuchten Jahreskonferenz habe die Organisation die deutsche Medienlandschaft durch die Vergabe von über 120 Recherche-Stipendien, die Etablierung bekannter Branchenpreise wie dem “Leuchtturm” oder der “Verschlossenen Auster” sowie durch praxisnahe Leitlinien maßgeblich geprägt.
1. Medien können Frauenfeindlichkeit befeuern (taz.de, Amélie Richter)
Amélie Richter berichtet über eine große Studie der Universität Bern, die belege, wie stark frauenfeindliche Medieninhalte reale Gewalt befeuern. Die Auswertung zeige ganz klar: Der regelmäßige Konsum von sexistischen Filmen, Liedern oder Social-Media-Beiträgen mache vor allem junge Männer aggressiver und bestärke gefährliche Vorurteile gegenüber Frauen. Um diese fatale Spirale zu stoppen, würden Expertinnen und Experten eine bessere Medienbildung sowie strengere Meldemechanismen auf den Internet-Plattformen fordern.
2. NIUS – Rechtskatholisch-antifeministischer Hang zum Adel (edelweissnetzwerk.de, Andreas Kemper)
Andreas Kemper beschäftigt sich in seinem Beitrag mit den personellen Verflechtungen des rechten Portals “Nius”. Dieses versammele gezielt rechtskatholische und antifeministische Aktivistinnen und Aktivisten mit einer auffälligen Nähe zum Adel. Als zentrale Personen werden unter anderem der Publizist Alexander Kissler, die Autorin Birgit Kelle sowie die Milliardärin Gloria von Thurn und Taxis genannt. Kemper zeigt detailliert auf, wie tief diese Protagonisten in internationale rechtsextreme, oligarchische und klerikale Netzwerke verstrickt seien.
3. El Hotzo wegen seiner Trump-Tweets rechtskräftig freigesprochen (lto.de, Max Kolter)
Wie “Legal Tribune Online” berichtet, wurde Sebastian Hotz, bekannt als “El Hotzo”, wegen seiner umstrittenen Tweets zum Attentat auf Donald Trump im Jahr 2024 nun in letzter Instanz rechtskräftig freigesprochen. Die Berliner Staatsanwaltschaft habe Hotz die Billigung von Straftaten vorgeworfen, da er den verfehlten Schuss auf Trump mit einem verpassten Bus verglichen und angemerkt habe, er finde es fantastisch, wenn Faschisten stürben. Das Kammergericht habe geurteilt, dass die Äußerungen als klar erkennbare Satire und “klassischer Fall von Machtkritik” von der Meinungsfreiheit gedeckt seien.
4. Newsletter Netzwerk Recherche 255 (netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Elisa Simantke)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Elisa Simantke, die auf das bevorstehende Jubiläum der Organisation hinweist. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.
5. Gesundheitsmagazine: Es geht auch kritisch, evidenzbasiert und ganz ohne Werbung (igel-monitor.de, Marcus Anhäuser, Audio: 37:58 Minuten)
In der neuen Folge des “IGeL-Podcasts” widmet sich Moderator Marcus Anhäuser der Schwierigkeit, in der heutigen Medienflut verlässliche und werbefreie Gesundheitsinformationen zu finden. Als aus seiner Sicht positive Gegenbeispiele stellt er die beiden unabhängigen und rein abofinanzierten Magazine “arznei-telegramm” und “Gute Pillen – Schlechte Pillen” vor. In Interviews mit den jeweiligen Blattmachern wird klar, warum diese neuen Medikamenten oft erst einmal skeptisch gegenüberstünden und was auf dem unübersichtlichen Markt für Nahrungsergänzungsmittel derzeit schieflaufe.
6. “Fun Facts” mit Marc-Uwe Kling: Dann lachen wir das eben selbst (dwdl.de, Peer Schader)
In seiner aktuellen Kolumne berichtet der Medienjournalist Peer Schader über “Fun Facts”, ein neues, von Marc-Uwe Kling und der “Correctiv”-Redaktion gestartetes Online-Nachrichtenformat. Darin würden werktäglich wechselnde prominente Hosts das politische Weltgeschehen aus einer konsequent aktivistischen und linken Perspektive humoristisch einordnen. Schader ist insgesamt recht angetan von dem Format und bezeichnet es als das “vielleicht interessanteste Medienexperiment des Jahres”.
1. Weimer macht genau das, wofür er ins Amt berufen wurde (taz.de, Pauline Jäckels)
In der “taz” kommentiert Pauline Jäckels das Vorgehen des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer: “Weimer mag an der ein oder anderen Stelle wie ein Stümper gehandelt haben – aber er erreicht, was ganz im Sinne der Merz-Regierung ist: Trotz Widerstand der Kulturschaffenden werden all jene Institutionen, die von staatlichen Geldern abhängig sind, künftig genau abwägen, wie sie sich äußern. Etwa, ob sie sich bei kritischen Themen offen gegen die Politik der Bundesregierung stellen. Jede neue Weimer-Schlagzeile befördert Selbstzensur. Man nennt das ‘Chilling Effect’. Dafür reicht schon das ständige Androhen von Sanktionen.”
2. Kulturförderung unter rechten Bedingungen (verdi.de, Gisela Wehrl)
Kulturstaatsminister Weimer werde weiterhin für den Ausschluss von drei Buchläden vom Buchhandlungspreis wegen angeblicher “verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse” kritisiert. Auf der Leipziger Buchmesse hätten Branchenvertreter große Solidarität mit den betroffenen Läden geäußert und vor politischer Einflussnahme sowie einer drohenden “Schere im Kopf” im gesamten Kulturbetrieb gewarnt. Der Vorfall werde von Kritikerinnen und Kritikern als Teil eines größeren konservativen Kulturkampfes gewertet, der zunehmend auch andere Bildungs- und Demokratieprojekte bedrohe.
3. Autokratie leben! (mdr.de, René Martens)
René Martens behandelt in seiner Kolumne die kontroverse Entscheidung von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), die Fördermittel für 200 zivilgesellschaftliche Projekte des Programms “Demokratie leben!” zu streichen. Er kritisiert die offizielle Begründung der mangelnden Wirksamkeit als haltlos. Es handele sich um eine gezielte politische Agenda gegen vermeintlich “linksaktivistische” Organisationen wie HateAid, “Correctiv” oder die Amadeu Antonio Stiftung. Martens zeigt zudem auf, wie diese Entscheidung durch vorangegangene, teils fehlerhafte Medienberichterstattung, insbesondere durch die “Welt”, befeuert und legitimiert worden sei.
4. Presserat rügt “Jüdische Allgemeine” wegen Vorverurteilung (evangelische-zeitung.de)
Der Deutsche Presserat habe insgesamt 19 Rügen an verschiedene deutsche Medienhäuser ausgesprochen. Eine Rüge sei an die “Jüdische Allgemeine” gegangen, die einen im Gazastreifen getöteten Al-Dschasira-Journalisten ohne eigene objektive Belege als Terroristen vorverurteilt und damit dessen Ehre verletzt habe. Daneben listet der Text zahlreiche weitere journalistische Fehltritte auf. Dazu gehören ein als echter Erfahrungsbericht getarnter KI-Artikel bei “Business Insider”, unzulässige Identifizierungen durch die “Bild”-Medien sowie falsche oder ehrverletzende Behauptungen in Titeln der Ippen-Gruppe.
5. Bericht von der 233. Sitzung des MDR-Rundfunkrat (flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy)
Peter Stawowy berichtet von der vergangenen Sitzung des MDR-Rundfunkrats. Dort sei es um die massiven finanziellen und strukturellen Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Senders gegangen. Die Sparzwänge würden intern zu großen Spannungen führen, da es bereits einen Einstellungsstopp gebe und vor allem freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über drastische, unangekündigte Auftragsrückgänge klagen würden. Zu den weiteren Schwerpunkten der Sitzung hätten die bevorstehende Zusammenlegung von Programmdirektionen, die Umwandlung der “Schlagerwelt” in ein reines Webradio sowie der vom MDR initiierte “Leipziger Appell” zur Verteidigung der Medienfreiheit gehört.
6. ARD Kultur sucht KI-Formate für “neue Perspektiven” (dwdl.de, Alexander Krei)
Die digitale Kulturplattform ARD Kultur habe eine Ausschreibung für innovative, non-fiktionale Medienformate gestartet, die Künstliche Intelligenz kreativ in der Produktion einsetzen. Gesucht würden Video- und Audioprojekte für die ARD Mediathek und ARD Sounds, die kulturelle Themen für die Zielgruppe der 20- bis 49-Jährigen aus neuen und gesellschaftsrelevanten Perspektiven erzählen. Medienschaffende, Podcaster und junge Talente mit nachweisbarer KI-Erfahrung könnten ihre Konzepte noch bis Ende Mai einreichen.
1. “Das ist eine Frage des Risikos” (taz.de, Lotte Laloire)
In einem aktuellen Interview der “taz” spricht Lotte Laloire mit dem Medienrechtsanwalt Jasper Prigge. Thema des Gesprächs ist die juristisch heikle Verdachtsberichterstattung bei Vorwürfen sexualisierter Gewalt. Prigge erklärt, warum kleinere Medien entsprechende Berichte größerer Leitmedien nicht einfach abschreiben dürfen. Jede Redaktion sei gesetzlich zu einer eigenen, detaillierten Beweisprüfung verpflichtet. Andernfalls würden wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten teure Klagen drohen.
2. Verfassungsfeindlich, aber nicht verboten (netzpolitik.org, David Werdermann)
Der Rechtsanwalt David Werdermann analysiert in seinem Gastbeitrag für netzpolitik.org das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Sommer 2025, welches das Verbot des rechtsextremen “Compact”-Magazins wieder aufgehoben habe. Er erklärt, warum das Gericht das Magazin und den dahinterstehenden Kreis um Chefredakteur Jürgen Elsässer zwar inhaltlich als verfassungs- und demokratiefeindlich einstufe, ein komplettes Verbot aber als unverhältnismäßig bewerte. Abschließend ordnet Werdermann ein, was diese Entscheidung grundsätzlich für die Pressefreiheit bedeutet.
3. Ist das schon Zensur? Wie sich die Medien- und Meinungslandschaft in den USA verändert (sr.de, Kai Schmieding & Michael Meyer, Audio: 18:25 Minuten)
In der aktuellen Folge von “Medien – Cross und Quer” sprechen Michael Meyer und Kai Schmieding mit dem ehemaligen ARD-Korrespondenten Arthur Landwehr über die wachsende Bedrohung der Pressefreiheit in den USA. Gut ein Jahr nach Donald Trumps erneuter Amtsübernahme ziehen sie eine alarmierende Bilanz zur dortigen Medienlandschaft, die zunehmend durch staatliche Klagen und gezielte Einschüchterungen von regierungskritischen Redaktionen sowie Satirikern wie Jimmy Kimmel geprägt sei.
4. Geschworene sehen Kursmanipulation bei Twitter-Übernahme (spiegel.de)
Ein Geschworenengericht in San Francisco habe entschieden, dass Elon Musk im Jahr 2022 durch irreführende Aussagen den Twitter-Aktienkurs künstlich gedrückt und damit gegen Wertpapiergesetze verstoßen habe. Damalige Aktionäre hätten ihn deshalb verklagt. Nun könnten Musk Entschädigungszahlungen in Millionen- bis Milliardenhöhe drohen, was für ihn angesichts seines geschätzten Vermögens von über 640 Milliarden US-Dollar finanziell jedoch leicht zu verschmerzen sein dürfte.
5. Social-Media-Verbot: Was in der Debatte untergeht (br.de, Sophie Morár, Audio: 27:45 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “BR24 Medien” spricht Moderatorin Sophie Morár mit drei Experten über die vieldiskutierte Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren. Ihre Gäste sind der ARD-Korrespondent Florian Bahrdt, der netzpolitik.org-Journalist Sebastian Meineck und der Medienpädagoge Niels Brüggen. Sie schauen sich das australische Modell an, diskutieren die Folgen strenger Alterskontrollen für den Datenschutz und erörtern, wie Tech-Konzerne stärker in die Verantwortung genommen werden können.
6. Marie Lina Smyrek: “Ich bin kein One-Trick-Pony. Ich kann mehr als nur Filter.” (dwdl.de, Senta Krasser)
Senta Krasser wirft einen Blick auf die Karriere der Moderatorin und Comedy-Autorin Marie Lina Smyrek. Die bald 28-Jährige, die für ihre “funk”-Formate (“smypathisch”) bereits zum zweiten Mal mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden sei, verbinde die Leichtigkeit von Social Media mit der Produktionsqualität des klassischen Fernsehens. Krasser zeichnet Smyreks Weg von der TikTok-Creatorin hin zur gefragten Moderatorin und Schauspielerin nach. Dabei geht es auch um die Gründe, warum Smyrek ihr wöchentliches “funk”-Nachrichtenformat kürzlich eingestellt hat.
7. Es gilt die Arschlochvermutung (hakendran.podigee.io, Gavin Karlmeier, Audio: 1:00:46 Stunden)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In der aktuellen Folge des Social-Media-Podcasts “Haken dran” diskutiert Gavin Karlmeier mit dem “6-vor-9”-Kurator über die wachsende Gefahr durch KI-generierte Deepfakes. Sie schauen dabei auf den aktuellen Fall von Collien Fernandes und kritisieren die fehlende rechtliche Plattformhaftung sowie das Versagen der Politik beim digitalen Opferschutz. Weitere Schwerpunkte der Sendung sind Metas unzureichende Inhaltsmoderation im Wahlkampf und die millionenschweren juristischen Niederlagen von Elon Musk rund um seine Twitter-Übernahme.
1. “Zur Schwankenden Weltkugel” mahnt Weimer wegen Interview ab (lto.de, Annelie Kaufmann)
Die Inhaberinnen der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” würden sich nun juristisch gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wehren und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung fordern. Grund dafür sei ein aktuelles Zeitungsinterview, in dem Weimer die vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Läden öffentlich als “politische Extremisten” bezeichnet habe. Der Anwalt der Buchhandlung kritisiere diese Wortwahl als rechtswidrige und stigmatisierende Diffamierung, die der Kulturstaatsminister im Falle einer Weigerung vor Gericht mit konkreten Fakten belegen müsse.
2. Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt (taz.de, Erik Peter)
Das neu gegründete “Edelweiß Netzwerk” habe den “Nius”-Macher Julian Reichelt mit einer fahrbaren Großbildleinwand im Berliner Regierungsviertel gezielt provoziert. Auf der Leinwand seien Schmähzitate gegen ihn präsentiert worden. Reichelt und seine Anhängerschaft hätten sich online sofort lautstark über den vermeintlichen linken Hass empört. Die verwendeten Zitate seien in Wahrheit jedoch aus “Nius”-Kommentarspalten entnommen worden und hätten sich ursprünglich gegen prominente Frauen gerichtet.
3. Ramadan-Luxusbuffet erfunden: NIUS blamiert sich wieder mit Fake-Story! (volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Das Portal “Nius” habe laut “Volksverpetzer” eine gezielte Falschmeldung über ein angeblich steuerfinanziertes “Ramadan-Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger” in der Dortmunder Arbeitsagentur verbreitet. Recherchen von t-online.de hätten den Vorfall jedoch rasch aufgeklärt: Die neue, selbst nicht muslimische Kantinenpächterin habe die rein weltliche Eröffnungsfeier als Werbeaktion komplett aus eigener Tasche bezahlt.
4. Wenig Reichweite, viel Hass (netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Eine aktuelle Analyse des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie zeige, dass deutsche Bundesministerien und Behörden auf der Plattform X (ehemals Twitter) kaum noch nennenswerte Reichweiten erzielen. Viele staatliche Stellen würden ihre Präsenz mit ihrem verfassungsrechtlichen Informationsauftrag begründen. In der Realität würden ihre Beiträge jedoch nur minimale Interaktionsraten im einstelligen Prozentbereich verzeichnen: “Die meisten untersuchten Accounts der Bundesministerien haben unter 200.000 Follower:innen und erzeugen kaum Resonanz.”
5. “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien” (mdr.de)
Der öffentlich-rechtliche MDR habe gemeinsam mit zahlreichen Institutionen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur einen “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien” veröffentlicht. Die Initiative wolle ein starkes Signal für den uneingeschränkten Zugang zu Informationen setzen und betonen, dass jeder Angriff auf die Informationsfreiheit unweigerlich auch das demokratische Gemeinwesen angreife.
6. Facts and Fantasy (journalist.de, Hilmar Poganatz)
Der Journalist Hilmar Poganatz berichtet, dass immer mehr öffentliche-rechtliche Medienhäuser wie BR und SWR sogenannte Pen-and-Paper-Rollenspiele als innovatives, auch journalistisches Format entdecken. Durch diese live auf Plattformen wie Twitch und YouTube gestreamten Spielrunden würden sich komplexe oder historische Themen stark emotionalisieren lassen. Dadurch erreiche man gezielt jene “Digital Natives”, die klassische Nachrichtenangebote mittlerweile oft meiden.
1. Buhrufe für Weimer bei Buchmesse-Eröffnung (tagesschau.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sei bei seiner Eröffnungsrede auf der Leipziger Buchmesse vom Publikum lautstark ausgebuht, sein Auftritt von massiven Protesten vor dem Gebäude begleitet worden. Grund dafür sei sein umstrittener Ausschluss dreier linker Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis aufgrund geheimer Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels habe gewarnt, die Branche lasse sich durch solche politischen Interventionen weder einschüchtern noch spalten.
2. Abstreiten, angreifen, ablenken (taz.de, Timm Kühn)
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) drohe dem “Tagesspiegel” mit einer Klage, nachdem die Redaktion gravierende Widersprüche bei Wegners Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls nach einem Brandanschlag aufgedeckt habe (beim “Tagesspiegel” nur mit Abo lesbar). Wegner habe seinen umstrittenen Ausflug auf den Tennisplatz zunächst mit vielen intensiven Telefonaten am Vormittag gerechtfertigt, was die vom “Tagesspiegel” per Klage erstrittenen Dokumente der Senatskanzlei jedoch widerlegt hätten. “taz”-Redakteur Timm Kühn hält die Klageandrohung für ein gezieltes, populistisches Ablenkungsmanöver.
3. Wer auftaucht, ist von Interesse (lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Frankfurt am Main habe einen Unterlassungsantrag der deutschen Unternehmerin Nicole Junkermann abgewiesen und damit entschieden, dass Medien des Axel-Springer-Verlags rechtmäßig über Junkermanns Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein berichten durften. Felix W. Zimmermann kommentiert: “Nicht jede private Kommunikation mit Epstein ist von überwiegendem öffentlichem Interesse – fraglos aber jene, die zeigt, wie Personen in Epsteins Netzwerk seine Taten relativieren, verharmlosen oder unterstützen und Einblicke in Strukturen, Mechanismen und Verantwortlichkeiten eines solchen Machtgefüges ermöglicht.”
Weiterer Lesetipp: Gericht weist Lilly Beckers Klage gegen Springer-Verlag ab: “Lilly Becker warf »Bild«-Unterhaltungschefin Tanja May Vertragsbruch vor und zog vor Gericht. Nun wurde Ihre Forderung nach einer Vertragsstrafe abgelehnt.” (spiegel.de)
4. “Wir erklären, warum Medien die Fehler machen, die sie machen” (dfjv.de, Gunter Becker)
Gunter Becker hat sich mit Alexander Graf unterhalten, dem Chefredakteur und Geschäftsführer des Medienmagazins “Übermedien”. Anlass des Gesprächs ist das zehnjährige Bestehen des Onlinemagazins. Graf erklärt im Gespräch die grundlegende Philosophie von “Übermedien”: Man verstehe sich nicht als reines Branchenblatt für Medienschaffende, sondern wolle in erster Linie dem normalen Publikum erklären, wie Medien funktionieren und warum dort regelmäßig Fehler passieren.
Weiterer Lesetipp: Bei “turi2” hat Björn Czieslik mit Frederik von Castell, dem Chefredakteur des “medium magazins”, über die umfassende strategische Neuausrichtung des Fachblatts gesprochen. Die Publikation wandle sich zum Digitalmedium: “Als ich 2024 beim ‘medium magazin’ losgelegt habe, wussten wir auch alle: Wir wollen viel mehr sein. Es passt nicht mehr zu den Wünschen unserer Abonnentinnen und Abonnenten, zu unserem Anspruch als Redaktion, alle zwei, drei Monate zu erscheinen.” (turi2.de)
5. POP: Sechs europäische Organisationen bündeln Kräfte gegen Desinformation (correctiv.org)
Sechs europäische Organisationen, darunter die Redaktion von “Correctiv”, hätten das EU-finanzierte Projekt “POP” ins Leben gerufen, um die Medienkompetenz in ländlichen Regionen sowie bei älteren Menschen in Deutschland, Italien, Kroatien und Spanien gezielt zu stärken. Hintergrund sei die wachsende Gefahr durch Desinformation und KI-Fakes. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plane die Initiative ab dem Frühjahr 2027 in europaweit 20 ländlichen Regionen zweitägige Pop-Up-Events.
6. Der größte Scam Deutschlands (den alle ignorieren) (youtube.com, Mats Schönauer, Video: 27:24 Minuten)
Mats Schönauer hat sich einer bemerkenswert großen Herausforderung gestellt: “Seit Jahrzehnten verdienen sie Milliarden damit, die Privatsphäre von Menschen zu verletzen und gutgläubige Leserinnen zu betrügen: die bunten Blätter der Klatschpresse. Ich habe ALLE Titelseiten der deutschen Yellow Press eines ganzen Jahres analysiert – 5.000 Schlagzeilen über 830 Prominente.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.
7. Reuters enthüllt Banksys Identität (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:33 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die “Enttarnung” des Künstlers Banksy durch eine Reuters-Recherche: “Die Frage ist doch: Was genau gewinnt irgendjemand, wenn er den bürgerlichen Namen von Banksy kennt? Versteht man dann seine Kunst besser? Nein. Wird die Welt informierter? Nein. Das Einzige, was passiert: Ein Mann, der mächtige Leute kritisiert – Diktatoren, Kriegstreiber, Konzerne -, dieser Mann ist jetzt identifizierbar.”