Tja. Wie viele Fotos hätte der Bild.de-Autor noch in der Fotogalerie gebraucht, um nicht zu behaupten, an diesem getunten VW Passat Variant (siehe Ausrisse) seien keine Außenspiegel zu sehen?
Nachtrag, 19. Februar. Nach drei Tagen hat auch Bild.de sie entdeckt.
1. Journalist wehrt sich gegen Staatstrojaner-Angriff (netzpolitik.org, Constanze Kurz & Andre Meister)
Constanze Kurz und Andre Meister berichten bei netzpolitik.org, dass der deutsch-vietnamesische Journalist Trung Khoa Lê gemeinsam mit der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) Strafanzeige wegen eines mutmaßlichen Staatstrojaner-Angriffs gestellt habe. Unbekannte Täter sollen versucht haben, ihm über einen Link die Spyware “Predator” aufzuspielen, mutmaßlich wegen seiner kritischen Recherchen zur vietnamesischen Regierung. Die GFF sehe darin einen Angriff auf Privatsphäre, IT-Grundrecht, Fernmeldegeheimnis und journalistischen Quellenschutz.
2. AfD-Pläne gefährden Medienpolitik (verdi.de, Volker Nünning)
Volker Nünning warnt, dass mögliche AfD-Regierungen in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern die Medienpolitik der Länder destabilisieren könnten. Hintergrund seien Ankündigungen der Partei, Staatsverträge im Medienbereich zu kündigen, was neue bundesweite Regelungen etwa zum Digitale-Medien-Staatsvertrag, zu KI in der Medienaufsicht, zum European Media Freedom Act und zur politischen Werbung erschwere.
3. Trump klagt nach Schlappe weiter gegen “Wall Street Journal” (taz.de)
Donald Trump setze seine Klage gegen das “Wall Street Journal” (“WSJ”) wegen eines Berichts über ein angebliches Gratulationsschreiben an Jeffrey Epstein fort. Nachdem eine erste Klage von einem Gericht vorläufig abgewiesen worden sei, habe Trump nun eine überarbeitete Klage eingereicht und werfe der Redaktion weiterhin Verleumdung und böswilliges Handeln vor. Das “WSJ” hatte über ein angebliches Schreiben zu Epsteins 50. Geburtstag berichtet, das Trumps Namen tragen soll. Dieser bestreite die Urheberschaft und fordere Schadensersatz in Milliardenhöhe.
4. 160.000 Euro gegen 15.000 Euro – ein Podiumsgespräch erschüttert die Buchbranche (fr.de, Sven Trautwein)
Sven Trautwein beschreibt die nach wie vor anhaltende Debatte in der Buchbranche, die durch eine Podiumsdiskussion auf der re:publica ausgelöst wurde: Hanno Sauer und Mareice Kaiser verglichen öffentlich ihre Buchvorschüsse. Sauer nannte 160.000 Euro, Kaiser 15.000 Euro. Die Differenz sei ein Beispiel für größere Ungleichheiten im Literaturbetrieb, so Trautwein. Nebenbei liefert der Text noch eine Seiteninfo, die in der bisherigen Debatte fehlte: Der Betrag von 160.000 Euro bezog sich anscheinend auf ein Paket von zwei Büchern.
5. Perspektivenvielfalt – Wer in Medien zu Wort kommt (deutschlandfunk.de, Martin Krebbers, Audio: 31:45 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um das Thema Perspektivenvielfalt und die Fragen: “Wer kommt in Medien zu Wort? Wie stellt ausgewogener Journalismus Perspektivenvielfalt her?” DLF-Hörer Michael Lamparter diskutiert darüber mit Joachim Dorfs (“Stuttgarter Zeitung”) und Sarah Zerback (DLF).
6. Über sieben Millionen Deutsche streamen illegal (spiegel.de)
Laut einer Studie des Branchenverbands Vaunet zu illegalem TV-Streaming hätten 2025 rund 7,7 Millionen Menschen in Deutschland illegale Angebote genutzt, um lineares Fernsehen zu schauen. Besonders verbreitet sei dies bei Jüngeren, auch weil illegale Streams inzwischen bequem über Smart-TVs, Streamingboxen oder Smartphones nutzbar seien. Der Verband beziffere den Schaden für die Branche auf mehr als 1,5 Milliarden Euro.
1. Kleistern gegen die Bedeutungslosigkeit (taz.de, Hanno Fleckenstein)
Die “taz” berichtet über eine Werbekampagne des rechten Krawallportals “Nius” in Berliner U-Bahnen, die online Kritik und eine Petition ausgelöst habe. “taz”-Autor Hanno Fleckenstein ordnet die Werbekampagne als Versuch ein, mangelnde Reichweite zu kompensieren: “Nius” habe laut Branchendaten deutlich sinkende Klickzahlen, schreibe rote Zahlen und sei stark von Geldgeber Frank Gotthardt abhängig.
2. Gesetz gegen Einschüchterungsklagen: SLAPPS (verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi wirbt für ein wirksames deutsches Gesetz gegen SLAPPs, also Einschüchterungsklagen gegen Journalistinnen, Journalisten und andere kritische Stimmen. Zwar habe die EU ihre Mitgliedstaaten verpflichtet, gegen derartige missbräuchlichen Klagen vorzugehen, der deutsche Gesetzentwurf sei jedoch so stark abgeschwächt worden, dass er kaum noch Schutz biete. Verdi ruft deshalb zu einer Aktion auf: “Schreib Deinen Wahlkreisabgeordneten von CDU/CSU, um sie umzustimmen. Nur, wenn möglichst viele Unions-Abgeordnete das Problem anerkennen, kann ein wirksames Gesetz gegen SLAPPs kommen. Mach mit!” (Musterbrief)
3. Wolfram Weimer: “Die Flut, die da kommt, wird alle Boote heben” (dwdl.de, Thomas Lückerath)
Im Interview mit “DWDL” verteidigt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die neue Investitionsverpflichtung für Mediendienste als großen Schub für den Produktionsstandort Deutschland. Neben 250 Millionen Euro Bundesfilmförderung sollen Streamer, private Sendergruppen und Öffentlich-Rechtliche künftig stärker verpflichtet werden, in deutsche Produktionen zu investieren. Weimer erwartet bis zu 15 Milliarden Euro an Investitionen in fünf Jahren und spricht von einem “Filmbooster”. Teils offene Fragen bleiben bei der tatsächlichen Wirkung der Quoten, möglichen Ausweichstrategien internationaler Anbieter und der Durchsetzung bei Nichterfüllung.
4. Sozialverband reicht Programmbeschwerde gegen ZDF-Dokumentation ein (medien.epd.de)
Der Verein Sanktionsfrei habe Programmbeschwerde gegen die ZDF-Dokumentation “Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?” eingereicht. Die vor zwei Wochen ausgestrahlte Sendung arbeite wiederholt mit außergewöhnlichen Einzelfällen, ohne diese ausreichend statistisch einzuordnen, und erwecke so den Eindruck, Sozialleistungsbetrug sei weit verbreitet. Sozialverbände, Armutsforschung oder die Bundesagentur für Arbeit kämen kaum zu Wort. Helena Steinhaus, Gründerin von Sanktionsfrei, kritisiert: “Gerade öffentlich-rechtliche Formate tragen eine besondere Verantwortung, gesellschaftlich sensible Themen faktenbasiert und differenziert darzustellen.”
5. Meta startet kostenpflichtige Plus-Modelle (spiegel.de)
Der Social-Media-Konzern Meta führe weltweit kostenpflichtige Plus-Modelle für Instagram, Facebook und WhatsApp ein. Die Abos sollen Zusatzfunktionen bieten, etwa bessere Statistiken, Story-Analysen, Profilanpassungen, Premium-Sticker und individuelle Klingeltöne. Konkrete Preise nenne Meta noch nicht. Verschiedene Medien würden von etwa 3,99 Dollar monatlich für Instagram Plus und Facebook Plus sowie 2,99 Dollar für WhatsApp Plus berichten. Ziel sei offenbar, zusätzliche Einnahmequellen neben Werbung aufzubauen.
6. Wie “Germany’s Next Topmodel” ein Exempel statuierte (rhein-zeitung.de, Celina de Cuveland)
Celina de Cuveland erklärt anhand einer Erfahrung beim Finale von “Germany’s Next Topmodel” 2017, warum journalistische Absprachen wie Sperrfristen wichtig seien. Damals hätten Medien Ergebnisse der Liveshow wegen einer technischen Verzögerung erst mit einigen Minuten Versatz veröffentlichen dürfen. Eine Kollegin habe diese Absprache gebrochen und sei sofort aus der Veranstaltungshalle begleitet worden. De Cuvelands Fazit: “Wenn wir als Journalisten uns bewusst nicht an Absprachen halten, sollte das einen triftigen Grund haben oder das öffentliche Interesse sollte die Entscheidung rechtfertigen. Das hat nichts mit Angst oder Einflussnahme zu tun – sondern vielmehr mit Fairness, die in unserem Beruf relevant ist.”
7. Hitzeberichte ohne Hinweis auf die Klimakrise? (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:23 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator, dass ARD und ZDF über die aktuelle Hitzewelle in Westeuropa ausführlich berichten, sie aber laut der Initiative “Klima vor acht” nicht als Folge der Klimakrise einordnen würden. Wenn Medien die Klimakrise aus der Berichterstattung ausblenden, erleichtere dies der Politik den Weg, die Klimaziele aufzuweichen.
1. Weltweite Solidarität mit der Deutschen Welle (verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi berichtet von internationaler Solidarität mit der Deutschen Welle (DW), nachdem die Bundesregierung das Budget des Auslandssenders um 10 Millionen Euro kürzen wolle. Der DW-Rundfunkrat habe daraufhin einen Sparplan von mehr als 20 Millionen Euro beschlossen. Über 200 Vollzeitstellen sollen wegfallen, vor allem zulasten befristet Beschäftigter und Freier. Zugleich würden deutliche Programmeinschnitte drohen, unter anderem beim griechischen Dienst sowie bei spanischen, arabischen, portugiesischen und deutschsprachigen Angeboten.
2. Copy and Waste (taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Ann-Kathrin Leclère kritisiert in ihrem Kommentar das gescheiterte Projekt von “Correctiv” und “Katapult”, eine frei zugängliche Suchdatenbank zur NSDAP-Mitgliederkartei bereitzustellen. Die Idee, historische Quellen ohne Paywall zugänglich zu machen, sei grundsätzlich begrüßenswert. Kurz nach Veröffentlichung musste die Datenbank allerdings offline gehen, weil die Daten offenbar aus der bereits aufbereiteten “Zeit”-Datenbank stammen könnten. Solche Fehler würden das Vertrauen in journalistische Datenprojekte beschädigen.
3. Wie sich Priens Kahlschlag auswirkt (netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Tomas Rudl beschreibt die Folgen der geplanten Kürzungen und Umstrukturierungen beim Bundesprogramm “Demokratie leben” durch Bildungsministerin Karin Prien. Mehr als 200 Projekte und vor allem langfristig aufgebaute Netzwerke gegen Rechtsextremismus, digitale Gewalt, Hassrede, Desinformation und Radikalisierung könnten aus der Förderung fallen. Dies betreffe Organisationen wie die Amadeu Antonio Stiftung, AlgorithmWatch, HateAid, Das NETTZ, die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur oder die Open Knowledge Foundation.
4. KI soll 50.000 Urteile anonymisieren (lto.de)
Bayern wolle mithilfe von Künstlicher Intelligenz deutlich mehr Gerichtsurteile veröffentlichen. Das Tool “ALeKS” solle Entscheidungen automatisch anonymisieren, damit sensible Daten nicht mehr vollständig von Hand geschwärzt werden müssen. Geplant sei, in den kommenden Jahren 50.000 Urteile zugänglich zu machen. Über die Veröffentlichung sollen jedoch weiterhin die jeweiligen Richterinnen und Richter entscheiden.
5. Gutachten für die ARD: Was sind Vielfalt und Ausgewogenheit? (dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein Gutachten im Auftrag des Bayerischen Rundfunks habe untersucht, was Vielfalt und Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Journalismus bedeuten und wie sie redaktionell gesichert werden können. Die Studie empfehle mehr Monitoring, Vielfalts-Checks, Fortbildungen und interne Werkzeuge für Redaktionen.
6. Britischer Radiosender meldet irrtümlich Tod von König Charles III. (spiegel.de)
Der britische Sender Radio Caroline habe um Entschuldigung gebeten, nachdem er versehentlich den Tod von König Charles III. gemeldet habe. Ursache sei laut Senderchef Peter Moore ein Computerfehler gewesen, durch den das vorbereitete Notfallprotokoll für den Tod eines Monarchen ausgelöst worden sei. Der Sender habe die Falschmeldung live und online korrigiert.
7. Angela Merkel auf allen Kanälen (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:43 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins beschreibt der “6-vor-9”-Kurator Angela Merkels neue öffentliche, mediale Sichtbarkeit als Rollenwechsel von der früheren Kanzlerin zur “politischen Bürgerin”. Die Pointe: Wenn ausgerechnet die Politikerin ohne aktuelles Amt den meisten Applaus bekomme, sage das viel über den Zustand der derzeitigen Politik.
1. Politischer Einfluss auf den ÖRR (zdf.de, Jan Böhmermann, Video: 33:53 Minuten)
Jan Böhmermann widmet sich im “ZDF Magazin Royale” der politischen Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ausgangspunkt sind Vorwürfe, dass ARD und ZDF zu teuer seien, zu groß oder zu links, sowie aktuelle Aussagen von Politikerinnen und Politikern wie Julia Klöckner, Wolfram Weimer und Markus Söder. Außerdem geht es um Fragen wie “Was bedeutet eigentlich ‘staatsfern’? Wie viele TV-Total-Nippel verträgt eine ZDF-Show? Und: Ist der Star-Moderator wirklich ein größeres Arschloch als ein Blauwal-Anus?”
2. Von Rocklegenden und Popfeen: Der strukturelle Sexismus im Musikjournalismus (kobuk.at, Sarah Neururer)
Eine Analyse von mehreren hundert Artikeln bei “Rolling Stone”, “Musikexpress”, “Spiegel” und “Standard” zeige, dass männliche Musiker deutlich häufiger als “Legenden”, “Götter”, “Pioniere” oder “Genies” beschrieben würden. Künstlerinnen würden hingegen öfter verniedlicht, sexualisiert oder über Klischees wie “Prinzessin”, “Engel”, “Domina” und “Rotzgöre” eingeordnet. Sarah Neururers Fazit: “Solche Zuschreibungen prägen sich ein, sie schreiben alte Rollenklischees fort und sind sexistisch. Indem der Musikjournalismus unterscheidet, wer eine Legende sein darf und wer eine Fee bleibt, prägt er auch unser kulturelles Gedächtnis.”
3. Das nächste Virus geht schon viral (taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Ann-Kathrin Leclère kritisiert die mediale Aufregung um den Hantavirus-Ausbruch auf der “MS Hondius”. Obwohl laut Weltgesundheitsorganisation derzeit kein Pandemie-Szenario drohe, würden Schlagzeilen, Liveticker und Social-Media-Videos alte Corona-Bilder und Ängste reaktivieren. Medien sollten zwischen gesicherten Informationen und Spekulationen klar unterscheiden. Beim Thema Hantavirus heiße das, eher ruhig einzuordnen als im Breaking-News-Modus zu berichten.
4. Frisst Künstliche Intelligenz die Jobs im Journalismus? (uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 15:48 Minuten)
Bei “Holger ruft an” spricht Holger Klein mit Medienjournalist Marvin Schade vom “Medieninsider” über Stellenabbau bei “Bild” und “Spiegel”, wo Aufgaben in Produktion und Layout künftig automatisiert oder von Künstliche Intelligenz übernommen werden sollen. Schade sieht KI nicht grundsätzlich kritisch und hält sie etwa beim Redigieren für kleinere Redaktionen für nützlich.
5. Wer einen Chatbot betreibt, ist für dessen Lügen verantwortlich (spiegel.de)
Das Oberlandesgericht Hamm habe entschieden, dass Betreiber von Chatsbots für deren falsche Aussagen haften. Im konkreten Fall habe der Chatbot einer Schönheitsklinik erfundene beziehungsweise unzutreffende Facharztbezeichnungen für Ärzte genannt. Das Gericht habe die Angaben als irreführende geschäftliche Handlung gewertet. Ähnlich habe zuvor schon das Landgericht Hamburg entschieden: Auch Plattformbetreiber wie X müssten für falsche Aussagen ihrer KI-Systeme einstehen.
6. Der ewige Streit um “moderne Medien”: Wie Strafverfahren die Stenografie voranbrachten (lto.de, Martin Rath)
Martin Rath zeichnet den Streit um ausführliche Protokolle in Strafverfahren medienhistorisch nach und zeigt, dass schon die Stenografie als “modernes Medium” juristische Machtfragen auslöste. Ausgangspunkt ist ein Fall des Bundesgerichtshofs von 1963, in dem eine stenografierende Anwaltsgehilfin zu Unrecht aus dem Gerichtssaal gewiesen worden sei. Außerdem geht es um frühere Auseinandersetzungen um Kurzschrift, Gerichtsprotokolle, parlamentarische Dokumentation und spätere Ton- und Filmaufnahmen in Prozessen.
1. SPD, Grüne und Linke verlassen X (tagesschau.de)
SPD, Grüne und Linke hätten angekündigt, ihre Aktivitäten auf X (vormals Twitter) in einer gemeinsamen Aktion zu beenden, weil die Plattform aus ihrer Sicht zunehmend von Chaos und Desinformation geprägt sei. Betroffen seien sowohl Partei- und Fraktionsaccounts als auch viele Profile führender Politikerinnen und Politiker. Die Konten sollen zunächst stillgelegt, aber nicht gelöscht werden. Auf Bluesky kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Liebe SPD, Grüne und Linke: Ihr habt Euch Zeit gelassen, X zu verlassen. Zu viel Zeit, sagen manche und sie haben nicht ganz unrecht. Aber ihr habt Euch entschieden, immerhin. Ein kleiner Trost, falls es schmerzt: Ihr habt nichts verloren. Ihr habt nur aufgehört, so zu tun, als wär’s noch was wert.”
2. Kulturstaatsminister Weimer will Digitalabgabe auf den Weg bringen (zeit.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wolle noch vor der Sommerpause eine Digitalabgabe für große Internetplattformen wie Google, Meta oder TikTok voranbringen. Die Einnahmen sollen, anders als in Österreich, gezielt der Medienförderung dienen und vor allem den wirtschaftlich unter Druck geratenen klassischen Journalismus stärken. Weimer begründe diesen Schritt damit, dass Werbegelder und Aufmerksamkeit zunehmend zu den großen Plattformen abwandern würden. Dadurch seien besonders Lokal- und Regionalmedien gefährdet.
3. Soziale Medien ersetzen Lokalzeitungen – die zunehmend sterben (handelsblatt.com)
In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien in den USA fast 40 Prozent aller lokalen Zeitungen verschwunden. In vielen Gemeinden bleibe nur noch eine einzige klassische Nachrichtenquelle übrig, rund 50 Millionen Menschen hätten nur noch eingeschränkten oder gar keinen Zugang zu verlässlichen lokalen Nachrichten. Diese Entwicklung führe zu sogenannten “news deserts”, also Nachrichtenwüsten, die vor allem die demokratische Kontrolle vor Ort schwächen würden.
4. Wie Medien nach Lösungen gegen die Nachrichtenmüdigkeit suchen (horizont.net)
Immer mehr Menschen würden Nachrichten zumindest zeitweise bewusst meiden. Gründe seien vor allem die psychische Belastung durch negative Themen, die ständige Verfügbarkeit von Nachrichten und bei Jüngeren oft auch das Gefühl, dass viele Meldungen für das eigene Leben wenig relevant seien. Expertinnen und Experten würden warnen, dass diese Nachrichtenmüdigkeit problematisch für Öffentlichkeit und Demokratie werden könne. Als Gegenstrategie käme unter anderem ein stärkerer Lokaljournalismus in Frage.
5. Meta-Prozess in den USA: Was sich für soziale Medien ändern könnte (euronews.com, Theo Farrant)
Ein Prozess im US-Bundesstaat New Mexico gegen den Social-Media-Konzern Meta könnte weitreichende Folgen für Soziale Netzwerke haben. Eine Jury habe Meta bereits schuldig gesprochen und hohe Strafzahlungen verhängt, weil das Unternehmen Kinder mit seinen Plattformen und Geschäftspraktiken unzureichend schütze. In der nun laufenden zweiten Phase gehe es um die Frage, ob Meta zu grundlegenden Änderungen gezwungen werden kann.
6. News-Charts: Traue keiner Statistik, die nicht viral ging (dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pychas April-Auswertung der TikTok-News-Charts zeigt, welche Publisher mit einzelnen Themen besonders viel Reichweite erzielt haben. Auffällig sei, dass “Nius” trotz früherer Sperren mit einem neuen Account auf TikTok zurück sei, bislang aber noch ohne ganz großen Durchbruch. Gleichzeitig werde am Beispiel von “BR24” deutlich, dass die Videoplattform Medien für eigene Effekte und Filter inzwischen mit sichtbaren Statussymbolen und Bonusfunktionen belohne. Inhaltlich erfolgreich seien im April vor allem Videos zu Gewalt, Unfällen, Blaulichtlagen, Krisen und stark emotionalisierenden Nachrichtenmomenten gewesen.
Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!
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1. Nörgeln Journalisten zu viel? (uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 18:05 Minuten)
Holger Klein fragt im “Übermedien”-Podcast Christoph Hickmann, den Leiter des “Spiegel”-Hauptstadtbüros, ob der Politikjournalismus manchmal zu sehr ins Nörgeln und ins Hämische gerät. Ausgangspunkt ist Hickmanns Überlegung (nur mit Abo lesbar), ob überzogene Kritik an Regierung und Politik am Ende demokratiefeindlichen Stimmungen in die Hände spielen könne. Die Frage sei, wie weit journalistische Kritik gehen sollte und ob Journalistinnen und Journalisten auch vermitteln müssten, warum das politische System trotz aller Mängel verteidigungswert sei.
2. Sind unsere Kinder glücklicher ohne soziale Medien? (zeit.de, Jochen Wegner & Lisa Hegemann, Audio: 55:13 Minuten)
Im “Zeit”-Podcast “Nur eine Frage” geht es um den verantwortungsvollen Umgang von Kindern mit Sozialen Medien: “US-Psychologe Jonathan Haidt sieht die Kindheit bedroht: durch Smartphones, soziale Medien und KI-Teddybären. Auch Computer im Klassenzimmer seien falsch. Hat er recht?” Wichtiger Hinweis: Es handelt sich um die mittels Künstlicher Intelligenz übersetzte Version des englischen Originalgesprächs, mit den geklonten Stimmen der Hosts und des Gastes.
3. Zwischen Hofflohmarkt und Schützenfest – wie viel Perspektivenvielfalt braucht der Journalismus? (thisismedianow.podigee.io, Lukas Schöne, Audio: 50:42 Minuten)
Lukas Schöne spricht mit Till Opitz, Journalist beim Deutschlandfunk und Medientrainer, darüber, welche Perspektiven im Journalismus fehlen und warum. Im Zentrum des Gesprächs steht die Diagnose, dass das Problem weniger mit angeblich linken Redaktionen zu tun habe als mit ökonomischem Druck, Großstadtblasen, Zeitmangel und der Tendenz, vor allem laute, negative oder polarisierende Themen abzubilden. Opitz plädiert dafür, journalistische Kritik nicht mit populistischen Medienfeindbildern zu verwechseln, zugleich aber blinde Flecken ernst zu nehmen.
4. Wie Verschwörungstheorien funktionieren – und wem sie nutzen (youtube.com, Martin Fehrensen, Video: 32:47 Minuten)
Martin Fehrensen hat die Autorin und Politikwissenschaftlerin Katharina Nocun zu Gast. Die beiden sprechen darüber, wie Verschwörungserzählungen in Familien und Gesellschaft hineinwirken. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, warum Menschen in Krisen und Situationen des Kontrollverlusts anfälliger für solche Ideologien werden, welche psychologischen Funktionen sie erfüllen und warum sie politisch besonders von rechten und autoritären Akteuren strategisch genutzt werden.
5. Jura-Influencer bei FUNK, die Juristen, Jura für Massenpublikum erklären, Umgang mit Hate Speech und Kommis (irgendwasmitrecht.de, Marc Ohrendorf, Audio: 27:22 Minuten)
Marc Ohrendorf unterhält sich in “Irgendwas mit Recht” mit Clemens Pfeifer vom ZDF über dessen Weg vom Jurastudium in den Rechtsjournalismus sowie über Pfeifers Arbeit für das “funk”-Format “Die Juristen”: Wie bereitet man juristische Themen für ein junges Publikum auf Social Media verständlich, präzise und zugleich kurz auf, ohne fachlich zu stark zu vereinfachen? Außerdem geht es um den Umgang mit Algorithmen, Hate Speech, Desinformation und KI-Falschbehauptungen.
6. Wal-Wahnsinn: Haben wir es übertrieben? (youtube.com, Marek Walde & Raja Khadour, Video: 21:56 Minuten)
Beim NDR-Medienmagazin “Zapp” geht es darum, wie ein gestrandeter Buckelwal an der Ostsee binnen weniger Wochen zu einem riesigen Medien- und Social-Media-Ereignis wurde. Der Beitrag zeigt, wie klassische Medien mit Livetickern, Dauerschalten und Personalisierung des Tiers den Hype befeuerten, während auf TikTok, Instagram und Co. eine emotionale Parallelwelt entstand.
Weiterer Gucktipp: Der österreichische “Standard” fragt: Warum Wal Timmy Esoteriker, Influencer und Querdenker anzieht (youtube.com, Peter Zellinger, Video: 34:12 Minuten).
1. Studie zeigt Kontinuität rechter Gewalt (verdi.de)
Die Studie “Feindbild Journalist:in” des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit zeige, dass rechte Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland weiterhin ein ernstes Problem sei. Für 2025 seien mindestens 34 physische Angriffe verifiziert worden. Damit habe die Zahl zwar unter dem Höchststand von 2024 gelegen, aber weiter deutlich über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Besonders gefährlich seien Demonstrationen, bei denen sich laut Studie über Jahre stabile rechte Täterkonstellationen gegenüber der freien Presse zeigen würden.
2. “Das geht den Schmierfink gar nichts an”: AfD-Landeschef Frohnmaier pöbelt gegen SÜDKURIER-Redakteur (suedkurier.de)
Der “Südkurier” berichtet in eigener Sache, dass Markus Frohnmaier, AfD-Landeschef in Baden-Württemberg und Mitglied des Bundestages, einen Journalisten der Zeitung in einer versehentlich mitgeschickten internen Mail als “Schmierfink” bezeichnet habe. Auslöser sei eine Presseanfrage zu einer Großspende an Frohnmaiers Landesverband gewesen. Der “Südkurier” kommentiert: “Auf diese und weitere Fragen kann es Antworten geben. Oder auch nicht. Was es nicht geben muss, sind persönliche Herabwürdigungen.”
3. Sender & Verbände fordern gesetzliche Regulierung von KI-Plattformen (dwdl.de, Timo Niemeier)
ARD, ZDF sowie mehrere Medienverbände hätten gemeinsam strengere gesetzliche Regeln für den Umgang von KI-Plattformen mit journalistischen Inhalten gefordert. Sie würden warnen, dass große Tech-Konzerne Medieninhalte nutzen, ohne dafür angemessen zu zahlen, und dass klassische Medien dadurch zu bloßen Zulieferern für KI-Systeme werden. Gefordert würden deshalb stärkere urheberrechtliche Schutzrechte, mehr Transparenz über die Nutzung journalistischer Inhalte und eine faire Vergütung.
4. Wie stehen Christian Ulmens Chancen gegen den Spiegel? (lto.de, Felix W. Zimmermann)
Felix W. Zimmermann analysiert, wie die Erfolgsaussichten von Christian Ulmen im Verfahren gegen den “Spiegel” stehen. Zentrale Fragen seien, ob die Redaktion in ihrer Berichterstattung den Eindruck erweckt hat, Ulmen habe Deepfake-Pornos verbreitet, und ob eine solche Verdachtsberichterstattung rechtlich zulässig war. Dabei beleuchtet Zimmermann vor allem die Anforderungen an Verdachtsberichterstattung, mögliche Beweistatsachen und den Aspekt, ob der “Spiegel” entlastende Unsicherheiten ausreichend kenntlich gemacht hat.
5. Die freundliche Maske der Propaganda: Chinas Auslandsmedien auf Social Media (cemas.io, Lea Frühwirth)
Lea Frühwirth beschreibt, wie chinesische Auslandsmedien im Auftrag der Kommunistischen Partei Chinas internationale Zielgruppen beeinflussen sollen. Statt unabhängiger Berichterstattung würden sie gezielte Imagepflege für China betreiben, Themen wie Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang oder Tibet verdrängen und das Land als modern, friedlich und kulturell attraktiv präsentieren. Untersucht wird zudem, wie diese staatlich kontrollierten Medien ihre Inhalte über Plattformen wie Facebook, Instagram und X auf Deutsch verbreiten.
6. Was uns die Geschichte des argentinischen Fernsehens über Staat, Marktmacht und Medien lehrt (de.ejo-online.eu, Joaquín Sticotti)
Joaquín Sticotti zeigt am Beispiel des argentinischen Fernsehens, wie eng staatliche Kontrolle und kommerzielle Logik in autoritären Systemen zusammenwirken können. Während der Militärdiktatur sei das Fernsehen zugleich für Propaganda, Zensur und psychologische Beeinflussung genutzt worden, habe aber dennoch stark nach Marktlogik funktioniert: Einschaltquoten, Werbung und Unterhaltung seien zentral geblieben. Gerade Unterhaltungsformate hätten dazu beigetragen, gesellschaftliche Normalität vorzutäuschen.
7. Liveblog, Livestream, Newsticker: Wenn ein Buckelwal zur Endlosserie wird (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:24 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den Medienhype um den Buckelwal “Timmy”: “Wir können aus einer ökologischen Katastrophe erst dann eine Herzensangelegenheit machen, wenn sie sich wie Reality-TV erzählen lässt. Weil wir Mitgefühl offenbar nur dann hinkriegen, wenn das Elend einen Namen hat. Wenn wir ihm ins Auge schauen. Wenn es atmet und das am besten in Nahaufnahme.”
1. Wenn der Begriff Wahrheit zerstört wird (taz.de, Patrick Gensing)
Patrick Gensing warnt in seinem Essay, “Fake News” könnten im öffentlichen Diskurs gegenüber überprüfbaren Fakten zunehmend die Oberhand gewinnen. Er argumentiert, dass Desinformation längst kein Randproblem mehr sei, sondern ein strukturelles Merkmal digitaler Öffentlichkeit. Plattformen würden Empörung, Tempo und Zuspitzung belohnen. Nötig seien nicht nur Korrekturen einzelner Falschmeldungen, sondern ein politischer und publizistischer Angriff auf die Macht der Plattformen.
2. Was die Polizeiliche Kriminalstatistik aussagt – und was nicht (correctiv.org, Sara Pichireddu)
Sara Pichireddu erklärt, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik nur begrenzt aussage, wie sich Kriminalität in Deutschland tatsächlich entwickele. Die Statistik erfasse polizeilich registrierte Fälle und Tatverdächtige, nicht aber gerichtliche Schuldfeststellungen. Viele Deutungen seien deshalb irreführend. So lasse die Statistik keine belastbaren Aussagen darüber zu, ob etwa mehr Menschen kriminell würden, oder ob Migranten krimineller seien.
3. Sampling geht klar (netzpolitik.org, Denis Glismann)
Der Europäische Gerichtshof habe im Fall “Metall auf Metall” das Recht auf Sampling und Remix gestärkt. Demnach könne die Übernahme geschützter Werkteile als erlaubtes Pastiche gelten. Eine bloße Nachahmung ohne eine künstlerische Auseinandersetzung reiche jedoch nicht aus. Damit gehe der seit 27 Jahren geführte Streit zwischen der Band Kraftwerk und dem Musikproduzenten Moses Pelham in die letzte Runde. Nun müsse der Bundesgerichtshof entscheiden, ob das Sample in Sabrina Setlurs Song “Nur mir” diese Voraussetzungen erfüllt.
4. Fünf Fakten zu Fracking (die Medien immer wieder falsch darstellen) (kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi widerspricht mehreren verbreiteten Darstellungen von Fracking in österreichischen Medien. Demnach seien Aussagen über eine mögliche Gasversorgung für 30 Jahre auf veraltete Schätzungen gestützt und heute wissenschaftlich nicht haltbar. Auch ein angeblich ökologisch unbedenkliches Frackingverfahren beseitige nicht die Risiken wie etwa die Methanemissionen, den hohen Wasserverbrauch und belastetes Lagerstättenwasser.
5. “Einen Politiker zu Fall zu bringen sehe ich nicht als unsere Aufgabe” (dfjv.de, Gunter Becker)
Im Interview beschreibt Bernhard Pötter das Newsletter-Medienhaus “Table.Media” als Modell für vertieften Fachjournalismus. Beim “Climate.Table” etwa arbeite ein größeres Team deutlich spezialisierter und enger mit anderen Fachredaktionen zusammen als in klassischen Redaktionen. Ziel sei “Deep Journalism” für Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und NGOs.
6. Austria First: Der rechte Dudelfunk (verdi.de, Till Schmidt)
Till Schmidt beschreibt den österreichischen Radiosender “Austria First” als Teil einer gezielten Medienstrategie der FPÖ. Der Webradiosender verbreite parteinahe Inhalte in einem freundlichen, journalistisch wirkenden Format. Beobachter sähen darin den Ausbau einer medialen Parallelwelt. Anders als in weiteren FPÖ-Medien trete die Parteipropaganda hier jedoch weniger schrill auf, sie werde stattdessen mit Popmusik und Unterhaltung verbunden.
7. Überall “Entlastung”: Wenn ein Regierungswort zur Nachricht wird (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins beschäftigt sich der “6-vor-9”-Kurator mit dem Wort “Entlastung”, einer Regierungsvokabel, die oft von Medien übernommen werde: “‘Entlasten’ spart den Konjunktiv, es spart die Einschränkung, das Möglicherweise. Es klingt nach einer fertigen Nachricht. Und genau das macht es so verführerisch.”