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“Bild” macht sich die Linkspartei gefährlich

Es ist schwer zu sagen, wo die Enttäuschung über das Wahlergebnis am Sonntagabend größer war: beim Wahlkampfteam der hessischen CDU oder in den Redaktionsräumen von “Bild”. Die ganze Mühe war umsonst gewesen, der ganze Populismus und die ganzen Kampagnen.

In ihrer, ähm, Wut (und vor den Bürgerschaftswahlen in Hamburg, bei denen nach Meinungsumfragen die Linke ebenso wie in Hessen und Niedersachsen die Fünf-Prozent-Hürde schaffen könnte) schießt sich “Bild” seit gestern auf die Linkspartei ein.

Gestern fragte sie:

Wird Deutschland ein Links-Staat?

Um heute mit einer “Analyse” nachzulegen:

Gysi und Lafontaine von der Linkspartei — Warum sind diese beiden so gefährlich?

Die Erfahrung mit “Bild”-Überschriften lehrt, dass diese Frage im Text natürlich nicht direkt beantwortet wird. Dafür beguckt sich “Bild” die Linkspartei von allen Seiten und “analysiert” u.a.:

Die Linkspartei behauptet: Unsere Politik ist finanzierbar. Wir halten das, was wir versprechen!

Wahr ist: Die von der Linkspartei gewollte Erhöhung von Rente, Grundeinkommen und Arbeitslosengeld kostet Milliarden. Woher sie kommen sollen? Der Steuerzahler zahlt! Jährlich etwa 150 Milliarden Euro. Der Rentenkassenbeitrag von jedem, der heute arbeitet, müsste drastisch steigen. Hunderttausende Jobs wären in Gefahr.

Was die “Bild”-Zeitung ihren Lesern verschweigt: Die Zahlen, die sie als “Wahrheit” verkauft, stammen nicht von irgendeinem unabhängigen Institut, sondern von der SPD-Bundestagsfraktion (pdf). Im vergangenen August wurden sie ausdrücklich für die Auseinandersetzung mit der Konkurrenz im Wahlkampf verteilt. Die Berechnungen sind mindestens umstritten — “Bild” gibt nicht einmal ihre Quelle an.

“Bild” weiter:

Die Linkspartei behauptet: Wo wir regieren, geht es den Menschen besser.

Wahr ist: Berlin (SPD/Linke seit 2001) liegt bei der Arbeitslosenrate auf dem drittletzten Platz (14,2 %, Dez. 2007) der 16 Bundesländer. Mecklenburg-Vorpommern lag unter der rot-roten Regierung (1998 bis 2006) stets auf einem der letzten Plätze, ebenso wie bei der Kaufkraft pro Kopf (2006). Berlin liegt hier auf Platz 9.

Wahr ist auch, dass die Arbeitslosenquote in Berlin von 1997 bis 2001 unter Eberhard Diepgen (CDU) fast stagnierte, während sie in der gesamten Bundesrepublik zurückging. Unter der großen Koalition aus SPD und CDU lag Mecklenburg-Vorpommern im Dezember 2007 nicht mehr auf “einem der letzten Plätze” bei der Arbeitslosenrate, sondern auf dem letzten. Auf Platz 15 und damit noch hinter Berlin: Sachsen-Anhalt, regiert von einer weiteren großen Koalition unter CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer.

Aber die Argumentation mit ostdeutschen Bundesländern ist ohnehin unfair, da die Unterschiede zu den sog. alten Bundesländern auch 17 Jahre nach der Wiedervereinigung teils noch erheblich sind. (Mal ganz abgesehen davon, dass es sein könnte, dass die Arbeitslosigkeit dort, wo die Linkspartei mitregiert, auch deshalb sehr hoch ist, weil die Menschen dort, wo die Arbeitslosigkeit sehr hoch ist, dazu neigen, in ihrer Enttäuschung über die anderen Parteien die Linke zu wählen.)

Aber weiter im “Bild”-Text, denn es kommt noch besser:

Die Linkspartei behauptet: Hartz IV muss weg.

Wahr ist: Im Bundesrat stimmte 2003 das rot-rote Berlin für die Hartz-Gesetze, die damalige rot-rote Regierung von Mecklenburg-Vorpommern enthielt sich.

Wahr ist das nicht! Mal abgesehen davon, dass “Bild” die Sache mit den Enthaltungen im Bundesrat offenbar immer noch nicht verstanden hat, hat sich (wie uns die Berliner Linke und der Berliner Senat auf Nachfrage bestätigen) 2003 bei der Abstimmung über die Hartz-Gesetze nicht nur Mecklenburg-Vorpommern enthalten, sondern auch “das rot-rote Berlin”. Und was noch wichtiger ist: Auch 2004, als im Bundesrat tatsächlich konkret über Hartz IV abgestimmt wurde, enthielt sich Berlin ebenso wie Mecklenburg-Vorpommern — und zwar genau wie die nicht rot-rot regierten Länder Brandenburg, Sachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen.

Schließlich heißt es in “Bild” noch:

Lafontaine behauptet: Die Linkspartei und nicht die SPD ist der wahre Anwalt der kleinen Leute.

Wahr ist: Nach Ansicht vieler, die ihn kennen, will Lafontaine vor allem persönlich Rache an Ex-Kanzler Schröder und der SPD nehmen, deren Vorsitzender er von 1995 bis 1999 war.

Inwieweit diese “Wahrheit” Lafontaines “Behauptung” widerlegen soll, wissen vermutlich nur die “Bild”-Autoren.

Mit Dank auch an Ilo.

Nachtrag, 31.1.2008: Was an einem Tag “wahr ist”, kann am nächsten schon “falsch” sein? In “Bild” schon. Dort heißt es heute in der Korrekturspalte:

In der BILD-Ausgabe vom 30. Januar hieß es, die Berliner Landesregierung aus SPD und Linkspartei habe 2003 im Bundesrat den Hartz-Gesetzen zugestimmt. Das ist falsch. Sie hat sich enthalten.

Allgemein  

Tipp: Die schwarzen Dinger links und rechts

Tja. Wie viele Fotos hätte der Bild.de-Autor noch in der Fotogalerie gebraucht, um nicht zu behaupten, an diesem getunten VW Passat Variant (siehe Ausrisse) seien keine Außenspiegel zu sehen?

Nachtrag, 19. Februar. Nach drei Tagen hat auch Bild.de sie entdeckt.

Danke an Dirk G., Alexander B. und Carsten M.!

Erdrutschsieg für Linkspartei bei Bild.de

Ein aufregender Wahlabend bei Bild.de:

Absolute Mehrheit für die NPD in Mecklenburg-Vorpommern?

Oder die Grünen im Landtag in Schwerin?

Die Linkspartei mit erdrutschartigen Gewinnen in Mecklenburg-Vorpommern?

Und auch der ganz große Gewinner in Berlin?

Hallo?

Danke an Dennis S. und Jonas!

Zweifel an Weimer, Rückzug der Frauen, CDU im medialen Fokus

1. Dokumente wecken Zweifel an Weimers Darstellung
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Interne Akten des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), die sich t-online.de über das Informationsfreiheitsgesetz beschafft habe, würden Wolfram Weimer belasten. Der Kulturstaatsminister habe beim Deutschen Buchhandlungspreis drei von einer unabhängigen Jury nominierte linke Buchläden nach Einschaltung des Verfassungsschutzes von der Preisträgerliste streichen lassen. Entgegen Weimers öffentlicher Darstellung habe die zuständige BKM-Fachabteilung intern zunächst ausdrücklich empfohlen, dem Juryvotum zu folgen.

2. Frauen ziehen sich aus dem Netz zurück
(taz.de, Amelie Sittenauer)
Aus Furcht vor digitaler und bildbasierter sexualisierter Gewalt würden einer repräsentativen Studie des Deutschen Frauenrats zufolge zwei Drittel der Frauen in Deutschland ihre Online-Aktivitäten einschränken. Bei jüngeren Frauen (18 bis 39 Jahre) liege der Anteil sogar bei 76 Prozent. Jede Fünfte habe bereits Erfahrungen mit sexualisierten KI-Fälschungen gemacht. Dieser massive Rückzug aus dem digitalen Raum gefährde die gesellschaftliche Teilhabe und damit die Demokratie unmittelbar. Der Deutsche Frauenrat und Der Deutsche Juristinnenbund würden deshalb deutliche Nachbesserungen am geplanten Gewaltschutzgesetz fordern.

3. “Radikalität zerstört jede Gesprächskultur”
(journalist.de, Jan Freitag)
“Spiegel”-Autor und Talk-Moderator Markus Feldenkirchen betont im Interview mit dem “journalist”, dass Vertrauen in den Journalismus vor allem durch akribische Faktentreue, Berechenbarkeit und innere Disziplin entstehe. Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der AfD würden eine besondere Besonnenheit erfordern: “Den aggressiven Diskursstil der AfD selbst zu übernehmen, wäre aus meiner Sicht kontraproduktiv. Also sage ich: Ruhe bewahren, freundlich sein, höflich bleiben und immer faktenbasiert argumentieren. Falls ich mit diesem Ansatz nicht mehr alle Menschen im Land erreiche, dann ist das eben so.”

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4. CDU im medialen Fokus
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 31:38 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, welche Rolle Medien beim Blick auf die CDU spielen. Es geht um Zuspitzungen und Dramatisierung, aber auch um die Frage, welche Rolle die Partei selbst dabei spielt. Mit Moderator Sören Brinkmann diskutieren der Dokumentarfilmer Stephan Lamby und Katharina Hamberger vom Deutschlandfunk.

5. Politische Bildung braucht freie Medien
(djv.de, Philipp Blanke)
In einem Impulsvortrag vor dem Parlamentskreis Politische Bildung hat Philipp Blanke aus dem Bundesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands davor gewarnt, dass die Erosion unabhängiger Medien auch das Fundament politischer Bildung untergrabe. US-amerikanische und chinesische Plattformkonzerne würden den Informationsraum dominieren. Sie entzögen Verlagen Werbeeinnahmen und würden durch polarisierende Algorithmen Emotionen, “Fake News” und Hass gegen Medienschaffende begünstigen. Blanke fordert die rechtliche Gleichstellung von Tech-Konzernen mit Medienunternehmen.

6. Prime-Alt­kunden zahlen vor­erst wieder weniger
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof habe die Preisanpassungsklausel in den AGB von Amazon Prime für unwirksam erklärt, da sie widersprüchlich formuliert gewesen sei und Kundenrechte bei Preiserhöhungen im Unklaren gelassen habe. Infolgedessen passe Amazon den Beitrag für Altkunden mit unveränderten Verträgen von vor Mitte September 2022 vorübergehend wieder auf das alte Niveau an. Ob bereits gezahlte Mehrbeträge erstattet werden müssen, sei damit noch nicht entschieden.

Guter Wetterjournalismus, Zehn Jahre “Funk”, Barrierefreiheit

1. Extremereignisse ohne Panikmache: Claudia Kleinert über guten Wetterjournalismus
(dfjv.de, Ulrike Bremm)
ARD-Wettermoderatorin Claudia Kleinert beschreibt im Interview den wachsenden Spagat ihres Berufsfelds zwischen akuter Vorhersage und langfristiger klimawissenschaftlicher Einordnung von Extremwetterlagen. Angesichts gehäufter Hitzerekorde und Katastrophen stehe der Wetterjournalismus vor der Herausforderung, Fakten ungeschönt und wissenschaftlich fundiert zu vermitteln, ohne in klickgetriebene Panikmache zu verfallen. Wetterjournalismus brauche mehr Sendezeit für lösungsorientierte Hintergrunderklärungen und empathische Perspektiven auf Betroffene vor Ort.

2. Acht Dinge, die ich aus dem Enthüllungsbuch über Facebook gelernt habe
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
In ihrem Insider-Buch “Careless People” (deutsch: “Mein Traumjob bei Facebook und wie ich alle meine Ideale verlor”) zeichne die ehemalige Public-Policy-Direktorin Sarah Wynn-Williams ein ernüchterndes Bild der Führungsriege von Facebook (heute Meta). Das Werk dokumentiere systematische Versuche, Regulierung durch gezielte Abhängigkeiten von Politikerinnen und Politikern abzuwehren, sowie die kommerzielle Ausbeutung emotional verletzlicher Jugendlicher. Zudem werfe die Autorin dem Konzern eine toxisch-frauenfeindliche Unternehmenskultur und eine fatale Ignoranz gegenüber gewaltfördernder Hetze vor.

3. Der Medienrat macht sich Gedanken
(verdi.de, Volker Nünning)
Ein neuer, unabhängiger Medienrat soll prüfen, ob ARD, ZDF und Deutschlandradio ihren gesetzlichen Programmauftrag erfüllen. Die Ratsvorsitzende Nathalie Wappler erkläre, dass man sich dabei auf Daten der öffentlich-rechtlichen Sender sowie eigene wissenschaftliche Gutachten stütze. Dies betreffe insbesondere die Frage, wie ausgewogen und vielfältig das Programm tatsächlich ist. Ziel sei es, die Diskussion über angebliche Einseitigkeit mit Fakten statt mit Bauchgefühl zu führen. Der erste offizielle Bericht soll Ende 2028 erscheinen. Bei Mängeln müssen die Sender nachbessern.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 261 vom 30.09.2026
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Christian Deker)
Der aktuelle Newsletter des Netzwerk Recherche zeichnet ein Lagebild eines zunehmend unter Druck stehenden Berufsstands: Wachsende Anfeindungen und Einschüchterungen im politischen Raum, Stellenabbau, algorithmische Abhängigkeiten auf Plattformen sowie Desinformationsnetzwerke würden die Debatte prägen. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Wieso nicht barrierefreier Journalismus in seinem öffentlichen Auftrag versagt
(de.ejo-online.eu, Ahmed Riad Younes)
Barrierefreiheit werde in Diversitätsdebatten vieler Medienhäuser nach wie vor vernachlässigt und fälschlicherweise als technisches Nischenthema statt als Kernbestandteil des öffentlichen Auftrags behandelt, kritisiert Ahmed Riad Younes. Fehlende Alt-Texte, unzugängliche Videos oder rein visuelle Layouts schlössen Millionen Menschen mit Behinderungen von essenziellen Informationen aus. Der Autor betont, dass Barrierefreiheit zudem nach innen greifen müsse: Unzugängliche Redaktionssysteme und Arbeitsroutinen würden Journalistinnen und Journalisten mit Einschränkungen daran hindern, gleichberechtigt am redaktionellen Betrieb mitzuwirken.

6. 10 Jahre Funk: Aus der “Totgeburt” ist ein Erfolgsmodell geworden
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Zum zehnjährigen Bestehen von “Funk” bilanziert Timo Niemeier den Wandel des von ARD und ZDF betriebenen Jugendnetzwerks vom anfangs belächelten Onlineprojekt zum unverzichtbaren Innovationslabor für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Durch konsequente Plattformorientierung (YouTube, Social Media) statt eigener Apps erreiche “Funk” heute 88 Prozent Bekanntheit bei den 14- bis 29-Jährigen. Vor Herausforderungen stehe das Netzwerk durch sein seit 2016 eingefrorenes Budget sowie den anstehenden Generationenwechsel.

7. Die Debatte um Elif Eralp
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:56 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Debatte um die Berliner Spitzenkandidatin der Linken Elif Eralp: “Ich finde, wir sollten alle genauer hinhören. Und jedes Mal, wenn wieder ‘etwas bekannt’ wird, sollten wir uns fragen: Was genau wird da eigentlich wem vorgeworfen? Und was hat das eine mit dem anderen zu tun? Denn wenn man jede Information wie eine Enthüllung erzählt, klingt irgendwann selbst ein Einkaufszettel wie ein Geständnis.”

Schlesinger muss vor Gericht, Retter der Demokratie, Dadfluencer

1. Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger muss vor Gericht
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Landgericht Berlin habe die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft gegen die ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, zwei frühere Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Senders sowie den ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden zugelassen. Der Strafprozess wegen des Vorwurfs der Untreue soll am 10. November beginnen und 56 Verhandlungstage umfassen. Kern der Anklage sei das damalige variable Bonussystem, das unter Umgehung der Kontrollfunktion des Verwaltungsrats gewährt worden sei. Dies habe gegen das Gebot von Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit verstoßen, so der Vorwurf.

2. Die Verhöhnung von Transparenz
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) plane, das Recht auf Akteneinsicht bei der Polizei abzuschaffen, nachdem das Ministerium bereits Einschränkungen der Informationsfreiheit vorangetrieben habe. Da ohnehin rund 90 Prozent der Anträge abgelehnt würden, sei es laut Redmann effizienter, Anfragen an die Polizei künftig gänzlich auszuschließen. Anna Biselli kritisiert diesen Vorstoß in ihrem Kommentar als Abbau demokratischer Kontrolle des staatlichen Gewaltmonopols.

3. Wie Markus Lanz jetzt die Demokratie rettet
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 18:15 Minuten)
In einer medienkritischen Satire analysiert Philipp Walulis den Wandel der ZDF-Talkshow “Markus Lanz” von einer bunten Unterhaltungssendung hin zum meinungsprägenden Leitmedium im politischen Diskurs. Seit dem Wegfall des Studiopublikums in der Corona-Pandemie dominiere ein enges Set an Hauptstadtjournalistinnen und Berufspolitikern. Die wiederholte Einladung extremer Haltungen erzeuge gezielt kalkulierte Aufmerksamkeit, ohne dass das Format inhaltlich wirksame Gegenmittel biete.

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4. Neues Gesetz soll regionale Medien in Thüringen stärken
(zeit.de)
Die Thüringer Landesregierung habe eine Novelle des Landesmediengesetzes beschlossen, um lokalen und privaten Anbietern im Wettbewerb mit digitalen Plattformen mehr Handlungsspielraum zu geben. Der Entwurf ermögliche privaten Radiosendern künftig redaktionelle Kooperationen über Funkhausmodelle und öffne den Weg für ein kommerzielles Lokalradio. Bürgermedien dürften neue Formate wie Podcasts und Events erproben. Die Linke und die Landesarbeitsgemeinschaft Bürgermedien würden den Entwurf jedoch als unzureichend kritisieren.

5. “Die Seelennotretterin”
(epd.de, Torsten Körner)
Die Journalistin Isabel Schayani ist mit dem Sonderpreis des Robert-Geisendörfer-Preises der evangelischen Kirche geehrt worden. In seiner dokumentierten Laudatio würdigt Dokumentarfilmer Torsten Körner Schayanis Talent, im Fernsehen trotz apparativer Zwänge “wirkliche Begegnungen” auf Augenhöhe zu erzeugen. Ihre Berichterstattung mache das individuelle Schicksal von Geflüchteten und Schutzsuchenden greifbar: “Liebe Isabel Schayani, bleiben Sie bei sich, bauen Sie händeringend Brücken, kräuseln Sie bitte mitunter spöttisch den Mund, sagen Sie bitte ‘ne’, gehen Sie in die Knie, wo es hilft und funkeln Sie zornäugig nach oben, wo es geboten ist. Wir danken es Ihnen.”

6. Berufsbild Dadfluencer: “Papa ohne Plan”
(verdi.de, Till Schmidt)
Unter dem Namen “Papa ohne Plan” thematisiere der Erzieher und Autor Felix Schenk bei Instagram progressive Rollenbilder, gleichberechtigte Care-Arbeit und emotionale Intelligenz für Väter. Als Gegenentwurf zur makellosen Inszenierung vieler Familien-Accounts zeige er Überforderung, Schlafmangel und eigene biografische Brüche. Vaterschaft dürfe nicht als bloße Assistenzrolle verstanden oder für Selbstverständliches gefeiert werden, sagt er im Interview mit “Menschen machen Medien”. Das Format stoße jedoch an die Grenzen der Aufmerksamkeitsökonomie Sozialer Medien.

Malta vs. Wittmann, Bühne für Rechtsextreme, Mentale Belastungen

1. Gerichtsurteil stärkt Meinungs- und Pressefreiheit
(netzpolitik.org, Esther Menhard)
Das Landgericht Berlin habe eine von der maltesischen Glücksspielbehörde MGA erwirkte einstweilige Verfügung gegen die IT-Sicherheitsexpertin Lilith Wittmann in weiten Teilen aufgehoben. Wittmann hatte über Sicherheitslücken Dokumente zu mutmaßlich illegalem Glücksspiel beschafft, an Ermittlungsbehörden sowie Medien weitergegeben und der MGA Beihilfe zu organisierter Kriminalität vorgeworfen. Nach dem Urteil darf Wittmann zwar nicht erneut in das System der Behörde eindringen, die Weitergabe und journalistische Verwertung der beschafften Unterlagen sowie ihre öffentlichen Äußerungen seien jedoch als zulässige Meinungsäußerungen geschützt. Trotz des Teilerfolgs bleibe Wittmann auf Verfahrenskosten von bis zu 20.000 Euro sitzen.

2. Hat Dobrindt Eralp strafbar als Anti­se­mitin belei­digt?
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp habe Strafanzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede gegen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erstattet, nachdem dieser in der Talksendung von Maybrit Illner auf den Satz, Eralp sei keine Antisemitin, mit “Na doch” reagiert habe. Juristisch sei eine Verurteilung wegen der Mehrdeutigkeit von Dobrindts Zwischenruf und des weiten Schutzes politischer Meinungsäußerungen äußerst unwahrscheinlich, schreibt Felix W. Zimmermann. Zudem berge Eralps Schritt ein kommunikatives Risiko: Werde das Verfahren eingestellt, könnten Schlagzeilen drohen, die sagen, dass die Bezeichnung rechtlich zulässig sei.

3. Wie neue Kampfsportformate Rechtsextremen eine Bühne bereiten
(belltower.news, Steffen Krapf)
Nach dem Verbot beziehungsweise dem Aus klassischer Neonazi-Turniere wie dem “Kampf der Nibelungen” fänden militante Rechtsextreme zunehmend in kommerziellen europäischen “Underground Fightclubs” eine neue Plattform. Formate wie das schwedische “King of the Streets”, das polnische “Gromda” oder die deutsche “Ruhrpott Fighting Championship” würden mit regellosen Kämpfen und Bareknuckle-Boxen millionenfach Klicks im Internet erzielen.

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4. Mentale Belastungen im Journalismus
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Existenzängste, Personalmangel, Klickzahldruck, Anfeindungen sowie Verunsicherung durch generative KI würden insbesondere im Printjournalismus zu einer massiven Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens der dort arbeitenden Personen führen. Studien des European Centre for Press and Media Freedom, der Universität Bielefeld und der Ludwig-Maximilians-Universität München würden ein erhöhtes Burnout-Risiko belegen. Ökonomischer Druck und Überlastung seien für viele Journalistinnen und Journalisten fester Bestandteil des Berufsalltags. Als niedrigschwellige Gegenmaßnahme biete das Netzwerk Recherche mit seiner Initiative “Helpline” ein vertrauliches Beratungsangebot auf Augenhöhe.

5. Trump lässt alten Wahlkampfspot ausstrahlen, finanziert mit Steuergeld
(spiegel.de)
Finanziert mit Steuergeldern strahle die US-Regierung im Vorfeld der Midterms einen Fernsehspot aus Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2024 aus. Das 30-sekündige Schwarz-Weiß-Video, in dem Trump vor einem “finalen Kampf” gegen “Globalisten”, “Kriegstreiber” und den “Deep State” spreche, sei lediglich in seinem Schlusssatz von einem Wahlaufruf zu einem Regierungsdisclaimer geändert worden. Abgeordnete beider Parteien würden den offensichtlich politischen Charakter kritisieren. Das Weiße Haus verteidige den Spot als “öffentliche Bekanntmachung”.

6. Hacker greifen Daten von SRF-Journalisten ab
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) sei Ziel eines Cyberangriffs geworden, bei dem Kontakt- und Organisationsdaten aus dem Jahr 2020 von rund 340 aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwendet worden seien. Betroffen sei primär journalistisches Personal der SRF-Informationseinheit. Erbeutet worden seien Namen, Funktionen sowie dienstliche und teils private Kontaktdaten. Die SRG habe die betroffenen Zugänge gesperrt, Anzeige erstattet und erklärt, die Lage sei unter Kontrolle. Hinweise auf einen Abfluss von Passwörtern, Bankdaten, Rechercheinhalten oder journalistischen Quellen lägen derzeit nicht vor.

Böhmermanns Aus, WDR baut Stellen ab, Leben wie Oma in Italien

1. Die royale Lücke
(taz.de, Rahel Bueb)
Im Dezember werde nach rund sechs Jahren und 187 Folgen im Hauptprogramm die letzte Ausgabe des “ZDF Magazin Royale” ausgestrahlt. Nach Angaben der Produktionsfirma gehe das Ende der Sendung auf den Wunsch von Jan Böhmermann zurück, der noch einmal ein anderes Format entwickeln wolle. Durch die weitgehende Einstellung des Betriebs verlören laut Betriebsrat fast alle der rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Jahresende ihre Beschäftigung. Die Verträge seien überwiegend befristet gewesen. Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw kommentiert: “Dass sich das ZDF so lange hinter die Sendung gestellt hatte, hat mich schon länger gewundert. Kein Satireformat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat es so lange ausgehalten und so massiven Attacken widerstanden.”

2. WDR baut Stellen ab und streicht 76 Angebote
(spiegel.de)
Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) wolle bis Ende des kommenden Jahres 76 Programmangebote einstellen und bis 2030 jede dritte durch Verrentung freiwerdende Stelle, insgesamt 133 Posten, nicht mehr nachbesetzen. Laut Intendantin Katrin Vernau reagiere der öffentlich-rechtliche Sender mit dem Sparkurs auf veränderte Nutzungsgewohnheiten, Kostensteigerungen und eine ungesicherte Finanzierung. Die Gewerkschaft Verdi kritisiere die Pläne des WDR und warne vor massiven Einbrüchen bei den Aufträgen für freie Journalistinnen und Journalisten sowie vor einem Kaputtsparen durch die Rundfunkpolitik der Bundesländer.

3. Vom australischen Social Media Verbot zum EU KIDS Act
(leibniz-hbi.de, Kristina Kobrow, Audio: 40:41 Minuten)
Ein reines Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren greife im digitalen Kinder- und Jugendschutz zu kurz, wie die Erfahrungen aus Australien zeigen würden. Jugendliche seien dort weiterhin auf den Plattformen aktiv, würden nun jedoch seltener von ihren Eltern begleitet, weil diese fälschlicherweise auf die staatliche Regulierung vertrauen. Der geplante EU Kids Act setze daher nicht nur auf Altersgrenzen, sondern primär auf die sichere Gestaltung digitaler Räume für Minderjährige.

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4. Was aktuell auf Instagram und TikTok viral geht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Im fortlaufend aktualisierten “Trend-Ticker” filtert “DWDL”-Autor Simon Pycha die aktuellen Trends auf Instagram und TikTok heraus und dokumentieret die viralen Memes, Audio-Trends, Challenges und KI-generierten Phänomene, die über substanzielles Kreativpotenzial verfügen. Interessant für alle, die wissen wollen, was gerade auf den Plattformen für Kurzvideos so los ist, oder sich schlicht unterhalten lassen wollen.

5. «Ich habe die ganze WOZ-Redaktion eingeladen»
(persoenlich.com, Christian Beck)
Ronnie Grob, Präsident des “Vereins für unabhängigen Journalismus”, plane für Oktober in Zürich einen neuen, spendenfinanzierten Journalistenkongress, der machtkritischen Stimmen und dem Diskurs über Pressefreiheit ein Forum bieten solle. Interviewer Christian Beck hinterfragt die Veranstaltung wegen ihrer politischen Schlagseite: Das Programm weise auffallend viele Referierende aus rechtsbürgerlichen bis rechtskonservativen Medien auf (unter anderem “Weltwoche”, “Nebelspalter”, “Junge Freiheit”, “Apollo News”). Grob weist den Vorwurf mangelnder Ausgewogenheit zurück und entgegnet, er habe bewusst auch die “linksbürgerliche und linkskonservative Seite” eingeladen.
Transparenzhinweis: Ronnie Grob hat vor vielen Jahren bei BILDblog die “6 vor 9” zusammengestellt.

6. Soziale Medien: Leben wie Oma in Italien – Was sagt eine “Nonna” zum Trend?
(tagesspiegel.de)
Unter dem Schlagwort “Nonna Maxxing” trende auf TikTok und Instagram ein entschleunigter Lebensstil nach dem Vorbild italienischer Großmütter. Kommunikationswissenschaftlerin Friederike Herrmann deutet das Phänomen als Sehnsucht nach einem unentfremdeten Leben abseits permanenter digitaler Selbstoptimierung. Sie kritisiert aus feministischer Sicht jedoch, dass damit unbezahlte, harte Fürsorge- und Hausarbeit romantisiert werde.

KW 39/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Gefangen im Paralleluniversum: Wie uns alternative Medien bedrohen
(derstandard.at, Benedikt Narodoslawsky, Audio: 40:03 Minuten)
Auf rechten Internetportalen werde ein regelrechtes mediales Paralleluniversum konstruiert, in dem Realitäten wie der Rekord-Hitzesommer, saubere Energien oder geopolitische Konflikte systematisch ins Gegenteil verkehrt würden. Medienethiker Luis Paulitsch legt in seinem Buch und einem aktuellen Fachartikel (PDF) dar, mit welchen Mechanismen alternative Medien gezielt Klimaskepsis in der Bevölkerung schüren. Die Verbreitung solcher Desinformationen destabilisiere das Vertrauen in Fakten. Dies stelle eine wachsende Gefahr für den demokratischen Grundkonsens dar.

2. Macht Donald Trump die Medien mundtot?
(deutschlandfunk.de, Monika Dittrich, Audio: 1:25:52 Stunden)
Im generell empfehlenswerten USA-Podcast des Deutschlandfunks “Amerika verstehen” geht es diesmal explizit um die Medienstrategie Donald Trumps: “Der US-Präsident sperrt Reporter von CNN und anderen Medienhäusern aus dem Weißen Haus aus. Er beschimpft Journalisten und verklagt Zeitungsredaktionen. Dabei stehen die USA eigentlich für radikale Meinungsfreiheit, erklärt Historiker Volker Depkat.”

3. Medien und Terrorismus: Die Öffentlichkeit als Waffe
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 49:47 Minuten)
Terrorismus sei im Kern eine gewalthafte, strategisch inszenierte Kommunikation, bei der Täter die mediale Aufmerksamkeit gezielt als Waffe einsetzen. Das Verhältnis zwischen Journalismus und Terrorismus lasse sich weniger als Symbiose, sondern treffender als Parasitismus beschreiben. Attentäter würden die Aufmerksamkeitsökonomie der Medien ausnutzen, um Angst zu schüren. Redaktionen ständen wiederum unter dem Zwang, das akute Informationsbedürfnis des Publikums zu bedienen. Angesichts dessen plädiert Journalistik-Professor Tanjev Schulz für redaktionelle Besonnenheit statt vorschneller Hysterie.

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4. Wer schaut noch hin? Was passiert, wenn der Lokaljournalismus verschwindet?
(der-boell-podcast.podigee.io, Jule Eikmann, Audio: 39:28 Minuten)
Der schleichende Niedergang des deutschen Lokaljournalismus bedrohe zunehmend dessen demokratische Kontrollfunktion vor Ort. In fast jedem zweiten Landkreis existiere nur noch eine einzige Lokalzeitung. Wo Redaktionen schließen oder die Printzustellung einstellen, entstünden Informationslücken, die vermehrt durch Pseudomedien oder parteinahe Angebote gefüllt würden. Die Kommunikationswissenschaftlerin Leila Dogruel spricht sich für eine staatsferne, kriterienbasierte Redaktionskostenförderung nach skandinavischem Vorbild aus.

5. Meta haftet für Algorithmen – verändert dieses Urteil Social Media?
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 53:08 Minuten)
Im Gespräch mit Gavin Karlmeier ordnet Medienanwalt Chan-jo Jun ein Urteil des Landgerichts Frankfurt im Rechtsstreit von “Finanzfluss”-Gründer Thomas Kehl gegen den Social-Media-Konzern Meta ein, das das bisherige Providerprivileg grundlegend infrage stelle. Meta hafte demnach unmittelbar für betrügerische Werbeanzeigen mit gestohlenen Identitäten. Das Unternehmen übernehme durch algorithmische Kuration und Ausspielung die inhaltliche Kontrolle und mache sich die Beiträge zu eigen. Außerdem besprechen die beiden, wie in Karlmeiers Podcast “Haken dran” üblich, die neuesten Entwicklungen aus der Social-Media-Welt.

6. Wie die “Next Uri Geller” Zaubertricks aufgeflogen sind
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 23:53 Minuten)
In einer satirischen Retro-Analyse zur ProSieben-Show “The Next Uri Geller” rekonstruiert Philipp Walulis, wie das Format vor allem in Staffel 2 durch peinliche Pannen und simple Taschenspielertricks seine Glaubwürdigkeit verloren habe. Gewöhnliche Zauberkünstler seien per Vertrag als Mentalisten mit angeblich übersinnlichen Kräften inszeniert worden. Doch Live-Übertragungen hätten Tricks entlarvt, etwa durch sichtbare Spickversuche bei Zahlen-Codes oder ein manipuliertes Vorhängeschloss, das bei jedem Schlüssel aufsprang. Gellers eigene Nummern hätten den Niedergang des Hypes im deutschen Fernsehen schließlich besiegelt.

Böhmermann macht Schluss, “SZ”-Verleger vergleichen sich, VW

1. Weißes Haus verwehrt Journalisten von MS NOW, CNN und Politico den Zugang
(spiegel.de)
US-Präsident Donald Trump habe Reportern von MS NOW (ehemals MSNBC), CNN und “Politico” den Zutritt zum Weißen Haus untersagt und deren Presseausweise einziehen lassen. Trump werfe den Medien vor, Falschmeldungen über seine Regierung zu verbreiten, und habe angekündigt, weitere Medienhäuser auszuschließen. Die betroffenen Redaktionen sowie die White House Correspondents’ Association hätten den Schritt als rechtswidrigen Angriff auf den ersten Verfassungszusatz und das Recht der Bevölkerung auf unabhängige Information verurteilt.
Weiterer Lesetipp: Gemeint sind wir alle: “Nach Druck aus den USA stellt das Tech-Kollektiv Autistici/Inventati seinen Dienst ein. Damit verschwindet auch der Blog unserer Autorin.” (taz.de, Anne Roth)


2. Jan Böhmermann macht Schluss mit dem “ZDF Magazin Royale”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nach dann 187 Ausgaben beende Jan Böhmermann sein “ZDF Magazin Royale” am 18. Dezember, um Raum für ein neues wöchentliches Showkonzept zu schaffen. Außerdem sei eine für Anfang 2027 geplante Tour des in der Sendung mitwirkenden Rundfunk-Tanzorchesters Ehrenfeld abgesagt worden. Das ZDF befinde sich laut Programmdirektorin Nadine Bilke in Gesprächen über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Böhmermann ab Sommer 2027. Vorerst laufe der Vertrag zum Jahresende aus.

3. Medien müssen Zugang zu VW-Werksgelände erhalten
(djv.de, Alexander Schaub)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die Entscheidung des Volkswagen-Konzernvorstands, Journalistinnen und Journalisten den Zutritt zum Wolfsburger Werksgelände beim bundesweiten Automobil-Aktionstag am heutigen Montag zu verwehren. Laut der Gewerkschaft IG Metall habe die Konzernführung selbst eine Pool-Lösung untersagt, was der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster als schwerwiegenden Eingriff in die freie Berichterstattung kritisiert. Angesichts der historischen Krise des Autobauers dürfe die Veranstaltung kein “Closed Shop” sein.

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4. SZ-Verlegerfamilie Friedmann: Millionenschwerer Vergleich nach AZ-Insolvenz
(kress.de, Wolfgang Messner)
Die Verlegerfamilie Friedmann, Miteigentümer des Süddeutschen Verlags, habe sich nach einem jahrelangen Rechtsstreit auf einen 15-Millionen-Euro-Vergleich geeinigt, um Ansprüche aus der Pleite der Münchner “Abendzeitung” aus dem Jahr 2014 beizulegen. Hintergrund seien Patronatserklärungen gewesen, für deren Verbindlichkeiten die Erben laut Land- und Oberlandesgericht München trotz formaler Befristung nachträglich haften müssten. Ein vollständiger Abschluss des Verfahrens werde nicht vor Ende 2026 erwartet.

5. Rammstein-Betrüger soll Missbrauchsaffäre der Band für Spendenaufruf genutzt haben
(morgenpost.de, Andreas Gandzior)
Vor dem Amtsgericht Tiergarten müsse sich ein 48-jähriger Mann wegen Betrugs verantworten. Er soll die Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann im Juni 2023 ausgenutzt haben, um unter dem Motto “Hilfe für Rammstein Anwalts-Opfer” online Spenden zu sammeln. Unter dem falschen Vorwand, einer angeblich abgemahnten Frau den juristischen Beistand gegen die Band zu finanzieren, seien über 10.000 Euro zusammengekommen, die der Angeklagte laut Amtsanwaltschaft jedoch für private Zwecke veruntreut habe.

6. Wie Tiktok die sozialen Medien aufmischte
(n-tv.de)
Zum zehnjährigen Bestehen der chinesischen Ursprungs-App Douyin blicken ntv.de und die dpa auf den beispiellosen Siegeszug von TikTok zurück. Entscheidend für den Erfolg sei nicht das Videoformat, sondern der Bruch mit dem klassischen “Social Graph” gewesen: Statt Inhalte gefolgter Profile kuratiere ein hochsensibler Algorithmus anhand der Verweildauer in Millisekunden einen hyperpersonalisierten “Interest Graph”, den US-Konzerne mit Instagram Reels und YouTube Shorts rasch kopiert hätten. Das Unternehmen hinter TikTok stehe jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen unter dauerhaftem Regulierungsdruck.

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