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Guter Wetterjournalismus, Zehn Jahre “Funk”, Barrierefreiheit

1. Extremereignisse ohne Panikmache: Claudia Kleinert über guten Wetterjournalismus
(dfjv.de, Ulrike Bremm)
ARD-Wettermoderatorin Claudia Kleinert beschreibt im Interview den wachsenden Spagat ihres Berufsfelds zwischen akuter Vorhersage und langfristiger klimawissenschaftlicher Einordnung von Extremwetterlagen. Angesichts gehäufter Hitzerekorde und Katastrophen stehe der Wetterjournalismus vor der Herausforderung, Fakten ungeschönt und wissenschaftlich fundiert zu vermitteln, ohne in klickgetriebene Panikmache zu verfallen. Wetterjournalismus brauche mehr Sendezeit für lösungsorientierte Hintergrunderklärungen und empathische Perspektiven auf Betroffene vor Ort.

2. Acht Dinge, die ich aus dem Enthüllungsbuch über Facebook gelernt habe
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
In ihrem Insider-Buch “Careless People” (deutsch: “Mein Traumjob bei Facebook und wie ich alle meine Ideale verlor”) zeichne die ehemalige Public-Policy-Direktorin Sarah Wynn-Williams ein ernüchterndes Bild der Führungsriege von Facebook (heute Meta). Das Werk dokumentiere systematische Versuche, Regulierung durch gezielte Abhängigkeiten von Politikerinnen und Politikern abzuwehren, sowie die kommerzielle Ausbeutung emotional verletzlicher Jugendlicher. Zudem werfe die Autorin dem Konzern eine toxisch-frauenfeindliche Unternehmenskultur und eine fatale Ignoranz gegenüber gewaltfördernder Hetze vor.

3. Der Medienrat macht sich Gedanken
(verdi.de, Volker Nünning)
Ein neuer, unabhängiger Medienrat soll prüfen, ob ARD, ZDF und Deutschlandradio ihren gesetzlichen Programmauftrag erfüllen. Die Ratsvorsitzende Nathalie Wappler erkläre, dass man sich dabei auf Daten der öffentlich-rechtlichen Sender sowie eigene wissenschaftliche Gutachten stütze. Dies betreffe insbesondere die Frage, wie ausgewogen und vielfältig das Programm tatsächlich ist. Ziel sei es, die Diskussion über angebliche Einseitigkeit mit Fakten statt mit Bauchgefühl zu führen. Der erste offizielle Bericht soll Ende 2028 erscheinen. Bei Mängeln müssen die Sender nachbessern.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 261 vom 30.09.2026
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Christian Deker)
Der aktuelle Newsletter des Netzwerk Recherche zeichnet ein Lagebild eines zunehmend unter Druck stehenden Berufsstands: Wachsende Anfeindungen und Einschüchterungen im politischen Raum, Stellenabbau, algorithmische Abhängigkeiten auf Plattformen sowie Desinformationsnetzwerke würden die Debatte prägen. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Wieso nicht barrierefreier Journalismus in seinem öffentlichen Auftrag versagt
(de.ejo-online.eu, Ahmed Riad Younes)
Barrierefreiheit werde in Diversitätsdebatten vieler Medienhäuser nach wie vor vernachlässigt und fälschlicherweise als technisches Nischenthema statt als Kernbestandteil des öffentlichen Auftrags behandelt, kritisiert Ahmed Riad Younes. Fehlende Alt-Texte, unzugängliche Videos oder rein visuelle Layouts schlössen Millionen Menschen mit Behinderungen von essenziellen Informationen aus. Der Autor betont, dass Barrierefreiheit zudem nach innen greifen müsse: Unzugängliche Redaktionssysteme und Arbeitsroutinen würden Journalistinnen und Journalisten mit Einschränkungen daran hindern, gleichberechtigt am redaktionellen Betrieb mitzuwirken.

6. 10 Jahre Funk: Aus der “Totgeburt” ist ein Erfolgsmodell geworden
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Zum zehnjährigen Bestehen von “Funk” bilanziert Timo Niemeier den Wandel des von ARD und ZDF betriebenen Jugendnetzwerks vom anfangs belächelten Onlineprojekt zum unverzichtbaren Innovationslabor für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Durch konsequente Plattformorientierung (YouTube, Social Media) statt eigener Apps erreiche “Funk” heute 88 Prozent Bekanntheit bei den 14- bis 29-Jährigen. Vor Herausforderungen stehe das Netzwerk durch sein seit 2016 eingefrorenes Budget sowie den anstehenden Generationenwechsel.

7. Die Debatte um Elif Eralp
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:56 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Debatte um die Berliner Spitzenkandidatin der Linken Elif Eralp: “Ich finde, wir sollten alle genauer hinhören. Und jedes Mal, wenn wieder ‘etwas bekannt’ wird, sollten wir uns fragen: Was genau wird da eigentlich wem vorgeworfen? Und was hat das eine mit dem anderen zu tun? Denn wenn man jede Information wie eine Enthüllung erzählt, klingt irgendwann selbst ein Einkaufszettel wie ein Geständnis.”

Schlesinger muss vor Gericht, Retter der Demokratie, Dadfluencer

1. Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger muss vor Gericht
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Landgericht Berlin habe die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft gegen die ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, zwei frühere Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Senders sowie den ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden zugelassen. Der Strafprozess wegen des Vorwurfs der Untreue soll am 10. November beginnen und 56 Verhandlungstage umfassen. Kern der Anklage sei das damalige variable Bonussystem, das unter Umgehung der Kontrollfunktion des Verwaltungsrats gewährt worden sei. Dies habe gegen das Gebot von Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit verstoßen, so der Vorwurf.

2. Die Verhöhnung von Transparenz
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) plane, das Recht auf Akteneinsicht bei der Polizei abzuschaffen, nachdem das Ministerium bereits Einschränkungen der Informationsfreiheit vorangetrieben habe. Da ohnehin rund 90 Prozent der Anträge abgelehnt würden, sei es laut Redmann effizienter, Anfragen an die Polizei künftig gänzlich auszuschließen. Anna Biselli kritisiert diesen Vorstoß in ihrem Kommentar als Abbau demokratischer Kontrolle des staatlichen Gewaltmonopols.

3. Wie Markus Lanz jetzt die Demokratie rettet
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 18:15 Minuten)
In einer medienkritischen Satire analysiert Philipp Walulis den Wandel der ZDF-Talkshow “Markus Lanz” von einer bunten Unterhaltungssendung hin zum meinungsprägenden Leitmedium im politischen Diskurs. Seit dem Wegfall des Studiopublikums in der Corona-Pandemie dominiere ein enges Set an Hauptstadtjournalistinnen und Berufspolitikern. Die wiederholte Einladung extremer Haltungen erzeuge gezielt kalkulierte Aufmerksamkeit, ohne dass das Format inhaltlich wirksame Gegenmittel biete.

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4. Neues Gesetz soll regionale Medien in Thüringen stärken
(zeit.de)
Die Thüringer Landesregierung habe eine Novelle des Landesmediengesetzes beschlossen, um lokalen und privaten Anbietern im Wettbewerb mit digitalen Plattformen mehr Handlungsspielraum zu geben. Der Entwurf ermögliche privaten Radiosendern künftig redaktionelle Kooperationen über Funkhausmodelle und öffne den Weg für ein kommerzielles Lokalradio. Bürgermedien dürften neue Formate wie Podcasts und Events erproben. Die Linke und die Landesarbeitsgemeinschaft Bürgermedien würden den Entwurf jedoch als unzureichend kritisieren.

5. “Die Seelennotretterin”
(epd.de, Torsten Körner)
Die Journalistin Isabel Schayani ist mit dem Sonderpreis des Robert-Geisendörfer-Preises der evangelischen Kirche geehrt worden. In seiner dokumentierten Laudatio würdigt Dokumentarfilmer Torsten Körner Schayanis Talent, im Fernsehen trotz apparativer Zwänge “wirkliche Begegnungen” auf Augenhöhe zu erzeugen. Ihre Berichterstattung mache das individuelle Schicksal von Geflüchteten und Schutzsuchenden greifbar: “Liebe Isabel Schayani, bleiben Sie bei sich, bauen Sie händeringend Brücken, kräuseln Sie bitte mitunter spöttisch den Mund, sagen Sie bitte ‘ne’, gehen Sie in die Knie, wo es hilft und funkeln Sie zornäugig nach oben, wo es geboten ist. Wir danken es Ihnen.”

6. Berufsbild Dadfluencer: “Papa ohne Plan”
(verdi.de, Till Schmidt)
Unter dem Namen “Papa ohne Plan” thematisiere der Erzieher und Autor Felix Schenk bei Instagram progressive Rollenbilder, gleichberechtigte Care-Arbeit und emotionale Intelligenz für Väter. Als Gegenentwurf zur makellosen Inszenierung vieler Familien-Accounts zeige er Überforderung, Schlafmangel und eigene biografische Brüche. Vaterschaft dürfe nicht als bloße Assistenzrolle verstanden oder für Selbstverständliches gefeiert werden, sagt er im Interview mit “Menschen machen Medien”. Das Format stoße jedoch an die Grenzen der Aufmerksamkeitsökonomie Sozialer Medien.

Malta vs. Wittmann, Bühne für Rechtsextreme, Mentale Belastungen

1. Gerichtsurteil stärkt Meinungs- und Pressefreiheit
(netzpolitik.org, Esther Menhard)
Das Landgericht Berlin habe eine von der maltesischen Glücksspielbehörde MGA erwirkte einstweilige Verfügung gegen die IT-Sicherheitsexpertin Lilith Wittmann in weiten Teilen aufgehoben. Wittmann hatte über Sicherheitslücken Dokumente zu mutmaßlich illegalem Glücksspiel beschafft, an Ermittlungsbehörden sowie Medien weitergegeben und der MGA Beihilfe zu organisierter Kriminalität vorgeworfen. Nach dem Urteil darf Wittmann zwar nicht erneut in das System der Behörde eindringen, die Weitergabe und journalistische Verwertung der beschafften Unterlagen sowie ihre öffentlichen Äußerungen seien jedoch als zulässige Meinungsäußerungen geschützt. Trotz des Teilerfolgs bleibe Wittmann auf Verfahrenskosten von bis zu 20.000 Euro sitzen.

2. Hat Dobrindt Eralp strafbar als Anti­se­mitin belei­digt?
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Die Berliner Linken-Politikerin Elif Eralp habe Strafanzeige wegen Beleidigung und übler Nachrede gegen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erstattet, nachdem dieser in der Talksendung von Maybrit Illner auf den Satz, Eralp sei keine Antisemitin, mit “Na doch” reagiert habe. Juristisch sei eine Verurteilung wegen der Mehrdeutigkeit von Dobrindts Zwischenruf und des weiten Schutzes politischer Meinungsäußerungen äußerst unwahrscheinlich, schreibt Felix W. Zimmermann. Zudem berge Eralps Schritt ein kommunikatives Risiko: Werde das Verfahren eingestellt, könnten Schlagzeilen drohen, die sagen, dass die Bezeichnung rechtlich zulässig sei.

3. Wie neue Kampfsportformate Rechtsextremen eine Bühne bereiten
(belltower.news, Steffen Krapf)
Nach dem Verbot beziehungsweise dem Aus klassischer Neonazi-Turniere wie dem “Kampf der Nibelungen” fänden militante Rechtsextreme zunehmend in kommerziellen europäischen “Underground Fightclubs” eine neue Plattform. Formate wie das schwedische “King of the Streets”, das polnische “Gromda” oder die deutsche “Ruhrpott Fighting Championship” würden mit regellosen Kämpfen und Bareknuckle-Boxen millionenfach Klicks im Internet erzielen.

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4. Mentale Belastungen im Journalismus
(verdi.de, Lars Lubienetzki)
Existenzängste, Personalmangel, Klickzahldruck, Anfeindungen sowie Verunsicherung durch generative KI würden insbesondere im Printjournalismus zu einer massiven Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens der dort arbeitenden Personen führen. Studien des European Centre for Press and Media Freedom, der Universität Bielefeld und der Ludwig-Maximilians-Universität München würden ein erhöhtes Burnout-Risiko belegen. Ökonomischer Druck und Überlastung seien für viele Journalistinnen und Journalisten fester Bestandteil des Berufsalltags. Als niedrigschwellige Gegenmaßnahme biete das Netzwerk Recherche mit seiner Initiative “Helpline” ein vertrauliches Beratungsangebot auf Augenhöhe.

5. Trump lässt alten Wahlkampfspot ausstrahlen, finanziert mit Steuergeld
(spiegel.de)
Finanziert mit Steuergeldern strahle die US-Regierung im Vorfeld der Midterms einen Fernsehspot aus Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2024 aus. Das 30-sekündige Schwarz-Weiß-Video, in dem Trump vor einem “finalen Kampf” gegen “Globalisten”, “Kriegstreiber” und den “Deep State” spreche, sei lediglich in seinem Schlusssatz von einem Wahlaufruf zu einem Regierungsdisclaimer geändert worden. Abgeordnete beider Parteien würden den offensichtlich politischen Charakter kritisieren. Das Weiße Haus verteidige den Spot als “öffentliche Bekanntmachung”.

6. Hacker greifen Daten von SRF-Journalisten ab
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) sei Ziel eines Cyberangriffs geworden, bei dem Kontakt- und Organisationsdaten aus dem Jahr 2020 von rund 340 aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwendet worden seien. Betroffen sei primär journalistisches Personal der SRF-Informationseinheit. Erbeutet worden seien Namen, Funktionen sowie dienstliche und teils private Kontaktdaten. Die SRG habe die betroffenen Zugänge gesperrt, Anzeige erstattet und erklärt, die Lage sei unter Kontrolle. Hinweise auf einen Abfluss von Passwörtern, Bankdaten, Rechercheinhalten oder journalistischen Quellen lägen derzeit nicht vor.

Böhmermanns Aus, WDR baut Stellen ab, Leben wie Oma in Italien

1. Die royale Lücke
(taz.de, Rahel Bueb)
Im Dezember werde nach rund sechs Jahren und 187 Folgen im Hauptprogramm die letzte Ausgabe des “ZDF Magazin Royale” ausgestrahlt. Nach Angaben der Produktionsfirma gehe das Ende der Sendung auf den Wunsch von Jan Böhmermann zurück, der noch einmal ein anderes Format entwickeln wolle. Durch die weitgehende Einstellung des Betriebs verlören laut Betriebsrat fast alle der rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Jahresende ihre Beschäftigung. Die Verträge seien überwiegend befristet gewesen. Kommunikationswissenschaftlerin Katharina Kleinen-von Königslöw kommentiert: “Dass sich das ZDF so lange hinter die Sendung gestellt hatte, hat mich schon länger gewundert. Kein Satireformat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat es so lange ausgehalten und so massiven Attacken widerstanden.”

2. WDR baut Stellen ab und streicht 76 Angebote
(spiegel.de)
Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) wolle bis Ende des kommenden Jahres 76 Programmangebote einstellen und bis 2030 jede dritte durch Verrentung freiwerdende Stelle, insgesamt 133 Posten, nicht mehr nachbesetzen. Laut Intendantin Katrin Vernau reagiere der öffentlich-rechtliche Sender mit dem Sparkurs auf veränderte Nutzungsgewohnheiten, Kostensteigerungen und eine ungesicherte Finanzierung. Die Gewerkschaft Verdi kritisiere die Pläne des WDR und warne vor massiven Einbrüchen bei den Aufträgen für freie Journalistinnen und Journalisten sowie vor einem Kaputtsparen durch die Rundfunkpolitik der Bundesländer.

3. Vom australischen Social Media Verbot zum EU KIDS Act
(leibniz-hbi.de, Kristina Kobrow, Audio: 40:41 Minuten)
Ein reines Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren greife im digitalen Kinder- und Jugendschutz zu kurz, wie die Erfahrungen aus Australien zeigen würden. Jugendliche seien dort weiterhin auf den Plattformen aktiv, würden nun jedoch seltener von ihren Eltern begleitet, weil diese fälschlicherweise auf die staatliche Regulierung vertrauen. Der geplante EU Kids Act setze daher nicht nur auf Altersgrenzen, sondern primär auf die sichere Gestaltung digitaler Räume für Minderjährige.

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4. Was aktuell auf Instagram und TikTok viral geht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Im fortlaufend aktualisierten “Trend-Ticker” filtert “DWDL”-Autor Simon Pycha die aktuellen Trends auf Instagram und TikTok heraus und dokumentieret die viralen Memes, Audio-Trends, Challenges und KI-generierten Phänomene, die über substanzielles Kreativpotenzial verfügen. Interessant für alle, die wissen wollen, was gerade auf den Plattformen für Kurzvideos so los ist, oder sich schlicht unterhalten lassen wollen.

5. «Ich habe die ganze WOZ-Redaktion eingeladen»
(persoenlich.com, Christian Beck)
Ronnie Grob, Präsident des “Vereins für unabhängigen Journalismus”, plane für Oktober in Zürich einen neuen, spendenfinanzierten Journalistenkongress, der machtkritischen Stimmen und dem Diskurs über Pressefreiheit ein Forum bieten solle. Interviewer Christian Beck hinterfragt die Veranstaltung wegen ihrer politischen Schlagseite: Das Programm weise auffallend viele Referierende aus rechtsbürgerlichen bis rechtskonservativen Medien auf (unter anderem “Weltwoche”, “Nebelspalter”, “Junge Freiheit”, “Apollo News”). Grob weist den Vorwurf mangelnder Ausgewogenheit zurück und entgegnet, er habe bewusst auch die “linksbürgerliche und linkskonservative Seite” eingeladen.
Transparenzhinweis: Ronnie Grob hat vor vielen Jahren bei BILDblog die “6 vor 9” zusammengestellt.

6. Soziale Medien: Leben wie Oma in Italien – Was sagt eine “Nonna” zum Trend?
(tagesspiegel.de)
Unter dem Schlagwort “Nonna Maxxing” trende auf TikTok und Instagram ein entschleunigter Lebensstil nach dem Vorbild italienischer Großmütter. Kommunikationswissenschaftlerin Friederike Herrmann deutet das Phänomen als Sehnsucht nach einem unentfremdeten Leben abseits permanenter digitaler Selbstoptimierung. Sie kritisiert aus feministischer Sicht jedoch, dass damit unbezahlte, harte Fürsorge- und Hausarbeit romantisiert werde.

KW 39/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Gefangen im Paralleluniversum: Wie uns alternative Medien bedrohen
(derstandard.at, Benedikt Narodoslawsky, Audio: 40:03 Minuten)
Auf rechten Internetportalen werde ein regelrechtes mediales Paralleluniversum konstruiert, in dem Realitäten wie der Rekord-Hitzesommer, saubere Energien oder geopolitische Konflikte systematisch ins Gegenteil verkehrt würden. Medienethiker Luis Paulitsch legt in seinem Buch und einem aktuellen Fachartikel (PDF) dar, mit welchen Mechanismen alternative Medien gezielt Klimaskepsis in der Bevölkerung schüren. Die Verbreitung solcher Desinformationen destabilisiere das Vertrauen in Fakten. Dies stelle eine wachsende Gefahr für den demokratischen Grundkonsens dar.

2. Macht Donald Trump die Medien mundtot?
(deutschlandfunk.de, Monika Dittrich, Audio: 1:25:52 Stunden)
Im generell empfehlenswerten USA-Podcast des Deutschlandfunks “Amerika verstehen” geht es diesmal explizit um die Medienstrategie Donald Trumps: “Der US-Präsident sperrt Reporter von CNN und anderen Medienhäusern aus dem Weißen Haus aus. Er beschimpft Journalisten und verklagt Zeitungsredaktionen. Dabei stehen die USA eigentlich für radikale Meinungsfreiheit, erklärt Historiker Volker Depkat.”

3. Medien und Terrorismus: Die Öffentlichkeit als Waffe
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 49:47 Minuten)
Terrorismus sei im Kern eine gewalthafte, strategisch inszenierte Kommunikation, bei der Täter die mediale Aufmerksamkeit gezielt als Waffe einsetzen. Das Verhältnis zwischen Journalismus und Terrorismus lasse sich weniger als Symbiose, sondern treffender als Parasitismus beschreiben. Attentäter würden die Aufmerksamkeitsökonomie der Medien ausnutzen, um Angst zu schüren. Redaktionen ständen wiederum unter dem Zwang, das akute Informationsbedürfnis des Publikums zu bedienen. Angesichts dessen plädiert Journalistik-Professor Tanjev Schulz für redaktionelle Besonnenheit statt vorschneller Hysterie.

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4. Wer schaut noch hin? Was passiert, wenn der Lokaljournalismus verschwindet?
(der-boell-podcast.podigee.io, Jule Eikmann, Audio: 39:28 Minuten)
Der schleichende Niedergang des deutschen Lokaljournalismus bedrohe zunehmend dessen demokratische Kontrollfunktion vor Ort. In fast jedem zweiten Landkreis existiere nur noch eine einzige Lokalzeitung. Wo Redaktionen schließen oder die Printzustellung einstellen, entstünden Informationslücken, die vermehrt durch Pseudomedien oder parteinahe Angebote gefüllt würden. Die Kommunikationswissenschaftlerin Leila Dogruel spricht sich für eine staatsferne, kriterienbasierte Redaktionskostenförderung nach skandinavischem Vorbild aus.

5. Meta haftet für Algorithmen – verändert dieses Urteil Social Media?
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 53:08 Minuten)
Im Gespräch mit Gavin Karlmeier ordnet Medienanwalt Chan-jo Jun ein Urteil des Landgerichts Frankfurt im Rechtsstreit von “Finanzfluss”-Gründer Thomas Kehl gegen den Social-Media-Konzern Meta ein, das das bisherige Providerprivileg grundlegend infrage stelle. Meta hafte demnach unmittelbar für betrügerische Werbeanzeigen mit gestohlenen Identitäten. Das Unternehmen übernehme durch algorithmische Kuration und Ausspielung die inhaltliche Kontrolle und mache sich die Beiträge zu eigen. Außerdem besprechen die beiden, wie in Karlmeiers Podcast “Haken dran” üblich, die neuesten Entwicklungen aus der Social-Media-Welt.

6. Wie die “Next Uri Geller” Zaubertricks aufgeflogen sind
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 23:53 Minuten)
In einer satirischen Retro-Analyse zur ProSieben-Show “The Next Uri Geller” rekonstruiert Philipp Walulis, wie das Format vor allem in Staffel 2 durch peinliche Pannen und simple Taschenspielertricks seine Glaubwürdigkeit verloren habe. Gewöhnliche Zauberkünstler seien per Vertrag als Mentalisten mit angeblich übersinnlichen Kräften inszeniert worden. Doch Live-Übertragungen hätten Tricks entlarvt, etwa durch sichtbare Spickversuche bei Zahlen-Codes oder ein manipuliertes Vorhängeschloss, das bei jedem Schlüssel aufsprang. Gellers eigene Nummern hätten den Niedergang des Hypes im deutschen Fernsehen schließlich besiegelt.

Böhmermann macht Schluss, “SZ”-Verleger vergleichen sich, VW

1. Weißes Haus verwehrt Journalisten von MS NOW, CNN und Politico den Zugang
(spiegel.de)
US-Präsident Donald Trump habe Reportern von MS NOW (ehemals MSNBC), CNN und “Politico” den Zutritt zum Weißen Haus untersagt und deren Presseausweise einziehen lassen. Trump werfe den Medien vor, Falschmeldungen über seine Regierung zu verbreiten, und habe angekündigt, weitere Medienhäuser auszuschließen. Die betroffenen Redaktionen sowie die White House Correspondents’ Association hätten den Schritt als rechtswidrigen Angriff auf den ersten Verfassungszusatz und das Recht der Bevölkerung auf unabhängige Information verurteilt.
Weiterer Lesetipp: Gemeint sind wir alle: “Nach Druck aus den USA stellt das Tech-Kollektiv Autistici/Inventati seinen Dienst ein. Damit verschwindet auch der Blog unserer Autorin.” (taz.de, Anne Roth)


2. Jan Böhmermann macht Schluss mit dem “ZDF Magazin Royale”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nach dann 187 Ausgaben beende Jan Böhmermann sein “ZDF Magazin Royale” am 18. Dezember, um Raum für ein neues wöchentliches Showkonzept zu schaffen. Außerdem sei eine für Anfang 2027 geplante Tour des in der Sendung mitwirkenden Rundfunk-Tanzorchesters Ehrenfeld abgesagt worden. Das ZDF befinde sich laut Programmdirektorin Nadine Bilke in Gesprächen über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Böhmermann ab Sommer 2027. Vorerst laufe der Vertrag zum Jahresende aus.

3. Medien müssen Zugang zu VW-Werksgelände erhalten
(djv.de, Alexander Schaub)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) protestiert gegen die Entscheidung des Volkswagen-Konzernvorstands, Journalistinnen und Journalisten den Zutritt zum Wolfsburger Werksgelände beim bundesweiten Automobil-Aktionstag am heutigen Montag zu verwehren. Laut der Gewerkschaft IG Metall habe die Konzernführung selbst eine Pool-Lösung untersagt, was der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster als schwerwiegenden Eingriff in die freie Berichterstattung kritisiert. Angesichts der historischen Krise des Autobauers dürfe die Veranstaltung kein “Closed Shop” sein.

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4. SZ-Verlegerfamilie Friedmann: Millionenschwerer Vergleich nach AZ-Insolvenz
(kress.de, Wolfgang Messner)
Die Verlegerfamilie Friedmann, Miteigentümer des Süddeutschen Verlags, habe sich nach einem jahrelangen Rechtsstreit auf einen 15-Millionen-Euro-Vergleich geeinigt, um Ansprüche aus der Pleite der Münchner “Abendzeitung” aus dem Jahr 2014 beizulegen. Hintergrund seien Patronatserklärungen gewesen, für deren Verbindlichkeiten die Erben laut Land- und Oberlandesgericht München trotz formaler Befristung nachträglich haften müssten. Ein vollständiger Abschluss des Verfahrens werde nicht vor Ende 2026 erwartet.

5. Rammstein-Betrüger soll Missbrauchsaffäre der Band für Spendenaufruf genutzt haben
(morgenpost.de, Andreas Gandzior)
Vor dem Amtsgericht Tiergarten müsse sich ein 48-jähriger Mann wegen Betrugs verantworten. Er soll die Vorwürfe gegen Rammstein-Sänger Till Lindemann im Juni 2023 ausgenutzt haben, um unter dem Motto “Hilfe für Rammstein Anwalts-Opfer” online Spenden zu sammeln. Unter dem falschen Vorwand, einer angeblich abgemahnten Frau den juristischen Beistand gegen die Band zu finanzieren, seien über 10.000 Euro zusammengekommen, die der Angeklagte laut Amtsanwaltschaft jedoch für private Zwecke veruntreut habe.

6. Wie Tiktok die sozialen Medien aufmischte
(n-tv.de)
Zum zehnjährigen Bestehen der chinesischen Ursprungs-App Douyin blicken ntv.de und die dpa auf den beispiellosen Siegeszug von TikTok zurück. Entscheidend für den Erfolg sei nicht das Videoformat, sondern der Bruch mit dem klassischen “Social Graph” gewesen: Statt Inhalte gefolgter Profile kuratiere ein hochsensibler Algorithmus anhand der Verweildauer in Millisekunden einen hyperpersonalisierten “Interest Graph”, den US-Konzerne mit Instagram Reels und YouTube Shorts rasch kopiert hätten. Das Unternehmen hinter TikTok stehe jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen unter dauerhaftem Regulierungsdruck.

AfD-Normalisierer Lanz?, Musk droht Doku-Machern, “Sie belügen euch”

1. Markus Lanz, die AfD und der lässige Wiederaufbau unser Demokratie
(substack.com, Dirk Laabs)
Investigativjournalist Dirk Laabs wirft dem ZDF-Talkmaster Markus Lanz vor, durch unkritisches Diskursmanagement und Quotenfixierung maßgeblich zur Normalisierung der AfD beigetragen zu haben. Ausgehend von einer Begegnung im Jahr 2018, bei der Lanz bereits pauschalisierende Narrative über Migration bedient habe, zeichnet Laabs die Entwicklung der Talkshow nach. Dass sich Markus Lanz nun bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises mit Durchhalteparolen als Retter der Demokratie inszeniere, sei scheinheilig und zeuge von gefährlicher Realitätsverweigerung.

2. Menschengecodete Krise
(taz.de, Marie Kilg)
In der “taz” kommentiert Marie Kilg die “menschengecodete Krise”. Die Debatte um existenzielle Bedrohungen durch Künstliche Intelligenz, ausgelöst durch den öffentlichkeitswirksamen Abgang des Anthropic-Entwicklers Jacob Coxon, verschleiere die eigentliche Ursache der Risiken: Hinter jedem autonomen Schadenspotenzial stünden menschliche Entscheidungen, Trainingsdaten und gezielt programmierte Schleifen. Sprachmodelle würden nicht eigenständig handeln, sondern von Entwicklern mit Werkzeugen und Zielen ausgestattet. Der Vorstoß führender US-Tech-Konzerne für eine angebliche Selbstregulierung diene vor allem dem Schutz der eigenen Marktanteile vor Konkurrenten.

3. Musk droht Machern von kritischer Doku über ihn Klagen an
(derstandard.at)
Elon Musk habe den Machern eines Dokumentarfilms über den Tech-Milliardär mit rechtlichen Schritten gedroht. Musks Anwalt Alex Spiro werfe Regisseur Alex Gibney sowie beteiligten Unternehmen wie HBO und Universal vor, in dem beim Filmfestival von Venedig uraufgeführten Film “Musk” gezielt Falschinformationen und Diffamierungen zu verbreiten. Unter anderem habe das Filmteam einen Vorab-Faktencheck mit Elon Musks Umfeld abgelehnt und unbelegte Thesen über eine Wahlmanipulation via Starlink transportiert. Die Produktionsfirma Jigsaw habe die Vorwürfe zurückgewiesen. Eine kritische Auseinandersetzung mit einflussreichen Persönlichkeiten sei elementarer Bestandteil der Meinungsfreiheit.

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4. Kann die “Humanisierung” des Journalisten Medienvertrauen schaffen?
(de.ejo-online.eu)
Die Forscherin und Journalistin Emilie Gambade habe in ihrer Doktorarbeit untersucht, wie das gezielte Ablegen der distanzierten “professionellen Maske” das schwindende Vertrauen in Medien wiederherstellen kann. Da Glaubwürdigkeit zunehmend über intuitive, emotionale Resonanz bewertet werde, helfe das Sichtbarmachen von Verwundbarkeit und persönlicher Motivation dabei, parasoziale Bindungen aufzubauen. Am Beispiel ihrer Doku-Serie “The Messenger” plädiert Gambade dafür, Journalistinnen und Journalisten nahbar als vollwertige Menschen mit eigenen Werten und Schwächen zu porträtieren.

5. Mentoring für mehr Vielfalt
(verdi.de, Till Schmidt)
Das Projekt “Mentoring@NRW” fördere Nachwuchskräfte mit Zuwanderungsgeschichte beim Einstieg in den Journalismus, um der sozialen Selektion durch unbezahlte Praktika entgegenzuwirken. Wie Projektleiterin Anna Kravčíková berichte, habe die Initiative seit ihrem Start vor sechs Jahren über 60 Talente in Medienhäuser vermittelt. Wegen finanzieller Kürzungen weiche das Programm nun auf ein intensives Camp-Format für 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus, das Themen wie Bezahlung, Story-Pitches und Rassismuserfahrungen adressiere. Ein besonderer Fokus liege dabei auf dem Lokal- und Regionaljournalismus.

6. Sie belügen euch und werden reich damit
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 18:44 Minuten)
Mats Schönauer deckt in diesem Video auf, wie mit KI-generierten Inhalten (“KI-Slop”) auf Social-Media-Plattformen massenhaft Klicks und Geld generiert werden. Als Beispiel dient der reichweitenstärkste deutsche YouTube-Kanal “Tsuriki Show”, der Milliarden Aufrufe mit automatisiert wiederholtem KI-Trash erziele. Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

Arschlangweilig, Fatale Untätigkeit, Deutscher Radiopreis

1. “Das war der beste Wahlkampf seit der NSDAP”
(taz.de, Lotte Laloire)
Im Interview mit der “taz” spricht der Polit-Influencer Daniel Rensing über den Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt, der besonders in den Sozialen Medien erfolgreich gewesen sei. Zur Frage, ob die Algorithmen recht Inhalte aktiv bevorzugen, sagt er: “So sehr ich Mark Zuckerberg von Meta und der chinesischen Regierung bei Tiktok misstraue, glaube ich nicht, dass sie rechten Content aktiv pushen. Ich glaube einfach, dass linker Content arschlangweilig ist.”

2. Slapp-Klagen: Die fatale Untätigkeit der Regierung
(falter.at, Charlotte Deiss)
In einem Gastbeitrag kritisiert Charlotte Deiss von Amnesty International “die fatale Untätigkeit der Regierung” Österreichs bei der Überführung der Anti-SLAPP-Richtlinie der EU in nationales Recht. Die EU-Kommission habe deshalb bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Grund für den Stillstand sei ein Koalitionsstreit: SPÖ und NEOS würden eine lückenlose Verankerung fordern, die ÖVP blockiere aus Sorge vor einer angeblichen “Übererfüllung”. Deiss fordert ein schnelles Handeln: “Sollte die Bundesregierung wirksam gegen Slapp vorgehen wollen, muss sie den Empfehlungen der EU-Kommission und des Europarates folgen und Schutzmaßnahmen in allen Rechtsmaterien sowie für innerstaatliche Verfahren einführen.”

3. “Wir sind von der Ignoranz der Bundesregierung schockiert”: BDZV-Hauptgeschäftsführer Jörg Eggers über Politik und Pressefreiheit.
(turi2.de, Markus Trantow)
Jörg Eggers, Chef des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), wirft der deutschen Bundesregierung vor, die Nöte der Verlage zu ignorieren. Wegen der teuren Zustellung würden ländliche Regionen ohne gedruckte Zeitungen drohen, während große Tech-Konzerne den Markt beherrschen. Eggers verlangt faire Wettbewerbsregeln, niedrigere Steuern auf journalistische Produkte und ein Eingreifen gegen die Macht der Plattformen. Um politisch mehr Druck aufzubauen, setze der BDZV auf enge Allianzen, auch gemeinsam mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

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4. Synchronisations-Revolution: Prime Video passt Lippenbewegungen bei “Maxton Hall” mit KI an
(digitalfernsehen.de, Marcus Reichl)
Amazons Streamingdienst Prime Video setze bei seiner Serie “Maxton Hall” auf ein neues KI- und VFX-Verfahren, um die Lippenbewegungen der Darstellerinnen und Darsteller nachträglich an übersetzte Dialoge anzugleichen. Die Technologie komme zunächst bei der englischen Fassung der ersten beiden Staffeln zum Einsatz und solle auch für die im Dezember 2026 startende finale Staffel genutzt werden. Anders als bei umstrittenen Modellen, die menschliche Stimmen durch künstliche Audiospuren ersetzen, modifiziere Prime Video hier rein das visuelle Bild auf Basis bereits real eingesprochener Synchronfassungen.
Weiterer Lesetipp: RTL experimentiert mit KI – und lässt den Hinweis darauf weg: RTL teste mit fünf alten Folgen der Gerichtsshow “Das Strafgericht” den massiven Einsatz generativer KI. Das visuelle Ergebnis wirke stellenweise hölzern und asynchron. Für Kritik sorge vor allem die fehlende Transparenz: Im Streaming zeige RTL einen kurzen Hinweis im Abspann, im linearen TV verzichte der Sender auf die Kennzeichnung. Die zuständige Landesmedienanstalt halte diesen Verzicht für rechtlich bedenklich. (dwdl.de, Timo Niemeier)

5. Deutscher Radiopreis 2026: Bully jubelt, WDR gewinnt doppelt
(dwdl.de, Alexander Krei)
Emotionaler Höhepunkt des Deutschen Radiopreises sei die posthume Vergabe des Ehrenpreises für das Lebenswerk an die verstorbene Radioikone Rik De Lisle (“Alter Ami”) gewesen. Außerdem habe der WDR gleich zweifach abgeräumt: mit dem 1Live-Duo Celina Pegel und Jule Blaase für die beste Morgensendung sowie für “Inside CumEx” (WDR 2) als bestes Informationsformat. Michael “Bully” Herbig und Rick Kavanian seien für ihr Show-Takeover bei Radio Gong 96.3 geehrt worden. Evren Gezer (Hit Radio FFH) habe als beste Moderatorin, Sina Wende (Bayern 1) als beste Newcomerin triumphiert.

6. Analyse der Wochenshow: Vulgär, inkorrekt und extrem erfolgreich
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 16:45)
Philipp Walulis hat sich noch mal alte Ausgaben der “Wochenshow” angetan, die als Sketchshow zwischen 1996 und 2002 auf Sat.1 zu sehen und höchst erfolgreich war: “Ingolf Lück, Anke Engelke, Bastian Pastewka: ‘Die Wochenshow’ war Wegweisend für Comedy im deutschen Fernsehen der 90er-Jahre. Doch wie entwickelte sich ein spontaner Vertragsableger für die Harald Schmidt Show zu einem Quoten-Giganten mit bis zu 6 Millionen Zuschauern?”

Eine Million pro Monat, Superlativ ist nicht super, Ave Maria in der Endzone

1. “Exxpress”-Schwesterportal “Nius” kostet Financier Gotthardt eine Million Euro pro Monat
(derstandard.at, Harald Fidler)
Der deutsche Software-Unternehmer Frank Gotthardt habe gegenüber der “Zeit” (nur mit Abo lesbar) offengelegt, dass ihn die von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geführte Plattform “Nius” monatlich rund eine Million Euro oder mehr koste. Die Betreibergesellschaft halte zudem die Mehrheit am österreichischen Onlineportal “Exxpress”. Trotz kumulierter Verluste im zweistelligen Millionenbereich in den vergangenen Jahren verteidige Gotthardt sein finanzielles Engagement als Gegenpol zum aus seiner Sicht belehrenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

2. Was sollte das eigentlich? Vor 5 Jahren startete Bild TV
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Fünf Jahre nach dem Sendestart von “Bild TV” rekapituliert Thomas Lückerath das Scheitern des linearen TV-Projekts des Axel-Springer-Verlags: “Boulevard-Journalismus der ‘Bild’ funktioniert maßgeblich über Zuspitzung in Schlagzeilen. Legendär sind Titelseite a la ‘Wir sind Papst’. Schlagzeilen, egal ob online oder gedruckt, die bleiben. Doch in mehrstündigen Live-Strecken versendet sich Gesagtes, lässt sich nur bedingt wiederholen. Bild TV lieferte viel Sendestrecke, aber das Medium lässt weniger Pointierung zu.”

3. Und am Wochenende ist Disco mit Peter
(taz.de, Doris Akrap)
Doris Akrap porträtiert die Magdeburger “Volksstimme” und deren Redaktionsalltag unter Chefredakteur Marc Rath. Trotz des digitalen Medienwandels und anhaltender Auflagenverluste behaupte sich das Blatt als auflagenstärkste Regionalzeitung Sachsen-Anhalts. Die Redaktion sehe sich und ihren bodenständigen Lokaljournalismus auch gegenüber politischem Druck und gesellschaftlichen Spannungen gut gerüstet.

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4. Juristin Brosius-Gersdorf fordert besseren Schutz vor Hass im Netz
(zeit.de)
Die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf spreche sich im Interview mit dem “Tagesspiegel” für schärfere gesetzliche Vorgaben gegen Hetze und Desinformation auf Onlineplattformen aus. Soziale Netzwerke seien zwar ein demokratischer Gewinn für die freie Meinungsäußerung, brächten durch Anonymität jedoch erhebliche Gefahren mit sich. Sie plädiere daher für eine Verpflichtung der Plattformen, bei der Registrierung Klarnamen und Adressen der Nutzerinnen und Nutzer zu erfassen. Dies ermögliche später einen Auskunftsanspruch.

5. Medien und Boulevard: Der Superlativ ist nicht super
(fr.de, Tanjev Schultz)
Journalistik-Professor Tanjev Schultz kritisiert in seinem Beitrag für die “Frankfurter Rundschau” den inflationären Einsatz von Superlativen und Zuspitzungen in der Berichterstattung verschiedener Medien. Anhand von Artikeln über die vermeintlich “gefährlichste Schule Deutschlands” oder Schlagzeilen, die einzelne Politiker zum “gefährlichsten Mann” des Landes erklären, warnt Schultz vor einer Erosion journalistischer Standards. Die permanente Skandalisierung und Personalisierung führe zu einer sprachlichen Verrohung und drohe, das Publikum abzustumpfen.

6. Kinder von Robin Williams kämpfen gegen KI-Williams auf Social Media – bei Social Media
(spiegel.de)
Zwölf Jahre nach dem Tod von Schauspieler Robin Williams hätten seine drei Kinder den seit 628 Wochen stillgelegten Instagram-Account ihres Vaters reaktiviert. Sie würden der Flut an KI-generierten Fälschungen, die Stimme und Aussehen des Komikers imitieren, ein authentisches, verlässliches Archiv entgegensetzen wollen. Tochter Zelda Williams sehe darin die beste Handhabe, um das künstlerische Erbe ihres Vaters vor Verwässerung und Missbrauch zu schützen.

7. Ave Maria in der Endzone (mit Lorenz Meyer)
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 1:02:44 Stunden)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Gavin Karlmeier und der “6-vor-9”-Kurator analysieren bei “Haken dran” den Auftakt des US-Prozesses gegen Meta, in dem die Richterin den Versuch des Social-Media-Konzerns, den ehemaligen Mitarbeiter und Kronzeugen Arturo Béjar per Verfahrensantrag auszuschließen, abgewiesen habe. Béjar belaste die Unternehmensführung schwer. Er werfe Mark Zuckerberg vor, Profit und Verweildauer über den Schutz Minderjähriger gestellt zu haben. Außerdem geht es um die Untersuchungen gegen TikTok wegen riskanter Algorithmen-Tests bei Jugendlichen, um Metas smarte Kamerabrillen sowie um die Kontroverse um die W-Social-Plattformchefin Anna Zeiter.

Geplante Geheimdienstreform, Ceuta-Krise, Resilienz gegen AfD stärken

1. “Der Schutz von Journalist:innen wird systematisch abgebaut”
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Im Interview mit netzpolitik.org kritisiert Maximilian Jung von Reporter ohne Grenzen (RSF) die geplante Geheimdienstreform für Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz. Durch das Absenken von Eingriffsschwellen bei der Auslandskommunikation drohe der Quellenschutz systematisch abgebaut zu werden. Journalistinnen und Journalisten könnten künftig auch ohne konkrete Straftatbestände überwacht werden. RSF bemängelt zudem eine unzureichende Kontrolle von automatisierter Datenanalysen durch KI und schließt eine erneute Verfassungsklage gegen das Gesetz nicht aus.

2. Meta und TikTok gehen gezielt gegen Falschinformationen zur Ceuta-Krise vor
(spiegel.de)
Der “Spiegel” berichtet über verstärkte Maßnahmen der Social-Media-Konzerne Meta und TikTok gegen Desinformation und Schleuserinhalte im Kontext der Ereignisse in der spanischen Exklave Ceuta. Nachdem Falschinformationen und virale Videos Zehntausende Menschen zu einem lebensgefährlichen Grenzsturm ermutigt hätten, würden die Plattformen nun an verschiedenen Maßnahmen arbeiten, um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern.

3. Resilienz gegen AfD stärken
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) ruft die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten dazu auf, sich aktiv gegen die rundfunkpolitischen Pläne der AfD zu wehren. Er unterstützt eine entsprechende Stellungnahme des Initiativkreises öffentlich-rechtlicher Rundfunk und betont, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio ihre Resilienz ausbauen sowie ihren Journalistinnen und Journalisten den Rücken stärken müssten.

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4. Die üblichen Verdächtigungen
(taz.de, Steffen Grimberg)
“Endlich mal wieder große Aufregung über den linksgrünsversifften öffentlich-rechtlichen Rundfunk!” In seiner Kolumne “Flimmern und Rauschen” analysiert Medienjournalist Steffen Grimberg die jüngsten Debatten um Äußerungen von ÖRR-Journalistinnen und -Journalisten. Er ordnet die Diskussion um Korrespondent Georg Restle und dessen umstrittenen Tweet zur Ceuta-Krise sowie die darauf folgende Beschwerde im WDR-Rundfunkrat ein. Dem stellt er einen Beitrag der BR-Moderatorin Julia Ruhs in den “Bild”-Medien gegenüber und kritisiert die ungleichen Bewertungsmaßstäbe.

5. KI und Inhalte: Das gilt seit 2. August
(medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler beschreibt, was sich für Medien und Redaktionen seit dem Inkrafttreten des AI Acts der Europäischen Union geändert hat. Ihr Fazit: “KI-Compliance wird für Marken zur Vertrauensfrage. Wer Künstliche Intelligenz sichtbar einsetzt, nachvollziehbar, verantwortungsvoll, erfüllt nicht nur Pflichten, er setzt sich ab.”

6. FFA verschärft Anforderungen für Filmförder-Anträge
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier berichtet über eine Verschärfung der Antragsbedingungen bei der Filmförderungsanstalt (FFA). Grund dafür sei die außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Mitteln aus den Fördertöpfen, wodurch das Restbudget für 2026 knapp werde. Um die Vergabe der verbliebenen Gelder zu steuern, verlange die FFA ab sofort unter anderem strengere Finanzierungs- und Auswertungsnachweise wie verbindliche Verleihverträge. Zudem müssten Projekte mit späterem Drehbeginn womöglich auf das Förderjahr 2027 ausweichen.

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