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Frage des Risikos, Ist das schon Zensur?, Kursmanipulation

1. “Das ist eine Frage des Risikos”
(taz.de, Lotte Laloire)
In einem aktuellen Interview der “taz” spricht Lotte Laloire mit dem Medienrechtsanwalt Jasper Prigge. Thema des Gesprächs ist die juristisch heikle Verdachtsberichterstattung bei Vorwürfen sexualisierter Gewalt. Prigge erklärt, warum kleinere Medien entsprechende Berichte größerer Leitmedien nicht einfach abschreiben dürfen. Jede Redaktion sei gesetzlich zu einer eigenen, detaillierten Beweisprüfung verpflichtet. Andernfalls würden wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten teure Klagen drohen.

2. Verfassungsfeindlich, aber nicht verboten
(netzpolitik.org, David Werdermann)
Der Rechtsanwalt David Werdermann analysiert in seinem Gastbeitrag für netzpolitik.org das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Sommer 2025, welches das Verbot des rechtsextremen “Compact”-Magazins wieder aufgehoben habe. Er erklärt, warum das Gericht das Magazin und den dahinterstehenden Kreis um Chefredakteur Jürgen Elsässer zwar inhaltlich als verfassungs- und demokratiefeindlich einstufe, ein komplettes Verbot aber als unverhältnismäßig bewerte. Abschließend ordnet Werdermann ein, was diese Entscheidung grundsätzlich für die Pressefreiheit bedeutet.

3. Ist das schon Zensur? Wie sich die Medien- und Meinungslandschaft in den USA verändert
(sr.de, Kai Schmieding & Michael Meyer, Audio: 18:25 Minuten)
In der aktuellen Folge von “Medien – Cross und Quer” sprechen Michael Meyer und Kai Schmieding mit dem ehemaligen ARD-Korrespondenten Arthur Landwehr über die wachsende Bedrohung der Pressefreiheit in den USA. Gut ein Jahr nach Donald Trumps erneuter Amtsübernahme ziehen sie eine alarmierende Bilanz zur dortigen Medienlandschaft, die zunehmend durch staatliche Klagen und gezielte Einschüchterungen von regierungskritischen Redaktionen sowie Satirikern wie Jimmy Kimmel geprägt sei.

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4. Geschworene sehen Kursmanipulation bei Twitter-Übernahme
(spiegel.de)
Ein Geschworenengericht in San Francisco habe entschieden, dass Elon Musk im Jahr 2022 durch irreführende Aussagen den Twitter-Aktienkurs künstlich gedrückt und damit gegen Wertpapiergesetze verstoßen habe. Damalige Aktionäre hätten ihn deshalb verklagt. Nun könnten Musk Entschädigungszahlungen in Millionen- bis Milliardenhöhe drohen, was für ihn angesichts seines geschätzten Vermögens von über 640 Milliarden US-Dollar finanziell jedoch leicht zu verschmerzen sein dürfte.

5. Social-Media-Verbot: Was in der Debatte untergeht
(br.de, Sophie Morár, Audio: 27:45 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “BR24 Medien” spricht Moderatorin Sophie Morár mit drei Experten über die vieldiskutierte Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren. Ihre Gäste sind der ARD-Korrespondent Florian Bahrdt, der netzpolitik.org-Journalist Sebastian Meineck und der Medienpädagoge Niels Brüggen. Sie schauen sich das australische Modell an, diskutieren die Folgen strenger Alterskontrollen für den Datenschutz und erörtern, wie Tech-Konzerne stärker in die Verantwortung genommen werden können.

6. Marie Lina Smyrek: “Ich bin kein One-Trick-Pony. Ich kann mehr als nur Filter.”
(dwdl.de, Senta Krasser)
Senta Krasser wirft einen Blick auf die Karriere der Moderatorin und Comedy-Autorin Marie Lina Smyrek. Die bald 28-Jährige, die für ihre “funk”-Formate (“smypathisch”) bereits zum zweiten Mal mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden sei, verbinde die Leichtigkeit von Social Media mit der Produktionsqualität des klassischen Fernsehens. Krasser zeichnet Smyreks Weg von der TikTok-Creatorin hin zur gefragten Moderatorin und Schauspielerin nach. Dabei geht es auch um die Gründe, warum Smyrek ihr wöchentliches “funk”-Nachrichtenformat kürzlich eingestellt hat.

7. Es gilt die Arschlochvermutung
(hakendran.podigee.io, Gavin Karlmeier, Audio: 1:00:46 Stunden)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In der aktuellen Folge des Social-Media-Podcasts “Haken dran” diskutiert Gavin Karlmeier mit dem “6-vor-9”-Kurator über die wachsende Gefahr durch KI-generierte Deepfakes. Sie schauen dabei auf den aktuellen Fall von Collien Fernandes und kritisieren die fehlende rechtliche Plattformhaftung sowie das Versagen der Politik beim digitalen Opferschutz. Weitere Schwerpunkte der Sendung sind Metas unzureichende Inhaltsmoderation im Wahlkampf und die millionenschweren juristischen Niederlagen von Elon Musk rund um seine Twitter-Übernahme.

Weltkugel gegen Weimer, “Nius” und Frauenhass, Kaum Reichweite auf X

1. “Zur Schwan­kenden Welt­kugel” mahnt Weimer wegen Inter­view ab
(lto.de, Annelie Kaufmann)
Die Inhaberinnen der Berliner Buchhandlung “Zur schwankenden Weltkugel” würden sich nun juristisch gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wehren und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung fordern. Grund dafür sei ein aktuelles Zeitungsinterview, in dem Weimer die vom Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Läden öffentlich als “politische Extremisten” bezeichnet habe. Der Anwalt der Buchhandlung kritisiere diese Wortwahl als rechtswidrige und stigmatisierende Diffamierung, die der Kulturstaatsminister im Falle einer Weigerung vor Gericht mit konkreten Fakten belegen müsse.

2. Kampagne gegen Nius und Frauenhass: Reichelt in die Falle gelockt
(taz.de, Erik Peter)
Das neu gegründete “Edelweiß Netzwerk” habe den “Nius”-Macher Julian Reichelt mit einer fahrbaren Großbildleinwand im Berliner Regierungsviertel gezielt provoziert. Auf der Leinwand seien Schmähzitate gegen ihn präsentiert worden. Reichelt und seine Anhängerschaft hätten sich online sofort lautstark über den vermeintlichen linken Hass empört. Die verwendeten Zitate seien in Wahrheit jedoch aus “Nius”-Kommentarspalten entnommen worden und hätten sich ursprünglich gegen prominente Frauen gerichtet.

3. Ramadan-Luxusbuffet erfunden: NIUS blamiert sich wieder mit Fake-Story!
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Das Portal “Nius” habe laut “Volksverpetzer” eine gezielte Falschmeldung über ein angeblich steuerfinanziertes “Ramadan-Luxusbuffet für Bürgergeldempfänger” in der Dortmunder Arbeitsagentur verbreitet. Recherchen von t-online.de hätten den Vorfall jedoch rasch aufgeklärt: Die neue, selbst nicht muslimische Kantinenpächterin habe die rein weltliche Eröffnungsfeier als Werbeaktion komplett aus eigener Tasche bezahlt.

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4. Wenig Reichweite, viel Hass
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Eine aktuelle Analyse des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie zeige, dass deutsche Bundesministerien und Behörden auf der Plattform X (ehemals Twitter) kaum noch nennenswerte Reichweiten erzielen. Viele staatliche Stellen würden ihre Präsenz mit ihrem verfassungsrechtlichen Informationsauftrag begründen. In der Realität würden ihre Beiträge jedoch nur minimale Interaktionsraten im einstelligen Prozentbereich verzeichnen: “Die meisten untersuchten Accounts der Bundesministerien haben unter 200.000 Follower:innen und erzeugen kaum Resonanz.”

5. “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien”
(mdr.de)
Der öffentlich-rechtliche MDR habe gemeinsam mit zahlreichen Institutionen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur einen “Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien” veröffentlicht. Die Initiative wolle ein starkes Signal für den uneingeschränkten Zugang zu Informationen setzen und betonen, dass jeder Angriff auf die Informationsfreiheit unweigerlich auch das demokratische Gemeinwesen angreife.

6. Facts and Fantasy
(journalist.de, Hilmar Poganatz)
Der Journalist Hilmar Poganatz berichtet, dass immer mehr öffentliche-rechtliche Medienhäuser wie BR und SWR sogenannte Pen-and-Paper-Rollenspiele als innovatives, auch journalistisches Format entdecken. Durch diese live auf Plattformen wie Twitch und YouTube gestreamten Spielrunden würden sich komplexe oder historische Themen stark emotionalisieren lassen. Dadurch erreiche man gezielt jene “Digital Natives”, die klassische Nachrichtenangebote mittlerweile oft meiden.

Buhrufe für Weimer, Wegner vs. “Tagesspiegel”, Von Interesse

1. Buhrufe für Weimer bei Buchmesse-Eröffnung
(tagesschau.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sei bei seiner Eröffnungsrede auf der Leipziger Buchmesse vom Publikum lautstark ausgebuht, sein Auftritt von massiven Protesten vor dem Gebäude begleitet worden. Grund dafür sei sein umstrittener Ausschluss dreier linker Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis aufgrund geheimer Erkenntnisse des Verfassungsschutzes. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels habe gewarnt, die Branche lasse sich durch solche politischen Interventionen weder einschüchtern noch spalten.

2. Abstreiten, angreifen, ablenken
(taz.de, Timm Kühn)
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) drohe dem “Tagesspiegel” mit einer Klage, nachdem die Redaktion gravierende Widersprüche bei Wegners Krisenmanagement während eines großen Stromausfalls nach einem Brandanschlag aufgedeckt habe (beim “Tagesspiegel” nur mit Abo lesbar). Wegner habe seinen umstrittenen Ausflug auf den Tennisplatz zunächst mit vielen intensiven Telefonaten am Vormittag gerechtfertigt, was die vom “Tagesspiegel” per Klage erstrittenen Dokumente der Senatskanzlei jedoch widerlegt hätten. “taz”-Redakteur Timm Kühn hält die Klageandrohung für ein gezieltes, populistisches Ablenkungsmanöver.

3. Wer auf­taucht, ist von Inter­esse
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Landgericht Frankfurt am Main habe einen Unterlassungsantrag der deutschen Unternehmerin Nicole Junkermann abgewiesen und damit entschieden, dass Medien des Axel-Springer-Verlags rechtmäßig über Junkermanns Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein berichten durften. Felix W. Zimmermann kommentiert: “Nicht jede private Kommunikation mit Epstein ist von überwiegendem öffentlichem Interesse – fraglos aber jene, die zeigt, wie Personen in Epsteins Netzwerk seine Taten relativieren, verharmlosen oder unterstützen und Einblicke in Strukturen, Mechanismen und Verantwortlichkeiten eines solchen Machtgefüges ermöglicht.”
Weiterer Lesetipp: Gericht weist Lilly Beckers Klage gegen Springer-Verlag ab: “Lilly Becker warf »Bild«-Unterhaltungschefin Tanja May Vertragsbruch vor und zog vor Gericht. Nun wurde Ihre Forderung nach einer Vertragsstrafe abgelehnt.” (spiegel.de)

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4. “Wir erklären, warum Medien die Fehler machen, die sie machen”
(dfjv.de, Gunter Becker)
Gunter Becker hat sich mit Alexander Graf unterhalten, dem Chefredakteur und Geschäftsführer des Medienmagazins “Übermedien”. Anlass des Gesprächs ist das zehnjährige Bestehen des Onlinemagazins. Graf erklärt im Gespräch die grundlegende Philosophie von “Übermedien”: Man verstehe sich nicht als reines Branchenblatt für Medienschaffende, sondern wolle in erster Linie dem normalen Publikum erklären, wie Medien funktionieren und warum dort regelmäßig Fehler passieren.
Weiterer Lesetipp: Bei “turi2” hat Björn Czieslik mit Frederik von Castell, dem Chefredakteur des “medium magazins”, über die umfassende strategische Neuausrichtung des Fachblatts gesprochen. Die Publikation wandle sich zum Digitalmedium: “Als ich 2024 beim ‘medium magazin’ losgelegt habe, wussten wir auch alle: Wir wollen viel mehr sein. Es passt nicht mehr zu den Wünschen unserer Abonnentinnen und Abonnenten, zu unserem Anspruch als Redaktion, alle zwei, drei Monate zu erscheinen.” (turi2.de)

5. POP: Sechs europäische Organisationen bündeln Kräfte gegen Desinformation
(correctiv.org)
Sechs europäische Organisationen, darunter die Redaktion von “Correctiv”, hätten das EU-finanzierte Projekt “POP” ins Leben gerufen, um die Medienkompetenz in ländlichen Regionen sowie bei älteren Menschen in Deutschland, Italien, Kroatien und Spanien gezielt zu stärken. Hintergrund sei die wachsende Gefahr durch Desinformation und KI-Fakes. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plane die Initiative ab dem Frühjahr 2027 in europaweit 20 ländlichen Regionen zweitägige Pop-Up-Events.

6. Der größte Scam Deutschlands (den alle ignorieren)
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 27:24 Minuten)
Mats Schönauer hat sich einer bemerkenswert großen Herausforderung gestellt: “Seit Jahrzehnten verdienen sie Milliarden damit, die Privatsphäre von Menschen zu verletzen und gutgläubige Leserinnen zu betrügen: die bunten Blätter der Klatschpresse. Ich habe ALLE Titelseiten der deutschen Yellow Press eines ganzen Jahres analysiert – 5.000 Schlagzeilen über 830 Prominente.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

7. Reuters enthüllt Banksys Identität
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:33 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die “Enttarnung” des Künstlers Banksy durch eine Reuters-Recherche: “Die Frage ist doch: Was genau gewinnt irgendjemand, wenn er den bürgerlichen Namen von Banksy kennt? Versteht man dann seine Kunst besser? Nein. Wird die Welt informierter? Nein. Das Einzige, was passiert: Ein Mann, der mächtige Leute kritisiert – Diktatoren, Kriegstreiber, Konzerne -, dieser Mann ist jetzt identifizierbar.”

Erfolgreiche Einstellung, Mitarbeiter des Monats, ORF-“Liebesg’schichten”

1. Einstellung der Print-Ausgabe: “taz” verliert nur wenig Abos
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Fünf Monate nach der Einstellung ihrer werktäglichen Printausgabe ziehe die überregionale Tageszeitung “taz” eine überraschend positive Bilanz. Entgegen internen Erwartungen hätten fast 90 Prozent der bisherigen Abonnentinnen und Abonnenten den Wechsel zur reinen Digitalausgabe mitgemacht. Wie der Verlag berichte, nutze ein Großteil der Leserschaft nun ein Kombi-Abo aus digitaler Werktagsausgabe und der weiterhin gedruckten Wochenendausgabe “wochentaz”.

2. Weimer beschert “Buchladen Rote Straße” den umsatzstärksten März
(hna.de, Heidi Niemann)
Der Göttinger Buchladen Rote Straße verzeichne nach seinem umstrittenen Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine beispiellose Solidarisierungswelle. Aus ironischer Dankbarkeit für den umsatzstärksten März seit der Gründung im Jahr 1972 habe das linke Kollektiv Weimer kurzerhand per Plakat zum “Mitarbeiter des Monats” gekürt.

3. Liebesg’schichten und ORF-Sachen
(profil.at, Anna Thalhammer)
Nach dem Rücktritt des ORF-Chefs Roland Weißmann wolle die ORF-Interims-Generaldirektorin Ingrid Thurnher Licht ins Dunkel der “Liebesg’schichten” beim österreichischen Sender bringen. Dazu habe sie ein Formular ins Intranet gestellt. Laut Anna Thalhammer, Chefredakteurin und Herausgeberin von “Profil”, sei Thurnher die ideale Person für diese Aufgabe: “Sie stand kurz vor der Pension, hat nichts zu verlieren, genießt einen tadellosen, parteifreien Ruf. Sie kann schonungslos aufklären und aufräumen. Ingrid, I feel you. Wir Frauen müssen eben ran, wenn die mächtigen Kerle es verbockt haben.”

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4. Jugend­mi­nis­terin Prien for­dert sch­nelle EU-Regu­lie­rung
(lto.de)
Bildungs- und Jugendministerin Karin Prien fordere eine rasche europäische Regulierung, um den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu Sozialen Netzwerken altersgerecht zu beschränken. Sollte die EU hierbei nicht schnell genug handeln, behalte sie sich einen nationalen Alleingang Deutschlands vor. Eine technische Umsetzung der Zugangskontrollen stelle laut Prien heutzutage keine große Hürde mehr dar, da beispielsweise Künstliche Intelligenz das Alter der Nutzerinnen und Nutzer anhand typischer Verhaltensweisen unkompliziert einschätzen könne, ohne die grundsätzliche Anonymität im Internet aufzugeben.
Siehe dazu auch die Berichterstattung von netzpolitik.org: So schwach argumentiert die Familienministerin (netzpolitik.org, Sebastian Meineck).

5. ROG: Mit Minecraft für Pressefreiheit
(verdi.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) warne vor einem zunehmend feindseligen Klima gegen unabhängige Medien in den USA. Die Regierung unter Donald Trump erschwere dort gezielt den Zugang zu Informationen, schließe Medien selektiv aus und begünstige so eine gefährliche Selbstzensur. Um diesen Repressionen kreativ entgegenzuwirken, habe ROG in dem Computerspiel Minecraft nun einen speziellen “USA-Raum” innerhalb ihrer “Uncensored Library” eröffnet. Dort würden unter anderem gelöschte Regierungswebseiten, die Praktiken der Medienaufsichtsbehörde sowie andere unterdrückte Beiträge gezeigt.

6. Es werden weitere Fehler passieren
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der Vorfall um die unbemerkten KI-Bilder im “heute journal” werde derzeit von der internen Revision geprüft. Wie ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten vor dem Fernsehrat betont habe, benötige der öffentlich-rechtliche Sender dringend eine offenere Fehlerkultur sowie deutlich schärfere Abnahmeregeln und Frühwarnsysteme. Künftig müsse bei jedem gesendeten Frame die genaue Herkunft zweifelsfrei geklärt sein. Diese Vorgabe würde in den Redaktionen angesichts enormen Zeitdrucks und rasanter KI-Entwicklungen jedoch auch praktische Sorgen auslösen.

Razzien gegen Verlag, BPK und “Nius”, Zunehmende Verrohung

1. Nazi-Propaganda verkauft: Razzien gegen rechtsextremen Verlag “Schelm”
(rbb24.de, Leonie Lemberg)
Nach Recherchen von rbb24 seien bei europaweiten Razzien in Deutschland, Polen und Spanien die mutmaßlichen Betreiber des rechtsextremen Verlags “Der Schelm” ins Visier der Justiz geraten. Das konspirative Netzwerk um den nach Moskau geflüchteten Hauptbeschuldigten soll in den vergangenen Jahren systematisch verbotene NS-Schriften und antisemitische Propagandawerke vervielfältigt und vertrieben haben. Brisant sei die Tatsache, dass sich unter den mehr als 11.000 identifizierten Kundinnen und Kunden auffällig viele Menschen aus der bürgerlichen Mitte befänden.

2. Warum “Nius” in der Bundespressekonferenz nichts zu suchen hat!
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Matthias Meisner kritisiert den geplanten Beitritt der stellvertretenden “Nius”-Chefredakteurin Pauline Voss in die Bundespressekonferenz. Das rechtspopulistische Portal falle regelmäßig durch Desinformation, gezielte Kampagnen und rechte Hetze auf. Um sich nicht länger von antidemokratischen und verschwörungsideologischen Akteuren als Bühne missbrauchen zu lassen, müsse der Verein eine klare rote Linie ziehen und solche Mitgliedschaften konsequent verhindern, so Meisner: “Es geht darum, die Bundespressekonferenz vor Desinformation zu schützen, sie letztlich zu retten. Wie diese Forderung umzusetzen ist, muss der Verein rasch diskutieren.”

3. Deutsche Journalistin in Syrien spurlos verschwunden
(spiegel.de)
Die deutsche Journalistin Eva Maria Michelmann werde seit Januar in Syrien vermisst, nachdem sie dort mutmaßlich von Regierungstruppen festgenommen worden sei. Dies hätten Michelmanns Familie sowie die Gewerkschaft Verdi nun öffentlich gemacht und dabei große Sorge um das Leben der Reporterin sowie ihres ebenfalls verschwundenen türkischen Kollegen geäußert. Es sei zu befürchten, dass Michelmann in informeller Gefangenschaft gehalten werde oder getötet worden sein könnte.

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4. ORF bleibt nach Weißmanns Rücktritt in Aufruhr
(dwdl.de, Alexander Krei)
Nach dem Rücktritt des ORF-Chefs Roland Weißmann sei ein offener Streit über die wahren Hintergründe seines Abgangs entbrannt. Der ORF-Stiftungsratsvorsitzende betone zwar, Weißmann habe sein Amt aus Mangel an Alternativen freiwillig niedergelegt; dessen Anwalt widerspreche dieser Darstellung jedoch vehement. Sein Mandant sei vom Gremium massiv zum Rücktritt gedrängt worden, noch bevor die im Raum stehenden Vorwürfe der sexuellen Belästigung überhaupt geprüft worden seien.

5. “Zunehmende Verrohung der Plattform”: Süddeutsche Zeitung verlässt X
(deutschlandfunk.de)
Die “Süddeutsche Zeitung” (“SZ”) hat ihren Rückzug von der Social-Media-Plattform X (vormals Twitter) verkündet und den Betrieb ihres dortigen Kanals mit sofortiger Wirkung eingestellt. Auf X schreibt sie dazu: “Aus unserer Sicht macht die zunehmende Verrohung der Plattform einen konstruktiven öffentlichen Dialog nicht mehr möglich.”
Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Es wirkt schon fast etwas putzig, dass der “SZ” diese toxische Verrohung erst jetzt, nach Jahren des stetigen Niedergangs, auffällt. Zudem entbehrt die Klage über den unmöglich gewordenen Dialog nicht einer gewissen Ironie, wie in Kommentaren auf X angemerkt wird. In der Praxis habe die Redaktion die Plattform fast ausschließlich als einseitiges Verlautbarungsorgan genutzt, um eigene Beiträge anzuteasern, anstatt sich dort auf einen echten Austausch einzulassen.

6. Ein wei­terer Bei­nahe-Skandal
(lto.de, Max Kolter)
Max Kolter kommentiert die inzwischen wieder eingestellten polizeilichen Ermittlungen gegen den Kolumnisten Jan Fleischhauer. Der Vorfall sei zwar kein Justizskandal, aber dennoch problematisch. Fleischhauer habe eine verbotene Nazi-Parole lediglich satirisch genutzt, das zuständige Strafgesetz kenne hierbei jedoch schlichtweg keinen Humor. Kolter rät der Polizei deshalb, in Zweifelsfällen vorab einfach kurz bei der Staatsanwaltschaft anzurufen.

7. Gab es im Wahlkampf eine “Schmutzkampagne” gegen die CDU?
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:12 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator den Vorwurf der CDU, die baden-württembergischen Grünen hätten durch das Teilen eines für den CDU-Spitzenkandidaten nachteiligen Videos im Wahlkampf eine “Schmutzkampagne” betrieben. Aus medienkritischer Sicht sei die Verbreitung eines echten und frei zugänglichen Originalzitats im Wahlkampf jedoch keinesfalls mit koordinierten Verleumdungen oder Deepfakes gleichzusetzen. Der angebliche “Schmutz” stecke in diesem Fall nicht in der Verbreitung der Aufnahmen, sondern einzig und allein im Inhalt des Originalvideos selbst.

Weimer sagt Verleihung ab, Schwere Zeiten beim “nd”, Familienministerin

1. Kulturstaatsminister Weimer sagt Verleihung des Buchhandlungspreises ab
(spiegel.de)
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer habe die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises abgesagt, da der Eklat um den Ausschluss dreier nominierter Buchläden die Veranstaltung zu überschatten drohe. Kai-Uwe Vogt kommentiert beim “Börsenblatt”, dem “Fachmagazin der Buchbranche”: “Damit entzieht sich Weimer einer höchst blamablen Situation: Kurz zuvor [haben] alle nominierten Buchhandlungen sich mit den von der Liste der Preisträger gestrichenen linken Buchläden solidarisch erklärt – in Leipzig war geplant, ein Zeichen zu setzen. Sieht so aus, als wolle Weimer sich diesem Gegendruck nicht aussetzen.” Die Jury des Deutschen Buchhandlungspreises hatte sich vom Ausschluss der drei Buchhandlungen bereits distanziert. Auf Bluesky merkt der “6-vor-9”-Kurator an: “Das Muster ist immer gleich: Autoritär handeln, maximalen Schaden anrichten, halbherzig zurückrudern, verbrannte Erde hinterlassen. Kurz nach seinem Amtsantritt schrieb Weimer, er wolle ‘die Korridore des Sagbaren und Darstellbaren weiten’. Was er wirklich tut: Er verengt sie systematisch.”
Nachtrag: Wie aus einer Erklärung des Rechtsanwalts Jasper Prigge, der einen der Buchläden vertritt, hervorgeht, soll Weimers Behörde die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen aktiv belogen haben. In einer Absage habe sie fälschlicherweise behauptet, die unabhängige Fachjury hätte sie nicht ausgewählt. Es habe sich jedoch durch Informationen eines Whistleblowers herausgestellt, dass die Läden sehr wohl prämiert werden sollten, zwei von ihnen sogar mit einem höher dotierten Sonderpreis für “besonders herausragende Buchhandlungen”. Man prüfe nun zusätzlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

2. So schwach argumentiert die Familienministerin
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck analysiert die lückenhafte Argumentation von Familienministerin Karin Prien, die sich im Bundestag nachdrücklich für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren ausgesprochen habe. Priens Behauptung, es gebe einen klaren wissenschaftlichen Konsens über dramatische Hirnschäden durch Soziale Medien, sei irreführend. Bisherige Studien würden lediglich geringe Korrelationen aufzeigen, die eigentliche Kausalität bleibe weiterhin ungeklärt.

3. “Neues Deutschland” erneut gestärkt – Beschäftigte sichern Zahlungsfähigkeit
(dju-berlinbb.verdi.de)
Um die drohende Zahlungsunfähigkeit der linken Tageszeitung “nd” im zweiten Quartal 2026 abzuwenden, habe die rund 70-köpfige Belegschaft erneut massiven Gehalts- und Arbeitszeitverzichten zugestimmt. Seit die Partei Die Linke sich aus dem Betrieb zurückgezogen habe, wirtschafte die heutige Verlagsgenossenschaft faktisch ohne nennenswertes Eigenkapital am Limit. Für ein dauerhaftes Überleben sei das kriselnde Medium dringend auf neue Genossenschaftsmitglieder, Abonnentinnen und Abonnenten angewiesen.

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4. Fernsehen SRF stellt Zuschauer bloss
(infosperber.ch, Marco Diener)
Das Schweizer Fernsehen SRF stehe massiv in der Kritik, da es bei der zeitversetzten Übertragung eines Fußballspiels einen Zuschauer in einer sekundenlangen Nahaufnahme gezeigt und durch einen spöttischen Kommentar gezielt bloßgestellt habe. Der Sender rechtfertige sein Vorgehen damit, dass Stadionbesucher beim Ticketkauf über die AGB automatisch in derartige Aufnahmen einwilligen würden. Der konkrete Fall widerspreche laut “Infosperber” jedoch den publizistischen Leitlinien des Hauses sowie den Vorgaben des Schweizer Presserats und Datenschützern.

5. RBB Media: “Betrieb eines Hotels keine Kernaufgabe”
(dwdl.de, Uwe Mantel)
RBB Media, der Werbevermarkter des öffentlich-rechtlichen RBB, trenne sich von einer Immobilie am Berliner Kaiserdamm, die bislang unter anderem als Hotel, Bürofläche und Bowlingbahn genutzt worden sei. Der Betrieb eines Hotels gehöre ohnehin nicht zu den Kernaufgaben der RBB-Werbetochter; das Gebäude aus den 1960er-Jahren weise zudem einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Mit diesem Schritt beende RBB Media das eigene Immobilienmanagement nun vollständig, um den wirtschaftlichen Vorgaben der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten zu entsprechen.

6. GEMA klagt gegen Suno
(urheber.info)
Vor dem Landgericht München gehe die GEMA derzeit als europaweit erste Klägerin in einem wegweisenden Urheberrechtsstreit gegen den KI-Musikgenerator Suno vor. Dem Unternehmen werde vorgeworfen, geschützte Welthits für das Training seiner generativen Künstlichen Intelligenz unlizenziert genutzt, gespeichert und reproduziert zu haben. Das für den 12. Juni angekündigte Gerichtsurteil werde mit Spannung erwartet.

Lügengeschichte bei Ronzheimer, Buchläden, Krieg als Computerspiel

1. Sat.1 fällt bei “Ronzheimer” auf Lügengeschichte rein
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die Sat.1-Reportagereihe “Ronzheimer” mit dem stellvertretenden “Bild”-Chefredakteur Paul Ronzheimer in der namensgebenden Hauptrolle sei auf einen Hochstapler hereingefallen, der sich mithilfe gefälschter Dokumente erfolgreich als “Sozialschmarotzer” inszeniert habe. Nachdem der Schwindel aufgeflogen sei, habe der Sender die Folge um die entsprechenden Szenen gekürzt und prüfe nun rechtliche Schritte. Außerdem habe man beim unverschuldet in die Kritik geratenen Jobcenter Hannover um Entschuldigung gebeten.

2. So wollen sich die Buch­läden gegen Minister Weimer wehren
(lto.de)
Nach ihrem umstrittenen Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hätten die drei betroffenen linken Buchhandlungen nun rechtliche Schritte angekündigt, um die zugedachte Auszeichnung gerichtlich einzufordern. Weimer rechtfertige die Streichung von der Gewinnerliste mit vagen “verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen”, die durch das rechtlich zweifelhafte und für die Betroffenen intransparente “Haber-Verfahren” übermittelt worden seien.

3. Das Weiße Haus inszeniert den Krieg gegen Iran als Computerspiel
(spiegel.de)
Der offizielle X-Account des Weißen Hauses habe ein Video veröffentlicht, in dem reale, tödliche Angriffe des US-israelischen Krieges gegen den Iran in der Ästhetik des Videospiels “Call of Duty” inszeniert worden seien. Der Clip reihe sich in eine umstrittene Social-Media-Strategie der Trump-Regierung ein, die gezielt teils brutale Kriegsszenen in gewaltverherrlichende Memes verwandle.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Wenn ein Krieg in der Sprache von Technik und Strategie erzählt wird, normalisiert er sich. Dann ist ein Angriff ein ‘Präventivschlag’, eine Bombardierung eine ‘Operation’, und Bomben sind ‘ins Ziel gebracht’ worden. Und irgendwann liest sich das Ganze wie ein Bundesligabericht: Ballbesitz, gelbe Karten, Torschüsse. Nur dass es hier nicht um Fußball geht.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:02 Minuten)

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4. “Ohne das Geld müssen wir viele Aktivitäten einstellen”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Der feministische Verein ProQuote Medien stehe nach dem überraschenden Stopp der jahrelangen Bundesförderung vor massiven finanziellen Problemen. Ohne die fehlenden 600.000 Euro müsse man voraussichtlich Kernprojekte wie die Leitmedienzählung einstellen. Carolina Schwarz hat mit Vorstandsmitglied Olga Herschel über die schwierige Situation für den Verein gesprochen.

5. Vor den Landtagswahlen: Tipps für Lokaljournalist:innen aus der Praxis
(netzwerkrecherche.org, Maria-​Mercedes Hering)
Bei einer neuen Gesprächsreihe von Netzwerk Recherche habe sich eine Gruppe von über 40 Lokaljournalistinnen und -journalisten intensiv über die massiven Herausforderungen, zunehmenden Anfeindungen und Sicherheitsbedenken bei der Berichterstattung im Vorfeld von Landtagswahlen ausgetauscht. Um Parteien wie der AfD professionell begegnen zu können, rate die Runde unter anderem zu proaktiven Vor-Ort-Recherchen, zum Einsatz divers besetzter Redaktionsteams sowie zur Festlegung von Leitlinien für die Wahlberichterstattung.

6. Wir haben die “Ostdeutsche Allgemeine” gefaktencheckt, damit du es nicht tun musst
(volksverpetzer.de, Philip Kreißel & Thomas Laschyk)
In einem ausführlichen Faktencheck kritisieren Philip Kreißel und Thomas Laschyk, dass die erste Ausgabe der neu gegründeten “Ostdeutschen Allgemeinen” von Herausgeber Holger Friedrich massiv mit längst widerlegten “Fake News” und kremltreuer Propaganda durchsetzt sei. Um sich an eine Zielgruppe aus “Querdenkern” und Rechtsextremen anzubiedern, reproduziere das Blatt unter anderem alte Falschbehauptungen über angebliche Gesundheitsgefahren durch Corona-Masken sowie unwirksame PCR-Tests.

ARD-Sender werden eingestellt, Drei Buchhandlungen, Kirchliche Kritik

1. Diese Fernsehsender werden eingestellt
(verdi.de)
Gemäß den Vorgaben des neuen Reformstaatsvertrags stelle die ARD zum Jahresende die drei linearen Fernsehsender tagesschau24, One und ARD-alpha ein. Sie sollen teilweise mit ZDF-Sendern zusammengelet werden. Die Gewerkschaft Verdi betrachtet diesen Schritt mit großer Skepsis und warnt angesichts der Einstellung des jungen Senders One vor einem drohenden Generationenabriss beim öffentlich-rechtlichen Publikum. Um diese Zielgruppe künftig besser über digitale Wege zu erreichen, fordert Verdi von der Medienpolitik mehr Handlungsspielraum für die Öffentlich-Rechtlichen sowie eine zeitnahe Aufhebung des umstrittenen Verbots presseähnlicher Onlinetexte.
Weiterer Lesetipp: “Unser Konklave war intensiv”: Wie ARD & ZDF ihre Sender neu sortieren: “ARD und ZDF haben sich, wie von der Politik verlangt, auf Einsparungen bei den Spartensendern geeinigt. Drei Angebote werden gebündelt, drei Sender noch 2026 eingestellt, wie der ARD-Vorsitzende Florian Hager und ZDF-Intendant Norbert Himmler im Doppel-Interview mit DWDL.de erläutern.” (dwdl.de, Thomas Lückerath)

2. Drei Buchhandlungen oder schnelle Ausschlüsse in verdachtsprüffauler Zeit
(54books.de, Niels Penke)
Niels Penke kritisiert in seinem Kommentar den überraschenden Ausschluss dreier linker Buchhandlungen von der diesjährigen Vergabe des Deutschen Buchhandlungspreises durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Penke wertet das staatliche Vorgehen als alarmierendes Zeichen einer gefährlichen politischen Verschiebung und wirft Weimer vor, sich mit solch repressiven Maßnahmen zum Vollstreckungsgehilfen eines autoritären Kulturkampfes zu machen.

3. Kompetenz wird zum Problem
(taz.de, Antonia Augsbach)
In ihrem Beitrag beschreibt Antonia Augsbach, wie sich eine neue Generation weiblicher Fußball-Influencerinnen durch authentische Einblicke und meinungsstarke Analysen zunehmend von rein ästhetischen Hochglanz-Profilen abgrenzen würden. Sobald diese Creatorinnen jedoch mit echter fachlicher Kompetenz in traditionell männlich geprägten Themenfeldern aufträten, seien sie massiven sexistischen Anfeindungen ausgesetzt.

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4. Kritik aus der Kirche am Social-Media-Verbot
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Führende evangelische und katholische Jugendverbände würden die unter anderem von Bundeskanzler Friedrich Merz geforderten Social-Media-Verbote für Minderjährige scharf als Kapitulation vor dem eigentlichen Problem kritisieren. Ein pauschaler Ausschluss beraube junge Menschen eines essenziellen digitalen Orientierungsraums für ihre Identitäts- und Glaubensfindung. Er greife massiv in ihr Grundrecht auf freie Religionsausübung ein. Stattdessen fordere man einen konsequenten Jugendmedienschutz, strengere Vorgaben für die Plattformbetreiber sowie eine gezielte Förderung der Medienkompetenz.

5. “Wachstum ist für uns kein Selbstzweck” – Agrar- und Lebens­mittel­fach­medien im Wandel
(dfjv.de, Ulrike Bremm)
Im Interview mit Ulrike Bremm betont der Medienmanager Olaf Holzhäuser, dass Fachmedien im Agrar- und Lebensmittelsektor durch fundierte Einordnung und echten Mehrwert überzeugen müssten, anstatt reines Umsatzwachstum als Selbstzweck zu verfolgen. Künftig müssten Fachjournalistinnen und -journalisten laut Holzhäuser zunehmend zu einer Art Übersetzer werden: “Das Rad dreht sich immer schneller und wilder, was Technik, Regulatorik, Umwelt und vor allem Markteinflüsse betrifft. Donald Trump hat mit seiner wilden Zollpolitik das Schwungrad noch beschleunigt. Da müssen wir einen Anker setzen und Orientierung geben.”

6. “Wir haben jedes Mal die Möglichkeit, dass ein Video total durch die Decke geht oder dass es total bombt.” Friederike Schiller erklärt die TikTok-Strategie der “Zeit”
(turi2.de, Markus Trantow, Audio: 46:31 Minuten)
Friederike Schiller, Leiterin des “Hochkant”-Ressorts der Wochenzeitung “Die Zeit”, spricht in einem gut 45-minütigen Podcast-Interview mit Markus Trantow, Chefredakteur des Medien-Branchendienstes “turi2”, über die TikTok-Strategie der “Zeit”. Allein im Januar habe die Redaktion 96 Millionen Views dort generieren können. Schiller erklärt, dass man die umstrittene Plattform ganz bewusst bespiele, um junge Menschen an die eigene Marke heranzuführen und das Feld nicht populistischen Akteuren wie der AfD zu überlassen.

KW 09/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Alle links?! Wie Journalisten politisch ticken
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 43:17 Minuten)
Tanjev Schultz und Markus Wolsiffer besprechen die häufig geäußerte These, dass der deutsche Journalismus von einer starken linken Schlagseite geprägt sei. Empirische Studien würden im Branchendurchschnitt zwar tatsächlich eine leichte politische Linkstendenz belegen, diese nehme jedoch auf den einflussreichen redaktionellen Führungsebenen wieder spürbar ab. Das pauschale Narrativ einer rein linken Medienlandschaft sei falsch, zumal der Diskurs maßgeblich von starken konservativ-liberalen Verlagen geprägt werde.

2. Was macht man, wenn der eigene Reporter in der Türkei verhaftet wird?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 18:15 Minuten)
Vergangene Woche wurde der Deutsche-Welle-Journalist Alican Uludağ in der Türkei festgenommen. Holger Klein hat mit Erkan Arıkan, dem Leiter der türkischen Redaktion der Deutschen Welle, über die aktuelle Situation in der Türkei gesprochen: “Wie hat sich die Lage in den vergangenen Jahren verändert? Was bedeutet das für die Arbeit von Medien? Und gibt es Hoffnung, dass sich irgendwann etwas ändert?”

3. Der Fall Michel Friedman: Die Wahrheit hinter dem Skandal von Klütz
(ardmediathek.de, Daniel Batel, Video: 20:26 Minuten)
Der jüdische Publizist Michel Friedman hätte auf einer Kulturveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern auftreten sollen, sei jedoch wieder ausgeladen worden: “Zapp-Reporter Daniel Batel fährt nach Klütz und geht den Fragen nach, welche Gründe wirklich hinter der Ausladung stecken, wie eine Kleinstadt mit medialer Entrüstung umgeht und wie sie versucht, ihren Ruf zwischen echter Neonazi-Präsenz und ungerechtfertigter Stigmatisierung zurückzugewinnen.”

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4. Das dunkle Imperium von MrBeast
(youtube.com, Klengan, Video: 25:37 Minuten)
YouTuber “Klengan” analysiert das gigantische Firmenimperium von “MrBeast”, dem größten und erfolgreichsten YouTuber der Welt. Dessen extrem teure YouTube-Videos würden eigentlich massive Verluste einfahren, sollen jedoch als gigantische Marketingmaschine dienen. Mit seiner enormen Reichweite verkaufe “MrBeast” im Hintergrund äußerst profitabel eigene Konsumgüter wie Schokolade und Fertig-Snacks. Der neueste und lukrativste Coup könnte eine Finanz-App werden. Über diese könne der YouTuber seine überwiegend junge Zielgruppe künftig mit Krediten, Versicherungen und spekulativen Krypto-Produkten versorgen.

5. 80. Geburtstag der Zeit: Die Erfolgsstrategie der Wochenzeitung mit Podcasts und Politik
(omr.com, Philipp Westermeyer, Audio: 1:43:55 Stunden)
Anlässlich des 80. Geburtstags der “Zeit” erklärt Chefredakteur Jochen Wegner im Podcast-Gespräch mit Philipp Westermeyer, wie die “Zeit” trotz der allgemeinen Branchenkrise durch digitale Abos, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und reichweitenstarke TikTok-Formate kontinuierlich wachse. Ein zentraler Erfolgsfaktor sei die traditionelle Meinungsvielfalt des Blattes, das bewusst diametral unterschiedliche politische Standpunkte abbilde. Außerdem diskutieren die beiden über die bedenkliche Entwicklung des Tech-Milliardärs Elon Musk und die grundsätzliche Unvorhersehbarkeit der medialen Zukunft.

6. Studio Babelsberg: Europas ältestes Filmstudio von innen
(youtube.com, Clara Böhm, Video: 13:46 Minuten)
Studioleiter Eike Wolf führt durch das traditionsreiche Studio Babelsberg und präsentiert die enormen Dimensionen des ältesten Filmstudios der Welt. Das eröffnet exklusive Einblicke in Europas größten Requisiten- und Kostümfundus sowie in das kreative Art Department, in dem täuschend echte Kulissen für internationale Blockbuster wie “Matrix” oder “Grand Budapest Hotel” gebaut werden.

Rügen wie noch nie, Filmakademie warnt, KI liest Wetter und Verkehr

1. So viele Rügen wie noch nie
(taz.de)
Der Deutsche Presserat habe im Jahr 2025 mit über 100 öffentlich ausgesprochenen Rügen einen neuen Höchststand seit seiner Gründung verzeichnet. Ein Schwerpunkt der mehr als 2.000 eingegangenen Beschwerden habe auf der Nahost-Berichterstattung gelegen. Allein über 300 davon hätten sich gegen einen unbelegten “Bild”-Artikel über einen getöteten Al-Jazeera-Journalisten gerichtet. Die häufigsten Gründe für die ausgesprochenen Rügen seien Verletzungen der journalistischen Sorgfaltspflicht gewesen, dicht gefolgt von medialen Verstößen gegen den Persönlichkeitsschutz.

2. TikTok “in europäische Hände legen”? Keine gute Idee
(socialmediawatchblog.de, Simon Berlin & Martin Fehrensen)
Die Social-Media-Experten Simon Berlin und Martin Fehrensen kritisieren den Vorschlag von Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer, TikTok nach US-Vorbild in ein europäisches Medienkonsortium zu überführen, als realitätsfern und unausgegoren. In Europa seien weder der politische Wille und die nötigen Druckmittel gegenüber China vorhanden, noch existiere ein Käufer, der den mutmaßlich zweistelligen Milliardenbetrag für das Netzwerk aufbringen könnte. Anstatt auf illusorische Zwangsverkäufe zu setzen, sollten lieber bestehende Gesetze angewendet werden, um die beherrschenden Plattformen zu regulieren.

3. ARD-Radios: Bald liest eine KI Wetter- und Verkehrsnews
(digitalfernsehen.de, Manuel Weis)
Die ARD-Popwellen würden planen, ab dem 3. März in ihren gemeinsamen Abend- und Nachtprogrammen für die Wetter- und Verkehrsmeldungen eine KI-Stimme einzusetzen. Die redaktionelle Kontrolle bleibe dabei vollständig beim Menschen, da Redakteurinnen und Redakteure die Texte schreiben und prüfen würden, bevor eine KI sie vorliest. Die generierten Stimmen würden auf den echten Moderatoren basieren und aus Transparenzgründen klar gekennzeichnet.

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4. Die “Zeit” wird 80
(wolfgangmichal.de)
In seinem Beitrag zum 80. Geburtstag der “Zeit” analysiert Wolfgang Michal die Gründe für eine anhaltende Erfolglosigkeit der Wochenzeitung in Ostdeutschland. Aus seiner Sicht schreibt das “Leib- und Magenblatt der besserverdienenden Akademiker” an der Lebensrealität der ostdeutschen Bevölkerung vorbei. Zudem stoße die historisch gewachsene Regierungsnähe des Blattes in den ostdeutschen Bundesländern auf Skepsis und Ablehnung.

5. Schon entdeckt: RiffReporter
(verdi.de, Gunter Becker)
Die journalistische Genossenschaft “RiffReporter” feiere ihr zehnjähriges Bestehen und biete mittlerweile über 100 Mitgliedern eine Plattform für unabhängigen, hierarchiefreien Wissenschaftsjournalismus. Gunter Becker fasst in seinem Beitrag einige “Innenansichten” aus dem Selbstverwaltungsmodell zusammen. So plane die Genossenschaft, neben weiterem Wachstum und mehr Reichweite, auch die Gründung eines Fördervereins, um unter anderem ihr hauseigenes Redaktionssystem an andere Medienhäuser lizenzieren zu können.

6. Filmakademie warnt vor Einflussnahme auf Berlinale
(spiegel.de)
Die Deutsche Filmakademie (Stellungnahme) und die Europäische Filmakademie sowie Hunderte internationale Kulturschaffende (Offener Brief) hätten sich hinter die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle gestellt und eindringlich vor politischer Einflussnahme gewarnt. Anlass für den breiten Protest sei eine von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer einberufene Krisensitzung, bei der Tuttle als Reaktion auf die jüngsten politischen Eklats während des Filmfestivals offenbar die vorzeitige Kündigung drohen könne.

7. Wenn die Wahrheit stimmt, aber die Bilder lügen
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:23 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: In einem Kommentar für radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator die jüngsten Vorfälle bei ARD und ZDF, bei denen ein KI-generiertes Video im “heute journal” sowie irreführende Schnittbilder einer applaudierenden Angela Merkel im “Bericht aus Berlin” ausgestrahlt worden seien. Mit diesem Vorgehen liefere der öffentlich-rechtliche Rundfunk extremen Rechten und sogenannten Alternativmedien gefährliche Munition für ihr “Lügenpresse”-Narrativ.

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