1. Wenn der Begriff Wahrheit zerstört wird
(taz.de, Patrick Gensing)
Patrick Gensing warnt in seinem Essay, “Fake News” könnten im öffentlichen Diskurs gegenüber überprüfbaren Fakten zunehmend die Oberhand gewinnen. Er argumentiert, dass Desinformation längst kein Randproblem mehr sei, sondern ein strukturelles Merkmal digitaler Öffentlichkeit. Plattformen würden Empörung, Tempo und Zuspitzung belohnen. Nötig seien nicht nur Korrekturen einzelner Falschmeldungen, sondern ein politischer und publizistischer Angriff auf die Macht der Plattformen.
2. Was die Polizeiliche Kriminalstatistik aussagt – und was nicht
(correctiv.org, Sara Pichireddu)
Sara Pichireddu erklärt, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik nur begrenzt aussage, wie sich Kriminalität in Deutschland tatsächlich entwickele. Die Statistik erfasse polizeilich registrierte Fälle und Tatverdächtige, nicht aber gerichtliche Schuldfeststellungen. Viele Deutungen seien deshalb irreführend. So lasse die Statistik keine belastbaren Aussagen darüber zu, ob etwa mehr Menschen kriminell würden, oder ob Migranten krimineller seien.
3. Sampling geht klar
(netzpolitik.org, Denis Glismann)
Der Europäische Gerichtshof habe im Fall “Metall auf Metall” das Recht auf Sampling und Remix gestärkt. Demnach könne die Übernahme geschützter Werkteile als erlaubtes Pastiche gelten. Eine bloße Nachahmung ohne eine künstlerische Auseinandersetzung reiche jedoch nicht aus. Damit gehe der seit 27 Jahren geführte Streit zwischen der Band Kraftwerk und dem Musikproduzenten Moses Pelham in die letzte Runde. Nun müsse der Bundesgerichtshof entscheiden, ob das Sample in Sabrina Setlurs Song “Nur mir” diese Voraussetzungen erfüllt.
4. Fünf Fakten zu Fracking (die Medien immer wieder falsch darstellen)
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi widerspricht mehreren verbreiteten Darstellungen von Fracking in österreichischen Medien. Demnach seien Aussagen über eine mögliche Gasversorgung für 30 Jahre auf veraltete Schätzungen gestützt und heute wissenschaftlich nicht haltbar. Auch ein angeblich ökologisch unbedenkliches Frackingverfahren beseitige nicht die Risiken wie etwa die Methanemissionen, den hohen Wasserverbrauch und belastetes Lagerstättenwasser.
5. “Einen Politiker zu Fall zu bringen sehe ich nicht als unsere Aufgabe”
(dfjv.de, Gunter Becker)
Im Interview beschreibt Bernhard Pötter das Newsletter-Medienhaus “Table.Media” als Modell für vertieften Fachjournalismus. Beim “Climate.Table” etwa arbeite ein größeres Team deutlich spezialisierter und enger mit anderen Fachredaktionen zusammen als in klassischen Redaktionen. Ziel sei “Deep Journalism” für Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und NGOs.
6. Austria First: Der rechte Dudelfunk
(verdi.de, Till Schmidt)
Till Schmidt beschreibt den österreichischen Radiosender “Austria First” als Teil einer gezielten Medienstrategie der FPÖ. Der Webradiosender verbreite parteinahe Inhalte in einem freundlichen, journalistisch wirkenden Format. Beobachter sähen darin den Ausbau einer medialen Parallelwelt. Anders als in weiteren FPÖ-Medien trete die Parteipropaganda hier jedoch weniger schrill auf, sie werde stattdessen mit Popmusik und Unterhaltung verbunden.
7. Überall “Entlastung”: Wenn ein Regierungswort zur Nachricht wird
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 3:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins beschäftigt sich der “6-vor-9”-Kurator mit dem Wort “Entlastung”, einer Regierungsvokabel, die oft von Medien übernommen werde: “‘Entlasten’ spart den Konjunktiv, es spart die Einschränkung, das Möglicherweise. Es klingt nach einer fertigen Nachricht. Und genau das macht es so verführerisch.”
