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Gewitter im Aufzug bei Christian Wulff

Man kennt das: Am Neujahrsmorgen um halb fünf wählt man in einem Zustand, der deutlich jenseits von fahruntüchtig ist, die Nummer, die im Handy immer noch unter “Schatz” eingespeichert ist, und lallt dem Ex-Partner irgendwelche wüsten Beschimpfungen auf die Mailbox, nur unterbrochen von geschluchzten Liebesschwüren.

Kommen wir aber nun zur großen Politik: Bundespräsident Christian Wulff hat einen Tag, bevor “Bild” seinen umstrittenen Privatkredit öffentlich gemacht hat, bei “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann angerufen und dessen Mailbox anvertraut, dass er einen “endgültigen Bruch” mit dem Springer-Verlag vollziehen würde, falls diese “unglaubliche” Geschichte erscheine. Das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland sprach vom “Krieg führen” und die etwas angestaubte Redensart vom Überschreiten des Rubikons ist seit heute wieder in aller Munde.

Um zu verstehen, was in diesem Moment endgültig zu Bruch gehen sollte, muss man ein wenig zurückgehen in der Geschichte und sich ansehen, wie eng das Verhältnis zwischen “Bild” und Wulff etwa war, als dessen erste Ehe nach 18 Jahren in die Brüche ging und die Zeitung den reibungslosen Übergang in eine neue Beziehung dokumentierte.

Lesen Sie also noch einmal, wie gemütlich es damals war im Aufzug von “Bild” und “Bild am Sonntag”:

“Bild”, 6. Juni 2006:

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (46, CDU) trennt sich nach 18 Jahren Ehe von seiner Frau Christiane (45). “Unsere Ehe ist gescheitert”, sagt Deutschlands beliebtester Landespolitiker exklusiv in BILD. Und: “Ja, es gibt eine neue Frau in meinem Leben.”

“Bild”, 22. Juli 2006:

Sie waren die schönste Liebes-Koalition des Abends! Zum großen Sommerfest von BILD-Hannover in den königlichen Herrenhäuser Gärten von Hannover brachte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (47) seine neue Lebensgefährtin Bettina Körner (32) mit.

“Bild”, 25. August 2006:

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (47, CDU) und seine schöne Lebensgefährtin Bettina Körner (32) haben endlich die Wohnung für ihr neues Liebesglück gefunden. In einer stillen Nebenstraße in Hannover.

Wulff zu BILD: “Ja, es stimmt. Dort würden wir gerne wohnen.”

“Bild”, 20. November 2006:

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (47, CDU) trägt eine andere Frisur! 40 Jahre lang pflegte er den braven Links-Seitenscheitel. Jetzt sehen wir ihn mit kurzem Pony, die Haare frech und modern mit Gel nach oben gezupft! (…)

Wulff zu BILD: “Mir gefällt der Vorschlag meiner Friseurin!”

“Bild”, 30. Januar 2007:

Regierungschef, Vater, Geliebter und Noch-Ehemann – wie kriegt Christian Wulff das bloß so prima hin?

“Bild”, 2. Oktober 2007:

Im Juni vergangenen Jahres gab der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (48, CDU) nach 18-jähriger Ehe die Trennung von seiner Frau Christiane bekannt. In der Gesprächs-Biografie “Besser die Wahrheit” äußert sich der Politiker gegenüber BILD-Autor Hugo Müller-Vogg erstmals offen über sein Privatleben.

“Bild”, 6. Dezember 2007:

BILD fragte Christian Wulff: Stimmt es, dass Nachwuchs unterwegs ist? Wulff: “Wir freuen uns beide riesig über unser Kind im Sommer nächsten Jahres.”

Und Wulff verkündet auch gleich noch ein weiteres Geheimnis: “Wir wollen heiraten, nachdem meine Scheidung im Frühjahr Rechtskraft erlangt hat.”

“Bild am Sonntag”, 9. Dezember 2007:

Gestern der erste Auftritt nach der Babynachricht – in Hannover, bei der BILD-Benefiz-Aktion zugunsten der Hilfsorganisation “Ein Herz für Kinder”. “Wir wissen noch nicht, was es wird”, sagte Wulff in Hannover zu BILD am SONNTAG. “Über die Geburt meiner Tochter war ich super glücklich. Jetzt ist es mir gleich. Hauptsache es ist gesund.”

“Bild am Sonntag”, 3. Februar 2008:

Erstes Interview als Paar: Die Wahlsieger exklusiv in BILD am SONNTAG – so privat wie noch nie

“Bei der Geburt unseres Kindes werde ich dabei sein” Christian Wulff und seine Bettina im Paar-Check

“Bild”, 22. März 2008:

Wenige Wochen nach seiner Scheidung hat Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (48) seine Lebensgefährtin Bettina (34) heimlich geheiratet. Die neue Frau Wulff erwartet im Juni ein Kind. In BILD erzählt das frischvermählte Paar von der Trauung, vom neuen Eheglück – letzte Seite.

“Bild am Sonntag”, 23. März 2008:

Bettina Wulff ist im 7. Monat schwanger, erwartet ein Mädchen: “Ich bin überwältigt von der großen Anteilnahme und guten Wünschen zu unserer Hochzeit”, so Bettina Wulff zu BILD am SONNTAG. “Es war für mich ein unvergesslicher Tag und der nächste wichtige Schritt in unserem Familienleben.”

“Bild”, 13. Mai 2008:

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (48, CDU) und Ehefrau Bettina (34) strahlen vor Glück: Am Pfingstmontag um 8.27 Uhr wurde in einer Klinik in Hannover Sohn Linus Florian geboren! Der Junge (3355 Gramm/50 Zentimeter) kam einen Tag früher als erwartet. Der Ministerpräsident (war im Kreißsaal dabei) erleichtert: “Es gab keinerlei Komplikationen. Jede Geburt ist immer wieder ein Wunder!”

“Bild”, 9. Februar 2009:

Die Berlinale – mal ganz privat. Produzent David Groenewold und Schauspieler Thomas Heinze luden zum super exklusiven “7. Dinner unter Freunden” in den Axel Springer Journalistenclub. 100 handverlesene Gäste kamen zu Steinbutt-Filet und Mohnauflauf. Darunter: Ministerpräsident Christian Wulff, Regisseur Helmut Dietl, Schauspielerin Simone Thomalla, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, Axel-Springer-Chef Dr. Mathias Döpfner und Axel-Springer-Vorstand Dr. Andreas Wiele.

“Bild”, 20. Mai 2009:

BILD hat die 100 Top-Promi-Frauen gewählt. (…)

20 Bettina Wulff (35) Die Zweifach-Mutti mit Liebe zum Tattoo macht Niedersachsens Ministerpräsidenten zum Hinguck-Muss …

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Was soll die Scheiße?

Dann passiert etwas, was BILD exklusiv weiß:

Das ist ein Satz, der klingt, als sei er ironisch gemeint und stamme zum Beispiel von dieser Seite. Er steht aber in “Bild”.

Gestern haben Zollbeamte, Polizisten und Steuerfahnder am Frankfurter Flughafen eine großangelegte Fahrzeugkontrolle durchgeführt, die der Zollamtsrat als “rundum gelungen” bezeichnet.

Dann passiert etwas, was BILD exklusiv weiß: Am späten Vormittag nähert sich eine dunkle, schwere Audi-Limousine der Kontrolle. Zuerst wartet der Fahrer brav in der Reihe. Doch plötzlich beschleunigt der Wagen, rast los. Der Fahrer brüllt aus dem Fenster: “Was soll die Scheiße hier?”

Jetzt erkennen mehrere Zeugen den Mann: Es ist Heiner Geißler.

“Bild” verbreitete dieses exklusive Wissen großflächig in den Frankfurter und Stuttgarter Regionalausgaben:

Am Frankfurter Flughafen: Heiner Geißler flüchtet vor Polizei-Kontrolle

Deutschlandweit wurde Geißler zum “Verlierer des Tages” erklärt:

CDU-Urgestein Heiner Geißler (81) hat bei einer Polizeikontrolle offenbar die Nerven verloren! Am Frankfurter Flughafen musste Geißler mit seinem Auto vor einer Straßensperre warten. Plötzlich, so Augenzeugen, gab er Gas, rief "Was soll die Scheiße hier?" und brauste davon. Nun liegt der Vorfall beim Polizeipräsidium. BILD meint: Alter schützt vor Torheit nicht!

(Gewinner des Tages ist übrigens der vor einem Jahr verstorbene Oktopus Paul, weil über den jetzt ein E-Book erscheint.)

Heiner Geißler widersprach dieser Darstellung heute in einer Stellungnahme heftig. “Der Bericht ist unrichtig und beruht auf falschen Informationen”, schreibt er und erklärt, dass er sein Auto in der Flughafen-Parkgarage habe abstellen wollen, um den ICE nach Kiel zu nehmen.

hr-online.de zitiert Geißler:

Am Ende der Abbiegespur habe ein Zollbeamter gestanden, der die Autos weiterleitete. Geißler sagte, er habe aus dem Fenster gerufen: “Was soll das, ich verpasse meinen Zug.” Der Beamte habe ihn gegrüßt und ihn passieren lassen. “Die Behauptung, ich sei geflüchtet, ist absolut falsch, da ich gar nicht angehalten wurde”, so der frühere Bundesfamilienminister und CDU-Generalsekretär.

Auch bei der Marke seines Autos hat sich die “Bild” laut Geißler getäuscht. “Ich fahre einen 5er BMW und die örtlichen Verhältnisse lassen ein Tempo über 20 km/h gar nicht zu.” Der schwere Audi und die quietschenden Reifen seien “reine Erfindung”.

In der Onlineversion des “Bild”-Artikels wurde Geißlers Stellungnahme unauffällig am Schluss eingebaut — mit der Anmoderation “Heiner Geißler bestreitet die Vorwürfe.”

Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt bestätigte uns gegenüber, dass die Schilderungen von Geißler zutreffend seien. Die “Folgen”, die Geißlers “Flucht” laut “Bild” haben könnte, schloss der Mann aus: Es bleibe “praktisch gar nichts hängen, auch keine Ordnungswidrigkeit”. Die Berichterstattung sei “viel Wind um fast nichts”.

Damit kann man dann auch die Fragen von “Mitteldeutscher Zeitung” und “Westfälischem Anzeiger” klar mit “Nein” beantworten:

Flüchtete Heiner Geißler vor Polizeikontrolle?

Ist Geißler vor Polizeikontrolle geflüchtet?

Mit Dank an Florian S.

RTL Extra, Panorama, Hitlerwitze

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Der RTL-Taxitest”
(gestern-nacht-im-taxi.de)
Ein Taxitest von “RTL Extra” in der Analyse: “Eine vermeintliche Aufklärungssendung, die Betrüger davonkommen lässt, nicht einmal das Subjekt ihrer Nachforschung genau umreissen kann, reisserisch Bericht erstattet, das genaue Gegenteil von analytischer oder auch nur halbwegs durchdachter Arbeit ist und all das noch gelegentlich durch das mildtätige Lächeln von Birgit Schrowange so einlullend macht, dass auch die letzte Gehirnzelle einschläft, die kann ich nur als intellektuelles Abführmittel bezeichnen.”

2. “Stellungnahme von Detlef Seif MdB zur ‘Panorama’-Berichterstattung vom 29.09.2011”
(detlef-seif-cdu.de)
Der Abgeordnete Detlef Seif erklärt, warum er sich von einem “Panorama”-Beitrag (Video, 3:35 Minuten) zur “Aufstockung des so genannten europäischen Rettungsschirms” nicht angemessen dargestellt fühlt. “Einige Zeitungen haben die Sendung und den vermittelten Eindruck ungeprüft übernommen und nochmals verfälscht. So berichtete der Express Köln nun wahrheitswidrig, dass mir der Haftungsbetrag von 211 Mrd. Euro nicht bekannt sei.” Siehe dazu auch den Beitrag “Abgeordnete: Interviews unfair geschnitten?” im “Panorama”-Blog.

3. “Mitschuld an der Finanzkrise?”
(nzz.ch, Stephan Russ-Mohl)
Das Buch “Bad News” von Anya Schiffrin beleuchtet die Rolle der Wirtschaftsjournalisten an der Finanzkrise.

4. “Hacker klaut Nacktfotos – ‘Österreich’ veröffentlicht sie”
(kobuk.at, Susanna Fellner)
Auch “Österreich” und Heute.at veröffentlichen gestohlene Nacktbilder von Scarlett Johansson.

5. “Hitlers zweiter Frühling”
(klartext-magazin.de, Video, 4:12 Minuten)
Die Veränderung des Hitlerwitzes durch das Web. Mit Daniel Erk vom Hitler-Blog auf taz.de.

6. “Liebe Nachbarn”
(notesofberlin.com)
“Im fehlgeleiteten Versuch mein Leben zu retten, verursachte mir heute jemand enorm viel Ärger.”

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Ganz schlimmer Finger

Mit Gefahren wie etwa politischem Extremismus, ist es so eine Sache: Man darf sie nicht unterschätzen, aber man darf sie auch nicht übertreiben, sonst glaubt einem irgendwann keiner mehr.

Überraschenderweise gibt es immer noch genug Menschen, die “Bild” glauben. Zum Beispiel, als die Zeitung vor einigen Monaten behauptete, dass das Keltenmuseum am Glauberg Neonazis als Wachleute beschäftigt. Obwohl dieser zumindest zweifelhafte Vorwurf nie wirklich belegt werden konnte, kostete dieser “Neonazi-Skandal” die verantwortliche Wachfirma letztlich den Auftrag und die Museumsleiterin wurde versetzt (BILDblog berichtete).

Auch in einem aktuellen Fall aus Dresden wurde deutlich, wie sich die Politik immer wieder von sensationsheischenden Berichten treiben lässt. In ihrer Regionalausgabe berichtete “Bild” am 29. September:

In öffentlichen Räumen, finanziert vom Steuerzahler: Linksradikale trainieren an Dresdner Uni!

Der “Bild”-Reporter Andreas Harlaß schäumt förmlich angesichts der geplanten Aktivierungskonferenz des Dresdener Bündnisses “Nazifrei”, in dessen Rahmen “Workshops zu Themen wie Bürgerrechten, Antirepressionsarbeit, rechtlichen Hintergründen von Blockaden, aktivem Protest gegen Nazis und Umgang mit dem Gedenken in Dresden angeboten” (Eigendarstellung) angeboten werden:

Unsere Dresdner TU hat einen handfesten Skandal! Denn am 7. und 8. Oktober soll im Hörsaalzentrum ein sogenannter Workshop stattfinden, bei dem Linksextremisten massive Gewalt gegen Polizisten trainieren. Ganz öffentlich!

Für die Veranstaltung wurde auch ein Werbeprospekt gedruckt. Unter der Überschrift “Nazifrei – Dresden stellt sich quer” wird u.a. für ein Blockadetraining geworben.

Nur: Die angebliche “massive Gewalt” der angeblichen “Linksradikalen”, zu denen auch Vertreter der Gewerkschaften und Kirchen gehören, musste Harlaß mit aller Macht selbst herbeischreiben, denn der Flyer gibt sie beim besten Willen nicht her:

In diesem Workshop wird gelehrt, wie bei Demonstrationen “Polizeisperren umgangen oder durchflossen (durchbrochen, d. Red.) werden”. (…)

Oder man lernt an der Uni, “wie ein Finger funktioniert”. So nennen Linksextremisten Handzeichen, mit denen der Mob dirigiert wird. Denn in der Chaoten-Szene gibt es dafür viele geheime Regeln. (…)

Zwar suggeriert der redaktionelle Einschub (“durchbrochen”) den Einsatz von Gewalt, doch in Wirklichkeit handelt es sich bei dem von “Bild” angesprochenen “Finger” um die “Fünf-Finger-Taktik”. Und die ist – und das ist entscheidend – ein gewaltfreies Konzept zum Umgehen von Polizeiabsperrungen. Dazu spaltet sich eine große Gruppe in – meist fünf – kleinere Gruppen auf, die Polizeisperren dann einfach umgehen bzw. umfließen.

Mathias Winkler von der Deutschen Polizeigewerkschaft kommentierte die von “Bild” behaupteten Gewalttaten entsprechend so:

Richtig wütend reagiert Mathias Winkler (48) von der Deutschen Polizeigewerkschaft: “Das ist Vorbereitung einer Straftat. Es gilt zu prüfen, ob es in diesem Fall nicht auch bandenmäßig geschieht. Die Verantwortlichen sollten mal im Strafgesetzbuch blättern. Ein Skandal, dass so etwas in öffentlichen Gebäuden stattfindet.”

Kaum zu glauben, dass Winkler über dieselbe Veranstaltung spricht wie der Student Daniel Rehda in der “Leipziger Volkszeitung”:

Im Workshop sollte es darum gehen, was man dazu mitnehmen muss und wie man erfolgreiche Blockaden organisiert. “Die Formulierung war unschön, sie hat den eigentlichen Inhalt verfehlt”, begründete Daniel Rehda vom Studentenrat der TU, dass dieses Training nicht von vornherein aus dem Programm gestrichen worden ist. “Es geht weniger darum, Teilnehmer auf Straftaten vorzubereiten, es geht um Besonnenheit und darum, sie vor Gefahren zu schützen”, erklärte Rehda den Workshop.

Was auf den “Bild”-Bericht folgte, ist erschreckend. Der Dresdner Innenminister Markus Ulbig (CDU) ließ sich nur einen Tag später gegenüber “Bild” (“Innenminister warnt vor getarnten Radikalen!”) zu dieser Behauptung hinreißen:

“Mit dieser Aktion zeigen die Leute von ‘dresden nazifrei’ ihr wahres Gesicht. Das sind keine friedlichen Demonstranten. Sie wollen Gewalt. Gewalt gegen die Polizei und damit Gewalt gegen die Gesellschaft. Also gegen uns alle. Wer das Durchbrechen von Polizeiketten übt, ist kein Demokrat.”

Ähnlich hysterisch und scheinbar ohne genauere Kenntnis der Sachlage äußerte sich ein weiterer Politiker:

Auch Sachsens FDP-Chef Holger Zastrow (42) warnt nun vor Aktivitäten der getarnten Linksextremisten: “Die Veranstaltung an der TU enthüllt die wahren, demokratiefeindlichen Absichten und die extremistische Gesinnung der Veranstalter. Hier wird offenkundig beraten, wie man den Staat selbst angreift und wie man Straftaten begeht.”

Wen wundert es da noch, dass die TU Dresden den Workshop nur einen Tag nach dem “Bild”-Bericht verboten hat?

Und so konnte sich jemand freuen, dessen demokratiefeindliche Absichten und extremistische Gesinnung einigermaßen offensichtlich ist. Die NPD schrieb auf ihrer Internetseite:

Kurz nach der Stellungnahme des NPD-Abgeordneten Andreas Storr wurde bekannt, daß das Blockadetraining abgesagt wurde. Der innenpolitische Sprecher der Nationaldemokraten begrüßte das schnelle Handeln der parteilosen Wissenschaftsministerin von Schorlemer.

Mit Dank an Vincent M. und Torben I.

Nachtrag/Korrektur, 10. Oktober: Eine Pressesprecherin der TU Dresden hat uns darauf hingewiesen, “dass nicht die TU Dresden einen Workshop verboten, sondern der Stura (Studentenrat) als Veranstalter der Aktivierungskonferenz selbigen abgesagt hat.”

Stoibers Problem-Mär

Edmund Stoiber hat sich außerhalb Bayerns vor allem mit zwei Aktionen ins kollektive Gedächtnis eingebrannt: Dem Versuch, die Vorzüge einer Transrapidstrecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen in München zu erläutern, und dem Versuch, im Jahr 2002 Bundeskanzler zu werden. Beobachter sind sich immer noch uneins, was ihm gründlicher misslungen ist.

Anlässlich seines gestrigen 70. Geburtstags waren die bestimmenden Themen in den medialen Huldigungen Stoibers entsprechend seine “gestammelten Werke” und jener verhängnisvolle Abend, als er sich schon als strahlender Wahlsieger feiern ließ und später “ein Glas Champagner öffnen” wollte.

“Focus Online”:

Wohl kein Kanzlerkandidat scheiterte so knapp wie Edmund Stoiber. 0,01 Prozent, rund 6000 Stimmen, fehlten ihm am Wahlabend des 22. September 2002 zur Mehrheit, als er sich nach ersten Hochrechnungen bereits zum Sieger erklärt hatte, dann aber doch Gerhard Schröder Kanzler blieb.

“Rheinische Post”:

Ob als Regierungschef in München, als CSU-Chef (1999–2007), ob als 2002 an 6000 Stimmen gescheiterter Kanzlerkandidat der Union: Stoiber spielte immer mit höchstem Einsatz – ein Rackerer auf dem Platz mit bayerischer Kapitänsbinde.

“Bild München”:

Das herausragende Ergebnis war auch ein Trost für die wohl schwerste Niederlage im politischen Leben Stoibers, die er nur ein Jahr zuvor erlitten hatte: gegen Gerhard Schröder (SPD) im Kampf um das Bundeskanzleramt. Mit nahezu lächerlichen 6000 Wähler-Stimmen Unterschied…

“Bild”:

Er war das Gesicht der CSU, der erfolgreichste Ministerpräsident Deutschlands, und mit gut 6000 Stimmen mehr wäre er 2002 auch Kanzler geworden: Heute feiert Edmund Stoiber seinen 70. Geburtstag!

Das Gerücht, dass Stoiber nur rund 6.000 Stimmen gefehlt hätten, um Kanzler zu werden, hält sich seit Jahren hartnäckig in den Medien.

Und tatsächlich hatte die SPD bei der Bundestagswahl 2002 nur “nahezu lächerliche” 6.027 Zweitstimmen mehr erhalten als CDU und CSU zusammen — und doch ist unwahrscheinlich, dass Stoiber Kanzler geworden wäre, wenn er damals nur 6.028 Stimmen mehr bekommen hätte: Die Grünen, die damals mit der SPD die Regierungskoalition stellten, hatten nämlich gleichzeitig 571.540 Stimmen mehr erhalten als Stoibers Wunschkoalitionspartner FDP.

Stoibers Union ist denkbar knapp der SPD unterlegen; aber die Kanzlerschaft hat er deutlich verpasst.

Mit Dank an Tilman Sch.

Irrsinn, wem Irrsinn gebührt

Seit Monaten sind die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland in einer Art permanentem Alarmzustand, weil sie eine große Kampagne von “Bild” gegen ihre Häuser befürchten. Es spricht wenig dafür, dass der heutige Artikel über den “Gebührenirrsinn” den Auftakt zu einer solchen Kampagne darstellt — dafür ist zur Zeit einfach zu viel Papst in Deutschland und in “Bild”, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aber auch für sich genommen ist der Artikel bemerkenswert.

Gebühren-Irrsinn: ARD und ZDF fordern 1,3 Milliarden mehr!

Unter Berufung auf die “Zeit” schreibt “Bild”, dass “das teuerste öffentlich-rechtliche Fernsehen der Welt” noch teurer werden solle. Und zwar zum Beispiel so:

Die ARD kassiert in diesem Jahr 5,52 Milliarden Euro Zwangsgebühren. Demnächst will der Sender 225 Millionen Euro mehr. Für die Jahre 2013 bis 2016 hat die ARD bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) einen Mehrbedarf von 900 Millionen Euro angemeldet.

“225 Millionen Euro mehr” hört sich natürlich nach viel Geld an. Bezogen auf die 5,52 Milliarden sind es knapp vier Prozent, die die ARD zusätzlich “will” — etwas mehr als ein Inflationsausgleich (über die vier Jahre Laufzeit gerechnet, entspricht das einer jährlichen Steigerung von rund 1 Prozent).

Beim ZDF vergleicht “Bild” gleich die Einnahmen eines Jahres mit den Mehrforderungen über den Vierjahreszeitraum, damit letztere höher wirken:

Das ZDF bekommt in diesem Jahr 1,82 Milliarden Euro. Für die nächste Gebührenperiode fordert das Zweite 429 Millionen Euro mehr.

Tatsächlich “bekommt” das ZDF in diesem Jahr auch keine 1,82 Milliarden aus den Gebühreneinnahmen, sondern 1,72. Das geht aus der “internen Finanzvorschau der Sender” (PDF) hervor, die “exklusiv auf BILD.​de” zu sehen sind und mit denen Bild.de die “Transparenz” schaffen will, “die die öffentlich-rechtlichen Anstalten in ihren Finanzangelegenheiten verweigern”.

Außerdem hat Bild.de ein paar vermeintlich namhafte Kritiker des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gefunden, die ganz im Sinne der Axel Springer AG gegen “das gebührenfinanzierte Engagement von ARD und ZDF im Internet und bei Apps” (so der Geschäftsführer der SPD-Medienholding ddvg Jens Berendsen) wettern oder sich wie “CDU-Kulturpolitiker Peter Tauber” und “FDP-Medienexperte Burkhard Müller Sönksen” (ein alter Freund der “Bild”-Zeitung) am Begriff “Grundversorgung” verheben dürfen.

Doch zurück zum “teuersten öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Welt” und seinen “Irrsinns”-Forderungen:

Jeder Haushalt müsste dann statt 17,98 Euro bisher, monatlich 18,86 Euro Rundfunkgebühren zahlen, so “Die Zeit”.

Zum Vergleich: Die Briten zahlen für ihr öffentlich-rechtliches Fernsehen monatlich 12,98 Euro, die Franzosen 9,66 Euro, die Italiener sogar nur 9,08 Euro.

Da hat “Bild” natürlich drei sehr renommierte öffentlich-rechtliche europäische Sendeanstalten ausgewählt (wobei Frankreich und Italien jetzt eher schlechte Beispiele für die gewünschte Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abgeben) — und drei sehr günstige.

Zum Vergleich: Die Österreicher zahlen im Monat durchschnittlich 22,03 Euro, die Dänen 25,74 Euro (191,67 Dänische Kronen) die Schweizer sogar 31,34 Euro (38,53 Schweizer Franken).

Mit Dank auch an Sebastian.

Nachtrag/Korrektur, 16.10 Uhr: In der ersten Version dieses Artikels hatten wir uns verrechnet, was die Mehrforderungen der ARD angehen.

Autojournalismus, WAP, Boris Rhein

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Gelenkte Berichte – Autokonzerne und Journalisten”
(ndr.de, Video, 5:57 Minuten)
Wie sich Autojournalisten von BMW neue Produkte vorführen lassen: “Kritisches findet sich in den Artikeln der Journalisten nach der Veranstaltung wenig. Bezahlte Reise oder nicht – nicht immer wird das klar.”

2. “Offener Brief an Bundeskanzlerin Merkel: Warum beleidigen Sie Menschen, die ein Grundrecht wahrnehmen?”
(pushthebutton.de, Hardy Prothmann)
“Qualitätsjournalismus lässt sich durch Blogger und Leserreporter nicht ersetzen, sondern nur ergänzen”, sagte Angela Merkel gemäß bundesregierung.de in einer Rede am BDZV-Kongress. Etwas anders (“Qualität lässt sich durch Blogger nicht ersetzen”) wird sie von ftd.de zitiert, was Hardy Prothmann zu einer Gegenrede veranlasst.

3. “Waperlapapp – der Gratis-Humbug des SF”
(20min.ch, Oliver Wietlisbach)
Als Alternative zu kostenpflichten Rufnummern bei Gewinnspielen bietet das Schweizer Fernsehen die “Uralttechnologie” WAP an. “Eine Farce. Die Teilnehmer werden so zum kostenpflichtigen Anruf verleitet.”

4. “Als die Bild mir eine Mail schrieb”
(grafsusanne.de)
Susanne Graf von der Berliner Piratenpartei schreibt an einen Chefreporter von Bild.de: “ich bin nicht bereit, der Bild ein Interview zu geben. Das wendet sich nicht gegen Sie persönlich sondern gegen Ihren Arbeitgeber.”

5. “Huren gegen Höllenengel”
(sueddeutsche.de, Marc Widmann)
CDU-Politiker Boris Rhein, ein “Bild”-Reporter und die Hells Angels. “Am Ende kann man dem Minister allenfalls vorhalten, dass er es mit der Lektüre der Bild-Zeitung übertrieben hat.”

6. “Ilse Aigner twittert (nicht)”
(netzpolitik.org, markus)

Er hat “Jude” gesagt!

Bremen ist das kleinste deutsche Bundesland. Es liegt auf der Deutschlandkarte etwa an der selben Stelle, an der vorne in “Asterix”-Büchern das kleine gallische Dorf verzeichnet ist. Wenn der Bremer Bürgermeister nicht gerade versehentlich amtierender Bundespräsident wird, kriegt der Rest der Republik wenig von dem kleinen Stadtstaat mit. What happens in Bremen stays in Bremen.

Der stellvertretende Fraktionschef der CDU in der Bremer Bürgerschaft, Heiko Strohmann, hatte am 12. August insgesamt 90 Personen, darunter etwa 75 Muslime, zum abendlichen Fastenbrechen im Ramadan eingeladen.

Verschiedene Vertreter der Bremer CDU fanden das zu viel des Guten und erklärten etwa, für ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen sei es “nicht erforderlich, dass die CDU als Veranstalter muslimische Rituale wie das Fastenbrechen durchführt”. Die Kosten von 3.000 Euro können bei der Kritik auch eine Rolle gespielt haben.

Malte Engelmann, Vorsitzender der CDU-Nachwuchsorganisation “Junge Union” in Bremen und ehemaliges Mitglied der Bürgerschaft, fand die Kritik engstirnig und wohl irgendwie auch islamfeindlich, jedenfalls schrieb er einen Blog-Eintrag zu dem Thema, der als Satire-Versuch verstanden werden muss. Und weil Ironie (oder das, was manche dafür halten) immer das denkbar schlechteste Stilmittel für jedwede Form der Auseinandersetzung ist, musste das gründlich schief gehen.

Überschrieben hat er den Eintrag nämlich so:

DEUTSCHE! Kauft nicht beim Juden!!! Äh, ich mein: HEIKO!!! Koch nicht für den Muselmann!!!

Engelmann meinte offenbar, die Haltung seiner Parteikollegen gegenüber Muslimen ähnele denen der Nationalsozialisten gegenüber Juden. Vielleicht eine etwas zu steile These und womöglich ein bisschen zu plakativ formuliert.

Doch als Medien und CDU-Mitglieder auf Engelmanns Blog-Eintrag aufmerksam wurden, beklagten sie nicht etwa den überzogenen Nazi-Vergleich, sie meinten, etwas ganz anderes entdeckt zu haben:

Malte Engelmann verbreitet Nazi-Parolen im Internet: Bremer Junge-Union-Chef sorgt für Eklat. Bremen. Der Vorsitzende der Jungen Union in der Metropolregion Bremen, Malte Engelmann, verbreitet im Internet Nazi-Parolen. Auf seiner Homepage kommentiert der Christdemokrat ein Iftar-Essen der Bremer Bürgerschaftsfraktion anlässlich des muslimischen Fastenmonats Ramadan mit den Worten: "Deutsche! Kauft nicht beim Juden!!!"

Wenn das Zitieren von Nazi-Parolen mit einer “Verbreitung” derselben gleichzusetzen ist, hätte sich der “Weser Kurier” in diesem Moment ebenfalls schuldig gemacht. In ihrem kleinen Werbeteaser im Internet (“Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Mittwoch im WESER-KURIER.”) zitiert die Zeitung ein namentlich nicht näher genanntes CDU-Mitglied mit den Worten, es handele sich um “eine Entgleisung, die durch nichts zu rechtfertigen sei”.

Malte Engelmann zitierte der “Weser Kurier” auch — höchst irreführend:

Engelmann selbst kommentiert die Diskussion um seine Person im Internet mit den Worten: “Naja, also zu Heiko. Wollte in einen Dialog mit den Museltypen treten. Ja, voll dumm. Also Kinder: Es gibt in unserer Welt Muselleute. Die sind wie Christen, nur halt muselig. Und die feiern so doofe Sachen wie Ramadan.”

Engelmann hatte mit diesen Worten nicht etwa “die Diskussion um seine Person” “kommentiert”, die Sätze stammen vielmehr aus seinem sarkastischen Blog-Eintrag. Die Kurzmeldung ist beim “Weser Kurier” inzwischen offline.

In der Folge berichtete der “Weser Kurier”, über die Kritik an Engelmanns Wortwahl durch Vertreter der Partei “Die Linke” (“Das Iftar-Mahl mit einer judenfeindlicher Parole zu kommentieren, lasse sich nicht als ‘Sarkasmus’ entschuldigen”) und der CDU (“Fraktionsvize Heiko Strohmann, der in dem Text direkt angesprochen war, stoppte sofort seine ‘Freundschafts’-Verbindung mit Engelmann bei Facebook – andere CDU-Abgeordnete folgten.”).

Wer den Original-Eintrag nicht kannte und nur im “Weser Kurier” davon las, musste annehmen, dass da tatsächlich ein innerer Reichspropagandaminister aus Engelmann hervorgebrochen sei:

Er hatte einen Internet-Text mit “Deutsche! Kauft nicht beim Juden” eingeleitet und dann unter anderem ergänzt: “Koch nicht für den Muselmann!!!” (…)

Für seinen Internet-Beitrag, den er als Ironie verstanden wissen möchte, erntete Malte Engelmann harte Kritik.

Engelmann selbst zitierte der “Weser Kurier” mit den Einschätzungen, sein Text sei “überspitzt” und “unklug” gewesen.

Da war “Bild” in seiner Regionalausgabe schon auf den Empörungszug aufgesprungen:

CDU fordert seinen sofortigen Rücktritt: Nazi-Skandal um Bremer Jung-Politiker

(“CDU fordert seinen sofortigen Rücktritt” ist natürlich besonders clever: Beim Überfliegen könnte man annehmen, Engelmann selbst sei Mitglied einer ganz anderen Partei.)

Immerhin hatte “Bild” Engelmanns ursprüngliche Intention verstanden:

Auf seiner Internetseite schießt er in einem Artikel scharf gegen einen Bremer Parteifreund, wirft ihm eine islamfeindliche Gesinnung vor.

Doch Engelmann vergreift sich dabei im Ton, eröffnet den Aufsatz mit den Worten: “Deutsche! Kauft nicht beim Juden!” Ein übler, judenfeindlicher Spruch der Nazis aus dem jahr 1933

Gestern trat Engelmann dann von allen Ämtern zurück, was der dpa-Landesdienst Niedersachsen wie folgt berichtete:

Der Bremer CDU-Nachwuchspolitiker Malte Engelmann (32) hat am Donnerstag nach heftiger interner Kritik an einem umstrittenen Nazi-Zitat alle Parteiämter niedergelegt. Engelmann hatte in seinem Internet-Tagebuch ein Essen der Bremer CDU-Bürgerschaftsfraktion zum islamischen Fastenmonat Ramadan mit den Worten kommentiert: “Deutsche! Kauft nicht beim Juden!!! Äh, ich mein: Heiko!!! Koch nicht für den Muselmann!!!” Gemeint war der stellvertretende CDU-Fraktionschef Heiko Strohmann, der zum Fastenbrechen eingeladen hatte.

Engelmann teilte am Donnerstag auf seiner Homepage mit, seine Wortwahl sei satirisch gemeint, aber unangemessen und falsch gewesen. Deswegen lege er alle Parteiämter nieder. Engelmann koordinierte die Arbeit der CDU-Nachwuchsorganisation in der Metropolregion Bremen.

Den zweiten Absatz hat Bild.de einfach weggelassen und erweckt so den Eindruck, Engelmann sei nicht nur juden-, sondern auch islamfeindlich.

Mit Dank an den “Falken”.

Good Molch, bad Molch

Vielleicht können Psychologen erklären, warum Christian von Boetticher, frischgebackener Ex-designierter Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, das erste Interview nach seinem Rücktritt ausgerechnet jener Zeitung gegeben hat, die als erstes Medium über seine Beziehung zu einem damals 16-jährigen Mädchen berichtet hatte: Der “Bild am Sonntag”.

Die Folgeberichterstattung über Boettichers Rücktritt, seine ehemalige Geliebte und seine “Blitzhochzeit” mit seiner langjährigen Lebensgefährtin hatte dann “Bild” übernommen.

Oder, wie es die “Bild am Sonntag” ausdrückt:

Es ist seitdem viel über die Affäre, ihre Folgen und die Darsteller geschrieben und gesendet worden, man hat Boetticher in diesem Zusammenhang “einen Lolita-Politiker” genannt oder, deutlicher noch, einen “Lustmolch”.

Die letzte Bezeichnung scheint auch Boetticher schwer getroffen zu haben:

“(…) Erst wurde ich zum Kinderschänder gemacht, dann zum Weiberhelden und Lustmolch.”

Und dann direkt wieder “BamS”:

Wie lustig ist es für einen konservativen Politiker aus Schleswig-Holstein, Lustmolch genannt zu werden?

Man kann Boettichers Monologe durchaus unterbrechen, man muss dazu zwei bis drei Anläufe unternehmen. Aber er lässt die Unterbrechungen zu, sie verstimmen ihn nicht.

“Über den Lustmolch haben meine Freunde noch geschmunzelt. Sie wissen genau, dass ich mich weder zum Lustmolch noch zum Weiberhelden eigne.”

Langsam sollte es auch ein gemeiner Schwanzlurch verstanden haben: Herr Boetticher wurde als “Lustmolch” bezeichnet.

Aber wer war so böse, herz- und lustlos?

Sie, lieber von Boetticher, Sie sind weder christlich noch sozial. Sie sind ein Lustmolch. Herzlichst, Ihr Franz Josef Wagner

Mit Dank an Oliver K.

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Peter Müller Beck For Good

Das Saarland hat seit wenigen Stunden eine neue Ministerpräsidentin. Zum Abschied des alten, Peter Müller, hat die saarländische Regionalausgabe gestern ein Interview mit ihm abgedruckt, das so beginnt:

Heute ist sein letzter Arbeitstag: Nach zwölf Jahren scheidet Ministerpräsident Peter Müller (55, CDU) aus dem Amt. Im Interview spricht Deutschlands dienstältester Regierungschef über seine zurückliegende Amtszeit, seine Zukunftspläne und seine Nachfolgerin.

Trotz der etwas verwirrenden Anmoderation sprach dann aber doch nicht Deutschlands dienstältester Regierungschef, Kurt Beck (bald 17 Jahre im Amt), sondern Peter Müller (knapp 12 Jahre im Amt).

Mit Dank an Oliver K.

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