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Ein dringendes Bedürfnis

Das Ende der Schlechtschreibung rückt näher!

So steht’s mal wieder in “Bild”, und der Text dazu klingt, als sollte man das tatsächlich Ernst nehmen:

Der Kulturausschuss der CDU/CSU-Bundestagsfraktion verlangt jetzt in einem Dringlichkeitsantrag vom Bundestag, die neuen Regeln zu stoppen. Die Abgeordneten sollen die Länder auffordern, “alsbald eine abschließende Entscheidung bezüglich der Regeln” zu treffen.

Interessant daran ist, dass die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gar keinen eigenen Kulturausschuss hat, nur so eine Art Arbeitsgemeinschaft, die sich gelegentlich trifft, um kulturpolitische Fragen zu diskutieren. Tatsächlich wurde in dieser AG kürzlich auch über die Rechtschreibreform gesprochen. Fragt man allerdings bei der Fraktion nach, weiß dort niemand etwas von einem Dringlichkeitsantrag oder sonstigem Beschluss, der vom Bundestag fordert, “die neuen Regeln zu stoppen”.

Andererseits könnte man nach der “Bild”-Lektüre sogar glauben, dass eine derartige Forderung Erfolg haben könnte, schließlich zitiert “Bild” nicht nur aus dem vermeintlichen “Dringlichkeitsantrag”, sondern auch Peter Gauweiler. Und Gauweiler seinerseits sorgte als bekennender Rechstschreibreformgegner nicht nur kürzlich in erwähnter CDU/CSU-AG für entsprechende Diskussionen, er ist auch stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses des Bundestags, in dem sieben CDU/CSU-, sieben SPD-, zwei Grünen- und ein FDP-Politiker sitzen – weshalb man ihn auf keinen Fall mit dem nichtexistenten Kulturausschuss der CDU/CSU-Fraktion verwechseln sollte. Und dieser Gauweiler sagte “Bild” offenbar:

Der Bundestag hat bereits vor acht Jahren die Rechtschreibreform kritisiert. Es ist Zeit, dass diesen Worten jetzt Taten folgen.

Ob Peter Gauweiler mit dem Wort “kritisiert” wohl halbherzige Formulierungen wie die folgenden meint?

Der Deutsche Bundestag nimmt mit Besorgnis zur Kenntnis, daß die Art und Weise der Umsetzung der Rechtschreibreform und ihre Inhalte bei den Bürgern unseres Landes ein hohes Maß an rechtlicher und sprachlicher Unsicherheit über die deutsche Rechtschreibung hervorgerufen haben.

Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass Gauweiler “gutachterliche, publizistische, Vortrags- oder sonstige Tätigkeiten” für die Axel-Springer-Verlag AG wahrnimmt bzw. von Zeit zu Zeit in “Bild” und “BamS” Kommentare schreibt.

Partei, die schrumpft

Am Freitag machte “Bild” PDS-Chef Lothar Bisky zum Verlierer des Tages. Weil seiner Partei die Mitglieder weglaufen:

Vergangenes Jahr gaben 5052 Genossen ihr Parteibuch ab – ein Minus von rund 7 Prozent. Nur noch 65 753 Menschen gehören der SED-Nachfolgepartei an. In den alten Bundesländern gibt es gerade einmal 4378 bekennende Sozialisten.

BILD meint: PDS – Partei, die schrumpft!

Stimmt. Richtig ist auch, dass die PDS in aktuellen Umfragen bundesweit auf 7 Prozent kommt, im Osten mit 28 Prozent zweitstärkste Partei nach der CDU würde und bei der Landtagswahl in Brandenburg mit 34 Prozent der Stimmen die mit Abstand meisten Stimmen bekommen könnte.

Und: Nein, das wird Bisky nicht zum Gewinner des Tages in “Bild” machen.

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