Suchergebnisse für ‘CDU’

Skrupellose “Bild”-Chefin, Medialer Umgang mit CDU/CSU, Tod im Stream

1. So skrupellos ist die neue BILD-Chefin
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 30:42 Minuten)
In diesem Video beschäftigt sich Mats Schönauer mit Marion Horn, derzeit Vorsitzende der Chefredaktionen der “Bild”-Gruppe und damit verantwortlich für die publizistische und redaktionelle Leitung der größten Boulevardzeitung Deutschlands: “Marion Horn ist eine der mächtigsten Frauen Deutschlands – und eine der gefährlichsten. Denn unter ihrer Leitung als Chefredakteurin der BILD-Zeitung werden katastrophale Falschmeldungen verbreitet, Angst und Hass geschürt und der Ruf von unschuldigen Menschen zerstört.”
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

2. Der Umgang der Medien mit CDU und CSU
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 43:51 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Bedenken des DLF-Hörers Matthias, Medien würden nicht kritisch genug über die CDU und die CSU berichten. Mit dem Hörer diskutieren Katharina Hamberger aus dem DLF-Hauptstadtstudio, Politik- und Kommunikationswissenschaftlerin Paula Diehl und Michael Borgers aus der DLF-Medienredaktion “mediasres”.

3. Rekordzahl an Angriffen auf Journalisten
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) macht auf die besorgniserregende Situation für Medienschaffende in Serbien aufmerksam: “Wenn Journalistinnen und Reporter in Serbien im Schnitt alle zwei Tage Opfer körperlicher Gewalt werden, ist das ein Alarmsignal für ganz Europa. Deutschland trägt hier eine besondere Verantwortung: Als gewichtiges EU-Mitglied muss die Bundesregierung klarstellen, dass Serbiens Weg in die EU nur mit einem wirksamen Schutz der Pressefreiheit und anderer Grund- und Menschenrechte vereinbar ist”, so RSF-Geschäftsführerin Anja Osterhaus.

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4. KI-Firma Anthropic beendet Streit mit Autoren über Urheberrecht
(handelsblatt.com)
In den USA sei erstmals ein Urheberrechtsstreit gegen ein KI-Unternehmen mit einem Vergleich beendet worden. Die Firma Anthropic (unter anderem mit dem Sprachmodell “Claude”) habe sich mit einer Autorengruppe geeinigt, die ihr vorgeworfen habe, Millionen raubkopierter Bücher zum Training ihres KI-Modells verwendet zu haben. Der Vergleich könne als Signal für ähnliche Verfahren gegen Firmen wie OpenAI, Microsoft oder Meta gewertet werden.

5. KI & Fake News: Wie künstliche Intelligenz gleichzeitig zur Gefahr und Lösung wird
(media-lab.de)
Künstliche Intelligenz (KI) ermöglicht die schnelle und täuschend echte Produktion von “Fake News”, was Desinformation glaubwürdiger und schwerer erkennbar macht. Gleichzeitig lassen sich KI-Technologien zur Aufdeckung und Bekämpfung dieser Falschinformationen einsetzen etwa durch automatisierte Analysewerkzeuge, Deepfake-Erkennung oder Faktenchecks. Für einen wirksamen Umgang brauche es laut “Media Lab Bayern” eine Kombination aus technischer Innovation, klarer Regulierung, journalistischer Verantwortung und gesellschaftlicher Medienkompetenz.

6. Tod im Stream
(taz.de, Rudolf Balmer)
Der französische Streamer Jean Pormanove (“JP”) sei nach einem zwölftägigen Livestream auf der Plattform Kick gestorben, in dem ihn zwei Begleiter vor laufender Kamera wiederholt gedemütigt, am Schlaf gehindert und geschlagen hätten. Eine erste Autopsie habe keine eindeutige Fremdeinwirkung ergeben, dennoch komme eine Untersuchung wegen Tötung ohne Vorsatz in Betracht. Die Behörden würden nun Sanktionen gegen den Streamingdienst prüfen.

Kaputter US-Journalismus, Streit um § 353d StGB, Grönemeyer vs. CDU

1. “Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Journalismus gleichbedeutend mit Content ist”
(journalist.de, Leif Kramp & Stephan Weichert)
Bei journalist.de ist ein lesenswertes Interview mit dem US-amerikanischen Journalismus-Experten Jeff Jarvis erschienen, der gleich in der ersten Antwort ziemlich direkt wird: “Während wir die US-Wahlen durchlaufen, frage ich mich, ob es Zeit ist, den Großteil der amerikanischen Traditionsmedien aufzugeben, und ob ich einen Teil der 50 Jahre, die ich im Journalismus tätig bin, verschwendet habe. Der US-Journalismus ist in einem desaströsen Zustand: Die New York Times ist kaputt, die Washington Post auch, CNN ist steuerlos und Murdochs Medien sind bei Weitem zu erfolgreich.”

2. Wer darf publizieren?
(taz.de, Johanna Treblin)
Johanna Treblin berichtet in der “taz” über den Streit um den Paragraphen 353d des Strafgesetzbuches, der die Veröffentlichung von Gerichtsdokumenten während laufender Verfahren verbietet. Kritiker würfen den Gerichten vor, hier mit zweierlei Maß zu messen, da juristische Fachzeitschriften ähnliche Veröffentlichungen machten, ohne dafür bestraft zu werden.

3. Rundfunkreform: Reichen die vorgeschlagenen Änderungen aus?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 20:33 Minuten)
Reichen die vorgeschlagenen Änderungen der Rundfunkreform aus? Darüber spricht Alexander Matzkeit im Podcast “Läuft” mit Journalismusprofessorin Annika Sehl, die vergangenes Jahr von der Rundfunkkommission der Länder in den sogenannten Zukunftsrat berufen wurde. Mit dem Ziel, “eine langfristige Perspektive für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seiner Akzeptanz über das laufende Jahrzehnt hinaus zu entwickeln”. In dem Gespräch geht es um die im Staatsvertragsentwurf fehlenden Aspekte, die Frage, warum der Prozess Sehls Ansicht nach dennoch wertvoll war, und wie es mit der Neuregelung des Rundfunkbeitrags weitergehen könnte.
Weiterer Lesehinweis: Jan Freitag hat den scheidenden WDR-Intendanten Tom Buhrow interviewt und ihn unter anderem gefragt, wie er die von Printmedien oft beklagten “presseähnlichen Inhalten” der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet sieht. Buhrow konstatiert: “Ob Zeitung, Radio, Fernsehen: Alle müssen im Netz präsent sein, wo Informationen ohne Text undenkbar sind. Ich bin auch überzeugt, dass die Herausforderungen der Printbranche nicht geringer wären, wenn wir kaum Text im Internet hätten.” (journalist.de)

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4. Pressefreiheit zu Nahost-Reportagen unter Druck
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) stellt fest, dass der Krieg in Nahost auch Auswirkungen auf die Pressefreiheit in Deutschland habe, und bietet Betroffenen ihre Unterstützung an: “Die Organisation ermutigt Journalistinnen und Journalisten, die Opfer von gewalttätigen Übergriffen bei Demonstrationen, beruflichen Einschränkungen von Seiten ihrer Redaktionen oder Hassrede im Zusammenhang mit ihrer Berichterstattung über den Nahost-Konflikt wurden, sich an RSF zu wenden.”

5. Face­book-Nutzer hat Ex-Kanz­lerin Merkel belei­digt
(lto.de)
Das Oberlandesgericht (OLG) Zweibrücken habe entschieden, dass Beleidigungen gegen Politikerinnen und Politiker in Sozialen Medien auch ohne große Reichweite strafbar sind, wenn der Inhalt selbst beleidigend ist. Ein Mann aus Kaiserslautern hatte die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Facebook öffentlich beleidigt und war zunächst vom Amtsgericht verurteilt, vom Landgericht jedoch freigesprochen worden. Das OLG habe dieses Urteil nun aufgehoben und betont, dass es bei der sogenannten “Politikerbeleidigung” allein auf den Inhalt der Äußerung und nicht auf die Reichweite ankomme.
Weiterer Lesehinweis: “Das ist schon fast Trump-artig”: “AfD-Vizechef Stephan Brandner warf einer Journalistin wiederholt vor, ‘Faschistin’ zu sein. 50.000 Euro soll Brandner dafür bereits zahlen, jetzt ermittelt auch die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Was treibt ihn an?” (t-online.de, Annika Leister)

6. Grönemeyer untersagt CDU Nutzung seines Songs
(zdf.de)
Herbert Grönemeyer fordere die CDU und die Junge Union auf, seinen Song “Zeit, dass sich was dreht” nicht mehr für ihren Wahlkampf zu nutzen und bisherige Online-Verbreitungen zu löschen. Grönemeyers Anwalt betone, dass sich der Musiker weitere rechtliche Schritte vorbehalte. Auch der Rapper $oho Bani, der den Song in einer neuen Version mit Grönemeyer aufgenommen hat, habe die Nutzung bei CDU-Veranstaltungen kritisiert.

Wahl-O-Mat und Alternativen, Kein CDU-Takeover bei RTL, Laschet-TV

1. Wahl-O-Mat gestartet – die Alternativen sind längst online
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 24:04 Minuten)
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat den Wahl-O-Mat für die anstehende Bundestagswahl freigeschaltet. Das Tool ist über die vergangenen fast 20 Jahre immer wieder überarbeitet worden. In der neuen Ausgabe lassen sich Positionen und Gewichtungen anpassen. Doch mittlerweile gibt es mehr als ein Dutzend weitere Online-Wahlberater, darunter den Wahl-Kompass der Uni Münster, den Sozial-O-Mat der Diakonie und den Klima-Wahlcheck der Klima-Allianz Deutschland.

2. RTL sagt Übernahme von Instagram-Account durch CDU-Mitarbeiterinnen ab
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
“Was könnte es im Wahlkampf besseres geben für eine Partei als den Social-Media-Account einer Nachrichtensendung zu übernehmen? Dass diese Art von Werbeaktion schaden könnte, stellte RTL dann doch noch fest – und blies die Aktion ab.” Markus Reuter berichtet über eine Aktion, bei der CDU-Influencerinnen für einen Tag den Instagram-Account der Nachrichtensendung “RTL Aktuell” (450.000 Followerinnen und Follower) übernehmen sollten. Mittlerweile hat sich auch der Sender dazu geäußert: “Es gibt grundsätzlich keine Übernahme unserer journalistischen Kanäle! Hier ist schlicht und einfach ein Fehler im Social Team passiert.”

3. Kommentar: Laschets Dauer-Werbesendung im Amt
(wdr.de, Marc Steinhäuser)
Marc Steinhäuser wirft NRW-Ministerpräsident und Union-Kanzlerkandidat Armin Laschet in seinem Kommentar eine fragwürdige Pressearbeit vor: “Pressekonferenzen als Landesvater gibt er derzeit regelmäßig in Berlin. Der strauchelnde Kanzlerkandidat will seine Regierungserfolge groß rausbringen, und das soll jeder sehen. Minister loben den Ministerpräsidenten vor laufenden Kameras, Journalisten bekommen in Düsseldorf gedruckte Leistungsbilanzen der Regierung in die Hand. Dabei steht die Landtagswahl erst im kommenden Jahr an.”

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4. Desinformation: Was ist das, wer definiert das, ist das gefährlich?
(socialmediawatchblog.de, Simon Hurtz & Martin Fehrensen)
Das “Social Media Watchblog” befasst sich in der neuesten Ausgabe seines Briefings schwerpunktmäßig mit dem Themenkomplex Desinformation. Ausnahmsweise ist diese Ausgabe frei verfügbar. Weitere Themen sind: Social-Media-Nutzung bei Jugendlichen, TikToks Erfolg in der Schweiz und LinkedIns Entscheidung, die Stories-Funktion einzustellen.

5. Keine Sorge, Kameraden: Es sind nicht alle links!
(arminwolf.at)
In der österreichischen Tageszeitung “Die Presse” war in einem Gastkommentar von der angeblichen “Linkslastigkeit der österreichischen Journalisten” die Rede. Laut Andreas Kirschhofer-Bozenhardt gebe es “keinen Meinungspluralismus” und für “konservativ-liberale” Österreicher und deren politische Ansichten “keinen sicheren Hafen”. Der Journalist und Fernsehmoderator Armin Wolf schreibt in seiner Replik: “Ich bin in dieser heimischen Medienlandschaft nun schon 36 Jahre lang tätig, und ich frage mich ehrlich, wie weit rechts man politisch stehen muss, um die Kronenzeitung, oe24, heute, den Kurier, Die Presse, die NÖN, die OÖN, die SN, die Tiroler Tageszeitung, die Vorarlberger Nachrichten und die Kleine Zeitung für ‘links’ zu halten. Möglich ist es natürlich, vom südlichen Polarkreis aus gesehen liegen Südamerika, Afrika und Australien schließlich auch im Norden. Es sagt halt mehr über den Standort als über die Geografie.”

6. Tschüss Schreibblockade – Kreativitätstechniken gezielt anwenden
(fachjournalist.de, Florian Beißwanger)
Beim “Fachjournalist” stellt Florian Beißwanger Kreativtechniken vor, “mit denen Sie in den Schreibflow kommen und neuen kreativen Input generieren.” Der strukturierte Übersichtsartikel liefert wertvolle Anregungen für alle Schreibenden, und manch ein Tipp ist auch eine gute Schreibübung für Nicht-Blockierte.

CDU-Parteitag, Blick in die Glaskugel, Unwort “Kampfkandidatur”

1. Wie über eine Wahl berichten, die auf dem Sofa entschieden wird?
(uebermedien.de, Anne Haeming)
Heute und morgen treffen sich 1.001 Delegierte zum 33. Parteitag der CDU. Der Termin wird mit großer Spannung erwartet, denn dort soll entschieden werden, wer neuer Parteichef wird: Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Armin Laschet. Die Berichterstattung über das wichtige Ereignis ist nicht einfach, denn es handelt sich um eine digitale Veranstaltung. Anne Haeming hat sich mit verschiedenen Medienvertreter:innen über die schwierige Versuchsanordnung unterhalten.

2. Darum ist “Kampfkandidatur” der falsche Begriff
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 1:50 Minuten)
Und noch einmal zum CDU-Parteitag: Es sollte eigentlich der Idealfall sein, dass bei einer Wahl mehrere Kandidatinnen oder Kandidaten antreten. Trotzdem ist bei Wahlen oft von einer “Kampfkandidatur” die Rede. Medien sollten diesen Begriff nicht verwenden, findet Stefan Fries beim Deutschlandfunk-“Sprachcheck”: “Sie problematisieren also, dass es jemand wagt, gegen einen als gesetzt geltenden Kandidaten anzutreten. Und bemänteln damit das eigentlich größere Problem, dass Parteigremien manchmal eine echte Wahl verhindern, indem sie nur einen Kandidaten aufstellen. Eine Wahl haben die Wähler dann nämlich nicht.”

3. Datenboulevardjournalismus der taz zu Corona
(datenjournalist.de, Lorenz Matzat)
Datennjournalist Lorenz Matzat kritisiert eine “taz”-Grafik zu einer Corona-Mutation: “Das Boulevardeske an dieser Titelgrafik ist, dass sie – um Alarmismus zu betreiben – eine Datenentwicklung zeigt, ohne sie analytisch in einen Kontext zu stellen.”

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4. Thomas Knüwer rät Medienprofis: Sei ein Büffel!
(kress.de, Thomas Knüwer)
Medienexperte Thomas Knüwer hat seine Glaskugel herausgeholt und schaut in die Medienzukunft des Jahres 2021. Knüwer hat dabei sieben Entwicklungen im Blick: Zoom, Livestreaming, Social Commerce, Twitch, Instant Messaging, Peloton und Podcasts.

5. Shoot the Messenger
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
WhatsApp zwingt seinen Nutzern und Nutzerinnen neue Geschäftsbedingungen auf, die in vielerlei Hinsicht bedenklich sind. Ingo Dachwitz kommentiert: “Nach all den Skandalen und all den Versprechen, es in Zukunft besser machen zu wollen, versucht Facebook wieder, uns an der Nase herumzuführen. Statt klarer Kommunikation und echter Transparenz über die Datennutzung setzt uns der Marktführer unverständliches Kauderwelsch und widersprüchliche Angaben vor. Der Konzern geht davon aus, dass die Nutzer:innen die Bedingungen schon schlucken werden, auch ohne sie zu verstehen.” Wer den Artikel liest, dürfte nicht umhinkommen, eine der dort genannten Alternativen zu installieren.

6. Happy Birthday, Reparierer
(taz.de, Steffen Grimberg)
Das medienkritische Online-Magazin “Übermedien” feiert sein fünfjähriges Bestehen – und von überall kommen Glückwünsche (hiermit natürlich auch von uns). Steffen Grimberg, Medienredakteur der “taz”, schließt sich den Glückwünschen an: “Mensch, ihr seid schon fünf. Wehe, ihr werdet neunmalklug und ernst, wenn ihr nächstes Jahr in die Schule kommt. In diesem Sinne: Reingehauen!”

CDU-Race-Berichterstattung, Contentboxen, Pornoröder Forst

1. Das komplett sinnlose Personalorakeln
(deutschlandfunk.de, Matthias Dell, Audio: 4:24 Minuten)
Das Rennen um den CDU-Vorsitz wird von einem aufgeregten Horse-Race-Journalismus begleitet. Matthias Dell plädiert in seiner Deutschlandfunk-Kolumne für ein eingeschränktes Zeitfenster für diese Form der Berichterstattung: “Personalbingo wie aktuell beim CDU-Vorsitz wird medial künftig nur noch zehn Tage vor der jeweiligen Wahl gespielt. Und der Rest der Zeit wird in die Beschreibung der Komplexität von Klimapolitik, Steuerungerechtigkeit und sozialem Wohnungsbau investiert.”

2. That’s not my name
(taz.de, Carolina Schwarz)
Schauspieler Elliot Page machte auf Instagram öffentlich, dass er trans ist. Carolina Schwarz hat sich angeschaut, wie Medien mit dieser Meldung umgehen: “Gerade deutsche Medien zeigten, wie wenig sensibilisiert ihre Redaktionen sind. Ob beim ZDF, dem Spiegel, n-tv oder RND, in fast allen Texten wurden falsche Pronomen, in diesem Fall also weibliche, und der Deadname, also der vorher bekannte Name der Person, genutzt. Das kann unabsichtlich passieren, ist aber auch ein Machtinstrument, um einer Person die Identität abzusprechen.”

3. Kultur aus der Contentbox
(verdi.de, Günter Herkel)
Beim RBB sind für das nächste Jahr schmerzhafte Einsparungen geplant: Um rund 30 Millionen Euro soll der Etat knapper ausfallen. Der Sender wolle dazu die Programmstruktur überarbeiten und sogenannte Contentboxen einführen. Von den Kürzungen wahrscheinlich besonders betroffen: die freien Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

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4. Medien 2020: Der ZAPP-Jahresrückblick
(ndr.de, Video: 29:31 Minuten)
Wir haben erst Anfang Dezember, aber bei “Zapp” gibt es bereits einen Jahresrückblick. In der halbstündigen Sendung geht es um Corona, Proteste gegen die Maßnahmen der Regierung, Verschwörungsmythen, Hass in Sozialen Netzwerken und Empörungswellen nach Satiren.

5. Für eine Medienpolitik mit Zukunft
(medienwoche.ch, Robert Ruoff)
In seinem Essay überlegt Robert Ruoff, wie das Schweizer Mediensystem der Zukunft aussehen könnte. Seine 18 Kerngedanken ermöglichen einen guten Überblick über die derzeitigen Herausforderungen der Medien in der Schweiz und könnten Auslöser für eine weitere Debatte sein.

6. Twitter-Bildersuche zu Protesten im Dannenröder Forst wegen Pornofilter gesperrt?
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
netzpolitik.org berichtet über ein offensichtliches Beispiel von Overblocking: Wer bei Twitter Aufnahmen zu den Protesten im Dannenröder Forst suchte, erhielt keine Treffer, obwohl es unzählige Bilder und Videos gibt. Des Rätsels vermutliche Lösung: Twitter hatte den Hashtag #danni wahrscheinlich mit Pornografie beziehungsweise mit Darstellenden aus dem Erotikgewerbe assoziiert und deshalb unterdrückt.

CDU und “FAZ” widersprechen Rezo mit falschen Fakten

In der Elf-PDF-Seiten-Antwort der CDU auf die Kritik des Youtubers Rezo findet man auch diesen Absatz:

Und dann noch eine grundsätzliche Bewertung der Messung von arm und reich in Deutschland: Die oft angeführte Armutsgefährdungsquote (nicht Armutsquote) ist irreführend. Sie ist kein Indikator für Armut, sondern drückt nur die unterschiedliche Einkommensverteilung aus. […] Diese Betrachtungsweise führt auch dazu, dass es auf einen Schlag mehr Armutsgefährdete in Deutschland gäbe, wenn z.B. Jeff Bezos nach Deutschland ziehen würde. Im Vergleich zu ihm und seinem Vermögen gäbe es dann nämlich einige mehr von Armut gefährdetet [sic] Personen (http://www.rwi-essen.de/unstatistik/40/).

So viel schon mal jetzt: Das mit der Auswirkung eines Zuzugs von Amazon-Chef Jeff Bezos auf die Armutsgefährdung ist Unsinn.

Die CDU verlinkt zum Beleg auf einen Text von Statistiker Walter Krämer aus dem Jahr 2015, der dort die damalige “Armutsstudie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes” kritisiert. Krämer schreibt:

Dabei beruft sich der Paritätische Wohlfahrtsverband auf eine angebliche Armutsquote von 15,5 Prozent aller Bundesbürger, definiert als die Menschen, die pro Monat weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben.

Und das ist genauso falsch wie die Aussage von Jasper von Altenbockum, der gestern bei FAZ.net Rezo unter anderem mit dieser Behauptung widersprach:

Was für Rezo zählt, ist der Eindruck, die Armen würden immer ärmer, die Reichen immer reicher. Dass Armut eine Frage der Definition ist und vom Durchschnittseinkommen abhängt — kein Wort darüber.

Doch das ist nicht so: Armut und Armutsgefährdung hängen nicht “vom Durchschnittseinkommen” ab. In seinem aktuellen Armutsbericht schreibt der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband zur eigenen Methodik (PDF, ab Seite 6):

Als einkommensarm wird in diesem Bericht jede Person gezählt, die mit ihrem Haushaltsnettoeinkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. (…) Beim mittleren Einkommen handelt es sich nicht um das geläufige Durchschnittseinkommen, das so ermittelt würde, dass man alle Haushaltseinkommen addiert und die Summe dann durch die Anzahl der Haushalte teilt (arithmetisches Mittel). Es wird stattdessen der sogenannte Median, der mittlere Wert, errechnet

Ganz ähnlich schreiben es auch die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder:

Die Armutsgefährdungsquote ist ein Indikator zur Messung relativer Einkommensarmut und wird — entsprechend dem EU-Standard — definiert als der Anteil der Personen, deren Äquivalenzeinkommen weniger als 60 % des Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung (in Privathaushalten) beträgt.

Der Median beziehungsweise das mittlere Einkommen ist also entscheidend.

Zum bedeutsamen Unterschied zwischen arithmetischem Mittel beziehungsweise Durchschnittseinkommen und Median beziehungsweise mittlerem Einkommen haben wir bereits vor zehn und vor sieben Jahren hier im BILDblog was geschrieben. Wir schreiben es aber gern noch mal.

Man erhält das mittlere Einkommen, indem man alle Bürgerinnen und Bürger sortiert nach Einkommen in einer Reihe aufstellt und diejenige Person, die dann genau in der Mitte steht, fragt, was er oder sie verdient. Der Unterschied zum durchschnittlichen Einkommen kann erheblich sein — und zwar genau dann, wenn etwa einzelne Milliardäre wie Jeff Bezos ins Spiel kommen wie im Beispiel der CDU.

Denken wir uns ins Konrad-Adenauer-Haus, in dem sich gerade elf CDU-Mitarbeiter befinden (Schema rechts). Zwei von ihnen verdienen 1000 Euro, fünf 2000 Euro, drei 3000 Euro — und einer hat sagenhafte 10.000 Euro im Monat. Ihr durchschnittliches Einkommen beträgt 2818 Euro (die Summe geteilt durch elf); das mittlere Einkommen ist das, das bei einer Aufreihung der elf Mitarbeiter der sechste hat (*): 2000 Euro. Als armutsgefährdet gelten alle, die weniger als 60 Prozent von 2000 Euro zur Verfügung haben, also: die beiden 1000-Euro-CDUler.

Nun stellen wir uns vor, dass zwei zusätzliche CDU-Mitarbeiter mit jeweils 10.000 Euro Einkommen das Konrad-Adenauer-Haus betreten. Das durchschnittliche Einkommen steigt deutlich. Das mittlere aber bleibt konstant: diesmal müssen wir bei 13 anwesenden Mitarbeitern in der Reihe von arm nach reich den siebten (*) fragen: Auch er hat 2000 Euro.

Läge die Grenze der Armutsgefährdung laut Definition bei 60 Prozent des Durchschnittseinkommens, wären nun auch die 2000-Euro-CDUler armutsgefährdet. Da sie sich aber nach dem mittleren Einkommen richtet, ändert sich — in diesem Beispiel — nichts.

Der Median ist deshalb eine so praktische statistische Größe, weil er gegen Ausreißer sehr robust ist. Oder anders gesagt: Ein Zuzug von Jeff Bezos hätte auf die Armutsgefährdung in Deutschland keinerlei Auswirkungen, auch wenn die CDU anderes behauptet.

  • Volker Quaschning hat sich den Teil “Die Klimakrise” der CDU-Antwort auf Rezo genauer angeschaut. Sein Fazit: “In diesem Faktencheck wurden keine belastbaren Aussagen der CDU gefunden, welche die Inhalte in Bezug auf Klimaschutz des Videos von Rezo substanziell widerlegen.”

Mit Dank an thorsten und @Helkonie für die Hinweise!

Umfrage-Nullnummern, Video-“Irrtümer” der CDU, Ausreisesperre

1. Jörg Schönenborn: “Viele Umfragen sind Nullnummern”
(dwdl.de, Alexander Krei)
WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn moderiert seit zwei Jahrzehnten die ARD-Wahlsendungen. “DWDL” hat ihn unter anderem gefragt, was gelungene Fragen ausmacht, wie oft er schon den Touchscreen verwünscht hat und was seine bislang schwierigste Situation an einem Wahlabend war.

2. Ein Reporter des Tagesspiegel soll Kolleginnen bedrängt, gestalkt und sexuell belästigt haben
(buzzfeed.com, Pascale Mueller)
Mehrere Frauen und langjährige Mitarbeiter des “Tagesspiegel” haben gegenüber “BuzzFeedNews” von sexuellen Belästigungen und Übergriffen eines “Tagesspiegel”-Reporters berichtet. Der Mittfünfziger habe es vor allem auf junge Praktikantinnen, Volontärinnen und freie Journalistinnen abgesehen und seine Machtposition missbraucht, so der Vorwurf. Infolge der “Buzzfeed”-Recherchen hat der “Tagesspiegel” den Mann zunächst freigestellt. Außerdem plane man, eine Ombudsstelle einzurichten.

3. Mehrheit vermeidet öffentliche Aussagen zu vermeintlichen Tabuthemen
(zeit.de)
Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach will herausgefunden haben, dass sich die Mehrheit der Menschen mit der eigenen Meinung zu vermeintlichen Tabuthemen in der Öffentlichkeit zurückhalte. Dies betreffe vor allem Themen wie Flüchtlingspolitik, Muslime und Islam.

4. “Die Gesellschaft soll mit Falschinformationen vergiftet werden”
(jetzt.de, Berit Dießelkämper)
Alex Urban leitet die Facebook-Gruppe “#ichbinhier”, in der mehr als 40.000 Mitglieder gegen rechte Hetze im Netz kämpfen, indem sie Hasskommentaren und Falschinformationen sachliche Antworten entgegenstellen. Im Gespräch mit “jetzt” erklärt Urban, was ihn antreibt, wie Internet-Hetze funktioniert und was er sich von Online-Medien wünscht.

5. Ausreisesperre gegen Mesale Tolus Ehemann
(reporter-ohne-grenzen.de)
Suat Corlu ist der Ehemann der Journalistin Mesale Tolu, die in der Türkei wegen angeblicher Terrorvorwürfe mehr als sieben Monate im Frauengefängnis saß. Wie seine Ehefrau scheint er sehr mutig zu sein, denn er ist in die Türkei gereist, um dem Gerichtsverfahren gegen ihn und seine Frau beizuwohnen. Prompt wurde ihm am Flughafen der Pass abgenommen und eine Ausreisesperre gegen ihn verhängt. Christian Mihr, Geschäftsführer bei “Reporter ohne Grenzen” kommentiert: “Mesale Tolu und ihre Familie wurden durch die lange Untersuchungshaft schon genug bestraft. Die türkischen Behörden müssen die Ausreisesperre gegen Suat Corlu aufheben, um ihm eine Rückkehr nach Deutschland zu seiner Familie zu ermöglichen”.

6. CDU bespielt Youtube-Kanal “irrtümlich” mit Clips von ARD und ZDF
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Es ist schon etwas peinlich: Nach Hinweisen des Satirikers und “Partei”-Europakandidaten Nico Semsrott musste die CDU zahlreiche Talkshow-Clips von ARD und ZDF löschen, die sie in ihren Youtube-Kanal hochgeladen hatte.

CDU-Zerstörung, AfD-Medien-Treff im Bundestag, Mein Heft und ich

1. Die Zerstörung der CDU durch einen Youtuber
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
“Die Zerstörung der CDU” heißt das 55-minütige Video des Youtubers Rezo, das innerhalb weniger Tage mehr als 2,5 Millionen Mal aufgerufen wurde. Thomas Knüwer kommentiert: “Ich habe das Gefühl, dass hier eine neue Generation von Journalismus entsteht. Er ist genauso emotional, kommentierend und subjektiv wie der aktuelle Journalismus älterer Generationen — und dies kann ich nicht gut finden. Doch haben Youtuber wie Rezo eine Fähigkeit, die den Redaktionen klassischer Medien abhanden gekommen ist: Sie sprechen die Sprache ihrer Zielgruppe. Und deshalb sind sie in der Lage, diese für sich zu gewinnen.”
Weitere Lesetipps: Das Interview mit Rezo, dem Macher des Videos: Wie der Youtuber Rezo in einer Stunde die Logik der CDU zerlegt (jetzt.de, Sophie Aschenbrenner & Nicolas Freund). Sowie Fridtjof Küchemann bei FAZ.net: Kommt damit klar!

2. “Erste Konferenz der freien Medien”: Wie die AfD rechte Blogger und Identitäre in den Bundestag einlud
(correctiv.org, Till Eckert)
Die AfD hat ein größeres Treffen mit Vertretern alternativer, rechter Medien im Bundestag organisiert. “Die größten Netzwerker der rechten Szene tauschten dort mit Abgeordneten Nummern aus”, schreibt Till Eckert, der für “Correctiv” ebenfalls vor Ort war und seine Eindrücke von der “1. Konferenz der freien Medien” schildert.

3. Facebook hat offenbar Mitglieder einer EU-Expertengruppe unter Druck gesetzt, die Desinformation bekämpfen sollten
(buzzfeed.com, Nico Schmidt & Daphné Dupont-Nivet)
Es sind schwerwiegende Vorwürfe, die Mitglieder einer EU-Expertengruppe gegen Facebook erheben: Das Netzwerk habe ihnen bei zu harter Regulierung mit dem Entzug von Fördergeldern für journalistische und akademische Projekte gedroht. Offenbar nutze Facebook die finanziellen Unterstützungen für Journalismus (für die nächsten drei Jahre 300 Millionen Euro) als Druckmittel.

4. Was ist in unseren journalistischen Beiträgen erlaubt, was nicht?
(blog.zeit.de)
Bei “Zeit” und “Zeit Online” hat eine gemeinsame Arbeitsgruppe “Standards und Regeln” formuliert und mit den Redaktionen diskutiert. Anschließend wurden die Regeln im Sinne der Transparenz im sogenannten “Glashaus-Blog” veröffentlicht.

5. Forscher halten Falschmeldungen für überschätztes Problem
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Gemäß einer Untersuchung der Beratungsfirma PriceWaterhouseCoopers geht die Mehrheit der Deutschen davon aus, dass auf Facebook und Twitter vor der Europawahl massiv mit Falschmeldungen Stimmung gemacht und so die Wahl beeinflusst wird. Zu einem anderen Ergebnis kommt das Oxford Internet Institute: Derartige Falschmeldungen seien ein überschätztes Problem. Patrick Beuth stellt de Ergebnisse der Oxford-Studie vor.
Weiterer Lesetipp: EU-Wahl: Gehen Facebook, Google und Twitter ausreichend gegen Desinformation vor? (sciencemediacenter.de).

6. Mein Heft und ich
(taz.de)
Personality-Titel sind im Zeitschriftenmarkt gerade schwer angesagt, ob Barbara Schönebergers “Barbara”, Joko Winterscheidts “JWD”, Guido Maria Kretschmers “Guido” oder Eckhard von Hirschhausens “Stern Gesund leben”. Die “taz” hat ein paar Ideen für weitere Personality-Magazine und sogar schon die passenden Cover dafür parat. Mit dabei: Die Magazine “Verena” von Keks-Erbin Verena Bahlsen und das Wutbürger-Magazin “Hans-Georg”.

CDU-Fahndung, Kryptobetrug auf Facebook, Angst vor der Mediathek

1. Berliner CDU-Fraktion nutzte Fahndungsfoto illegal für Überwachungswerbung
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wer am lautesten nach Sicherheit und Überwachung ruft, nimmt es manchmal mit den Gesetzen selbst nicht so genau, schreibt Markus Reuter auf „netzpolitik.org“. Ein aktuelles Beispiel sei die Berliner CDU-Fraktion. Diese habe Gesetze übertreten, um für mehr Videoüberwachung zu werben und unerlaubt ein Bild einer „BVG“-Überwachungskamera verwendet. Die BVG hat dafür wenig Verständnis („Die CDU hat sich strafbar gemacht“). Daraufhin hätten die CDU und auch ein Abgeordneter die Bilder aus allen Online-Veröffentlichungen gelöscht. Das gedruckte Heft, in dem man das Bild illegal nutzt, um das Volksbegehren für mehr Videoüberwachung zu bewerben, wurde aber offenbar weiter verbreitet.

2. Schluss mit kryptischer Werbung für Kryptowährung
(zeit.de, Eike Kühl)
Beim Thema Kryptowährungen ist viel Abzocke im Spiel. Viele dubiose Anbieter nutzen den Bitcoin-Hype aus, um ordentlich Kasse zu machen und schalten dazu fragwürdige Anzeigen auf Facebook. Dies wird von Facebook nun unterbunden. Eike Kühl erklärt den Zusammenhang und die Interessenlagen.

3. Im Kampf für die eigene Wahrheit
(faktenfinder.tagesschau.de, Stefanie Dodt)
Der rechte Medienaktivist James O’Keefe ist für seine fragwürdigen Methoden bekannt. Mit dem “Project Veritas” will er etablierte Journalisten vorführen, indem er verdeckte Ermittler aus seinem Mitarbeiterstab auf sie ansetzt. Diese versuchen das Vertrauen der Person zu erschleichen und sie im privaten Umfeld in Gespräche über Politik zu verwickeln. Die Mitarbeiter sind mit versteckten Kameras ausgerüstet, die Aufnahmen landen im Netz… Weitere Informationen im Medienmagazin „Zapp“. Dort erzählt O`Keefe wie er arbeitet, wer sein Idol ist – und wer sein Feindbild: die übermächtigen Medien.

4. Die Mediatheken gefährden die Filmwirtschaft
(zeit.de, Alfred Holighaus)
Aktuell entscheiden die Ministerpräsidenten der Länder darüber, ob ARD und ZDF ihre Mediatheken weiter ausbauen dürfen. Was für den Zuschauer ein Fortschritt wäre, erfüllt die Filmproduzenten mit Sorge. Alfred Holighaus, Präsident der „Spio“, der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, sieht darin gar den Niedergang des deutschen Films: „Wer ARD und ZDF einen Ausbau ihrer Mediatheken auf Kosten der Filmproduzenten, ihrer Co-Finanziers und der Urheber erlaubt, trägt dazu bei, dass deutsche Film- und Fernsehproduktionen schlechter werden.“ Es geht dabei, wie sollte es anders sein, um Geld.

5. Autoritäre Logik
(taz.de, Christian Mihr)
Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat Verfassungsbeschwerde gegen das neue BND-Gesetz eingereicht. RoG-Geschäftsführer Mihr: „Das neue Gesetz für den Bundesnachrichtendienst folgt einer autoritären Logik: Es dreiteilt das Menschenrecht auf Pressefreiheit abhängig von der Nationalität. Deutsche sollen angeblich nicht überwacht werden, EU-Bürger nur mit Einschränkungen, und der Rest der Welt ist vogelfrei. Sonderrechte für Journalisten? Gibt es gar nicht.“

6. Ich habe einen Tag Kika geguckt, um herauszufinden, warum Alice Weidel ihn abschaffen will
(vice.com, Lisa Ludwig)
Lisa Ludwig hat sich einen Tag „Kika“ angeschaut, um herauszufinden, worin eine eventuelle Bedrohung liegen könnte. Eine Bedrohung, die vor allem von der Fraktionsvorsitzenden der AfD, Alice Weidel, wahrgenommen wird. Nach einem ganzen Tag vor der „Kika“-Glotze konstatiert Lisa Ludwig: „Wenn dieser Sender irgendwann mal abgeschaltet wird, dann nicht, weil er seiner jungen Zuschauerschaft abwaschbare Wohlfühlwerte wie Freundschaft oder eine positive Lebenseinstellung vermittelt. Das wirkliche Problem, liebe Alice Weidel, sind nicht die wenigen Kinder mit Migrationshintergrund, die zwischen den ganzen weißen Mittelschichts-Kids gezeigt werden. Das wirkliche Problem sind diese verdammten singenden Tiere.“

CDU-Werber gescheitert, AfD-Verliererfragen, Wunschdenken

1. “Wir sind gescheitert”
(horizont.net, Thomas Strerath)
“Wir könnten enttäuschter nicht sein” lautet das Fazit des Vorstands der bekannten Werbeagentur “Jung von Matt”, die für die CDU-Wahlkampagne verantwortlich war. “Die mediale Thematisierung und Überhöhung der AfD, auch in Social Media, war Futter für die Hydra. Und so wuchs sie auf knapp 13 Prozent am Wahltag, dabei lag sie am 3. September noch bei 8 Prozent. Ein Zuwachs von 60 Prozent in drei Wochen! Deswegen ist es nicht nur sinnlos, sondern sogar kontraproduktiv, sich auf Facebook oder sonstwo permanent über die AfD zu echauffieren oder, noch schlimmer, ihr mit gleichermaßen wütendem Protest und Demonstrationen auf der Straße zu begegnen. Auch das nur Futter für die Wut der Hydra.” In den letzten drei Wochen hätte man keine neue Antwort mehr gefunden. Strerath betrachtet sich als gescheitert: “So haben wir vielleicht erst geholfen, das zu ermöglichen, was wir genau verhindern wollten.”

2. Fragen, mit denen man gegen die AfD nur verlieren kann
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeiers Gedanken zur “Berliner Runde” sind gleichzeitig eine allgemeine Kritik zum journalistischen Umgang mit der AfD, denn vieles, was in der Sendung schief lief, misslingt auch an anderer Stelle. Niggemeier dazu: “Es ist ein Vorsatz zu spüren, die AfD nicht wie eine normale Partei zu behandeln. Dieser Vorsatz ist nachvollziehbar, denn eine Partei, die rassistische, rechtsextreme Positionen einnimmt oder zulässt, ist keine normale Partei. Der Vorsatz führt aber regelmäßig zu einer Angststarre, Pampigkeit und Fixierung, die dem Ressentiment und den Schein-Argumenten der Partei nur Emotion und Empörung entgegensetzt.”

3. Ein Journalist kommt frei, vier bleiben in Haft
(faz.net)
Nach elf Monaten Untersuchungshaft hat ein türkisches Gericht die Freilassung des “Cumhuriyet”-Journalisten Kadri Gürsel angeordnet: Bis zu einem Urteil befindet er sich (unter Auflagen) auf freiem Fuß. Die vier anderen seit Monaten inhaftierten “Cumhuriyet”-Mitarbeiter bleiben jedoch weiter eingesperrt. Das “International Press Institute” (IPI) kritisiert das Verfahren als “politisch motiviert”. Durch die lange U-Haft würden die Angeklagten bestraft, ohne verurteilt worden zu sein.

4. Journalistisches Wunschdenken
(ndr.de, Annette Leiterer)
Annette Leiterer, Redaktionsleiterin des Medienmagazins “ZAPP” (NDR), antwortet auf den Vorwurf, die öffentlich-rechtlichen Medien hätten den “Rechtsruck herbeigetalkt”. “Dahinter steht eine Vorstellung, die Medien mehr Macht und Journalisten mehr Einfluss zuweist, als sie gemeinhin haben. Selbstüberschätzung nennt man das wohl und interessanterweise wird ja gerade die von Seiten der AfD-Wählerschaft hin und wieder Journalisten vorgeworfen. Aber tatsächlich: Wer meint, dass die vielen Menschen, die nun die AfD gewählt haben, diese nicht gewählt hätten, wenn in ARD und ZDF nicht so viel über sie berichtet hätten, scheint die Meinung von immerhin knapp 13 Prozent der Wählerinnen und Wähler zu negieren.”
Auf Sueddeutsch.de gibt es weitere Stimmen zur Thematik: Sind die Medien Schuld am Erfolg der AfD?

5. Gegen Rechtsextremismus im Netz
(deutschlandfunk.de, Christiane Enkeler)
“Den Fake News trotzen” hieß es beim DJV-Kongress “Besser Online”, einer Tagung für Online-Journalisten. Mit Johannes Filous von der Initiative “Straßengezwitscher” und Gerald Hensel von “Fearless Democracy” hatte man gleich zwei Experten für Engagement gegen Rechtsextremismus im Netz eingeladen. Beide haben ihre einschlägigen Erfahrungen gemacht. Johannes Filous: “Wer das macht, der muss sich im Klaren sein, dass man dadurch häufig auch zur Zielscheibe von Hasskriminalität wird.” Und Gerhard Hensel wurde Opfer eines Shitstorms, der auch sein berufliches Umfeld einbezog.

6. „Angeber-Wessi mit Bierflasche erschlagen“
(welt.de, Christian Walther)
Christian Walther, Vorsitzender des Journalistenverbandes Berlin-Brandenburg, blickt auf 400 Jahre Zeitungsgeschichte in Berlin.

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