Suchergebnisse für ‘Afd’

Social-Media-Verbot?, Burkard rudert zurück, Christliche Influencer

1. “Ein Social-Media-Verbot macht den Jugendschutz schlechter”
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Der Medienrechtler Stephan Dreyer kritisiert im Interview mit netzpolitik.org, dass die politische Debatte über ein Social-Media-Verbot für Minderjährige nach australischem Vorbild weitgehend von der komplexen Forschungslage entkoppelt sei. Zudem würde ein derartiges Verbot gegen geltendes EU-Recht wie den Digital Services Act verstoßen. Dreyer warnt davor, dass nationale Alleingänge rechtlich kaum durchsetzbar seien und ein pauschales Verbot den Jugendschutz sogar verschlechtern könne. Außerdem verlören Jugendliche wichtige Teilhabe- sowie Kommunikationsräume.

2. Wir werden zu Wölfen gemacht
(taz.de, Annekathrin Kohout)
Die unkommentierte Veröffentlichung der Epstein-Files diene lediglich als Rohmaterial für die “Reaktionsmaschinerie” der Sozialen Medien, stellt die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout in ihrer “taz”-Kolumne fest. Statt zur Aufklärung beizutragen, würden die Akten von Content Creatorn und True-Crime-Formaten zu Unterhaltung verarbeitet. Dadurch verschwimme die Grenze zwischen authentischem Material, Fiktion und gezielter Desinformation bis zur Unkenntlichkeit.

3. Merz in den Epstein-Files: Erwähnung ist kein Hinweis auf Straftaten
(correctiv.org, Gabriele Scherndl)
Gabriele Scherndl stellt klar, dass Behauptungen über eine Verwicklung von Bundeskanzler Friedrich Merz in den Epstein-Skandal haltlos seien, da sein Name lediglich in einem den Akten beigefügten Blogpost über die Trilaterale Kommission auftauche. Die bloße Erwähnung belege keinerlei Kontakt zu dem Sexualstraftäter, werde jedoch in Sozialen Medien gezielt aus dem Kontext gerissen, ähnlich wie bei Falschmeldungen über Stephanie von Bismarck oder KI-generierten Bildern von Politikern. Die Unübersichtlichkeit der riesigen Datenmenge des US-Justizministeriums biete einen idealen Nährboden für Verschwörungsmythen.

Bildblog unterstuetzen

4. Notfalleinsätze bei RTL nach Entlassungen? Burkard rudert zurück
(dwdl.de, Timo Niemeier)
RTL-Moderatorin Katja Burkard habe ihre Aussagen aus dem Podcast “Zwischen den Zeilen” revidiert, wonach es im Zuge der Bekanntgabe des Stellenabbaus beim TV-Sender zu Zusammenbrüchen und Krankenwageneinsätzen gekommen sei. In einem Instagram-Video habe sie eingeräumt, ungeprüftes Hörensagen weiterverbreitet zu haben. Sie habe nun klargestellt, dass die dramatischen Schilderungen über medizinische Notfälle nicht der Wahrheit entsprächen.

5. Wie christliche Influencer mit dem rechten Rand flirten
(youtube.com, Angela Giese & Felix Wolf, Video: 28:31 Minuten)
“Hat der christliche Glauben ein Comeback in der GenZ? Wenn man sich die Social-Media-Accounts von Christfluencern ansieht, hat man den Eindruck, die Antwort lautet: ja. Sie propagieren den ‘Jesus Glow’ und versprechen jungen Menschen, dass der Glaube ihnen in Krisenzeiten Halt und Orientierung bietet.” Angela Giese und Felix Wolf haben sich auf die Spur der sogenannten Christfluencer gemacht, die am rechten Rand fischen würden: “Wir zeigen, wie mit dieser schwarz-weißen Weltanschauung die politischen Linien zu Rechtspopulisten und der AfD verschwimmen. Dabei sprechen wir mit Theologen, Aussteigern und folgen der Spur in die USA bis zu Donald Trump.”

6. Instagram-Chef bestreitet Suchtpotenzial der App
(spiegel.de)
Instagram-Chef Adam Mosseri habe in einem richtungsweisenden Prozess in Los Angeles bestritten, dass die App “klinisch süchtig” macht, und den Konsum lediglich mit der Begeisterung für Fernsehserien verglichen. Die Klägerin werfe den Plattformen vor, durch Funktionen wie das endlose Scrollen gezielt psychische Probleme verursacht zu haben. Der hinter Instagram stehende Social-Media-Konzern Meta argumentiere, dass die Ursachen in den vorbestehenden schwierigen Familienverhältnissen der Frau zu suchen seien. Snapchat und TikTok hätten sich bereits vor Prozessbeginn mit der Frau auf einen Vergleich geeinigt.

7. Ein Reality-Format jagt das nächste
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:34 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Der “6-vor-9”-Kurator kritisiert anlässlich des fast nahtlosen Übergangs vom “Dschungelcamp” zu “Germany’s Next Topmodel”, dass seriöse Medien diese Reality-Formate oft wie echte Dokumentationen besprächen, obwohl es sich um konstruierte Inszenierungen handele: “Man muss sich mal vorstellen, ein Journalist würde über einen Spielfilm schreiben: ‘Brad Pitt hat gestern mutig gegen die Zombie-Invasion gekämpft.’ Das wäre doch absurd, oder?”

Zunehmende Feindseligkeit, Polizei setzt auf Copaganda, Cybersicherheit

1. »Reporter ohne Grenzen« berichtet über zunehmende »Feindseligkeit« gegenüber Journalisten
(spiegel.de)
Einem Bericht von “Reporter ohne Grenzen” (PDF) zufolge werde die Stimmung gegenüber Journalistinnen und Journalisten in Ostdeutschland zunehmend feindseliger. Allein in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätten 15 der bundesweit 55 dokumentierten Angriffe stattgefunden. Lokaljournalistinnen und -journalisten bei Recherchen im rechtsextremen Milieu seien besonderer Feindseligkeit ausgesetzt. Die Berichterstattung über rechte Proteste sei mittlerweile so risikoreich, dass sie kaum noch ohne den Schutz durch Polizei oder private Sicherheitsdienste möglich sei.
Weiterer Lesetipp: Demo-Recherchen nur im Team: “Der Deutsche Journalisten-Verband rät Medienschaffenden dazu, Vorort-Recherchen über Demonstrationen und Veranstaltungen extremistischer Gruppierungen nur im Team durchzuführen.” (djv.de)

2. Wie steht es um die Cybersicherheit der Medien?
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Cyberangriffe seien für Medienhäuser längst keine Fiktion mehr, sondern eine reale Gefahr, die neben dem Sendebetrieb vor allem die journalistische Glaubwürdigkeit bedrohe. Wie Vorfälle bei Radio Arabella oder diversen Zeitungsverlagen gezeigt hätten, sei IT-Sicherheit heute eine strategische Vertrauensfrage. Das MedienNetzwerk Bayern betone deshalb, dass echte Cyber-Resilienz nicht nur technische Schutzmaßnahmen erfordere, sondern auch geschultes Personal und einen transparenten Umgang mit Störungen.

3. Büros in Frankreich durchsucht
(taz.de)
Die Pariser Staatsanwaltschaft habe die französischen Büros der Plattform X (vormals Twitter) durchsuchen lassen. Gegen das Unternehmen werde wegen Beihilfe zu schweren Straftaten ermittelt. Auslöser der Untersuchung seien unter anderem antisemitische Äußerungen des KI-Chatbots Grok gewesen. Im Zuge des Verfahrens seien auch Eigentümer Elon Musk und die ehemalige Geschäftsführerin Linda Yaccarino für April zu einer Anhörung vorgeladen worden.
Weiterer Lesetipp: Medienbericht: Sexualisierte Deepfakes von Grok möglicherweise aus Kalkül: “Die Erstellung sexueller KI-Bilder mit Grok könnte Methode haben, um die Popularität der Plattform X zu steigern. Die Washington Post liefert Anhaltspunkte.” (heise.de, Andreas Knobloch)
Weiterer Gucktipp: Auf YouTube fragen sich Anwalt Chan-jo Jun und Juristin Jessica Flint: Musk im Knast? Razzia gegen X in Paris. Ginge das in Deutschland? (youtube.de, 13:54 Minuten)

Bildblog unterstuetzen

4. Soziale Medien: Spanien plant Social-Media-Verbot für Jugendliche
(zeit.de)
Nach dem Vorbild Australiens plane nun auch die spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez, den Zugang zu Sozialen Medien für Jugendliche unter 16 Jahren gesetzlich zu verbieten. Sánchez habe diesen Schritt damit begründet, dass man Minderjährige vor dem “digitalen Wilden Westen” schützen müsse. Der angekündigte Gesetzentwurf sehe zudem eine Haftung der Plattformbetreiber für manipulative Algorithmen vor.

5. FDP in Baden-Württemberg kündigt Klage gegen SWR-Triell an
(medien.epd.de)
Die FDP in Baden-Württemberg habe eine Klage gegen den öffentlich-rechtlichen SWR angekündigt. Die Partei sehe sich durch das geplante TV-Triell, zu dem nur CDU, Grüne und AfD eingeladen seien, benachteiligt. Nach Ansicht der Liberalen verstoße das Format kurz vor der Wahl gegen die Chancengleichheit, weshalb sie entweder die Teilnahme von FDP und SPD oder eine Absage der Sendung fordern würden. Der MDR weise die Kritik jedoch zurück und betone, dass man mit dem Prinzip der “abgestuften Chancengleichheit” und weiteren Formaten allen Parteien gerecht werde.

6. Wie die Polizei Soziale Netzwerke mit Copaganda flutet
(netzpolitik.org, Timur Vorkul)
Deutsche Polizeibehörden würden ihre Präsenz in Sozialen Medien massiv ausbauen und dabei gezielt auf Humor sowie eigene Influencer setzen. Das mögliche Ziel: Nachwuchs gewinnen und das Image aufpolieren. Kritiker warnen jedoch, dass diese unterhaltsame Selbstdarstellung oft den gesetzlichen Auftrag zur Neutralität verletze und strukturelle Probleme innerhalb der Behörden verharmlose. Durch die direkte Kommunikation an der Presse vorbei versuche die Polizei zudem, journalistische Kontrollinstanzen zu umgehen und sich die alleinige Deutungshoheit über ihre Arbeit zu sichern.

Angriff auf Journalisten, Im permanenten Shitstorm, Straßenbahn

1. Video zeigt Angriffe auf Journalisten bei Kubitschek-Treffen
(taz.de, Jean-Philipp Baeck)
Am Rande eines Treffens des neurechten Verlegers Götz Kubitschek in Schnellroda seien Journalisten des Medienkollektivs “Recherche Nord” von Teilnehmern, darunter Vertreter der AfD-Jugend und der Identitären Bewegung, massiv bedrängt und körperlich angegriffen worden. Wie Videoaufnahmen belegen, seien die Reporter geschlagen, mit Wasser bespritzt und bestohlen worden. An den Einschüchterungsversuchen seien auch prominente Akteure wie Martin Sellner und Kubitschek selbst aktiv beteiligt gewesen. Betroffene werten das Geschehen als alarmierendes Zeichen und sagen, dass der Vorfall eine Vorahnung auf das sei, was die AfD bundesweit plane.

2. Im permanenten Shitstorm
(netzpolitik.org, Tomas Rudl & Markus Reuter)
Laut einer Datenanalyse von netzpolitik.org würden etablierte Medien wie “Tagesschau”, “Spiegel” und “Zeit” auf der Plattform X (vormals Twitter) trotz Millionen von Followerinnen und Followern kaum noch Reichweite erzielen. Stattdessen schlügen ihnen überwiegend Hass und rechte Hetze entgegen. Die Redaktionen würden ihren Verbleib damit rechtfertigen, auf X ein Gegengewicht zu Desinformation bilden zu wollen. In den Kommentarspalten würden jedoch feindselige Trolle und automatisierte Bots dominieren, während alternative Plattformen wie Bluesky inzwischen höhere Interaktionsraten ermöglichen könnten.

3. Berufsgeheimnis weiter schützen
(djv.de, Hendrik Zörner)
Ein Medienbündnis, dem unter anderem der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) angehört, habe das Bundesjustizministerium aufgefordert, den Schutz journalistischer Berufsgeheimnisse auch im digitalen Raum uneingeschränkt zu wahren. Hintergrund sei ein Referentenentwurf zur IP-Adressspeicherung, der Ermittlungsbehörden einen erleichterten Zugriff auf Verkehrsdaten ermögliche und durch die etwaige Erstellung von Bewegungsprofilen den Quellenschutz gefährde. Dem Bündnis würden neben dem DJV der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger, der Medienverband der Freien Presse, der Verband Privater Medien, der Deutsche Presserat, ARD, ZDF, Deutschlandradio, Reporter ohne Grenzen und die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi angehören.

Bildblog unterstuetzen

4. Der langsame Niedergang von ProSieben
(youtube.com, Jakob Schreiber, Video: 20:34 Minuten)
In diesem Video geht es um die “wilde Business-Story hinter dem einst größten TV-Konzern Deutschlands”. Der einst mächtige TV-Konzern ProSiebenSat.1 sei durch fehlgeschlagene Investitionen in Internetfirmen und ein vernachlässigtes Fernsehprogramm in eine tiefe finanzielle Krise gerutscht. Da die wichtigen Werbeeinnahmen sänken, und der eigene Streamingdienst Joyn im Vergleich zu Netflix hohe Verluste schreibe, hätten sich Schulden in Milliardenhöhe angehäuft. Als Folge des Absturzes habe die italienische Berlusconi-Familie (Media For Europe) den Sender im Herbst 2025 übernommen und die komplette Führungsebene ausgetauscht.

5. In Frankreich und Australien: Brauchen wir ein Social-Media-Verbot?
(mdr.de)
Frankreich und Australien hätten bereits gesetzliche Verbote für die Nutzung Sozialer Medien durch Jugendliche auf den Weg gebracht. Nun werde auch in Deutschland angesichts einer Empfehlung der Leopoldina über ähnliche Schritte diskutiert. Zwar seien psychische Risiken wie Essstörungen oder depressive Verstimmungen unbestritten, doch Expertinnen und Experten wie die Medienpsychologin Johanna Degen seien skeptisch. Pauschale Verbote würden lediglich Symptome bekämpfen und könnten leicht umgangen werden. Fachleute würden stattdessen eine deutlich frühere Förderung der Medienkompetenz fordern.

6. Schriftsteller Poschenrieder fährt Straßenbahn: “Ich habe die Schnauze voll”
(fr.de, Uli Kreikebaum)
Uli Kreikebaum berichtet über den renommierten Schriftsteller Christoph Poschenrieder, der nach 15 Jahren und acht Romanen seinen Beruf aufgegeben habe, um stattdessen als Straßenbahnfahrer in München zu arbeiten. Als Grund für diesen radikalen Schritt nennt der 61-Jährige die ständige finanzielle Unsicherheit im Literaturbetrieb. Obwohl Fans und Buchhändler den Verlust bedauern würden, habe Poschenrieder seinen Frieden mit der Entscheidung gemacht. Er ziehe nun den geregelten Dienst in der Tram dem Schreiben weiterer Bücher vor.

US-Neonazi-Content, Kamera als Waffe, Zensurvorwürfe gegen TikTok

1. Die Kamera als Waffe
(taz.de, Valérie Catil)
Valérie Catil argumentiert, dass erst die Videoaufnahmen eines Augenzeugen die Tötung von Alex Pretti durch ICE-Beamte als kaltblütige Hinrichtung und die offizielle Notwehr-Darstellung der US-Regierung als Lüge entlarvt hätten. Die Handykamera fungiere in diesem Kontext als eine Form der Bewaffnung. Sie sei die einzige Möglichkeit, staatlicher Propaganda und der Verzerrung der Realität durch US-Präsident Donald Trump und dessen Behörden wirksam entgegenzutreten. Das Dokumentieren staatlicher Gewalt sei unverzichtbar.

2. US-Regierungsaccounts posten Neonazi-Content
(volksverpetzer.de, Annika Brockschmidt)
Wie Annika Brockschmidt beim “Volksverpetzer” ausführt, würden sich US-Regierungsaccounts unter der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump seit 2025 gezielt der Ästhetik und Codes rechtsextremer Online-Subkulturen bedienen. Diese Strategie ziele darauf ab, die eigene rechtsextreme Basis zu mobilisieren und politische Gegner einzuschüchtern. Etablierte Medien übersähen die oft subtilen Hinweise auf White-Supremacy-Literatur oder faschistische Computerspiel-Mods häufig. Die Normalisierung solcher Inhalte zeige, dass eine neue Generation radikalisierter Republikaner in den Institutionen Fuß gefasst habe.

3. Ökonomin Veronika Grimm wird Herausgeberin bei „The Pioneer“
(deutschlandfunk.de)
Die Ökonomin und Wirtschaftsweise Veronika Grimm werde Herausgeberin des von Gabor Steingart gegründeten Portals “The Pioneer”: “Ich hoffe, mit meinem wirtschaftspolitischen und geoökonomischen Blick neue Impulse einbringen zu können und bin sicher, dass die Zusammenarbeit auch meinen Blick auf die gesellschaftliche Debatte erweitern wird.” Die Personalie wird von “Spiegel”-Kolumnist Christian Stoecker auf Threads kritisch kommentiert: “Veronika Grimm sollte Ihren Posten im Rat der ‘Wirtschaftsweisen’ mit sofortiger Wirkung niederlegen. Schon ihre Rolle im Aufsichtsrat von Siemens Energy ist ein Interessenskonflikt, aber Herausgeberin eines Pressemediums und Beraterin der Bundesregierung, das geht wirklich nicht.”

Bildblog unterstuetzen

4. Martenstein, Mario Barth und die Armee der Amazon-Rezensenten
(kulturundkontroverse859.substack.com, Johannes Franzen)
Johannes Franzen kritisiert Kolumnisten wie Harald Martenstein, die sich als mutige Außenseiter inszenieren, in Wahrheit aber nur ein populäres Ressentiment ihres wohlhabenden Publikums bedienen, indem sie sich über geschlechtergerechte Sprache lustig machen. Es gebe eine Allianz zwischen bildungsbürgerlichem Elitismus und aggressivem Populismus, bei der sich selbsternannte Verteidiger der Freiheit paradoxerweise für staatliche Verbote des Genderns einsetzen würden. Eine regelrechte “Armee” von Internetnutzern nutze gezielt Rezensionsplattformen wie Amazon, um Bücher mit geschlechtergerechter Sprache durch schlechte Bewertungen abzustrafen.

5. Wie Eventisierung den Literaturbetrieb stresst
(tagesschau.de, Julia Hercka)
Während kleine Veranstalter oft kaum das empfohlene Mindesthonorar für Lesungen zahlen könnten, würden wenige Literatur-Stars mit Einnahmen von bis zu 50.000 Euro pro Auftritt massiv von der sogenannten “Eventisierung” des Betriebs profitieren. Kritiker würden befürchten, dass durch die hohen Honorarforderungen der Top-Verdiener die Möglichkeit zur Querfinanzierung kleinerer Veranstaltungen wegfalle und somit die kulturelle Vielfalt bedroht sei.

6. Kalifornien untersucht Zensurvorwürfe gegen TikTok USA
(spiegel.de)
Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom habe eine offizielle Untersuchung gegen die neuen US-Betreiber von TikTok eingeleitet, nachdem Berichte über blockierte Nachrichten zum Namen “Epstein” und unterdrückte Kritik an der Trump-Regierung lautgeworden seien. Zudem sorge eine Passage in den Nutzungsbedingungen für Unruhe. Demnach sammele die Plattform Daten, die Rückschlüsse auf den Einwanderungsstatus der Nutzerinnen und Nutzer zulassen.

Schicksalsjahr 2026?, Meta ignoriert Vorgaben, Schlechter Jahrgang

1. Warum 2026 zum Schicksalsjahr werden könnte
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 38:14 Minuten)
Die KI- und Technikjournalisten Marie Kilg und Moritz Metz sowie Medienwissenschaftler Stephan Weichert diskutieren darüber, ob das Jahr 2026 durch den rasanten Einzug generativer KI zu einem Schicksalsjahr für den Journalismus werden könnte. Während Kilg dafür plädiert, die Technologie aktiv und transparent zu nutzen, um nicht den Anschluss zu verlieren, warnt Metz vor einer gefährlichen Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen und einer schwindender Medienkompetenz bei der Jugend. Weichert mahnt ethische Mindeststandards an, da durch den KI-Einsatz eine “Verantwortungsdiffusion” drohe.

2. Meta ignoriert Transparenzvorgaben
(verdi.de, Volker Nünning)
Das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht habe im Eilverfahren entschieden, dass der Social-Media-Konzern Meta die Transparenzvorgaben des deutschen Medienstaatsvertrags bei Facebook vorläufig umsetzen müsse. Das Gericht gewichte das öffentliche Interesse an der Offenlegung der Algorithmen höher als die wirtschaftlichen Interessen des US-Unternehmens. Da Meta die Vorgaben laut der zuständigen Medienanstalt bislang ignoriere, drohe die Behörde nun mit weiteren Maßnahmen.

3. Eckart von Hirschhausen über Gesundheit, Klima, Fake News und Kirche
(evangelische-zeitung.de, Gottfried Bohl)
Der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen erklärt im Interview mit der “Evangelischen Zeitung”, dass Klimaschutz, Gesundheit und der Kampf gegen Desinformation eng zusammenhängen würden. Er fordert die Kirchen auf, ihren großen Einfluss und Besitz zu nutzen und als analoge Begegnungsorte gegen die Spaltung durch Soziale Medien zu wirken. Zudem warnt er vor den Gefahren durch KI-generierte Fälschungen, sogenannte Deepfakes. Diese würden nicht nur einzelne Personen, wie ihn selbst, für Betrug missbrauchen, sie untergrüben auch das Vertrauen in Medien und Demokratie.

Bildblog unterstuetzen

4. Nach Monaten der Blockade: MDR durchschlägt den gordischen Knoten
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nach dem Scheitern des ersten Versuchs sei Boris Lochthofen nun erfolgreich zum neuen Chef der künftig zusammengelegten MDR-Programmdirektionen in Halle und Leipzig gewählt worden. Seine Aufgabe bestehe darin, bis zum Jahr 2028 Doppelstrukturen abzubauen und die getrennten Bereiche zu einer Einheit zu formen. Die Klärung der Führungsfrage komme gerade noch rechtzeitig. Der MDR stehe angesichts der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und der politischen Drohungen durch die AfD vor einem entscheidenden Jahr.
Weiterer Lesetipp: Bericht von der 232. Sitzung des MDR-Rundfunkrat (flurfunk-dresden.de, Peter Stawowy).

5. EU-Kom­mis­sion leitet wei­tere Unter­su­chung gegen X ein
(lto.de)
Die EU-Kommission habe eine Untersuchung gegen Elon Musks Plattform X eingeleitet, weil deren KI-Programm “Grok” auf Befehl von Nutzern künstliche Nacktbilder echter Personen erstellt habe. Die Behörde prüfe nun, ob das Unternehmen gegen europäische Gesetze verstoßen habe, indem es die Risiken für Frauen und Kinder vorab nicht ausreichend bewertet und verhindert habe. X habe die Bild-Funktion inzwischen zwar eingeschränkt, dem Konzern würden bei einem bestätigten Verstoß aber dennoch empfindliche Geldstrafen drohen.

6. Oscars 2026: Die besten Filme – Ein schlechter Jahrgang!
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt, Video: 27:54 Minuten)
Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt hat sich den Oscar-Jahrgang 2026 angeschaut. Einigermaßen enttäuscht fragt er sich: “Warum hat ‘Sinners’ 16 Nominierungen erhalten? Weshalb steht ‘Frankenstein’ überhaupt auf der Liste? Sollte man wirklich bei ‘Hamnet’ viele Tränen verdrücken?”
Weiterer Hörtipp: Bei “Medien – Cross und Quer” sprechen Michael Meyer und Christoph Borgans mit dem Kulturjournalisten und SR-Redakteur Oliver Hottong über den Filmfestival Max-Ophüls-Preis und den deutschen Filmnachwuchs: “Welche Themen treibt die neue Generation von Filmemachern um? Wie erzählen sie? Und: Was braucht der deutsche Film, um in Schwung zu kommen?” (ardaudiothek.de, Audio: 19:05 Minuten)

KW 04/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Müssen Korrespondenten in der Ukraine inzwischen darum kämpfen, im Nachrichtenchaos noch durchzudringen?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 32:38 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast spricht Holger Klein mit dem ARD-Korrespondenten Vassili Golod in Kiew: “Wie ist es inzwischen, aus dem Krieg in der Ukraine zu berichten? Und wie sehr müssen Reporter vor Ort um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit buhlen bei all den vielen Meldungen von Krisen in der ganzen Welt, die Tag für Tag kursieren?”

2. Das Ende der BILD-Zeitung
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 20:45 Minuten)
“Bild” bleibe laut Mats Schönauer trotz massiv sinkender Verkaufszahlen der gedruckten Zeitung durch ihre riesige Online-Präsenz weiterhin eines der mächtigsten und einflussreichsten Medien. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Schönauer, wie die “Bild”-Redaktion regelmäßig Falschmeldungen und Lügen verbreite, die Medien weltweit oft ungeprüft übernähmen.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

3. Medien, Macht und die Gewöhnung an Rechts!
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt & Stefan Schulz, Video: 52:36 Minuten)
Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz analysieren bei “Die Neuen Zwanziger” anhand von Podcast-Ausschnitten, wie führende Medienvertreter Friedrich Merz trotz rassistischer Äußerungen und außenpolitischer Fehltritte verharmlosen und normalisieren würden. Dabei gehe es darum, das bürgerliche Lager zu schützen. Außerdem diskutieren die beiden über die Gefahr einer schleichenden Gewöhnung an rechtspopulistische Positionen. In manchen Fällen verlören Journalistinnen und Journalisten die kritische Distanz und würden selbst offensichtliche Lügen oder gefährliche politische Annäherungen an die AfD schönreden.

Bildblog unterstuetzen

4. Verdient das ZDF einen neuen Intendanten?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 23:34 Minuten)
Alexander Matzkeit thematisiert im Gespräch mit “FAZ”-Redakteur Michael Hanfeld die angestrebte Wiederwahl von ZDF-Intendant Norbert Himmler und die wachsende Kritik des Fernsehrats an Himmlers vager Haltung in Debatten.

5. Die Medienhölle – Episode #002
(youtube.com, Jörg Wagner, Video: 1:33:02 Stunden)
Jörg Wagner analysiert in seiner “Medienhölle” die manipulative Berichterstattung des Portals “Nius” über einen Auftritt des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther in der Talksendung von Markus Lanz und diskutiert im Anschluss mit Stefan Ruß-Mohl über ein verengtes Meinungsspektrum im Journalismus. Zudem behandelt Wagner die Hintergründe zum linearen Ende des BR-Jugendsenders Puls. Und er führt ein Interview mit dem Wetterexperten Jörg Kachelmann, der erklärt, warum er sich als KI-Avatar klonen ließ.

6. Vom Luxus zum Spendenlink – wenn Mitleid zum Geschäftsmodell wird
(youtube.com, Sashka, Video: 16:32 Minuten)
YouTuberin Sashka kritisiert Influencerinnen und Influencer, die ihren luxuriösen Lebensstil offen zur Schau stellen (“flexen”), aber bei finanziellen Engpässen oder Steuerschulden sofort nach Mitleid bei ihren Fans suchen, um Spenden oder Verkäufe zu generieren. Anhand von Beispielen zeigt sie, dass oft schlechte Planung oder Unwissenheit über Steuerthemen der Grund für die Pleiten seien, diese Fehler aber emotionalisiert als Schicksalsschlag verkauft würden.

Ein Jahr Trump, Springer braucht Schutzkodex, “Wetten, dass..?”

1. Ein Jahr Trump: Chronologie der Angriffe auf die Presse
(reporter-ohne-grenzen.de)
Anlässlich des ersten Jahrestages von Donald Trumps zweitem Amtsantritt hat Reporter ohne Grenzen eine detaillierte Chronologie veröffentlicht, die die systematischen Angriffe der US-Regierung auf die Pressefreiheit im vergangenen Jahr dokumentiert. Die Organisation verurteilt darin scharf Maßnahmen wie Finanzkürzungen bei Sendern, den Ausschluss kritischer Medien und insbesondere die jüngste FBI-Durchsuchung bei einer Reporterin der “Washington Post”.
Weiterer Lesetipp: In der “taz” zieht die Autorin Annika Brockschmidt Bilanz: “Ihr könnt uns nicht alle töten!” (taz.de)

2. “Die Rolle der konfrontativen Marktschreierin würde mir niemand abkaufen”
(journalist.de, Jan Freitag)
Im Gespräch mit Jan Freitag zieht Caren Miosga nach zwei Jahren als Gastgeberin des ARD-Sonntagstalks Bilanz. Sie erläutert ihren Umgang mit der AfD als größter Oppositionspartei und betont, dass sie Polarisierung vermeiden wolle, indem sie auf Grautöne setze, statt die Rolle einer “konfrontativen Marktschreierin” einzunehmen. Lesenswert, auch weil Freitag die richtigen, kritischen Rückfragen stellt.

3. Springer braucht Schutzkodex
(verdi.de, Danica Bensmail)
Anlässlich des Rücktritts von “Welt”-Chefredakteur Jan Philipp Burgard, offiziell wegen gesundheitlicher Gründe, bei dem Recherchen allerdings ein mögliches Fehlverhalten nahelegen würden, fordert die dju-Bundesgeschäftsführerin Danica Bensmail einen verbindlichen Schutzkodex für den Axel-Springer-Verlag. Bensmail kritisiert, dass der bloße Funktionsverlust bei weiterbestehender Betriebszugehörigkeit keine transparente Verantwortungsübernahme darstelle. Außerdem fehle es an neutralen Anlaufstellen, um die Unternehmenskultur nachhaltig zu ändern. Erst der Beitritt zu einem externen Schutzkodex mit unabhängigen Verfahren böte echten Schutz für Betroffene.

Bildblog unterstuetzen

4. Übermedien wirkt!
(uebermedien.de)
Die “Übermedien”-Redaktion legt dar, dass ihre Arbeit oft direkte Konsequenzen habe und Medien dazu bringe, Fehler zu korrigieren oder journalistische Standards zu überdenken. Recherchen aus den vergangenen zehn Jahren hätten wiederholt gravierende Fehltritte aufgedeckt, die in mehreren Fällen zu personellen Konsequenzen bis hin zu Entlassungen geführt hätten. Sender wie die ARD oder der Bayerische Rundfunk hätten auf die Kritik reagiert, indem sie fragwürdige Werbepraktiken gestoppt oder die Zusammenarbeit mit umstrittenen Protagonisten beendet hätten.

5. Wie Medienmarken mit Kurzvideos (kein) Geld verdienen
(dwdl.de, Simon Pycha)
Journalistische Unternehmen könnten im Gegensatz zu einzelnen Creatorn ihre Kurzvideos auf Plattformen wie TikTok kaum direkt monetarisieren, weshalb diese Kanäle oft reine Zuschussgeschäfte bleiben würden. Branchenvertreter würden bessere Schnittstellen zu den eigenen Paid-Content-Angeboten fordern. Aufwendig produzierte, als Werbung gekennzeichnete Reportagen seien laut “DWDL”-Autor Simon Pycha derzeit einer der wenigen funktionierenden Wege zur Refinanzierung.

6. Bill und Tom Kaulitz übernehmen “Wetten, dass …?”: Junge Gesichter für eine alte Idee
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Medienberichten zufolge sollen die Zwillinge Bill und Tom Kaulitz die Moderation von “Wetten, dass..?” übernehmen. Es handele sich um den strategischen Versuch des ZDF, das überalterte Publikum zu verjüngen. Joachim Huber zieht im “Tagesspiegel” Parallelen zwischen dem einstigen “Paradiesvogel” Thomas Gottschalk und den heute 36-jährigen Brüdern, deren aktueller Erfolg sowie Toms Ehe mit Heidi Klum internationale Prominenz versprächen. Allerdings ist Huber skeptisch, ob die selbstdarstellerischen Entertainer die nötige dienende Rolle einnehmen können, um Gäste und Wettkandidaten glänzen zu lassen.

Weihnachtsfeier mit Folgen?, Propagandaradio, Welt­wissen

1. Eine Firmen-Weihnachtsfeier – und der Abgang eines Chefredakteurs
(correctiv.org, Anette Dowideit)
Der Chefredakteur der “Welt”-Gruppe, Jan Philipp Burgard, sei offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten, doch Recherchen würden einen Zusammenhang mit einer internen Untersuchung zu seinem Verhalten auf einer Weihnachtsfeier nahelegen, bei der er einer Mitarbeiterin unangemessen nahegekommen sein soll. Anette Dowideit schreibt: “Bei Burgard gibt es eine Vorgeschichte, CORRECTIV hatte im November 2024 darüber berichtet: Bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem WDR, war der Journalist von seinem Posten als stellvertretender Studioleiter in Washington degradiert worden, als herauskam, dass er einer jungen Journalistin gegenüber gegen deren Willen sexuell übergriffig geworden sein soll.” Laut Medienberichten (zum Beispiel Deutschlandfunk) wehre sich Burgard gegen entsprechende Presseberichte, sein Anwalt spreche von einer Verleumdungskampagne.

2. Propagandaradio für Patrioten
(taz.de, Florian Bayer)
Mit dem Start des 24-Stunden-Radiosenders “Austria First” baue die FPÖ ihr Medienuniversum in Österreich weiter aus. So könne die Partei ihre politischen Inhalte “ungefiltert” und unter Umgehung klassischer Medien direkt verbreiten. Florian Bayer kritisiert in seinem Kommentar das Projekt als Propaganda, die sich als Journalismus tarne. Unter der Leitung des umstrittenen Publizisten Werner Reichel werde gegen “Systemmedien” gehetzt, während journalistische Standards wie ein Impressum in der App fehlen würden. Diese Entwicklung füge sich in eine “Renaissance der Parteimedien” in Österreich ein.

3. MDR-Team bei Pro-Palästina-Demo in Leipzig angegriffen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Ein Kamerateam des Mitteldeutschen Rundfunks sei am Samstag am Rande einer propalästinensischen Demonstration in Leipzig körperlich angegriffen worden. Nachdem zwei Personen die Journalisten bedrängt hätten, sei die Situation eskaliert. Die Polizei sei daraufhin eingeschritten, habe die Personalien der Beteiligten aufgenommen und dem Fernsehteam anschließend Begleitschutz gewährt.

Bildblog unterstuetzen

4. Verlegerin Goetz-Weimer wehrt sich: “Der Ludwig-Erhard-Gipfel ist nicht gefährdet”
(kress.de)
Verlegerin Christiane Goetz-Weimer verteidige den “Ludwig-Erhard-Gipfel” gegen Vorwürfe der Käuflichkeit und sehe die Veranstaltung trotz zahlreicher Absagen prominenter Politiker wie Markus Söder nicht in ihrer Existenz gefährdet. Zudem weise sie Berichte über verkauften Zugang zu Entscheidungsträgern kategorisch zurück. Die Ursache der Kritik sei eine “gezielten Diffamierung” durch die AfD, die sich gegen ihren Mann, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, richte.

5. Finger weg von Bildgeneratoren
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Sebastian Meineck rät Redaktionen dringend von der Nutzung von KI-Bildgeneratoren ab, da deren künstliche Ästhetik oft unseriös wirke und das Vertrauen der Leserschaft beschädigen könne. Er warnt vor einer gefährlichen Abhängigkeit von wenigen Tech-Konzernen, die durch die Zentralisierung der KI-Infrastruktur eine enorme Machtposition aufbauen und Urheberrechte missachten würden. Zudem thematisiert Meineck die hohen unsichtbaren Kosten der Technologie, darunter der enorme Energieverbrauch und die Ausbeutung von Arbeitskräften im Globalen Süden.

6. Welt­wissen aus der Gerichts­bi­b­lio­thek
(lto.de, Martin Rath)
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Wikipedia blickt Martin Rath zurück auf eine Zeit, in der Gerichte das Konversationslexikon “Brockhaus” als belastbare Quelle für Definitionen und Allgemeinwissen nutzten. Anhand historischer Urteile zeigt er, wie Richter den Brockhaus konsultierten, um etwa Sonnenaufgangszeiten für Tatort-Rekonstruktionen zu ermitteln oder steuerrechtliche Begriffe wie “Müllabfuhr” und “Schrott” zu klären.

Kampf um Warner, Funke sammelt Geld ein, Die Newsfluencer kommen

1. “Mir lässt Ungerechtigkeit keine Ruhe”
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Sonja Peteranderl spricht mit Ronen Steinke, Jurist und Redakteur der “Süddeutschen Zeitung”, über die Aushöhlung von Rechtsstaat und Pressefreiheit in den USA und die daraus resultierenden Warnsignale für die deutsche Demokratie. Nicht nur die AfD, sondern auch andere Parteien untergrüben durch populistische Debatten rechtsstaatliche Prinzipien. Abschließend erklärt Steinke, warum er den Journalismus nutzt, um juristische Herrschaftssprache zu übersetzen und Ungerechtigkeiten im System sichtbar zu machen.

2. Paramount macht feindliches Gegenangebot für Warner
(tagesschau.de)
Der Unterhaltungskonzern Paramount Skydance wolle die geplante Übernahme von Warner Bros. durch den Streaminganbieter Netflix verhindern. Das Unternehmen habe hierfür ein eigenes Angebot über rund 108 Milliarden US-Dollar vorgelegt, das auch die Kabelsparte Global Networks umfasse. Damit überbiete Paramount die Offerte von Netflix. Zusätzliche Brisanz erhalte der Wirtschaftskrimi durch Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der jedoch nur eingeschränkt neutral sei: “Paramount wurde erst vor wenigen Monaten von der Familie des als Trump-Unterstützer bekannten Software-Milliardärs Larry Ellison übernommen.”

3. “Fotografieren gilt in der Türkei als politischer Akt”
(taz.de, Derya Türkmen)
Im Interview mit der “taz” beschreibt der türkische Fotojournalist Yasin Akgül nach seiner Festnahme einen historischen Bruch: Die Führung in Ankara habe erkannt, dass Bilder eine stärkere internationale Wirkung haben als Worte. Inzwischen werde schon das bloße Fotografieren von der Regierung als politischer Akt gewertet. Der staatlich kontrollierte Presseausweis habe seine Schutzfunktion verloren und diene nun als Instrument, um unerwünschten Journalismus zu verhindern.

Bildblog unterstuetzen

4. Funke Mediengruppe sammelt 100 Millionen Euro ein
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Die Funke Mediengruppe habe sich über ein Schuldscheindarlehen erstmals 100 Millionen Euro am Kapitalmarkt beschafft, um damit künftiges Wachstum zu finanzieren. Mit dem frischen Kapital wolle der Konzern nicht nur die digitale Transformation vorantreiben, er plane ausdrücklich weitere gezielte Zukäufe von Medienmarken.

5. Die Newsfluencer kommen
(verdi.de, Lars Lubinetzki)
Laut einer Untersuchung des Reuters Institute würden sogenannte Newsfluencer traditionellen Medien zunehmend Konkurrenz machen. Dabei würden hierzulande vor allem männliche und politisch eher rechts-konservative Akteure das Feld dominieren. Um in diesem Umfeld zu bestehen, empfehle die Studie klassischen Medienhäusern, eine verständlichere Sprache zu wählen, Nischenthemen zu besetzen und sich durch fundierte Recherchen qualitativ abzugrenzen oder gezielt mit Newsfluencern zu kooperieren.

6. Die Streamawards 2025!
(youtube.com, Reved, Audio: 4:32:12 Stunden)
Wer interessehalber einen Blick in die Streaming-Welt werfen will, sollte mindestens kurz in den Videomitschnitt der “Streamawards 2025” klicken. In der über viereinhalbstündigen Show wurden die Höhepunkte des vergangenen Streaming-Jahres nachgezeichnet und Auszeichnungen in vielfältigen Kategorien vergeben, von “Bester Gaming-Moment” bis hin zu “Bester Newcomer”. Dank der im Beschreibungstext angegebenen Zeitmarken kann man sich dabei gezielt auf die interessanten Themen fokussieren.

120-Millionen-Strafe gegen X, KI vs. Realität, Ende der Vielfalt?

1. EU-Kommission verhängt 120-Millionen-Euro-Strafe gegen X
(netzpolitik.org, Anna Ströbele Romero)
Die EU-Kommission habe gegen die Plattform X (vormals Twitter) eine Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro verhängt, da das Unternehmen gegen das Gesetz über digitale Dienste verstoße. Konkret würden die irreführenden “blauen Haken”, eine unzureichende Werbedatenbank sowie der mangelhafte Datenzugang für die Forschung kritisiert. X müsse diese Mängel nun innerhalb von 90 Tagen beheben, sonst würden weitere Sanktionen drohen.
Weiterer Lesetipp: Bei digitalpolitik.de kommentiert Markus Beckedahl: “Seit der Machtübernahme durch Musk herrscht in der politisch-medialen Bubble eine absurde Situation: Politiker:innen und Journalist:innen bleiben – und erhöhen damit die Relevanz einer Plattform, die sie zugleich für gefährlich halten.”
Auf Bluesky schreibt der “6-vor-9”-Kurator: “Liebe Europäische Kommission, liebes EU-Parlament: Wie lange wollt ihr noch Content für einen Kanal liefern, dessen Eigentümer euch auflösen will und der eure Reichweite drosselt? Dieser Ort ist eine Jauchegrube. Raus da! Geht lieber dahin, wo Demokratie kein Hassobjekt ist.”

2. Freiheit verpflichtet
(taz.de, Tobias Bachmann)
In seinem Kommentar kritisiert Tobias Bachmann, dass “Bild”-Vizechefredakteur Paul Ronzheimer nach den Anfeindungen gegen ihn keine echte Selbstkritik zum Beitrag seines eigenen Blattes an der gesellschaftlichen Polarisierung geübt habe: “Halten Menschen es für illegitim, kann es sein, dass sie sich dagegen auflehnen. Das kann man skandalisieren – muss man manchmal sogar. Aber man sollte sich auch fragen, was man selbst tun kann, um die Legitimität wieder herzustellen – für sich und alle anderen: Wem die Pressefreiheit am Herzen liegt, der sollte sich an den Pressekodex halten.”

3. Das Ende der Vielfalt?
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Beeinflusst durch den politischen Druck in den USA und wirtschaftliche Sparzwänge würden derzeit auch deutsche Unternehmen und Medienhäuser ihre Diversity-Initiativen abbauen. Vielfalt gelte oft fälschlicherweise als verzichtbares Extra, schreibt Sonja Peteranderl. Medien verlören dadurch langfristig an Relevanz und Vertrauen beim Publikum. Trotz einzelner Fortschritte durch Quoten oder Monitoring-Tools fehle es meist an tiefgreifenden strukturellen Veränderungen.

Bildblog unterstuetzen

4. 15,5 Milliarden Euro – aber nur ein Bruchteil von den Streamern
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Um die deutsche Film- und Serienproduktion finanziell zu stärken, setze Kulturstaatsminister Wolfram Weimer statt auf eine gesetzliche Investitionspflicht für Streamingdienste auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Branche. Die insgesamt zugesagten 15,5 Milliarden Euro bezeichne die Produktionsallianz allerdings als “Mogelpackung”. Der Großteil dieser Summe stamme von den ohnehin investierenden deutschen TV-Sendern und nicht von den eigentlich gemeinten US-Streamern.

5. Macht der Reformstaatsvertrag ARD und ZDF jetzt besser?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 28:49 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast unterhält sich Holger Klein mit dem Rundfunkexperte und ehemaligen ZDF-Verwaltungsrat Leonhard Dobusch über die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: “Worin genau sieht er die Probleme? Welche Änderungen findet er gut? Und wie steht es im Vergleich dazu beim ORF in Österreich?”

6. KI vs Realität: Jetzt beweisen Videos wirklich nichts mehr
(youtube.com, Julia von Buddenbrook & Raja Khadour, Video: 12:42 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” thematisiert die zunehmende Verbreitung von täuschend echten KI-Videos in Sozialen Netzwerken. Diese würden das Vertrauen in Bildbeweise erschüttern und Desinformation Tür und Tor öffnen. Am Beispiel des KI-Charakters “Hakim Decoded” und dessen Schöpfer Leon zeigen Julia von Buddenbrook und Raja Khadour, wie aufwendig solche Videos produziert werden und wie wichtig dabei eine transparente Kennzeichnung ist.

Blättern:  1 ... 14 15 16 ... 78