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Kahlschlag bei RTL, Polizei behindert Presse, Wire­card-Berich­t­er­stat­tung

1. Der Deutsche Journalisten-Verband ist schockiert über die geplanten Stellenstreichungen bei RTL
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zeigt sich “schockiert” über den geplanten Personalabbau bei RTL, der 600 Stellen betreffen soll. “Das ist eine Katastrophe für die Kolleginnen und Kollegen bei RTL und ihren Töchtern”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Es dürfte für die Redaktionen mindestens schwierig werden, das jetzige Niveau mit noch weniger Personal zu halten”.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Hätte man sich die neunzig Millionen für Stefan Raab gespart, hätte man jedem dieser 600 Mitarbeiter ein Monatsgehalt von über 6.000 Euro zahlen können. Und zwar Monat für Monat. Volle zwei Jahre lang. Aber die Senderbosse wollten sich ja unbedingt den vermeintlichen König Midas gönnen. Nur dass der nichts mehr zu Gold macht, sondern alles in Rauch aufgehen lässt, was er anfasst.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:01 Minuten)
Weiterer Lesetipp: Auch beim österreichischen öffentlich-rechtlichen ORF herrsche Spardruck, doch die Auswirkungen sind vergleichsweise gering: Hier sollen lediglich 50 Jobs von 4.000 wegfallen und das auch nur über Nicht-Nachbesetzungen. (dwdl.de, Timo Niemeier)

2. Polizei behindert Presse bei Protesten in Gießen
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Bei den Protesten gegen die Gründung der AfD-Jugend in Gießen habe die Polizei die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten massiv behindert, indem sie Presseausweise ignoriert und den Zugang zu polizeilichen Maßnahmen, beispielsweise Räumungen, verwehrt habe. Betroffen gewesen seien unter anderem Reporter der “taz” sowie des Bundesverbands Freier Radios. Innerhalb der Veranstaltungshalle seien Medienschaffende durch die AfD eingeschränkt worden. Man habe deren Bewegungsfreiheit durch Wachpersonal unterbunden und den Pressebereich eingezäunt.

3. An den Online-Pranger gestellt
(taz.de, Johannes Drosdowski)
Das Weiße Haus habe auf seiner Website eine offizielle Liste eingerichtet, auf der kritische Medienschaffende wie die CBS-Chefkorrespondentin Nancy Cordes als vermeintliche “Media Offender of the Week”, also “Medientäter der Woche”, öffentlich an den Pranger gestellt würden. Cordes werde vorgeworfen, über Appelle der Demokraten an das Militär berichtet zu haben, illegale Befehle zu verweigern, was die Trump-Regierung in begleitenden Propagandavideos als aufrührerisch diffamiere. Neben dieser digitalen Hetzkampagne sehe sich die preisgekrönte Journalistin auch direkten Angriffen Donald Trumps ausgesetzt.

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4. Spiegel siegt vor BVerfG wegen Wire­card-Berich­t­er­stat­tung
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Das Bundesverfassungsgericht habe einem Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) München widersprochen und dem “Spiegel” in einem Rechtsstreit um die Berichterstattung über einen mutmaßlichen Wirecard-Hintermann Recht gegeben. Das Gericht habe klargestellt, dass Redaktionen bei komplexen Wirtschaftsstraftaten auch schon bei einem bloßen Anfangsverdacht identifizierend berichten dürfen. Das OLG München müsse den Fall nun neu bewerten, da es laut Bundesverfassungsgericht die Bedeutung der Meinungsfreiheit grundlegend verkannt und fälschlicherweise journalistische Rechercheergebnisse an rein strafrechtlichen Maßstäben gemessen habe.

5. “Mafia-Themen gehören in Italien zum ganz normalen journalistischen Tagesgeschäft”
(dfjv.de, Ralf Falbe)
Ralf Falbe hat mit der seit über 30 Jahren in Italien lebenden Journalistin Petra Reski gesprochen, die intensiv über die Mafia berichtet. Die italienische Mafia sei laut Reski in Deutschland längst tief verwurzelt. Deutsche Gerichte und Verlage würden die Gefahren für berichtende Journalistinnen und Journalisten oft unterschätzen oder diese im Stich lassen. In dem Interview schildert Reski auch ihre persönlichen Erfahrungen mit Drohungen und juristischen Klagen. Angesichts der prekären finanziellen Lage und einer fehlenden Rechtssicherheit rät sie Berufseinsteigern heute davon ab, sich als Freiberufler auf solch riskante Themen zu spezialisieren.

6. Wie wachsen Kinder und Jugendliche in einer mediatisierten Welt auf?
(leibniz-hbi.de, BredowCast, Audio: 42:22 Minuten)
Im “BredowCast” sprechen die Forscherinnen und Forscher Claudia Lampert, Rudolf Kammerl und Katrin Potzel über die Langzeitstudie “Connected Kids”, deren Ergebnis eine deutliche Verjüngungstendenz aufzeige, da Kinder immer früher Zugang zu Smartphones und digitalen Angeboten erhalten. Zudem konnten die Experten beobachten, dass Jugendliche bereits erste Erfahrungen mit KI-Tools wie ChatGPT sammeln und künftig vermehrt interaktives, KI-gestütztes Spielzeug in den Alltag einziehen könnte.

Gedrosseltes “Nius”, Libertarismus und Neue Rechte, Ständig überlastet

1. Ei­ne*r von vier hält Berichterstattung für ausgewogen
(taz.de)
Laut einer aktuellen Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München halte nur gut ein Viertel der Menschen in Deutschland die mediale Berichterstattung über den Nahost-Krieg für ausgewogen. 30 Prozent nähmen eine Schlagseite zugunsten Israels und lediglich neun Prozent eine Bevorzugung der palästinensischen Seite wahr. 35 Prozent der Befragten hätten sich kein Urteil zugetraut. Die Einschätzung hänge dabei stark von der eigenen Positionierung ab.

2. Reichweiten-Probleme: Wie Nius die Drosselung auf TikTok umgeht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Nach wiederholten Sperren und einem mutmaßlichen Shadowban des Hauptaccounts setze das rechtspopulistische Portal “Nius” auf TikTok nun verstärkt auf dezentrale Personenmarken, um die Reichweitenbeschränkungen zu umgehen. Die Strategie gehe auf, da die Kanäle einzelner Hosts als sogenannte Newsfluencer deutlich höhere Abrufzahlen erzielen würden und nicht von den Sanktionen gegen die Dachmarke betroffen seien. Gleichzeitig bewege sich das Vorgehen in einer rechtlichen Grauzone.
Weiterer Lesetipp: NDR-Tochter lässt Nius wie echtes Fernsehen aussehen: “Die NDR-Tochterfirma Studio Hamburg hat Teile des Sets und Sofas für das rechtspopulistische Medium Nius gebaut. Hoppla!” (taz.de, Amira Klute)

3. Wie vernetzt sind Libertarismus und Neue Rechte?
(tagesschau.de, Karin König)
Eine aktuelle Analyse des CeMAS komme zu dem Ergebnis, dass sich auf der Plattform X signifikante ideologische und strukturelle Überschneidungen zwischen dem libertären Milieu und der extremen Rechten zeigen. Die Forscher würden davor warnen, dass libertäre Themen als harmlos wirkender Deckmantel dienen könnten, unter dem rechtsextreme Inhalte in neue Zielgruppen einsickern, etwa über Finanz-Podcasts.

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4. Ständig überlastet: So entkommen Medienprofis der Ressourcenfalle
(kress.de, Attila Albert)
Viele Medienschaffende würden unter chronischer Überlastung leiden, deren Ursachen oft in mangelnder Ressourcenausstattung, schlechter Organisation oder fehlender Abgrenzung zu finden seien. Als Gegenstrategie empfiehlt Attila Albert eine strikte Priorisierung der Kernaufgaben im Dialog mit Vorgesetzten, das Delegieren von Tätigkeiten sowie das Einkalkulieren realistischer Zeitpuffer.

5. Es gibt keine künstliche Intelligenz!
(npj.news, Stephan Weichert)
Der Medienwissenschaftler Stephan Weichert warnt vor der vom Silicon Valley propagierten Verschmelzung von Mensch und Maschine. Dabei handele es sich vor allem um ein aggressives Geschäftsmodell, das journalistische Inhalte ausbeute und durch die Verdrängung klassischer Nachrichtenquellen die Demokratie gefährde. Angesichts der wachsenden Dominanz von Algorithmen müssten Redaktionen seiner Meinung nach eine “KI-Resilienz” entwickeln.

6. “Ich wollte radikal ehrlich sein”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 44:15 Minuten)
“Warum tun sich Redaktionen oft so schwer damit, Fehler einzuräumen? Und bei Kritik auch mal zu sagen: Sorry, das ist nicht optimal gelaufen?” Im “Übermedien”-Podcast “Nice & Nötig” unterhält sich Annika Schneider mit dem Wirtschaftsjournalisten Felix Rohrbeck über den Umgang mit Fehlern. Dabei geht es “nicht um Rechtschreibfehler oder falsche Jahreszahlen, sondern um größere Schnitzer im Journalismus: Unausgewogenheit, Voreingenommenheit, Falschinformationen – und wie ein selbstkritischer Umgang damit aussehen könnte.”

Der seltsame Mitinhaber, Fehlen konservative Stimmen?, Politikbild

1. “Hä, aber ich dachte darum ging’s doch?!”
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
“Am Dienstag verhandelt das LG Hamburg, ob Correctiv im Potsdam-Bericht wahrheitswidrig über Ausweisungspläne gegen deutsche Staatsbürger berichtete. Dabei geht es auch um Correctivs Verantwortung für Falschberichterstattung anderer Medien.” Felix W. Zimmermann schreibt, dass “Correctivs” Formulierung eines “Masterplans zur Ausweisung deutscher Staatsbürger” aus seiner Sicht eine journalistische Fehlleistung sei, die zu einer Welle von falschen Beiträgen bei anderen Medien geführt habe und deren juristische Verantwortung nun das Hamburger Landgericht klären müsse.

2. Der seltsame Mitinhaber
(taz.de, Andreas Speit)
Andreas Speit berichtet in der “taz”, dass der bekannte völkische Siedler Baldur Bachmann jahrelang Mitinhaber der Eulenspiegel-Verlagsgruppe gewesen sei. Bachmann sei in der rechtsextremen Szene verankert, Anhänger der antisemitischen “Germanischen Neuen Medizin” und Mitglied der verbotenen “Artgemeinschaft”, was dem Geschäftsführer des Verlags nach eigenen Angaben nicht bekannt gewesen sei. Erst nach den Recherchen habe sich der Verlag von Bachmann getrennt.

3. Fehlen konservative Stimmen in den öffentlich-rechtlichen Medien?
(deutschlandfunk.de, Christiane Florin, Audio: 1:00:31 Stunden)
In der “Streitkultur” des Deutschlandfunk diskutieren Nikolaus Blome (RTL) und Georg Restle (WDR) über die Frage, ob konservative Stimmen in den Medien, insbesondere im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, fehlen. Blome bejaht dies und führt als Beleg an, dass der NDR extern eine konservative Moderatorin suchen musste, da intern offenbar niemand verfügbar sei. Restle widerspricht, hält die Vielfalt für groß und argumentiert, der Öffentlich-Rechtliche müsse sich vielmehr gegen Verfassungsfeinde wie die AfD verteidigen.

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4. Wie Medien das Politikbild verzerren und damit Demokratie gefährden
(fr.de, Tanjev Schulz)
Der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Tanjev Schultz argumentiert in seiner Kolumne, dass die US-Medien zu einer Krise der Demokratie beigetragen hätten. Er schreibt, dass ein “notorisch negatives” Politikbild in der Berichterstattung die Zustimmung zur demokratischen Kultur untergraben habe. Diese Entwicklung habe eine zynische Haltung im Publikum gefördert, von der nun Politiker wie Donald Trump, aber auch die AfD profitieren würden.

5. Wie Lokaljournalismus auf TikTok funktionieren kann
(correctiv.org)
Die Journalistin Pauline Tillmann widerlege in ihrem Report (PDF) zum “Future of News Fellowship” die Annahme, junge Menschen würden sich nicht für lokale Themen interessieren. Sie zeige, dass TikTok eine der wichtigsten Informationsquellen für Jugendliche sei und enorme Chancen für den Lokaljournalismus biete. Für Erfolge auf der Plattform müssten Redaktionen auf Alltagsrelevanz, Persönlichkeiten vor der Kamera und echten Dialog mit der Community setzen.

6. Kölner Recherchepreis zeichnet junge Journalisten aus
(bdzv.de)
Der Kölner Recherchepreis 2025 hat junge Journalistinnen und Journalisten für ihre herausragenden Recherchen ausgezeichnet. Den 1. Preis hat “WAZ”-Redakteurin Sophie Sommer für ihre Reportage “Ich spüre noch seine Hände auf mir” (PDF), in der es um Kinderprostitution in Dortmund geht, erhalten. Bei der Preisverleihung hätten NRW-Medienminister Nathanael Liminski und Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester den unabhängigen Journalismus als unverzichtbare demokratische Kraft gewürdigt. Die Herausgeber des “Kölner Stadt-Anzeiger” hätten zudem vor der wachsenden Marktmacht von Tech-Konzernen gewarnt und politischen Rückhalt für “echte Recherche” gefordert.

Springers US-Expansionsgelüste, Exilmedien unverzichtbar, Deep Nudes

1. Expansion in den USA: Axel Springer hat es auf CNN und “Wall Street Journal” abgesehen
(tagesspiegel.de, Philipp Blanke)
Der Axel-Springer-Konzern prüfe laut US-Medienberichten eine massive Expansion in den USA. Das Unternehmen habe Interesse an einer Übernahme von CNN sowie dem “Wall Street Journal”. Springer-Chef Mathias Döpfner wolle den Firmenwert durch große Zukäufe verdoppeln, da er das deutsche Mediengeschäft als weniger relevant und zukunftsträchtig ansehe. Döpfner suche in den USA zudem gezielt die Nähe zu wichtigen Tech-Bossen.

2. BBC bittet Trump um Entschuldigung
(spiegel.de)
Die BBC habe US-Präsident Donald Trump für einen irreführenden Schnitt in einer Dokumentation um Entschuldigung gebeten. Die Doku habe fälschlicherweise den Eindruck erweckt, Trump habe in einer Rede direkt zur Gewalt aufgerufen. Der BBC-Vorsitzende habe in einem Brief sein Bedauern ausgedrückt. Gleichzeitig habe der öffentlich-rechtliche Sender die rechtliche Grundlage für die von Trump angedrohte milliardenschwere Verleumdungsklage entschieden zurückgewiesen.

3. RSF: Exilmedien als Quelle
(verdi.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) betone in einem neuen Bericht, dass Exiljournalismus unverzichtbar sei, um Zensur, Kriegsverbrechen und Desinformation in autoritären Regimen aufzudecken. Als Beispiele für diese wichtige Arbeit werden Enthüllungen von Exilmedien wie “The Insider” über russische Propaganda, den Wirecard-Manager Jan Marsalek oder die Ausbeutung politischer Gefangener durch einen AfD-Politiker in Belarus genannt. RSF fordere demokratische Regierungen daher dringend auf, diese Medienschaffenden besser zu schützen und nachhaltig zu unterstützen.

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4. “Jemand macht Geld mit Fake-Nacktbildern”: Ja, die Heute-Zeitung!
(kobuk.at, Sophia Ţigănaş)
Sophia Ţigănaş kritisiert die Berichterstattung des österreichischen Boulevardportals Heute.at über sogenannte Deep Nudes. Ihr Fazit: “Bei der Berichterstattung über die Verbreitung von KI-generierten Nacktbildern im Internet ist Heute.at Teil des Problems, über das die Zeitung berichten will: Sie verbreitet ungewollte Sexualisierung und verletzt zusätzlich die Intimsphäre realer Menschen.”

5. Wie steht es um den Klimajournalismus?
(deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 39:56 Minuten)
Vom 10. bis zum 21. November findet im brasilianischen Belém die UN-Klimakonferenz COP 30 statt. Damit rückt auch der Zustand des Klimajournalismus in den Fokus. Im Deutschlandfunk diskutieren Alexandra Endres (“Table.Media”) und Torsten Schäfer (FH Darmstadt) mit Moderator Sascha Wandhöfer darüber, welche Rolle das Klima im Alltag in deutschen Medien spielt.

6. Immer mehr Werbung im Fernsehen?! Ein Realitäts-Check
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Uwe Mantel analysiert bei “DWDL” den weit verbreiteten Eindruck, dass die Werbung im Privatfernsehen überhandnehme, und stellt klar, dass dieser täusche – jedenfalls wenn man auf die klassische Werbung schaut. Die dafür vorgesehene Zeit sei gesetzlich streng auf 20 Prozent, also zwölf Minuten pro Stunde, begrenzt und habe sich nicht erhöht. Die Wahrnehmung längerer Pausen entstehe durch eine flexiblere Verteilung der Werbeblöcke sowie durch zusätzliche Programmtrailer, Eigenwerbung und Spendenaufrufe, die nicht zur offiziellen Werbezeit zählen würden.

Übernimmt die KI?, Schwarzes Portal mit roten Zahlen, Frauenfeindlichkeit

1. Wie viel Künstliche Intelligenz verkraftet Social Media?
(dwdl.de, Simon Pycha)
Simon Pycha beschreibt bei “DWDL”, wie KI-generierte Inhalte wie “Slops” oder “Sludge-Videos” Social Media dominieren, weil sie billig zu produzieren sind. Plattformen wie TikTok würden diesen Trend sogar aktiv fördern, indem sie KI-Skripte anbieten, um die Monetarisierung zu steigern. Diese Entwicklung erhöhe jedoch das Risiko für die Verbreitung von Desinformation, die für das Publikum kaum noch als künstlich zu erkennen ist.
Weiterer Gucktipp: Auf YouTube erklärt Mats Schönauer, “wie KI-Kanäle YouTube übernehmen”: “In diesem Video zeige ich euch, wie YouTube mit AI-Slop überflutet wird – von pseudowissenschaftlichen KI-Kanälen wie ‘Sleepless Historian’ bis hin zu Fake-Videos, die politische Propaganda verbreiten – und wie aufwendig produzierte Kanäle wie ‘Kurzgesagt’ von der KI-Flut bedroht werden.” (youtube.com, Video: 23:42 Minuten)

2. Haben wir eigentlich alle ADHS?
(journalist.de, Julia Belzig)
Die Journalistin Julia Belzig stellt in ihrem Text die These auf, dass der Journalismus aufgrund seiner Struktur überdurchschnittlich viele Menschen mit ADHS anziehe. Sie warnt jedoch davor, das Krankheitsbild als “Superkraft” zu romantisieren, da der Alltag für Betroffene oft von Chaos, emotionalen Problemen und dem Gefühl, an Kleinigkeiten zu scheitern, geprägt sei. Belzig kritisiert zudem, dass Social Media ein falsches Bild der Krankheit vermittele.

3. Burkhard Ewert über digitale Erfolge, politische Vorwürfe und historische Vergleiche
(youtube.com, Markus Trantow, Audio: 46:17 Minuten)
Burkhard Ewert, Chefredakteur der “Neuen Osnabrücker Zeitung” (“NOZ”), berichtet im “turi2”-Podcast, dass seine Redaktion nun allein durch digitale Abos finanziert werde, was er als “Meilenstein” bezeichnet. Angesprochen auf den Vorwurf eines Rechtsrucks der “NOZ” verteidigt Ewert etwa Interviews mit der AfD, da diese einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung repräsentiere und man nicht “pauschal diffamieren” dürfe. Die Bedrohung durch Google-KI-Zusammenfassungen und dadurch ausbleibenden Klicks sieht er als Ansporn für Journalistinnen und Journalisten, wieder mutigere und schnellere Geschichten zu schreiben, “die eine KI nicht kann”.

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4. Schwarzes Portal mit roten Zahlen: Bilanzverlust beim “Exxpress” steigt
(derstandard.at, Oliver Mark)
Das rechte österreichische Portal “Exxpress” habe seinen Bilanzverlust für das Jahr 2024 auf 6,92 Millionen Euro ausgeweitet, nachdem er im Vorjahr bereits 4,38 Millionen Euro betragen habe. Mehrheitseigentümerin des Mediums sei das deutsche Unternehmen “Vius”, das auch hinter dem Portal “Nius” von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt stehe.

5. Gema erzielt Auftakterfolg gegen ChatGPT
(spiegel.de)
Die Verwertungsgesellschaft Gema habe einen juristischen Auftakterfolg gegen den ChatGPT-Entwickler OpenAI erzielt. Das Landgericht München habe entschieden, dass die Verwendung von Texten bekannter Lieder (wie von Herbert Grönemeyer oder Reinhard Mey) eine unerlaubte Vervielfältigung darstelle, und OpenAI zu Schadensersatz verurteilt. Das Urteil in diesem Grundsatzverfahren sei noch nicht rechtskräftig. Es gelte als wahrscheinlich, dass der Rechtsstreit weitergeht.
Weiterer Gucktipp: Auf YouTube prognostiziert Anwalt Chan-jo Jun: “Die Entscheidung wird die KI-Szene in Aufruhr versetzen.” (youtube.com, Video: 13:13 Minuten)

6. Nicht alles ist Unterhaltung
(taz.de, Laura Verseck)
Laura Verseck kritisiert in ihrem Kommentar das RTL-Format “Temptation Island” dafür, dass die Produktion das übergriffige Verhalten eines Kandidaten unkommentiert ausgestrahlt habe. Der Teilnehmer Aleks Petrović habe in der Sendung offen erzählt, wie er seine Partnerin nach der Verlobung zum Sex gedrängt habe. Verseck argumentiert, dass “nicht alles Unterhaltung ist”. Eine Redaktion, die solche sexualisierten Grenzüberschreitungen ohne Einordnung sendet, trage eine Mitverantwortung für deren Normalisierung.

Inhalte vom Rand bevorzugt, Wenig Raum für Verbote, Finanz-Bubble

1. Algorithmen bevorzugen extrem rechte Inhalte
(taz.de, Marco Fündt)
Eine neue Studie der Universität Potsdam und der Bertelsmann-Stiftung zeige, dass die Algorithmen Sozialer Medien im Bundestagswahlkampf 2025 Parteien an den politischen Rändern stark bevorzugt hätten. Beiträge der AfD und der Linkspartei seien den Nutzerinnen und Nutzern überproportional häufig empfohlen worden. Die Inhalte der SPD und insbesondere der Union (CDU/CSU) seien hingegen deutlich seltener angezeigt worden. Reaktionsstarke Inhalte würden besser zu den wirtschaftlichen Interessen der Plattformbetreiber passen.

2. BVerwG lässt wenig Raum für ver­eins­recht­liche Medi­en­ver­bote
(lto.de, Paula Rhein-Fischer)
Die Juristin Paula Rhein-Fischer analysiert die nun veröffentlichten Urteilsgründe zur Aufhebung des “Compact”-Verbots durch das Bundesverwaltungsgericht. Dieses habe entschieden, dass das Vereinsrecht zwar grundsätzlich für Medienverbote genutzt werden könne, die Hürden dafür aber extrem hoch seien. Das Urteil sei auch relevant für ein mögliches AfD-Verbotsverfahren, da das Gericht die von “Compact” verbreitete “Remigrations”-Forderung als klaren Verstoß gegen die Menschenwürde gewertet habe.

3. “Wir bewegen uns in einer großen Bubble”
(journalist.de, Catalina Schröder)
Im “journalist”-Interview spricht Catalina Schröder mit Saidi Sulilatu, dem Chef des gemeinnützigen Portals “Finanztip”. Das Thema Finanzen sei durch Corona und Social Media zwar populärer geworden, bewege sich aber immer noch in einer “Bubble”. Sulilatus Strategie: “Wir versuchen bewusst, eine möglichst alltagsnahe Sprache zu verwenden. Um Finanzen eben nicht mit einer Aura des Expertentums zu umgeben.”

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4. Warum auch junge Zielgruppen für das Fernsehen nicht verloren sind
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Entgegen dem Mythos, junge Menschen würden kein Fernsehen mehr schauen, würden aktuelle Zahlen belegen, dass TV für diese Zielgruppen weiterhin relevant sei. Zwar sinke die tägliche Sehdauer zugunsten von Streaming und Social Media, die monatliche Reichweite bleibe aber sehr hoch. Sender wie RTL und ProSieben hätten ihre linearen Reichweiten mit den eigenen Streamingdiensten wie RTL+ und Joyn gebündelt, um Werbekunden eine Gesamtreichweite anzubieten.

5. Klagsfalle Social-Media-Posting : Fünf Tipps, damit HC Strache Sie nicht zur Kasse bitten kann
(falter.at, Florian Klenk)
“Falter”-Herausgeber Florian Klenk warnt davor, dass Personen wie der österreichische Politiker HC Strache derzeit massenhaft Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzer verklagen würden, die angeblich ehrenrührige Zeitungsartikel über sie teilen. Entschädigungsforderungen in oft fünfstelliger Höhe seien die Folge. Klenk gibt fünf konkrete Tipps, wie man vor dem Posten prüfen könne, ob ein Artikel (nach österreichischem Recht) die journalistische Sorgfalt, zum Beispiel die Unschuldsvermutung oder die Privatsphäre, verletzt.

6. Unsicherheit in der Medienlandschaft
(verdi.de, Irene Gronegger)
Die Einführung von KI-Zusammenfassungen (AI Overviews) bei Google sorge für massive Unsicherheit in der Medienlandschaft. Sie entziehe den Websites spürbar Traffic und gefährde somit die Werbeeinnahmen der Verlage. Als Reaktion würden die Medienhäuser versuchen, die Leserbindung durch Newsletter zu stärken oder auf den Trend der “Creator Economy” zu setzen.

Lobbygeld wie noch nie, Totalschaden abgewendet, Ist der ÖRR zu einseitig?

1. Big Tech steckt so viel Geld in EU-Lobbyarbeit wie noch nie
(netzpolitik.org, Esther Menhard)
Eine gemeinsame Analyse von LobbyControl und dem Corporate Europe Observatory zeige, dass die Tech-Branche mit 151 Millionen Euro jährlich mehr Geld für Lobbyarbeit in der EU ausgebe als jede andere Branche. Konzerne wie Meta, Microsoft und Amazon würden damit gegen Regulierungen wie den Digital Services Act kämpfen und inzwischen mehr Lobbyisten (890) beschäftigen als es EU-Abgeordnete (720) gebe.

2. Totalschaden abgewendet: Sachsen stimmt ÖRR-Reform zu
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der neue Reformstaatsvertrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe im sächsischen Landtag kurz vor dem Scheitern gestanden. Erst nach einer 30-minütigen Beratungspause und einem dramatischen Appell von Ministerpräsident Michael Kretschmer habe es die erforderliche Mehrheit gegeben. Uwe Mantel kommentiert bei “DWDL”: “Ganz durch ist der Reformstaatsvertrag nun aber immer noch nicht. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen dürfte die Verabschiedung im Parlament kaum in Frage stehen, spannender wird es in Brandenburg. Dort bräuchte es die Ja-Stimmen des BSW, das in Sachsen nicht zugestimmt hat.”

3. Zu grün, zu links, zu einseitig? Was am ÖRR-Vorwurf dran ist
(youtube.com, Konstanze Nastarowitz, Video: 44:38 Minuten)
Der Beitrag des NDR-Medienmagazins “Zapp” untersucht die weit verbreitete Kritik, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei zu “links-grün” und biete zu wenig Meinungsvielfalt. Als zentrales Beispiel dient der Streit um das NDR-Format “Klar”, bei dem die Absetzung der als konservativ geltenden Moderatorin Julia Ruhs massive Vorwürfe von “Cancel Culture” auslöste. Eine Mainzer Studie sowie Medienexperten würden eine “leichte Schieflage” nach links und ein Defizit an konservativen Perspektiven bestätigen. Sie warnen aber auch davor, dass das Problem von Kritikern oft bewusst übertrieben dargestellt werde.

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4. Ergötzen am Leid der anderen
(taz.de, Sophia Fichtner)
Sophia Fichtner kritisiert die 30-jährige “Stern-TV”-Langzeitdoku über die Neonazi-Familie Ritter als voyeuristische Ausbeutung von Elend, Gewalt und Drogensucht. Aktueller Anlass ist ein Gerichtsprozess, bei dem Mitglieder der dritten Generation wegen einer brutalen, gefilmten Gewalttat verurteilt wurden. Fichtner wirft “Stern TV” vor, die rechtsextreme Ideologie der Familie (Hitlergrüße, Hetze) völlig unkritisch und ohne Einordnung zu zeigen und aus dem Elend der Ritters ein Geschäftsmodell zu machen.

5. “Diese Leute wollen in die Medienbranche, aber es war vom Lebenslauf her bis jetzt nicht möglich”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 46:34 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast “Nice & Nötig” spricht Annika Schneider mit Laura Bohné vom Bayerischen Rundfunk. Bohné leitet dort ein Talente-Programm, das gezielt Menschen mit nicht-akademischen oder “gebrochenen” Lebensläufen in den Journalismus holen soll. Die beiden diskutieren darüber, warum diese Vielfalt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk notwendig ist und wie diese neuen Talente den Redaktionsalltag und die Themenwahl im Sender konkret verändern.

6. Naomi Seibt beantragt offenbar Asyl in den USA
(spiegel.de)
Die AfD-nahe und rechtsextreme Influencerin Naomi Seibt habe laut Medienberichten in den USA Asyl beantragt. Gegenüber dem US-Sender Fox News habe die 25-Jährige behauptet, sie werde in Deutschland von Geheimdiensten überwacht und werde nicht ausreichend vor der Antifa geschützt. Seibt habe in der Vergangenheit rechtsextreme Verschwörungsmythen verbreitet und sei auch von US-Thinktanks sowie Elon Musk unterstützt worden.

7. Neue Netflix-Doku: “Babo: Die Haftbefehl-Story”
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:11 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator die neue Doku über den Rapper Haftbefehl bei Netflix: “Die Doku inszeniert sich als ‘roh’ und ‘ungeschönt’, läuft aber mit schmalziger Musik und manipulativem Schnitt. Sorry, aber das ist kein Dokumentarfilm, das ist ein Trauma-Porno mit Klarlack drüber.”

Aktenzeichen X, Ermittlungen gegen Reichelt, Journalismus als Ich-AG

1. In Gaza getöteter Ingenieur war Hamas-Mitglied – Unionspolitiker kritisieren ZDF
(spiegel.de)
Das ZDF habe bestätigt, dass ein kürzlich in Gaza getöteter Mitarbeiter einer Partnerproduktionsfirma Mitglied der Terrororganisation Hamas gewesen sei. Führende Unionspolitiker würden dies als “Skandal” kritisieren und vom öffentlich-rechtlichen Sender eine lückenlose Aufklärung fordern. Das ZDF habe die Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma bis auf Weiteres eingestellt. Der Sender habe betont, dass der Mann nicht journalistisch tätig gewesen sei.

2. Ermittlungen gegen “Nius”-Chefredakteur Reichelt
(taz.de)
Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittele gegen den heutigen “Nius”- und früheren “Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Grund sei ein Beitrag auf X (vormals Twitter), in dem Reichelt behauptet habe, die deutsche Polizei werde “unterwandert” und bald “arabisch dominiert” sein. Reichelt habe seine Aussage als seine Meinung verteidigt und dabei auf Berichte über kriminelle Polizisten mit Migrationshintergrund verwiesen.
Nachtrag, 31. Oktober: Die Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen gegen Julian Reichelt eingestellt, der Anfangsverdacht habe sich nicht erhärtet.

3. Aktenzeichen X
(arminwolf.at)
Der bekannte österreichische Journalist und Fernsehmoderator Armin Wolf hat nach eigener Aussage den Kurznachrichtendienst X angezeigt: “Ich weigere mich einfach, zu akzeptieren, dass X (vormals Twitter), eine der größten und einflussreichsten Social-Media-Plattformen der Welt, einschlägige Gesetze in Österreich und der EU nicht nur ignoriert, sondern ganz offen verhöhnt und sich der Justiz entzieht.”

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4. Neues Geschäftsmodell? Journalismus als Ich-AG
(ardaudiothek.de, Thomas Bimesdörfer & Christoph Borgans, Audio: 17:20 Minuten)
Wie können sich Journalistinnen und Journalisten abseits der etablierten Medien eine eigene Leserschaft aufbauen? Darüber sprechen Thomas Bimesdörfer und Christoph Borgans bei “Medien – Cross und Quer” mit Nils Minkmar, deutsch-französischer Journalist, Historiker und Publizist. Minkmar kann auf entsprechende eigene Erfahrungen zurückgreifen: Einmal die Woche versendet er seinen Newsletter “Der siebte Tag”.

5. Social-Media-Nutzung sinkt – aber die KI wächst auf diesen Apps
(steady.page, Ingrid Brodnig)
Ingrid Brodnig berichtet in ihrem Newsletter über die seit 2022 sinkende Nutzungszeit auf Social Media. Viele Menschen seien ernüchtert und würden weniger posten. Gleichzeitig nehme die Menge an billig produzierten KI-Inhalten, sogenanntem “AI Slop”, auf den Plattformen stark zu. Brodnig vermutet, dass die Konzerne diese KI-Inhalte nutzen, um die Feeds trotz sinkender Nutzeraktivität lebendig wirken zu lassen.

6. “Wir gehen massiv ins Risiko, nur eben an anderer Stelle”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Im Interview mit dem Medienmagazin “DWDL” spricht YouTube-Deutschlandchef Andreas Briese über das Verhältnis zu klassischen Medien und die Notwendigkeit einer plattformübergreifenden Erfolgsmessung. Er hob hervor, dass die detaillierten Daten, die YouTube seinen Partnern biete, weit über die Aussagekraft der traditionellen TV-Quote hinausgehen würden: “Bei uns kann ein Content Creator sehen, wer was wann wie gesehen hat, wann Zuschauer*innen ein- und wann wieder ausgestiegen sind, oder über welche Suchbegriffe sie/er reingekommen sind, welche Szenen gut funktioniert haben, wie sein bzw. ihr Video im Ausland gelaufen ist und welche Zielgruppe es gesehen hat. Wir sagen immer, unsere Creator sind tagsüber Kreative und in der Nacht Daten-Analyst*innen.”

KW 43/25: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Rechte oder linke Medienmacht?
(youtube.com, Ole Nymoen & Wolfgang M. Schmitt, Video: 45:56 Minuten)
“Ist die Meinungsfreiheit bedroht? Ja, wobei zugleich zu sagen ist: Gesetze muss man dafür gar nicht ändern. Meinung kann man wunderbar steuern, wenn man viel Geld hat und dieses sich mit politischer Macht verbindet.” In der neuesten Folge von “Wohlstand für Alle” sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über die sich immer mehr zusammenballende Medienmacht einiger weniger, reicher Männer.
Weiterer Gucktipp: Trumps Freunde schalten jetzt die Medien gleich! (youtube.com, Der Dunkle Parabelritter, Video: 33:48). Ebenfalls hörenswert ist Sascha Pallenberg mit Bluesky ist tot – Wie Trump das Netzwerk kapert (youtube.com, Audio: 39:50). Und wer nochmal einen tollen und kurzweiligen Abriss über Trump und den “Trumpismus” bekommen will, der die großen Zusammenhänge herstellt, dem sei der Vortrag von Michael Hochgeschwender empfohlen, Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie im Amerika-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. (youtube.com, Video: 1:27 Stunden)

2. Vom Landtag ins Weiße Haus – So vernetzen sich AfD und US-Regierung
(ndr.de, Noura Mahdhaoui & Tamara Keller & Nils Altland, Video: 13:13 Minuten)
Der AfD-Landespolitiker Joachim Paul sei von der Oberbürgermeisterwahl in Ludwigshafen ausgeschlossen worden, da aufgrund seiner Kontakte zu rechtsextremen Gruppen Zweifel an seiner Verfassungstreue bestanden hätten. Die AfD und ihr mediales Umfeld hätten daraufhin eine koordinierte Social-Media-Kampagne über X/Twitter orchestriert, die internationale Aufmerksamkeit erzeugte und bis zu Elon Musk und ins Weiße Haus reichte. Das NDR-Medienmagazin “Zapp” ist dem Fall nachgegangen.

3. Warum stirbt das Internet?
(ardaudiothek.de, Gregor Schmalzried & Marie Kilg, Audio: 43:43 Minuten)
Im “KI-Podcast” diskutieren Gregor Schmalzried und Marie Kilg über die These, dass das Internet in seiner bisherigen Form stirbt, weil mittlerweile die Hälfte aller Artikel im Netz von Künstlicher Intelligenz generiert und oft fehlerhaft oder qualitativ minderwertig sei. Klassische Websites wie Wikipedia würden massiv an Traffic verlieren, weil Menschen direkt zu Chatbots gehen. Die beiden fragen sich, ob das bisherige Internet überhaupt noch eine Zukunft hat, oder ob Chatbots und KI die Informationssuche komplett verändern werden.

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4. Medienverantwortung in Zeiten von verstärkter Kriegspropaganda
(youtube.com, Sabine Schiffer, Video: 1:19:07 Stunden)
In ihrem Vortrag kritisiert Sabine Schiffer, dass Medien in Kriegs- und Krisenzeiten oft Regierungs- und PR-Narrative übernehmen, statt Macht kritisch einzuordnen. Sie warnt vor Gesinnungsjournalismus sowie manipulativen Frames und fordert strengere Quellenprüfung, Unabhängigkeit von Think-Tank-Briefings sowie Aufmerksamkeit für Astroturfing. Schiffers Appell: Redaktionen sollen offenlegen, was nicht überprüfbar ist, und systematisch fehlende Aspekte mitdenken.
Update nach Leserhinweis: Schiffers Vortrag enthält neben wertvollen Einblicken in PR-Mechanismen und Medienframing auch problematische Passagen: faktische Fehler (zum Beispiel zur Chronologie Japan/Nürnberg), polemische statt präzise Begriffe (“Ukraine-Fetisch”) und steile Thesen ohne ausreichende Belege. Die methodischen Grundlagen (Framing-Analyse, Propagandamuster) bleiben aus unserer Sicht wertvoll, aber bitte mit kritischer Distanz zu den konkreten politischen Einordnungen schauen.

5. „Leute, die nur destruktiv sind, wollen wir nicht“
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 45:18 Minuten)
“Was wäre, wenn es eine echte Alternative zu YouTube, Instagram, TikTok und Co. gäbe? Ein öffentlich-rechtliches soziales Netzwerk, das wir vielleicht sogar mit unserem Rundfunkbeitrag finanzieren?” Darüber hat Annika Schneider mit Robert Amlung gesprochen, dem Digitalbeauftragten des ZDF: “Hätte so ein Angebot überhaupt eine Chance gegen die großen Tech-Plattformen? Was würde dort anders laufen? Und wie entscheidet das ZDF, welche Kommentare gelöscht werden und welche nicht?”

6. Markus Beckedahl: So könnte digitale Souveränität konkret funktionieren
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 30:43 Minuten)
Alexander Matzkeit hat bei “Läuft” Markus Beckedahl zu Gast, den Gründer von netzpolitik.org und des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie. Das Gespräch dreht sich um digitale Souveränität und die Frage, wie Deutschland und Europa unabhängiger von großen Tech-Konzernen wie Meta, Google und X werden können. Geeignete Maßnahmen dafür wären laut Beckedahl offene Standards, dezentrale Plattformen wie Mastodon und eine stärkere Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Giftschränke der Bundesregierung, Minister in Bedrängnis, “Das crazy”

1. Die Giftschränke der Bundesregierung
(abgeordnetenwatch.de, Martin Reyher)
Laut “Abgeordnetenwatch” habe die Bundesregierung in mehreren Fällen versucht, brisante Unterlagen etwa zu Nord Stream 2 oder Lobbykontakten zu BMW und Porsche zunächst zurückzuhalten oder gar nicht erst als “amtlich” zu registrieren. Martin Reyher zeigt auf, dass solche Dokumente häufig erst nach öffentlichem Druck oder Klagen auftauchen. Diese Praxis unterlaufe das Informationsfreiheitsgesetz und erschwere es Journalistinnen und Journalisten, Regierungshandeln kritisch zu hinterfragen. Wenn staatliche Stellen gezielt Informationen zurückhalten, sei unabhängige Recherche kaum noch möglich.

2. Staatsminister in Bedrängnis – Weidel schaltet Anwälte ein
(t-online.de, Annika Leister)
AfD-Chefin Alice Weidel habe Anwälte eingeschaltet, weil das Onlinemagazin “The European” sie zwischen 2017 und 2021 als Autorin von Texten aufführte, obwohl sie dafür weder geschrieben noch ihre Erlaubnis gegeben habe. “The European” gehöre zur Weimer Media Group, die von Wolfram Weimer gegründet wurde, der heute Kulturstaatsminister unter Kanzler Friedrich Merz ist und als dessen Vertrauter gilt. Die Plattform weise die Vorwürfe zurück und behaupte, es habe sich um “dokumentarische Publikation von Politikerreden” gehandelt. t-online.de-Hauptstadtreporterin Annika Leister kommentiert dies wie folgt: “So mit Reden in gehäufter Zahl, Pressemitteilungen und anderen Äußerungen von Politikern zu verfahren, war allerdings in der seriösen Medienlandschaft nie Usus.”

3. Chatbots fressen Klicks und Quellen auf
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Laut Tomas Rudl verdrängen KI-gestützte Suchmaschinen wie die Google-KI zunehmend den klassischen Zugang zu Informationen und verringern damit den Traffic für journalistische Quellen drastisch. Studien würden zeigen, dass Nutzerinnen und Nutzer seltener auf verlinkte Quellen klicken. Das gefährde die Wirtschaftlichkeit von Medienhäusern und schränke die Vielfalt im Netz ein. Gleichzeitig gewännen Inhalte von Akteuren mit politischen oder wirtschaftlichen Interessen an Einfluss.

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4. Medienkrise in Österreich: Wer wird noch Korruption aufdecken?
(profil.at, Franziska Schwarz)
Der österreichische Journalismus stecke in einer tiefen Krise. Stellenabbau, sinkende Reichweiten und schlecht gesteuerte Förderungen hätten zu einem historischen Tiefstand bei den Beschäftigten geführt. Ursachen seien wegbrechende Werbeeinnahmen, eine Abo-Müdigkeit, der Aufstieg KI-gestützter Suchsysteme und eine Förderpolitik, die an der Realität vorbeigehe.

5. Medienethiker warnt vor Propaganda in alternativen Medien
(fr.de, Florian Leclerc)
Der Wiener Medienethiker Luis Paulitsch habe auf der Frankfurter Buchmesse vor der wachsenden Wirkung alternativer Medien gewarnt, die oft nicht journalistischen Standards folgen und gezielt Propaganda verbreiten würden. Er nennt Beispiele von rechts wie “Tichys Einblick”, “Compact” oder “Nius”, aber auch linke Formate wie “Konkret”, und betont, der Begriff “alternativ” sei politisch nicht eindeutig. Am Fall der verhinderten Wahl der Verfassungsrichterin Frauke Brosius-Gersdorf zeige sich, wie stark solche Medien Debatten beeinflussen können. Paulitsch fordert Politik und Zivilgesellschaft auf, bei Förderung und Kommunikation klar zwischen seriösem Journalismus und Stimmungsmache zu unterscheiden.

6. »Das crazy« ist Jugendwort des Jahres
(spiegel.de)
“Das crazy” ist zum Jugendwort des Jahres 2025 gewählt worden. Die Floskel, die genutzt werde, wenn man sprachlos sei oder keine echte Antwort geben wolle, habe sich knapp gegen “goonen” und “checkst du” durchgesetzt. Bei der anonymen Onlinewahl seien angeblich rund zwei Millionen Stimmen von 11- bis 20-Jährigen abgegeben worden. Seit 2020 dürfe ausschließlich diese Altersgruppe über das Jugendwort abstimmen (“Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Teilnehmenden ihr Alter wahrheitsgemäß angeben”, so eine Sprecherin der von einem Verlag betriebenen Aktion).

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