Suchergebnisse für �’

Jan Ullrich und die Vielleicht-Journalisten

Wenn man bei “Zeit Online” nach “Jan Ullrich” sucht, findet man aus den vergangenen Wochen vier Beiträge.

Wenn man bei Stern.de sucht, findet man vierundfünfzig.

[Collage mit etwa zwei Dutzend Überschriften von Stern.de]

Als Ullrich nach seinem Ausraster auf Til Schweigers Grundstück erklärte, dass er nun eine Therapie machen wolle, erschien bei Stern.de:

Jan Ullrich - Nach dem Absturz will er eine Therapie machen

Und ein paar Stunden später:

Früherer Radprofi Jan Ullrich will nach Vorfall auf Mallorca Therapie machen

Und ein paar Stunden später:

Für seine Kinder: Jan Ullrich will eine Therapie machen

Als Ullrich ein paar Tage darauf nach einem mutmaßlichen Angriff auf eine Escort-Dame in Frankfurt festgenommen wurde, erschien bei Stern.de:

Jan Ullrich - Er wurde am Morgen in Frankfurt festgenommen

Und ein paar Stunden später:

Jan Ullrich in Frankfurter Luxus-Hotel festgenommen

Und ein paar Stunden später:

Ex-Radprofi Jan Ullrich in Frankfurt festgenommen

Und ein paar Stunden später:

Ex-Radprofi Jan Ullrich in Frankfurt festgenommen

In den Beiträgen (die von verschiedenen Agenturen stammen) steht zwar überall das gleiche, aber hey, mehr Artikel bedeuten schließlich: mehr Klicks.

Und viel mehr Artikel bedeuten viel mehr Klicks. Das weiß niemand besser als das Team von “Focus Online”. Ganze 65 Artikel hat das Portal in den zweieinhalb Jan-Ullrich-Skandal-Wochen veröffentlicht — fast doppelt so viele wie “Zeit Online” (4), “Spiegel Online” (12) und FAZ.net (19) zusammen. Und sogar deutlich mehr als Bild.de (43).

Denn “Focus Online” veröffentlicht nicht nur endlos Agenturmaterial, sondern auch Beiträge von anderen Medien. Zum Beispiel:

Dieser Inhalt wird bereitgestellt von Mallorca Magazin: Mit Bettlaken verhüllt und in Handschellen - Hier wird Jan Ullrich auf Mallorca zum Haftrichter gebracht

Von “GQ” nacherzählte Witze des “Postillon” nochmal recyceln. “Focus Online” weiß eben, wie man mit minimalem Aufwand maximale Klicks einfährt.

Aber: Hin und wieder macht die Redaktion tatsächlich mal was selbst.

Gefallener Radsport-Star - Hier wurde Jan Ullrich festgenommen: Meine Nacht im Frankfurter Luxus-Hotel - Erst Polizeigewahrsam auf Mallorca nach einer Rangelei auf dem Grundstück seines Villa-Nachbarn Till Schweiger, dann Zwangseinweisung in eine Psychiatrie, nachdem er eine Escort-Dame in einem Frankfurter Luxus-Hotel gewürgt haben soll: Die Ausfälle des gefallenen Radsport-Stars Jan Ullrich nehmen kein Ende. FOCUS-Online-Reporter Ulf Lüdeke hat eine Nacht später im selben Hotel übernachtet.

Da schläft also ein Reporter von “Focus Online” eine Nacht später im selben Hotel, und was passiert? Nix.

Wen man im Hotel zum Vorfall fragt, erklärt freundlich, nichts zu wissen.

Auch am Bar-Tresen, wo man normalerweise viel über das Leben in einem Hotel erfährt, halten sich die Angestellten bedeckt zu den Vorgängen der letzten Nacht.

Was macht der Reporter also? Setzt sich bis nachts an die Bar.

1.30 Uhr, Freitagnacht: Der allerletzte Gast ist aus der Bar verschwunden. Das Klirren der letzten Gläser, die vom Tisch geräumt werden, läutet den Feierabend für die Nachtschicht am Tresen ein. Der Fahrstuhl kommt so geräuschlos, wie der dichte Teppich jeden Schritt im Haus schluckt.

Aber damit “Focus Online” die “bis zu 6000 Euro”, die hier pro Nacht fällig werden, nicht völlig umsonst ausgegeben hat, schreibt er noch schnell:

Mein Deluxe-Zimmer ist hell und freundlich. 35 Quadratmeter Wohlfühlzone mit Sitzecke und schwerem Holzschreibtisch, ein elegantes Milchglasfenster lässt Licht in das riesige Badezimmer fallen.

Die Matratze vom Doppelbett ist dick und solide. Vielleicht war es genau dieses Bett, auf das sich Ullrich sich mit der Escort-Dame legte?

Vielleicht!

Und vielleicht darf sich der Reporter ja bald über ein Jobangebot der “FAZ” freuen, denn auch für die ist am wichtigsten, dass sie Zeilen gefüllt bekommt. Was drinsteht, ist wumpe:

Tweet von @hauckundbauer - Für Qualitätsjournalisten ist es z. Zt. nicht ganz leicht, den für die Jan-Ullrich-Berichterstattung vorgesehenen Platz auch vollzukriegen. Dazu ein Zeitungsausriss der FAZ: ... für eine Inhaftierung lägen nicht vor. Ullrichs Anwälte äußerten sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Überhaupt ist am Freitag von der Aufregung nichts mehr zu erahnen. Kaum vorstellbar, dass hier in dem Fünf-Sterne-Hotel an der Kennedyallee vor ein paar Stunden noch viel los war. Nun herrscht wieder Ruhe. Wochenend-Gäste checken ein, die Concierges nehmen ihnen die Koffer ab. Im Innenhof schützen Schirmae und ein Baum zwei Gruppen vor der Sonne. Ein Springprunnern plätschert, Wind fährt durch das Blumenbeet. Die einen trinken Kaffee, zwei Asiatinnen essen zu Mittag. Ihr Hund wedelt mit dem Schwanz - ermöchte auch etwas abhaben.

In welchem Ausmaß deutsche Onlinemedien sonst noch über Jan Ullrich berichtet haben, haben wir in dieser Übersicht (PDF, mit Links zu den jeweiligen Artikeln) zusammengestellt:

Dazu auch:

Gerichtlich verboten, Lustig entmündigt, Verlorengegangen

1. AfD-Mitarbeiter lässt Pressebericht verbieten
(deutschlandfunk.de, Thomas Wagner)
Die Stuttgarter Wochenzeitung “Kontext” hatte von Chat-Protokollen eines Mitarbeiters der baden-württembergischen AfD-Landtagsfraktion berichtet, der sich dort rassistisch geäußert haben soll. Dagegen wehrte sich der AfD-Mitarbeiter und beantragte beim Verwaltungsgericht eine Eilentscheidung auf Unterlassung. Begründung: Er sei gar nicht der Urheber des umstrittenen Chatprotokolls. Das Gericht entschied, dass “Kontext” zunächst nicht mehr über das Protokoll in Zusammenhang mit dem Mitarbeiter der AfD-Landtagsfraktion berichten darf. Die Wochenzeitung will nun in einem weiteren Verfahren die Echtheit der Chatprotokolle und die Autorenschaft des AfD-Mitarbeiters beweisen.

2. FDP-Politikerin “im Redaktionsablauf verlorengegangen”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das “heute journal” (ZDF) beschäftigte sich Ende letzter Woche in einem Beitrag mit dem Armutsrisiko bei Alleinerziehenden. Dort wurde als Beispiel eine 29-jährige Ex-Personalberaterin vorgestellt. Was verschwiegen wurde: Die Frau kandidiert für die FDP im Stimmkreis München-Mitte bei der bayerischen Landtagswahl. Dies sei “im Redaktionsablauf verlorengegangen”.

3. Der Mann, der behauptet, Hillary Clinton sei eine Kindermörderin
(sueddeutsche.de, Alan Cassidy)
Der ultrarechte Amerikaner und “Infowars”-Gründer Alex Jones verbreitet über diverse TV- und Radiosendungen allerlei wüste Verschwörungstheorien und Hetze. Bisher nutzte er dazu auch Soziale Netzwerke wie Facebook oder Youtube sowie Podcast- und Streaming-Plattformen wie Apples iTunes oder Spotify. Da in den USA die Meinungsfreiheit sehr weit ausgelegt wird (und Jones wahrscheinlich ein guter Traffic-Lieferant ist), ließen ihn die Technologiekonzerne einige Zeit gewähren, doch das ändert sich nun.

4. Wann dürfen Polizisten zu Hackern werden?
(spiegel.de, Patrick Beuth)
Seit ungefähr einem Jahr dürfen Strafverfolger in Deutschland heimlich in Computer und Smartphones eindringen, um Überwachungssoftware zu installieren. Dies wirft einige rechtliche Fragen auf und erzeugt Kritik. Gleich drei Organisationen wollen sich deshalb an das Verfassungsgericht wenden: Der Verein Digitalcourage, die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) sowie mehrere FDP-Politiker. Zu den Beschwerdeführern der GFF gehören die Journalisten Hajo Seppelt und Can Dündar, die davon ausgehen, immer wieder Ziel von Angriffen mit Überwachungssoftware zu sein.

5. Scheinriesen vor der Kamera
(faz.net, Hans Hütt)
Hans Hütt hat sich die letzten Sommerinterviews von ARD und ZDF angeschaut, und was er da gesehen hat, gefällt ihm gar nicht. Das Format sei zur Masche verkommen, das die entscheidenden Fragen umschiffe: “Das braucht niemand. Da kann man es auch gleich lassen.”

6. Rentner lustig entmündigt
(taz.de, Jean-Philipp Baeck)
Einige Medien berichteten mehr oder weniger launig über die beiden aus dem Altersheim “ausgebüxten” Männer, die das Wacken-Festival besuchen wollten und von der Polizei zurückeskortiert wurden. Jean-Philipp Baeck hinterfragt die dahinterstehende Denkweise und hat sich auch bei Polizei, Juristen und Medizinern umgehört.

Diskursvergifter, Auf Vivasehen!, Google befeuert Podcasts

1. “Echt guter Auftritt”
(zeit.de, Christopher Lauer)
Sind politische Talkshows ein Segen oder ein Fluch für die Demokratie? Muss man sie gar einstellen? Gegen die letzte Forderung wandte sich letzte Woche Sandra Maischberger in der “Zeit” und verteidigte, nicht ganz uneigennützig, das Format. Darauf antwortet nun Christopher Lauer, der Talkshows als Zuschauer, aber auch als Teilnehmer kennt. Lauer ruft zu einer Diskussion über die demokratische Kontrolle der Plauderrunden auf: “Einer solchen Debatte müssen sich auch die Macherinnen und Macher von Talkshows stellen. Es sei denn, um bei Sandra Maischberger zu bleiben, sie haben Angst vor Streit.”

2. Warum Googles neue App mehr ist als ein Podcast-Programm
(t-online.de, Marc Krüger)
Marc Krüger hat für “T-Online” aufgeschrieben, warum Googles neue Podcast-App eigentlich keine richtige App ist, sondern eine neue Strategie: “Google hat nicht nur eine neue App veröffentlicht, sondern eine neue Chance geschaffen, Podcasts und Audios im Internet zu finden. Damit wird die Dominanz von Text und Video vielleicht nicht beendet, aber es gibt eine neue Bühne für alle, die Podcasts hören, entdecken oder machen wollen. Dass Google dabei das Quasi-Monopol von Konkurrent Apple angreift, könnte ein willkommener Nebeneffekt sein.”

3. Wir sagen auf Vivasehen!
(faz.net)
25 Jahre nach seiner Gründung stellt der Musiksender Viva sein Programm ein: Zum Jahresende ist Schluss! Bei der “FAZ” verabschieden sich einige Redakteure und Redakteurinnen mit persönlichen Erinnerungen an den Musiksender. Und auch Anne Fromm von der “taz” erinnert mit einem persönlichen Nachruf an den Musiksender.
Weiterer Lesetipp: “Horizont” hat mit dem Viacom-Manager Mark Specht darüber gesprochen, warum und wie es ohne Viva weitergeht: Viacom stellt Viva ein (Juliane Paperlein)

4. 800 Millionen Twitter-Beiträge analysiert: Abends wirds emotional und impulsiv
(heise.de)
Forscher der Universität Bristol haben 800 Millionen Tweets mit insgesamt sieben Milliarden Worten ausgewertet und kategorisiert. Dabei sind ihnen zeitliche Zusammenhänge aufgefallen: So gehe es morgens rationaler und gesitteter und abends emotionaler und impulsiver zu.

5. Face­book und die Toten
(lto.de, Bastian Biermann)
Seit Jahren streitet eine Mutter mit Facebook um den Zugang zum Facebook-Account ihrer verstorbenen Tochter. Nun bahnt sich die Entscheidung an: Am 12. Juli spricht der BGH sein Urteil. Es geht dabei auch um den Konflikt zwischen Erbrecht und Telekommunikationsrecht. Der Autor und Jurist Bastian Biermann hat am Ende seiner Einordnung einen wichtigen Tipp parat: “Solange es nur bei der Rechtsprechung des BGH bleiben sollte und sich Provider ohne ausdrücklicher gesetzlicher Regelung weiterhin zur Herausgabe von Daten des Erblassers weigern sollten, ist es unvermeidbar, sich zu Lebzeiten zu überlegen, ob und wem die eigenen Daten — sowohl im Falle des Eintritts einer Geschäftsunfähigkeit als auch im Falle des Todes — zur Verfügung stehen sollen.”

6. Roseanne soll ohne Roseanne weitergehen
(sueddeutsche.de)
Roseanne soll ohne Roseanne weitergehen? Nicht ganz, aber der amerikanische TV-Sender ABC plant einen Spinoff, der sich um den Rest der fiktiven Familie Conner drehen soll. Die ehemalige Hauptdarstellerin habe dem Projekt unter Verzicht etwaiger finanzieller Ansprüche zugestimmt, um die Jobs der rund 200 Ensemble- und Crewmitglieder zu retten.

Der “MDR” und der grausige Tweet, Abgehefteter Hass, Bahnbabo

1. MDR-Sendung platzt nach rassistischem Tweet
(tagesspiegel.de, Matthias Meisner)
“Darf man heute noch “Neger” sagen? Warum Ist politische Korrektheit zur Kampfzone geworden?” So lautete die verstörende Ankündigung einer Radiodiskussion mit der früheren AfD-Chefin Frauke Petry, dem Moderator Peter Hahne, der sächsischen Linke-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz und dem Leipziger Politikwissenschaftler Robert Feustel. Nachdem es auf Twitter zu einem Shitstorm kam und zwei Diskussionspartner absagten, sagte der MDR die Sendung ab.

Für alles Weitere zum Ablauf des Geschehens samt unglücklicher MDR-Kommunikation siehe unseren Beitrag: MDR diskutiert mit Weißen über Rassismus gegenüber Schwarzen (bildblog.de, Moritz Tschermak).


2. Schreit es weg!
(sueddeutsche.de, Willi Winkler)
“National Enquirer” heißt das Klatschblatt, das in ganz Amerika strategisch günstig neben der Supermarktkasse ausliegt. Sämtliche Promis müssen damit rechnen, irgendwann einmal ins Visier der Boulevardzeitung zu geraten. Nur einer scheint sicher: Donald Trump. Und das liegt an der engen Freundschaft von Trump und David J. Pecker, dem Verleger des Revolverblatts.

3. Virtueller Hass, säuberlich sortiert
(spiegel.de, Melanie Amann & Marcel Rosenbach)
Wer rechtswidrige Posts in sozialen Netzwerken entdeckt und vergeblich versucht hat, eine Löschung zu bewirken, kann sich an das Bundesamt für Justiz in Bonn wenden. Melanie Amann und Marcel Rosenbach vom „Spiegel“ haben die Behörde besucht, bei der die Beschwerden fein säuberlich in blauen Aktenmappen landen. Und mussten als externe Besucher zunächst die vorgeschriebene Sicherheitseinweisung für den Paternoster überstehen.

4. Der Mann, der kein Spion war: Wie sich das Leben des Baslers nach falschen Vorwürfen verändert hat
(bzbasel.ch, Annika Bangerter)
Der türkischstämmige Basler Y. S. soll als Polizeiassistent für Erdogan spioniert haben, doch die Vorwürfe erwiesen sich als haltlos. Die öffentliche Wahrnehmung war jedoch eine andere, auch durch die Medienberichte. „bz Basel“ hat mit Y.S. darüber gesprochen, wie die falsche Spitzel-Geschichte sein Leben verändert hat: „Der Spion bleibt an mir haften, ich bin abgestempelt. Bis heute meide ich deshalb Örtlichkeiten, an denen sich viele Menschen aufhalten. Ich will nicht, dass sich jemand durch meine Anwesenheit provoziert fühlt oder gar das Gefühl hat, sich beweisen zu müssen. Im Sinne von: «Jetzt zeigen wir es dem Spion.» Eine solche Situation eskaliert schnell.“

5. Investigative Filmemacher und die Haftungsfrage
(ndr.de, Sabine Schaper)
Bei den in der ARD ausgestrahlten investigativen Dokumentationen, auf die der Sender so stolz ist, handelt es sich um Auftragsproduktionen, hinter denen freie Produzenten stecken. Als kleine Firmen legen sie sich oft mit den großen Playern aus Politik und Wirtschaft an und setzten sich einem erheblichen Risiko aus, verklagt und in den finanziellen Ruin getrieben zu werden. Was helfen könnte: Neue Verträge.

6. Alles gechillt beim Bahnbabo
(fr.de, Kathrin Rosendorff)
Peter Wirth (57) ist Straßenbahnfahrer, Social-Media-Star und eine Berühmtheit in Frankfurt: Er ist der durchtrainierte, muskelgestählte und von allen geliebte „Bahnbabo“.

Hart aber Unfair, “Bild”s SPD-Hund, Maximal dumme CEOs

1. Ein Fall für den Presserat
(faz.net, Hans Hütt)
Sowohl „FAZ“ als auch „taz“ sind sich einig in ihrer Kritik der letzten Ausgabe von „Hart aber Fair“ (ARD). Die Fälle, über die Frank Plasberg in seiner Sendung über eine überlastete Justiz diskutierte, seien schrecklich. Noch schrecklicher aber sei es, dem „gesunden Rechtsempfinden“ Vorschub zu leisten. Die Sendung hätte ihren Informationsauftrag verfehlt, was auch an den mitunter suggestiven Fragen des Gastgebers gelegen hätte. Die Aussagen von „Bild“-Chef Julian Reichelt hält “FAZ”-Autor Hans Hütt gar für einen Fall für den Presserat.
Christoph Kammenhuber sieht es in der „taz“ ähnlich: Dem Moderator Frank Plasberg fehle es an juristischem Fingerspitzengefühl, er agiere als Vertreter des „gesunden Volksempfindens“ und mache Stimmung gegen die Justiz.

2. SPD wendet sich wegen “Bild”-Bericht an Presserat
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Die SPD geht juristisch gegen die Behauptung der „Bild“ vor, ein Hund könne über die GroKo abstimmen. „Bild“ hatte das Tier als SPD-Mitglied angemeldet, die Abstimmungsunterlagen für den Mitgliederentscheid über den Eintritt in die Große Koalition bekommen und das Ganze publizistisch ausgeschlachtet. Was „Bild“ verschwieg: Für eine gültige Stimmabgabe muss dem Wahlzettel eine unterschriebene eidesstattliche Erklärung beigefügt werden.

3. Newsletter statt Blog?
(1ppm.de, Johannes Mirus)
Johannes Mirus hat sich auf Twitter umgehört, warum viele Menschen lieber persönliche Newsletter versenden, statt ein Blog zu führen. Die Antworten hat er in einem Blogartikel zusammengefasst. Manche Newsletterversender folgen einfach nur dem allgemeinen Trend, andere schätzen das ausgesuchte Zielpublikum. An möglichen Gründen wurde auch die Bequemlichkeit der Empfänger genannt und das Gefühl, Teil einer “elitären Gruppe” zu sein.

4. Ralf Höcker kritisiert PR-Profis: Warum Homestorys tabu sein sollten
(kress.de, Marc Bartl)
Wenn ein Vorstandsvorsitzender einem Magazin verrät, dass er im Winter fast jedes Wochenende zum Skifahren in die Berge fährt und ein passendes Foto beisteuert, hält Medienanwalt Ralf Höcker das aus presserechtlicher Sicht für „maximal dumm“. Höcker weiter: „Wer sich selbst öffnet, opfert einen Teil seiner Persönlichkeitsrechte. Homestorys sind deshalb tabu. Diese bescheuerten Fragebögen, in denen man erklärt, welche Bücher man mit auf eine einsame Insel nimmt, sind tabu. Man redet auch nicht über seine Familie. Wenn ein CEO sich mit seinem Auto, seiner Frau und seinen Haustieren fotografieren lässt und erzählt, wie toll sein Familienleben ist, und er drei Monate später besoffen aus dem Puff kommt und einen Hund tot fährt, kann er den Bericht darüber in der “Bild” natürlich nicht mehr verhindern. Ansonsten wäre ein solcher Artikel durchaus verbietbar gewesen.“

5. Auf dem Weg zum Blockbuster-Journalismus
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
In Amerika experimentieren große Medienhäuser wie die „New York Times“ und „Washington Post“ mit Augmented- und Virtuality-Reality-Lösungen. Adrian Lobe schreibt in der „Medienwoche“ über Chancen und Risiken der neuen Technologien.

6. Dichotom-Energie
(dirkhansen.net)
Dirk Hansen philosophiert über die Gründe einer zunehmend aggressiver werdenden Mediengesellschaft: „Wir streiten weit unter unserem Skalen-Niveau. Weil wir die Debatten quasi mit Dichotom-Energie anheizen. Und das ist gefährlich dumm. Denn die Verhältnisse werden schwer kalkulierbar, wenn wir nur mit „gleich/ungleich“ rechnen können.“

Deniz Yücel 365 Tage in Haft: Jahres-Chronologie und Leseliste zu einem Fall, den es nicht geben dürfte

Ein Drama, zu dem wir nicht schweigen dürfen
(spiegel.de, Hasnain Kazim)
In der Türkei werden seit Jahren Journalisten eingeschüchtert, verfolgt und eingesperrt. Nun hat es den Journalisten Deniz Yücel erwischt, der lange Jahre für die “taz” tätig war und seit einiger Zeit für die “Welt” berichtet. Offensichtlich hat der Türkei seine kritische Berichterstattung über den Umgang der türkischen Regierung mit den Medien nicht gefallen. Hasnain Kazim plädiert im “Spiegel” für Klartext: “Es ist an der Zeit, deutliche Worte zu finden und politische und wirtschaftliche Konsequenzen folgen zu lassen auf das, was in der Türkei geschieht: die Abschaffung von Demokratie und Freiheitsrechten.”
(Nur lesen, wenn genügend Beruhigungstee in der Nähe: Michael Martens empfiehlt in der “FAZ” deutschen Verlagen ihre Entsendungspolitik zu überdenken und fragt, ob es gut sei, ein Land zu lieben, über das man berichtet. Außerdem fallen noch weitere verstörende Äußerungen wie “Die Verlage schulden den Lesern Journalisten, nicht Türken vom Dienst.”)

Deniz’e özgürlük! Freiheit für Deniz!
(change.org, Shahak Shapira)
Seit gestern sitzt der Journalist Deniz Yücel nicht mehr nur in Polizeihaft, sondern in Untersuchungshaft, nachdem ein Untersuchungsrichter dem Antrag der türkischen Staatsanwaltschaft gefolgt ist. Als kleines Zeichen der Unterstützung für Yücel könnten Sie sich an der von Shahak Shapira gestarteten Petition beteiligen. Dazu auch: Die “Reporter ohne Grenzen” fordern: “Deniz Yücel sofort freilassen”.

Deniz Yücel – das Haftprotokoll
(welt.de, Deniz Yücel)
Es gibt Neuigkeiten vom “Welt”-Korrespondenten Deniz Yücel, der sich seit dem 14. Februar im “türkischen Polizeigewahrsam” befindet (eine viel zu wohlklingende Umschreibung für “im Knast eingesperrt”). Yücel darf zwar in seiner Zelle nicht schreiben, hat aber seinen Verteidigern einen Bericht in den Block diktiert. Ein Haft-Protokoll, das deutlich macht, wie unzumutbar und unwürdig die Haftbedingungen für die Inhaftierten sein müssen und ahnen lässt, was alles in Yücel vorgehen mag.

Warum die türkische Regierung solche Angst vor Deniz Yücel hat
(vice.com, Matern Boeselager)
Auf “Vice” fragt sich Matern Boeselager, warum die türkische Regierung solche Angst vor Deniz Yücel habe. Yücels unangepasste und unbequeme Art und natürlich seine Texte seien es, die ihm schon in der Vergangenheit Ärger beschert hätten: “Deniz Yücel wusste also, dass er ein hohes Risiko einging, indem er weiter aus der Türkei über die Türkei berichtete, was er für die Wahrheit hielt. Dass er trotzdem immer weiter macht, ist genau der Grund, warum die türkische Regierung solche Angst vor ihm hat.”
PS: “taz.de” hat sechs Briefe von Kollegen und Freunden an Deniz Yücel veröffentlicht.

Intellektueller und moralischer Auffahrunfall
(welt.de, Sascha Lehnartz)
Der Kommentar des “FAZ”-Korrespondenten Michael Martens zum Fall des festgenommenen Türkei-Korrespondenten der “Welt” Deniz Yücel hat viele Leser vor den Kopf gestoßen und für Entsetzen und Unverständnis gesorgt. Sascha Lehnartz hat nun in der “Welt” geantwortet und bezeichnet die Ausführungen des Kollegen, den er ansonsten schätze, als “intellektuellen und moralischen Auffahrunfall”. Und erklärt, warum genau sich der Kollege seinen Kommentar besser hätte sparen sollen.
PS: Knut Kuckel hat auf dem Nachrichtenportal “Journalistblog” Reaktionen von Behörden und Medien zusammengefasst und erklärt die Zusammenhänge.

Erdogan bezeichnet Deniz Yücel als Terror-Helfer
(faz.net)
Die jüngsten Äußerungen des türkischen Präsidenten Erdogan über den inhaftierten “Welt”-Journalist Deniz Yücel lassen Schlimmes befürchten. Jedenfalls ist die Hoffnung auf eine baldige Freilassung Yücels erstmal in weite Ferne gerückt. Yücel sei ein Terror-Helfer und werde vor Gericht gestellt: „Gott sei Dank ist er festgenommen worden.“

Vorverurteilung von höchster Stelle
(reporter-ohne-grenzen.de)
„Reporter ohne Grenzen“ verurteilt die Äußerungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Fall des in der Türkei in Untersuchungshaft sitzenden Korrespondenten Deniz Yücel: „Präsident Erdogan hat mit seinen gravierenden, durch nichts belegten Anschuldigungen jeden noch so kleinen Rest Hoffnung auf eine rechtsstaatliche Behandlung von Deniz Yücel zunichte gemacht. Spätestens nach dieser unentschuldbaren Vorverurteilung von höchster Stelle ist an ein faires Gerichtsverfahren nicht mehr zu denken. Schon alleine deshalb muss Deniz Yücel sofort freigelassen werden.”

Offener Brief an Staatspräsident Erdogan
(welt.de, Ulf Poschardt)
„Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt appelliert in einem offenen Brief an den türkischen Staatspräsidenten, Deniz Yücel freizulassen. “Ich glaube, die Türkei und Deutschland verbindet viel. Nicht nur Millionen von Bundesbürgern mit türkischen Wurzeln, die häufig wie Deniz die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, sondern auch eine wechselvolle Geschichte, in der es beiden Seiten am besten ging, wenn gemeinsame Interessen gewürdigt und gepflegt wurden. Das augenblickliche Verhältnis spiegelt nicht wider, was unsere beiden Länder verbindet. Sie können das ändern. Sie vor allem.”

2. Kluger Kotau
(taz.de, Georg Löwisch)
Demutsgesten der freien Presse gegenüber ihren Gegnern seien gefährlich, doch der Brief von “Welt”-Chef Poschardt an Erdogan sei richtig, so “taz”-Chefredakteur Löwisch: “Sein Ziel ist es, Deniz Yücel freizubekommen, den der Autokrat als Geisel genommen hat. Der Chefredakteur verspricht nichts, er entschuldigt sich nicht. Er macht sich allerdings klein, damit sich Erdoğan größer machen kann. Er setzt darauf, dass der Präsident vom Bild des starken Mannes lebt, der jedes Armdrücken gewinnen muss.”

Deniz Yücel ruft zu Solidaritäts-Abos für türkische Zeitungen auf
(welt.de, Deniz Yücel)
Aus dem Gefängnis von Silivri übermittelt Deniz Yücel eine Botschaft an seine Unterstützer, seine Leser – und seine Heimatstadt: „Ich habe eine Bitte: Eine der ersten Sachen, die ich in diesem Gefängnis gemacht habe, war, die Tageszeitungen „Cumhuriyet“, „Birgün“ und „Evrensel“ zu abonnieren. Ich lade Sie dazu ein, ebenfalls diese Zeitungen oder eine der wenigen verbliebenen und in jeder Hinsicht unter Druck stehenden unabhängigen Medien zu unterstützen.“

Deniz Yücel seit 100 Tagen im Gefängnis
(reporter-ohne-grenzen.de)
Der von den türkischen Behörden inhaftierte Deniz Yücel verbringt am heutigen Mittwoch seinen 100. Tag im Gefängnis. Anlass für “Reporter ohne Grenzen” nochmal die umgehende Freilassung zu fordern und an die anderen inhaftierten Journalisten zu erinnern. Weitere Leseempfehlung: Die “taz” hat einen Offenen Brief der #FreeDeniz-Unterstützerin Doris Akrap an Bundeskanzlerin Angela Merkel veröffentlicht.

Sich mit Deniz Yücel gemein machen? Aber ja!
(rnd-news.de, Ulrike Simon)
Die ARD konnte sich nicht zu einer Aktion für den inhaftierten Journalisten Deniz Yücel durchringen und begründete dies mit dem oft strapazierten Hanns-Joachim-Friedrichs-Zitat, wonach sich ein Journalist mit nichts gemein zu machen habe, auch nicht mit einer guten Sache. Medienkolumnistin Ulrike Simon hat einige der bekanntesten Kollegen, die Friedrichs gut kannten beziehungsweise sich in seiner Tradition sehen, um eine Stellungnahme gebeten. Darunter Thomas Roth, Claus Richter, Dagmar Reim, Nikolaus Brender, Stephan Lamby und Christoph Fröhder.

Flaggezeigen unerwünscht
(taz.de, René Martens)
Auf Anregung des “NDR” sollten die ARD-Intendanten am Internationalen Tag der Pressefreiheit einen offenen Brief für Deniz Yücel im Fernsehen vorlesen. Doch das Vorhaben kam, angeblich nach einer Intervention des ARD-Chefredakteurs, nicht zustande. René Martens kommentiert: “Dass die ARD nicht einmal in der Lage ist, sich auf etwas Selbstverständliches zu einigen und Flagge zu zeigen, wenn es um Menschenrechtsverletzungen gegen einen Journalisten aus Deutschland geht, ist allemal besorgniserregend. Wie die Intendanten agieren, wenn wirklich einmal ein kontroverses Thema auf der Agenda steht, mag man sich gar nicht vorstellen.”

„Alles, was ich verlange, ist ein fairer Prozess“
(welt.de, Deniz Yücel)
Der “Welt”-Korrespondent Deniz Yücel sitzt in der Türkei seit vielen Wochen in Einzelhaft. Die Tatvorwürfe sind in höchstem Maße zweifelhaft. Der türkische Präsident Erdogan redet von Spionage und Terrorismus. Nun meldet sich Yücel mit einem Brief, den er seinen Anwälten bei einem Besuchstermin diktiert hat. Er wolle keineswegs “ausgeliefert” werden, sondern verlange einen fairen Prozess.

„Wenn Deniz schreibt, lebt er in einer anderen Welt“
(welt.de, Hilal Köse)
Die türkische Zeitung „Cumhuriyet“ hat mit Dilek Mayatürk Yücel gesprochen, die seit April mit dem in der Türkei inhaftierten Denis Yücel verheiratet ist. Im Interview geht es um die Haftbedingungen, aber auch um Gefühle. So endet das Gespräch mit einem Liebesgedicht und den an Denis Yücel gerichteten Worten: „Ich liebe dich sehr. Ich küsse deinen Edelmut. Und bitte, rauch nicht so viel, okay?“

Türkei-Korrespondent müsste man jetzt sein…
(welt.de, Deniz Yücel)
Der Türkei-Korrespondent der “Welt” Deniz Yücel befindet sich seit März 2017 in Einzelhaft. Seinen Anwälten hat er diktiert, was man so alles zum Thema Türkei schreiben müsste. Und das ist eine ziemliche Menge… Yücels Schlusssätze: “Als Journalist könnte ich mir in diesen Tagen keine interessantere und als Bürger dieses Landes keine sinnvollere Aufgabe vorstellen als diese. Ich sag’s ja: Türkei-Korrespondent müsste man jetzt sein. Journalismus ist schließlich kein Verbrechen.”

Ein Umstand mit Geschmäckle
(taz.de, Silke Burmester)
Die Entwicklungen in der Türkei mit den zahlreichen Repressionen gegen Journalisten, Juristen und Andersdenkende haben dem Image des Landes naturgemäß geschadet. Türkische Wirtschaftsorganisationen klappern nun die Anzeigenabteilungen deutscher (und ausländischer) Medienhäuser ab und winken mit Geld für großformatige Imageanzeigen mit propagandistischem Einschlag. Im Falle der “Welt”, deren Korrespondent Deniz Yücel sich seit Februar in der Türkei in Haft befindet, besonders problematisch. Selbst wenn man sich auf eine Trennung von Redaktion und Anzeigenabteilung berufe: “Die Bigotterie, dass Verlage, die sich für Demokratie und Pressefreiheit einsetzen, die noch dazu für die Freilassung ihrer Mitarbeiter kämpfen, an den Imagebeilagen der undemokratischen Staaten verdienen, bleibt.” Beim “Deutschlandfunk” hat Silke Burmester noch mal zum Thema nachgelegt.

Macht mehr Laune als ein Autokorso
(faz.net, Oliver Jungen)
In Köln fand eine prominent besetzte Solidaritätsveranstaltung für Deniz Yücel statt. Günter Wallraff, Oliver Welke, Thomas Gottschalk und Olli Dittrich trugen Texte des von der Türkei inhaftierten Journalisten vor. “FAZ”-Autor Oliver Jungen war angetan von der Aktion: “Leichten Herzens verließ man diese Veranstaltung, die nicht nur gezeigt hat, wie wichtig öffentliche Aufmerksamkeit für die Verfolgten und Inhaftierten in Unrechtsregimen ist, sondern auch, welche gesellschaftsbildende Macht im Humor steckt.”

Ein Glück, dass es Deniz gibt
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Silke Burmester fühlt sich hin- und hergerissen, wenn es um die Berichterstattung über die in der Türkei inhaftierten Journalisten geht. Alle würden immer nur von Deniz Yücel reden, von den meisten anderen inhaftierten Kollegen aber spreche kein Mensch. “Ja, das ist blöd. Und vielleicht auch nicht fair. Aber auf der anderen Seite ist es auch für sie ein Glück, dass es Deniz gibt. Deniz, der so ein Krawallo ist, so ein journalistischer Hau-Drauf, der so viele Jahre Redakteur bei der “taz” war, dass er ein Heer an Freunden und Kollegen hat, die jetzt so laut für ihn trommeln und ihn zum Gesicht des Widerstandes gegen Erdogans Journalisten-Plattmache erheben.”

Sofortige Freilassung von Deniz Yücel gefordert
(deutschlandfunkkultur.de, Katrin Heise)
Der Journalist Deniz Yücel („Welt“) befindet sich seit nunmehr über 200 Tagen in türkischer Haft. Lea Deuber von “journalists.networks” hat einen offenen Brief an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gestartet, den 14 Journalistenorganisationen unterstützen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk spricht Deuber über ihre Beweggründe und Hoffnungen.
Weiterer Lesetipp: “Moralische Appelle reichen nicht mehr aus” auf Welt.de.

Deniz Yücels Anwälte gehen vor das Verfassungsgericht
(welt.de)
Nachdem der „Welt“-Korrrespondent Deniz Yücel bereits mehrere Wochen inhaftiert ist, sind seine Anwälte nun vor das türkische Verfassungsgericht gezogen. Die Inhaftierung Yücels verletze „sein Recht auf körperliche Unversehrtheit und seine persönliche Freiheit, das Recht auf ein faires Verfahren, sein Recht auf die Unschuldsvermutung, sein Recht auf Schutz vor Verleumdung, das Recht auf Privatsphäre und freie Kommunikation sowie seine Meinungsfreiheit“. Deutsche Botschaftsvertreter haben unterdessen weiterhin keinen Zugang zu Yücel, obwohl von Seiten der Türkei eine konsularische Betreuung zugesichert worden war.

“Der Fall Yücel sollte kein Politikum sein”
(welt.de, Daniel-Dylan Böhmer)
“Welt”-Korrespondent Deniz Yücel sitzt nun seit mehr als 250 Tagen im Gefängnis. Eine Anklageschrift gibt es noch immer nicht. Daniel-Dylan Böhmer hat mit Yücels Anwalt Veysel Ok gesprochen, der seinen Mandanten regelmäßig besucht und der durchaus Hoffnung hat, dass der Fall Yücel noch juristisch zu lösen ist. Am Ende des Interviews gibt es alle nötigen Informationen, wie man Deniz Yücel einen Brief zukommen lassen kann — auf Deutsch oder auf Türkisch.

Preis für Pressefreiheit: Deniz Yücel und Asli Erdoğan ausgezeichnet
(dw.com)
Die türkische Autorin Asli Erdoğan und der inhaftierte Journalist Deniz Yücel erhalten den Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien. Die Wahl der Preisträger sei eine Solidaritätsbekundung der Medienstiftung mit allen Journalisten in der Türkei, die wegen ihres Eintretens für eine freie Berichterstattung unterdrückt werden.

Türkische Opposition stellt Parlamentsanfrage wegen Deniz Yücel
(welt.de)
Mehr als sieben Monaten befindet sich der Journalist und “Welt”-Korrespondent Deniz Yücel schon in Einzelhaft. Nun hat ein Abgeordneter der größten türkischen Oppositionspartei CHP im Parlament in Ankara eine kleine Anfrage gestellt, in der es u.a. heißt: “Warum wird gegen den Journalisten Deniz Yücel keine Anklageschrift erstellt, obwohl er vor rund neun Monaten in Polizeihaft genommen wurde? Warum wird Deniz Yücel in Isolationshaft gehalten und ihm eine gemeinsame Unterbringung mit anderen Gefangenen nicht gestattet?”

Klagt mich endlich an
(taz.de, Doris Akrap)
Doris Akrap ist „taz“-Redakteurin und enge Freundin des in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel. Sie kennt ihn seit dem Abitur in den frühen Neunzigern. Nun hat sie ihn auf ungewöhnliche Weise interviewt: „Meine Fragen habe ich schriftlich über Deniz’ Anwälte gestellt und Deniz hat sie über die Anwälte schriftlich beantwortet. Meine Rückfragen und seine Antworten dazu gingen dann auf demselben Weg noch zwei Mal hin und her. Dazwischen lagen jeweils mehrere Tage.“ Yücel wartet bereits seit acht Monaten auf seine Anklageschrift. Er wünscht sich: „Ich will einen fairen Prozess. Und den am besten gleich morgen. Nicht mehr. Nicht weniger.“

Politisches Rauchen
(taz.de, Raphael Piotrowski)
Am Dienstagabend pünktlich um 18 Uhr füllte sich der Bürgersteig vor dem “taz”-Gebäude in der Rudi-Dutschke-Straße in Berlin mit Protestrauchern, die damit an den ehemaligen “taz”- und heutigen “Welt”-Autoren und passionierten Raucher Deniz Yücel erinnern wollten. Und an seine fortdauernde Haft in der Türkei. Auch vor dem “Spiegel”-Redaktionsgebäude in Hamburg hätten Kollegen solidarisch für Deniz Yücel gequalmt.

Deniz Yücel ist nicht mehr in Einzelhaft
(welt.de, Daniel-Dylan Böhmer)
Gute Nachrichten aus der Türkei: Deniz Yücel befindet sich zwar immer noch in Haft, ist jedoch in eine Zelle verlegt worden, die über einen kleinen Innenhof mit zwei anderen Zellen verbunden ist. Nach 290 Tagen Einzelhaft ist ihm damit zumindest der Kontakt zu einem Mitgefangenen möglich, dem Journalisten Oguz Usluer, der für die türkische Tageszeitung “Habertürk” gearbeitet hat. Nach wie vor freut sich Yücel über Post, die zur Übersetzung ins Türkische an die “Welt” gesendet werden kann.

“Wir sind ja nicht in einer lustigen Netflix-Serie”
(welt.de, Deniz Yücel)
Seit 300 Tagen sitzt der Journalist Deniz Yücel nun bereits ohne Anklage in einem türkischen Gefängnis. In einem offenen Brief schildert er seinen Alltag und die Umstände seiner Haft. Post erreicht ihn sporadisch, wenn sie die anstaltseigene “Brief-Lese-Kommission” an ihn weiterleitet. Da Yücel seinen Briefschreibern nicht direkt antworten kann, ist sein Bericht eine Art Sammelantwort geworden, voller Witz, Charme und Liebenswürdigkeit. Weiterer Lesetipp: “Mehr als 200 Prominente fordern Freiheit für Deniz Yücel” (“SZ”).

Deniz Yücel lehnt „schmutzige Deals“ für seine Freilassung ab
(faz.net)
Der weiterhin in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel lehnt einen etwaigen Tauschhandel zwischen Berlin und Ankara für seine Freilassung ab. Er wolle seine Freiheit nicht „mit Panzergeschäften von Rheinmetall oder dem Treiben irgendwelcher anderen Waffenbrüder befleckt wissen“. Auch wolle er keinen etwaigen Austausch mit Anhängern der Gülen-Bewegung, nach denen die Türkei fahndet. Yücel wörtlich: „Für schmutzige Deals stehe ich nicht zur Verfügung!“

Gibt es einen schmutzigen Deal?
(faktenfinder.tagesschau.de, Arnd Henze)
Ist die Freilassung des “Welt”-Journalisten Deniz Yücel an Rüstungsexporte in die Türkei gebunden, wie man Äußerungen von Außenminister Sigmar Gabriel entnehmen kann? Was hat der Minister tatsächlich gesagt? Wie ist es interpretiert worden? Wie überzeugend sind seine späteren Dementis und Erklärungen? Arnd Henze vom ARD-Hauptstadtstudio sortiert und kommentiert den Vorgang.

Es reicht!
(zeit.de, Özlem Topçu)
Der Türkei-Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“, Deniz Yücel, sitzt seit bald einem Jahr in türkischer Untersuchungshaft. „Es reicht!“, findet seine Kollegin Özlem Topçu, wünscht sich jedoch eine ausgewogene Berichterstattung, die sich ein mehrdimensionales Bild der Türkei macht: „Das Demokratieproblem in der Türkei beschränkt sich nicht auf die Regierung. Die anderen 50 Prozent, die Erdogan-Gegner, sind nicht automatisch die Verfechter der Demokratie in diesem Land. Sie sind vielmehr eine Feel good- Projektion, während die Demokraten zwischen den Lagern zerrieben werden und viele unserer Journalistenkollegen immer noch unter immensen Repressionen ihre Arbeit machen.“

Politische Geiselhaft von Deniz Yücel beenden
(reporter-ohne-grenzen.de)
Mit dem morgigen Tag befindet sich Deniz Yücel ein Jahr in Haft. Der bevorstehende Jahrestag ist für „Reporter ohne Grenzen“ ein Anlass, die türkische Justiz erneut aufzufordern, den deutsch-türkischen Journalisten freizulassen: „Die fast ein Jahr anhaltende politische Geiselhaft von Deniz Yücel ist unerträglich. Dass immer noch keine Anklageschrift vorliegt und die türkische Justiz an den haltlosen Anschuldigungen festhält, ist eine Schande für die Türkei.“

Ein Jahr Unfreiheit – Deniz Yücel muss endlich raus
(neuemedienmacher.de)
Die „Neuen deutschen Medienmacher“ sind ein bundesweiter unabhängiger Zusammenschluss von Journalisten und Journalistinnen mit und ohne Migrationsgeschichte. In einem offenen Brief fordern sie die Bundesregierung auf: „Seit einem Jahr sitzt unser Kollege Deniz Yücel in türkischer Haft. Wir finden: es reicht! Er hätte nie dort landen dürfen – und viele seiner Kolleg*innen auch nicht.“

365 ungeheuerliche Tage
(spiegel.de, Hasnain Kazim)
Zum Jahrestag von Deniz Yücels Festnahme kommentiert Hasnain Kazim: „Yücel macht mit seiner unbeugsamen Haltung und seinen mutigen Aussagen, die seine Haftzeit nicht unbedingt verkürzen dürften, eines ganz deutlich: Rechtsstaatliche Prinzipien sind keine Basarware, über die man beim Tee verhandeln könnte. Wir beugen uns nicht! Kritik an der türkischen Regierungspolitik darf nicht verstummen.“

Ohne Pressefreiheit kein Journalismus
(dwdl.de)
Zum Jahrestag setzt „DWDL“ die Berichterstattung aus und hat die Webseite temporär deaktiviert.

“Wer das für Terrorpropaganda hält, der kann nicht lesen”
(sueddeutsche.de, Luise Checchin)
Heute erscheint Deniz Yücels neues Buch “Wir sind ja nicht zum Spaß hier“, das er aus der Haft heraus veröffentlicht. Herausgeberin Doris Akrap erzählt im Interview, wie man mit einem Mann im Hochsicherheitsgefängnis kommuniziert.

157 Journalistinnen und Journalisten sind aktuell in der Türkei inhaftiert.
(twitter.com, Ann-Kathrin Hipp)
Journalistin Ann-Kathrin Hipp listet alle 157 Journalistinnen und Journalisten auf, die derzeit in der Türkei in Haft sitzen. Jede/Jeder Einzelne verdient unsere Aufmerksamkeit.

#FreeDeniz #FreeThemAll

Selbstenthüllung, Kinderbastelstunde, Schelte und Replik zur Causa “Wedel”

1. Matthias Matussek enthüllt selbst erfundenen Skandal der Flüchtlingspolitik
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Es ist eine Entwicklung, die einen etwas ratlos macht: Matthias Matussek, der früher in leitenden Positionen bei „Spiegel“ und „Welt“ tätig war, scheint dauerhaft ins Verschwörungslager gewechselt zu sein. Aktuell verbreitet er die Behauptung, hinter der Aufnahme von Flüchtlingen stecke in Wahrheit ein groß angelegtes und lang geplantes Programm des Bevölkerungsaustausches in Mitteleuropa. Natürlich von den Medien absichtlich verschwiegen oder um es im Matussekschen-Lügenpresse-Deutsch auszudrücken: „Diese öffentlich verifizierbaren Fakten werden uns seitens der -vermeintlich- mehrheitlich qualitätsorientiert arbeitenden Traditions-Verlage und der öffentlich-rechtlichen Sender seit längerem überwiegend vorenthalten, trotz höchstrichterlich geschützter Meinungsbildungsfreiheit und deren Grundvoraussetzung eines mehrheitlich qualitätsorientierten Journalismus.“ Der Medienjournalist Stefan Niggemeier hat sich mit Matusseks Argumentation auseinandergesetzt und erklärt die Denkfehler und falschen Schlüsse (und wird deswegen von Matussek auf Twitter auf eine verstörend peinliche Art angegangen).

2. “Man kommt sich vor wie in einem Krimi”
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio, 6:19 Minuten)
Dass die systematischen Dopingpraktiken in Russland aufgedeckt werden konnten, ist vor allem einem Whistleblower zu verdanken: Grigori Rodschenkow, dem ehemaligen Leiter des russischen Dopingkontrolllabors. Der hat nämlich spektakulär die Seiten gewechselt und ausgepackt. Nun hat die Deutschlandfunk-Journalistin Andrea Schültke den Kronzeugen Rodschenkow interviewt. Die Bedingungen dafür waren schwierig: Der Whistleblower fürchtet um sein Leben und befindet sich im Zeugenschutzprogramm in den USA. Zwei seiner früheren Kollegen sollen ums Leben gekommen sein, “einer unter mysteriösen Umständen“.

3. Medien 2018: Eine Scheinwende und das Ende des Videowahns
(universal-code.de, Christian Jakubetz & Thomas Knüwer)
Wenn zwei Medienexperten aufeinandertreffen: Christian Jakubetz hat sich mit Thomas Knüwer über die zukünftigen Entwicklungen auf dem Medienmarkt unterhalten. Geht der Video-Boom zu Ende? Erleben Facebook und Snapchat ein eher ungemütliches Jahr? Und fallen deutsche Zeitungsverlage auf eine „Scheinwende“ herein? Das unterhaltsame Gespräch liegt als Transkript zum Lesen und als Audiomitschnitt zum Mitnehmen und Anhören vor.

4. Die Hass-Produktionsstrasse: Innenansichten aus einer rechten Trollfabrik.
(fearlessdemocracy.org, Kai Heiderich)
Kai Heiderich beschreibt anhand konkreter Beispiele wie in rechten Zirkeln Bilder von politischen Gegnern für Hetzkampagnen manipuliert werden und kommentiert. : „…diese Form von Digital-Mobbing/Manipulation ist kollektives Storytelling. Es wirkt wie eine Kinderbastelstunde, bei der sich die lieben Kleinen ihre selbstgemalten Machwerke zeigen und dann austauschen. Nur dass die malenden Kinder die sind, die Lügenpresse schreien, während sie es selbst komplett in Ordnung finden, den Hass durch Bildmanipulationen weiter zu schüren.“

5. Einspruch, Herr Fischer! Die Replik einer Jura-Professorin auf die Medientribunal-Schelte im Fall Wedel
(meedia.de, Elisa Hoven)
Der frühere Bundesrichter und „Zeit“-Kolumnist Thomas Fischer hat unlängst die Berichterstattung der „Zeit“ im Fall Dieter Wedel kritisiert. Von einem „selbsternannten Geheim-Tribunal“ war die Rede und und Fehlern in der Beweiswürdigung und Beweisführung. Dem widerspricht nun Elisa Hoven, Jura-Dozentin an der Universität Köln und freie Autorin der „Zeit“. Der Tenor: Fischer ziehe falsche Schlüsse, da er von falschen Prämissen ausgehe. In der Kommentarsektion treffen die unterschiedlichen Ansichten der Juristen dann direkt aufeinander.

6. Die Algorithmen nerven, ich will die Chronologie zurück!
(futurezone.at, Claudia Zettel)
Claudia Zettel ist genervt von der Auswahl an Beiträgen, die die Sozialen Netzwerke ihr in der Timeline ausspielen und wünscht sich die Chronologie zurück: „Ich weiß schon, die Firmen und ihre Geschäftsmodelle und der Kampf um die Aufmerksamkeit und eigentlich soll doch das alles unser Leben besser machen, usw. Und dann könnte man noch Listen erstellen und dann könnte man diesen oder jenen Work-around versuchen. Aber am Ende ist es doch so: Die Algorithmen schlagen zurück. Da kann ich noch so oft meinen Facebook-Feed auf “Most Recent” stellen, wenn ich das nächste Mal komme, zeigt man mir doch wieder die sogenannten “Top Stories” an.“
Weiterer Lesetipp: “Das Blumenkübelnetzwerk” (“SZ”, Eike Kühl) über Facebooks Absicht den Nutzern mehr Lokalnachrichten anzuzeigen, „weil sie das fröhlicher stimme“.

Dortmunder Presse-Beef, Inside Wikipedia, Volksverhetzer „Konkret“?

1. “Staat und freie Presse sind zwei Baustellen”
(deutschlandfunk.de, Antje Allroggen)
Einige Zeitungen und Zeitschriften fühlen sich nicht nur durch das Angebot der Öffentlich-Rechtlichen bedroht, sondern betrachten auch das Online-Angebot vieler Kommunen als rechtswidrige Konkurrenz. Derzeit geht beispielsweise der Dortmunder Verlag Lensing, Herausgeber der “Ruhr-Nachrichten”, gegen das Online-Angebot der Stadt Dortmund vor. Antje Allrogen vom Deutschlandfunk hat mit dem Geschäftsführer des nordrheinwestfälischen DJV-Landesverbands Volkmar Kar über den Dortmunder Pressestreit gesprochen.

2. Wie der Postillon deutschen Leitmedien in der Schweden-Sex-Debatte den Spiegel vorhält – eine Chronologie
(postillleaks.de, Sascha Gerson)
“Postillleaks” erzählt die peinliche Posse um eine in Schweden angeblich notwendige Sex-Genehmigung nach und kommentiert: “Dass Leitmedien in Deutschland in der Recherche und der Bearbeitung ihrer Artikel Fehler begehen, ist normal wie menschlich, auch wenn das sicherlich nicht die Tagesordnung sein sollte. Aber dafür gibt es ja Bildblog. Dass selbige Leitmedien erst nach dem zigsten Hinweis des Postillon (nochmal: eine Satire-Zeitung!) müde zurückrudern, ist dann schon peinlicher, zumal dies impliziert, das man das Ruder ohne den Fingerzeig aus Fürth erst gar nicht in die Hand genommen und alle Artikel 1:1 stehengelassen hätte.”

3. Unsere Lieblingslinks aus 2017
(leidmedien.de)
Das Projekt “Leidmedien.de” beschäftigt sich mit der Berichterstattung über Behinderte. Zum Jahresende hat die Redaktion ihre Lieblingslinks des Jahres zusammengetragen: Projekte, Filme und Texte, die von Menschen mit Behinderung berichten, von ihnen angestoßen und gemacht wurden sowie Kurioses aus dem Alltag.

4. Inside Wikipedia
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Wer und was steckt hinter dem Weltlexikon Wikipedia? Sebastian Leber hat “Wikimedia Deutschland” besucht, die älteste und größte Länderorganisation. 100 Menschen sind hier angestellt. Was treibt die Menschen, die das Weltwissen gratis verfügbar machen? Leber ist ein spannender Blick-hinter-die-Kulissen-Bericht gelungen.

5. Wie viel Pranger darf sein?
(lto.de, Arno Lampmann )
Ein bisher unbekannter Twitterer dokumentiert antisemitische Facebook-Statusmeldungen und -kommentare mittels Screenshot und macht zusätzliche Informationen zu den Urhebern öffentlich. Der Jurist Arno Lampmann sieht vor allem Letzteres als problematisch an: “Durch diese ganz bewusst gewählte Art und Weise der Präsentation erfahren die Betroffenen eine zusätzliche Anprangerung und Stigmatisierung, was die grundsätzlich zulässige Veröffentlichung der aus der Sozialsphäre stammenden Äußerungen der Betroffenen unzulässig macht.”

6. „Langeweile“ gegen „Konkret“
(taz.de, Katharina Schipkowski)
Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen das linke Magazin “konkret”. Der Verdacht: Volksverhetzung. Was war geschehen? In einem Artikel hatte Leo Fischer, Kolumnist und Exchefredakteur des Satiremagazins “Titanic” eine Boykott-Kampagne ins Spiel gebracht: Die “SBD-Bewegung”. Das Kürzel steht für „Stehenlassen – Bemäkeln – Dauernd runterputzen“. Die “Konkret”-Redaktion kann sich die Ermittlungen gegen sie nur mit gähnender Langeweile der Staatsorgane erklären.

Yücel-Post, Vorauseilende Einschüchterung, Seelenkraft

1. “Wir sind ja nicht in einer lustigen Netflix-Serie”
(welt.de, Deniz Yücel)
Seit 300 Tagen sitzt der Journalist Deniz Yücel nun bereits ohne Anklage in einem türkischen Gefängnis. In einem offenen Brief schildert er seinen Alltag und die Umstände seiner Haft. Post erreicht ihn sporadisch, wenn sie die anstaltseigene “Brief-Lese-Kommission” an ihn weiterleitet. Da Yücel seinen Briefschreibern nicht direkt antworten kann, ist sein Bericht eine Art Sammelantwort geworden, voller Witz, Charme und Liebenswürdigkeit. Weiterer Lesetipp: “Mehr als 200 Prominente fordern Freiheit für Deniz Yücel” (“SZ”).

2. Vorauseilende Einschüchterung
(journalist-magazin.de)
Noch während der Recherche des “Mindener Tageblatts” über einen Streit zwischen den Mietern einer Wohnungssiedlung und einer Immobilienfirma, trudelte ein “presserechtliches Informationsschreiben” des Anwalts der Immobilienfirma ein. Derlei Einschüchterungsversuche seien kein Einzelfall, so Anja Westheuser, Justiziarin beim Hamburger Landesverband des “Deutschen Journalisten-Verbands”. Sie rät davon ab, als juristischer Laie selbst auf solche Schreiben zu reagieren.

3. Vom Sportjournalist zum Sportveranstalter
(deutschlandfunk.de, Daniel Bouhs)
“Bei allzu begeisterten Sportjournalisten sprechen Kritiker gerne von Fans, die es hinter die Absperrungen geschafft haben. Bei René Kindermann lässt sich ergänzen: Er baut diese Absperrungen nun sogar selbst auf.” Daniel Bouhs berichtet über einen geschäftstüchtigen Sportjournalisten, der gleichzeitig Sportveranstalter ist, und stellt die Fragen nach der Grenzziehung.

4. Traumberuf Antexter: Mann nimmt Buch aus Regal
(dwdl.de, Hans Hoff)
Hans Hoff beschäftigt sich in seiner Kolumne mit den sogenannten Antextbildern. Er kann auf entsprechende Praxiserfahrung zurückgreifen und stand selbst schon im Mittelpunkt eines Antextbilds. Einst war ein Kamerateam bei ihm zu Gast und der Autor des Fernsehbeitrags wünschte sich eine entsprechende Inszenierung: “Er meinte, ich sollte doch nicht nur lesen, sondern auch mal umblättern. Sensationell. Ich tat wie mir befohlen und blätterte um. Ich stellte mir vor, dass ich möglicherweise später mal in Geschichtsbüchern verzeichnet werde, als erster “Mann blättert Zeitung um”-Protagonist. Leider schaffte es mein Umblättern aber dann doch nicht in den fertigen Beitrag.”

5. Medienhäuser in der digitalen Unterwelt
(nzz.ch, Stefan Mey)
Das Darknet genießt einen eher zweifelhaften Ruf, denn es wird auch als Handelsplatz für Drogen und Waffen genutzt oder dient zur Anbahnung anderer krimineller Aktivitäten. Doch es kann auch andere Gründe geben, sich auf die andere Seite des Internets zu begeben, zum Beispiel um Zensur zu umgehen oder zum Schutz vor Überwachung. Nun ist auch die “New York Times” im Darknet erreichbar. Ein kleiner Schritt für die Zeitung, jedoch ein Meilenstein fürs Darknet, wie Stefan Mey auf nzz.ch findet.

6. Kolumnen, angetrieben von der nie versiegenden Seelenkraft
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier liest gelegentlich die “Bild”-Kolumne von Peter Bachér, dem mittlerweile 90-jährigen ehemaligen Chefredakteur von “Bild am Sonntag” und “Hörzu”. Dabei ist Niggemeier etwas aufgefallen, was er nur durch viel Seelenkraft bewältigen konnte.

“Burda” muss zahlen, Roger-Waters-Konzert, Journalismus-Emojis

1. Kompa vs. Eumann
(kanzleikompa.de, Markus Kompa)
Die Direktorin der “Landeszentrale für Medien und Kommunikation” in Rheinland-Pfalz, ein SPD-Mitglied, geht in den Ruhestand. Anstatt die mit 200.000 Euro dotierte Stelle anständig auszuschreiben, will man den Job offenbar einem SPD-Kollegen zuschanzen. Medienanwalt Markus Kompa hat dies keine Ruhe gelassen — er hat sich unter Protest gegen das fadenscheinige Verfahren initiativ beworben: “Für den Fall der Nichtberücksichtigung habe ich standesgemäß mit Klage gedroht.”

2. Wegen Schwangerschaftsspekulationen in der Neue Woche: Burda muss Helene Fischer 47.000 Euro überweisen
(meedia.de, Marvin Schade)
Das Landgericht Hamburg hat die zu “Burda” gehörende “Neue Woche” in drei Fällen zu insgesamt 47.000 Euro Geldentschädigung verurteilt, zu zahlen an Helene Fischer. Das Blatt hatte der Schlagersängerin eine mögliche Schwangerschaft angedichtet. Das Urteil übertrifft die von Fischers Anwälten geforderten 30.000 Euro, ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

3. Die Widersprüche des “Bild”-Chefs
(kress.de, Markus Wiegand)
Das Branchenmagazin “kress pro” hat über die Gehälter von Führungskräften in der Medienszene berichtet und Einkommen von Verlagsmanagern und Chefredakteuren geschätzt. Bei einer Person stieß dies auf wenig Gegenliebe, nämlich bei “Bild”-Chefchef Julian Reichelt, der darin ein Risiko finanziell motivierter Straftaten gegen seine Familie sieht. Das ist insofern ein wenig lustig, als dass “Bild” nicht so zurückhaltend ist, wenn es um die Gehälter anderer Personen geht.
 Weiterer Lesetipp bei uns im BILDblog: Bringt Julian Reichelt die Familien anderer Menschen in Gefahr?

4. Hosen runter in Russland
(taz.de, Barbara Oertel)
Medien in Russland, die Geld aus dem Ausland bekommen, gelten neuerdings als Agenten, berichtet Barbara Oertel. In der Vergangenheit hätten bereits viele Nichtregierungsorganisationen, die mit dem Label “ausländischer Agent” versehen wurden, ihre Tätigkeit eingestellt. Ähnliches könne sich jetzt im Bereich der Medien abspielen.

5. WDR, BR und SWR beenden umstrittene Konzert-Kooperation
(dwdl.de, Alexander Krei)
Ursprünglich sollten die Deutschland-Konzerte von “Pink Floyd”-Star Roger Waters vom Radiosender WDR 4 übertragen werden, doch WDR-Intendant Tom Buhrow sagte das Projekt wegen Antisemitismusvorwürfen gegen den Musiker ab. BR und SWR beendeten ebenfalls die Konzert-Kooperation. Es geht wohl um Vorwürfe, zu denen Roger Waters bereits im Jahr 2013 in einem offenen Brief auf Facebook Stellung bezogen hat.

6. Emojis im Journalismus: Wir sind soooo fresh und lustig!
(medienwoche.ch, Reto Hunziker)
Einige Schweizer Medien garnieren ihre Social-Media-Meldungen mit Emojis. Eine journalistische Bankrotterklärung, findet “Medienwoche”-Autor Reno Hunziker und schreibt an die Medien gerichtet: “Ihr bringt den Journalismus noch mehr in Verruf als er es eh schon ist. Denn was ihr tut, färbt auch auf andere Publikationen ab, die keine Smileys verwenden. Den Medien geht so noch mehr Glaubwürdigkeit flöten. Eltern, die mit ihren Kindern beste Freunde sein wollen, sind keine Autoritäten.”

Blättern:  1 ... 9 10 11 ... 27