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Ein Wort sagt mehr als taussend Worte

„Sicher werde ich für einige immer
der Kinderporno-Politiker bleiben.“
(Jörg Tauss im „BILD-Verhör“ vom 30.3.2009)

Und siehe da: Als sich die Bild.de-Redaktion heute entschied, abermals (siehe BILDblog von vorgestern) über den SPD-Abgeordneten Jörg Tauss zu berichten, tat sie das zunächst unter der Dachzeile:

Kinderporno-Abgeordneter: Dreht er jetzt durch?

Dass das bei Tauss vielleicht irgendwie herabwürdigend vorverurteilend nicht ganz okay ist, hat man offenbar auch bei Bild.de erkannt* und die Dachzeile nachträglich lieber wie folgt geändert:

Nach Kinderporno-Sperre

*) Sollte Bild.de Tauss jedoch gar nicht in Anspielung auf das gegen ihn laufende Ermittlungsverfahren (wegen des Besitzes von Kinderpornographie), sondern einfach nur wegen seiner kinderpornographiekritischen Arbeit „Kinderporno-Abgeordneter“ genannt haben, freuen wir uns natürlich schon auf künftige, ähnlich sachliche Zeilen im, ähm, „Kinderporno-Portal“ Bild.de über unsere „Kinderporno-Ministerin“ Ursula von der Leyen oder die „Kinderporno-Unterhändlerin“ Martina Krogmann.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Bild.de  etc.

Kräht der Zapfhahn auf dem Mist…

„Bad news is good news“, sagt der Journalist. Insofern lautet derzeit die gute Nachricht:

Das Bier wird teurer

(Screenshot: dpa-Meldung im Bild.de-Wirtschaftsressort, siehe auch: sueddeutsche.de, Focus.de, Handelsblatt.com u.a.)

Biertrinker müssen sich auf höhere Preise einstellen. Angesichts gestiegener Rohstoffkosten etwa beim Malz und des sinkenden Absatzes stünden die Brauereien unter Druck, sagten Vertreter des Deutschen Brauer-Bundes am Donnerstag in Darmstadt.

Und jetzt die schlechte:

Bier wird nicht teurer

(Screenshot: ddp-Meldung im Bild.de-Newsticker, siehe auch: rp-online.de, pfaelzischer-merkur.de u.a.)

Deutschlands Biertrinker müssen nicht mit steigenden Preisen rechnen, obwohl die Rohstoffpreise gestiegen sind. Zurzeit seien Preiserhöhungen kaum zu realisieren, sagte der Präsident des Deutschen Brauer-Bunds, Wolfgang Burgard, in Darmstadt.

P.S.: Zum Wohle unserer Leser werden wir natürlich baldmöglichst einfach mal beim Brauer-Bund nachfragen, was denn jetzt stimmt.

Mit Dank an Jan-Dirk S., Benjamin Z., Theo W., Stephan F. und Mark F.

Nachtrag, 13.57 Uhr: Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Brauer-Bundes, sagt uns auf Anfrage, der Brauer-Bund hielte es zwar für gerechtfertigt, wenn das Bier in Deutschland teurer würde, aber:

„Wir gehen nicht davon aus, dass es flächendeckend zu Preiserhöhungen kommt.“

Anders gesagt: Nachdem inzwischen ausgerechnet die korrekte Meldung („nicht teurer“) aus den Bild.de-Newsticker gerutscht ist, ist wohl das, was beispielsweise bei Bild.de übrig bleibt und gestern sogar die Startseite zieren durfte, falsch.

Einzelne negative Schlagzeilen

Letzten Freitag war der SPD-Mann Björn Böhning für „Bild“ der „Verlierer des Tages“. Er hatte sich gegen die geplante Einrichtung von Internetsperren gegen Kinderpornographie ausgesprochen, weil diese nur „Sichtblenden“ seien, die Inhalte aber nach wie vor verfügbar (BILDblog berichtete).

So gesehen ist es wohl nur konsequent, dass „Bild“ heute die Frau zur „Gewinnerin“ macht, die das Gesetz zu den Internetsperren vorangetrieben hat: Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, von ihren Gegnern auch als „Zensursula“ bezeichnet.

Sie kämpft mit Verve für den Schutz unserer Kinder: Familienministerin Ursula von der Leyen (50, CDU) forderte seit Langem ein Gesetz, das den Zugang zu Kinderporno-Seiten im Internet erschwert. Jetzt hat sich die Koalition auf einen Gesetzentwurf geeinigt. Geplant sind u. a. Stoppschilder, die vor einschlägigen Websites warnen.

BILD meint: Frauenpower!

Kritiker der Internetsperren werfen der SPD vor, vor CDU/CSU und „Bild“ „eingeknickt“ zu sein:

Jetzt kann man, wenn man pervers veranlagt ist, seine Phantasie mit den Wörtern: „Bild“, „Kampagne“, „SPD“ und „Kinderpornographie“ spielen lassen, und hat ein ungefähres Bild dessen, wovor den Genossen graust. Das gegen Böhning, war nur ein kleiner Stupser.

Der SPD-Internetexperte Jörg Tauss wandte sich gestern in einem offenen Brief an seine Fraktionskollegen, in dem er unter anderem schrieb:

Wir sollten mehr Sorge um unseren Ruf [im Internet] haben, als vor einzelnen negativen Schlagzeilen in der BILD.

Schon heute kann Tauss am eigenen Leib die Wirkung negativer Schlagzeilen in „Bild“ überprüfen:

Politiker unter Kinderporno-Verdacht sorgt für Zoff in SPD: Jörg Tauss wehrt sich gegen Internet-Sperre. Der Abgeordnete verlangt namentliche Abstimmung im Parlament

Im März war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft wegen des Besitzes von Kinderpornographie gegen Tauss ermittelt. Der begründete den Besitz (auch im „‚Bild‘-Verhör“) damit, er habe sich ein eigenes Bild von der Szene und ihren Verbreitungswegen machen wollen. „Zeit Online“ berichtete erst heute wieder über seinen Fall.

Der gleiche Paul Ronzheimer, der Tauss Ende März für „Bild“ interviewt hatte, schreibt heute:

Dieses Thema lässt ihn einfach nicht los… Der SPD-Abgeordnete Jörg Tauss wehrt sich plötzlich wieder massiv gegen die geplante Kinderporno-Sperre im Internet – und das, obwohl die Staatsanwaltschaft gegen ihn noch immer wegen Kinderporno-Verdacht ermittelt.

Dabei ist die Formulierung „plötzlich wieder“ ziemlicher Quatsch: Tauss war schon früh ein Kritiker der geplanten Internetsperren und hat diese auch im Mai kritisiert.

Das Wörtchen „obwohl“ hingegen ist mehr als perfide — wie auch der Rest des Artikels:

Tauss und die Internetsperre – das Thema bewegt ihn seit Langem. Die Vorwürfe, selbst kinderpornografisches Material besessen zu haben, beendeten aber von einem Tag auf den anderen seine politische Karriere. Obwohl er seine Unschuld beteuert, die Kontakte in die Szene mit der Recherchetätigkeit als Abgeordneter begründete, zog er seine erneute Kandidatur für die Bundestagswahlen zurück. Der Druck aus der Partei war zu groß geworden. Vor dem Hintergrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die immer noch andauern, hielt sich Tauss zurück. BIS JETZT!

Trotz der aktuellen Berichterstattung gibt sich Tauss entspannt. So twitterte er am heutigen Nachmittag:

hatte nettes Gespraech mit BILD;) Man muss wissen:Die #Zensursula Berichterst.der Union,Krogmann,ist mit dem stv.BILD-Chef verheiratet:)
(Tauss bezieht sich dabei auf die CDU-Abgeordnete Martina Krogmann, die Ehefrau des stellvertretenden „Bild“-Chefredakteurs Alfred Draxler)

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Journalistische-Todsünden-Experten unter sich

Man kann die Empörung von Bild.de förmlich mit Händen greifen:

Neues Tuschel-Thema: der CSU-Chef und seine Ex-Geliebte - Taz bringt Seehofer mit neuen Gerüchten in Verruf

„Seehofers Geliebte erneut schwanger?“ fragt die Taz in ihrer heutigen Ausgabe. Und: „Das ungeklärte Privatleben des CSU-Chefs verärgert viele Parteifreunde“.

Einen Beleg für Seehofers angebliches Doppelleben bleibt die links-alternative Tageszeitung allerdings schuldig.

Eigentlich eine journalistische Todsünde – dreht die Taz jetzt total durch?

Ja, verdammte Axt, die „taz“ muss tatsächlich des Wahnsinns sein, wenn sie solche Sachen schreibt:

Bald hörte man in Berlin von CSU-Leuten: „Die sind noch zusammen.“ In den letzten Wochen kam noch ein Detail dazu: „Die beiden bekommen ein zweites Kind.“ […]

Am Tag, als das Gerücht den Weg in manche Blätter fand, feiern die Katholiken in Bayern das Fest Fronleichnam mit Prozessionen.

Fronleichnam war gestern. Und wer würde da schon Gerüchte über ein „angebliches Doppelleben“ verbreiten?

"Bunte" spekuliert über Liebes-Comeback mit Ex-Geliebter

Also: Wer, außer „Bild“ unter Berufung auf die „Bunte“? Denn die Klatsch-Illustrierte ist offensichtlich auch total durchgedreht, als sie schrieb:

In Berlin und München überschlugen sich vergangene Woche die Gerüchte: Anette Fröhlich sei angeblich zum zweiten Mal schwanger vom CSU-Vorsitzenden, hieß es. Sogar anonyme Briefe mit dieser Behauptung wurden an mehrere Redaktionen verschickt.

Einar Koch hat sich gestern wirklich bemüht, in keinem Moment den Eindruck zu erwecken, er mache sich die vielen angeblichen Details aus dem Privatleben Horst Seehofers zu eigen, die er für „Bild“ aus der „Bunten“ abschrieb. Er führte sogar aus:

Nach BILD-Informationen lässt die Rechtsanwältin wegen der Veröffentlichung der Kinderfotos rechtliche Schritte gegen die Münchner Illustrierte prüfen.

Die Juristen in der Münchner Staatskanzlei hatten zeitweilig erwogen, die Auslieferung der Illustrierten wegen der Kinderfotos in letzter Minute gerichtlich stoppen zu lassen.

Der selbe Einar Koch hat übrigens für die heutige „Bild“ ein Interview mit Horst Seehofer geführt:

BILD: Herr Seehofer, die „Bunte“ spekuliert über ein angebliches Liebes-Comeback mit Anette Fröhlich, der Mutter Ihrer unehelichen Tochter Anna-Felicia. Was sagen Sie zu den Spekulationen?

Horst Seehofer: Dazu äußere ich mich generell nicht mehr.

BILD: Dann zur Politik: Mit dem CSU-Erfolg bei der Europawahl haben Sie Ihre Feuertaufe als Parteichef bestanden. Was ist das nächste Etappenziel?

Und das war’s dann mit dem knallharten Kreuzverhör unter der Überschrift:

Herr Seehofer, was sagen Sie zu den Gerüchten um ihre Ex-Geliebte?

„Bild“ und Bild.de können sich jetzt entspannt zurücklehnen und ganz geschickt über Bande spielen: Während man die Schwangerschafts-Gerüchte heute bequem der „taz“ in die Schuhe schieben kann (obwohl sie als erstes von der „Bunten“ veröffentlicht wurden), plapperte man gestern fröhlich nach, was andere woanders erzählt hatten:

RTL fragte in seiner Morgensendung bei Tanja May, „BUNTE“-Chefreporterin und Autorin des Berichts, nach: Sie lässt keine Zweifel aufkommen. Auf dem einen Foto sei die kleine Anna-Felicia zu sehen, „die Kleine schlendert da raus, die Händchen in den Hoschentaschen, als wenn sie da jeden Tag rausmarschiert.“ […]

Laut „Bunte“ sollen beide in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai in Seehofers Ein-Zimmer-Wohnung den 35. Geburtstag von Anette Fröhlich am 1. Mai „gefeiert“ haben. Die Fotos sollen also das immer noch sehr enge Verhältnis der beiden belegen!

Für Tanja May sind die Fotos der letzte Beweis, „okay, die beiden sind nach wie vor ein Paar“.

PS: Als „Bild“ vor zweieinhalb Jahren exklusiv über die Schwangerschaft von Seehofers Geliebter berichtete (s.a. BILDblog vom 16. und 17. Januar 2007), hatte die Zeitung einen ähnlich schwachen „Beleg für Seehofers angebliches Doppelleben“, wie sie ihn jetzt der „taz“ vorwirft:

Wie BILD zuverlässig erfuhr, wird Seehofer noch einmal Vater. Seine junge heimliche Geliebte erwartet in Berlin ein Kind von ihm.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber!

Schwein gehabt

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat mit einem Mann gesprochen, der sich in den USA mit der Schweinegrippe infiziert hatte:

Hatten Leute Angst vor Ihnen?
Ich glaube nicht. Aber viele Menschen werden sehr neugierig. Das hat mich geärgert, vor allem auch, weil eine Menge Berichte Unwahrheiten enthielten. Die Bild-Zeitung schrieb zum Beispiel online in Bezug auf mich: „Er darf das Krankenhaus verlassen.“

Wo ist das Problem dabei?
Ich war nie im Krankenhaus.

Atlantische Fußballfeldausläufer

Variables Standardmaß

„Die Alpe di Siusi ist nun mal ein so schönes Stück alpiner Kulturlandschaft, ein so bedacht erschlossenes Naturgebiet auf 8000 Fußballfeldern Größe, dass man ihr auch das touristischste Großereignis nachsieht.“
(„Berliner Zeitung“, 16.5.09)

Die unter dem Namen „Raststätte Elbmarsch“ geplanten Mega-Parkplätze sollen je Fahrtrichtung 120.000 Quadratmeter umfassen (…). Der Flächenbedarf entspricht sowohl für die Raststätte Ost wie auch für die Westseite jeweils zwölf Fußballfeldern.
(„Welt“, 4.5.09)

Die Gartenschau findet auf insgesamt 300 000 Quadratmetern statt (30 ha). (…) Von der Gesamtfläche sind knapp die Hälfte Rasenflächen — in der Größe von zirka 20 Fußballfeldern.
(„Tagesspiegel“, 24.4.09)

Das KaDeWe in Zahlen & Fakten: Die 60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche entsprechen neun Fußballfeldern.
(„B.Z.“, 20.4.09)

Auf 66 000 Quadratmetern, das entspricht der Größe von acht Fußballfeldern, so Tropical Islands, gibt es den größten Indoor-Regenwald der Welt und Europas größte tropische Sauna-Landschaft sowie 200 Meter Sandstrand.
(„Berliner Morgenpost“, 3.02.09)

Gestern wurde der neue Super-Hangar von „Air Berlin“ am Flughafen eingeweiht — und der sprengt alle bisher gekannten Dimensionen: 220 Meter lang, 90 Meter breit und 31 Meter hoch. Die Grundfläche entspricht der Größe von drei Fußballfeldern!
(„Express“, 29.4.09)

Heute stehen 1,5 Mio. Quadratmeter (qm) Bürofläche in Frankfurt leer, das entspricht in etwa der Fläche von 219 Fußballfeldern
(„Handelsblatt“, 30.1.09)

Jedes Storchenpaar benötige in der Nähe seines Horsts feuchtes Grünland in der Größe von 26 Fußballfeldern, um seine Brut satt zu bekommen.
(„Die Welt“, 6.3.09)

Er bewohnt Zimmer in der Größe halber Fußballfelder.
(„Berliner Zeitung“, 12.1.09)

Dann gebe es aber auf dem 16 000 Quadratmeter großen Tierheimgelände — 30 Fußballfelder würden hineinpassen — für weitere Bauten kaum noch Reserveflächen.
(„Berliner Morgenpost“, 4.01.09)

Wenige Monate später kam er nach Majdanek, ein KZ am Rande der Stadt Lublin auf einer Fläche so groß wie 380 Fußballfelder.
(„Der Spiegel“, 16.3.2009).

Die journalistische Standardmaßeinheit für alles, das größer ist als eine Handtasche und kleiner als Russland, ist das Fußballfeld. Das folgt der Logik, dass die meisten Menschen schon mal eines gesehen (oder sogar drauf gestanden) haben und sich deshalb ganz gut vorstellen können, wie groß so ein Platz ist, und beruht auf der etwas gewagten Annahme, dass wer sich eines vorstellen kann, sich auch viele vorstellen kann. Mathematisch heikel wird die Sache dadurch, dass die Größe eines Fußballfeldes gar nicht genau definiert ist — in der Regel aber sind es 68×105 Meter, also 7.140 m2, 0,714 Hektar oder 0,00714 km2.

Wirklich vorstellen können sich anscheinend aber auch Journalisten nicht mehr als höchstens zwei Handvoll Fußballfelder:

Doch zu Beginn der Suchaktion war das Absturzgebiet völlig unklar. So konzentrierten sich die Bergungsarbeiten auf ein gigantisches Gebiet: 6000 Quadratkilometer (etwa 750 Fußballfelder).

Beim Überschlagen hätte natürlich jemandem bei Bild.de auffallen können, dass die herbeizitierten Fußballfelder exakt 8 km2 groß wären. Oder, um es auf journalistisch zu sagen: etwa so groß wie 1120 Fußballfelder.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Erfreuliche Chaoten

Bevor unsere E-Mail-Postfächer überquellen: Ja, wir nehmen auch an, dass Bild.de das nicht so gemeint hat …

Im Halleschen Wabbel-Stadion kommt es immer wieder zu erfreulichen Szenen. Hier zündeln Chaoten beim Regionalliga-Spiel gegen Magdeburg

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 21:05 Uhr: Inzwischen spricht Bild.de von „unerfreulichen Szenen“.

Nicht angebrachte Spekulationen

Die BEA sprach von einer „Inkohärenz“. Trotzdem sei es nicht angebracht, voreilige Schlüsse zu ziehen oder über die Ursache der Katastrophe zu spekulieren.

So schreibt Bild.de heute.

Und wenn die französische Luftaufsichtsbehörde BEA so nett darum bittet, kommt Bild.de dieser Aufforderung natürlich gerne nach und überschreibt den Artikel, in dem der oben zitierte Satz steht, so:

Sicherheitsbehörde bestätigt Geschwindigkeitsprobleme: Todes-Airbus flog zu langsam durch die Gewitter-Hölle - Experten sehen Hinweis auf einen möglichen Pilotenfehler

Die BEA versteht unter „Geschwindigkeitsproblemen“ übrigens, dass die verschiedenen gemessenen Geschwindigkeiten nicht zusammengepasst hätten, und „Le Monde“ berichtet von einer „fehlerhaften“ Geschwindigkeit.

Diese Formulierung lässt eigentlich nur zwei Schlüsse zu:

Flug AF 447: Flog der Todes-Pilot zu langsam durch das Gewitter?

Oder:

Todesflug AF 447: Flog der Pilot im Gewitter zu schnell?

Dass sowohl Bild.de als auch Blick.ch jeweils Luftfahrtexperten zu Wort kommen lassen, die sowohl „zu langsam“ als auch „zu schnell“ (für Laien) schlüssig erklären können, zeigt wohl, wie voreilig und spekulativ jegliche Berichterstattung zum jetzigen Zeitpunkt noch ist.

Mit Dank an die Hinweisgeber und an Jenny für die Übersetzungshilfe.

Bild.de, RTL, stern.de  etc.

Die Opfer des Todesfluges

Der Online-Ableger der Illustrierten „Stern“ präsentiert die Opfer der im Atlantik abgestürzten Air-France-Maschine in einer großen Bildergalerie. Unter dem ersten Foto heißt es:

Doch das ist nicht das ganze Zitat von der DLRG-Seite. Das ganze Zitat geht so:

Aus irgendwelchen Gründen fand stern.de das mit der Bitte an die Medien um Zurückhaltung nicht so zitierwürdig. Womöglich hätte der Satz am Anfang dieser Bildergalerie auch nur ungewollt ironisch gewirkt.

Um einige der Opfer zeigen zu können, hat sich stern.de — wie andere Medien auch — offenkundig einfach auf den Internetseiten von Arbeitgebern oder Vereinen bedient. Man hört das ja auch immer wieder in den Medien, dass das Internet ein rechtsfreier Raum sei, in dem auch das Urheberrecht dauernd verletzt werde.

Das RTL-Elendsmagazin „Explosiv“ hat sich beim Ausschlachten der Tragödie gestern auch auf die Expertise einer Frau gestützt, die auf die nötigen Grenzüberschreitungen quasi spezialisiert ist: Inken Ramelow, deren Arbeit das NDR-Medienmagazin „Zapp“ vor kurzem einen eigenen Beitrag gewidmet hat.

Nach dem Amoklauf von Winnenden hatten wir uns bei „RTL aktuell“ erkundigt, wie der Sender unter Chefredakteur Peter Kloeppel grundsätzlich mit den Fotos von Betroffenen in Unglücks- oder Verbrechensfällen umgeht. Wir fragten zum Beispiel:

„Ist nach Ansicht des Senders eine Einwilligung des Urhebers nicht notwendig, wenn man sich die Fotos einfach im Internet besorgen kann? Muss jeder, der sein Bild bei StudiVZ oder anderen Angeboten einstellt, damit rechnen, es in einer RTL-Nachrichtensendung wiederzufinden? Oder bemüht sich RTL auch in solchen Fällen in der Regel um eine Einwilligung?“

Die Antwort des Senders lautete:

„Die Redaktion möchte keine Stellungnahme zu redaktionellen Abläufen abgeben.“

Das ist ziemlich genau dieselbe Antwort, die der „Stern“ auf ganz ähnliche Fragen des Magazins „Panorama“ gab:

„Zu Redaktions-Interna erteilen wir keine Auskunft.“

Von der „Bild“-Zeitung (die in einem Verlag erscheint, dessen Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner ironischerweise gerade für eine Verschärfung des Urheberrechtes im Internet kämpft) würden wir natürlich im Zweifel nicht einmal diese Antwort bekommen. Sie scheint sich gestern bei der Aufmachung des Themas in ihrem Online-Angebot vorgenommen zu haben, ein lehrbuchhaftes Beispiel dafür zu produzieren, was der Pressekodex meint, wenn er er von einer „unangemessen sensationellen Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid“ spricht:


(Unkenntlichmachung, natürlich, von uns.)

Mit Dank an Heiko J. und viele andere sowie Peer S. und DWDL.

Durchschnittlich begabt

Bild.de hat gemeinsam mit einer Kölner „Namensagentur“ 750 Vornamen auf ihre Karrierechancen überpüft. Von uns BILDbloggern kann nur Christian auf eine große Karriere hoffen — aber auch Kai Diekmann hat mit seinem Vornamen nur mittleres Glück.

Vermutlich eher unbeabsichtigt lernt der aufmerksame Leser aber auch noch etwas über die Begabung der Leute, die bei Bild.de die Texte eingeben:

Dennis: Ein durchschnittlich begabter Mensch könnte den Namen auch mit doppel-„n“ schreiben (-)

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 15:05 Uhr: Bild.de hat den Satz inzwischen geändert:

Ein durchschnittlich begabter Mensch könnte den Namen auch mit nur einem „n“ schreiben (-)

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