Archiv für Bild.de

Das mediale Sterben des Michael Jackson

Dass Michael Jackson am gestrigen Donnerstag im Alter von 50 Jahren verstorben ist, dürfte inzwischen jeder mitbekommen haben, der sich heute nur in der Nähe eines Computers, Radios oder eines anderen Menschen aufgehalten hat.

In der Nacht war die Nachrichtenlage noch deutlich unübersichtlicher: Der Onlinedienst TMZ.com war sich ganz sicher (wie der diensthabende Redakteur der „LA Times“ erzählte), als er um 23:44 Uhr deutscher Zeit verkündete, Jackson sei tot. Aber war der Nachricht auch zu trauen?

Was folgte, ist ein Lehrbuch-Beispiel dafür, wie Journalismus im Jahr 2009 funktioniert — immer getrieben von den teils unvereinbaren Wünschen, möglichst der Erste zu sein und möglichst nichts falsches zu berichten:

Bild.de um 23:59 Uhr:*

Herzstillstand: Michael Jackson gestorben

Bild.de um 00:01 Uhr:

Internetdienst TMZ: Michael Jackson gestorben

Bild.de um 00:14 Uhr:

Internetdienst TMZ: Michael Jackson gestorben?

Bild.de um 00:30 Uhr:

Das Drama um Michael Jackson: Herzstillstand, Koma, verzweifelte Rettungsversuche

Bild.de um 00:50 Uhr:

Nachrichtenagentur AP meldet: Popstar Michael Jackson (50) ist tot!

Bild.de um 01:09 Uhr:

Verzweifelt kämpften die Ärzte um das Leben des Popstars (✝50): Michael Jackson ist tot!

Aber auch bei anderen Medien gab es ein gewisses Chaos, bis schließlich Gewissheit herrschte. So konnte man um 00:34 Uhr bei „RP Online“ diese Überschrift lesen:

Zustand kritisch: Michael Jackson im Krankenhaus. zuletzt aktualisiert: 26.06.2009 - 00:20. Los Angeles (RPO). Der Popstar Michael Jackson ist am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Nach unbestätigten Quellen hat er einen kurzzeitigen Herzstillstand erlitten. Über seinen Zustand wird derzeit nur spekuliert.

Unter dem Artikel aber stand ein Kommentar von 00:01 Uhr, der nahelegt, dass Überschrift und Aussage des Artikels zu diesem Zeitpunkt etwas anders ausgesehen hatten:

Michael Jackson ist tot. Ich bin erschüttert....Ich werde für Ihn beten, was soll man sonst in so einem Moment machen. Mein Beileid gilt der gnzen Familie.

Um 00:44 Uhr stand dann auch für „RP Online“ fest:

EILMELDUNG Berichte: Michael Jackson ist tot

Zum gleichen Zeitpunkt gab sich die britische „Sun“ noch außergewöhnlich distanziert:

Breaking news: Jacko 'dead' Heart attack kills star, say reports

Doch nicht alle Online-Redaktionen konnten zu dieser Nachtschlafenden Zeit schnell reagieren. Um 00:56 Uhr lauteten die Top-Stories bei stern.de und sueddeutsche.de noch

Obama-Merkel-Treffen: Prima Klima verzweifelt gesucht

beziehungsweise

Ruf nach höherer Mehrwertsteuer

Um etwa 01:20 Uhr wäre man dann aber auch bei diesen beiden Seiten zumindest grob informiert gewesen.

Während MTV in den USA sein Programm umstellte und Michael-Jackson-Videos zeigte, liefen bei den deutschen Musiksendern in der Nacht noch die vorbereiteten Clips. Die Startseite von mtv.de aber sieht seit seit mindestens ein Uhr schlicht und ergreifend so aus:

R.I.P. KING OF POP, Michael Jackson 29.08.1958 - ✝25.06.2009

Sämtliche Die meisten gedruckten Zeitungen von heute waren damit natürlich vergleichsweise uninteressant …

Mit Dank auch an Jochen K.

*) Diesen Screenshot haben wir um 16:15 Uhr nachgetragen. Wir verdanken ihn unserem Leser Thorsten K.

Rot-Blau-Blindheit

Eine gute Nachricht für Hannover 96: „trotz schwacher Saison und Preiserhöhungen“ ist der Absatz von Dauerkarten nur um rund 5% zurückgegangen.

Und hier die schlechte Nachricht für Hannover 96: Offenbar wurde ein Großteil der Karten von Fans von Arminia Bielefeld aufgekauft.

Oder wie soll man sonst dieses … nun ja: „Symbolbild“ bei Bild.de verstehen?

Nur 5% Minus: Stamm-Fans bleiben treu. Da sind die Roten glimpflich davon gekommen...

Mit Dank an Dominik L.

Nachtrag, 17:05 Uhr: Inzwischen hat Bild.de die Bielefeld-Fans durch Hannover-Fans ersetzt.

Dicke Dinge im Damen-Tennis

Verehrter Ex-Tennisstar Michael Stich, mit Verlaub… — Sie sind ein Macho! Da beginnt das wichtigste Tennisturnier der ganzen Hemisphäre und Sie, Stich, Sie mosern rum, dass es zumindest im Damenwettbewerb doch wieder nur um das Eine (nein, nicht um Sport) gehe.

Wundern Sie sich da noch, dass die Sport-Gleichstellungsbeauftragten von Bild.de daraus sogleich eine dicke Schlagzeile machen?

Und wer könnte Stich berechtigter zum „Macho“ erklären als das Tennis-Fachorgan „Bild“, das den Stich-Artikel online mit zwei Fotogalerien („Sexy Fotos: So schön ist Ana Ivanovic“ und „Sexy Kalenderfotos: Maria Scharapowa in Bademode“) illustriert und die Dinge im Damen-Tennis ohnehin erst kürzlich auf den Punkt brachte?

Und das dann gleich noch mit praktischer Lebenshilfe (und einer Bildergalerie für den Tennisinteressenten) garnierte…

… um sich anschließend in kreativer Namensgebung für Sportlerinnen (Sportart + Vorname + Körbchengröße) zu betätigen:

Ach ja: Nach Bild.de hat sich dann übrigens auch die gedruckte „Bild“ Stichs „Macho-Attacke“ angenommen — neben den Brüsten von Simona Halep („Lässt tief blicken“) und unter dem Titel:

Michael Stich beleidigt Tennis-Frauen

Was nun insofern in die Irre führt, als Stich in der Geschichte ebenfalls zu Wort kommt. Allerdings wie folgt:

Michael Stich zu BILD: „Die Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen. (…)“ Das mit dem Sex-Appeal habe er so nie gesagt, es sei doch allen klar, dass die Tennisspielerinnen Wert auf ihr Äußeres legen.

Ups, verhackt!

Bild.de fasst heute mal nebenbei die Ziele der Piraten-Partei zusammen:

Der Partei geht es vor allem um digitale Themen. Sie steht für Freiheit im Internet, wendet sich gegen die Internet-Sperre, tritt für ein faires Urheberrecht ein und verlangt einen Hacker-Paragraphen.
(Fettung von uns.)

Letzteres, liebe Bild.de-Redaktion, wäre aber eine mehr als seltsame Forderung der Piraten — nicht zuletzt, weil es doch in Deutschland bereits einen sog. „HackerParagraphen“ gibt.

Mit Dank an die Hinweisgeber.

Nachtrag, 23.6.2009: Bild.de hat das mit dem „Hacker-Paragraphen“ ersatzlos gestrichen.

2. Nachtrag: Der stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei, Jens Seipenbusch, antwortet uns auf die Frage, ob seine Partei (wie von Bild.de behauptet) einen Hacker-Paragraphen verlange:

Der tatsächliche Hacker-Paragraph 202c ist abzulehnen, da er juristisch schlecht und unpräzise ist und die Werkzeuge verbietet, anstatt sich auf die mit ihnen begangenen Taten zu beschränken. Da sind wir eins mit dem CCC, kann ich wohl sagen.
(CCC-Link von uns.)

Ein Wort sagt mehr als taussend Worte

„Sicher werde ich für einige immer
der Kinderporno-Politiker bleiben.“
(Jörg Tauss im „BILD-Verhör“ vom 30.3.2009)

Und siehe da: Als sich die Bild.de-Redaktion heute entschied, abermals (siehe BILDblog von vorgestern) über den SPD-Abgeordneten Jörg Tauss zu berichten, tat sie das zunächst unter der Dachzeile:

Kinderporno-Abgeordneter: Dreht er jetzt durch?

Dass das bei Tauss vielleicht irgendwie herabwürdigend vorverurteilend nicht ganz okay ist, hat man offenbar auch bei Bild.de erkannt* und die Dachzeile nachträglich lieber wie folgt geändert:

Nach Kinderporno-Sperre

*) Sollte Bild.de Tauss jedoch gar nicht in Anspielung auf das gegen ihn laufende Ermittlungsverfahren (wegen des Besitzes von Kinderpornographie), sondern einfach nur wegen seiner kinderpornographiekritischen Arbeit „Kinderporno-Abgeordneter“ genannt haben, freuen wir uns natürlich schon auf künftige, ähnlich sachliche Zeilen im, ähm, „Kinderporno-Portal“ Bild.de über unsere „Kinderporno-Ministerin“ Ursula von der Leyen oder die „Kinderporno-Unterhändlerin“ Martina Krogmann.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Bild.de  etc.

Kräht der Zapfhahn auf dem Mist…

„Bad news is good news“, sagt der Journalist. Insofern lautet derzeit die gute Nachricht:

Das Bier wird teurer

(Screenshot: dpa-Meldung im Bild.de-Wirtschaftsressort, siehe auch: sueddeutsche.de, Focus.de, Handelsblatt.com u.a.)

Biertrinker müssen sich auf höhere Preise einstellen. Angesichts gestiegener Rohstoffkosten etwa beim Malz und des sinkenden Absatzes stünden die Brauereien unter Druck, sagten Vertreter des Deutschen Brauer-Bundes am Donnerstag in Darmstadt.

Und jetzt die schlechte:

Bier wird nicht teurer

(Screenshot: ddp-Meldung im Bild.de-Newsticker, siehe auch: rp-online.de, pfaelzischer-merkur.de u.a.)

Deutschlands Biertrinker müssen nicht mit steigenden Preisen rechnen, obwohl die Rohstoffpreise gestiegen sind. Zurzeit seien Preiserhöhungen kaum zu realisieren, sagte der Präsident des Deutschen Brauer-Bunds, Wolfgang Burgard, in Darmstadt.

P.S.: Zum Wohle unserer Leser werden wir natürlich baldmöglichst einfach mal beim Brauer-Bund nachfragen, was denn jetzt stimmt.

Mit Dank an Jan-Dirk S., Benjamin Z., Theo W., Stephan F. und Mark F.

Nachtrag, 13.57 Uhr: Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Brauer-Bundes, sagt uns auf Anfrage, der Brauer-Bund hielte es zwar für gerechtfertigt, wenn das Bier in Deutschland teurer würde, aber:

„Wir gehen nicht davon aus, dass es flächendeckend zu Preiserhöhungen kommt.“

Anders gesagt: Nachdem inzwischen ausgerechnet die korrekte Meldung („nicht teurer“) aus den Bild.de-Newsticker gerutscht ist, ist wohl das, was beispielsweise bei Bild.de übrig bleibt und gestern sogar die Startseite zieren durfte, falsch.

Einzelne negative Schlagzeilen

Letzten Freitag war der SPD-Mann Björn Böhning für „Bild“ der „Verlierer des Tages“. Er hatte sich gegen die geplante Einrichtung von Internetsperren gegen Kinderpornographie ausgesprochen, weil diese nur „Sichtblenden“ seien, die Inhalte aber nach wie vor verfügbar (BILDblog berichtete).

So gesehen ist es wohl nur konsequent, dass „Bild“ heute die Frau zur „Gewinnerin“ macht, die das Gesetz zu den Internetsperren vorangetrieben hat: Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, von ihren Gegnern auch als „Zensursula“ bezeichnet.

Sie kämpft mit Verve für den Schutz unserer Kinder: Familienministerin Ursula von der Leyen (50, CDU) forderte seit Langem ein Gesetz, das den Zugang zu Kinderporno-Seiten im Internet erschwert. Jetzt hat sich die Koalition auf einen Gesetzentwurf geeinigt. Geplant sind u. a. Stoppschilder, die vor einschlägigen Websites warnen.

BILD meint: Frauenpower!

Kritiker der Internetsperren werfen der SPD vor, vor CDU/CSU und „Bild“ „eingeknickt“ zu sein:

Jetzt kann man, wenn man pervers veranlagt ist, seine Phantasie mit den Wörtern: „Bild“, „Kampagne“, „SPD“ und „Kinderpornographie“ spielen lassen, und hat ein ungefähres Bild dessen, wovor den Genossen graust. Das gegen Böhning, war nur ein kleiner Stupser.

Der SPD-Internetexperte Jörg Tauss wandte sich gestern in einem offenen Brief an seine Fraktionskollegen, in dem er unter anderem schrieb:

Wir sollten mehr Sorge um unseren Ruf [im Internet] haben, als vor einzelnen negativen Schlagzeilen in der BILD.

Schon heute kann Tauss am eigenen Leib die Wirkung negativer Schlagzeilen in „Bild“ überprüfen:

Politiker unter Kinderporno-Verdacht sorgt für Zoff in SPD: Jörg Tauss wehrt sich gegen Internet-Sperre. Der Abgeordnete verlangt namentliche Abstimmung im Parlament

Im März war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft wegen des Besitzes von Kinderpornographie gegen Tauss ermittelt. Der begründete den Besitz (auch im „‚Bild‘-Verhör“) damit, er habe sich ein eigenes Bild von der Szene und ihren Verbreitungswegen machen wollen. „Zeit Online“ berichtete erst heute wieder über seinen Fall.

Der gleiche Paul Ronzheimer, der Tauss Ende März für „Bild“ interviewt hatte, schreibt heute:

Dieses Thema lässt ihn einfach nicht los… Der SPD-Abgeordnete Jörg Tauss wehrt sich plötzlich wieder massiv gegen die geplante Kinderporno-Sperre im Internet – und das, obwohl die Staatsanwaltschaft gegen ihn noch immer wegen Kinderporno-Verdacht ermittelt.

Dabei ist die Formulierung „plötzlich wieder“ ziemlicher Quatsch: Tauss war schon früh ein Kritiker der geplanten Internetsperren und hat diese auch im Mai kritisiert.

Das Wörtchen „obwohl“ hingegen ist mehr als perfide — wie auch der Rest des Artikels:

Tauss und die Internetsperre – das Thema bewegt ihn seit Langem. Die Vorwürfe, selbst kinderpornografisches Material besessen zu haben, beendeten aber von einem Tag auf den anderen seine politische Karriere. Obwohl er seine Unschuld beteuert, die Kontakte in die Szene mit der Recherchetätigkeit als Abgeordneter begründete, zog er seine erneute Kandidatur für die Bundestagswahlen zurück. Der Druck aus der Partei war zu groß geworden. Vor dem Hintergrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die immer noch andauern, hielt sich Tauss zurück. BIS JETZT!

Trotz der aktuellen Berichterstattung gibt sich Tauss entspannt. So twitterte er am heutigen Nachmittag:

hatte nettes Gespraech mit BILD;) Man muss wissen:Die #Zensursula Berichterst.der Union,Krogmann,ist mit dem stv.BILD-Chef verheiratet:)
(Tauss bezieht sich dabei auf die CDU-Abgeordnete Martina Krogmann, die Ehefrau des stellvertretenden „Bild“-Chefredakteurs Alfred Draxler)

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Journalistische-Todsünden-Experten unter sich

Man kann die Empörung von Bild.de förmlich mit Händen greifen:

Neues Tuschel-Thema: der CSU-Chef und seine Ex-Geliebte - Taz bringt Seehofer mit neuen Gerüchten in Verruf

„Seehofers Geliebte erneut schwanger?“ fragt die Taz in ihrer heutigen Ausgabe. Und: „Das ungeklärte Privatleben des CSU-Chefs verärgert viele Parteifreunde“.

Einen Beleg für Seehofers angebliches Doppelleben bleibt die links-alternative Tageszeitung allerdings schuldig.

Eigentlich eine journalistische Todsünde – dreht die Taz jetzt total durch?

Ja, verdammte Axt, die „taz“ muss tatsächlich des Wahnsinns sein, wenn sie solche Sachen schreibt:

Bald hörte man in Berlin von CSU-Leuten: „Die sind noch zusammen.“ In den letzten Wochen kam noch ein Detail dazu: „Die beiden bekommen ein zweites Kind.“ […]

Am Tag, als das Gerücht den Weg in manche Blätter fand, feiern die Katholiken in Bayern das Fest Fronleichnam mit Prozessionen.

Fronleichnam war gestern. Und wer würde da schon Gerüchte über ein „angebliches Doppelleben“ verbreiten?

"Bunte" spekuliert über Liebes-Comeback mit Ex-Geliebter

Also: Wer, außer „Bild“ unter Berufung auf die „Bunte“? Denn die Klatsch-Illustrierte ist offensichtlich auch total durchgedreht, als sie schrieb:

In Berlin und München überschlugen sich vergangene Woche die Gerüchte: Anette Fröhlich sei angeblich zum zweiten Mal schwanger vom CSU-Vorsitzenden, hieß es. Sogar anonyme Briefe mit dieser Behauptung wurden an mehrere Redaktionen verschickt.

Einar Koch hat sich gestern wirklich bemüht, in keinem Moment den Eindruck zu erwecken, er mache sich die vielen angeblichen Details aus dem Privatleben Horst Seehofers zu eigen, die er für „Bild“ aus der „Bunten“ abschrieb. Er führte sogar aus:

Nach BILD-Informationen lässt die Rechtsanwältin wegen der Veröffentlichung der Kinderfotos rechtliche Schritte gegen die Münchner Illustrierte prüfen.

Die Juristen in der Münchner Staatskanzlei hatten zeitweilig erwogen, die Auslieferung der Illustrierten wegen der Kinderfotos in letzter Minute gerichtlich stoppen zu lassen.

Der selbe Einar Koch hat übrigens für die heutige „Bild“ ein Interview mit Horst Seehofer geführt:

BILD: Herr Seehofer, die „Bunte“ spekuliert über ein angebliches Liebes-Comeback mit Anette Fröhlich, der Mutter Ihrer unehelichen Tochter Anna-Felicia. Was sagen Sie zu den Spekulationen?

Horst Seehofer: Dazu äußere ich mich generell nicht mehr.

BILD: Dann zur Politik: Mit dem CSU-Erfolg bei der Europawahl haben Sie Ihre Feuertaufe als Parteichef bestanden. Was ist das nächste Etappenziel?

Und das war’s dann mit dem knallharten Kreuzverhör unter der Überschrift:

Herr Seehofer, was sagen Sie zu den Gerüchten um ihre Ex-Geliebte?

„Bild“ und Bild.de können sich jetzt entspannt zurücklehnen und ganz geschickt über Bande spielen: Während man die Schwangerschafts-Gerüchte heute bequem der „taz“ in die Schuhe schieben kann (obwohl sie als erstes von der „Bunten“ veröffentlicht wurden), plapperte man gestern fröhlich nach, was andere woanders erzählt hatten:

RTL fragte in seiner Morgensendung bei Tanja May, „BUNTE“-Chefreporterin und Autorin des Berichts, nach: Sie lässt keine Zweifel aufkommen. Auf dem einen Foto sei die kleine Anna-Felicia zu sehen, „die Kleine schlendert da raus, die Händchen in den Hoschentaschen, als wenn sie da jeden Tag rausmarschiert.“ […]

Laut „Bunte“ sollen beide in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai in Seehofers Ein-Zimmer-Wohnung den 35. Geburtstag von Anette Fröhlich am 1. Mai „gefeiert“ haben. Die Fotos sollen also das immer noch sehr enge Verhältnis der beiden belegen!

Für Tanja May sind die Fotos der letzte Beweis, „okay, die beiden sind nach wie vor ein Paar“.

PS: Als „Bild“ vor zweieinhalb Jahren exklusiv über die Schwangerschaft von Seehofers Geliebter berichtete (s.a. BILDblog vom 16. und 17. Januar 2007), hatte die Zeitung einen ähnlich schwachen „Beleg für Seehofers angebliches Doppelleben“, wie sie ihn jetzt der „taz“ vorwirft:

Wie BILD zuverlässig erfuhr, wird Seehofer noch einmal Vater. Seine junge heimliche Geliebte erwartet in Berlin ein Kind von ihm.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber!

Schwein gehabt

Die „Süddeutsche Zeitung“ hat mit einem Mann gesprochen, der sich in den USA mit der Schweinegrippe infiziert hatte:

Hatten Leute Angst vor Ihnen?
Ich glaube nicht. Aber viele Menschen werden sehr neugierig. Das hat mich geärgert, vor allem auch, weil eine Menge Berichte Unwahrheiten enthielten. Die Bild-Zeitung schrieb zum Beispiel online in Bezug auf mich: „Er darf das Krankenhaus verlassen.“

Wo ist das Problem dabei?
Ich war nie im Krankenhaus.

Atlantische Fußballfeldausläufer

Variables Standardmaß

„Die Alpe di Siusi ist nun mal ein so schönes Stück alpiner Kulturlandschaft, ein so bedacht erschlossenes Naturgebiet auf 8000 Fußballfeldern Größe, dass man ihr auch das touristischste Großereignis nachsieht.“
(„Berliner Zeitung“, 16.5.09)

Die unter dem Namen „Raststätte Elbmarsch“ geplanten Mega-Parkplätze sollen je Fahrtrichtung 120.000 Quadratmeter umfassen (…). Der Flächenbedarf entspricht sowohl für die Raststätte Ost wie auch für die Westseite jeweils zwölf Fußballfeldern.
(„Welt“, 4.5.09)

Die Gartenschau findet auf insgesamt 300 000 Quadratmetern statt (30 ha). (…) Von der Gesamtfläche sind knapp die Hälfte Rasenflächen — in der Größe von zirka 20 Fußballfeldern.
(„Tagesspiegel“, 24.4.09)

Das KaDeWe in Zahlen & Fakten: Die 60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche entsprechen neun Fußballfeldern.
(„B.Z.“, 20.4.09)

Auf 66 000 Quadratmetern, das entspricht der Größe von acht Fußballfeldern, so Tropical Islands, gibt es den größten Indoor-Regenwald der Welt und Europas größte tropische Sauna-Landschaft sowie 200 Meter Sandstrand.
(„Berliner Morgenpost“, 3.02.09)

Gestern wurde der neue Super-Hangar von „Air Berlin“ am Flughafen eingeweiht — und der sprengt alle bisher gekannten Dimensionen: 220 Meter lang, 90 Meter breit und 31 Meter hoch. Die Grundfläche entspricht der Größe von drei Fußballfeldern!
(„Express“, 29.4.09)

Heute stehen 1,5 Mio. Quadratmeter (qm) Bürofläche in Frankfurt leer, das entspricht in etwa der Fläche von 219 Fußballfeldern
(„Handelsblatt“, 30.1.09)

Jedes Storchenpaar benötige in der Nähe seines Horsts feuchtes Grünland in der Größe von 26 Fußballfeldern, um seine Brut satt zu bekommen.
(„Die Welt“, 6.3.09)

Er bewohnt Zimmer in der Größe halber Fußballfelder.
(„Berliner Zeitung“, 12.1.09)

Dann gebe es aber auf dem 16 000 Quadratmeter großen Tierheimgelände — 30 Fußballfelder würden hineinpassen — für weitere Bauten kaum noch Reserveflächen.
(„Berliner Morgenpost“, 4.01.09)

Wenige Monate später kam er nach Majdanek, ein KZ am Rande der Stadt Lublin auf einer Fläche so groß wie 380 Fußballfelder.
(„Der Spiegel“, 16.3.2009).

Die journalistische Standardmaßeinheit für alles, das größer ist als eine Handtasche und kleiner als Russland, ist das Fußballfeld. Das folgt der Logik, dass die meisten Menschen schon mal eines gesehen (oder sogar drauf gestanden) haben und sich deshalb ganz gut vorstellen können, wie groß so ein Platz ist, und beruht auf der etwas gewagten Annahme, dass wer sich eines vorstellen kann, sich auch viele vorstellen kann. Mathematisch heikel wird die Sache dadurch, dass die Größe eines Fußballfeldes gar nicht genau definiert ist — in der Regel aber sind es 68×105 Meter, also 7.140 m2, 0,714 Hektar oder 0,00714 km2.

Wirklich vorstellen können sich anscheinend aber auch Journalisten nicht mehr als höchstens zwei Handvoll Fußballfelder:

Doch zu Beginn der Suchaktion war das Absturzgebiet völlig unklar. So konzentrierten sich die Bergungsarbeiten auf ein gigantisches Gebiet: 6000 Quadratkilometer (etwa 750 Fußballfelder).

Beim Überschlagen hätte natürlich jemandem bei Bild.de auffallen können, dass die herbeizitierten Fußballfelder exakt 8 km2 groß wären. Oder, um es auf journalistisch zu sagen: etwa so groß wie 1120 Fußballfelder.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Blättern:  1 ... 117 118 119 120 121