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Weniger ist mehr
(presseverein.ch)
Die Auflage schwindet stetig. Jahr für Jahr ein paar Tausend weniger. Mit dieser Tatsache, soeben wieder durch die AG für Werbemedienforschung (Wemf) belegt, müssen sich die Kaufzeitungen im Lande arrangieren. Ein Blick über den grossen Teich zeigt: Weniger kann mehr sogar sein. In den USA freuen sich manche Verlage, dass die Anzahl gedruckter Exemplare sinkt.

10 Jahre Leben im Netz: Technologie wird es richten
(de-bug.de, Sascha Kösch)
Was musste das Internet alles aushalten in den letzten zehn Jahren! Heilsbringer, Urheberrechts-Bitch, Testballon für neue Techniken, Nadelöhr für ein besseres Morgen. Der Kapitalismus hat den Daumen drauf. Oder nicht?

Wie das Web 2.0 wirklich funktioniert
(medienpiraten.tv, Peer Schader)
Peer Schader wird schon wieder ein Text geklaut.

Kleine Fehler im großen SPIEGEL
(politik-digital.de)
Am Dienstag, 2. Oktober, war Timo Rieg vom Spiegelkritik-Blog zu Gast in der Blogsprechstunde, dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten. Er sprach über Fehler in Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin und den Unterschied zwischen Spiegel und Spiegel Online.

„In den Wahnsinn abgedampft“
(spiegel.de, Video, 2:44 Minuten)
Matthias Matussek in der Bloggerkrise.

Status anxiety
(spectator.co.uk, Toby Young)
Facebook versus MySpace is just how the Web 2.0 world expresses U and non-U.

Allein gegen die Mafia

Auf interessante Widersprüche stößt, wer den Fehler macht, sich auf Bild.de über die neuen Regeln beim Eurovision Song Contest informieren zu wollen. Einerseits heißt es da:

Gegen die Stimmen-Schacherei. (…)

Wird der Schlager-Grand-Prix endlich wieder ein fairer Wettbewerb? (…)

Weil sich die osteuropäischen Länder frech die Punkte zuschoben, landete unser Sänger Roger Cicero (36) in Helsinki nur auf Platz 19.

Die Stimmen-Mafia aus dem Osten soll jetzt mit neuen Regeln gestoppt werden.

Und andererseits steht im selben Artikel:

Massive, von unabhängigen Experten aber zurückgewiesene, Kritik kam aus westeuropäischen Ländern auch, weil der Wettbewerb angeblich durch das gegenseitige „Zuschanzen“ von Punkten innerhalb der osteuropäischen Länder für die westeuropäischen Teilnehmer nicht mehr zu gewinnen sei.

(Alle Hervorhebungen von uns.)

Der Widerspruch lässt sich leicht erklären: Das zweite Zitat stammt wörtlich aus einer dpa-Meldung, die den Kern des Artikels bildet. Um daraus eine Bild.de-Meldung zu machen, haben die Autoren einfach den Unsinn vom unfairen Wettbewerb und einer Ost-„Mafia“ dazu geschrieben.

An der Dominanz der osteuropäischen Länder in diesem Jahr hätte sich, wie berichtet, fast nichts geändert, wenn nur westeuropäische Länder hätten abstimmen dürfen. Und in den beiden Vorjahren hatten keine Länder des ehemaligen Ostblocks gewonnen.

Auch der letzte Satz des Bild.de-Artikels stammt nicht von den Agenturen. Er lautet:

Die neuen Regeln beim Grand Prix lassen nun hoffen, das auch wir endlich wieder eine faire Chance haben, den Wettbewerb zu gewinnen.

Lassen sie das? Die Änderungen betreffen fast ausschließlich die Qualifikation für das Finale. In diesem Jahr hatten sich dabei nur osteuropäische Länder durchsetzen können. NDR-Redakteur Manfred Witt erklärt die Änderungen deshalb so: „Das ist ein Versuch, das Finale ausgeglichener zu besetzen.“ Deutschland ist aber ohnehin — wie bisher — für das Finale gesetzt. An „unseren“ Chancen werden die neuen Regeln also vermutlich wenig ändern.

„Schieß doch!“

„Bild“-Reporter Christian Kitsch überrascht heute mit einer interessanten Statistik. Die Erstliga-Fußballer des VfL Bochum nämlich kommen derzeit bloß auf durchschnittlich 44,37 Prozent Ballbesitz pro Spiel. Und weil man sich darunter ja nun nix vorstellen kann und jetzt auch irgendwie gar nicht so richtig weiß, wie gut oder schlecht das im Verhältnis zu anderen Mannschaften ist, steht da netterweise auch:

"Zum Vergleich: Der durchschnittliche Ballbesitz in der Liga liegt bei ziemlich genau 50 Prozent."

Glückwunsch! Der durchschnittliche Ballbesitz in der Liga liegt tatsächlich bei „ziemlich genau 50 Prozent“. War bestimmt keine leichte Aufgabe für Statistikfachmann Kitsch das auszurechnen.

Daraufhin haben wir uns die Mühe gemacht und schnell mal alle Spiele der laufenden und der letzten Bundesliga-Saison ganz genau angeschaut — und kommen zu noch viel überraschenderen Ergebnissen: Sogar in jedem einzelnen Spiel liegt der durchschnittliche Ballbesitz beider Mannschaften bei ziemlich genau 50 Prozent.

Und jetzt gucken wir mal, ob das beim Handball genauso ist …

Mit Dank an Stephan B., Johannes W., Marcel G. und Mark P. für den sachdienlichen Hinweis.

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Wo die DDR noch ganz bei sich ist
(taz.de, Jenni Zykla)
Die „SUPER illu“ ist so alt wie die deutsche Einheit und erreicht im Osten mehr Leserinnen als „Spiegel“, „Stern“ und „Focus“ zusammen. Ein Redaktionsbesuch.

Klicken Sie auf den Button ‚Rechteerwerb beenden‘
(perlentaucher.de, Ilja Braun)
Die Zeitungen und die Rechte ihrer Autoren.

Prekariat und stolz darauf
(telepolis.de, Peter Mühlbauer)
Interview mit Rasmus Engler, dem Herausgeber des Buches „Wovon lebst du eigentlich?

„Bild“ wird selbstironisch?
(bildblog.de)
? aber leider erst im Jahr 2010.

France 2: Moderator würgte Redakteur während einer Sendung
(derstandard.at)
Zwei Wochen Moderationsverbot für William Leymergie.

„Dumm gelaufen, oder?“
(tagesspiegel.de)
Der Nationalspieler über den Anfang seiner Karriere – und das bittere Ende. Heute sagt Sebastian Deisler: Ich war nicht geschaffen für dieses Geschäft.

„Bild“ wird selbstironisch…

"Bild"-Sonderveröffentlichung mit Datum "1. Oktober 2007" und Schlagzeilen wie: "Ausgemiezt! Leser-Beirat schafft die Nackte ab!" -- "BILDblog -- Die neue Korrektur-Spalte in BILD" -- "BILD sucht den besten Chef-Abschuss" -- "Kanzlerin Pauli plant 5-Minuten-Ehe!"
… aber leider erst im Jahr 2010*.

*) Vor dem Berliner Springer-Hochhaus verteilt „Bild“ heute eine zweiseitige Bild.de-Papierausgabe, datiert auf den „1. Oktober 2010“. Es handelt sich dabei, wie wir erfuhren, um eine Aktion im Rahmen einer Springer-internen Initiative zur Kundenorientierung. Ein Impressum oder Hinweis auf den Urheber fehlt. Aber auf der Rückseite finden sich die 32 Mitglieder des „BILD-Leser-Beirats“, wie sie am Samstag auch in „Bild“ zu sehen waren — und auf der (einer „Bild“-Titelseite nachempfundenen) Vorderseite lauter (selbst)ironische Nachrichten und Schlagzeilen.

Offenbar in Anlehnung an unser „Fotografiert Kai Diekmann!“-Experiment sucht „Bild“ den „besten Chef-Abschuss“, Dieter Bohlen ist „Verlierer“ des Tages („Zwei Jahre keine einzige Zeile in BILD.“), Gabriele Pauli „Kanzlerin“. Eine Anzeige bewirbt „Die Wagner-Bibel: Das Neue Testament in 15 Zeilen“ („Erhältlich als E-Bible, Papier-Buch und Paris-Bar-Edition“), in den Kurzmeldungen heißt es unter der Überschrift „Schlämmer folgt auf Will“, Hape Kerkeling werde als Horst Schlämmer „den krisengeschüttelten Sonntags-Talk in der ehemaligen ARD übernehmen“.

Manches aber bleibt auch in Zukunft unverändert. So versieht der Ziehungsbeauftragte für willkürliche Altersangaben bei „Bild“ offenbar auch 2010 noch seinen Dienst: BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier ist, anders als die „Bild.de“-Zeitung behauptet, im Oktober 2010 nicht „42“, sondern 40 Jahre alt. Wie Niggemeier uns auf Nachfrage mitteilte, wird er darüber hinaus auch in drei Jahren nicht für, sondern weiterhin gegen die „Bild“-Zeitung arbeiten.

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«Sie konsumieren, was sie bekommen»
(nzz.ch, Chanchal Biswas)
In der Deutschschweiz gibt es neu vier grosse Sonntagszeitungen und bald fünf Gratiszeitungen. Findet der Mensch souverän durch die Informationsflut, oder geht er darin unter? Ein Medienprofi gibt Antwort.

Qualitätsjournalismus nach sueddeutsche.de-Art
(blog.zeit.de/meckern, pdf)
Das führende Internet-Angebot unter den Tageszeitungen, sueddeutsche.de, sieht sich dem „Qualitätsjournalismus im Netz“ verpflichtet. Die dort praktizierte Jagd nach den Klicks symbolisiert jedoch eher das Elend des Netzjournalismus.

„Von Dramatik reden immer die anderen“
(sueddeutsche.de, C. Busse und C. Tieschky)
Der Schweizer Verleger Michael Ringier äußert sich im Interview über den Auflagenschwund seines Boulevardblattes „Blick“ und seinen Berater Gerhard Schröder.

Wo der Zuschauer nur Zaungast ist
(spiegel.de, Nils Klawitter)
Autistische Erzählrituale, eine stereotype Inszenierung, dazu noch feine Unbegreiflichkeit: Ein neues Buch des Journalisten Walter van Rossum rechnet mit dem Mythos „Tagesschau“ ab.

Vietnam, Irak – und morgen Iran?
(tagesspiegel.de, Rüdiger Schaper und Jacalyn Carley)
Faule Journalisten, verlogene Politiker: Ein Gespräch mit der amerikanischen Reporterlegende Seymour M. Hersh.

Soll ja ein Traumberuf sein
(youtube.com, Video, 3:24 Minuten)
Journalisten über ihren Beruf anlässlich einer Buchpräsentation.

medienlese – der Wochenrückblick

Der Blick offerierte seinen Lesern einen in drei Altersklassen aufgeteilten Test, um herauszufinden, ob sie vielleicht Idioten sind. Frage 1: „Arbeiten Sie in einem Büro mit Töggelikasten oder Pingpong-Tisch?“ Frage 5: „Hattest oder hast du eine Vokuhila-Frisur?“. Frage 8: „Frau: Zwingen Sie ihn dazu?“. Die Auswertung ging so: „Mussten Sie in Ihrer Altersklasse mehr als vier Mal «Ja» antworten? Uiuiui. Bei Ihnen ist Hopfen und Malz fast verloren.“ Dafür wurde aber gleich auch Lebenshilfe offeriert. Punkt 7: „Nehmen Sie diesen Test nicht zu ernst – Sie sind kein Idiot, schliesslich lesen Sie Blick Online. :-)“.

Richtig schöne Bildergalerien gab es diese Woche. Eine, die sich „Love is in the air“ nannte. Und eine, die sich „So schön war?s beim Fernsehpreis“ nannte.

Wir lieferten zwar 50 Zitate diese Woche, aber bild.de zeigte schnell mal, wie man das richtig macht und schrieb über den Abgang von eines CSU-Politikers: „Unter stehenden Innovationen verlies Edmund Stoiber das Rednerpult„.

Read On…

Kurz korrigiert (437)

Es gibt bei Preisverleihungen nicht viel, was einen daran interessiert:

  • Wie war’s?
  • Und wer hat gewonnen?

Die Antwort auf die erste Frage ist Ansichtssache. (Aber wenn die Bild.de-Redaktion meint, der „Deutsche Fernsehpreis“ gestern abend auf RTL sei mit 3,43 Millionen Zuschauern „ein echter Straßenfeger“ gewesen… na, denn.)

Die Antwort auf die zweite Frage ist vielleicht entscheidender. Und dennoch heißt’s auf Bild.de seit heute Nacht in einer „Fotogalerie“:

"Beste Kochshow -- Gewinner:

Ach, hätten sich die Bild.de-Redakteure doch einfach nur ihre zweite „Fotogalerie“ zum Thema angeschaut! Heißt es dort doch unter einem weiteren Tim-Mälzer-Foto korrekt:

"Seine Freundin Nina Heik lächelt, aber Tim Mälzer guckt, als habe man ihm die Suppe versalzen. Mit dem Preis klappt es bestimmt ein anderes Mal"

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.

Nachtrag, 18.30 Uhr: Bild.de hat den Fehler inzwischen korrigiert.

Knast-Mädchen Reloaded

Erinnern Sie sich noch an Melanie W. aus Marzahn? Im Jahr 2005 berichtete „Bild“ mehrfach über das Mädchen, das in Brasilien wegen Drogenschmuggels im Gefängnis saß und angeblich zur „Miss Knast“ gewählt wurde. Außerdem fantasierte „Bild“ von einer möglichen Model-Karriere nachdem Melanie es auf das Cover der brasilianischen Zeitschrift „Trip“ geschafft hatte (wir berichteten).

Zwei Jahre später gibt es „Exklusiv in BILD“ (in der Berlin-Ausgabe ganzseitig und auf der Titelseite) Neuigkeiten — und alte Falschinformationen. Neu ist: Melanie wurde aus dem Gefängnis entlassen. Teils alt und falsch und teils neu und falsch ist dies:

"2005 wurde sie zur Miss Knast gewählt"

Die blonde Schönheit kam in die Endauswahl, begeisterte die Jury (…). Sie gewann!

Erstens wurde Melanie, wie gesagt, nicht zur Miss Knast gewählt, und zweitens wurde sie nicht im Jahr 2005 nicht zur Miss Knast gewählt, sondern im Jahr 2004. Das konnte man übrigens auch in der „Bild“-Zeitung nachlesen. Dort hieß es im November 2005 in einer recht abenteuerlich formulierten Meldung:

Jung, sexy, Verbrecherin — Brasilien hat eine neue „Miss Knast“! Die deutsche Titelverteidigerin Melanie [W.], 2. der Miss-Wahl 2004* (BILD berichtete), mußte ihre Krone abgeben.

*) Auch der 2. Platz ist aller Wahrscheinlichkeit nach falsch. Dem „Tagesspiegel“ hatte Melanie im Oktober 2005 erzählt, dass die „Miss-Knast“-Geschichte nicht stimmte: „Die angebliche Miss Knast Brasilien landete in der Endauswahl der Schönheiten auf den hinteren Plätzen.“

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