Mindestlohnlügen


Jürgen Trittin, 53, ist seit 1980 Mitglied der Grünen, seit 1998 Bundestagsabgeordneter. Von 1998 bis 2005 war er Umweltminister und ist derzeit Vize-Chef der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Am 29.1.2001 (kurz nach dem Amtsantritt von Kai Diekmann als „Bild“-Chef) druckte „Bild“ das inzwischen legendäre „Bolzenschneider“-Foto mit Jürgen Trittin, das Diekmann auch im Nachhinein nur als „schwerwiegenden handwerklichen Fehler“ verstanden wissen will. In den vergangenen Jahren musste „Bild“ mehrere Gegendarstellungen Trittins abdrucken, darunter — mitten im Bundestagswahlkampf 2005 — eine, die (angesichts des vorgeblichen Sinneswandels der „Bild“-Zeitung in Ökofragen) heute für „Bild“ um so peinlicher erscheint.

Von Jürgen Trittin

Am 13. Dezember 2007 geht Liselotte Pulver [1, siehe Abb. u.] mit „dem schönsten Lächeln ins Altersheim“, obwohl sie „mit 76 immer noch jugendlich“ wirkt. „Bild“ enthüllt [2], dass die Zuschauer die „Tageschau“ nicht verstehen — anders als das „Ehe-Aus“ bei Oettingers [3]. Deren neuer „Geliebter“ hat nämlich bei „Bunte“ „ausgepackt“ und „Bild“ druckt es nach. Vielleicht liegt das Ehe-Aus ja daran, dass — so Roland Koch auf der gleichen Seite — „Politiker zu wenig verdienen“. Weniger als Porsche-Manager auf jeden Fall.

Obwohl eine „Cara“ [4] nicht bowlen kann, ist Philipp Mißfelder von der Jungen Union der „Gewinner“ des Tages [5], weil er einer Jugendorganisation* der Linkspartei die Förderung durch den Ring Politischer Jugend verweigert hat. „Linksextremisten dürfen keine Staatsknete bekommen“, so Mißfelder. Die sollten der Jungen Union und ihrem Vorsitzenden vorbehalten bleiben, der die Staatsknete schon mal genutzt hat, um zu fordern, alten Menschen keine Hüftoperationen mehr zu bezahlen — wohl im Namen der Generationengerechtigkeit. So sehen bei „Bild“ Sieger aus.

Verlierer, wie der bei den Bayern suspendierte „Titan“ Olli Kahn [6], müssen sich dagegen auf der ersten „Bild“-Seite nachfragen lassen, ob sie gelogen haben. Da ist „Bild“ Expertin. Ich empfehle Olli ein Weißbier samt Waldi Hartmanns Erkenntnis, auf der Bank ist es am schönsten. Und ein kleiner Trost für ihn findet sich auf der letzten Seite: Manchen geht es noch schlechter — Prinz Charles wurden 350 Gänse geklaut. Im Bild über den Gänsen: Paris Hilton [hier ohne Abb., d.Red.]. Die durfte zwar keine Werbung für ihren Dosen-Prosecco im Reichstag machen, aber doch dessen Kuppel besichtigen.

Unten auf Seite 1 kommt „Bild“ auch zu einem Herzensanliegen seines Verlages, der Beibehaltung eines — staatlich subventionierten — Niedriglohnsektors [7]. Direkt unter der Nachricht [8] „Normal-Benzin immer öfter so teuer wie Super“ („Bild“ konnte das schon mal kürzer) warnt „IFO-Chef Sinn“:

Mindestlohn kostet bis zu 1,9 Mio. Jobs.

Ein gesetzlicher Mindestlohn, so die sinnige Erkenntnis des Wirtschaftsprofessors im Boulevardblatt, würde 470.000 Stellen in Ostdeutschland und 1,42 Mio. Stellen in Westdeutschland kosten.

Das erscheint in jenem Springer-Verlag, der es als Miteigentümer der PIN AG gerade geschafft hat, einen privaten Zustelldienst trotz Hungerlöhnen an den Rand der Insolvenz zu führen und nun vor Massenentlassungen steht. Wie schön, dass man das eigene unternehmerische Versagen mit professoraler Hilfe einem noch nicht eingeführten Mindestlohn in die Schuhe schieben kann.

Aber Sinns Ideen zum Mindestlohn geben auch so keinen Sinn. Warum haben fast alle anderen Mitgliedstaaten der EU einen gesetzlichen Mindestlohn und viele trotzdem eine niedrigere Arbeitslosigkeit als Deutschland? Weil sich Niedriglohnjobs eben nicht einfach nach China verlagern lassen. Haare müssen geschnitten, Gebäude gereinigt und bewacht, und Briefe müssen zugestellt werden. Deutschland hingegen subventioniert ausbeuterische Arbeitgeber, in dem Wenigverdienern aus Steuermitteln das Gehalt aufgestockt wird.

Deutschland muss aufpassen, dass es ihnen nicht geht wie Werder Bremen. Die „Werder-Versager“ nämlich „vergraulen Diego“. Da war ich mit „Bild“ wieder im Reinen. Wenn die Hauspostille des FC Bayern uns grüne Fischköppe als Versager tituliert und Diego neidet, dann kann Thomas Schaaf diese Saison nicht alles falsch gemacht haben.

Jetzt aber möchte ich die „FAZ“ und die „Berliner Zeitung“ lesen.
 
BILDblogger für einen Tag ist morgen Hans Leyendecker.

*) Hier stand zunächst „Jugendmagazin„. Tatsächlich geht es in der „Gewinner“-Meldung von „Bild“ aber um Solid, die Jugendorganisation der Linkspartei. Wir bitten um Entschuldigung, d.Red.

Da nehm' ich besser mal den 50/50-Joker

Derzeit dürfen Bild.de-Leser auf der Bild.de-Startseite darüber abstimmen, wie sie den neuen Bild.de-Auftritt finden. Bild.de bietet den Bild.de-Lesern dazu vier Antwortmöglichkeiten (siehe Ausriss).

Und wir fragen Sie:

n

{democracy:2}

Mit besonderem Dank an Marek M.!

6 vor 9

6 vor 9 heute wegen widerspenstiger Technik sozusagen als 6 um 36 vor 12 – danke für die Geduld!

Der Schattenmann
(ksta.de, Tilmann P. Gangloff)
Christoph Gottschalk ist einer der Strippenzieher im deutschen Showbusiness; und das keineswegs erst, seit er die Lizenzrechte für ?Wetten, dass..?? mit großem Erfolg nach China exportiert hat.

?Bei Anruf Abzocke?
Das kauft man ihm ab!

(faz.net, Oliver Jungen)
Seit wenigen Monaten ist Günter Wallraff zurück auf der großen Bühne. Aber als wäre ihm daran gelegen, die Größe seiner einstigen Undercover-Einsätze im Nachhinein herunterzuspielen, tritt er nun als Karikatur seiner selbst auf.

Apple als Massenprodukt und stolpernde Spiegel-Online-Autoren
(fscklog.com)
Vor Jahren noch war die Welt einfach gewesen. Spiegel-Online-Artikel zum Thema Apple wälzten sich grundsätzlich in unendlichen Unzulänglichkeiten, bis sich dies mit Apples fortschreitendem Erfolg plötzlich änderte. Aus den SPON-Artikel verschwanden die Fehler, gewitzte Analysen folgten auf schlaue Feststellungen und mancher gab sich gar euphorisch. Doch nun, endlich, ist alles beim alten Alten.

Zu viele Fremdwörter – Keiner versteht die „Tagesschau“
(spiegel.de)
Eine neue Umfrage hat ergeben, dass manche alltägliche Fachbegriffe in der „Tagesschau“, darunter „Tarifautonomie“ oder „Koalitionsfreiheit“, von nahezu keinem Zuschauer verstanden werden.

Sarkozy-Freund will französische AP kaufen
(ftd.de)
Der Ex-Chef der französischen Nachrichtenagentur AFP, Bertrand Eveno, unterstützt den Pariser Geschäftsmann Vincent Bolloré beim Aufbau eines Medienimperiums. Gemeinsam wollen sie die französische Tochter der US-Nachrichtenagentur AP kaufen.

Endspurt vor Weihnachten
(fr-online.de)
Der umstrittene Verkauf des Süddeutschen Verlags (SV) und seines Flaggschiffs Süddeutsche Zeitung steht unmittelbar vor der Entscheidung. Die vier ausstiegsbereiten SV-Altgesellschafter, die zusammen über 62,5 Prozent der Anteile verfügen, wollen voraussichtlich in der Woche vor Weihnachten einen Käufer präsentieren, heißt es in ihrem Umfeld.

Symbolfoto L

Bild.de zufolge sehen wir auf obigem Foto eine Zelle in einem türkischen Gefängnis.

Wir allerdings fänden es erstaunlich, wenn sich die Raumausstatter türkischer Gefängnisse beim Zellendesign tatsächlich derart eng am klassischen Vorbild orientiert haben sollten, wie folgendes Foto aus der legendären US-Haftanstalt Alcatraz nahelegt:

Mit Dank an Günter S., Jürgen D. und Marko B, der „beim Durchsehen alter Urlaubsfotos“ ebenfalls eins aus Alcatraz entdeckte.

Irb langsam!

Erben muss man sich leisten können.
(unbekanntes Sprichwort)

Der Herr Hoeren von „Bild“ hatte ja heute die lustige Idee, dass die Bundesregierung in Sachen Erbschaftssteuer einfach gar nichts hätte tun müssen. Das noch geltende Gesetz hätte sich dann, weil es verfassungwidrig ist, „in Luft aufgelöst“. Hoeren nennt das „große Chance“, die vertan wurde, und seine Idee eine „einfache Lösung“. Das stimmt zweifellos, wenn man (wie Hoeren) das kleine Detail ignoriert, dass sich auf diese Weise auch jährlich fast fünf Milliarden Euro Einnahmen in Luft auflösen.

Aber so richtig in der Materie zu sein scheint Hoeren ohnehin nicht, sonst hätte er vermutlich gewusst, dass es noch nicht Ende 2007, sondern erst Ende 2008 Puff gemacht hätte.

Das ist im konkreten Fall vielleicht ein bisschen egal: Ist ja nur ein Kommentar. Ärgerlicher ist, dass „Bild“ auch für den großen Ratgeber-Artikel zum Thema niemanden gefunden hat, der sich mit der Sache auskennt. Autor Hanno Kautz behauptet dort:

GÜLTIGKEIT

Das Gesetz wird rückwirkend ab 1. Januar 2007 gelten: Alle, die in diesem Jahr geerbt haben oder in Zukunft ein Erbe erwarten, sind vom neuen Erbschaftssteuerrecht betroffen. Das heißt: Wer heute erbt, wird zwar nach geltendem Recht versteuert. Sollte sich aber nach Inkrafttreten der Reform herausstellen, dass er dann weniger an den Fiskus zahlen müsste, bekäme er Steuergutschriften. Alle aktuellen Erbschaftsteuer-Bescheide sind also nur vorläufig.

Das ist gleich doppelt falsch.

Erstens müssen Erben, die wollen, dass die neue Regelung auch für einen Erbfall zwischen dem 1. Januar 2007 und dem Inkrafttreten des Gesetzes gilt, extra einen Antrag stellen. Das geschieht — anders als „Bild“ nahelegt — nach dem jetzt verabschiedeten Gesetzentwurf nicht automatisch, und insofern sind auch die Bescheide nicht generell vorläufig.

Zweitens sieht der Gesetzentwurf ausdrücklich vor, dass in diesen Fällen nicht auch die neuen, höheren Freibeträge gelten, sondern die alten. Für Erben von Privatvermögen wäre durch eine Rückwirkung nichts zu gewinnen. Ausschließlich Unternehmenserben können von ihr profitieren.

Ja, blöd: „Was Sie jetzt wissen müssen“ steht drüber, aber nicht drin.

Und wo bleibt das Positive? Hier: Immerhin schreibt die „Bild“-Zeitung nicht mehr den Unsinn von Anfang November. Wenn Sie vergleichen möchten:

„Bild“, 5.11.2007:

„Erben privater Vermögen und Immobilien müssen sich auf
deutlich höhere Steuern einstellen!“

„Bild“, 12.12.2007:

„Die Nutznießer der Reform sind alle nahen Verwandten. Für Ehegatten, Kinder, Enkel und Urenkel gelten künftig deutlich höhere Freibeträge.“

Allgemein  

Was „Bild“ weglässt (außer Weichspüler)

Eine Möglichkeit ist es natürlich, Khaled al-Masri (wie berichtet) als „durchgeknallten Schläger, Querulant und Brandstifter“ zu bezeichnen, als „irren Deutsch-Libanesen“, der „monatelang die Bundesregierung, Parlament und Öffentlichkeit terrorisierte“.

Aber es gibt auch andere, leisere und nicht minder effektive Möglichkeiten, einen Menschen zu diffamieren. In ihrer Berichterstattung über das Urteil im Prozess gegen al-Masri zeigen „Bild“ und Bild.de, dass sie auch diese Variante beherrschen.

Der Bild.de-Artikel beginnt mit dem Satz:

Der Deutsch-Libanese (bekannt als angebliches Folter-Opfer) ist vom Landgericht Memmingen zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden.

Erstaunlich an dieser Formulierung ist nicht nur, dass ein Medium, das sonst schon aus kleinsten Gerüchten größte Schlagzeilen macht, plötzlich im Fall al-Masris das Wort „angeblich“ im Wortschatz der deutschen Sprache entdeckt. Erstaunlich ist vor allem, dass Bild.de mit dem Wort „angeblich“ wieder einmal Zweifel an al-Masris Aussagen ausdrückt, die zuständige Behörden nicht haben.

Bild.de enthält den Lesern ebenso wie die gedruckte „Bild“-Zeitung (siehe Ausriss rechts) auch die Begründung des Gerichtes vor, warum es jemanden, den es immerhin der Brandstiftung, gefährlichen Körperverletzung, Beleidigung und Hausfriedensbruch für schuldig befindet, trotzdem nur zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die „Schwäbische Zeitung“ formulierte es so:

Seine Traumatisierung durch die fast sechsmonatige Gefangenschaft in Händen des amerikanischen Geheimdienstes CIA in Afghanistan und sein umfassendes Geständnis waren es, die dem 44-Jährigen einen weiteren Aufenthalt im Gefängnis ersparten.

Und die Nachrichtenagentur dpa fasste das so zusammen:

Das Gericht rechnete El Masris Geständnis, die Entschuldigungen bei den Opfern und die Traumatisierung durch seine Entführung nach Afghanistan als strafmildernd an.

Natürlich hat „Bild“ das weggelassen, sonst hätten vermutlich Millionen „Bild“-Leser gefragt: „Traumatisiert? Wovon das denn??“ Schließlich hat ihre Zeitung ihnen al-Masri bislang und konsequent nur als „durchgeknallten Schläger, Querulant und Brandstifter“ und potentiellen Lügner vorgestellt, dem nicht mehr passiert ist, als dass er „versehentlich in Mazedonien verschleppt und für fünf Monate inhaftiert wurde“, was aber kein Skandal sei.

Der psychiatrische Gutachter Norbert Ormanns sagte im Verfahren übrigens, al-Masris Taten hätten sehr wahrscheinlich verhindert werden können, wenn al-Masri, der vor seiner Entführung 20 Jahre lang unbescholten in Deutschland gelebt hat, die dringend notwendige Therapie bekommen hätte. Auch das steht nicht in „Bild“. Vermutlich, weil die Zeitung solche Zusammenhänge erklärtermaßen für „irre“ hält.

Als „Bild“ vor zwei Wochen schrieb:

Wir werden unsere Berichterstattung [über al-Masri] nicht weichspülen – so wenig wie bei Hasspredigern, Nazis oder sonstigem durchgeknallten Gesindel.

meinte die Zeitung also in Wahrheit vermutlich ungefähr:

Wir werden auch in Zukunft so manipulativ und irreführend berichten, dass unsere Leser keine Wahl haben, als die von uns verbreiteten Vorurteile bestätigt zu finden.

AFP-Meldung beweist: Bild.de unschuldig

Es sieht ganz so aus, als trügen die Nachrichtenagenturen AFP und AP eine Mitschuld an dieser Bild.de-Geschichte:

"DNA-Test beweist: US-Bürger saß 27 Jahre unschuldig im Gefängnis"

AP hatte nämlich gestern eine Meldung unter der Überschrift veröffentlicht „US-Amerikaner saß fast 30 Jahre unschuldig in Haft“, während AFP letzte Nacht eine Meldung unter der Überschrift veröffentlicht hatte „US-Bürger saß 27 Jahre unschuldig hinter Gittern“. Allerdings ließ sich dem AFP-Text entnehmen, dass der US-Bürger John White zwar 1980 wegen einer Vergewaltigung — die er, wie sich jetzt rausstellte, nicht begangen hatte — zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. 1990 aber wurde er auf Bewährung* entlassen und 1997 sei er wegen eines Diebstahls** wieder ins Gefängnis gekommen.

Das macht nach unserer Rechnung insgesamt 20 Jahre Gefängnis, von denen White jedoch lediglich 10 Jahre unschuldig gesessen hätte. Es wäre also für Bild.de gar nicht mal so schwer gewesen, die Überschrift als Unsinn zu entlarven.

Ach ja, AFP hat ihre Meldung heute um kurz nach 13 Uhr korrigiert.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

*)Dass es bei Bild.de fälschlicherweise heißt, der Mann sei 1990 „begnadigt“ worden, liegt demnach nicht an der AFP-Meldung, wahrscheinlich aber an der AP-Meldung.

**) Auch hier irrt die deutsche AFP. Tatsächlich wurde John White 1997 wegen Raubes verurteilt, nicht wegen Diebstahls, wie sich auch der englischsprachigen Version der AFP-Meldung entnehmen lässt. Die scheint aber auch insofern ungenau zu sein, als White offenbar zudem 1993 wegen eines Drogendelikts zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Das wiederum berichtet die Nachrichtenagentur ap in einer englischsprachigen Meldung.

Selber Würstchen!


Klaus Vater, 61, ist seit über fünf Jahren Sprecher der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Er leitet die Pressestelle des BMG und war zuvor schon Sprecher des Bundesarbeitsministeriums. Seine berufliche Karriere begann der gelernte Politikwissenschaftler als Journalist; er war u.a. Redakteur bei der SPD-Zeitung „Vorwärts“. 2004 berichtete der „Tagesspiegel“, Vater schreibe nebenbei an einem Roman („Mittvierzigerin im großen Ministerium, die einer Verschwörung auf die Spur kommt“). Auf die Frage, was daraus geworden ist, antwortet er heute, er sei „derzeit nicht so in der Laune“. Von Vater verfasste Pressemitteilungen beginnen auch schon mal mit den Worten: „‚Bild‘ lügt.“

Von Klaus Vater

Liebe Bildblog-Gucker(innen)! Ganz aufgeregt — seit Tagen aufgeregt — wartete ich heute auf „Bild“ von heute. Wenn ich schon der Blogger des Tages sein soll, dann soll’s auch eine irgendwie besondere Ausgabe sein.

Ergebnis: Nix da. Was die Deutschen verdienen, verspricht „Bild“ heute. Nicht ’n paar Deutsche, sondern die. Also alle, ausnahmslos. Jeder und Jede. Sofort im Alphabet rum gerutscht. „A“, dann „B“, dann „C“ – wie Chefredakteur „Bild“. Keine Angabe. Nix über K.D. Also verdient der auch nichts. Oder? Anschließend unter Vorstandsvorsitzende nachgeschaut. „V“ wie Döpfner zum Beispiel. Schon wieder nichts. Hmmmm. Möglich wäre ja, dass man ihm Verluste im Geschäft vom Gehalt abgezogen hat. Dann würde er schon aus der Tabelle raus fallen. Also ein Klassiker wird die Gehälter-Tabelle in „Bild“ nicht.

Dafür bietet „Bild“ unten auf der Seite freilich einen echten Klassiker. Nämlich, dass die Deutschen zu einem Drittel an Heiligabend Würstchen mit Kartoffelsalat essen. Gänse fliegen mit 19 Prozent abgeschlagen hinterher. Eine Zeitschrift namens „Bella“ will das herausgefunden haben. Um das zu wissen, hätte keine Zeile von „Bella“ zu „Bild“ springen müssen. Weiß doch jeder, dass es Heiligabend Würstchen gibt! Selber Würstchen! Dazu passt allerdings nicht, links neben dem Kartoffelsalat gedruckt, dass die Deutschen zu wenig sparen. Vielleicht findet „Bild“ ja heraus, dass die Deutschen weniger sparen, weil sie mehr und größere Würste sowie noch mehr Kartoffelsalat essen. Paris Hilton soll übrigens wieder in Berlin sein. Was ich persönlich nicht glaube. Denn sie kennt laut „Bild“ Knut nicht.

Aus meinem „Zuständigkeitsbereich“ Gesundheit und damit Verbundenes habe ich fast nichts gefunden. Außer dass Chef-Kommentator Hoeren auf Seite zwei irgendwie schlecht aussieht. Hängt vielleicht mit dem Thema zusammen. Erbschaftssteuer. Wenn ich ihn richtig verstanden habe (3 x gelesen), will er die Erbschaftssteuer weg haben. Er meint, die Politik solle nichts tun, dann würde sie keine große Chance vertun. Das soll einer verstehen. Halt. Stopp. Nur nichts übersehen? Auf Seite eins steht, es gebe in Deutschland wieder mehr Geburten. Und dann steht da der Satz — Zitat: „Eigentlich gingen die Forscher auch für dieses Jahr von einem Rückgang aus.“ Die Forscher! Da ich fünf Kinder habe, könnte mich die ganze Sache ja eiskalt lassen. Aber was zum Teufel haben die Forscher mit der Geburtenrate zu tun? Männer, deutsche Männer, traut den Forschern nicht. Wehrt Euch!

Letzter Blick auf die Zeitung: 50 Cent. Na ja. Dafür gibt’s andere Verwendungen. Beim nächsten Besuch im Einstein leg ich drei Euro für den Cappu zu 2,50 Euro auf den Tresen. „Stimmt so“. Dafür krieg‘ ich ein nettes Lächeln der hübschen Frau hinter dem Tresen. Das ist gut angelegte Kohle.
 
BILDblogger für einen Tag ist morgen Jürgen Trittin.

Kurz korrigiert (447)

Was hat John Wayne beim Pferdeholen mit dem Nobelpreis zu tun? Eigentlich nichts, aber als am Montag die Nobelpreise in Stockholm und Oslo verliehen wurden, nahm Al Gore seinen Friedensnobelpreis in Cowboy-Stiefeln entgegen. Diese Tatsache war für „Bild“ offenbar so wichtig, dass sie sich gestern in der Klatsch-Rubrik auf der letzten Seite ausführlich damit beschäftigte. Rund die Hälfte des Textes über die „Nobelpreis-Überreichungs-Zeremonie“ drehte sich allein darum.

Nicht so wichtig war für „Bild“ hingegen, wer da eigentlich sonst noch wofür irgendwelche Nobelpreise bekam:

Genauso höflich verneigten sich seine deutschen Preisträger-Kollegen bei Schweden-König Carl Gustaf XVI. (61): die Physik-Nobelpreisträger Professor Gerhard Ertl (71) und Professor Peter Grünberg (69).

Gerhard Ertl bekam den Chemie-Nobelpreis, während der Physik-Nobelpreis an den Deutschen Peter Grünberg und den Franzosen Albert Fert ging.

Mit Dank an wayne für den sachdienlichen Hinweis.

6 vor 9

Medien mit Migrationshintergrund
(bundblog.espace.ch, Artur Vogel)
Wenn etwas vom Staat an uns Journalisten herangetragen wird, sei es in Form einer Empfehlung, einer Anregung oder eines Befehls, werde ich hellhörig. Staat und Medien, das verträgt sich nur auf Distanz; es ist immer wieder zu beobachten, wie einer, wenn er die alleinige Herrschaft anstrebt — sei dies Putin in Russland, Mugabe im Simbabwe, Chavez in Venezuela oder Mubarak in Ägypten — stets zuerst versucht, die Medien unter Kontrolle zu bringen.

Zensur? Nein, Zivilität
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Anstatt gleich Zensur zu schreien, sollte sich das deutsche Online-Völkchen lieber Verantwortung auf die Fahnen schreiben. So frei wie das Medium Internet ist, so stark hat es sich in der Vergangenheit kommerzialisiert und verlangt der Kontrolle.

Der Süddeutschen wird das Internet zuviel
(telepolis.de, Florian Rötzer)
Zuerst ließ man einen Redakteur eine Breitseite gegen den Internetpöbel reiten, dann schließt man das Forum über Nacht und am Wochenende vor den Barbaren aus der Tiefe des virtuellen Raums.

Weißer Mann, was nun? (Lesetipp)
(zeit.de, Andrea Jeska)
Die Zweifel am Engagement Prominenter für die Armen der Welt wachsen. Eine Reise mit dem Kölsch-Rocker Wolfgang Niedecken nach Uganda

Enteignet Springer!
(youtube.com, Video, 0:20 Minuten)
Spontane Aktion der Grünen Jugend Münster gegen Medien-Mogul Springer, anläßlich dessen Beteilung an der Aktion „Licht aus“.

Blogs in plain english
(youtube.com, Video, 2:58 Minuten)
A video for people who wonder why blogs are such a big deal.

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