Archiv für Januar, 2023

Verkehrte Parallelmedienwelt, TikTok macht gut Wetter, Messerattacken

1. Verkehrte Parallelmedienwelt
(journalist.de, Matthias Meisner)
Der freie Journalist Matthias Meisner beschäftigt sich immer wieder mit dem Spektrum der “alternativen” oder “freien Medien” und gerät dabei selbst ins publizistische Schussfeld: “Tichys Einblick sieht in mir einen ‘Desorientierungsspezialisten’. Der Blogger Boris Reitschuster nennt mich ‘Karl-Lauterbach-Fan’ – und meint das nicht nett. Das Portal Telepolis setzt meine Berufsbezeichnung ‘Journalist’ in Gänsefüßchen. Vom Magazin Cicero bekomme ich den Titel ‘publizierender Aktivist’. Die NachDenkSeiten schreiben, ich sei bekannt für meine ‘intriganten Artikel gegen Sahra Wagenknecht’.”

2. Offizielle (!) Zahl der Messer-Attacken halb so hoch wie die sog. Experten
(volksverpetzer.de, Tobias Wilke)
In verschiedenen Medien war zeitweise von einer Zahl von Messerattacken in Deutschland zu lesen, die deutlich zu hoch ist und somit nichts mit der Realität zu tun hat. Tobias Wilke hat sich in seiner Analyse auf die Suche nach den Ursachen gemacht. Eine ist relativ einfach: “Dass Kriminalitätszahlen aus verschiedenen Bundesländern lieber nicht verglichen werden sollten, solange das BKA diese nicht ‘ausgesiebt’ und vereinheitlicht hat, ist leider keine Ausnahme. Wer es dennoch selbst versucht, vergleicht Äpfel mit Birnen und Mettbrötchen und erhält eine dementsprechend sinnfreie Gesamtsumme.”

3. TikTok-Chef wird im US-Kongress aussagen
(spiegel.de)
Die App TikTok des chinesischen Konzerns ByteDance steht in den USA seit geraumer Zeit in der Kritik. Sogar von einem Verbot war immer wieder die Rede. Nun hat das Unternehmen mit einer Lobbykampagne reagiert, die die Bedenken in den USA zerstreuen soll: TikTok bietet an, die Daten dortiger Nutzerinnen und Nutzer bei einem US-Provider zu speichern, die Moderationspolitik zu überarbeiten und die Empfehlungsalgorithmen zu überprüfen.
Weiterer Lesetipp: “Kauft den Schrott nicht!”: Auf Tiktok geht gerade “Deinfluencing” durch die Decke (omr.com, Roland Eisenbrand).

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4. Russischer Exiljournalismus: Beeindruckender Mut und große Sorgen
(br.de, Linus Lüring & Leon Wohlleben, Audio: 28:58 Minuten)
Hunderte russische Medienschaffende hätten wegen ihrer kritischen Haltung gegenüber Wladimir Putin und dem Krieg gegen die Ukraine Russland verlassen müssen. Viele von ihnen würden nun trotz schwieriger Bedingungen mit bemerkenswerter Professionalität und Kreativität aus dem Ausland weiter berichten. Linus Lüring und Leon Wohlleben sprechen mit Tamina Kutscher (Chefredakteurin von dekoder.org), Polina Stretter (Programmdirektorin beim JX Fund) und Valeria Ratnikova (Moderatorin beim TV-Sender Doschd).

5. Gefährlicher Präzedenzfall
(taz.de, Reinhard Wolff)
Zwei Journalisten der finnischen Zeitung “Helsingin Sanomat” wurden wegen der “Offenlegung von Staatsgeheimnissen” schuldig gesprochen. Dabei ging es um eine Recherche aus dem Jahr 2017 zu einem Gesetzesentwurf, der den Sicherheitsdiensten erweiterte Überwachungsbefugnisse einräumen sollte. Der Chefredakteur der Zeitung bezeichnete das Urteil als Angriff auf die Pressefreiheit in Finnland, da es eine abschreckende Wirkung auf die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten habe, wenn sie inhaftiert werden könnten.

6. 100 Jahre Radio – Zur Geschichte und Zukunft des Hörfunks
(ardaudiothek.de, Norbert Lang, Audio: 44:18 Minuten)
Das Radio wurde schon oft totgesagt, doch immer noch hört mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland täglich Radio. Was macht das Medium aus? Und wie wird es sich in Zukunft verändern? Darüber diskutiert Norbert Lang mit dem Musik- und Medienwissenschaftler Golo Föllmer, der SWR-Hörfunkjournalistin Sandra Müller und dem Literatur- und Medienwissenschaftler Andreas Stuhlmann.

Ohne Loser, aber mit Werbung für die Wunderwaffe gegen Hautalterung

Wenn vier prominente Frauen sich treffen, offen über ihr Single-Dasein plaudern und von ihrer Männersuche erzählen, dürfte das für ein Boulevardmedium ein großes Geschenk sein. Selbstverständlich hat sich “Bild”-Chefreporterin Iris Rosendahl diese Geschichte nicht entgehen lassen:

Screenshot Bild.de - Ruland, Ahrens, Halmich und Bülter im Girls-Talk - Wir wollen keine Loser

Sie gehen zusammen auf Partys, fahren teils zusammen in den Urlaub und sind seit vielen Jahren miteinander befreundet: die Schauspielerinnen Tina Ruland und Mariella Ahrens, Ex-Boxweltmeisterin Regina Halmich und Moderatorin Tanja Bülter.

Und alle eint, dass sie aktuell Single sind. Sie lachen, tuscheln und rechnen, als BILD am SONNTAG die vier darauf anspricht. Dann steht das Ergebnis fest. “Zusammen sind wir 15 Jahre Single”, sagt Tina Ruland.

Vorab musste natürlich noch die Frage geklärt werden, wo das Lach-und-Tuscheltreffen stattfinden könnte. Aber auch dafür gab es eine Lösung:

Zusammen machte das Berliner Freundinnen-Quartett einen Ausflug nach Werder (Havel, Brandenburg) (…) Dort traf BamS die Vier zum exklusiven Interview.

Praktisch.

Ohne unsere Auslassung lautet die Passage im Bild.de-Artikel übrigens so:

Zusammen machte das Berliner Freundinnen-Quartett einen Ausflug nach Werder (Havel, Brandenburg), testete dort ein neuartiges Anti-Aging-Lasersystem PicoSure Pro (eins von drei in Deutschland!) in der Privatpraxis von Dr. med Jasmin Last. Hollywood schwört bereits auf die Wunderwaffe im Kampf gegen die Hautalterung.

Dort traf BamS die Vier zum exklusiven Interview.

Im gesamten Beitrag gibt es keine einzige inhaltliche Verbindung zum “neuartigen Anti-Aging-Lasersystem”, keine zu der Privatpraxis, zum Thema Hautalterung oder zur “Wunderwaffe im Kampf” dagegen. Zu Hollywood gäbe es die Verknüpfung, dass mit Tina Ruland und Mariella Ahrens zwei Schauspielerinnen in der Runde dabei sind, und in Hollywood auch geschauspielert wird. Das wäre es dann aber auch. Es gibt nur diese zwei Absätze, die so überraschend und brachial daherkommen, dass man wohl nicht mehr von Schleichwerbung, sondern von Trampelwerbung sprechen müsste. Dazu noch ein Foto der vier Freundinnen und der Ärztin, die lächelnd um das “eins-von-drei-in-Deutschland-!”-Lasersystem stehen, von der “Bild”-Chefreporterin eigenhändig aufgenommen:

Screenshot Bild.de - Foto von Ruland, Ahrens, Halmich und Bülter neben der Ärztin und der  mit der Bildunterschrift - Die Freundinnen testeten das Anti-Aging-Lasersystem PicoSure Pro bei Dr. med. Jasmin Last (35, ganz links). Die Ärztin für Ästhetische Medizin zu BamS: Wer mit seinem eigenen Gesicht verzögert und natürlich älter werden möchte, ist bei mir richtig. Der Laser hilft bei der Hautverjüngung, Narben und Pigmentreduzierung.

Nach dem eingeschobenen, nicht gekennzeichneten Werbeblock für die Praxis geht es zusammenhangslos wieder um die Partnersuche der vier Promi-Frauen:

(…) Hollywood schwört bereits auf die Wunderwaffe im Kampf gegen die Hautalterung.

Dort traf BamS die Vier zum exklusiven Interview.

Gegen einen neuen festen Partner hätten aber alle vier nichts einzuwenden. Doch der muss auch ins Profil passen.

Und so weiter.

In der gedruckten “Bild am Sonntag” ist der Artikel ohne die Passage zu “PicoSure Pro” und das Foto erschienen. Dort geht es nur um die vier Freundinnen und ihr Single-Leben.

Mit Dank an Bastian für den Hinweis!

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“Bild”-Bericht teils rechtswidrig, Im Dienste ihres Kanzler, Rote Armee

1. Bild-Bericht über Tod von Lisa Mar­tinek teils rechts­widrig
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat bestätigt, dass Trauer und Angst um einen nahen Angehörigen durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht geschützt sind. Eine Berichterstattung über eine solche Gefühlslage verletze das Persönlichkeitsrecht des Angehörigen auch dann, wenn seine Gefühlswelt nur “zwischen den Zeilen” wiedergegeben werde. Gleichzeitig kann ein berechtigtes Informationsinteresse der Öffentlichkeit an den Umständen des Todes eines Menschen bestehen. Zum Hintergrund: Ein Kläger, der Ehemann der verstorbenen Schauspielerin Lisa Martinek, hatte den Axel-Springer-Verlag auf Unterlassung der “Bild”-Berichterstattung über den Tod seiner Frau verklagt und vom BGH teilweise Recht bekommen.

2. Im Dienste ihres Kanzlers
(taz.de, Sebastian Erb)
Die Digitalkonferenz “Republica” konnte im vergangenen Jahr einen prominenten Gast gewinnen: den amtierenden Bundeskanzler Olaf Scholz. Die bekannte Moderatorin Linda Zervakis sprach mit ihm über “Digitalpolitik in Zeiten des Umbruchs”. Im Nachhinein wurde Kritik laut, dass das Gespräch zu freundlich und unkritisch gewesen sei. Nun stellt sich heraus, dass Zervakis offenbar direkt vom Kanzleramt und nicht vom Veranstalter der Konferenz ausgewählt und als Moderatorin des Talks engagiert wurde.

3. US-Behörden werfen Iran geplanten Auftragsmord an Journalistin vor
(zeit.de)
Die US-Justizbehörden haben die Festnahme von drei Männern bekannt gegeben, die an einem vom Iran unterstützten Mordkomplott gegen die Journalistin Masih Alinejad beteiligt gewesen sein sollen. Die drei Männer seien Mitglieder einer osteuropäischen kriminellen Vereinigung mit Verbindungen zum Iran. Alinejad, die in der Vergangenheit iranische Frauen ermutigt hatte, ihr Kopftuch abzulegen, werde von iranischen Behörden die “Verbreitung von Hass” vorgeworfen.

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4. Wie Big Oil mit Big Tech Klima-Desinformation streut
(futurezone.at, Tina Wirnsberger)
Das Bündnis Climate Action Against Desinformation hat einen Bericht veröffentlicht (PDF), der gezielte Klima-Desinformation während der UN-Klimakonferenz in Sharm El-Sheikh (COP27) aufdecke. Der Bericht zeige, dass Unternehmen aus dem Bereich der fossilen Brennstoffe während der COP27 rund 4 Millionen US-Dollar in bezahlte Werbung auf Facebook und Instagram investiert hätten, um irreführende Behauptungen über die Klimakrise zu verbreiten.

5. Moderatorin verwechselt Rote Armee mit RAF
(spiegel.de)
Nachrichtenmoderatorin Franca Lehfeldt hat mit einem Fehler zum Holocaust-Gedenktag für Spott und Häme gesorgt. Sie sagte beim TV-Sender “Welt”: “Heute vor 78 Jahren befreite die Rote Armee Fraktion die Überlebenden des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz”, was nicht korrekt ist, denn es handelte sich bei den Befreiern um Soldaten der UdSSR, also die Rote Armee, und nicht um die erst deutlich später gegründete linksextremistische Terrorgruppe Rote Armee Fraktion. Lehfeldt ist “Welt”-Chefreporterin und mit dem FDP-Bundesvorsitzenden und Bundesfinanzminister Christian Lindner verheiratet.
Weiterer Lesetipp: Lehfeldt klagt über “Welle von Häme und Sexismus” (dwdl.de, Alexander Krei).

6. “Ich bin ein Star” und die Hodendämmerung im Dschungel
(dwdl.de, Peer Schader)
“Nach 16 ‘Ich bin ein Star’-Staffeln wirkt nicht nur die Inszenierung der berüchtigten Essensprüfungen völlig aus der Zeit gefallen; auch der Effekt des Verzehrs von Schweinepenis, Krokodilaugen und Bullenhoden hat sich längst erschöpft.” Peer Schader plädiert dafür, die Ekelprüfungen beim “Dschungelcamp” abzuschaffen und wendet sich direkt an RTL: “Hör endlich auf mit den überflüssigen Essensprüfungen. Sonst bleibt dir vielleicht aus Versehen irgendwann vor lauter Gewiehere der vegane Räucherlaxx deines Sponsors im Halse stecken.”
Lesenswert ist auch Imre Grimms Beitrag “Wie RTL nett werden wollte – und grandios scheiterte”: “RTL wollte endlich weg vom alten Krawallimage: Man schmiss Dieter Bohlen raus und förderte freundliche Formate. Jetzt ist Bohlen wieder DSDS-Chef – und auch im Dschungel ist Radau wie immer. Stattdessen musste der Mann gehen, der das ‘neue RTL’ erfand.” (rnd.de)
Und noch ein Hörtipp: Im “Übermedien”-Podcast sprechen Holger Klein und Samira El Ouassil über Dieter Bohlens “Rückfall ins sexistische Steinzeitfernsehen bei DSDS” (Audio: 34:47 Minuten). Hörenswert auch wegen El Ouassils vielen guten Gedanken zur Entwicklung des Trash-TV.

KW 04/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Inside Hauptstadtstudio
(deutschlandfunk.de, Tom Schimmeck, Audio: 1:11:26 Stunden)
Beim “Politikpodcast” des Deutschlandfunks (Dlf) gibt es eine Sonderfolge: Anlässlich der 300. Ausgabe hat der preisgekrönte Reporter und Feature-Autor Tom Schimmeck das Team des Dlf-Hauptstadtstudios in Berlin besucht und bei der Arbeit beobachtet. Hörenswert!

2. Khesrau Behroz in der Hörbar Rust
(radioeins.de, Bettina Rust, Audio: 1:27:22 Stunden)
In der “Hörbar Rust” begrüßt Gastgeberin Bettina Rust den Journalisten und Podcastproduzenten Khesrau Behroz, der vor allem wegen seiner bemerkenswerten Produktionen wie “WTF happened to Ken Jebsen?” oder “Wer hat Angst vorm Drachenlord?” bekannt ist.

3. Exitstrategie AI
(logbuch-netzpolitik.de, Tim Pritlove & Linus Neumann, Audio: 1:59:44 Stunden)
Beim “Logbuch:Netzpolitik” sprechen Tim Pritlove und Linus Neumann über mehrere medienrelevante Themen: über die Copyright-Problematik bei Künstlicher Intelligenz und die Möglichkeit, Kreative finanziell zu beteiligen, über den fortschreitenden Niedergang von Twitter und über die Frage, warum “linke Links” gefährlich sein können, wie man an der Razzia bei Radio Dreyeckland sehen könne.
Weiterer Hörtipp: In der neuesten Folge von “Studio Komplex” geht es um die drohende “KI-Apokalypse” und die Frage: “Wird die KI uns Menschen überflüssig machen?” (hr-inforadio.de, Anne-Katrin Eutin, 54:22 Minuten)

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4. Das Ringen um Wahrheit – Die Räumung von Lützerath und die Medien
(ardaudiothek.de, Brigitte Baetz, Audio: 33:30 Minuten)
War die Berichterstattung über die Räumung von Lützerath unvollständig und teilweise einseitig, wie von einer Deutschlandfunk-Hörerin behauptet? Darüber diskutieren mit ihr Landeskorrespondentin Felicitas Boeselager, Umweltredakteur Georg Ehring und Brigitte Baetz aus der Medienredaktion des Senders.

5. 40 Jahre Medienpolitik: von Leo Kirch bis Künstliche Intelligenz
(br.de, Nina Landhofer, Audio: 32:00 Minuten)
Im BR24-Medienmagazin unterhält sich Nina Landhofer mit der Medienjournalistin Sissi Pitzer, die das Medienmagazin 26 Jahre verantwortet hat. In dem Gespräch geht es um die Entwicklungen der Medienlandschaft der vergangenen Jahrzehnte – von Leo Kirch bis zur Künstlichen Intelligenz.

6. Der erste Film
(geschichte.fm, Daniel Meßner & Richard Hemmer, Audio: 50:52 Minuten)
Bei den “Geschichten aus der Geschichte” überraschen sich zwei geschichtsbegeisterte Podcaster Woche für Woche mit einer interessanten historischen Episode. Diesmal geht es um Louis Le Prince, der die ersten überlieferten Bewegtbilder der Filmgeschichte drehte: “Wir sprechen über die Geschichte des Films, wie Le Prince überhaupt auf die Idee kam, eine Filmkamera zu entwickeln, und wie Thomas Edison schließlich zum Begründer der Filmindustrie wurde – obwohl er seine Kameras William Dickson zu verdanken hatte.”

Neue Gehaltsexzesse beim RBB, Aufstand bei Beck, “Welt”-Vorwürfe

1. Aufstand beim C.-H.-Beck-Verlag
(tagesschau.de, Silvio Duwe & Daniel Laufer & Lisa Wandt)
Wie vergangene Woche in den “6 vor 9” zu lesen war, hat Hans-Georg Maaßen seinen Vertrag als Mitautor des im Verlag C. H. Beck erscheinenden Kommentars zum Grundgesetz gekündigt. Bei Tagesschau.de ist zu lesen, welchen Einfluss dabei offenbar die Beck-Belegschaft hatte: “Nach Kontraste-Recherchen führte offenbar ein Aufstand in der Belegschaft dazu, dass sich der C.-H.-Beck-Verlag von seinem Autoren Maaßen trennen wollte. Ex-Verfassungsschutzchef und CDU-Mitglied Maaßen kam dem mit einer Kündigung zuvor.”
Hier das dazugehörige Video der “Kontraste”-Redaktion: Die Radikalisierung des Hans-Georg Maaßen (ardmediathek.de, 6:36 Minuten).

2. Neue Gehaltsexzesse beim RBB: Öffentlich-rechtlicher Sender lässt Auszahlung eines ARD-Bonus an die Ex-Geschäftsleitung juristisch prüfen
(businessinsider.de, Jan C. Wehmeyer)
Der “Business Insider”, der sich bereits um die Aufklärung zahlreicher Missstände beim RBB verdient gemacht hat, hat eine weitere Sonderbarkeit entdeckt: Die RBB-Spitze um die damalige Intendantin Patricia Schlesinger habe ab Mitte 2021 neben Gehalt und Bonuszahlungen noch eine zusätzliche ARD-Zulage von mindestens 1.700 Euro pro Monat kassiert. Derartige Sonderzahlungen seien aber unüblich und intern offenbar nicht genehmigt gewesen. Der RBB lasse den Vorgang nun juristisch prüfen.

3. Vorwürfe gegen Springer-Chef Döpfner
(faz.net, Sara Wagner)
Wie am Dienstag in den “6 vor 9” bereits zu lesen war, kündigte der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner in einem Interview mit der dpa Änderungen bei “Bild” und “Welt” an, die mindestens mit einer “Personalumschichtung” einhergehen würden. Dies trifft auf der Gegenseite anscheinend auf wenig Gegenliebe: Der “FAZ” liege ein interner offener Brief des “Welt”-Betriebsrats vor, in dem sich dieser bei Döpfner über dessen Form der Kommunikation beschwert.

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4. Streik beim rbb!
(djv-berlin.de)
Der Deutsche Journalisten-Verband Berlin JVBB hat die Beschäftigten des RBB für heute zu einem Warnstreik aufgerufen. Demnach seien “alle festangestellten und arbeitnehmerähnlichen freien Journalist:innen sowie die Volontär:innen” aufgefordert, in der Zeit von 4:30 Uhr bis 22:30 Uhr die Arbeit niederzulegen. Hintergrund sind die Verhandlungen in der aktuellen Tarifrunde.

5. Mehr Recherche im Rundfunk – jetzt!
(journalist.de, Daniel Drepper)
Der Journalist Daniel Drepper leitet die Recherchekooperation von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”. In seinem Beitrag beim “journalist” erklärt er, wie wichtig, aber auch wie aufwändig investigativer Journalismus sei. Es brauche ganze Teams kluger Reporterinnen und Reporter mit Rückendeckung und Freiheiten: “Wenn ich möchte, dass diese Reporterinnen wichtige Diskussionen in der Gesellschaft anstoßen, wenn ich möchte, dass sich diese Reporterinnen für uns alle in den Wind stellen – dann muss ich als Sender investieren und dann muss ich mich als Sender etwas trauen.”

6. Landgericht Oldenburg stärkt Auskunftsrechte
(blogs.taz.de)
In ihrem Hausblog berichtet die “taz” über einen gewonnenen Rechtsstreit gegen Deutschlands fünftgrößten Energiekonzern, die EWE AG. Das Unternehmen müsse laut einem Urteil des Landgerichts Oldenburg einem “taz”-Redakteur Auskunft über seine Spendenpraxis erteilen. Die Entscheidung sei ein gutes Signal an Journalistinnen und Journalisten, beharrlich zu bleiben und sich nicht so schnell abspeisen oder einschüchtern zu lassen, so der Anwalt der “taz”.

Drohender NDR?, Rückkehr des Holocaust-Leugners, “Sesamstraße”

1. Bundesverwaltungsgericht weist RSF-Klage zurück
(reporter-ohne-grenzen.de)
Das Bundesverwaltungsgericht hat eine Klage von Reporter ohne Grenzen (RSF) gegen den Einsatz sogenannter Staatstrojaner durch den Bundesnachrichtendienst als unzulässig zurückgewiesen. Die NGO sei nicht selbst betroffen und daher nicht klageberechtigt. Nun habe das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das letzte Wort, denn RSF wolle Verfassungsbeschwerde einlegen.

2. Warum wir unser Corona-Dashboard nach knapp drei Jahren von der Homepage nehmen
(blog.zeit.de, Christian Endt & Elena Erdmann & Julius Tröger)
Vor etwa drei Jahren installierte “Zeit Online” auf der eigenen Startseite das sogenannte “Corona-Dashboard”, auf dem sich Inzidenzen, Todesfälle, Krankenhausbelegungen und Impfquoten aus Deutschland und der Welt ablesen lassen. Nun beendet die Redaktion die prominente Platzierung der Zahlen und nimmt das Dashboard von der Homepage.

3. “Die Akte Scholz”-Autoren Schröm und Hollenstein: Der NDR hat mit juristischen Schritten gedroht
(kress.de, Wolfgang Messner)
Der Mediendienst “Kress” veröffentlicht Auszüge aus dem aktuellen “Wirtschaftsjournalist”, in dem die beiden CumEx-Aufdecker Oliver Schröm und Oliver Hollenstein schwere Vorwürfe gegen den Norddeutschen Rundfunk erheben. Der öffentlich-rechtliche Sender habe kurz vor Erscheinen des Buchs von Schröm und Hollenstein mit juristischen Schritten gedroht, wenn er nicht vorab Einblick in das Manuskript bekäme. Das sei “ein beispielloser Fall” und die “allergrößte Keule, die man gegen so ein Buch herausholen kann”, so einer der Autoren. Im “Kress”-Artikel kommt auch der NDR zu Wort.

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4. Twitter gibt Holocaust-Leugner sein Konto zurück
(spiegel.de)
Twitter hatte den Rechtsextremisten Nick Fuentes im Juli 2021 eigentlich dauerhaft verbannt, da dieser fortwährend gegen die Regeln der Plattform verstoßen habe. Unter Elon Musk gilt dies anscheinend nicht: Das Konto des Mannes, der Adolf Hitler schon mal als “richtig coolen Typen” bezeichnet habe, ist wieder freigeschaltet.
Weiterer Lesehinweis: Meta lässt Trump wieder herein: “Der Internetkonzern hebt die Sperre für den früheren Präsidenten auf Facebook und Instagram auf – warnt aber, dass er bei schlechtem Benehmen wieder suspendiert werden könnte.” (faz.net, Roland Lindner)

5. Künstliche Intelligenz im Journalismus
(netzwerk-medienethik.de, Jessica Heesen)
Das Whitepaper “Künstliche Intelligenz im Journalismus. Potenziale und Herausforderungen für Medienschaffende” zeigt mögliche Einsatzformen für KI in Redaktionen und Medienhäusern. Grundlage des Papiers sei ein Workshop mit Journalistinnen und Journalisten im Juli 2022 gewesen, dessen Ergebnisse in die Handlungsempfehlungen eingeflossen seien. Das Whitepaper steht zum kostenfreien Download zur Verfügung (PDF).

6. “Sesamstraße”-Erfinder Lloyd Morrisett ist tot
(sueddeutsche.de)
Lloyd Morrisett, Miterfinder der “Sesamstraße”, ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Seine Geschäftspartnerin, die TV-Produzentin Joan Ganz Cooney, habe sich in einem Statement wie folgt geäußert: “Ohne Lloyd Morrisett würde es die Sesamstraße nicht geben. Er war es, der als Erster auf die Idee kam, Vorschulkindern über das Fernsehen grundlegende Fähigkeiten wie Buchstaben und Zahlen beizubringen. Er war mir über 50 Jahre lang ein zuverlässiger Partner und treuer Freund, und wir werden ihn schmerzlich vermissen.”

“KEIN FOTOCREDIT!”

Im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren wurde vor zwei Wochen eine Lehrerin an einer Berufsschule mit mehreren Messerstichen getötet. Als tatverdächtig gilt ein Schüler, der selbst die Polizei gerufen hat, bislang aber zur Tat schweigen soll.

In den “Bild”-Medien kann man seitdem beobachten, wie rücksichtslos sich eine Redaktion mit ihrer Berichterstattung allen gegenüber verhalten kann – dem Opfer und dessen Familie, den Schülerinnen und Schülern, den Gästen beim Trauergottesdienst.

Bereits zwei Tage nach der Tat zeigte Bild.de in einem Artikel (auf jegliche Verlinkungen verzichten wir bewusst) ein Foto des Opfers und eines des Tatverdächtigen. Das Bild der Lehrerin sieht so aus, als hätte der “Bild”-Fotograf ein öffentlich zugängliches Gruppenportrait abfotografiert. “Bild” zeigt die Frau ohne jegliche Unkenntlichmachung.

Genauso den Tatverdächtigen. Den scheint derselbe Fotograf aus größerer Entfernung aufgenommen zu haben. Der 17-Jährige trägt auf dem Bild zwar einen Mundschutz, auf eine Verpixelung oder einen Augenbalken hat die “Bild”-Redaktion allerdings verzichtet. Der Minderjährige ist eindeutig zu erkennen.

Offenbar haben “Bild”-Reporter auch die Schülerinnen und Schüler der Berufsschule in Ibbenbüren behelligt. Im Artikel zitieren sie eine “Schülerin” mit einer Aussage “zu BILD” und einen “Jugendlichen” mit einer Aussage “zu BILD”. Dass sich auch diese teils minderjährigen Personen in einem Ausnahmezustand befinden dürften, wissen die “Bild”-Reporter. In einem früheren Artikel zum selben Fall schrieben sie:

Ein Sprecher der Bezirksregierung in Münster am Mittwoch: “Der Unterricht ist abgesagt, aber die Schule bleibt geöffnet.” Damit sei gewährleistet, dass die Schüler eine Anlaufstelle haben.

Ein Krisen-Interventions-Team, Schulpsychologen und Notfallseelsorger seien vor Ort

Am vergangenen Freitag fand in einer Kirche in Ibbenbüren die Trauerfeier für die getötete Lehrerin statt. Auch darüber berichtete “Bild”:

Obwohl die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt war, behielt die Trauerfeier einen sehr stillen und privater Charakter.

So “still” und “privat” wie eine Trauerfeier eben sein kann, wenn vor der Tür ein “Bild”-Fotograf lauert und Fotos von den Trauernden macht. Drei Fotos sind im Bild.de-Artikel eingebettet. Zwei davon – eine Nahaufnahme des Autos, mit dem der Sarg der Lehrerin zur Kirche gebracht wurde, und eine Nahaufnahme von trauernden Menschen (immerhin mit verpixelten Gesichtern), die sich in den Armen liegen – hat die “Bild”-Redaktion, vermutlich aus Versehen, mit einem verräterischen Fotocredit versehen:

Screenshot Bild.de - Bildunterschrift des einen Fotos - Am frühen Nachmittag erreicht der Sarg der Lehrerin die Christus-Kirche in Ibbenbüren - dazu der Fotocredit Foto: KEIN FOTOCREDIT!
Screenshot Bild.de - Bildunterschrift des zweiten Fotos - Die Trauernden spenden sich gegenseitig Trost - dazu der Fotocredit Foto: KEIN FOTOCREDIT!

Offenbar war auch den “Bild”-Leuten klar, dass niemand namentlich mit der fotografischen Belästigung von Trauergästen in Zusammenhang gebracht werden möchte.

Mit Dank an Tihomir für den Hinweis!

FakeGPT, Nachrichtendienst setzt auf Journalisten, Brandbrief

1. ChatGPT schreibt überzeugende Falschinformation
(zeit.de)
Der Chatbot ChatGPT kann beeindruckende Texte erzeugen, denen man ihre maschinelle Herkunft kaum oder gar nicht anmerkt. Diese Fähigkeit lasse sich jedoch auch für Falschinformationen und Propaganda ausnutzen, warnt das Unternehmen NewsGuard. Zuvor hatte es ChatGPT mit einigen Übungsaufgaben dazu gebracht, Erzählungen mit falschen Informationen abzuliefern.
Weiterer Lesetipp zu ChatGPT: “Arbeiter:innen in Kenia sollten teils traumatisierende Texte lesen, um ChatGPT zu optimieren. Ihr Stundenlohn: bis zu zwei US-Dollar. Eine Recherche des Time Magazines zeigt: Hinter dem Hype um die Künstliche Intelligenz steckt auch eine Geschichte von Ausbeutung im globalen Süden.” – Prekäre Klickarbeit hinter den Kulissen von ChatGPT (netzpolitik.org, Daniel Leisegang).

2. BND setzt auf Jour­na­listen als Spitzel
(lto.de, Hasso Suliak)
Womöglich entgegen einer Weisung des Kanzleramts setze der Auslandsnachrichtendienst BND auch auf Journalisten als Informanten. Dies gehe aus einem Schriftsatz des Bundesnachrichtendienstes vom 26. April 2022 an das Bundesverwaltungsgericht hervor, der “Legal Tribune Online” vorliegt. Hasso Suliak ordnet den Fall ein und gibt die Kritikpunkte des Deutschen Journalisten-Verbandes und der Linkspartei wieder.

3. Redaktionen wehren sich gegen Zerschlagung
(spiegel.de, Alexander Kühn)
Jahrzehntelang genoss das Medienunternehmen Gruner + Jahr einen Ruf als sicherer Arbeitgeber, doch seit der Übernahme durch RTL müssen die dort arbeitenden Menschen um ihre Arbeitsplätze fürchten. Die Redaktionsbeiräte von “Art”, “Brigitte”, “Eltern”, “Geo”/”P.M.”, “Geolino” und “Stern” hätten sich deshalb mit einem dem “Spiegel” vorliegenden Brandbrief an die Eigentümerfamilie Mohn gewandt, der das Gütersloher Medienhaus Bertelsmann und somit RTL gehört.

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4. Richtigstellung zu Berichterstattung in der B.Z.
(bundesgerichtshof.de)
Der Bundesgerichtshof (BGH) sieht sich gezwungen, einen Bericht der Berliner Tageszeitung “B.Z.” zu korrigieren, wonach das Gericht seinen Sitz von Leipzig nach Berlin verlegen wolle: “Diese Information ist unzutreffend. Es gibt keinerlei Umzugspläne für den 6. Strafsenat oder einen anderen Senat des Bundesgerichtshofs nach Berlin”, so der BGH zum Artikel des Springer-Blatts.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 217 vom 24.01.2023
(netzwerkrecherche.org, Annelie Naumann & Albrecht Ude)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für Journalistinnen und Journalisten aus dem Investigativbereich: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die neueste Ausgabe liefert einen aktuellen Überblick über Nachrichten, Veranstaltungen, Seminare, Stipendien und Preise. Außerdem geht es um das Thema Einschüchterungsklagen gegen Medienschaffende, das man auch auf der Jahreskonferenz aufgreifen werde. Im Pressespiegel gibt es zudem wertvolle Lesetipps zu ausgesuchten Themen.

6. Gregor Gysi unterstützt Journalistin bei Klage gegen Berliner Senat
(tagesspiegel.de, Madlen Haarbach)
Am Rande der Berliner Maidemo im Jahr 2020 sei einer Videojournalistin ein Polizist entgegengetreten und habe ihr unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Frau habe dabei ganz erhebliche Verletzungen an Nase und Zähnen erlitten. Mit Verweis auf den fehlenden Tatverdächtigen habe die zuständige Senatsverwaltung die Forderung nach Schmerzensgeld abgelehnt. Anschließend wies das Berliner Landgericht die Klage ab und habe der Journalistin sogar eine Mitschuld an ihren Verletzungen gegeben. Nun gehe sie in Berufung – mit juristischer Unterstützung durch Linken-Politiker Gregor Gysi.

Seitenwechsel, Buschmann lässt prüfen, Die nächsten Streaming Wars

1. Stempfle: “Entscheidung am Samstagabend gefallen”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilt, wird der ARD-Journalist Michael Stempfle neuer Sprecher des Ministeriums sowie Leiter des Stabs Informationsarbeit. Dieser Vorgang ist durchaus bemerkenswert, schließlich hatte sich Stempfle nur vor wenigen Tagen in einem Artikel auf Tagesschau.de sehr lobend über seinen jetzigen Chef, Verteidigungsminister Boris Pistorius, geäußert. Die Gespräche über seinen Seitenwechsel seien jedoch erst nach der Veröffentlichung des Artikels geführt worden, wie Stempfle gegenüber “DWDL” betont.

2. Buschmann lässt “Libra” prüfen
(faz.net, Jochen Zenthöfer)
Wie im Dezember in den “6 vor 9” zu lesen war, ist mit “Libra” ein staatsnahes Juristenmedium und journalistisches Informationsportal entstanden. Für Jochen Zenthöfer taten sich bereits an dieser Stelle Fragen auf, die die Verquickung von Staat und Medium betreffen. Nun ist Bewegung in die Sache gekommen: Das Bundesjustizministerium lasse prüfen, ob “Libra” verfassungskonform ist.

3. Bild & Welt betroffen: Döpfner kündigt Trennungen von Mitarbeitern an
(kress.de, Marc Bartl)
Der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner kündigte jüngst in einem Interview mit der dpa Änderungen bei “Bild” und “Welt” an. Auf die Frage, ob dies auch mit Entlassungen verbunden sei, antwortete er: “Personalumschichtung auf jeden Fall. An der einen Stelle wird es weniger, an der anderen mehr. Das bedeutet auch Trennungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.” Auch der Fernsehkanal “Bild TV” kommt bei Döpfner nicht gut weg: “Dieses hochambitionierte Nachrichtensenderkonzept war im Rückblick nicht die richtige Idee.”
Weiterer Lesetipp: Bei Süddeutsche.de spekuliert Jakob Biazza über Döpfners Gemütszustand.

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4. Gabriele Krone-Schmalz verliert vor Gericht gegen Kritikerin
(t-online.de, Julian Seiferth)
Das Landgericht Köln hat entschieden: Die Kritik der Wissenschaftlerin Franziska Davies an Äußerungen der Journalistin und ehemaligen Moskau-Korrespondentin der ARD Gabriele Krone-Schmalz war zulässig. Krone-Schmalz müsse die Prozesskosten tragen. Nun stehe noch ein weiteres Verfahren an.

5. Das wird mega!
(journalist.de, Kathi Preppner)
“Was sind die Megathemen, die den Journalismus beeinflussen? Welche Themen dominieren die Berichterstattung, welche betreffen Journalist*innen und Medienhäuser?” Das Magazin “journalist” hat verschiedene Medienschaffende befragt, mit welchen Schwerpunkten sie in diesem Jahr rechnen – und die reichen von Künstlicher Intelligenz, Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Individualisierung bis hin zum kollaborativen Arbeiten.

6. Die fetten Jahre sind vorbei
(zeit.de, Eike Kühl)
Eike Kühl hat sich in seiner Analyse über die Streamingbranche angeschaut, wie es für die Anbieter weitergehen könnte. Seine Prognose: “Der nächste Streaming War beginnt. Und für manche Dienste könnte es diesmal nicht um den Aufstieg, sondern ums Überleben gehen.”

“Regierung-verschenkt”-Schlagzeile ist “Bild” nicht zu billig

Die Stromproduzenten in Deutschland haben 2022 laut “Bild” 62,05 Terawattstunden Strom ins Ausland exportiert, also etwas mehr als 62 Milliarden Kilowattstunden. Sie sollen dafür rund 12,5 Milliarden Euro bekommen haben. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis pro Kilowattstunde von etwa 20 Cent.

Es muss allerdings auch immer mal wieder Strom nach Deutschland importiert werden. Laut “Bild” waren das im vergangenen Jahr 35,77 Terawattstunden. Der importierte Strom kostete im Schnitt pro Kilowattstunde circa 27 Cent.

Wer den exportierten Strom weder produziert noch gehandelt hat: die Regierung.
Was der exportierten Strom nicht wurde: verschenkt.

Und jetzt kann die “Bild”-Redaktion aus all diesen Informationen mal eine Schlagzeile für die Bild.de-Startseite basteln:

Screenshot Bild.de - Regierung verschenkt Energie ins Ausland - und wir zahlen drauf! Der große Strom-Skandal - Dazu zu sehen ein Foto von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck

Das stimmt so einfach nicht.

Auch mit dem Halbsatz “und wir zahlen drauf!” empört sich die “Bild”-Redaktion in ihrer Überschrift maximal missverständlich. Was sie zu meinen scheint, ist die Differenz zwischen den Preisen für importierten und exportierten Strom. Darauf kommt man aber auch nur, wenn man mit einem “Bild-plus”-Abo hinter die Bezahlschranke gucken kann. Für alle anderen dürfte es so klingen, als hätten “wir” dem “Ausland” nicht nur Energie “geschenkt”, sondern als hätten “wir” dafür auch noch irgendetwas zusätzlich zahlen müssen.

Ebenfalls nur mit “Bild-plus”-Abo erfährt man den Hauptgrund für den massiven Stromexport aus Deutschland in andere Länder:

Wir verkaufen Strom vor allem, weil wir es müssen! Denn: Es gibt nicht genügend Speicher und Leitungen für den Strom-Transport vom windreichen Norden in den Süden – und so wird er ins Ausland verscherbelt. (…)

Wenn erneuerbare Energieträger an wind- und sonnenreichen Tagen voll ausgelastet sind, ist Strom sehr billig. Wegen fehlender Infrastruktur kann der Strom an solchen tagen trotzdem nicht ausreichend in den Süden fließen.

Die Ursache liegt also nicht in einem altruistisch gesinnten Robert Habeck, der die Nachbarn kostenlos mit Energie versorgen will, sondern in mangelnden Speicherkapazitäten und fehlenden Nord-Süd-Leitungen innerhalb Deutschlands.

Inzwischen hat die “Bild”-Redaktion die Überschrift leicht angepasst. Aus “verschenkt” wurde “verscherbelt” …

Screenshot Bild.de - Regierung verscherbelt Energie ins Ausland - und wir zahlen drauf! Der große Strom-Skandal

… den Rest hat sie so gelassen.

Gesehen bei @MKreutzfeldt

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Alte Scholz-Rede, “Wie doof kann man sein?”, Kaffeesatzlesereien für 2023

1. “Berliner Zeitung” verkauft alte Olaf-Scholz-Rede als neu
(uebermedien.de Stefan Niggemeier)
Bundeskanzler Olaf Scholz hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine Rede gehalten, die es scheinbar in sich hatte. So wusste die “Berliner Zeitung” von Passagen zur Gesundheitspolitik und zur Coronapandemie zu berichten, die geradezu aus der Zeit gefallen schienen. Das waren sie auch tatsächlich, denn der Autor – kein geringerer als der Herausgeber der “Berliner Zeitung” – hatte munter längst überholte Zitate einer Scholz-Rede aus dem vergangenen Jahr eingearbeitet. Dies sorgte im Netz für allerlei Aufregung und Konfusion.

2. Zu wenige Mitglieder da: RBB-Rundfunkrat verschiebt Sondersitzung
(sueddeutsche.de)
Weil dem öffentlich-rechtlichen RBB Verschwendung von Gebührengeldern vorgeworfen wird, hat der Sender 31 Anwälte von vier Rechtsanwaltskanzleien mit der Aufklärung der Verschwendungsvorwürfe beauftragt, was bislang über 1,4 Millionen Euro an Honoraren gekostet habe. Nun wollte sich der RBB-Rundfunkrat in einer Sondersitzung mit den Untersuchungsergebnissen beschäftigen. Doch die Sitzung konnte wegen mangelnder Beschlussfähigkeit nicht stattfinden. Zur Geldverschwendung kommt nun also auch die Zeitverschwendung, oder wie es Joachim Huber im “Tagesspiegel” ausdrückt: “Wie doof kann man sein?”

3. Wenn Google und NGOs für das Gleiche streiten
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Ein “Lehrstück über die Tücken zielgenauer Regulierung und gut gemachten Lobbyismus” nennt Ingo Dachwitz den Streit um die Regulierung politischer Werbung durch die EU. Bereits um die Definition sei ein Streit entbrannt, bei dem sich die Zivilgesellschaft plötzlich an der Seite von Google wiederfinde.

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4. «Auto-Vervollständigung gibt uns nur Bullshit»
(infosperber.ch, Pascal Sigg)
Schweizer Medien hätten in den vergangenen Wochen und Monaten begeistert über Künstliche Intelligenz berichtet und es dabei an der notwendigen Distanz missen lassen. Pascal Sigg erklärt, warum Skepsis angebracht sei, und fasst dazu die fünf wichtigsten Aussagen des KI-Experten Gary Marcus zusammen.

5. Podcast, Video, Newsletter: die neue Dreifaltigkeit
(blog-cj.de, Christian Jakubetz)
Christian Jakubetz hat sich den neuesten “Digital News Report” des Reuters Institute for the Study of Journalism angeschaut. Drei Themen seien aus Mediensicht im kommenden Jahr unverzichtbar: Podcast, Video und Newsletter. Jakubetz erklärt, warum es sich lohnt, sich in diesen Bereichen zu engagieren.

6. Glaskugelige Kaffeesatzlesereien 2023
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer hat turnusgemäß die Glaskugel aus dem Schrank geholt und einen Blick auf mögliche Medienentwicklungen des bevorstehenden Jahres geworfen. Wie immer geht er dabei auch selbstkritisch seine Prognosen des Vorjahres durch.

KW 03/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Die Medien und das Silvester-Debatten-Debakel
(sueddeutsche.de, Nadia Zaboura & Nils Minkmar, Audio: 34:26 Minuten)
Im Medienpodcast “quoted” unterhalten sich Nadia Zaboura und Nils Minkmar über die mediale Berichterstattung zu den Silvester-Geschehnissen. Es geht dabei um “vorschnelle Zuschreibungen, den Pressekodex zur Herkunftsnennung, die Polizei als sogenannte ‘privilegierte Quelle’ und die Folgen der medialen Debatte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt”.

2. Mitsprache statt Mitleid – Wohnungs- und obdachlose Menschen in den Medien
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 33:19 Minuten)
In der Hörersendung des Deutschlandfunks (Dlf) wünscht sich ein selbst von Wohnungslosigkeit Betroffener mehr inhaltliche Tiefe bei der Berichterstattung über Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Am Gespräch sind außerdem die Bonner Lokalreporterin Lisa Inhoffen und Annika Schneider aus der Dlf-Medienredaktion beteiligt.

3. Funkfrequenzen in der Debatte
(soundcloud.com, M – Der Medienpodcast, Audio: 22:39 Minuten)
Auf der Ende dieses Jahres stattfindenden Weltfunkkonferenz in Dubai wird neu über die Vergabe der Funkfrequenzen verhandelt, und das betrifft auch die Medienwelt. Kommerzielle Mobilfunkbetreiber sowie das Militär würden auf mehr Funkfrequenzen drängen. Die Verlierer könnten dabei Kultur- und Sportveranstaltungen sein, aber auch Fernseh- und Filmproduktionen, die ebenfalls kleine Frequenzen für ihre Arbeit nutzen.

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4. Exklusive Ausbildung?
(hinterdenzeilen.de, Niklas Münch & Tobias Hausdorf, Audio: 41:32 Minuten)
Bei “Hinter den Zeilen” geht es diesmal um die Debatte über die neue Journalismusschule des “Katapult”-Magazins. Was darf journalistische Ausbildung kosten? Und braucht es wirklich eine weitere Journalismusschule – oder eher eine ganz andere Ausbildungsform? Empfehlenswert sind auch die auf der Seite verlinkten weiteren Folgen rund um das Thema journalistische Ausbildung.

5. Wünsche an den Journalismus der Zukunft
(seitenwaelzer.de, Charlotte Möller, Audio: 12:28 Minuten)
Der journalistische Podcast “Auf allen Kanälen” startet mit einer Sonderfolge ins neue Jahr, einem Best-of aus den bereits erschienenen Folgen zur TV-Moderation mit “Lokalzeit”-Moderator Hendrik Schulte, zum Volontariat mit MDR-Volontärin Marie Brand, zum freien Journalismus mit Alexander Krützfeldt und zum Lokaljournalismus mit Marc-Stefan Andres, dem Gründer von “RUMS”.

6. How Underwater Scenes Are Shot For Movies And TV Shows
(youtube.com, Insider, Video: 9:44 Minuten)
Zum Abschluss noch etwas leichte Kost: Der Youtube-Kanal “Insider” erklärt, wie Filmproduktionen schwierige Unterwasserszenen umsetzen. Ein interessanter Blick hinter die Kulissen der Filmindustrie.

TikTok vor EU-Verbot?, Ausverkauf bei Gruner, Auto-Schleicher

1. EU-Kommission droht Tiktok mit Verbot
(sueddeutsche.de)
Die EU-Kommission droht TikTok wegen Verstoßes gegen europäische Regeln, insbesondere in Bezug auf Datenschutz und Urheberrechte, weitreichende Sanktionen an. Auch das neue EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act) ermögliche bei wiederholten schweren Verstößen ein Verbot von Diensten in der Europäischen Union. “Wir werden nicht zögern, alle möglichen Sanktionen zu beschließen, wenn Prüfungen nicht die volle Einhaltung erkennen lassen”, so EU-Kommissar Thierry Breton.

2. Freischreiber appelliert: Gruner-Ausverkauf stoppen – Qualitätsjournalismus und Autorenmagazine erhalten!
(freischreiber.de)
Angesichts der Krise beim Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr wendet sich der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten Freischreiber mit einem Appell an Neu-Besitzer Bertelsmann: “Stoppen Sie den Ausverkauf, erhalten Sie das publizistische Schwergewicht Gruner + Jahr – zugunsten Ihrer Leser:innen, Ihrer Mitarbeiter:innen und der freien Journalist:innen, die mit ihren Inhalten die Magazine zu den begehrten Verkaufsobjekten gemacht haben, mit denen der Verlag gut verdient hat.”

3. “Die @nzz schreibt, Greta Thunberg sei zu ‘extrem’ geworden.”
(twitter.com/marko_kovic)
Marko Kovic ist ein Artikel der “Neuen Zürcher Zeitung” (“NZZ”) aufgefallen, in dem es heiße, Greta Thunberg sei zu “extrem” geworden. Damals, als “verletzliche, unschuldige Schülerin”, habe sie bis “tief ins bürgerliche Milieu hinein” die Herzen der Erwachsenen erobert. Daraufhin hat Kovic sich angeschaut, wie die “NZZ” bislang über Thunberg berichtete. Ohne das Ergebnis vorwegnehmen zu wollen: Die Herzen der “NZZ”-Redaktion hatte Thunberg auch in der Vergangenheit nicht.

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4. Streit um Bild-Generatoren soll vor Gericht landen
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Die Debatte um durch Künstliche Intelligenz generierte Bilder wird nun auch vor Gericht ausgetragen. Wie Sebastian Meineck bei netzpolitik.org berichtet, würden Betroffene in den USA und Großbritannien das Start-up hinter Stable Diffusion verklagen. In seiner Analyse fasst Meineck die Argumentationslinien beider Seiten zusammen.

5. EU-Parlament kritisiert Umgang mit Journalisten
(faz.net, Thomas Gutschker & Hans-Christian Rössler)
Das Europäische Parlament zeigt sich besorgt über die “kontinuierliche Verschlechterung” der Pressefreiheit in Marokko und hat dazu eine Resolution verabschiedet. Darin werden die staatlichen Stellen des Landes aufgefordert, “das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Medienfreiheit zu achten”, inhaftierten Journalisten “ein faires Verfahren” zu gewähren und sie umgehend vorläufig freizulassen.

6. Betreibt OE24 systematisch Schleichwerbung für Autos?
(kobuk.at, Tobias Kachelmeier)
Tobias Kachelmeier hat sich zahlreiche “AutoExtra”-Ausgaben des Boulevardblatts “Österreich” angeschaut und dabei einige problematische Beiträge entdeckt: “Viele Seiten sind ähnlich aufgebaut: Oben ein Text, in dem ein neues Auto vorgestellt wird, und unten eine Anzeige – oft zum selben Modell.”

Beck und Maaßen, Prinz Harry und DJ Ötzi, Kampf um die Deutungshoheit

1. Der Beck-Verlag trennt sich von Maaßen
(faz.net, Patrick Bahners)
Wie die “FAZ” berichtet, hat Hans-Georg Maaßen seinen Vertrag als Mitautor des im Verlag C. H. Beck erscheinenden Kommentars zum Grundgesetz gekündigt. Der frühere Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz sei damit der Kündigung des Vertrags durch den Verlag zuvorgekommen. Dem vorausgegangen war eine längere, auch andernorts ausgetragene Kontroverse um den CDU-Rechtsaußen (siehe etwa hier und hier).

2. Eine “Top-Spionin” wehrt sich
(sueddeutsche.de, Wolfgang Janisch)
Im Oktober 2013 erschien in der “Welt” ein Artikel über “Die Stasi-Frau an Gysis Seite”, die in dem Beitrag als “Top-Spionin in der DDR” bezeichnet und mit dem Verschwinden des SED-Parteivermögens in Verbindung gebracht wurde. Dagegen setzte sich die von der Berichterstattung betroffene Frau juristisch zur Wehr und erwirkte eine Gegendarstellung. Zu Recht, wie nun der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte befand.

3. Lützerath: Kampf um die Deutungshoheit
(ndr.de, Zapp, Video: 9:35 Minuten)
Das Medienmagazin “Zapp” hat sich mit der Berichterstattung über die Proteste in Lützerath beschäftigt: Wie befangen sind Journalistinnen und Journalisten, und aus welcher Perspektive berichten sie? Wie kann trotz der starken Emotionalisierung eine professionelle Distanz gelingen? Aber auch: Wo bleibt die Auseinandersetzung mit den eigentlichen Inhalten?

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4. Journalismus im Metaversum – erste Projekte im dreidimensionalen Internet
(fachjournalist.de, Gunter Becker)
Beim “Fachjournalist” beschreibt Gunter Becker die ersten journalistischen Einsatzszenarien in Mark Zuckerbergs dreidimensionalem Internet “Metaverse”, nennt Praxisbeispiele und klärt Begrifflichkeiten. Zudem beschäftigt er sich mit den Fragen, wie das Thema weiter an Fahrt aufnehmen könnte, welche Maßnahmen nötig wären, um den Einsatz neuer Technologien für Redaktionen attraktiver zu machen, und verweist auf einen neuen Ausbildungsberuf sowie auf mögliche Förderungen.

5. Facebook könnte Trump-Sperre bald aufheben
(spiegel.de)
Wie beim “Spiegel” zu lesen ist, will Meta, der Mutterkonzern hinter den Plattformen Facebook und Instagram, “rasch” über die Aufhebung der Sperren des früheren US-Präsidenten Donald Trump entscheiden. Es zeichne sich ab, dass Trump in beiden Netzwerken wieder zugelassen werde.

6. Prinz Harry steht nicht auf DJ Ötzi – Wie ein Gerücht entstand
(mimikama.org, Ralf Nowotny)
Mehrere österreichische Medien behaupteten fälschlicherweise, Prinz Harry habe sich in seiner Biographie als Fan von DJ Ötzi geoutet. Sie waren anscheinend auf eine Quatschmeldung der Instagramseite “galerie.arschgeweih” hereingefallen.

Absurde Verschwendung, Hotspot nicht in Neukölln, Kritik an Razzia

1. 1,4 Millionen Euro für Rechtsberater zur Aufklärung der Schlesinger-Affäre
(rbb24.de, Gabi Probst)
Weil dem öffentlich-rechtlichen RBB Verschwendung von Gebührengeldern vorgeworfen wird, hat der Sender 31 Anwälte von vier Rechtsanwaltskanzleien mit der Aufklärung der Verschwendungsvorwürfe beauftragt, was bislang über 1,4 Millionen Euro an Honoraren gekostet habe. Nun hätten sich mehrere Rechtsexperten die Rechnungen angeschaut und den Vorgang mit “absurd und nicht nachvollziehbar” zusammengefasst.

2. Korrigierte Zahlen zeigen: Hotspot der Gewalt nicht in Neukölln
(migazin.de, Rosa Fava)
In vielen Medien war vom Berliner Stadtteil Neukölln als Hotspot der Silvesterkrawalle zu lesen und zu hören. Wie sich nach Auswertung der Zahlen zeige, habe es in anderen Berliner Stadtteilen allerdings viel mehr Fälle von “Widerstand und tätlichen Angriffen gegen Einsatzkräfte” gegeben, etwa in Mitte und Tempelhof-Schöneberg. Rosa Fava fragt: “Wo bleiben jetzt die Richtigstellungen und Entschuldigungen? Welche Sendeanstalt, welches Portal, welches Medienunternehmen korrigiert seine Schlagzeilen der ersten Woche? Wo sind Kommentator:innen und Moderator:innen, die sich für ihre Schnellschüsse entschuldigen? Welche Expert:innen erklären, dass sie auf Grundlage von quasi null gesicherten Informationen und den immerselben Bildern einfach nur Standardsprüche über Menschen mit Migrationshintergrund in segregierten Stadtteilen von sich gegeben haben?”

3. Scharfe Kritik an Razzia bei Freiburger Radiosender
(netzpolitik.org, Daniel Leisegang)
Die Polizei Freiburg hat gestern im Auftrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe den Freiburger Radiosender Radio Dreyeckland sowie zwei Privatwohnungen durchsucht. Anlass sei, dass der Sender in einem Artikel einen Link auf das Archiv von linksunten.indymedia.org gesetzt hatte. Hintergrund: Die Internetseite war 2017 vom Bundesinnenministerium verboten worden, da sie “nach Zweck und Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufe” und sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung richte. Dies war seinerzeit vielfach kritisiert worden. So nun auch das aktuelle Geschehen: Bürgerrechtsorganisationen und Journalistenverbände bezeichnen die Maßnahme von Polizei und Staatsanwaltschaft als “tiefgreifenden Eingriff in die Presse- und Rundfunkfreiheit”.

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4. Auslandsjournalismus in der Krise: Was muss sich aus Sicht von Nachwuchsreportern ändern?
(riffreporter.de, Christina Schott)
Bei den “Riffreportern” erzählen Nachwuchsjournalistin Clara Gehrunger und Nachwuchsjournalist Jamil Zegrer, warum sie trotz verschiedener Hürden aus dem Ausland berichten wollen, was sich aus ihrer Sicht im Auslandsjournalismus ändern müsste und wo sie sich in zehn Jahren selbst sehen.

5. Wie Medien über Afrika berichten
(deutschlandfunk.de, Anh Tran & Isabelle Klein, Audio: 7:18 Minuten)
Die Hilfsorganisation Care hat erneut ihre Analyse zu vergessenen humanitären Krisen veröffentlicht (PDF), und die sind offenbar vor allem auf dem afrikanischen Kontinent zu finden: Unter den insgesamt zehn Ländern sind erstmals ausschließlich afrikanische aufgeführt. Die freie Journalistin Bettina Rühl, die aus Nairobi berichtet, ist nicht überrascht.

6. Sind die sozialen Medien noch zu retten?
(zeit.de, Christian Stöcker & Julia Ebner & Christian Montag)
Sind die großen Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter schlecht für Menschen und Gesellschaft? Oder lassen sie sich zu einem besseren Ort machen? Die “Zeit” hat drei Experten und Expertinnen um Einschätzung gebeten: den Kognitionspsychologen und “Spiegel”-Kolumnisten Christian Stöcker, die österreichische Investigativjournalistin, Autorin und Politikberaterin Julia Ebner sowie den Psychologen, Wissenschaftler und Autor Christian Montag.

Negative Lützerath-Bilanz, Zu wenig Frauen, “Scheiße außer Kontrolle”

1. dju in ver.di NRW zieht eine negative Bilanz der Pressefreiheit bei der Räumung von Lützerath
(dju.verdi.de)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) kritisiert den Umgang mit Medienschaffenden während der Protestaktionen in Lützerath: “Die Grundrechtseingriffe in die Pressefreiheit durch den zeitweisen Zwang zur polizeilichen Akkreditierung, der auch zur intransparenten Datenbankabfrage genutzt wurde, die Körperverletzungen durch RWE Security und die Polizei sowie das teilweise schikanöse Verhalten der Einsatzkräfte sind wesentliche Einschränkungen der Pressefreiheit.”
Weiterer Lesetipp: Bei netzpolitik.org gibt es ein Interview mit Caja Thimm, Professorin für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Bonn. Thimm ist sich sicher, dass die Proteste in Lützerath ohne Soziale Medien nicht annähernd so wirksam gewesen wären.

2. BVerwG verhandelt Staatstrojaner-Klage von RSF
(reporter-ohne-grenzen.de)
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt kommende Woche über eine Klage von Reporter ohne Grenzen (RSF) gegen den Einsatz sogenannter Staatstrojaner durch den Bundesnachrichtendienst (BND). Die Organisation sehe sich aufgrund ihres Austauschs mit ausländischen Investigativjournalistinnen und -journalisten einem erhöhten Risiko ausgesetzt, vom BND auf diese Art überwacht zu werden. Das Gericht wolle sich zunächst damit befassen, ob die Klage zulässig sei.

3. Zahl der getöteten Journalisten 2022 um 50 Prozent gestiegen
(spiegel.de)
Wie die Unesco mitgeteilt hat, ist die Zahl der weltweit getöteten Journalistinnen und Journalisten vergangenes Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent angestiegen. Die gefährlichsten Gegenden für Medienschaffende seien Lateinamerika und die Karibik. Dort seien 44 Personen getötet worden. Das gefährlichste Land sei 2022 Mexiko gewesen, gefolgt von der Ukraine.

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4. Noch immer wenige Frauen in Führungspositionen
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Sören Brinkmann, Audio: 7:42 Minuten)
Der Verein ProQuote Medien setzt sich für die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern ein und schaut sich regelmäßig an, wie stark (oder schwach) Frauen in Führungspositionen bei Print- und Onlinemedien vertreten sind. Den Ergebnissen der neuesten Studie (PDF) zufolge seien die meisten Medienhäuser weiterhin weit davon entfernt, Frauen zu 50 Prozent an der Macht in den Redaktionen zu beteiligen. Im Deutschlandfunk spricht Sören Brinkmann mit Ulrike Trampus über das Thema, die seit gut 20 Jahren als Chefredakteurin arbeitet.

5. Radiosender kämpfen gegen Fake-Profile auf Facebook
(faz.net)
Der Verband Privater Medien (Vaunet) schlägt Alarm: “Nach Vaunet-Informationen kursieren seit Wochen gefälschte Profile von Radiosender-Marken und/oder deren Moderatoren bei Facebook. Betroffen hiervon sind die Sendermarken praktisch aller großen deutschen privaten Sender”. Eine Facebook-Sprecherin habe mitgeteilt, man werde derlei Fake-Profile schnellstmöglich löschen. Die Antenne Bayern Group, die mehrere Radiosender betreibt, habe jedoch beklagt, dass dies nicht immer der Fall sei und man deshalb auch schon juristische Wege beschritten habe.

6. Im Dschungelcamp gerät die Scheiße außer Kontrolle
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Im RTL-“Dschungelcamp” (korrekte Sendungsbezeichnung: “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!”) konnte man sehen, wie ein Kamerateam verzweifelt und vor allem vergebens versuchte, einer Protagonistin ein Statement abzuringen. Stefan Niggemeier kommentiert: “Normalerweise würde man solche Einblicke in einer solchen Fernsehproduktion um jeden Preis vermeiden, weil damit natürlich auch eine Entzauberung verbunden ist. Natürlich weiß man als Zuschauer theoretisch, dass die Leute da im Dschungel nicht fernab von allem, sondern dauernd umgeben von irgendwelchen Produktionsteams sind, aber es praktisch zu sehen, macht trotzdem einen Unterschied.”

Clickbaitende Aktien-Tipps, ChatGPT schreibt Finanzartikel, “Drachenlord”

1. Mit diesen Aktien-Tipps der Presse verlieren Sie ein Vermögen
(kobuk.at, Tobias Kachelmeier)
Tobias Kachelmeier sind die oftmals reißerisch aufgemachten Aktientipps der österreichischen Tageszeitung “Die Presse” aufgefallen. Daraufhin hat er kurzerhand ein virtuelles Aktienportfolio aufgebaut und ist ein halbes Jahr den publizierten Anlageratschlägen gefolgt. Sein ernüchterndes Fazit: “In Wahrheit sind die einzigen, die mit solchen Artikeln Geld verdienen, nämlich die Presse selbst. Über billigen Clickbait Werbeeinahmen zu lukrieren ist im Internet ein weit verbreitetes Unding. Ist das einer Qualitätszeitung würdig? Wohl kaum.”

2. »Bild«-Zeitung zieht Bericht über Drachenlord zurück
(spiegel.de)
Die “Bild”-Redaktion hat einen Bericht über den durch Youtube bekannt gewordenen “Drachenlord”, der seit Jahren im Visier von Internettrollen steht, zurückgezogen. Ein Reporter sei offenbar auf einen oder mehrere Trolle hereingefallen, die ihm ein Interview im Namen des “Drachenlord” gegeben haben. Mehrere der Falschzitate seien danach im “Bild”-Artikel “Der meistgehasste Mann des Internets” gelandet.

3. “Darmstädter Echo” gewinnt vor dem Bundesverfassungsgericht
(faz.net, Marlene Grunert)
Vor mehr als zwei Jahren sei in der Onlineausgabe des “Darmstädter Echo” ein Beitrag über eine sektenähnliche Gemeinschaft erschienen, an dem sich deren “Guru” gestört habe. Dabei sei es vor allem um eine im Artikel geäußerte Aussage einer Aussteigerin gegangen. Mit seiner Klage bekam der Leiter der fragwürdigen Gemeinschaft zunächst Recht, doch das Bundesverfassungsgericht sprang dem “Darmstädter Echo” bei: An die journalistische Wiedergabe fremder Meinungen dürfen keine überzogenen Anforderungen gestellt werden.

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4. Medien verschwinden aus Medien
(taz.de, Peter Weissenburger & Anne Fromm)
Der “Tagesspiegel” hat Ende vergangenen Jahres seine Medienseite abgeschafft und durch eine Seite ersetzt, auf der es vor allem um Medienkonsum geht, also um Filmkritiken und Serientipps. Anne Fromm und Peter Weissenburger fragen: “Ist das das Ende des Medienjournalismus?”

5. Berichten über Notfälle – Positive Folgen für Journalisten
(de.ejo-online.eu, Anna-Carina Zappe)
Immer wieder erleben Journalistinnen und Journalisten belastende Extremsituationen. Die Berichterstattung über Notfälle und Katastrophen kann äußerst traumatisierend wirken. Doch das Erleben eines Notfalls könne auch positive Folgen haben, das “posttraumatische Wachstum”. Anna-Carina Zappe erklärt, was die Wissenschaft dazu herausgefunden hat.

6. Chat GPT: US-Magazin lässt Artikel seit Monaten heimlich von KI schreiben
(basicthinking.de, Beatrice Bode)
Das US-amerikanische Technikportal “CNET” lasse seit Monaten Finanzartikel von der Künstlichen Intelligent ChatGPT schreiben. Die Texte seien unter der Bezeichnung “CNET Money Staff” veröffentlicht, der Hinweis auf die maschinelle Autorenschaft sei versteckt untergebracht worden. Warum “CNET” den Einsatz der KI geheim halten wollte, sei nicht bekannt. Das Unternehmen habe sich bislang nicht dazu geäußert.

KW 02/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Unterwegs in Krisengebieten
(freienpodcast.letscast.fm, Geraldine Friedrich & Francoise Hauser, Audio: 38:51 Minuten)
Beim “Freien-Podcast” ist der Journalist, Dokumentarfilmer und Produzent Oliver Gunnar Becker zu Gast. Becker ist seit etwa 20 Jahren in den verschiedensten Krisengebieten der Welt unterwegs. Wie ist er zu seinem ersten Auftrag gekommen? Wie bereitet man sich auf eine Tätigkeit als Krisen- und Kriegsberichterstatter vor? Und warum sollte man manchmal lieber keine Weste mit dem Aufdruck “Presse” anziehen?

2. Männerbilder in den Medien – Wann ist man ein Mann?
(ardaudiothek.de, Pia Behme, Audio: 37:24 Minuten)
Im Medienpodcast “Nach Redaktionsschluss” geht es um “Männerbilder in den Medien”, die oft sehr klischeebehaftet seien. Mit einem Deutschlandfunk-Hörer diskutieren der freie Autor Fikri Anıl Altıntaş, Tillmann Prüfer, stellvertretender Chefredakteur des “Zeit Magazins”, und Pia Behme aus der Medienredaktion des Dlf.

3. Medientrends 2023: Künstliche Intelligenz – Klimajournalismus – Nachrichtenvermeidung
(br.de, Linus Lüring, Audio: 36:56 Minuten)
Beim Medienmagazin des Bayerischen Rundfunks dreht sich alles um die aktuellen und kommenden Medientrends. Linus Lühring hat dazu die Medienexpertin Alexandra Borchardt ins Studio eingeladen und spricht mit ihr über den Trend-Report 2023 des Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford.

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4. Transformation des Mediensystems
(journalistik.blogs.uni-hamburg.de, Jonathan Deupmann & Leonie Urbanczyk, Audio: 42:16 Minuten)
Der “JKW-Podcast” der Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg beschäftigt sich mit der Transformation des Mediensystems durch die Digitalisierung: Auf welche neuen Anforderungen treffen Medienschaffende? Und wie verändert sich das Arbeitsumfeld mit der Entwicklung von digitalen Alternativangeboten? Die zwei Wissenschaftler Burkhard Schmidt und Rainer Nübel sprechen über ihre Studie zum Arbeitsdruck im Journalismus, mögliche Anpassungen, aber auch über die Option eines Aussteigs aus der Branche.

5. Pinar Atalay, RTL-Moderatorin, Journalistin und Ex-Pizzabotin
(medienmacherin.podigee.io, Freddie Schürheck, Audio: 50:25 Minuten)
Podcast-Host Freddie Schürheck begrüßt in der aktuellen Folge von “Die Medienmacherin” die Fernsehmoderatorin Pinar Atalay. Im Gespräch geht es auch um Atalays Wechsel von der ARD zu RTL, wo sie unter anderem “RTL aktuell” sowie (im Wechsel mit Jan Hofer) das Nachrichtenjournal “RTL Direkt” moderiert. Außerdem geht es in dem munteren Talk um Atalays Buch, ihre früheren Jobs als Pizzabotin, Ladenbesitzerin und Kugelschreiber-Schrauberin sowie um ihre Vorliebe für Mettbrötchen.

6. Haltung im Journalismus
(mdr.de, Lars Sänger & Carsten Kayser, Video: 29:30 Minuten)
Inwieweit ist es zulässig, wenn Medienschaffende ihre persönliche Sicht zu kontroversen Themen kundtun? Inwiefern beeinflusst die persönliche Meinung eines Journalisten oder einer Journalistin die objektive Berichterstattung? Und warum gibt es überhaupt eine Debatte um den Vorwurf “Haltungsjournalismus”? Diesen Fragen sind Lars Sänger und Carsten Kayser nachgegangen und haben dabei einige prominente Stimmen eingeholt.

Böse Bild-Generatoren?, Borna-Berichte, Kampf um Rundfunkbeitrag

1. Sind Bild-Generatoren böse?
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Wenige Tastatureingaben genügen, und KI-Systeme wie Stable Diffusion, DALL·E 2 oder Midjourney erschaffen Illustrationen, fotorealistische Werke und beeindruckende Kunstwerke. Trainiert wurden sie mit Abermillionen Bildern von Kreativen, die nun um ihre Jobs bangen. Sebastian Meineck hat sich bei Fachleuten umgehört, wie sie dieses Thema aus moralisch-ethischer, wirtschaftlicher und juristischer Sicht beurteilen.
An dieser Stelle noch zwei weitere spannende Lesetipps: Bei “Zeit Online” schreibt Heike Buchter über die Entwicklung von OpenAi von einer gemeinnützigen Organisation zum wertvollen Start-up, das milliardenschwere Investments einsammelt. Und bei den “Riffreportern” geht es um die Frage, ob ein Chatbot wie LaMDA oder ChatGPT Bewusstsein erlangen kann. Daran glaubt jedenfalls der Informatiker und KI-Tester Blake Lemoine, der wegen seiner diesbezüglichen Äußerungen seinen Job bei Google verloren habe.

2. Wichtige Infos für Medienschaffende in Lützerath
(djv-nrw.de)
Der DJV-Landesverband Nordrhein-Westfalen hat wichtige Informationen für alle Journalistinnen und Journalisten, die heute und/oder in den nächsten Tagen in Lützerath unterwegs sind: “RWE möchte von Journalist:innen bei Betreten von bestimmten Bereichen eine Erklärung zum Haftungsausschluss. Laut Info der Polizei ist dies bislang nicht durchgesetzt worden. Der DJV-NRW hat diese Erklärung angefordert um sie juristisch zu prüfen. Sollte man Euch vor Ort bitten, eine solche Erklärung zu unterschreiben, sprecht Euch gerne vorab mit uns ab.”
Weiterer Lesetipp: In der “taz” berichtet David Muschenich über einen Fall von Polizeigewalt gegen Medienschaffende: “Bei Urteilen spielt die Pressefreiheit oft keine Rolle. Auch im Fall einer Journalistin nicht, die von einem Beamten ins Gesicht geschlagen wurde.”

3. SPD-Chef Klingbeil entschuldigt sich für falsche Aussagen zur Silvesterrandale in Borna
(rnd.de)
In der Silvesternacht kam es im sächsischen Borna zu Ausschreitungen. In diesem Zusammenhang verbreiteten sich in verschiedenen Medien falsche Aussagen, die wiederum an anderen Stellen übernommen wurden, darunter der SPD-Chef Lars Klingbeil. t-online.de berichtigte mittlerweile (“Berichterstattung war in Teilen ungenau”), Klingbeil nahm Bezug auf Aussagen der “Zeit”-Journalistin Anne Hähnig und stellte die Sache auf Twitter klar.

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4. Soll der Rundfunkbeitrag steigen?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
ARD, ZDF und Deutschlandradio pochen auf eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags, doch bei den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten gebe es eine breite Ablehnungsfront gegen diese Begehrlichkeiten. Joachim Huber kommentiert: “Die Anstalten riskieren eine Menge. Sie spielen mit der Akzeptanz in der Bevölkerung, sie fordern die Rundfunkpolitik zu einer härteren Gangart heraus. Und das, wo seit dem vergangenen Jahr bei ARD, Deutschlandradio und ZDF Demut und neue Bescheidenheit angesagt wäre.”
Weiterer Lesetipp: Für medienpolitik.net hat Helmut Hartung mit dem Chef der hessischen Staatskanzlei und dem Chef der Staatskanzlei Niedersachsens über deren Erwartungen an die öffentlich-rechtlichen Anstalten gesprochen.

5. Warum der CSU-Chef den Sitz aufgibt
(taz.de, Steffen Grimberg)
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat seinen Sitz im ZDF-Verwaltungsrat aufgegeben. Das könnte daran liegen, dass sich Söder auf die kommende Landtagswahl konzentrieren will. Es könnte aber auch ganz andere Gründe haben, glaubt Steffen Grimberg: In der Funktion als ZDF-Verwaltungsrat könne Söder schlecht für das medienpolitische Lieblingsprojekt der CSU trommeln, die Zusammenlegung von ARD und ZDF.

6. Warum ist der größte Skandal um Harry ein Skandal der Medien?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 41:17 Minuten)
Holger Klein und Stefan Niggemeier sprechen im “Übermedien”-Podcast über das Buch von Prinz Harry, das schon vor der Veröffentlichung für Schlagzeilen sorgte. Schwierig sei, wie Harry von vielen Medien dargestellt und verteufelt werde, so Niggemeier auch in einem Kommentar auf Twitter: “Ja, Harry legt sich in dem Buch auch mit seiner Familie an. Aber mehr als alles andere rechnet er mit den Medien ab. Sein Zorn ist für mich nachvollziehbar und berechtigt. Ich bin erstaunt, wie wenig das auch in der deutschen Rezeption im Mittelpunkt steht.”

Lützerath und die Pressefreiheit, “Libra” als FDP-Infodienst?, Woelki

1. “Angriffe auf Journalisten”
(taz.de, Lea Fauth)
In der “taz” kritisiert der Pressegewerkschafter Jörg Reichel den Umgang von RWE-Sicherheitsleuten und Polizei mit Medienschaffenden am geplanten Kohleabbau-Ort Lützerath: “Aufseiten der RWE-Security gehen wir davon aus, dass das unausgebildete Mitarbeiter sind, die denken, sie müssten Konflikte lösen, indem sie sich körperlich durchsetzen gegenüber Journalist*innen. Wir hatten einen Fall, wo eine Journalistin gepackt wurde, an Armen und Körper. Letzte Woche haben wir von der Polizei Aachen gefordert, dass die RWE-Security die formalen Voraussetzungen erfüllen muss, um dort Reihe in Reihe mit der Polizei zu stehen – denn das tut RWE ja. Darauf hat dann das Polizeipräsidium nicht reagiert.”

2. Justiz-Infodienst “Libra”: Buschmann, immer wieder Buschmann!
(msn.com, Jochen Zenthöfer)
Wie im Dezember in den “6 vor 9” zu lesen war, ist mit “Libra” ein staatsnahes Juristenmedium und journalistisches Informationsportal entstanden. Für Jochen Zenthöfer taten sich an dieser Stelle bereits Fragen auf, welche die Verquickung von Staat und Medium betreffen. Nun hat sich Zenthöfer das Portal nochmal genauer angeschaut und fragt sich: “Ist der Informationsdienst ‘Libra’ ein Sprachrohr des Bundesjustizministeriums? Oder der FDP?”

3. Zeuge: Woelki wusste, wen er befördert
(wdr.de, Christina Zühlke)
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die “Bild”-Zeitung wegen angeblich falscher Berichterstattung über ihn betreffende Vorgänge verklagt. Nun sorgen Zeugenaussagen in dem Verfahren dafür, dass Woelki selbst ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten könnte. Christina Zühlke erklärt den juristisch recht verflochtenen Fall.
Nachtrag: Woelkis Anwalt Carsten Brennecke bezeichnet den Artikel bei Twitter als “Fake-News des @WDR zum heutigen Klageverfahren des Kardinal #Woelki gegen #Bild”. Er verweist in seinem Thread auf einen Beitrag der Katholischen Nachrichten-Agentur zum selben presserechtlichen Verfahren.

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4. Medizin-Influencer: Risiken und Nebenwirkungen
(ndr.de, Isabel Ströh, Video: 19:57 Minuten)
Inzwischen gibt es einige Medizinerinnen und Mediziner, die auf Youtube, Instagram oder TikTok vertreten sind und dort über Gesundheitsthemen berichten. Das Medienmagazin “Zapp” ist dem Phänomen der “Medfluencer” nachgegangen und fragt: “Geht es ihnen wirklich um gesundheitliche Aufklärung oder doch nur um Werbung und Profit?”

5. Wer zeigt Kai Gniffke Mastodon?
(dirkvongehlen.de)
Kai Gniffke, neuer Vorsitzender der ARD, hat sich jüngst für eine gemeinsame deutsche Medienplattform ausgesprochen, die man in einem zweiten Schritt “auf eine europäische Ebene heben” könnte. Nun fragt sich der Journalist Dirk von Gehlen: “Warum kündigt der neue ARD-Vorsitzende mit dieser Vision nicht einen ARD-Mastodon-Server an?”

6. Diese Firmen erzeugten 2022 den höchsten Werbedruck im deutschen TV
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Welche Firmen haben im vergangenen Jahr am meisten Geld in TV-Spots investiert und haben damit den höchsten “Werbedruck” erzeugt? Thomas Lückerath hat sich die Statistiken des Unternehmens Adscanner angesehen und gibt einen Überblick über die Top-5 der TV-Werbe-Schwergewichte.

Unwort “Klimaterrorristen”, Lützerath, Servus Morgenmagazin

1. Schikanen und Übergriffe gegen Presse in Lützerath
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Derzeit besteht ein großes mediales Interesse an den Klimaprotesten rund um das kleine Dorf Lützerath, das den Kohlebaggern des Energiekonzerns RWE weichen soll. Für Journalistinnen und Journalisten sei es jedoch nicht einfach, sich einen Überblick über die dortigen Geschehnisse zu verschaffen: Sowohl RWE als auch die Polizei würden die Pressefreiheit vor Ort einschränken. Nun entsende die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union einen Beobachter und Moderator nach Lützerath.

2. Das Recht als politische Waffe
(faz.net, Patrick Bahners)
“Hans-Georg Maaßen bleibt Mitautor eines Grundgesetzkommentars, der bei Beck erscheint. Verlag und Herausgeber sehen darüber hinweg, dass er das Recht als politische Waffe einsetzt.” In der “FAZ” kritisiert Patrick Bahners die Entscheidung des C.-H.-Beck-Verlags, an dem ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten als Autor festzuhalten: “Dr. jur. Maaßen ist der Advokat des teuflischen Zweifels an der Verfassungsmäßigkeit der deutschen Staatsgewalt.”

3. “Klimaterroristen” ist Unwort des Jahres 2022
(tagesschau.de)
Die Jury der “Sprachkritischen Aktion” hat den Begriff “Klimaterrorristen” zum Unwort des Jahres 2022 erklärt. Der Ausdruck werde im öffentlichen Diskurs gebraucht, um Aktivisten und Aktivistinnen und deren Protest zu diskreditieren: “Die Jury kritisiert die Verwendung des Ausdrucks, weil Klimaaktivist:innen mit Terrorist:innen gleichgesetzt und dadurch kriminalisiert und diffamiert werden.”
Weiterer Lesehinweis: Mehr zur Entscheidung gibt es in der offizielle Pressemitteilung.

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4. Ein Morgenmagazin für Leute, die morgens nicht fernsehen
(uebermedien.de, Moritz Hürtgen)
Wie gestern in den “6 vor 9” zu lesen war, kooperiert der zum Besitz des Red-Bull-Konzerns gehörende österreichische Fernsehsender ServusTV seit Neuestem mit Springers WeltN24. Kernstück der Zusammenarbeit sei das zweistündige Magazin “Guten Abend Deutschland”. Moritz Hürtgen hat sich die Sendung angeschaut und staunt: “Das ist doch eine Kopie! Ausgerechnet bei WeltN24, beim verbitterten ‘Zwangsgebühren’-Widerstand vom Verlag Axel Springer, scheinen die größten Fans öffentlich-rechtlicher Magazinformate zu sitzen, die jetzt für die Servus TV einen Klon produzieren, den sie direkt ‘Vorabendmagazin’ (‘Voama’) hätten nennen müssen.”

5. Wie viele junge Leute die ARD-Jugendwellen tatsächlich erreichen
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein)
Die ARD hat neun Radiosender für junge Leute im Angebot, doch Radioanalysen würden zeigen, dass nur ihre wenigsten Hörerinnen und Hörer unter 30 sind. Der Deutschlandfunk hat sich die Zahlen genauer angeschaut und kompakt zusammengefasst.

6. Journalisten bei Parlamentsstürmung angegriffen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Beim Sturm auf Regierungsgebäude in Brasilien am Wochenende seien mindestens elf Journalistinnen und Journalisten attackiert worden. Reporter ohne Grenzen ist besorgt: “Die Szenen vom Sonntag zeigen, wie gewaltbereit die Putschisten sind – und das gegenüber Medienschaffenden, die nur ihre Arbeit machten, indem sie über eine beispiellose Attacke auf die brasilianische Demokratie berichteten. Das Klima des Hasses, das Bolsonaro in den vergangenen Jahren befeuert hat, hat dazu geführt, dass Journalistinnen und Journalisten als Feinde wahrgenommen werden, die bekämpft werden müssen.”

Die Offensive des Brause-Senders, Haltungsjournalismus, Papst-Tod

1. ServusTV geht in die Offensive: Kleiner Sender, großer Aufwand
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der zum Besitz des Red-Bull-Konzerns gehörende österreichische Fernsehsender ServusTV kooperiert seit Neuestem mit Springers WeltN24, das künftig für das gesamte Vorabendprogramm des Senders zuständig sein soll. Kernstück des Programms sei ein zweistündiges Magazin namens “Guten Abend Deutschland”. Alexander Krei hat sich die gestrige Erstausstrahlung angeschaut.
Weiterer Lesetipp: Im “Tagesspiegel” beschäftigt sich Joachim Huber mit einer anderen Premiere. Im Ersten feierte Louis Klamroth seinen Einstand als Plasberg-Nachfolger bei “Hart aber fair”.

2. Pres­se­aus­kunft der Staats­an­walt­schaft rechts­widrig?
(lto.de, Christian Conrad)
Die Staatsanwaltschaft Berlin hat Medien mitgeteilt, dass sie die Aufnahme von Ermittlungen gegen Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) prüfe. In den Augen des für die Rechtsanwaltskanzlei Höcker tätigen Juristen Christian Conrad verletze eine solche Mitteilung zu diesem frühen Verfahrensstadium die Persönlichkeitsrechte Lindners und sei damit rechtswidrig.

3. “Drehbuch, das wir aus den USA kennen”
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein & Mirjam Kid)
Nach Einschätzung der Medienwissenschaftlerin Caja Thimm haben Soziale Medien beim Sturm auf Regierungsgebäude in Brasilien eine große Rolle gespielt. Von erheblicher Bedeutung sei dabei Telegram gewesen. Thimm stellt eine zunehmende globale Vernetzung rechter Netzwerke fest: “Wir können eigentlich schon davon ausgehen, dass gerade über die Internet-Kontakte viele Verbindungen und Austausch entstehen, den wir teilweise ja gar nicht mitbekommen”.

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4. Es ist Krieg und sie schauen hin
(blogs.taz.de)
Für ihre Ukraine-Berichterstattung greift die “taz”-Redaktion auf ein großes Netzwerk freier Journalistinnen und Journalisten zurück. Im “Hausblog” wolle man nun die Menschen hinter den Reportagen vorstellen. Es sind Personen wie Anastasia Magasowa, die in den vergangenen zehn Jahren Hunderte von Berichten aus der Ukraine verfasste, der studierte Russisch-Dolmetscher Bernhard Clasen oder die aus Odessa stammende Juristin Tatjana Milimko.

5. Werteorienterter Journalismus statt Neutralität
(mdr.de, Lars Sänger & Carsten Kayser, Video: 30:51 Minuten)
Im Gespräch mit MDR-Format “Medien 360G” äußert sich “Monitor”-Redaktionsleiter Georg Restle unter anderem zum vielfach geäußerten Vorwurf, er betreibe “Haltungsjournalismus”. Restle lehnt sowohl die Zuschreibung als auch den Begriff als solchen ab: “Ich bin kein Haltungs-Journalist! Weil das impliziert, dass Haltung wichtiger sei als Wahrhaftigkeit. Was natürlich Unsinn ist. Es gibt keine Haltung ohne Wahrhaftigkeit, und es gibt keine Haltung ohne das Streben nach der Wahrheit.”

6. Darf Benedikt XVI. posthum als homophober Hetzer bezeichnet werden?
(spiegel.de)
Das Internetportal queer.de hat den unlängst verstorbenen emeritierten Papst Benedikt XVI. als einen der “größten queerfeindlichen Hetzer” bezeichnet. Nun ermittele die Polizei Berlin gegen die Redaktion. Es bestehe der Verdacht der “Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener”. Jörg Reichel von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union appelliert an die Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen umgehend einzustellen: “Langatmige Ermittlungen oder eine Anklage durch die Staatsanwaltschaft wären ein Angriff auf die Pressefreiheit”.

Gefährlicher Unsinn, Scheinheilige Debatte, 50 Jahre “Sesamstraße”

1. Dilettantischer Trugschluss – oder noch schlimmer?
(t-online.de, Steven Sowa)
Im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in der Silvesternacht erhebt die “Bild”-Redaktion in ihrer Berichterstattung schwere Vorwürfe gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen: ARD und ZDF hätten die Wahrheit über Taten und Täter verschwiegen. Das sei gefährlicher Unsinn, kommentiert Steven Sowa bei t-online.de.

2. Berlusconi auf ProSieben?
(taz.de, Peter Weissenburger)
“taz”-Redakteur Peter Weissenburger fasst zusammen, was aus seiner Sicht in der Medienwelt im aktuellen Jahr passieren wird beziehungsweise passieren sollte. Es geht um die Entwicklungen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, um Elon Musk, um Journalismusförderung durch den Facebook-Konzern Meta, um die Zukunft des gedruckten Journalismus und um die Frage, wie es bei der ProSiebenSat.1-Gruppe weitergeht.

3. Warum schmeißt man als Journalist hin, um Klimaaktivist zu werden?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 23:30 Minuten)
Der Journalist Raphael Thelen hat für namhafte Medien gearbeitet und war Mitgründer sowie Sprecher des Netzwerk Klimajournalismus Deutschland. Nach mehr als zehn Jahren im Journalismus wird er nun hauptberuflicher Aktivist bei der “Letzen Generation”. Im Gespräch mit Holger Klein erklärt Thelen, wie es dazu gekommen ist und was ihn antreibt.

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4. Die scheinheilige US-Debatte über TikTok
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
In den USA werde über die Risiken von TikTok diskutiert. Aus europäischer Perspektive wirke das putzig, weil jedes gegen TikTok vorgebrachte Argument auch gegen Facebook und Co. verwendet werden könnte, so Markus Beckedahl. Trotzdem würden sich aus der US-Debatte einige wichtige Lehren ziehen lassen.

5. Saudi-Arabien soll Inhalte auf Wikipedia beeinflusst haben
(spiegel.de)
Wikimedia, die Stiftung hinter Wikipedia, habe 16 Administratoren in der Region “Middle East and North Africa” gesperrt. Sie sollen von der saudi-arabischen Regierung als Regierungsagenten angeworben und damit beauftragt worden sein, kritische Einträge zu kontrollieren, zu bearbeiten oder gar zu löschen. Aufgedeckt hätten dies Democracy for the Arab World Now und SMEX, eine Organisation zum Schutz digitaler Rechte und Freiheit mit Sitz im Libanon.

6. Was das deutsche Fernsehen von der “Sesamstraße” lernen kann
(dwdl.de, Peer Schader)
Gestern feierte die “Sesamstraße” ihren fünfzigsten Geburtstag. Beim Kika lief eine Geburtstagssendung, und Caren Miosga moderierte eine Sonderausgabe der “Tagesthemen”, unter anderem mit Live-Schalten zu Elmo, Wolle und Pferd. Natürlich kommt auch Medienkolumnist Peer Schader nicht umhin, sich dem Klassiker zu widmen: “Die große Kunst der ‘Sesamstraße’ ist es, sich und ihren Grundwerten auch nach 2.931 Folgen treu geblieben zu sein – und trotzdem stets mit der Zeit zu gehen.”