Archiv für Mai, 2019

Bis sich die Balken biegen (7)

Wenn heute niemand aus der SPD-Führung Verantwortung für das Ergebnis bei der Europawahl übernimmt, und keiner der Parteioberen zurücktritt, könnte das daran liegen, dass sie im Willy-Brandt-Haus möglicherweise nur den „Tagesspiegel“ lesen. Denn auf dessen heutiger Titelseite haben die Sozialdemokraten gestern starke 4,8 Prozentpunkte hinzugewonnen. Die Grünen sind hingegen große Verlierer:

Ausriss Titelseite Tagesspiegel - Union 2019 mit 28,1 Prozent, 2014 mit 35,3 - Grüne 2019 mit 20,8, 2014 mit 27,3 - SPD 2019 mit 15,5, 2014 mit 10,7 - AfD 2019 mit 10,9, 2014 mit 7,4 - FDP 2019 mit 5,6, 2014 mit 7,1 - Linke 2019 mit 5,5, 2014 mit 3,4 - Sonstige 2019 mit 13,6, 2014 mit 8,8

Die linken, dickeren Säulen geben bei jeder Partei das Ergebnis der Hochrechnung des ZDF von gestern Abend um 22:25 Uhr an. Diese Werte stimmen soweit. Die rechten, schmaleren Säulen sollen das Ergebnis der Europawahl 2014 darstellen. Und da ist einiges falsch.

Die 27,3 Prozent von vor fünf Jahren, die der „Tagesspiegel“ den Grünen zuschreibt, gehören eigentlich zur SPD. Und genauso andersherum: Die 10,7 Prozent, die laut „Tagesspiegel“ die SPD 2014 erreicht hat, gehören zu den Grünen. Bei AfD, FDP und Linken ist das Durcheinander noch etwas größer: Die 7,4 Prozent aus 2014 gehören zur Linken, die 7,1 Prozent zur AfD und die 3,4 Prozent zur FDP. Die AfD hat im Vergleich zu 2014 also etwas stärker dazugewonnen als in der „Tagesspiegel“-Grafik angegeben, die FDP hat nicht Prozentpunkte verloren, sondern gewonnen, die Linken hingegen haben nicht gewonnen, sondern verloren.

Der Ursprung dieses multiplen Fehlers dürfte darin liegen, dass der „Tagesspiegel“ in der Grafik nicht auf die sich ändernde Rangliste der Parteien reagiert hat. Zum Beispiel bei der FDP: Die war 2014 noch sechststärkste Kraft mit 3,4 Prozent. Während die Partei mit ihren 5,6 Prozent gestern auf Platz 5 vorrückte, hat die „Tagesspiegel“-Redaktion die 3,4 Prozent der FDP von 2014 auf Platz 6 stehen lassen — und so den Linken zugeordnet, die auf diesen Rang abgerutscht sind. Genauso lassen sich die falschen 2014-er-Werte von Grünen, SPD und AfD erklären.

Immerhin fängt die Überschrift auf der „Tagesspiegel“-Titelseite die fehlerhafte Grafik etwas ab: „Grüne jubeln, Groko stürzt ab“.

Nachtrag, 17:28 Uhr: Ein BILDblog-Leser schreibt uns, dass auf der Titelseite seiner „Tagesspiegel“-Ausgabe eine korrekte Wahl-Grafik zu sehen sei.

Der Screenshot, den wir weiter oben verwenden, stammt aus der E-Paper-Version. Und auch bei der gedruckten Variante gibt es Exemplare mit der fehlerhaften Grafik.

Abschlussbericht Relotius, Rap-Hack, Des Anwalts Strache-Video

1. Abschluss der Relotius-Affäre: Schwächen im System
(ndr.de, Daniel Bouhs und Inga Mathwig)
Der „Spiegel“ hat den Abschlussbericht der Aufklärungskommission zum Fall Relotius vorgelegt (hier als PDF lesbar). Bittere Erkenntnis: Etwa ein Dutzend Artikel sind anscheinend reine Märchengeschichten, „aber die anderen sind auch so verfälscht, dass der größte Teil von ihnen am Ende journalistisch wertlos ist“, so „Spiegel“-Chef Steffen Klusmann. Es lohnt sich, den Abschlussbericht im Original zu lesen. Dort gibt es bezeichnende Originalzitate aus dem Schriftverkehr zwischen Claas Relotius und seinen „Spiegel“-Vorgesetzten: „Wir suchen nach einer Frau mit Kind. Sie kommt idealerweise aus einem absolut verschissenen Land (…) Sie setzt ihre Hoffnung auf ein neues, freies gutes Leben in USA (…) Es muss eine sein, die mithilfe eines Kojoten über die Grenze will (…) Die Figur für den zweiten Konflikt beschreibt Claas (…) Dieser Typ wird selbstverständlich Trump gewählt haben, ist schon heiß gelaufen, als Trump den Mauerbau an der Grenze ankündigt hat, und freut sich jetzt auf die Leute dieses Trecks, wie Obelix sich auf die Ankunft einer neuen Legion von Römern freut (…) Wenn ihr die richtigen Leute findet, wird das die Geschichte des Jahres.“

2. Der Rap Hack: Kauf Dich in die Charts! Wie Klickzahlen manipuliert werden
(youtube.com, Y-Kollektiv)
In einer Doku des Y-Kollektivs über manipulierte Musik-Charts unternimmt Reporter Ilhan Coskun einen Selbstversuch: Er bastelt sich einen Rap-Song und lässt diesen auf den verschiedenen Musikplattformen von einem „Experten“ pushen. Der habe die Hoheit über unzählige Youtube- und Spotify-Accounts und könne jeden Song über Nacht zum Streaming-Wunder machen.

3. Ibiza-Video: Anwalt legt Geständnis ab – „investigativ-journalistisches Projekt“
(kurier.at, Kid Möchel)
Ein Wiener Anwalt hat sich bei den Medien als Initiator des Strache-Videos gemeldet. In seinem Geständnis behauptet er, dass „es sich beim Ibiza-Video um ein zivilgesellschaftlich motiviertes Projekt handle, bei dem investigativ-journalistische Wege beschritten wurden“. Der Anwalt hat sich für das Schreiben selbst anwaltlicher Hilfe bedient: Verfasst wurde der Brief von Strafrechtsprofessor Richard Soyer, der in dem Vorgehen seines Mandanten kein strafbares Verhalten entdecken kann.
Weiterer Lesetipp: Zentrum für Politische Schönheit soll Strache-Video gekauft haben (zdf.de, Arndt Ginzel & Kyo Jung & Daniel Laufer & Christian Rohde).
Und außerdem: Warum die Medien über das Strache-Video berichten mussten (sueddeutsche.de, Wolfgang Krach).

4. „Ich bin ein ständiger Unruhegeist“
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Nach über 30 Jahren hat Gerhard Delling die „Sportschau“ verlassen. Im Gespräch mit Markus Ehrenberg erzählt er von seinem Abschied, den nicht mehr vorhandenen Möglichkeiten als „Unruhegeist“ bei der ARD und dem Leben nach der „Sprotschau“.

5. Eine Liebeserklärung an die »Politische Korrektheit«
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Till Raether)
„Menschenfreundlichkeit. Gutes Benehmen. Respekt.“ Der Begriff der „politischen Korrektheit“ stieße vielleicht nicht auf so viel Ablehnung, wenn man ihn denn anders benennen würde. Till Raether kommentiert: „Wer »politische Korrektheit« ablehnt, lehnt im Grunde ur-konservative Tugenden ab: gutes Benehmen, Höflichkeit im Umgang miteinander, Respekt vor anderen, Eigeninitiative und Verantwortung. Denn das, was ihre Gegner*innen »politische Korrektheit« nennen, kommt ja entgegen ihrer Andeutungen nicht von oben, aus Erlassen und Verordnungen, sondern man muss sich diese Art von Verhalten selber erarbeiten. Indem man anderen zuhört, ihnen Raum lässt, ihnen zugunsten auch mal die Klappe hält, zuhört. Traurig, dass das für so viele Menschen eine so große Zumutung ist.“

6. Zwölf Lehren, die man aus „Game of Thrones“ ziehen kann
(dwdl.de, Ulrike Klode)
Acht Jahre lang hat die US-amerikanische Fantasy-Fernsehserie „Game of Thrones“ für Rekordquoten gesorgt und zahlreiche Auszeichnungen eingeheimst. Anlässlich des Serienendes blickt Ulrike Klode in einem vorläufigen Fazit auf die acht Staffeln zurück. Dabei sind zwölf überaus lesenswerte Lehren herausgekommen. Und keine Sorge: Es gibt auch eine Spoilerwarnung.

Bild.de lässt mit riesigem „Frauen-Ball“ im DFB-Pokal-Finale spielen

Gestern, beim DFB-Pokal-Finale zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern München — da war doch irgendwas merkwürdig mit dem Spielball, oder? War der …

Screenshot Bild.de - Bei Bayerns Pokal-Triumph - War der Frauen-Ball nicht richtig aufgepumpt?

Nee, das war’s nicht, was uns aufgefallen war. Aber: Was ist denn ein „Frauen-Ball“? Bild.de erklärt das so:

Leipzig und Bayern spielten beim Finale (0:3) nicht mit dem Bundesliga-Ball von Derbystar, sondern mit einem bunten Adidas-Ball. Das Modell „Conext 19“ wird ab dem 7. Juni bei der Frauen-WM verwendet.

Okay, es ist also kein „Frauen-Ball“, sondern ein ganz normaler Fußball, der bald auch bei der Weltmeisterschaft der Frauen eingesetzt werden soll. Das schreibt auch Bild.de irgendwie:

Klar ist aber natürlich: Obwohl er bei der Frauen-WM zum Einsatz kommt, hat er die gleichen Maße wie der Bundesliga-Ball der Männer. Laut Fifa-Regeln sind das 68,5 bis 70 Zentimeter Durchmesser und 410 bis 450 Gramm Gewicht.

Genau, das war das Merkwürdige gestern: die Größe des Balles. Der ragte mit seinen „68,5 bis 70 Zentimetern Durchmesser“ den Spielern schließlich bis über deren Knie.

Für dieses Nichtauseinanderhaltenkönnen von Durchmesser und Umfang soll man übrigens zahlen — es handelt sich um einen „Bild plus“-Artikel.

Mit Dank an Stephan J. für den Hinweis!

Nachtrag, 15:23 Uhr: Die Bild.de-Redaktion hat die Stelle — ohne irgendeinen Korrekturhinweis — geändert. Dort steht nun richtig: „Laut Fifa-Regeln sind das 68,5 bis 70 Zentimeter Umfang und 410 bis 450 Gramm Gewicht.“ Es gibt also offenbar keine neuen „Fifa-Regeln“, die das Spielen mit Riesenbällen vorschreiben und von denen die „Bild“-Medien exklusiv wussten.

Außerdem haben uns mehrere Leserinnen und Leser noch auf diesen Satz von Bild.de hingewiesen: „Obwohl er bei der Frauen-WM zum Einsatz kommt, hat er die gleichen Maße wie der Bundesliga-Ball der Männer.“ Und ja, der ist tatsächlich dämlich und nicht besonders respektvoll den Fußballerinnen gegenüber.

Drei Verdächtige, zwei anonym, eine Vorlage für rechte Scharfmacher (2)

Der Lehrer, der an einer Schule im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld von drei Schülern vermutlich mit Hämmern erschlagen werden sollte, hat sich bei Facebook geäußert. Zur Erinnerung: Wir hatten über den Fall berichtet, weil „Bild“ und Bild.de merkwürdigerweise nur den Namen eines Tatverdächtigen („Serkan“) nannten und nicht die Namen der beiden anderen Verdächtigen, die laut zuständiger Staatsanwaltschaft „urdeutsch“ sein beziehungsweise nicht auf eine türkische oder muslimische Herkunft hindeuten sollen. Bereits vor drei Tagen schrieb also der Lehrer „sozusagen eine Art FAQ meines Zustandes“. Es ist ein längerer, lesenswerter Text.

Die „Bild“-Medien berichteten am Mittwoch über diesen Facebook-Post. Wer ein „Bild plus“-Abo hat, kann bei Bild.de nachlesen, was der Lehrer in dem Sozialen Netzwerk freizugänglich schreibt:

Screenshot Bild.de - Lehrer äußerst sich nach Mordkomplott an Dortmunder Gesamtschule - Ich habe keine Angst, zur Arbeit zu gehen

„Bild“-Reporter Andreas Wegener zitiert mehrere Aussagen des Lehrers. Zum Beispiel:

Zudem distanziert sich der Vertrauens-Lehrer von Rechten, die das Verbrechen für Hetze gegen Migranten nutzen. Seine Schule habe mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund sehr gute Erfahrungen gemacht.

Und:

Am meisten schockiert habe ihn die Tatbeteiligung eines 18-Jährigen: Er habe ihn in seinem Leben nie kennengelernt und sei „dennoch bereit gewesen, mich zu erschlagen“, schrieb W.

Abgesehen davon, dass die „Bild“-Medien durch ihre einseitige Namensnennung kräftig dazu beigetragen haben, dass die Instrumentalisierung überhaupt erst in dem Ausmaß stattfinden konnte, geht die Passage in dem Post des Lehrers noch um einen wichtigen Satz weiter:

Ich möchte nicht vom rechten Rand der Gesellschaft instrumentalisiert werden. Ich weiß, dass viele ehemaligen Schüler jetzt mitlesen und, wie leider ein großer Teil der Gesellschaft, bei dem veröffentlichten Namen des, zumindest meiner Ansicht nach, Haupttäters daran denken, dass wir an unserer Schule und in Dorstfeld ein Problem mit „Migranten“ haben. Es wird bereits in vielen Beiträgen gefordert, endlich die Namen der beiden anderen Beteiligten zu veröffentlichen. Der Gesellschaft wird unterstellt, dass dies nur deshalb nicht geschehe, um die Folgen der verhassten Integration, der unsere Schule sich verschrieben hat, nicht an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Euch muss ich sagen: Ihr könntet falscher nicht liegen. Besonders erschrocken hat mich der Tatbeteiligte, der mich in seinem Leben nie kennen gelernt hat und der dennoch bereit gewesen war, mich zu erschlagen. Dieser Beteiligte und sein Vorname entsprechen nicht Euren Erwartungen.

Bei den „Bild“-Medien davon weiterhin kein Wort. Stattdessen bleibt Andreas Wegener dabei, nur den Namen eines Tatverdächtigen zu nennen:

Schüler Serkan (16) soll mit zwei Komplizen einen Lehrer (51) in einen Hinterhalt gelockt haben, um ihn mit einem Hammer zu erschlagen.

Mit Dank an Philipp S., Matthias H. und @jens0331 für die Hinweise!

CDU und „FAZ“ widersprechen Rezo mit falschen Fakten

In der Elf-PDF-Seiten-Antwort der CDU auf die Kritik des Youtubers Rezo findet man auch diesen Absatz:

Und dann noch eine grundsätzliche Bewertung der Messung von arm und reich in Deutschland: Die oft angeführte Armutsgefährdungsquote (nicht Armutsquote) ist irreführend. Sie ist kein Indikator für Armut, sondern drückt nur die unterschiedliche Einkommensverteilung aus. […] Diese Betrachtungsweise führt auch dazu, dass es auf einen Schlag mehr Armutsgefährdete in Deutschland gäbe, wenn z.B. Jeff Bezos nach Deutschland ziehen würde. Im Vergleich zu ihm und seinem Vermögen gäbe es dann nämlich einige mehr von Armut gefährdetet [sic] Personen (http://www.rwi-essen.de/unstatistik/40/).

So viel schon mal jetzt: Das mit der Auswirkung eines Zuzugs von Amazon-Chef Jeff Bezos auf die Armutsgefährdung ist Unsinn.

Die CDU verlinkt zum Beleg auf einen Text von Statistiker Walter Krämer aus dem Jahr 2015, der dort die damalige „Armutsstudie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes“ kritisiert. Krämer schreibt:

Dabei beruft sich der Paritätische Wohlfahrtsverband auf eine angebliche Armutsquote von 15,5 Prozent aller Bundesbürger, definiert als die Menschen, die pro Monat weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben.

Und das ist genauso falsch wie die Aussage von Jasper von Altenbockum, der gestern bei FAZ.net Rezo unter anderem mit dieser Behauptung widersprach:

Was für Rezo zählt, ist der Eindruck, die Armen würden immer ärmer, die Reichen immer reicher. Dass Armut eine Frage der Definition ist und vom Durchschnittseinkommen abhängt — kein Wort darüber.

Doch das ist nicht so: Armut und Armutsgefährdung hängen nicht „vom Durchschnittseinkommen“ ab. In seinem aktuellen Armutsbericht schreibt der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband zur eigenen Methodik (PDF, ab Seite 6):

Als einkommensarm wird in diesem Bericht jede Person gezählt, die mit ihrem Haushaltsnettoeinkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. (…) Beim mittleren Einkommen handelt es sich nicht um das geläufige Durchschnittseinkommen, das so ermittelt würde, dass man alle Haushaltseinkommen addiert und die Summe dann durch die Anzahl der Haushalte teilt (arithmetisches Mittel). Es wird stattdessen der sogenannte Median, der mittlere Wert, errechnet

Ganz ähnlich schreiben es auch die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder:

Die Armutsgefährdungsquote ist ein Indikator zur Messung relativer Einkommensarmut und wird — entsprechend dem EU-Standard — definiert als der Anteil der Personen, deren Äquivalenzeinkommen weniger als 60 % des Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung (in Privathaushalten) beträgt.

Der Median beziehungsweise das mittlere Einkommen ist also entscheidend.

Zum bedeutsamen Unterschied zwischen arithmetischem Mittel beziehungsweise Durchschnittseinkommen und Median beziehungsweise mittlerem Einkommen haben wir bereits vor zehn und vor sieben Jahren hier im BILDblog was geschrieben. Wir schreiben es aber gern noch mal.

Man erhält das mittlere Einkommen, indem man alle Bürgerinnen und Bürger sortiert nach Einkommen in einer Reihe aufstellt und diejenige Person, die dann genau in der Mitte steht, fragt, was er oder sie verdient. Der Unterschied zum durchschnittlichen Einkommen kann erheblich sein — und zwar genau dann, wenn etwa einzelne Milliardäre wie Jeff Bezos ins Spiel kommen wie im Beispiel der CDU.

Denken wir uns ins Konrad-Adenauer-Haus, in dem sich gerade elf CDU-Mitarbeiter befinden (Schema rechts). Zwei von ihnen verdienen 1000 Euro, fünf 2000 Euro, drei 3000 Euro — und einer hat sagenhafte 10.000 Euro im Monat. Ihr durchschnittliches Einkommen beträgt 2818 Euro (die Summe geteilt durch elf); das mittlere Einkommen ist das, das bei einer Aufreihung der elf Mitarbeiter der sechste hat (*): 2000 Euro. Als armutsgefährdet gelten alle, die weniger als 60 Prozent von 2000 Euro zur Verfügung haben, also: die beiden 1000-Euro-CDUler.

Nun stellen wir uns vor, dass zwei zusätzliche CDU-Mitarbeiter mit jeweils 10.000 Euro Einkommen das Konrad-Adenauer-Haus betreten. Das durchschnittliche Einkommen steigt deutlich. Das mittlere aber bleibt konstant: diesmal müssen wir bei 13 anwesenden Mitarbeitern in der Reihe von arm nach reich den siebten (*) fragen: Auch er hat 2000 Euro.

Läge die Grenze der Armutsgefährdung laut Definition bei 60 Prozent des Durchschnittseinkommens, wären nun auch die 2000-Euro-CDUler armutsgefährdet. Da sie sich aber nach dem mittleren Einkommen richtet, ändert sich — in diesem Beispiel — nichts.

Der Median ist deshalb eine so praktische statistische Größe, weil er gegen Ausreißer sehr robust ist. Oder anders gesagt: Ein Zuzug von Jeff Bezos hätte auf die Armutsgefährdung in Deutschland keinerlei Auswirkungen, auch wenn die CDU anderes behauptet.

  • Volker Quaschning hat sich den Teil „Die Klimakrise“ der CDU-Antwort auf Rezo genauer angeschaut. Sein Fazit: „In diesem Faktencheck wurden keine belastbaren Aussagen der CDU gefunden, welche die Inhalte in Bezug auf Klimaschutz des Videos von Rezo substanziell widerlegen.“

Mit Dank an thorsten und @Helkonie für die Hinweise!

Umfrage-Nullnummern, Video-„Irrtümer“ der CDU, Ausreisesperre

1. Jörg Schönenborn: „Viele Umfragen sind Nullnummern“
(dwdl.de, Alexander Krei)
WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn moderiert seit zwei Jahrzehnten die ARD-Wahlsendungen. „DWDL“ hat ihn unter anderem gefragt, was gelungene Fragen ausmacht, wie oft er schon den Touchscreen verwünscht hat und was seine bislang schwierigste Situation an einem Wahlabend war.

2. Ein Reporter des Tagesspiegel soll Kolleginnen bedrängt, gestalkt und sexuell belästigt haben
(buzzfeed.com, Pascale Mueller)
Mehrere Frauen und langjährige Mitarbeiter des „Tagesspiegel“ haben gegenüber „BuzzFeedNews“ von sexuellen Belästigungen und Übergriffen eines „Tagesspiegel“-Reporters berichtet. Der Mittfünfziger habe es vor allem auf junge Praktikantinnen, Volontärinnen und freie Journalistinnen abgesehen und seine Machtposition missbraucht, so der Vorwurf. Infolge der „Buzzfeed“-Recherchen hat der „Tagesspiegel“ den Mann zunächst freigestellt. Außerdem plane man, eine Ombudsstelle einzurichten.

3. Mehrheit vermeidet öffentliche Aussagen zu vermeintlichen Tabuthemen
(zeit.de)
Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach will herausgefunden haben, dass sich die Mehrheit der Menschen mit der eigenen Meinung zu vermeintlichen Tabuthemen in der Öffentlichkeit zurückhalte. Dies betreffe vor allem Themen wie Flüchtlingspolitik, Muslime und Islam.

4. „Die Gesellschaft soll mit Falschinformationen vergiftet werden“
(jetzt.de, Berit Dießelkämper)
Alex Urban leitet die Facebook-Gruppe „#ichbinhier“, in der mehr als 40.000 Mitglieder gegen rechte Hetze im Netz kämpfen, indem sie Hasskommentaren und Falschinformationen sachliche Antworten entgegenstellen. Im Gespräch mit „jetzt“ erklärt Urban, was ihn antreibt, wie Internet-Hetze funktioniert und was er sich von Online-Medien wünscht.

5. Ausreisesperre gegen Mesale Tolus Ehemann
(reporter-ohne-grenzen.de)
Suat Corlu ist der Ehemann der Journalistin Mesale Tolu, die in der Türkei wegen angeblicher Terrorvorwürfe mehr als sieben Monate im Frauengefängnis saß. Wie seine Ehefrau scheint er sehr mutig zu sein, denn er ist in die Türkei gereist, um dem Gerichtsverfahren gegen ihn und seine Frau beizuwohnen. Prompt wurde ihm am Flughafen der Pass abgenommen und eine Ausreisesperre gegen ihn verhängt. Christian Mihr, Geschäftsführer bei „Reporter ohne Grenzen“ kommentiert: „Mesale Tolu und ihre Familie wurden durch die lange Untersuchungshaft schon genug bestraft. Die türkischen Behörden müssen die Ausreisesperre gegen Suat Corlu aufheben, um ihm eine Rückkehr nach Deutschland zu seiner Familie zu ermöglichen“.

6. CDU bespielt Youtube-Kanal „irrtümlich“ mit Clips von ARD und ZDF
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Es ist schon etwas peinlich: Nach Hinweisen des Satirikers und „Partei“-Europakandidaten Nico Semsrott musste die CDU zahlreiche Talkshow-Clips von ARD und ZDF löschen, die sie in ihren Youtube-Kanal hochgeladen hatte.

Bild  

AfD-Anfrage landet ungeschminkt in „Bild“

Wenn die AfD-Fraktionen inhaltlich schon nichts in den Landtagen und im Bundestag beizutragen haben, wollen sie wenigstens durch sinnlose Kleine Anfragen an die jeweiligen Regierungen den Apparat ein bisschen lahmlegen. Sie fragen dann zum Beispiel nach Vergewaltigungen in Parks, die gar nicht existieren (PDF), oder nach einer angeblichen „militanten Szene der Veganer in NRW“ (PDF) . Eine der peinlichsten Anfragen auf Bundesebene dürfte jene nach dem Einsatz von „Visagisten, Stilberatern und Friseuren“ bei „der Bundeskanzlerin, den Bundesministern, den Staatsministern oder anderen hochrangigen Regierungsvertretern“ sein (PDF).

Die (bereits zwei Wochen alte) Antwort darauf (PDF) könnte unspektakulärer nicht ausfallen: Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung Annette Widmann-Mauz nahm im Zusammenhang mit ihren beruflichen Aufgaben zweimal die Dienste eines Visagisten in Anspruch, Finanzminister Olaf Scholz einmal, genauso Außenminister Heiko Maas, Umweltministerin Svenja Schulze viermal, Bildungsminist …

… Pardon, wir sind kurz eingenickt …

… Bildungsministerin Anja Karliczek einmal und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner „in Einzelfällen“.

Joar.

Wer diese ganze Sache nicht spätestens jetzt wegen Bedeutungslosigkeit ignoriert, dem ist nicht mehr zu helfen. Oder er arbeitet bei „Bild“. Oder beides. Florian Kain gestern in der „Bild“-Zeitung:

Ausriss Bild-Zeitung - Die ungeschminkte Wahrheit über unsere Minister - Welche Minister haben sich in dieser Legislatur einen Visagisten gebucht, um sich vor Auftritten schminken zu lassen?

Es folgt dann lediglich noch die Aufzählung aus der Antwort der Bundesregierung. Sonst nichts weiter. Keine Einordnung, keine weiteren Gedanken, nichts. Wobei, nicht ganz — es gibt noch eine Quellenangabe ganz am Ende des Artikels:

Ausriss Bild-Zeitung - Quelle: Regierungsantwort auf AfD-Anfrage

„Bild“ und andere Medien des Axel-Springer-Verlags akzeptieren grundsätzlich keine Anzeigen der AfD. Aber das ist letztlich auch gar nicht nötig — der Nonsens der Partei landet ja auch so ungefiltert im Blatt.

Rechte Online-Strategien, Medien im Endlostunnel, Geistesblitze für alle

1. Bürgerbewegung warnt Facebook vor rechter Propagandaflut
(spiegel.de, Markus Becker & Patrick Beuth)
Die Online-Bürgerbewegung Avaaz hat auf Facebook nach eigener Aussage rechte Desinformationsnetzwerke in Millionengröße entdeckt und diese an Facebook gemeldet. Daraufhin wurden von Facebook angeblich 77 Seiten mit rund sechs Millionen Followern stillgelegt. Während Avaaz die Funde als „Massenvernichtungswaffen für die Demokratie“ bezeichnet, wiegelt Facebook ab.
Weiterer Lesehinweis: Eine Untersuchung des Medienwissenschaftlers Trevor Davis habe herausgefunden, dass rund 200.000 wahrscheinlich gefälschte Facebook-Accounts für die AfD Stimmung machen würden: Verdächtige Accounts unterstützen AfD (zdf.de, Stephan Mündges & Ulrich Stoll).

2. Influencer der „Neuen Rechten“
(deutschlandfunk.de, Burkhard Schäfers)
Junge Rechtsextreme haben eine neue Strategie für sich entdeckt: Sie präsentieren sich in Videos und Fotos als Youtube-Stars und Influencer. Der Journalist Patrick Stegemann beschreibt das Vorgehen: „Die machen Selfies, es ist ein Filter drüber, sie machen Naturbilder, sie fotografieren ihre Schuhe, ihre Klamotten. Die sind dann teilweise von Klamottenmarken der extremen Rechten. Aber auf den ersten Blick unterscheidet sie eigentlich kaum etwas.“

3. Das fahle Licht am Ende des Endlostunnels
(meta-magazin.org, Franco Zotta)
Vor Kurzem jubelte die Branche über die positive wirtschaftliche Entwicklung beim „Guardian“. Dabei geriet jedoch in den Hintergrund, dass der „Guardian“ in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Euro Verluste angehäuft und 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gekündigt hat. Franco Zotta nutzt dieses Beispiel als Einstieg für einige gute Gedanken über die zukünftige Medienentwicklung. Dabei hinterfragt er auch das Businesskonzept des von Gabor Steingart angekündigten Medienschiffs.

4. Geistesblitze für alle
(zeit.de, Hedwig Richter)
Die Historikerin Hedwig Richter ist ein Twitter-Fan: „Twitter ist eine digitale Agora. Es ist eben auch ein Ort der Wissenschaft, es bietet Platz für Neugierde, Debatten und Austausch.“ Folgerichtig hat sie im Sommersemester 2018 ihre Vorlesung an der Universität Heidelberg zusätzlich auf Twitter präsentiert. Die Resonanz war ausgesprochen positiv. Richters Resümee: „Twitter kann den Horizont für gemeinsame Projekte öffnen.“

5. Ein neues Tool für mehr Glaubwürdigkeit
(de.ejo-online.eu, Kornélia R. Kiss)
„NewsGuard“ will Desinformationen entgegentreten und stuft daher Nachrichtenwebsites und deren Glaubwürdigkeit ein. Dazu muss der Nutzer ein Browser-Plugin installieren. In Deutschland seien bislang ungefähr 80 Seiten bewertet worden, unter denen drei „rot“ markiert seien: „Sputnik“, „RT“ und „Epoch Times“. Auf Twitter gab es bereits Kritik: „Gut als erste Einschätzung. Aber bei „Bild“ zeigt sich, dass sich viele Hinweise zu einer Publikation erst hinter einem Klick im „Kleingedruckten“ verstecken.“

6. Whoah, we’re going to Ibiza!
(taz.de, Silke Mertins)
Die Boulevardzeitung „Österreich“ verlost einen Kurzaufenthalt in der Ibiza-Villa, die durch das Strache-Video einige Berühmtheit erlangt hat. Die „taz“ hat einen Tipp für die Vermieter des Luxusanwesens: „Wenn die Vermieter der Villa auf Ibiza schlau sind, dann richteten sie am Ort des korrupten Geschehens eine Pilgerstätte für Gegner der Neuen Rechten ein. Mit Eintritt, Andenkenshop und Fotoshooting auf dem Schicksalssofa.“

Bild  

Ganz Deutschland findet noch immer: „Bild“ tut nichts für das Gemeinwohl

Nach dem ersten „GemeinwohlAtlas“ der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2015 gibt es nun, in Kooperation mit der HHL Leipzig Graduate School of Management, die zweite Ausgabe. Dieser „Atlas“ soll den „gesellschaftlichen Nutzen von deutschen sowie internationalen Organisationen und Institutionen“ systematisch untersuchen und transparent abbilden:

Im Jahr 2019 nahmen insgesamt 11.769 Personen im Alter zwischen 18 und 93 Jahren an der Befragung teil.

Kannten die Befragten mindestens eine der aufgelisteten Organisationen, wurden sie aufgefordert, für einzelne, randomisiert ausgewählte Organisationen den Beitrag zum Gemeinwohl in den vier Dimensionen Lebensqualität, Aufgabenerfüllung, Zusammenhalt und Moral zu bewerten.

Dieses Mal wurden 137 Unternehmen, Marken, Organisationen und Institutionen bewertet. Dabei ganz vorne: Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Deutsches Rotes Kreuz und der Weiße Ring. Auf dem letzten Platz landete Marlboro. Auf dem vorletzten die FIFA. Und auf dem drittletzten:

Screenshot des GemeinwohlAtlas - auf dem Drittletzten Platz dabei Bild

… noch hinter solch ausgesprochenen Sympathieträgern wie Deutsche Bank, UEFA, Facebook, Twitter und Nestlé.

Beim ersten „GemeinwohlAltas“ landete „Bild“ noch auf dem letzten von 127 Plätzen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich der Ruf des Blattes seit 2015 verbessert hat — im Gegenteil: Marlboro und FIFA waren damals schlicht noch nicht dabei; die „Gemeinwohl“-Werte von „Bild“ sind im Vergleich zu vor vier Jahren noch einmal gesunken (Durchschnitt 2015: 2,37 – Durchschnitt 2019: 2,26 – die Skala geht von 1 bis 6, der Median lag 2019 bei 3,79).

Andere Medien schnitten deutlich besser ab: Die Dritten der ARD liegen auf Platz 16, die ARD auf Platz 18, das ZDF auf Platz 21, die „Süddeutsche Zeitung“ auf Platz 32, die „FAZ“ auf Platz 36, die „Welt“ auf Platz 65 und der „Spiegel“ auf Platz 67. Nur die TV-Sender Vox (120), Sat.1 (122) und RTL (128) können einigermaßen mit dem schlechten „Bild“-Ergebnis mithalten.

Drei Verdächtige, zwei anonym, eine Vorlage für rechte Scharfmacher

An einer Gesamtschule in Dortmund sollen drei Schüler geplant haben, einen Lehrer zu töten. Bild.de berichtete am vergangenen Dienstag erstmals über den Fall:

Screenshot Bild.de - In Hinterhalt gelockt - Schüler wollten Lehrer mit einem Hammer töten

Ein weiteres Mal am vergangenen Mittwoch:

Screenshot Bild.de - Schüler wollten Lehrer mit Hammer erschlagen - Darum sind die Täter auf freiem Fuß!

Und vorgestern dann noch einmal:

Screenshot Bild.de - Erster Anlauf mit Hämmern war gescheitert - Dortmunder Schüler planten Lehrer-Mord ein zweites Mal

Der Plan der Schüler ging nicht auf. Beim ersten Versuch wurde der Lehrer misstrauisch, als zwei der Schüler ihn an einen abgelegenen Ort lockten, wo der dritte Schüler einen Kreislaufkollaps vortäuschte. Der Lehrer drehte den Schülern laut Staatsanwaltschaft zu keinem Zeitpunkt den Rücken zu und rief einen Krankenwagen. Die Schüler setzten die Hämmer, die sie dabei gehabt haben sollen, daraufhin nicht ein. Bevor es zum zweiten Versuch kommen konnte, hatte die Polizei die drei Tatverdächtigen bereits festgenommen.

Und obwohl es drei Verdächtige sind, nennen „Bild“ und Bild.de wiederholt nur den Vornamen eines Verdächtigen:

Haupttäter Serkan wollte sich offenbar rächen, gewann zwei Mitschüler (17, 18) als Komplizen.

Im Verhör gaben zwei Schüler zu, dass der Lehrer an einer abseits gelegenen Raucherecke mit einem Hammer erschlagen werden sollte. Haupttäter Serkan (16) stritt dagegen alles ab.

Seit mehr als einer Woche ermittelt die Polizei gegen Serkan (16), einen Mitschüler (17) und einen Bekannten (18).

Dieses partielle Desinteresse der „Bild“-Mitarbeiter an Namen von Tatverdächtigen und Tätern ist bemerkenswert. Es kann nichts damit zu tun haben, dass sie Serkan für den Haupttäter halten und die anderen Namen damit nicht für nennenswert — in anderen Fällen nennen sie durchaus die Namen von Haupttätern und deren Komplizen. Wir haben bei „Bild“-Sprecher Christian Senft nachgefragt, warum in den „Bild“-Medien nur der Name eines Tatverdächtigen genannt wurde. Bisher haben wir keine Antwort von ihm erhalten.

Nun weist ein Name nicht automatisch auf eine Staatsangehörigkeit hin. Wir wollten aber gern wissen, ob die Vornamen der beiden anderen, von „Bild“ und Bild.de nicht genannten Verdächtigen ebenfalls türkischstämmig oder arabisch klingen. Und siehe da: Wie uns der Sprecher der Dortmunder Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitgeteilt hat, trägt der eine Tatverdächtige einen „urdeutschen Namen“, der andere einen, der nicht auf eine türkische oder muslimische Herkunft hindeute.

Dass die „Bild“-Medien nur den einen Namen nennen — und nicht etwa auch den „urdeutschen“ –, ist ein gefundenes Fressen für alle rechten und noch rechteren Scharfmacher. Die Bild.de-Artikel drehen in den entsprechenden Kreisen derzeit die ganz große Runde: Neben Seiten wie „Widerstand für Deutschland“, „Patriotische Vernetzung – Wir wollen unser Land zurück“ und „Meine Heimat Deutschland“ haben auch die Accounts „AfD Nürnberg“, „AfD Chemnitz“, „AfD Freunde Kinzigtal“, „AfD Kyffhäuser-Sömmerda-Weimarer Land“, „AfD Weiden in der Oberpfalz“, „AfD Hannover Stadt“, „AfD Kreisverband Ravensburg“, „AfD Freunde Landkreis Hildesheim“, „AfD Kreisverband Augsburg-Stadt“, „AfD Cloppenburg/Vechta“, „AfD Südliche Ortenau – Kinzigtal“, „AfD Regionalgruppe Hoyerswerda“, „AfD OV Unteres Jagsttal“, „AFD-FANCLUB DEUTSCHLAND“, „AfD Wolfsburg“, „AfD Kreisverband Wittmund“, „AfD Freunde Ortenau“, „AFD Freunde Berlin“, „AfD – Kreisverband Weserbergland“, „AfD Gemeindeverband Großrosseln“, „AfD Waiblingen-Fellbach“, „AfD Burscheid“ und „AfD Kreisverband Dachau“ die Texte bei Facebook und Twitter geteilt. Hinzu kommen zahlreiche AfD-Freunde wie Erika Steinbach und AfD-Mitglieder wie Guido Reil. Und auch AfD-Fraktionschefin Alice Weidel verbreitete den Bild.de-Artikel von vergangenem Dienstag. Dazu schrieb sie bei Facebook:

Wie weit die Verrohung in Deutschland fortschreitet, beweist NRW. (…) Hauptbeschuldigter ist ein Schüler namens Serkan (16), der mit seiner Benotung in den Fächern Chemie und Deutsch offenbar nicht einverstanden war.

Ihm zu Hand gehen sollten zwei Bekannte (17 und 18 Jahre). (…) Die Martin-Luther-King-Gesamtschule ist für ihre Anti-Mobbing-Projekte bekannt. Gegen bestimmte Sozialisierungen kommen wohl auch die besten Präventivmaßnahmen nicht an.

Fast 3000-mal geliket, fast 1000-mal kommentiert, über 1500-mal geteilt.

Und auch in den Kommentaren auf der „Bild“-Facebookseite stürzten sich die Leserinnen und Leser vor allem auf einen Aspekt der Geschichte:

Collage mit Kommentaren von der Bild-Facebookseite - Viele Beispiel von Leserinnen und Lesern, die den Namen Serkan thematisieren

Mit Dank an Clemens für den Hinweis!

Nachtrag, 24. Mai: Der Lehrer hat sich in einem lesenswerten Facebook-Post zu der Sache geäußert. Und die „Bild“-Medien bleiben dabei, nur den Namen eines Tatverdächtigen zu nennen.

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