Archiv für Oktober, 2018

Rechte Verlage, Gemeinmacher, Brot- und Auflagenvermehrung

1. Trotz PR-Gag: Rechte Verlage floppen auf der Buchmesse
(jfda.de)
Rechte Verlage haben erneut versucht, die Frankfurter Buchmesse als Bühne für sich zu nutzen. Obwohl sie teilweise mit fragwürdigen PR-Gags operierten und einiges prominentes Personal auffuhren, sei dies wenig bis gar nicht gelungen. Was auch am professionalisierten Umgang der Messeleitung mit den rechtsradikalen Verlagen gelegen habe, wie das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus berichtet.
Weiterer Lesehinweis: Rechter Verleger verbreitet Fake News in eigener Sache (welt.de, Matthias Kamann).

2. Ermittlungen, nachdem „Unzensuriert“-User Florian Klenk drohten
(derstandard.at, Fabian Schmid)
Der Chefredakteur des österreichischen „Falter“, Florian Klenk, wurde massiv von Nutzern der Plattform Unzensuriert.at bedroht. Klenk veröffentlichte die Drohungen in Sozialen Medien, woraufhin sich die Polizei bei ihm meldete. Klenk auf Facebook: „Ein großes Kompliment der Landespolizeidirektion Wien. Sie reagiert demonstrativ schnell im Fall „unzensuriert.at“. Heute schon um 14 Uhr habe ich meine Zeugeneinvernahme wegen gefährlicher Drohung.“

3. Welche Rolle spielt die Regierung?
(deutschlandfunk.de, Iris Rohmann)
Ein Jahr ist es her, dass die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia Opfer einer Autobombe wurde. Mittlerweile sitzen die mutmaßlichen Täter in Haft, aber die Suche nach den Hintermännern gestaltet sich schwierig. Zumal die maltesische Regierung ein falsches Spiel spiele, wie ihr von Journalisten vorgeworfen wird.
Lesenswert in diesem Zusammenhang das „taz“-Interview mit dem EU-Parlamentarier Sven Giegold: „Es fehlt das politische Interesse“.

4. Kann das weg?
(sueddeutsche.de, Benedikt Frank)
Um die Meinungsvielfalt im deutschen Privatfernsehen zu garantieren, wurden einst die sogenannten Drittsendezeiten eingeführt. Bekannteste Sendereihe: Alexander Kluges Talkformat „10 vor 11“ mit Interviews mit Künstlern, Schriftstellern, Regisseuren und Forschern, das es in 30 Jahren auf mehr als 1500 Ausgaben gebracht hatte, bevor es im Juni eingestellt wurde. Wie steht es heutzutage um die Drittsendeplätze? Benedikt Frank hat sich mit der Fernbedienung auf Spurensuche begeben.

5. Wie sich Hanns-Joachim Friedrichs mal mit einer Sache gemein machte
(stefan-fries.com)
Selten sind Worte so missverstanden und aus dem Zusammenhang gerissen worden wie die des legendären „Tagesthemen“-Moderators Hanns Joachim Friedrichs, man solle sich als Journalist mit keiner Sache gemein machen, auch keiner guten. Stefan Fries hat einen kritischen Song von Udo Jürgens aus dem Jahr 1988 ausgegraben, in dem Friedrichs eine Art Intro spricht und sich damit durchaus die Kritik des Songs zu eigen macht.

6. Luftnummer 1
(noemix.wordpress.com, Michael Nöhrig)
Michael Nöhrig über die wundersame Auflagenvermehrung von Österreichs viel gedruckter, aber wenig gelesener Kostenlos-Tageszeitung: „Ein Bäcker backt täglich neun Brote, obwohl seine Kunden täglich nur sieben kaufen. Daraufhin backt er täglich zehn Brote, aber seine Kunden kaufen täglich nur mehr sechs. Also prahlt der Bäcker vor seinen Kunden: »Als Bäcker bin ich die neue NUMMER 1, denn keiner backt täglich soviel unverkäufliche Brote wie ich!«“

Medienmäzen Google, Ausgespext, Lokalzeitungen als Klauopfer

1. Wie Google zum Medien-Mäzen wurde
(republik.ch, Adrienne Fichter)
Wenn die Kritik der Schweizer Verlage an Google leiser geworden ist, könnte das an den Millionen liegen, die ihnen der Suchmaschinenkonzern überweist. Die „Republik“-Recherche in Zusammenarbeit mit Netzpolitik.org schlüsselt die Zahlungen auf und zeigt, wie intransparent die privaten Deals zwischen Google und den Schweizer Medien laufen.

2. Das Internet, es scheint an allem Schuld zu sein
(sueddeutsche.de, Jan Kedves)
Die Musik- und Popkulturzeitschrift „Spex“ wird nach 38 Jahren eingestellt. Damit verschwindet nach „Groove“ ein weiteres prägendes Musikmagazin. Gründe sind der Auflagen- und Anzeigenschwund, und das hat wiederum mit dem Internet zu tun. Jan Kedves blickt von außen aufs Ganze, kennt aber auch die Innenansicht: Er hat einige Jahre in den Redaktionen von „Groove“ und „Spex“ gearbeitet, unter anderem als Chefredakteur.
Weiterer Lesehinweis: Auf Spex.de verabschiedet sich der aktuelle Chefredakteur Daniel Gerhardt von Lesern und Leserinnen.
Und die „taz“ hat einige Stimmen zum Ende des Berliner Musikmagazins eingeholt: Krach, bum! Spex kaputt (Julian Weber & Tim Caspar Boehme).

3. Brinkbäumer geht ganz
(taz.de, Frederik Schindler)
Der „Spiegel“-Verlag und „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer haben sich geeinigt: Brinkbäumer wird das Nachrichtenmagazin im März 2019 verlassen und nicht, wie von manchen vermutet, als Korrespondent weiterschreiben. Als Grund für das Zerwürfnis wurden im August unterschiedliche Auffassungen über die Zusammenführung der Print- und Onlineredaktionen genannt. Ihm sei zudem der Auflagenverlust des Magazins angelastet worden. Brinkbäumer hatte sich im Rahmen der Auseinandersetzung von den Medienrechtsanwälten Christian Schertz und Simon Bergmann vertreten lassen, die immer wieder auch gegen Berichterstattungen des „Spiegels“ vorgehen, so jüngst im Fall Ronaldo.

4. Alles nur geklaut?
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio, 4:55 Minuten)
Zu den Grundlagen des journalistischen Handwerks gehört es, Quellen korrekt zu zitieren und zu nennen. Doch ausgerechnet Medien tun sich damit manchmal schwer. So werden Lokalzeitungen häufig nicht genannt, wenn überregionale Redaktionen deren Recherchen übernehmen. Dem „Mindener Tageblatt“ erging es so bei einer Geschichte über Alltagsrassismus in Deutschland.

5. Der dänische Rundfunk im Würgegriff
(de.ejo-online.eu, Henrik Kaufholz)
Der dänische Rundfunk sieht schweren Zeiten entgegen: Er wird zukünftig nicht mehr aus Gebühren, sondern aus Steuermitteln finanziert. Und muss in den nächsten fünf Jahren 20 Prozent seines Budgets einsparen. Einen „Generalangriff auf die freie Meinungsbildung“ nennt dies der dänische Journalist Henrik Kaufholz.

6. Sigi Maurer startet Crowdfunding-Kampagne gegen Hass im Netz
(futurezone.at)
Die österreichische Ex-Grüne Sigi Maurer hatte sich öffentlich gegen obszöne Drohnachrichten zur Wehr gesetzt. In der Folge war sie von einem Gericht wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe und Entschädigung verurteilt worden. Dagegen will Maurer juristisch vorgehen und hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Insgesamt wollen Maurer und der Verein Zara 100.000 Euro einsammeln, um damit die Prozesskosten ihres Falles zu finanzieren sowie Klägerinnen in anderen Fällen Geld zur Verfügung stellen zu können. Am ersten Tag sind bereits mehr als 50.000 Euro zusammengekommen.

Framing, „Musenalp“, Schubsbilanz

1. Alle reden über Framing – so funktioniert es
(spiegel.de, Elisabeth Wehling)
Die Wissenschaftlerin Elisabeth Wehling ist durch ihre Ausführungen zum politischen Framing bekannt geworden. In einem Gastbeitrag für „Spiegel Online“ beschäftigt sie sich mit einer sprachlichen Falle, wenn es um Alltagssexismus und sexuelle Gewalt geht: der „sexualisierten Gewalt“. Der Begriff sei faktisch irreführend und nehme unseren Gehirnen die Chance auf Empathie und moralische Entrüstung.

2. Himmelhoch
(sueddeutsche.de, Burkhard Riedel)
Ältere werden sich vielleicht noch an den „Musenalp-Express“ erinnern, eine kostenlos verteilte schweizerische Jugendzeitschrift. 1988 war dem Blattmacher ein sensationeller Coup gelungen: Das „Musenalp“-Magazin lag kostenlos in 17.500 bundesdeutschen Postfilialen aus, in der stolzen Auflage von einer Million Exemplare. Der ehemalige „Musenalp“-Mitarbeiter Burkhard Riedel erzählt vom Aufstieg und Fall des einzigartigen Projekts.

3. Alles Werbung? Ja, nein, vielleicht
(taz.de, Juliane Fiegler)
Instagram ist ein Ort, der sich gut für Schleichwerbung eignet. Dementsprechend aufmerksam beobachten Wettbewerbshüter und andere das Treiben der Influencer und mahnen bei Verstößen ab. Ob sie dabei über das Ziel hinausschießen, muss nun ein Gericht entscheiden: Das Model Fiona Erdmann wehrt sich gegen eine der Abmahnungen. Sie hatte ihren Fotografen verlinkt, was ihr als Werbung ausgelegt wurde.

4. Wann merken die letzten deutschen Medien endlich …
(twitter.com/martinhoffmann)
Mit Blick auf ein Sharepic des „Deutschlandfunks“ fragt Martin Hoffmann bei Twitter: „Wann merken die letzten deutschen Medien endlich, dass es manchmal einfach keinen Sinn macht, Zitate auf Fotos zu klatschen und auf Facebook zu posten? Dass sie damit — im Gegenteil — nur die Arbeit von Populisten machen?“

5. Warum es «Vice» in der Schweiz wahrscheinlich nicht mehr schafft
(medienwoche.ch, Benjamin von Wyl)
Nachdem die österreichische „Vice“-Redaktion vor einigen Wochen ihren Abschied erklärte, hat nun der Schweizer Redaktionsleiter Sebastian Sele gekündigt. Wie lassen sich diese Auflösungserscheinungen erklären? Benjamin von Wyl hat selbst für die Schweizer „Vice“ gearbeitet und bringt Licht ins Dunkel.

6. Tagesfazit und Schubsbilanz
(twitter.com/anettselle)
Die Reporterin Anett Selle hat es im Zusammenhang mit ihren Livestreams aus dem Hambacher Forst zu einiger Berühmtheit gebracht und ihrem Auftraggeber, der „taz“, einige neue Abonnenten beschert. Anlässlich der gestrigen Bayernwahl hat Selle aus München berichtet. Sie schließt den Tag mit einer Zusammenfassung und ihrer persönlichen „Schubsbilanz“ (ab Minute vier).

„Nichts anderes als übelste Propaganda“

Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, twitterte vorgestern zur anstehenden Landtagswahl in Bayern das hier:

Screenshot eines Tweets von Robert Habeck - Sonntag wählt Bayern. Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern. Eine Alleinherrschaft wird beendet. Demokratie atmet wieder auf. Damit das möglich wird, geht zur Wahl und wählt mit beiden Stimmen Grüne Bayern!

Das ist ziemlicher Unfug. Der Satz „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern“ ist schlicht falsch. Die absoluten Mehrheiten der CSU waren immer durch Wahlen demokratisch legitimiert.

Habecks Aussage störte auch „Bild“-Chef Julian Reichelt:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Die Grünen beenden den Wahlkampf in Bayern mit einer gefährlichen Botschaft, die nichts anderes ist als übelste Propaganda: Es gäbe keine Demokratie in Bayern, sondern Alleinherrschaft. Wer so über frei gewählte Demokraten spricht, kriminalisiert sie und ihre Wähler.

Ihm missfiel offenbar beides: Habecks Behauptung, es gäbe keine Demokratie in Bayern, und der Begriff „Alleinherrschaft“ — jedenfalls zitiert er ihn extra noch einmal.

Schaut man mal bei Bild.de nach, wofür Reichelt ja verantwortlich ist, findet man einen recht aktuellen Artikel, in dem etwas über eine „Alleinherrschaft“ der CSU in Bayern stand:

Screenshot Bild.de - Bei der Landtagswahl 2008 musste die CSU dann nicht nur einen dramatischen Absturz von 60,7 auf 43,4 Prozent verkraften, sondern auch, was für sie noch schlimmer war, den Verlust der jahrzehntelangen Alleinherrschaft.

Sicher, es gibt einen Unterschied zwischen Habecks Aussage zur „Alleinherrschaft“, die er in den Zusammenhang mit einer vermeintlich fehlenden Demokratie bringt, und der Aussage zur „Alleinherrschaft“ von Bild.de, die erstmal nur die absolute Mehrheit der CSU überspitzt umschreibt. Und dennoch: In der „Bild“-Redaktion hielten sie es offenbar mal nicht für „übelste Propaganda“, von einer CSU-„Alleinherrschaft“ zu sprechen.

Robert Habeck hat bereits gestern eingeräumt, dass sein Tweet „einer zu viel“ gewesen sei. Das Vorgehen der Bild.de-Mitarbeiter steht im Kontrast zu dieser transparenten Reaktion des Politikers: Sie haben — nachdem mehrere Personen Julian Reichelt auf den „Alleinherrschaft“-Artikel hingewiesen haben — einmal mehr klammheimlich gehandelt. In ihrem Text steht nun, ohne weiteren Hinweis:

Screenshot Bild.de - Bei der Landtagswahl 2008 musste die CSU dann nicht nur einen dramatischen Absturz von 60,7 auf 43,4 Prozent verkraften, sondern auch, was für sie noch schlimmer war, den Verlust der jahrzehntelangen alleinigen Regierung.

Sollte es den Leuten bei Bild.de wirklich wichtig sein, dass bei ihnen nicht von einer „Alleinherrschaft“ der CSU die Rede ist, dann können sie gern auch noch mal hier

Screenshot Bild.de - In den Umfragen liegt die CSU aktuell bei 36 Prozent: Adé Alleinherrschaft!

… und hier aufräumen:

Screenshot Bild.de - Dem CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten ist die Rückeroberung der CSU-Alleinherrschaft spektakulär gelungen.

„Dies ist ebenfalls schlichtweg frei erfunden und unwahr“

Kommenden Donnerstag wird Stefan Raab mal wieder auftreten, nicht im TV, sondern live in Köln. Und „Bild“ …

BILD kennt den geheimen Ablauf. Und Sie auch — mit BILDplus.

Das kündigt die Redaktion jedenfalls bei Bild.de an:

Screenshot Bild.de - Drei Jahre nach seinem letzten TV-Auftritt - Das Raab-Comeback! Auch Lena kommt

In der gedruckten „Bild“ steht ebenfalls, wie „das Raab-Comeback“ ablaufen solle:

Ausriss Bild-Zeitung - Bühnen-Show drei Jahre nach letzten TV-Auftritt - So läuft das Raab-Comeback

Bevor wir uns jetzt die Mühe machen, in die Details einzusteigen, kommen wir besser direkt zur Reaktion der Mitarbeiter von Stefan Raab, die für die Planungen zum Auftritt in Köln verantwortlich sind. Bei Facebook schreiben sie zu den Artikeln der „Bild“-Medien und zu einem „Spiegel Online“-Beitrag:

Screenshot eines Facebook-Posts auf der TV-Total-Facebook-Seite - Liebe Freunde der gepflegten Unterhaltung, Bild online und BILD haben einen Artikel zu Stefans bevorstehenden Shows veröffentlicht, der in großen Teilen schlicht erfunden ist. Die Informationen zu Ablauf und Inhalt der Show sind frei erfunden. Die Zusammenstellung der Gäste ist in Teilen erfunden. Es wird berichtet, dass es auch ein Mini-TV-Comeback gäbe sowie eine Live-Schalte zu ProSieben. Dies ist ebenfalls schlichtweg frei erfunden und unwahr. Zudem berichtet SPIEGEL ONLINE, dass ProSieben die gesamte Show live übertragen wird. Auch das ist einfach erstunken und erlogen, wie Sie feststellen werden, wenn Sie nächsten Donnerstag ProSieben einschalten. Die Show ist nur live in der Arena zu sehen. Wir behalten uns rechtliche Schritte gegen BILD, Bild online und SPIEGEL ONLINE wegen Täuschung der Öffentlichkeit und unserer Showbesucher sowie der Verbreitung von Fake News vor. Viel Vergnügen bei der Show am nächsten Donnerstag, wird natürlich knaller! Euer Stefan Raab live-Team

„Spiegel Online“ hat den entsprechenden Artikel inzwischen korrigiert und am Ende des Textes folgenden Absatz hinzugefügt:

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikel hieß es, ProSieben würde die Show komplett live übertragen. Das ist nicht korrekt.

Bei Bild.de haben sie die Passage zum kleinen TV-Comeback und zur Live-Schalte klammheimlich gelöscht. Dafür aber diese Information ergänzt:

Auf der Facebook-Seite von TV-Total wird die Zusammenstellung der Gäste und die Inhalte der Sendung allerdings als „in Teilen erfunden“ beschrieben.

Trotzdem behauptet die Redaktion auch jetzt noch, dass „Bild“ „den geheimen Ablauf“ kenne.

An dieser Stelle sei noch mal an einen BILDblog-Klassiker erinnert: Nicht Stefan Raabs Mettbrötchen.

Nachtrag, 14. Oktober: Inzwischen haben sie bei Bild.de den Artikel noch einmal geändert. An der Stelle, die wir bereits gestern weiter oben zitiert haben, heißt es nun:

Auf der Facebook-Seite von TV-Total wird die Zusammenstellung der Gäste und die Inhalte der Sendung allerdings als „in Teilen erfunden“ beschrieben. Bis zur Sendung sind einige Tage Zeit. Möglich, dass das Programm nun bis dahin noch einmal angepasst wird. Die Auftritte von Lena und Mutzke könnten nun in eine der anderen Shows verschoben werden.

Das ist ausgesprochen trickreich. Statt zu sagen: „Wir haben schlichtweg falsche Informationen weiterverbreitet — Pardon!“, raunt die „Bild“-Redaktion nun, dass das Raab-Team nachträglich das Programm ja „noch einmal anpassen“ könnte (etwa um die „Bild“-Vorhersage, die eigentlich doch richtig war, dann als falsch dastehen zu lassen?).

Stefan Raabs Sprecherin Gaby Allendorf bestätigte uns noch einmal, dass es keine „Sendung“ im Sinne einer TV-Sendung geben werde: „ProSieben überträgt nicht eine Sekunde“. Damit sei dieser Absatz im Bild.de-Artikel …

Aaron Troschke (29) übernimmt die Moderation. Während der Show soll Raab von der Bühne ins laufende Live-Programm von ProSieben zugeschaltet werden.

… gleich doppelt falsch. Denn die Live-Show werde auch nicht von Aron Troschke moderiert. Dieser habe „mit der Show nichts zu tun. Er ist dort auch kein Gast, das war auch nie eine Überlegung. Ist schlicht erfunden.“

Übertreiben? Da ist Bild.de dabei!

Kevin Großkreutz, einst Fußball-Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft und derzeit Spieler beim KFC Uerdingen in der 3. Liga, wird künftig das Trainerteam eines Landesliga-Klubs beraten. Großkreutz‘ Vater ist dort, beim VfL Kemmingshausen, Vorsitzender, sein Freund Reza Hassani ist Trainer, Großkreutz selbst spielte in seiner Jugend in dem Verein.

Auch Bild.de berichtet über die neue Aufgabe von Kevin Großkreutz. Im Artikel steht unter anderem:

Großkreutz in den „Ruhr Nachrichten“ über seine neue Rolle: „Reza ist verantwortlich, da will ich mich auch gar nicht aufspielen“. Und weiter: „Mich Co-Trainer oder gar Trainer zu nennen, wäre übertrieben“.

Übertreiben? Kaum etwas machen sie bei „Bild“ und Bild.de lieber. Und so lautet die Überschrift zum Artikel folgerichtig:

Screenshot Bild.de - Ex-Nationalspieler - Großkreutz wird Co-Trainer in der Landesliga

Gesehen bei @ralfheimann.

Aufreger der Woche, Warnung vor der Höhle, „Lisas“ Ungereimtheiten

1. Ich bin keine Frau, ich bin kein Mann, ich bin Journalistin
(faz.net, Michael Hanfeld & Axel Weidemann)
Die jordanische Journalistin Rana Sabbagh leitet die Organisation „Arab Reporters for Investigative Journalism“ in Amman und ist gerade mit dem Raif Badawi Award ausgezeichnet worden. Die „FAZ“ hat mit der mutigen Journalistin über ihre Arbeit gesprochen.

2. Von Gauland und Gabriel, Gastbeiträgen und Gehältern
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Silke Burmester kümmert sich in ihrer „Deutschlandfunk“-Kolumne gleich um drei Aufreger auf einmal: Um den Umgang der „FAZ“ mit dem Gastbeitrag von AfD-Chef Alexander Gauland, der überaus gut dotierten journalistischen Tätigkeit von Ex-Bundesaußenminister Sigmar Gabriel und Frank Plasbergs interessante Vorstellungen zu finanziellen Möglichkeiten und zur Steuerehrlichkeit freier Journalistinnen und Journalisten.

3. Homöopathie-Reklame in „Lisa“: Ein „Fehler“ mit Ungereimtheiten
(uebermedien.de, Hinnerk Feldwisch-Drentrup)
Das Frauenmagazin „Lisa“ hat in einer Art über Homöopathie geschrieben und Werbung für zwei Produkte und deren Hersteller gemacht, dass sich der Presserat veranlasst sah, eine Rüge auszusprechen. Die „Lisa“-Chefredakteurin gibt sich zerknirscht und spricht von einem „wirklich sehr bedauerlichen Fehler“, verwickelt sich jedoch „Übermedien“ gegenüber in Widersprüche.

4. ARD/ZDF-Studie: Warum der Begriff „online“ inzwischen Unsinn ist
(t3n.de, Stephan Dörner)
t3n.de-Chefredakteur Stephan Dörner hat sich die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie angeschaut und eine interessante Feststellung gemacht: Es werde immer noch streng zwischen online und offline unterschieden — diese Trennung habe sich im Smartphone-Zeitalter jedoch längst überlebt und zeige ein altertümliches Verständnis vom Internet. Es sei Zeit, sich vom Begriff „online“ zu trennen: „Er gehört in dieselbe Mottenkiste wie die nostalgischen Gefühle, die ein Modem-Geräusch in manchen von uns auslöst. Zur aktuellen, soziologisch sauber fassbaren Kategorie eignet sich der Begriff nicht.“

5. Gut für JournalistInnen
(taz.de, Christian Rath)
Zurzeit wird der Gesetzentwurf der Bundesregierung zum „Schutz von Geschäftsgeheimnissen“ diskutiert, der auch die Position von investigativen Journalistinnen und Journalisten verbessert. Die ARD kritisiert den Entwurf mit wenig überzeugenden Argumenten, wie Christian Rath in der „taz“ findet.

6. Verbraucherzentrale warnt vor „Höhle der Löwen“-Produkten
(spiegel.de)
Beim Vox-Format „Die Höhle der Löwen“ bekommen Menschen mit Erfindungen oder Geschäftsideen „die Chance ihres Lebens“: Sie dürfen einer Gruppe von Investoren ihre Produkte vorstellen, die sich gegebenenfalls um die Vermarktung kümmern und die Produkte in die Läden bringen. Die Verbraucherzentrale NRW hat nun vom Kauf einiger „Höhle der Löwen“-Produkte abgeraten. Die Preise seien oft zu hoch, die Qualität sei zu schlecht.

Plagiatsvorwurf gegen Gauland, Augstein und #metoo, Rechenkünstler

1. Plagiatsvorwurf gegen Gauland: „Das ist wie ein Fingerabdruck“
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Der Gastbeitrag Alexander Gaulands für die „FAZ“ hat für einige Aufregung gesorgt, auch weil bestimmten Aussagen eine Nähe zu Adolf Hitler unterstellt wurde. Nun erhebt der Kulturwissenschaftler Michael Seemann Plagiatsvorwürfe: Gaulands Text enthalte mit leichten Abwandlungen eins zu eins Sätze aus einem älteren Seemann-Text für den „Tagesspiegel“, die Gauland jedoch sinnentstellend verwendet habe. Michael Seemann im Interview: „Herr Gauland reißt meine Beschreibung einer Sozialstruktur aus dem Kontext und vereinfacht sie. Das ist typisch für Verschwörungstheorien.“
In diesem Zusammenhang auch nochmal der Verweis auf unseren Beitrag: Verwechselt „Tagesspiegel“ Hitler mit „Tagesspiegel“?

2. EU-Projekt gegen Fake News
(taz.de, Steffen Grimberg)
Mit dem sogenannten „Disinformation Code of Practice“ will die EU-Kommission gegen Desinformation, Fake News und Manipulationsversuche mit gesponserten Inhalten vorgehen. Eine theoretisch gute Idee, die jedoch ihre Schwächen bei der praktischen Umsetzung hat, wie Steffen Grimberg in der „taz“ erklärt.

3. Wir müssen über Augstein reden
(spiegel.de, Susanne Beyer)
Susanne Beyer arbeitet seit mehr als 20 Jahren für den „Spiegel“ und ist mittlerweile Teil der Chefredaktion. In einem längeren Text blickt sie im Rahmen der allgemeinen #metoo-Debatte auf das Thema sexuelle Belästigungen im eigenen Haus, von den Anfängen des Nachrichtenmagazins unter Rudolf Augstein bis in die Jetztzeit. Dazu hat sie sich bei den Kolleginnen umgehört: „In den anonymisierten Berichten lese ich über Praktikantinnen, die von immer wieder denselben Redakteuren nach Dienstschluss in die Bar gebeten werden. Von jungen Kolleginnen, die nach ihren Beziehungen gefragt werden und sich dann Andeutungen gefallen lassen müssen, dass der Freund ja nichts wissen müsse von Affären. Von zweideutigen nächtlichen SMS, die wiederum junge Frauen hier bekommen. Von Kolleginnen, die an ihrem Schreibtisch erstarren, wenn sich Männer über sie beugen und dann das tun, was die Kolleginnen An-der-Wange-entlang-Hauchen nennen.“

4. Ich habe die ARD/ZDF-Onlinestudie 2018 gelesen, damit ihr es nicht müsst
(blog.wdr.de, Dennis Horn)
Dennis Horn hat die wichtigsten Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2018 zusammengefasst. Mittlerweile seien mehr als 90 Prozent der Deutschen online. Die Internetnutzung der 14- bis 29-Jährigen sei im Vergleich zum vergangenen Jahr um ganze 79 Minuten auf durchschnittlich 353 Minuten am Tag gestiegen. Man fragt sich, wie es zu einem derart starken Anstieg kommen konnte. Die Antwort findet sich vielleicht in der Komplettversion der Studie.

5. Journalistenverbände kritisieren „hart aber fair“
(ndr.de, Daniel Bouhs & Andrej Reisin)
Frank Plasbergs ARD-Talkshow „hart aber fair“ hat Beispiele zusammengestellt, wie Besserverdiener den Staat durch Steuerhinterziehung „austricksen“ und dazu ausgerechnet freie Journalisten als Beispiel angeführt. Die Berufsverbände der Journalisten reagieren mit Empörung. So weist der Deutsche Journalistenverband darauf hin, dass das Durchschnittseinkommen von Journalisten bei etwas über 2000 Euro liege, und zwar vor Steuern. In der Tat wenig Spielraum für Steuertricks, es sei denn, man spielt in der Einkommensklasse eines Frank Plasberg. Zudem hätten sich die „hart aber fair“-Anprangerer auch noch tüchtig verrechnet und die Betriebskosten mit der Steuerersparnis verwechselt.

6. Wie mich der Hass verändert, den ich als Frau im Internet erlebe
(vice.com, Alexandra Stanic)
Die Journalistin und Redaktionsleiterin von „Vice Austria“ Alexandra Stanic war im Juli in der TV-Sendung „Pro und Contra“ von Puls 4 und hat dort über sexuelle Belästigung gesprochen. Dies wirkt noch heute nach, und zwar auf höchst unerfreuliche Weise: Nachdem sie ins Visier von Youtube-Hetzern geriet, bekam sie Hunderte beleidigende und bedrohende Nachrichten. „Der Preis, den ich für meine Meinung bezahle, ist geballter, gnadenloser Hass. Ich habe oft darüber nachgedacht, alle Social-Media-Kanäle zu löschen. Aber von der Bildfläche zu verschwinden, würde all jene, die mich beschimpfen, zu Siegern machen.“
Weiterer Lesehinweis: „Ohne das Internet hätte die #MeToo-Debatte nie eine solche Wucht entfaltet. Gleichzeitig werden Frauen gerade dort mit Hass überschüttet.“ Ein Interview mit der Autorin Ingrid Brodnig (spiegel.de, Angela Gruber).

Verwechselt „Tagesspiegel“ Hitler mit „Tagesspiegel“?

Am Samstag veröffentlichte die „FAZ“ in ihrer Gastautoren-Rubrik „Fremde Federn“ einen Artikel des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland. Das Stück sorgte für einige Aufregung — unter anderem beim „Tagesspiegel“, der gestern Abend enthüllte (heute auch bei unseren „6 vor 9“ verlinkt):

Twitter-User entdeckt Parallelen zwischen Gauland-Text und Hitler-Rede

Ein Twitter-User entdeckte Parallelen zwischen dem Kommentar des AfD-Vorsitzenden und einer Rede, die Adolf Hitler am 10. November 1933 vor Arbeitern in Berlin in Siemensstadt hielt.

Das Thema schaffte es heute sogar auf die Titelseite der Print-Ausgabe:

Historiker: Gauland argumentiert wie Hitler

(Inzwischen macht die Geschichte auch international die Runde.)

Konkret geht es um folgende Aussagen:

Screenshot eines Tweets von Jonas-Mueller-Töwe - Der Stand der Debatte 2018 in Deutschland: Paraphrasierte Hitler-Reden werden in der FAZ gedruckt. Wegen Pluralismus und so. Links Gauland, rechts Hitler - dazu zwei Screenshots mit Zitaten von Gauland und Hilter, die auch hier im Text gleich folgen

So schrieb Gauland:

(…) Diese globalisierte Klasse sitzt in den international agierenden Unternehmen, in Organisationen wie der UN, in den Medien, Start-ups, Universitäten, NGOs, Stiftungen, in den Parteien und ihren Apparaten, und weil sie die Informationen kontrolliert, gibt sie kulturell und politisch den Takt vor. Ihre Mitglieder leben fast ausschließlich in Großstädten, sprechen fließend Englisch, und wenn sie zum Jobwechsel von Berlin nach London oder Singapur ziehen, finden sie überall ähnliche Appartements, Häuser, Restaurants, Geschäfte und Privatschulen.

Das hat zur Folge, dass die Bindung dieser neuen Elite an ihr jeweiliges Heimatland schwach ist. In einer abgehobenen Parallelgesellschaft fühlen sie sich als Weltbürger. Der Regen, der in ihren Heimatländern fällt, macht sie nicht nass. Sie träumen von der one world und der Weltrepublik. Da dieses Milieu ,sexy’ ist, hat es auch auf Teile der Gesellschaft großen Einfluss, denen der Zutritt dorthin versperrt bleibt.

Und Adolf Hitler hatte, wie der „Tagesspiegel“ dokumentiert, 1933 vor Siemens-Arbeitern gesagt:

(…) Der Völkerstreit und der Haß untereinander, er wird gepflegt von ganz bestimmten Interessenten. Es ist eine kleine wurzellose internationale Clique, die die Völker gegeneinander hetzt, die nicht will, daß sie zur Ruhe kommen. Es sind das die Menschen, die überall und nirgends zuhause sind, sondern die heute in Berlin leben, morgen genauso in Brüssel sein können, übermorgen in Paris und dann wieder in Prag oder Wien oder in London, und die sich überall zu Hause fühlen. (Zuruf aus dem Publikum: „Juden!“)

Es sind die einzigen, die wirklich als internationale Elemente anzusprechen sind, weil sie überall ihre Geschäfte betätigen können, aber das Volk kann ihnen gar nicht nachfolgen, das Volk ist ja gekettet an seinen Boden, ist gekettet an seine Heimat, ist gebunden an die Lebensmöglichkeiten seines Staates, der Nation.

Nun kann man dort durchaus Ähnlichkeiten erkennen. Vielleicht hat Gauland aber gar nicht, wie der „Tagesspiegel“ vermutet, bei Hitler abgeschrieben, sondern — beim „Tagesspiegel“.

Der veröffentlichte 2016 nämlich einen Gastbeitrag von Michael Seemann, in dem es hieß:

Diese neue globalisierte Klasse sitzt in den Medien, in den StartUps und NGOs, in den Parteien, und weil sie die Informationen kontrolliert („liberal media“, „Lügenpresse“), gibt sie überall kulturell und politisch den Takt vor.

Gauland in der „FAZ“:

Diese globalisierte Klasse sitzt in den international agierenden Unternehmen, in Organisationen wie der UN, in den Medien, Start-ups, Universitäten, NGOs, Stiftungen, in den Parteien und ihren Apparaten, und weil sie die Informationen kontrolliert, gibt sie kulturell und politisch den Takt vor.

„Tagesspiegel“ 2016:

Es ist eine Klasse, die fast ausschließlich in Großstädten lebt, die so flüssig Englisch spricht wie ihre Muttersprache, für die Europa kein abstraktes Etwas ist, sondern eine gelebte Realität, wenn sie zum Jobwechsel von Madrid nach Stockholm zieht.

Gauland:

Ihre Mitglieder leben fast ausschließlich in Großstädten, sprechen fließend Englisch, und wenn sie zum Jobwechsel von Berlin nach London oder Singapur ziehen, finden sie überall ähnliche Appartements, Häuser, Restaurants, Geschäfte und Privatschulen.

Diese teils wörtliche Übereinstimmung ist nicht nur „Tagesspiegel“-Lesern aufgefallen, sondern auch dem Verfasser des ursprünglichen „Tagesspiegel“-Beitrags:

Screenshot eines Tweets von Michael Seemann - oha. es sieht so aus als hätte alexander gauland fast wörtlich bei mir abgeschrieben. allerdings habe ich mit der globalen klasse ja auch explizit das feindbild der afd rekonstruiert.

Nur der „Tagesspiegel“ selbst scheint noch nichts bemerkt zu haben. Aber vielleicht bringt er’s ja morgen auf der Titelseite: Tagesspiegel verwechselt Tagesspiegel mit Hitler.

Mit Dank an Stefan S. und Alexander H. für die Hinweise!

Nachtrag, 11. Oktober: Im Interview mit t-online.de erzählt Michael Seemann, dass er sich sehr sicher sei, dass Alexander Gauland bei ihm abgeschrieben hat:

Der Beitrag von Herrn Gauland in der „FAZ“ enthält mit leichten Abwandlungen eins zu eins Sätze aus meinem Text für den „Tagesspiegel“. Das sind eindeutige Plagiate. Wie ein Fingerabdruck. Das hat mich erschreckt.

Gauland hingegen lässt einen Sprecher ausrichten, dass er den Text von Seemann nicht gekannt habe.

Gaulands Text & Hitlers Rede, Vorbild Sigmar, Body-Shaming

1. Twitter-User entdeckt Parallelen zwischen Gauland-Text und Hitler-Rede
(tagesspiegel.de, Tilmann Warnecke & Anja Kühne)
Die „FAZ“ veröffentlichte am Wochenende einen Gastbeitrag von AfD-Fraktionschef Alexander Gauland zum Thema Populismus und wurde dafür vielfach kritisiert. Nun entdeckte ein Twitter-User Parallelen zwischen dem Gauland-Text und einer Hitler-Rede. Der „Tagesspiegel“ dokumentiert beide Textauszüge im Vergleich.
Wichtiger Nachtrag: Verwechselt „Tagesspiegel“ Hitler mit „Tagesspiegel“? (bildblog.de, Ben Hoffmann)

2. Vorbild für freie Journalisten
(taz.de, Anne Fromm)
Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) geht unter die Journalisten und kassiert dafür als Autor der Holtzbrinck-Gruppe zwischen 15.001 und 30.000 Euro — pro Monat. Anne Fromm hat dies in der „taz“ mit dem Tarifgehalt von Neueinsteigern verglichen und befindet: „Gut verhandelt.“

Anmerkung des 6-vor-9-Kurators: Lieber Sigmar, falls Du hier mitliest, sei doch bitte so solidarisch und gib Dein Honorar auf der Website Wasjournalistenverdienen.de ein (gerne auch anonym). Dort bauen die Freischreiber eine Datenbank der Gehälter und Honorare deutschsprachiger Journalistinnen und Journalisten auf und stellen sie allen zur Verfügung. Damit diese zukünftig fairer und gerechter bezahlt werden.

3. Neun Minuten „Body Shaming“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
(nw.de, Matthias Schwarzer)
In einem berühmten Ausspruch von Kurt Tucholsky heißt es, dass Satire alles dürfe. Abgesehen davon, dass dies Juristen vermutlich anders sehen, ist nicht alles Satire, wozu es die „Darf alles“-Fraktion erklärt. In diesem Spannungsfeld spielt der Streit um ein Webvideoformat des öffentlich-rechtlichen Angebots „funk“, bei dem sich Youtuber mehr oder weniger heftigen Hass-Kommentaren stellen müssen.

4. „Gedanken über meine Arbeit als Journalist in Verbindung mit der Autoindustrie“
(facebook.com, Don Dahlmann)
Der Journalist und Autor Don Dahlmann beschäftigt sich hauptsächlich mit den Themen Technologie, Internet und Mobilität. Ein Schwerpunkt: das Thema Auto. Auf Facebook hat sich Dahlmann seinen Frust über die diversen Skandale und den damit einhergehenden Vertrauensbruch von der Seele geschrieben: „Die Produkte der Autoindustrie, so dachte ich, sind doch keine zusammengepanschte Suppen, wo jemand wegen ein paar Zehntel Cent bedenkliche chemische Zusätze rein ballert. Dafür sind die Margen in der Industrie zu groß um wegen ein paar Euro so einen Blödsinn zu betrieben. Das lag ich wohl gründlich falsch.“

5. Im „Ghetto“
(der-rechte-rand.de, Ernst Kovahl)
Heute beginnt in Frankfurt die Buchmesse. Damit stellt sich, wie bereits in den vergangenen Jahren, die Frage, welche rechten Verlage und Autoren die Messe diesmal mit ihrer Anwesenheit beehren werden. Die Webseite „der rechte rand“ berichtet, wer alles am Start ist: von Höcke bis Sarrazin.

6. Sensation! Postillon interviewt Großnichte des Schwippschwagers der Nachbarin von Hitlers Steuerberater
(der-postillon.com)
Nachdem „Bild“ die Sensation gelungen ist, irgendwelche unschuldigen Menschen aufzustöbern, denen die Redaktion aufgrund verwinkelter Stammbaumverzeigungen den Namen „Hitler“ verpasst hat, hat sich nun auch „Der Postillon“ auf historische Spurensuche gemacht: „Hilda W. (71), die Großnichte des Schwippschwagers der Nachbarin von Hitlers Steuerberater wohnt zurückgezogen in einem unscheinbaren Reihenhaus in Dinslaken. Der Einfachheit halber nennen wir sie Hilda Hitler.“

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