Archiv für September, 2018

Kurz korrigiert (512)

Jaja, schön und gut, der Marktwert von Amazon mag heute die Grenze von 1 Billion Dollar überschritten haben. Und bei Apple mag das schon vor einem Monat passiert sein.

Aber Google! Google war 2014 schon 397 Billionen Dollar wert. Das behauptet Bild.de jedenfalls seit gestern Abend:

2014 beträgt der Börsenwert 397 Billionen Dollar ∙ Viele Arbeitnehmer, die von Anfang an dabei waren, werden über Nacht Millionäre

Wir wissen nicht, wo die Redaktion ihre „Chronik“ zum Google-Geburtstag abgeschrieben hat. Aber die Quelle dürfte englischsprachig gewesen sein. Und der anonyme Bild.de-Autor dürfte nicht gewusst haben, dass das englische „billion“ im Deutschen „Milliarde“ heißt, und das deutsche „Billion“ im Englischen „trillion“.

Woher auch?

Mit Dank an Patrick B. für den Hinweis!

„Bild“ lässt falsche Geburtenrate in Afrika rasant steigen

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel vergangene Woche verschiedene afrikanische Länder besuchte, ging es für „Bild“, Bild.de und „Bild“-Parlamentsbüro-Leiter Ralf Schuler vor allem um eine Frage:

Ausriss Bild-Zeitung - Kann Merkel in Afrika Flüchtlinge aufhalten?
Screenshot Bild.de - Kann Merkel in Afrika Flüchtlinge aufhalten?

Die Dringlichkeit dieser Frage unterstreicht Schuler unter anderem mit dieser Aussage:

Aber es ist auch ein Wettlauf gegen die rasant steigenden Geburtenraten, zwischen fünf und sieben Kinder sind üblich.

Das ist schlicht falsch.

Es gibt kein afrikanisches Land, in dem die Geburtenrate „rasant steigt“ (wobei Schuler sowieso wohl eher die Fruchtbarkeitsrate und nicht die Geburtenrate meint). Im Gegenteil: Die Geburtenraten auf dem afrikanischen Kontinent gehen seit Jahren und Jahrzehnten zurück. Für die drei Länder Senegal, Ghana und Nigeria, in die Ralf Schuler die Bundeskanzlerin bei ihrer Reise begleitet hat, sieht das laut Weltbank so aus:

Senegal:
1960: 7,0
1970: 7,3
1980: 7,3
1990: 6,5
2000: 5,5
2010: 5,1
2016: 4,8

Ghana:
1960: 6,7
1970: 7,0
1980: 6,5
1990: 5,6
2000: 4,8
2010: 4,3
2016: 4,0

Nigeria:
1960: 6,4
1970: 6,5
1980: 6,8
1990: 6,5
2000: 6,1
2010: 5,8
2016: 5,5

Auch für die gesamte Region südlich der Sahara geht die Rate deutlich nach unten.

Schulers Behauptung, dass „zwischen fünf und sieben Kinder“ üblich seien, passt auch nicht mit den vorliegenden Statistiken zusammen. Laut Weltbank hatten 2016 nur zwölf der 54 afrikanischen Länder (mit der nur teilweise anerkannten Westsahara sind es 55) eine Fruchtbarkeitsrate von über fünf: Niger (7,2), Somalia (6,3), Demokratische Republik Kongo, Mali (je 6,1), Tschad (5,9), Burundi, Angola (je 5,7), Uganda (5,6), Nigeria (5,5), Gambia, Burkina Faso (je 5,4) und Mosambik (5,2). Im „World Factbook“ der CIA, wo es bereits die geschätzten Zahlen für 2017 gibt, sind es 13: Niger (6,5), Angola (6,2), Mali, Burundi (je 6,0), Somalia (5,8), Burkina Faso, Uganda (je 5,7), Sambia (5,6), Malawi (5,5), Mosambik, Südsudan, Nigeria und Liberia (je 5,1). Üblich ist also eine Fruchtbarkeitsrate von weniger als fünf Kindern.

Bevor man mit großen Fragen (etwa: „Kann Merkel in Afrika Flüchtlinge aufhalten?“) in den Diskurs eisnteigen will, sollte man vielleicht erstmal die kleinen Fakten richtig haben.

Mit Dank an Jonas H. für den Hinweis!

Rosens Ratschläge, Blogger-Studie, PR-Berater-Plage

1. Brief an die deutschen Journalisten
(faz.net, Jay Rosen)
Der US-amerikanische Journalismus-Professor Jay Rosen hat sich für ein von der Robert Bosch Stiftung unterstütztes Forschungsprojekt drei Monate in Deutschland aufgehalten. Bei der Untersuchung ging es um das Selbstverständnis deutscher Journalisten und die Frage, inwieweit es sich von dem ihrer amerikanischen Kollegen unterscheidet. Aus seinen Interviews mit 53 Journalistinnen und Journalisten hat Rosen ein Destillat herausgearbeitet und in einem „Brief an die deutschen Journalisten“ zusammengefasst.
Weiterer Lesetipp: „Meedia“ hat bei deutschen Online-Redaktionen nachgefragt, was sie von den Ratschlägen halten: „Wir berichten, was ist. Nicht, was wir glauben, das sein sollte“: Redaktionen zu Rosens Journalismuskritik (Thomas Borgböhmer).

2. Blogger und Journalisten: Ähnlicher als gedacht
(de.ejo-online.eu, Johanna Mack)
Eine Studie der Otto Brenner Stiftung (PDF) über Deutschlands Blogger geht der Frage nach, wie journalistische Blogger einzuordnen sind. Worin unterscheiden sich die „Amateure“ von den „Profis“? Ist eine derartige Unterscheidung überhaupt nötig? Johanna Mack fasst die Ergebnisse der Studie zusammen: „Die Autoren vermuten, dass Blogs auch in Zukunft keine generelle Konkurrenz für den tagesaktuellen Journalismus darstellen werden, aber in bestimmten Fachbereichen wie Mode, Reise und Technik durchaus aufholen könnten.“

3. «10vor10» und «SonntagsZeitung» wehren sich gegen Zensur
(infosperber.ch, Urs P. Gasche)
In der Schweiz konnte man miterleben, welchen Einfluss PR-Berater auf ihre Politik-Klienten haben: Dort unterbrach ein PR-Sprecher von Außenminister Ignazio Cassis die Frage des „10vor10“-Journalisten mit den Worten: „Ich habe gesagt, das ist keine Thema“. Urs P. Gasche lobt die Schweizer Medien, die dieses Gebaren sichtbar gemacht und kritisiert haben.

4. Schweden warnt vor Bots und Fake News
(faktenfinder.tagesschau.de, Carsten Schmiester)
Vor der Parlamentswahl in Schweden hat sich eine führende Mitarbeiterin des schwedischen Geheimdienstes Säkerhetspolisen an die Öffentlichkeit gewandt: „Glaubt nicht alles, was online über Parteien, ihre Programme, ihre Stärken und Schwächen geschrieben ist und gesagt wird.“ Dahinter steckt die Sorge vor gefälschten Konten, der Digital-Bombardierung durch Bots und der massenhaften Verbreitung von Falschmeldungen.

5. Medienzirkus zum Anfassen
(deutschlandfunk.de, Mirjam Kid, Audio, 5:53 Minuten)
Abweichend von herkömmlichen geschlossenen Veranstaltungen waren beim Campfire-Festival für Journalismus nicht nur Journalistinnen und Journalisten, sondern auch Nutzerinnen und Nutzer eingeladen. Mirjam Kid berichtet von ihren Eindrücken vom dreitägigen Lagerfeuer.

6. G+J startet erstes Magazin mit RTL-Gruppe – und mit hoher Druckauflage
(horizont.net, Roland Pimpl)
Wenn aus Fernsehformaten Erfolge im Print werden sollen: Gruner+Jahr wirft heute das Magazin zur Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ auf den Markt. Es ist eine Art von familiärer Zusammenarbeit: Sowohl Gruner+Jahr als auch Vox gehören zur Bertelsmann-Gruppe.

Verzerrendes von Wutbürger Reichelt

„Bild“-Chef Julian Reichelt ist wütend, und schuld ist mal wieder ein Gerichtsurteil:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Volljährig ein Kind ermorden und dann nach Jugendstrafrecht nicht einmal die mögliche Höchststrafe bekommen. Wie soll man bei so einem Urteil nicht wütend werden? Dazu ein Link zum Bild.de-Artikel Urteil im Kandel-Prozess: Mias Mörder muss für 8,5 Jahre in den Knast
(Unkenntlichmachung durch uns.)

Dafür gibt’s selbstverständlich volle Populismuspunktzahl und reichlich Applaus von der Gefolgschaft: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags gab es für Reichelts Wut-Spruch 548 Retweets und 1375 „Gefällt mir“-Angaben. Einer von Reichelts erfolgreicheren Tweets.

Was kaum noch jemanden — und Julian Reichelt schon gar nicht — zu interessieren scheint: Die Aussage des „Bild“-Chefs ist mindestens verzerrend, wenn nicht falsch.

Dass der nun verurteilte Abdul D. bei seiner Tat „volljährig“ war, ist nicht so sicher, wie Reichelt tut. Die für den Fall zuständige Staatsanwaltschaft hatte ein Gutachten in Auftrag gegeben, mit dem D.s Alter festgestellt werden sollte. Nach Untersuchungen von Schlüsselbein, Handwurzel und Gebiss kamen die Gutachter zu dem Ergebnis, dass D. vermutlich etwa 20 Jahre alt ist, auf jeden Fall aber mindestens 17,5. Aufgrund der Unsicherheit entschied das Landgericht Landau, nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“, beim Prozess das Jugendstrafrecht anzuwenden.

Dass Abdul D. „ein Kind ermordet“ habe, wie Julian Reichelt schreibt, ist mindestens für diejenigen, die sich mit dem Fall nicht so gut auskennen, ebenfalls verwirrend. Das Opfer war eine 15-jährige Jugendliche, was den Tod des Mädchen natürlich nicht weniger schlimm werden lässt. Mit der Verwendung des Wortes „Kind“ verleiht Reichelt seinem Tweet aber noch mehr Wut-Potential.

„Die mögliche Höchststrafe“, die Julian Reichelt mindestens indirekt fordert, liegt im Jugendstrafrecht bei zehn Jahren Haft. Abdul D. hatte zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. Das könnte ein Grund fürs Gericht gewesen sein, nicht die Höchststrafe zu verhängen, sondern 8,5 Jahre Gefängnis.

Die Antwort auf Julian Reichelts Frage „Wie soll man bei so einem Urteil nicht wütend werden?“ wäre, all das zumindest verstehen zu wollen.

AfD-Ehemaligentreffen, Trauermarsch und Terrormarsch, Strichmenschen

Das gesellschaftliche Klima scheint rauer, die politischen Fronten verhärteter zu werden. Das bekommen auch die Medien zu spüren, die immer öfter zum Zielobjekt von Ablehnung und Hass werden. Die Vorkommnisse auf den rechtsgerichteten Kundgebungen in Chemnitz zeichnen ein besorgniserregendes Bild. Manche sprechen gar von einer Zäsur. Hier eine Sonderausgabe unserer „6 vor 9“, welche ausschließlich von den jüngsten Entwicklungen in Chemnitz handelt. Die reguläre „6 vor 9“-Ausgabe von heute findest Du hier.

1. „Noch nie so viel Hass auf Medien erlebt“
(tagesschau.de, Dominik Lauck)
Bei den rechtsgerichteten Kundgebungen in Chemnitz kam es immer wieder zu Angriffen auf Journalisten. Reporter wurden nicht nur bepöbelt und bedroht, sondern auch tätlich angegriffen. Dominik Lauck lässt auf tagesschau.de Medienvertreter und ihre Chefredakteure zu Wort kommen. Der den Reportern entgegenschlagende Hass ist mehr als besorgniserregend. „T-Online“-Chef Florian Harms wandte sich mit einem Tweet an die sächsische Polizei: „Unfassbar. @PolizeiSachsen warum schaffen Sie es nicht, Journalisten wie unseren Reporter vor diesem Mob zu schützen? Was muss denn noch passieren, damit ihr solche Lagen in den Griff bekommt?“
Weiterer Lesehinweis: Auf Facebook hat die Initiative „Gegen die AfD“ ebenfalls Material und Stimmen zusammengetragen und befindet: „Dieser sogenannte „Trauermarsch“ ist ein Terrormarsch gewesen! Und zwar Terror von Rechtsextremen.“

2. Aufstieg der AfD: „Die Mitte muss auf die Barrikaden gehen“
(zeitgeist.rp-online.de, Merlin Bartel)
Beim Campfire-Festival, einer Veranstaltung für Journalismus und digitale Zukunft, diskutierte die Publizistin Liane Bednarz mit Michael Bröcker, Chefredakteur der „Rheinischen Post“, und „Correctiv“-Geschäftsführer David Schraven über das Thema „Rückkehr zum Vertrauen: Verantwortung der Medien für den Aufstieg der AfD“. Dabei geht es um Fragen wie: Was hat zum Erfolg der AfD geführt? Welche Maßnahmen helfen gegen rechten Hass? Wo liegen die Ursprünge für den AfD-Erfolg? Und kennen Journalisten noch die Sorgen der Bürger?
Hörtipp: Beim „Polik Betreuung“-Podcast von Jenny Günther ist die AfD-Aussteigerin Franziska Schreiber zu Gast. Schreiber war 2013 in die Partei eingetreten und hatte dort eine steile Karriere gemacht, die sie bis in den Bundesvorstand führte. Eine Woche vor der Bundestagswahl verkündete sie öffentlichkeitswirksam ihren Austritt. Über ihre Zeit bei der AfD schrieb sie ein vielbeachtetes Buch. Im Podcast geht es natürlich um ihre Zeit bei der AfD, die Strategie der Partei („Die AfD als Feigenblatt für ein Neonazi-Bündnis“), aber auch um die generelle Entwicklung der Demokratie.

3. Zimperlich sind die, die am Schreibtisch bleiben
(spiegel.de, Raphael Thelen)
„Spiegel“-Redakteur Jan Fleischhauer hatte in seiner Kolumne Journalisten, die über Angriffe durch Rechtsradikale auf Demos klagen, als „zimperlich“ bezeichnet. Raphael Thelen hat eine Replik auf Fleischhauer verfasst, die mit zahlreichen konkreten Beispielen aufwartet und der Empfehlung an Fleischhauer, „seine behagliche Münchner Doppelhaushälfte mal zu verlassen.“
Weiterer Lesehinweis: Vielleicht interessiert sich „Spiegel“-Kolumnist Jan Fleischhauer ja auch noch für den Beitrag „Journalisten als Zielscheibe“ seiner „Spiegel Online“-Kollegen: „Der Hass gegen die Presse war bei der Demonstration am Samstag in Chemnitz beispiellos, berichten Reporter. Journalisten wurden bepöbelt, am Filmen gehindert und mitunter sogar verletzt.“

4. Barley lässt nach Chemnitz-Protesten rechte Netzwerke überprüfen
(welt.de)
Justizministerin Katarina Barley will aufklären lassen, welche Organisationen hinter der Mobilisierung rechter Gewalttäter bei den Protesten in Sachsen stehen. Rechtsradikale dürften nicht die Gesellschaft unterwandern.
Parallel wirft Außenminister Maas seinen deutschen Mitbürgern Bequemlichkeit im Kampf gegen Rassismus vor: „Wir müssen vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen.“ (rp-online.de) Man möchte antworten: „Nur zu, Herr Maas. Nur zu.“

5. Die rechten Rosenkavaliere: Wie sich die AfD in Chemnitz inszenierte
(stern.de, Florian Schillat)
Zunächst hatten AfD-Funktionäre noch vollmundig getönt, dass man mit der islam- und fremdenfeindlichen Pegida nicht zusammen demonstrieren werde („Ein Schulterschluss mit Pegida findet nicht statt“, so Frank Hansel, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD). Dieser Vorsatz hat nicht lange gehalten: Auf dem Flyer zum Chemnitzer Schweigemarsch prangten stolz beide Logos. Florian Schillat ordnet bei Stern.de die unheilige Allianz ein und erklärt die Hintergründe.

6. Strichmenschen gegen den Hass
(zeit.de, Linda Fischer)
Der Künstler „Krieg und Freitag“ ist für seine witzigen Strichmännchen auf Twitter bekannt. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz startete er eine Spendenkampagne: Für jede fünf Euro, die gespendet werden, malt er eine Figur. Zunächst waren „nur“ 5000 Euro anvisiert, jetzt liegen bereits mehr als 16.000 Euro im Spendentopf.

„… sieht die Redaktion keinen Anlass für weitere Berichterstattung“

Was viele ja nicht wissen: Die „Bild“-Medien wollen mit ihrer realistischen Skandal-Berichterstattung eigentlich nur aufrütteln, im besten Fall jene, um die es darin geht. Zum Beispiel Jan Ullrich. „Bild“, „Bild am Sonntag“ und Bild.de haben Artikel um Artikel über den früheren Rad-Profi rausgehauen, allein bei Bild.de waren es 43 Beiträge in 17 Tagen. Ist der oder die Betroffene durch die ganzen Details aus seinem oder ihrem Privatleben, die „Bild“-Mitarbeiter genüsslich der Öffentlichkeit präsentieren, dann endlich aufgerüttelt, macht die Redaktion auch direkt Schluss.

In etwa so verteidigte „Bild“-Ombudsmann Ernst Elitz am 20. August jedenfalls die vielen, vielen Artikel über Jan Ullrich:

BILD berichtete am Beispiel von Jan Ullrich über die Hölle, die ein Drogensüchtiger durchläuft, bis er sich zum Entzug entscheidet. Leser Bennop Jonas fand diese Berichterstattung „untragbar“.

Aber sie war höchst realistisch und rüttelte auf. Nachdem der Ex-Profisportler sich für den Entzug entschieden hat, sieht die Redaktion keinen Anlass für weitere Berichterstattung.

So schaut es in der Praxis aus, wenn eine „Redaktion keinen Anlass für weitere Berichterstattung“ sieht:

Screenshot Bild.de - Bild-Besuch in der Betty-Ford-Klinik - So geht es Ullrich im Drogenentzug - Ich werde täglich auf Substanzen getestet
(Bild.de am 23. August)
Screenshot Bild.de - Seit der Ex-Radstar in Drogen-Therapie ist - Drei Einbrüche in Ullrichs Villa!
(Bild.de am 24. August)
Screenshot Bild.de - Monate nach der Trennung - Ullrich trägt noch immer seinen Ehering - seine Frau Sara nicht mehr
(Bild.de am 25. August)
Screenshot Bild.de - Ullrich über sein Liebes-Leben in der Klinik - Ich brauche halt Sex
(Bild.de am 29. August)
Screenshot Bild.de - Entzug vorbei - Ullrich zurück auf Mallorca
(Bild.de am 2. September)

Entweder verarschen die „Bild“-Mitarbeiter den viel zu leichtgläubigen „Bild“-Ombudsmann bei seinen Nachfragen zur „Bild“-Berichterstattung. Oder der „Bild“-Ombudsmann verarscht die Leserinnen und Leser, die ihm schreiben, weil er eigentlich weiß, dass es Unsinn ist, was er ihnen antwortet. Schwer zu sagen, was trauriger wäre.

Von den fünf Bild.de-Artikeln über Jan Ullrich, die erschienen sind, seit bei Bild.de eigentlich keine Artikel mehr über Jan Ullrich erscheinen, kann man drei nur mit einem „Bild plus“-Abo lesen. Von den 43 Artikeln über Ullrich, die Bild.de zuvor veröffentlicht hat, befinden sich 22 hinter der Bezahlschranke. Dass es bei der Ullrich-Dauerberichterstattung auch ums Geldmachen mit dem tragischen Absturz einer Person geht, die dringend Hilfe braucht — das wäre mal ein Thema für einen Ombudsmann.

Dazu auch:

Sarrazins Stöckchenspringer, Supernova des „ND“, Stumme Stimme

Hinweis: Wegen des aktuellen Geschehens in Chemnitz gibt es heute eine „6 vor 9“-Sonderausgabe, die sich ausschließlich diesem Thema widmet.

1. Sarrazin, Trump und die Medien: Ah, ein Stöckchen!
(dwdl.de, Hans Hoff)
Anlässlich der Vorstellung von Thilo Sarrazins neuem Faktenverdreh-Schmöker fragt sich Hans Hoff, ob die Medien über jedes Stöckchen springen sollten, das man ihnen hinhält. Natürlich nicht, so seine Botschaft, aber das sei alles andere als einfach: „Wie man’s macht, macht man es falsch. Im Prinzip müsste ich diesen Text noch vor Veröffentlichung in die Tonne kloppen, um nicht auch zum heimlichen Umsatzbeförderer zu werden. Ich tue es nicht und spüre sofort, in welchem Dilemma all die Kollegen da draußen stecken. Man möchte was sagen, was man besser nicht sagen sollte, aber meint, unbedingt sagen zu müssen. Und dann sagt man es halt und macht es wieder falsch. Stinknormaler Journalismus dieser Tage.“

2. Facebook ist das neue Sportfernsehen
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Facebook wehrt sich stets gegen die Einordnung als Medienunternehmen mit dem Hinweis, man würde keine eigenen Inhalte anbieten. Doch im Sportbereich tritt Facebook durchaus als Inhalteanbieter auf: Das Netzwerk hat für viel Geld Übertragungsrechte für europäischen Spitzenfußball gekauft. Was es damit auf sich hat und welche Technologie-Konzerne ebenfalls im lukrativen Sportgeschäft mitmischen wollen, erklärt Adrian Lobe in der „Medienwoche“.

3. Hoffen auf ein helles Wunder
(taz.de, Anne Fromm)
Viele Medien haben sich in den letzten Jahren Online-Begleitboote für Millenials und junge Leser zugelegt. Nun will es auch das „Neue Deutschland“ wissen und startet am Mittwoch ein Portal für junge Linke. „Supernova“ heißt die Seite, auf der sich künftig drei Redakteure um eine jüngere Leserschaft bemühen wollen.
Weiterer Lesehinweis: Hier erklärt das „Supernova-Kollektiv“ die Intention des linken Lifestyle-Magazins: Hauptsache, es knallt.

4. Reuters-Journalisten in Myanmar zu sieben Jahren Haft verurteilt
(diepresse.com)
Zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters sind in Myanmar wegen der „Verletzung von Staatsgeheimnissen“ zu siebenjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten über die Ermordung von zehn Männern und Jungen recherchiert, die der muslimischen Minderheit der Rohingya angehörten.
Weitergehende Informationen zur Lage der Pressefreiheit in Myanmar gibt es bei den „Reportern ohne Grenzen“.

5. Network des Schweigens
(faz.net)
Nach Angaben von „New York Times“ und „The Daily Beast“ soll der amerikanische Fernsehsender NBC News versucht haben, die Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein zu vertuschen. Nach monatelangen Recherchen hätte es von der Chefetage die Anweisung gegeben, kein Interview mit einem mutmaßlichen Weinstein-Opfer zu führen und die ganze Geschichte fallenzulassen.

6. Eine Stimme verstummt
(sueddeutsche.de, Nikolaus Piper)
Die „Village Voice“, die älteste Alternativzeitung Amerikas, wird eingestellt. Ende der Sechzigerjahre war die „Voice“ die meistverkaufte Wochenzeitung der Vereinigten Staaten, vor knapp einem Jahr wurde die Druckausgabe eingestellt, und nun hat der Verleger das endgültige Aus des Magazins verkündet.

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