Archiv für September 19th, 2018

Vorlagengeber

Bei Pegida München freuen sie sich, dass sie keine Plakate drucken müssen, sondern einfach „Bild“-Doppelseiten aufhängen können.

Und bei der AfD Bayern freuen sie sich, dass sie für ihre Parolen jetzt nur noch aus den Kommentaren von „Bild“-Chef Julian Reichelt abschreiben müssen.

Reichelt gestern Abend bei Bild.de:

Screenshot Bild.de - Kommentar von Bild-Chef Julian Reichelt - Das macht umso deutlicher: Es ging nie um Maaßen. Es ging um Macht und gigantische Egos in einer maroden Großen Koalition, die zu nichts wahrlich Großem imstande ist.

Die AfD Bayern heute früh bei Twitter:

Screenshot eines Tweets der AfD Bayern - Es ging nie um Maaßen. Es ging um Macht, Machterhalt um jeden Preis und um gigantische Egos in einer großen Koalition, die zu nichts mehr imstande ist. Wir sagen es immer wieder: Wo CSU draufsteht, ist Merkel drin!
Daher AfD zur Landtagswahl in Bayern wählen

Wie schwer die Aussagen von „Bild“ und AfD auseinanderzuhalten sind, kann jeder selbst testen — in unserem neuen Quiz: Wer hat’s gesagt: „Bild“ oder AfD?

Video-Verifikation, Schlecky Silberstein, YouTube-Journalismus

1. Das „Chemnitz-Video“: Welche Tools helfen bei der Verifikation?
(innovation.dpa.com, Stefan Voß)
Immer wieder laden Augenzeugen Videos auf Twitter und Co. hoch. Dürfen derartige Videos von Journalisten als Informationsquelle verwendet werden, auch wenn die Urheber anonym bleiben? Ja, aber die Filmaufnahmen müssen verifiziert werden. Anhand des berühmten „Chemnitz-Videos“ stellt dpa-Faktenchecker Stefan Voß einige Verifikationstechniken vor.

2. Silberstein: „Man kann sich gar nicht dagegen wehren“
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Satiriker und Blogger Schlecky Silberstein hat für „Funk“, das Junge-Leute-Content-Netzwerk von ARD und ZDF, eine Parodie auf die Ereignisse in Sachsen gedreht und ist dadurch ins Visier der AfD geraten. Inklusive Nachstellungen und Morddrohungen. „DWDL“ hat mit ihm über Filterblasen, Angst und Kunstfreiheit gesprochen.
Weitere Lesehinweise: Auf seiner eigenen Seite hat Silberstein über die Ereignisse geschrieben: Ein Hauch von ’33 — und plötzlich stehen sie vor deiner Tür.
Und auch „Spiegel Online“ hat mit ihm gesprochen.

3. Ganz neue Töne
(sueddeutsche.de, Stefan Fischer)
Auch das öffentlich-rechtliche Radio will vom Podcast-Boom profitieren und produziert Dokuserien, die sowohl klassisch ausgestrahlt als auch über Audiotheken oder Podcast-Plattformen wie Apples iTunes und Spotify verbreitet werden. Stefan Fischer ordnet die Entwicklung ein und stellt einige neugierig machende fiktionale und non-fiktionale Produktionen vor.

4. Ken Jebsen und das Establishment
(medienblog.hypotheses.org, Michael Meyen)
Michael Meyen ist seit 2002 Professor für Allgemeine und Systematische Kommunikationswissenschaft an der LMU München. Unlängst hat er Ken Jebsen ein Interview auf dessen Kanal „KenFM“ gegeben. Einige seiner Freunde und Kollegen hätten darauf mit Unverständnis und Kritik reagiert („Motto: Hat er sie noch alle?“). In einer Stellungnahme erklärt Meyen seine Beweggründe und betreibt „etwas Werbung für Toleranz und guten Journalismus.

5. „STRG_F“: Journalismus auf YouTube
(message-online.com, Anna Neumann & Sebastian von Hacht)
Um jüngere Zuschauer zu gewinnen, setzen ARD und ZDF auf spezielle Youtube-kompatible Angebote, die sie unter dem Netzwerklabel „Funk“ bündeln. Eines dieser Angebote nennt sich „Strg-F“ und beschäftigt sich mit Themen, die vor allem 20- bis 29-Jährige politisch und gesellschaftlich berühren. Das Journalismus-Magazin „Message“ fragt, ob das gut gehen kann.

6. „Das sind gezielte Angriffe“
(taz.de, Meike Laaf)
Die österreichische Extremismus- und Terrorismusforscherin Julia Ebner arbeitet derzeit am Londoner Institute for Strategic Dialogue. Im Interview mit der „taz“ erklärt Ebner, wie Rechtsextreme Falschinformationen im Netz verbreiten und auf welche Themen sie bevorzugt setzen.