Archiv für September 5th, 2018

K.I.Z: Die „Gewalt-Verherrlicher“, die bei „Bild“ Kultstatus haben

Nach gerade mal 50 Sekunden im Song „Wir“ erklärt Nico von K.I.Z eigentlich alles, was „Bild“-Mitarbeiter über die Berliner Hip-Hop-Gruppe wissen muss:

Es liegt an eurem geistigen Fassungsvermögen,
wenn ihr bei K.I.Z nicht lacht, ihr Amöben.

„Bild“-Chefreporter Peter Tiede lacht ganz offenbar nicht bei K.I.Z. Stattdessen schreibt er solche Artikel:

Ausriss Bild-Zeitung - Beim Chemnitz-Konzert - 27 Minuten Hass auf Veranstaltung gegen Hass - gemeint ist der Auftritt von KIZ

Es geht um den K.I.Z-Auftritt am Montagabend beim Konzert #wirsindmehr in Chemnitz vor 65.000 Menschen. Tiedes Text ist auch bei Bild.de hinter der Paywall erschienen:

Screenshot Bild.de - Ich ramm die Messer-Klinge in die Journalisten-Fresse - 27 Minuten Hass beim Chemnitz-Konzert gegen Hass

In Deutschland gibt es kaum eine Band, die in ihren Songs so viel Ironie, Sarkasmus, Satire, maßlose Übertreibungen und Parodien einbaut wie K.I.Z. Keine Frage, ihre Texte sind provokant. Aber eben immer mit mehreren Ebenen versehen. Die kann oder will Peter Tiede nicht erkennen.

Er macht es sich dabei ziemlich einfach. Zum Beispiel mit einer Zeile aus dem Song „Urlaub fürs Gehirn“, die „Bild“ groß zitiert:

Ich schleich mich ein bei den Sarrazins, sechs Uhr, alles pennt noch,
Selbstmordattentat!

Tiede übersetzt das alles eins zu eins:

In Bezug auf Thilo Sarrazin rappen sie von einem „Selbstmord-Attentat“.

Und wie wollen die Jungs von K.I.Z dieses Selbstmordattentat begehen, Peter Tiede? Mit einem Sprengstoffgürtel? Einer Autobombe? Oder vielleicht doch durch eine geschickte Selbstexplosion, die durch ein ausgetüfteltes Gemisch von Cola und Mentos-Bonbons herbeigeführt wird?

Die Textstelle, die „Bild“ und Tiede zitieren, endet nämlich gar nicht mit einem Ausrufezeichen nach „Selbstmordattentat“, sondern geht noch weiter:

Ich schleich mich ein bei den Sarrazins, sechs Uhr, alles pennt noch,
Selbstmordattentat, ich trink drei Liter Cola mit Mentos

Wer darin ernsthaft die Ankündigung eines Selbstmordattentats erkennt, denkt auch, dass „Titanic“-Mitarbeiter immer alles ernst meinen und beim „Postillon“ richtige Nachrichten zu finden sind.

Tiede zitiert noch weitere Textpassagen von K.I.Z:

„Ich ramm die Messerklinge in die Journalisten-Fresse“

Und:

„Eva Herman sieht mich, denkt sich: ‚Was’n Deutscher!’/Und ich gebe ihr von hinten wie ein Staffelläufer/Ich fick sie grün und blau, wie mein kunterbuntes Haus/Nich alles was man oben reinsteckt, kommt unten wieder raus.“

Wie gesagt: Die Texte sind zweifelsohne provokant.

Beide zitierten Stellen stammen aus dem Song „Ein Affe und ein Pferd“. Ein Lied, das mit einer Pippi-Langstrumpf-Melodie beginnt, bei dem es im Refrain heißt: „Ich war in der Schule und habe nix gelernt, doch heute habe ich einen Affen und ein Pferd, eine Pferd und einen Affen, ein Pferd und einen Affen, ratatatatatatata, wer will was machen?“ Im Video hüpft ein Pippi-Double rum, die K.I.Z-Mitglieder Nico, Tarek, Maxim und DJ Craft ziehen mit anderen „Taka-Tuka-Ultras“ durch Berlin.

Viel deutlicher kann man nicht in andere Rollen schlüpfen. Aber das erkennt man natürlich nur, wenn man sich nicht dagegen wehrt, es zu erkennen.

Stattdessen legt Tiede zum Ende seines Artikels noch mal richtig los:

Der K.I.Z.-Auftritt: symptomatisch: „Gegen rechts“ dürfen auch Linksradikale und Gewalt-Verherrlicher ran!

Wieder die Spaltung: rechts und links. Die richtige Antwort? Gab die SPD-Geschäftsführerin für Südwest-Sachsen, Sabine Sieble. Im Partei-Blatt „vorwärts“ bemängelt sie schon vor dem Skandal-Auftritt: „eine militante Antifa“, dass „eine Band mit ihren Songtexten und Ansprachen alles tat, um das Motto ins Gegenteil zu verkehren“. Sieble: „Da habe ich geweint. (…) Ich habe aber in dem Moment geweint, als mir bewusst wurde, dass Chemnitz zu einem bloßen Austragungsort im Kampf um die Deutungshoheit eines tragischen Ereignisses wurde.“

Na, gemerkt? Sabine Sieble schriebt gar nicht über den Montag in Chemnitz und den Auftritt von K.I.Z. Peter Tiede deutet das an („bemängelt sie schon vor dem Skandal-Auftritt“), gibt sich aber auch keine große Mühe, es zu verdeutlichen und klarzustellen, worüber Sieble wirklich schreibt. Ihr Text, aus dem der „Bild“-Chefreporter zitiert, ist schon am Montagmittag erschienen — also einige Stunden bevor K.I.Z sie zum Weinen hätte bringen können. Tatsächlich äußert sich Sieble über die Veranstaltung „Herz statt Hetze“, die bereits am Samstag in Chemnitz stattfand. Die Band, die sie erwähnt, muss eine andere sein, vermutlich Egotronic.

Dass K.I.Z in „Bild“ und bei Bild.de nun als Hass-Botschafter und „Gewalt-Verherrlicher“ dargestellt werden, ist übrigens etwas überraschend. Früher haben die „Bild“-Medien völlig anders über die Band geschrieben. Zum Beispiel als sie 2015 bei „Rock am Ring“ aufgetreten ist:

★ Noch ein Gewinner des Wochenendes ★

Die deutsche Musik! Vor allem der Freitag zeigte, wie beliebt deutschsprachige Musik bei den Kids ist. (…)

Auch Acts wie „K.I.Z.“, „Trailerpark“ und „Deichkind“ bewiesen, dass wir in Deutschland absolute Weltspitze sind

Oder 2016 in der Sammlung

Screenshot Bild.de - Protest in der Musik - Diese Künstler sind politisch

K.I.Z — „Hurra, die Welt geht unter“ ft. Henning May

Vor allem im Deutschrap tut sich politisch gerade etwas. Die Band K.I.Z. ist schon länger dafür bekannt, sich zu Gesellschaftsthemen zu äußern. Auf ihrem letzten Album „Hurra, die Welt geht unter“ machen sie das sehr deutlich — vor allem zum Thema Flüchtlinge.

Oder als ein „Bild“-Reporter 2015 zum K.I.Z-Konzert ging:

Screenshot Bild.de - Die Rüpel-Rapper KIZ und ihre Aktion zum Frauentag - Für Berlins versautestes Konzert musste ich mich als Frau verkleiden

Die Berliner Hip-Hop-Band K.I.Z. hat Kultstatus. Unter anderem auch wegen ihrer Texte, die oft ziemlich weit unter die Gürtellinie gehen.

Als all diese Artikel erschienen sind, waren die K.I.Z-Songs „Ein Affe und ein Pferd“ und „Urlaub fürs Gehirn“ längst veröffentlicht. Die Texte der Lieder hat die „Bild“-Redaktion damals offensichtlich nicht gestört.

Dass das nun anders ist, liegt vielleicht aber auch gar nicht an den Texten. Der Artikel von heute ist nur der nächste in einer Reihe von Beiträgen, die das #wirsindmehr-Konzert am Montag in Chemnitz schlecht dastehen lassen.

Für die „Bild“-Redaktion und ihren Chef Julian Reichelt scheint es momentan kaum etwas Bedrohlicheres zu geben als eine Handvoll Bands und ein paar Solo-Musiker, die sich gegen rechten Hass und Neonazis stellen. Seit Tagen versuchen sie bei „Bild“ und Bild.de krampfhaft, #wirsindmehr und die mitwirkenden Künstler zu diskreditieren.

Nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf seinem Facebook-Account #wirsindmehr bewarb, fragte „Bild“ am Montag:

Ausriss Bild-Zeitung - Warum wirbt Bundespräsident Steinmeier für Linksradikale Rockband?

Gemeint war die Band Feine Sahne Fischfilet.

Während des Konzerts, bei dem 65.000 Menschen eine gute, friedliche Zeit hatten, ging es bei Bild.de um Probleme rund um das Konzert:

Screenshot Bild.de - Wir sind mehr legt Chemnitz lahm! Schon 50000 Leute da - Öffentlicher Nahverkehr eingestellt - Polizei warnt vor Rückreise Chaos

Nach dem Konzert verbreitete Julian Reichelt bei Twitter ein Gerücht über Jan Gorkow, den Sänger von Feine Sahne Fischfilet:

Screenshot eines Tweets von Julian Reichelt - Auf Twitter kursiert ein Foto von Feine-Sahne-Sänger Gorkow, der in Chemnitz den Hitlergruß zeigen soll. Allerdings weist das Foto am Handansatz zwei auffällige Pixel auf, die auf Montage hindeuten könnten. Handelt es sich um eine Fälschung? Wer kann helfen?

Der Tweet, auf den sich Reichelt dabei bezieht, stammt von einem NPD-Funktionär und Neonazi (über diese problematische Herkunft klärt der „Bild“-Chef natürlich nicht auf). Dieser hatte das Gerücht gestreut. Tatsächlich hat er das Foto, um das es geht, völlig aus dem Zusammenhang gerissen: Es ist ein Standbild aus einem Video, das die Band bei Instagram hochgeladen hat. Jan Gorkow zeigt dort nicht den Hitlergruß.

Nun könnte es sein, dass Julian Reichelt nicht in der Lage ist, zweieinhalb Minuten selbst zu recherchieren, sodass er bei Twitter um Hilfe bitten muss. Es kann aber auch sein, dass er sich lediglich dumm stellt, und es sich um einen in eine unschuldige Frage gekleideten Versuch handelt, ein bisschen mitzündeln zu können.

Am Dienstag fragte „Bild“ dann noch einmal:

Ausriss Bild-Zeitung - Wie kann der Bundespräsident bloß eine radikale Band empfehlen?

Gemeint war wieder Feine Sahne Fischfilet. In der Zwischenzeit titelte Bild.de:

Screenshot Bild.de - Für diese Punkrocker warb der Bundespräsident - Die Akte Feine Sahne Fischfilet

Und heute dann eben die K.I.Z-Geschichte.

Wenn das so weitergeht, erfahren wir morgen noch, dass Casper, der ebenfalls in Chemnitz aufgetreten ist, in seinem Song „Sirenen“ rappt: „Denn zehn Flaschen Wein könnten zehn Waffen sein“. Und übermorgen, dass Campino vor drei Jahren mal einen Strafzettel nicht bezahlt hat.

Dazu auch:

„Bild“ stiftet maximale Verwirrung mit ihn-sie-Schwäche

Manchmal schafft es die „Bild“-Redaktion, mit einem einzigen Wort für maximale Verwirrung zu sorgen. Dieser Teaser bei Facebook ist so ein Fall*:

Screenshot eines Facebook-Posts der Bild-Redaktion - Ärzte testen ihn später auf HIV, positiv - Dazu der verlinkte Bild.de-Artikel: Junge tritt in blutige Spritze: Aids-Angst auf Berliner Spelplatz

1773 Likes, 199 Kommentare, 419 Mal geteilt. Geht ordentlich ab, die Geschichte — es ist ja auch unglaublich tragisch, dass der Junge positiv auf HIV getestet wurde. Bloß: Das wurde er gar nicht. Es ist nicht klar, ob das Kind sich angesteckt hat. Kann es noch gar nicht sein.

Ärzte haben bisher die Spritze und deren Inhalt getestet. Dabei wurden HI-Viren gefunden. Bei Bild.de steht:

Spritzen-Schock in Berlin-Kreuzberg! Auf einem Spielplatz ist ein fünfjähriger Junge auf eine blutige Kanüle getreten. Im Krankenhaus testeten die Ärzte sie auf HIV — positiv!

„sie“, nicht „ihn“.

Bei dem Jungen kann eine mögliche Ansteckung noch gar nicht festgestellt werden. Das steht auch bei Bild.de:

Per Schnell-Check, so die Mutter, sei festgestellt worden, dass in der Spritze HI-Viren gewesen seien. „Bei Hassan kann eine Infektion frühestens in sechs Wochen festgestellt werden.“

Jens Petersen (48), Sprecher der Berliner Aids-Hilfe erklärt: „So lange braucht der Körper, bis er Antikörper gegen das Virus bildet, die dann im Blut nachgewiesen werden können.“ Auf eine vierwöchige prophylaktische Behandlung mit HIV-Medikamenten, die starke Nebenwirkungen haben, verzichten die Ärzte.

Petersen: „Das Virus ist außerhalb des Körpers nicht lange überlebensfähig, die Ansteckungswahrscheinlichkeit gering. Es müsste sich schon um eine Spritze mit ganz frischem Blut gehandelt haben.“

Das alles erfährt allerdings nur, wer ein „Bild plus“-Abo hat. Für alle anderen gibt es lediglich den falschen Facebook-Teaser.

*Nachtrag, 16:59 Uhr: „Bild“ hat auf unsere Kritik reagiert und den Teaser bei Facebook angepasst. Dort steht nun:

Im Krankenhaus testeten die Ärzte das Blut an der Spritze auf HIV — positiv! Eine Ansteckungswahrscheinlichkeit sei zwar „gering“, ob sich der Junge infiziert hat, kann aber frühestens in einigen Wochen festgestellt werden.

Einen Hinweis darauf, dass da mal was falsch war, gibt es leider nicht.

Nachtrag, 17:12 Uhr: „Bild“ hat auf unsere erneute Kritik reagiert und klärt nun in einem Kommentar unter dem Facebook-Post auf:

Wir hatten im Teaser des Artikels ursprünglich geschrieben, dass der Junge positiv auf HIV getestet wurde. Das war nicht korrekt. Vielmehr wurden an der Spritze wurden HI Viren gefunden. Wir haben den Teaser oben korrigiert.

Nachtrag, 14. September: Der Verein Berliner Aids-Hilfe hat bereits am 6. September eine Pressemitteilung zur Berichterstattung von „Bild“ und „B.Z.“ herausgegeben. Darin heißt es unter anderem:

In dem Artikel macht die B.Z. in ihrer Überschrift auf Seite 1 daraus: „Berliner Junge (5) tritt in HIV-verseuchte Spritze / Aids-Angst auf dem Spielplatz“, die BILD-Zeitung übertitelt: „Drama auf Berliner Spielplatz / Kind tritt in HIV-verseuchte Drogen- Spritze“.
Mit dem heutigen Wissensstand zu HIV, den Übertragungswegen und den Behandlungsmöglichkeiten ist eine solche Berichterstattung unangemessen und unhaltbar. Die Berichte treffen keine Unterscheidung zwischen einer HIV-Infektion und einer Aids-Erkrankung. Vielmehr suggerieren sie, dass man durch den Stich an einer Nadel mit Blutresten, an der HIV-Antikörper nachgewiesen werden, unmittelbar an Aids erkranken könne. Tatsächlich ist Aids vielmehr die Folge einer langjährig unbehandelten HIV-Infektion.

Dazu sagt die Geschäftsführerin der Berliner Aids-Hilfe e.V. Ute Hiller: „Diese Art der Berichterstattung macht mich fassungslos. Die Schlagzeilen sind aufhetzend und wie aus der Zeit gefallen. Sie schüren Ängste und schlagen in die Kerbe der schlimmsten Diffamierungen von HIV-positiven Menschen, wie wir sie in den 1980er Jahren gesehen haben. Wir wissen es heute viel besser: HIV zerfällt mit dem Kontakt von Sauerstoff. HIV kann nicht durch getrocknetes Blut an Spritzennadeln weitergegeben werden. Offensichtlich haben auch die behandelnden Ärzte, daher auf die Einleitung einer Postexpositionsprophylaxe verzichtet.“

Und:

Als Berliner Aids-Hilfe klären wir zu Übertragungswegen und Behandlungsmöglichkeiten auf. Wir treten dafür ein, dass Menschen mit HIV nicht länger diskriminiert und stigmatisiert werden. HIV-positive Menschen unter erfolgreicher antiretroviraler Therapie sind nicht ansteckend und weit entfernt von einer Aids-Erkrankung. Sie haben dank der Medikamente zudem eine gleiche Lebenserwartung wie Menschen ohne HIV. Das ist die Botschaft, die es zu verbreiten gilt – anstelle von Panikmache und reißerischen Titeln einer rückwärtsgewandten Berichterstattung.

Die Berliner Aids-Hilfe stellt klar:
Das HI-Virus wird bei Kontakt mit Sauerstoff zerstört. Getrocknetes Blut ist nicht infektiös. Für ganz Deutschland ist kein Fall dokumentiert, bei dem sich ein Mensch an einer Spritze mit getrocknetem Blut mit HIV infiziert hat.

Die Berliner Aids-Hilfe e.V. legt Beschwerde gegen die B.Z. und gegen die BILD-Zeitung beim Deutschen Presserat ein.

Mesale und Deniz, Die Methode Reichelt, Zu Gast bei der „Titanic“

1. „Sie haben versucht, die Tür einzuschlagen“
(deutschlandfunk.de, Philip Banse, Audio, 5:11 Minuten)
Die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu ist nach einem langen Gefängnisaufenthalt in der Türkei wieder zurück in Deutschland. Im „Deutschlandfunk“ erzählt sie von den Umständen ihrer Verhaftung und ihrer Zeit im Frauengefängnis, wo sie mit 20 Frauen in einer Zelle leben musste. Gemeinsam mit der Organisation „Reporter Ohne Grenzen“ äußert sie sich kritisch zur Sicherheitslage für Journalistinnen und Journalisten in der Türkei. Die Bundesregierung müsse bei Besuchen Druck ausüben.
Weiterer Lesehinweis: Der ebenfalls lange Zeit in der Türkei inhaftierte Deniz Yücel hat die türkische Regierung wegen „unrechtmäßiger Inhaftierung“ auf Schadenersatz verklagt. In der „taz“ erklärt sein Anwalt Veysel Ok die Gründe.

2. Die Absurdität von Fake-News
(taz.de, Sarah Kohler)
„Bild“-Boss Julian Reichelt veröffentlichte auf Twitter einen Screenshot, der den Sänger der Gruppe „Feine Sahne Fischfilet“ zeigt und fragte scheinheilig: „Auf Twitter kursiert ein Foto von @feinesahne Sänger Gorkow, der in Chemnitz den Hitlergruß zeigen soll. Allerdings weist das Foto am Handansatz zwei auffällige Pixel auf, die auf Montage hindeuten könnten. Handelt es sich um eine Fälschung? Wer kann helfen?“ Das Bild, ein aus dem Zusammenhang gerissener Screenshot eines Videos, stammte vom ehemaligen NPD-Landeschef von Berlin, der schon wegen Volksverhetzung und Körperverletzung vor Gericht stand. Darf man solche Gerüchte teilen, zumal, wenn man „Bild“-Chef ist und ein Rechercheteam hinter sich weiß? Die „taz“ hat einige Reaktionen dazu zusammengestellt. Die Sammlung sei hier noch um die in eine Gegenfrage gekleidete Antwort des 6-vor-9-Kurators ergänzt.

3. Leistungsschutzrecht: Verleger fordern weiter Millionen von Google
(heise.de)
Die deutschen Presse-Verleger pokern weiter um eine millionenschwere Vergütung von Google für die sogenannten Snippets (bei einem Snippet handelt es sich um einen kurzen Textauszug aus einer Webseite, der in der Ergebnisliste einer Suchmaschine angezeigt wird). Strittig ist derzeit, wie umfangreich die Snippets auf den Google-Seiten sein dürfen, bevor Google zahlen muss. Eduard Hüffer, Geschäftsführer des Aschendorff-Verlags in Münster, besteht darauf, die entsprechende Gesetzesformulierung eng auszulegen: „Wir gehen davon aus, dass bis zu drei Wörter lizenzfrei genutzt werden können“, sagte Hüffer der dpa. Der Kölner Verleger Christian DuMont Schütte gibt sich ähnlich konfliktbereit: „Beim Rechtsstreit mit Google haben wir uns auf eine grundsätzliche Auseinandersetzung eingestellt.“
Ach, und weil gerade der Name DuMont gefallen ist: Das Kartellamt hat wegen verbotener Absprachen auf dem regionalen Zeitungsmarkt Bußgelder in Höhe von 16 Millionen Euro gegen die DuMont-Gruppe verhängt.

4. Interviewreihe: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk
(journalist-magazin.de, Matthias Daniel)
Wer sich für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und damit verbundene Themen interessiert, sollte diese Übersicht in seine Bookmarks aufnehmen: Das Magazin „journalist“ hat zusammen mit Studierenden der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft eine große Interviewreihe mit 17 dokumentierten Einzelgesprächen initiiert. Der Link führt zu einer Übersicht, die von „journalist“-Chefredakteur Matthias Daniel erläutert wird.

5. Prozess gegen Sigi Maurer: Livebericht
(derstandard.at, Marie-Theres Egyed)
Beim österreichischen „Standard“ gibt es ein Echtzeit-Protokoll vom gestrigen Prozess gegen die Ex-Grüne Sigi Maurer. Maurer hatte obszöne und beleidigende Nachrichten veröffentlicht, die ihr ein Barbesitzer über Facebook geschrieben haben soll. Obwohl, nun ja, viele Indizien gegen den Barbesitzer sprechen (so zum Beispiel seine eigenwillige Interpunktion und die Tatsache, dass die Nachrichten von seinem PC stammen), bestreitet er den Vorgang. Und nicht nur das: Er hat das Opfer auf 60.000 Euro verklagt. Wegen „übler Nachrede“ und „Kreditschädigung“. Abgesehen von der Thematik als solcher bietet die Verhandlungsmitschrift einen interessanten Einblick in die Abwicklung eines derartigen Verfahrens.

6. „Satire muss wehtun“ – Drei Tage Praktikum bei der ‚Titanic‘
(vice.com, Yasmina Banaszczuk)
Die „Vice“-Autorin Yasmina Banaszczuk hat beim Satire-Magazin „Titanic“ ein dreitägiges Betriebspraktikum absolviert und dabei viel über Satire und noch mehr über Medien gelernt. Ein toller Einblick in das Innere der „Titanic“, begleitet von gelungenen Bildern aus dem Redaktionsalltag.