Archiv für September 21st, 2018

“Ich wurde wohl von ‘Bild’ verarscht.”

So sieht das aktuelle “GEO”-Cover aus:

Ausriss der Geo-Titelseite - Bronzezeit - Das Reich der Himmelsscheibe - Dazu eine seitengroße Illustration einer historischen Szene mit der Himmelsscheibe

Und so sieht die heutige Seite 6 der “Bild”-Zeitung aus:

Ausriss Bild-Zeitung - Sie opferten Kinder für den Sonnengott - dazu dieselbe Illustration wie auf dem Geo-Cover

Der Artikel mit der Überschrift “SIE OPFERTEN KINDER FÜR DEN SONNENGOTT” gehört zur Titelgeschichte:

Ausriss der Bild-Titelseite - Geheimnis der Himmelsscheibe gelöst

Auch bei Bild.de ist die Illustration, die “den König des bisher unbekannten Reiches mit seiner Himmelsscheibe” zeigen soll, erschienen.

Wie kommt es dazu, dass eine exklusiv für “GEO” erstellte Illustration in “Bild” und bei Bild.de landet?

Der Illustrator sagt: “Ich wurde wohl von ‘Bild’ verarscht.”
Die “GEO”-Redaktion sagt: “Nie im Leben hätten wir ‘Bild’ die Rechte für diese Illustration eingeräumt.”
“Bild” sagt: nichts*.

Anruf bei Illustrator Samson J. Goetze. Er sagt uns, dass jemand von “Bild” sich bei ihm gemeldet habe: Die Redaktion würde gern seine Illustration verwenden. Goetze fragt, ob das denn mit “GEO” abgesprochen sei. Der “Bild”-Mitarbeiter soll geantwortet haben, dass man bei “GEO” nachgefragt und das Einverständnis bekommen habe. “Das war wohl eine Falschaussage”, sagt Goetze.

“Das war definitiv nicht abgesprochen”, sagt uns Jürgen Schäfer von “GEO” auf Nachfrage. Die Illustration sei exklusiv für die eigene Titelseite produziert worden, die Verwendung durch “Bild” hätten sie “nie im Leben” erlaubt.

Auch bei “Bild”-Sprecher Christian Senft fragen wir nach. Er könne aktuell nichts zu dem Fall sagen, weil er noch nichts davon wisse, sagt er uns am Telefon. Er wolle versuchen, uns noch mal zurückzurufen, wenn er mehr weiß. Wir haben es dann noch einmal vergeblich bei ihm probiert. Bisher haben wir nichts von ihm gehört*.

In ihren Artikeln kriegen es “Bild” und Bild.de noch nicht mal hin, die richtige Quelle der Illustation anzugeben. Sie schreiben beim Fotocredit zwar korrekterweise “samson-illustration”, in der Bildunterschrift heißt es aber:

So sehen Zeichner im neuen Buch “Die Himmelsscheibe von Nebra” (Propyläen Verlag) den König des bisher unbekannten Reiches mit seiner Himmelsscheibe

“Das ist Quatsch”, sagt Illustrator Goetze. Seine Illustration komme im Buch gar nicht vor, sondern nur in “GEO”. Und jetzt eben auch in “Bild”.

Mit Dank an @phsteffen für den Hinweis!

Nachtrag, 17:11 Uhr: Auf Wunsch des Illustrators haben wir dessen Aussage (und damit auch unsere Zitat-Überschrift) von “Ich wurde von ‘Bild’ verarscht” in “Ich wurde wohl von ‘Bild’ verarscht” geändert.

*Nachtrag, 23:46 Uhr: “Bild”-Sprecher Christian Senft hat sich am frühen Abend mit dieser Stellungnahme bei uns gemeldet:

Wir sind bei der Anfrage der Nutzungsrechte von der GEO Redaktion direkt an den Illustrator verwiesen worden. Dieser hat uns diese für BILD schriftlich eingeräumt und eine Rechnung gestellt. Sollten dabei bei GEO die üblichen internen Abstimmungsprozesse nicht berücksichtigt worden sein, tut es uns leid.

Nachtrag, 25. September: Nachdem “Bild”-Sprecher Christian Senft gesagt hat, seine Redaktion sei von “GEO” bei einer Anfrage zu den Nutzungsrechten der Illustration “direkt an den Illustrator verwiesen worden” (siehe einen Nachtrag weiter oben), bleibt die “GEO”-Redaktion dabei, dass es einen solchen Kontakt nicht gegeben habe.

“GEO”-Sprecherin Christine Haller sagte uns dazu:

Eine erneute eingängige Prüfung hat bestätigt: Kein Mitarbeiter von GEO hatte im relevanten Zeitraum schriftlichen oder telefonischen Kontakt mit der Bild-Zeitung. Die Behauptung eines Fotoredakteurs von Bild, er habe mit jemandem bei GEO gesprochen, ist für uns nicht nachvollziehbar.

Illegale AfD-Finanzierung, Tod im Hambacher Forst, China calling

1. AfD: Interne Mails belegen heimliche Wahlkampffinanzierung
(daserste.ndr.de, Ben Bolz & Marvin Milatz)
Schon lange gab es den Verdacht, dass die AfD kostenlose Wahlkampfhilfe durch den ominösen Herausgeber des “Deutschland Kuriers” erhält, den “Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten”. In den Rechenschaftsberichten der AfD tauchten diese geldwerten Leistungen des Vereins jedoch nicht auf. In Interviews bestritten AfD-Politiker stets, etwas mit dem Verein zu tun oder den “Deutschland Kurier” in Auftrag gegeben oder bestellt zu haben. Nun liegen Mails und Interviewaussagen vor, die Gegenteiliges belegen.
Weitere Empfehlung: Auch “Zapp” berichtet in einem Video (5:41 Minuten): AfD: Interne Mails belegen heimliche Finanzierung.

2. Vom Beobachter zum Freund
(taz.de, Malte Kreutzfeldt)
Im von der RWE-Rodung bedrohten Hambacher Forst ist der 26-jährige Steffen Meyn verunglückt, der dort an einer Langzeitdokumentation arbeitete. Meyn nahm mit einer 360-Grad-Kamera den Wald und die Baumhausdörfer für ein Virtual-Reality-Projekt auf und dokumentierte das Leben der BaumhausbewohnerInnen. Es sei ihm dabei nicht nur um den Einsatz für den Umweltschutz gegangen, sondern auch um den alternativen Gesellschaftsentwurf.
Weiterer Lesehinweis: Lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch der eindrückliche und dennoch wohltuend ruhige und besonnene Augenzeugenbericht von Bernd Müllender: Der Schock nach dem Absturz.
Und zum Schluss ein Film von Steffen Meyn, den er am 28. August dieses Jahres auf Youtube stellte: Chronik einer Razzia — Wiesendurchsuchung am Hambacher Forst.

3. Medienwächter prüfen Digital-Angebote: Spahn muss bangen
(morgenpost.de, Kai-Hinrich Renner)
Die Medienwächter der ZAK (Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten) überprüfen derzeit den Digital-Auftritt von Gesundheitsminister Jens Spahn. Es bestehe der “noch sehr leise” Anfangsverdacht, der Minister könnte auf seiner Website und auf seinem Facebook-Account sowohl Rundfunk betreiben als auch die Grenzen staatlicher Öffentlichkeitsarbeit überschreiten.

4. China calling — aber wer hört zu?
(medienwoche.ch, Peter Stäuber)
Vor zehn Jahren hat China eine globale Medienoffensive gestartet. Rein zahlenmäßig ein Erfolg: Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua habe laut “Economist” mehr Auslandsbüros als alle Konkurrenten; China Radio International sende in mehr als 60 Sprachen; das Auslandfernsehen CGTN habe Reporter-Teams in über siebzig Ländern, und die Facebook-Seite von CGTN habe 67 Millionen Follower — mehr als zehnmal so viele wie die des BBC World Service. Doch Zahlen sind das eine, das Echo bei den Lesern und Zuschauern das andere. Und da habe China derzeit noch Probleme.

5. “Wir waren nur die Folie für deren Propaganda”
(zeit.de, Carolin Ströbele)
“Zeit Online” hat mit Florian Hager gesprochen, dem Programmchef bei der öffentlich-rechtlichen Plattform “funk”. Es geht um den Fall Schlecky Silberstein und das Vorgehen der AfD. Hagers Resümee: “Beim Fall Schlecky Silberstein sprachen alle Argumente, alle Fakten, alle moralischen Fragen für uns. Aber darum geht es leider gar nicht. Die AfD hat ihren Punkt gemacht, das Storytelling für ihre Anhängerschaft hat funktioniert. Wir waren letztlich nur die Folie für deren Propaganda. Das macht mir große Sorgen.”

6. “Netflix muss sich warm anziehen”
(spiegel.de, Christian Buß)
“Spiegel Onine”-Redakteur Christian Buß hat sich mit dem Starproduzent und Ufa-Chef Nico Hofmann über die Bedrohung durch Streamingdienste wie Netflix unterhalten. In den USA beobachtet Hofmann eine Marktbereinigung und Monopolisierung, die er für gefährlich hält. Für Deutschland ist Hofmann derzeit noch gelassen, da Netflix hier fast ausschließlich bestehendes Programm aufkaufe.