Archiv für September 22nd, 2014

Technikjournalismus heute

So sieht er also aus, der Technikjournalismus von heute:


Oder so:

Oder so:

Gut, Apple ist da wohl ein Spezialfall. Aber dass die journalistische Distanz schnell mal flöten geht, wenn Medien über die Einführung neuer Produkte berichten, lässt sich auch erkennen, wenn es gerade nicht um Apple geht. Im Autojournalismus zum Beispiel. Oder an der Berichterstattung über den neuen “Thermomix”.

Die “Huffington Post” hat allein in diesem Monat fast zehn Artikel zu dem “Wunder-Küchengerät” der Firma Vorwerk veröffentlicht. Darunter befinden sich zwar durchaus kritische Töne — aber auch das hier:

Das Video (oder besser: die aneinandergeklatschten und mit dramatischem Teleshopping-Gedudel unterlegten Werbebilder, zu denen eine Sprecherin einen unfassbar schlechten Text unfassbar schlecht vorliest) ist ein eindrucksvolles Beispiel für das, was herauskommt, wenn Medien versuchen, PR in Journalismus zu verwandeln — und dabei nicht nur die Distanz über Bord werfen, sondern alles andere gleich mit.

Mit Dank an Marius und Karsten D.

Wissenschaftsjournalismus, Carola Hein, Felix Magath

1. “Wissenschaftsjournalismus als Herausforderung”
(blogs.faz.net/planckton, Sibylle Anderl)
Der Wissenschaftsjournalismus steht vor einer kaum noch zu überschaubaren Flut von wissenschaftlichen Publikationen: “Während noch vor gar nicht allzu langer Zeit einfach wissenschaftsjournalistisch aufbereitet werden konnte, was in den namhaften Journals veröffentlicht wurde, muss heute radikal ausgewählt werden, da die Anzahl von Veröffentlichungen für die Eins-zu-eins-Berichterstattung zu groß geworden ist. Das Fundament einer solchen Auswahl kann schwerlich anderes als ein fundiertes wissenschaftliches Fachwissen sein. Sofern das bei Wissenschaftsjournalisten nicht mehr vorliegt, müssen aber andere Strategien gefunden werden.”

2. “CDU im Büro, AfD zuhaus”
(taz.de, Jens Twiehaus)
Carola Hein ist Lokaljournalistin bei der “Märkischen Allgemeinen Zeitung” – und in einer Beziehung mit dem Politiker Alexander Gauland: “Knapp zwei Wochen vor der Brandenburger Landtagswahl porträtierte sie die CDU-Kandidatin Saskia Ludwig für ihre Zeitung. Und fuhr dann abends nach Hause in die Berliner Vorstadt von Potsdam, um dort AfD-E-Mails für ihren Lebensgefährten Alexander Gauland zu tippen.”

3. “Karl Sackreis berichtet! Ein Plädoyer für glaubwürdigere Branchendienste”
(lousypennies.de, Christian Schweppe)
“Welcher Nachrichtenfaktor trifft eigentlich auf die Präsentation des neuen Produktes eines US-Konzerns zu?”, fragt Christian Schweppe zu den vielen Neuigkeiten, die Journalisten über Produkte von Apple und Netflix verbreiten. Siehe dazu auch “Kommentar: Wenn Online-Journalismus kein Journalismus mehr ist” (macnotes.de, Alexander Trust).

4. “Kommentare im Internet: ‘Du bist so hässlich, geh sterben'”
(spiegel.de, Björn Stephan)
Ein Interview mit Kathrin Weßling, die Onlinekommentare sammelt und vorliest: “Die Tendenz ist, dass Frauen für ihr Aussehen, ihre Sexualität beleidigt werden. Dann heißt es: Diese Frau müsste mal wieder ‘richtig durchgenommen’ werden. Oder: Diese Frau hat ein psychisches Problem. Männern hingegen wird oft Inkompetenz vorgeworfen, Unwissen, schlechte Recherche oder Arroganz. Ich habe bei einem Mann noch nie einen Kommentar gelesen wie: Du bist so hässlich, geh sterben.”

5. “‘Die BBC war die größte Enttäuschung'”
(deutschlandradiokultur.de, Korbinian Frenzel)
Wolfgang Blau spricht rückblickend über die Snowden-Leaks-Veröffentlichungen des “Guardian”.

6. “Beim FC Fulham entlassener Felix Magath schaltet Anwalt ein”
(tagesspiegel.de)
Britische Medien berichten, Felix Magath habe die Oberschenkelverletzung eines Spielers “mit einem Stück Käse behandeln lassen, statt den Reha-Plan des Mannschaftsarztes zu befolgen”. Ausserdem rufe er “Spieler in sein Büro und starre sie minutenlang an, um zu sehen, ob sie blinzeln”.