Eine Million pro Monat, Superlativ ist nicht super, Ave Maria in der Endzone

1. “Exxpress”-Schwesterportal “Nius” kostet Financier Gotthardt eine Million Euro pro Monat
(derstandard.at, Harald Fidler)
Der deutsche Software-Unternehmer Frank Gotthardt habe gegenüber der “Zeit” (nur mit Abo lesbar) offengelegt, dass ihn die von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geführte Plattform “Nius” monatlich rund eine Million Euro oder mehr koste. Die Betreibergesellschaft halte zudem die Mehrheit am österreichischen Onlineportal “Exxpress”. Trotz kumulierter Verluste im zweistelligen Millionenbereich in den vergangenen Jahren verteidige Gotthardt sein finanzielles Engagement als Gegenpol zum aus seiner Sicht belehrenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

2. Was sollte das eigentlich? Vor 5 Jahren startete Bild TV
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Fünf Jahre nach dem Sendestart von “Bild TV” rekapituliert Thomas Lückerath das Scheitern des linearen TV-Projekts des Axel-Springer-Verlags: “Boulevard-Journalismus der ‘Bild’ funktioniert maßgeblich über Zuspitzung in Schlagzeilen. Legendär sind Titelseite a la ‘Wir sind Papst’. Schlagzeilen, egal ob online oder gedruckt, die bleiben. Doch in mehrstündigen Live-Strecken versendet sich Gesagtes, lässt sich nur bedingt wiederholen. Bild TV lieferte viel Sendestrecke, aber das Medium lässt weniger Pointierung zu.”

3. Und am Wochenende ist Disco mit Peter
(taz.de, Doris Akrap)
Doris Akrap porträtiert die Magdeburger “Volksstimme” und deren Redaktionsalltag unter Chefredakteur Marc Rath. Trotz des digitalen Medienwandels und anhaltender Auflagenverluste behaupte sich das Blatt als auflagenstärkste Regionalzeitung Sachsen-Anhalts. Die Redaktion sehe sich und ihren bodenständigen Lokaljournalismus auch gegenüber politischem Druck und gesellschaftlichen Spannungen gut gerüstet.

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4. Juristin Brosius-Gersdorf fordert besseren Schutz vor Hass im Netz
(zeit.de)
Die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf spreche sich im Interview mit dem “Tagesspiegel” für schärfere gesetzliche Vorgaben gegen Hetze und Desinformation auf Onlineplattformen aus. Soziale Netzwerke seien zwar ein demokratischer Gewinn für die freie Meinungsäußerung, brächten durch Anonymität jedoch erhebliche Gefahren mit sich. Sie plädiere daher für eine Verpflichtung der Plattformen, bei der Registrierung Klarnamen und Adressen der Nutzerinnen und Nutzer zu erfassen. Dies ermögliche später einen Auskunftsanspruch.

5. Medien und Boulevard: Der Superlativ ist nicht super
(fr.de, Tanjev Schultz)
Journalistik-Professor Tanjev Schultz kritisiert in seinem Beitrag für die “Frankfurter Rundschau” den inflationären Einsatz von Superlativen und Zuspitzungen in der Berichterstattung verschiedener Medien. Anhand von Artikeln über die vermeintlich “gefährlichste Schule Deutschlands” oder Schlagzeilen, die einzelne Politiker zum “gefährlichsten Mann” des Landes erklären, warnt Schultz vor einer Erosion journalistischer Standards. Die permanente Skandalisierung und Personalisierung führe zu einer sprachlichen Verrohung und drohe, das Publikum abzustumpfen.

6. Kinder von Robin Williams kämpfen gegen KI-Williams auf Social Media – bei Social Media
(spiegel.de)
Zwölf Jahre nach dem Tod von Schauspieler Robin Williams hätten seine drei Kinder den seit 628 Wochen stillgelegten Instagram-Account ihres Vaters reaktiviert. Sie würden der Flut an KI-generierten Fälschungen, die Stimme und Aussehen des Komikers imitieren, ein authentisches, verlässliches Archiv entgegensetzen wollen. Tochter Zelda Williams sehe darin die beste Handhabe, um das künstlerische Erbe ihres Vaters vor Verwässerung und Missbrauch zu schützen.

7. Ave Maria in der Endzone (mit Lorenz Meyer)
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 1:02:44 Stunden)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Gavin Karlmeier und der “6-vor-9”-Kurator analysieren bei “Haken dran” den Auftakt des US-Prozesses gegen Meta, in dem die Richterin den Versuch des Social-Media-Konzerns, den ehemaligen Mitarbeiter und Kronzeugen Arturo Béjar per Verfahrensantrag auszuschließen, abgewiesen habe. Béjar belaste die Unternehmensführung schwer. Er werfe Mark Zuckerberg vor, Profit und Verweildauer über den Schutz Minderjähriger gestellt zu haben. Außerdem geht es um die Untersuchungen gegen TikTok wegen riskanter Algorithmen-Tests bei Jugendlichen, um Metas smarte Kamerabrillen sowie um die Kontroverse um die W-Social-Plattformchefin Anna Zeiter.

KW 34/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. AfD im Wahlkampf: Angriff auf ARD und ZDF
(ndr.de, Lea Eichhorn, Video: 21:56 Minuten)
Im Vorfeld der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt untersucht das NDR-Medienmagazin “Zapp”, gewissermaßen in eigener Sache, die Pläne der AfD, den Medienstaatsvertrag zu kündigen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf einen steuerfinanzierten “Grundfunk” zu reduzieren. NDR-Justiziar Michael Kühn fasst die Kündigungsdrohungen als verfassungswidrigen Angriff auf die freie Medienordnung zusammen. Das jetzige System habe seinen Grund: “Das sind die Lehren aus dem Dritten Reich”, so Kühn.

2. REICH – Das Geschäft mit dem Zweifel
(ardsounds.de, Patrick Stegemann, Audio: fünf Folgen, je zwischen 30 und 40 Minuten)
In dieser fünfteiligen investigativen Podcast-Reihe deckt ein Journalistenteam auf, wie einflussreiche Lobbyorganisationen, Denkfabriken und PR-Strategen gezielt wissenschaftliche Erkenntnisse relativieren. Das System sei historisch für die Tabak- und Alkoholindustrie entwickelt worden. Heute werde es vor allem von Öl- und Gaskonzernen für deren Desinformations- und Medienkampagnen genutzt.

3. Warum sind Sportlerinterviews immer so nichtssagend?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 24:11 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast unterhält sich Holger Klein mit Christian Spiller, dem Leiter des Sportressorts bei der “Zeit”. Es geht um Sinn und Zweck von Sportlerinterviews bei Großereignissen oder nach Spielen und Wettkämpfen: “Welche Interviews haben bei der Leichtathletik-EM für Aufsehen gesorgt? Wieso geben Fußballer meist so langweilige Antworten? Und wie könnte man das ändern?”

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4. DAS ist die dümmste ZDF-Talkshow des Jahres!
(youtube.com, Maurice Höfgen, Video: 1:08:59 Stunden)
Der Ökonom und Publizist Maurice Höfgen kritisiert die ZDF-Talkshow von Sarah Tacke und wirft sowohl der Redaktion als auch den Gästen gravierende ökonomische Fehlurteile sowie mangelhafte Faktenprüfung vor. Die Live-Zuschauerumfrage zur Arbeitszeit sei methodisch unbrauchbar, faktische Falschaussagen seien in der Runde unwidersprochen geblieben. Der anschließende redaktionelle Erklärungsversuch in den Sendungskommentaren habe das Problem nicht behoben.

5. Die dümmste Zeitschrift Deutschlands
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 19:45 Minuten)
Mats Schönauer zerlegt in seinem Video die Mechanismen der Regenbogenpresse am Beispiel der Zeitschrift “Meine Freizeit”. Er zeigt auf, wie Verlage mit reißerischen, oft nicht direkt justiziablen, aber vollkommen irreführenden Titelschlagzeilen hunderttausende Exemplare pro Jahr absetzen. Außerdem geht es um redaktionelle Schleichwerbung, ungekennzeichnete PR-Texte sowie absurde Ratgeber-Inhalte.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

6. Warum wir das Kino noch brauchen
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 26:47 Minuten)
Im Gespräch mit Gastgeber Christian Jakubetz erörtert Matthias Helwig, Kinobetreiber und Leiter des “Fünf Seen Filmfestivals”, warum es Millionen von Menschen immer noch regelmäßig ins Kino zieht. Es geht aber auch um die strukturellen Herausforderungen der Branche und den wachsenden Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Filmproduktion.

Parasitärer “KI-Journalismus”, Verzerrtes Bild, Buchzerstörer

1. “Einigkeit ist keine Neuigkeit”? – Wie Politikjournalismus den Sachfokus stärken kann
(dfjv.de, Gunter Becker)
Für das Magazin des Deutschen Fachjournalisten-Verbands analysiert Gunter Becker anhand von Debatten der Digitalkonferenz re:publica und eines Interviews mit Journalistik-Professor Tanjev Schultz die strukturellen Fehlentwicklungen im Politikjournalismus. Getrieben von Aufmerksamkeitsdruck fokussiere sich die Berichterstattung oft übermäßig auf Personalstreitigkeiten, Skandalisierungen und demoskopische Momentaufnahmen. Als Gegenmittel plädiert Becker für eine Stärkung des politischen Fachjournalismus.

2. So weit sind wir schon mit dem «KI»-«Journalismus»
(infosperber.ch, Marco Diener)
Auf der Schweizer Plattform “Infosperber” kritisiert Marco Diener das neu gestartete Nachrichtenportal “We-News” als extremes Beispiel für parasitären “KI-Journalismus”. Das von einem Unternehmen in Hongkong betriebene Portal lasse Texte automatisiert aus etablierten Medien zusammenkopieren und stelle ihnen fiktive Autorenprofile zur Seite. Zudem bebildere das Angebot reale Nachrichtenereignisse mit frei erfundenen, fehlerhaften KI-Grafiken.

3. Marieke Reimann kritisiert verzerrtes Bild von Ostdeutschland
(ndr.de, Alexandra Friedrich)
Die Journalistin und Autorin Marieke Reimann kritisiert im Gespräch mit dem NDR die anhaltende mediale Schieflage in der Berichterstattung über Ostdeutschland. Überregionale Medien würden ostdeutsche Realitäten oft auf Krisen, Jubiläen oder klischeehafte Abweichungen von einer westdeutschen Norm reduzieren. Zudem spiegele die deutliche Unterrepräsentation ostdeutscher Führungskräfte in Medienredaktionen ein gesamtgesellschaftliches Elitendefizit wider.

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4. Land­ge­richt Ham­burg ver­bietet Absch­reiben bei LTO
(lto.de, Simon Morgenstern)
Wie “Legal Tribune Online” (“LTO”) in eigener Sache berichtet, habe das Landgericht Hamburg per einstweiliger Verfügung einen Onlineartikel der “Berliner Zeitung” verboten, da dieser wesentliche Elemente einer Urteilsbesprechung von “LTO”-Chefredakteur Felix W. Zimmermann übernommen und damit dessen Urheberrechte verletzt habe. Das Gericht habe klargestellt, dass auch journalistische Gebrauchstexte unter den Schutz der sogenannten “kleinen Münze” fallen, sofern sich in Struktur, Wertung und Kontextualisierung die schöpferische Leistung des Autors wiederfinde.

5. Moldawiens Medienlandschaft: pluralistisch, fragil und unter Druck
(de.ejo-online.eu, Victor Gotisan)
Der Journalist und Medienforscher Victor Gotisan analysiert für das “Europäische Journalismus-Observatorium” die moldauische Medienlandschaft, die trotz guter Platzierungen in internationalen Pressefreiheits-Rankings von gravierenden strukturellen Schwächen geprägt sei. Ein extrem kleiner Werbemarkt führe zu einer prekären Abhängigkeit von ausländischen Fördermitteln. Außerdem würden Personalmangel, unzureichende Ausbildungskapazitäten und Einschüchterungen die redaktionelle Arbeit belasten.

6. Heimliches KI-Training: Amazon zerstört massenhaft alte Bücher
(derstandard.at, Peter Zellinger & Shiva Swist-Standl)
Anscheinend kaufe Amazon im großen Stil gedruckte Bücher auf, um Trainingsmaterial für eigene KI-Modelle zu gewinnen. In einem Logistikzentrum im US-Bundesstaat Nevada würden den Werken die Rücken abgeschnitten, um sie automatisiert einzuscannen und anschließend zu vernichten. Die systematischen Aufkäufe seltener und wissenschaftlicher Buchbestände durch Zwischenhändler seien mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum und in Österreich deutlich spürbar.

“Spiegel”-Titelseite, ZDF textet weniger, “Neinhorn” sagt Nein zu KI

1. Feigheit vor dem Feind
(taz.de, Ambros Waibel)
Ambros Waibel verteidigt in seinem Kommentar die vieldiskutierte Titelseite des “Spiegel”, auf der der AfD-Kandidat für Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund als “gefährlichster Mann Deutschlands” bezeichnet wird, gegen breite Kritik aus Politik und Journalismus. Die Zuspitzung sei eine notwendige und treffende Einordnung der realen demokratischen Bedrohung durch die Partei vor den anstehenden Wahlen: “Der Spiegel hat seinen Job gemacht. Wenn das alle oder zumindest ein paar mehr von sich sagen könnten, wir stünden besser da.”

2. Was der Stopp des französischen Social-Media-Verbots bedeutet
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Der französische Verfassungsrat habe das von Präsident Emmanuel Macron initiierte Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren auf den letzten Metern gestoppt. Das geplante Gesetz sei als unverhältnismäßig gerügt, die fehlenden Datenschutzvorkehrungen bei Alterskontrollen seien moniert worden. Rechtsexperten würden die Signalwirkung für europäische Nachbarländer betonen und auf den Konflikt mit dem Digital Services Act der EU verweisen.

3. Springers KI-Schleuder will keine KI-Bilder mehr verwenden
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Die Nachrichtenplattform “Upday” des Axel-Springer-Verlags habe die vollständige Löschung und künftige Vermeidung aller KI-generierten Bilder angekündigt. Anlass seien gravierende Qualitätsmängel wie unbelegte Textübernahmen von öffentlich-rechtlichen Sendern sowie irreführende, synthetisch erzeugte Symbolbilder von realen Schauplätzen und Persönlichkeiten. Der Fall offenbare erhebliche Lücken in den versprochenen menschlichen Kontroll- und Factchecking-Prozessen bei “Upday”.

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4. Comedy im deutschen Fernsehen: Öffentlich-rechtlich oder tot?
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Bei “DWDL” analysiert Thomas Lückerath den drastischen Bedeutungsverlust von Comedyformaten im deutschen Privatfernsehen. Als Hauptursachen nennt er die Abwanderung des Publikums zu kurzen Social-Media-Formaten, hohe Studio- und Produktionskosten sowie das unternehmerische Risiko bei Personality-Formaten: “Bei Skandalen um einzelne Personen ist damit meist die ganze Produktion gestorben. In Zeiten von vorab produzierten Staffeln, waren damit in der Vergangenheit schon in einigen Fällen gleich gerne mehrere Stunden Material für die Tonne produziert.”

5. ZDF textet nur noch in Ausnahmefällen
(verdi.de, Volker Nünning)
Als Reaktion auf die verschärften staatsvertraglichen Regelungen zum Verbot der Presseähnlichkeit habe das ZDF eine eigene Video-Einheit innerhalb der Hauptredaktion Aktuelles aufgebaut. Da Onlinetexte der öffentlich-rechtlichen Sender grundsätzlich an einen aktuellen Sendungsbezug gekoppelt sein müssten, setze das ZDF auf seiner Plattform “ZDFheute” sowie beim Kinderkanal KiKa künftig schwerpunktmäßig auf Bewegtbild.

6. Carlsen Verlag kämpft für das »Neinhorn« gegen ChatGPT
(spiegel.de)
Der Carlsen Verlag, der Autor Marc-Uwe Kling sowie die Illustratorin Astrid Henn hätten eine Urheberrechtsklage gegen den KI-Entwickler OpenAI eingereicht. Sie werfen dem Unternehmen vor, die Kinderbuchreihe “Das Neinhorn” ohne Erlaubnis zum Training seiner Sprach- und Bildmodelle genutzt zu haben. ChatGPT erstelle auf einfache Anfragen hin nahezu identische Geschichten und Zeichnungen und liefere sogar druckreife Vorlagen inklusive Umschlaggestaltung und Verlagslogo.

Vorwürfe gegen Facebook-Mutter, KI-Betrug, Der mit den Medien tanzt

1. Schwere Vorwürfe gegen Facebook-Mutter zum Auftakt von Milliardenprozess
(spiegel.de)
In Kalifornien habe ein wegweisender Prozess mehrerer US-Bundesstaaten gegen den Social-Media-Konzern Meta begonnen. Dem Unternehmen werde vorgeworfen, Minderjährige durch gezielte Design-Mechanismen wie Endlos-Scrollen oder Benachrichtigungsfluten systematisch abhängig und psychisch krank gemacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft verlange neben strukturellen Änderungen Strafzahlungen in Höhe von rund 200 Milliarden US-Dollar. Meta weise die Anschuldigungen zurück.

2. Schmeichelnd, wortgewandt und fake
(taz.de, Sara Piazza)
In einem persönlichen Erfahrungsbericht schildert Sara Piazza, wie Onlinebetrüger vermehrt Journalistinnen und Journalisten sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit KI-generierten Phishing-Kampagnen ins Visier nehmen. Mittels elaborierter, schmeichelhafter Analysen und gefälschter Einladungen zu Literaturfestivals würden die Kriminellen versuchen, Medienschaffenden Geld abzuluchsen. Piazza kommentiert: “Wenn man dazu bedenkt, dass es heutzutage durch aggressive Self-Publishing-Kolosse wie Amazon sehr einfach geworden ist, ein Buch ganz ohne Verlag online zu stellen, versteht man, dass die Scammer immer mehr potenzielle Opfer finden.”

3. Richtig lesen – aber wie?
(kontextwochenzeitung.de, Pauline Ammon)
Die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart habe ihren Rückzug von allen Social-Media-Kanälen bekanntgegeben. Ausgerechnet dieser Social-Media-Post habe viel Aufmerksamkeit erfahren. Die Einrichtung begründe ihren Schritt damit, dass die Plattformlogiken und verkürzten Zuspitzungen dem Bildungsauftrag widersprächen und die gesellschaftliche Lesekompetenz schwächen würden. Pauline Ammon kommentiert: “Hinter dem Schritt mögen noble Gründe stehen, die schwindenden Lesefähigkeiten sind ein offenes Problem. Aber ein Lösungsansatz wird durch den Rückzug nicht ersichtlich. Und so liest sich das Statement zum Abschied vor allem als Eingeständnis von Resignation.”

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4. Face­book hat ver­bo­tene Posts nicht vor­sätz­lich langsam gelöscht
(lto.de)
Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main habe ein gegen den Meta-Konzern verhängtes Ordnungsgeld wegen der verspäteten Löschung von drei verbotenen Facebook-Beiträgen von 100.000 auf 75.000 Euro reduziert. Die beanstandeten Posts hätten rechtswidrige Falschbehauptungen über einen israelischen Soldaten enthalten und seien trotz gerichtlicher Untersagung über zwei Wochen lang online abrufbar geblieben. Während das Landgericht noch von vorsätzlicher Missachtung ausgegangen sei, habe das OLG das Versäumnis nur als grob fahrlässig eingestuft.

5. 7 Tipps für starke Personenmarken im Journalismus
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Im Blog der Medientage München beschreibt Lisa Priller-Gebhardt anhand des “Handelsblatt”-Projekts “Editorial Voices”, wie Redaktionen gezielt journalistische Personenmarken aufbauen. Entscheidend für den Erfolg seien unter anderem eine klare strategische Zielsetzung, die Identifikation von Fachthemen sowie die passgenaue Kanalwahl.

6. Zum 60. Geburtstag von Armin Wolf: Der mit den Medien tanzt
(derstandard.de, Hans Rauscher)
Anlässlich des 60. Geburtstags von Journalist und ORF-Moderator Armin Wolf würdigt Hans Rauscher im “Standard” nicht nur Wolfs prägende Interviewführung, sondern vor allem dessen Rolle als medienpolitischer und ethischer Vordenker. Rauscher zeichnet Armin Wolfs Haltung zu journalistischer Unparteilichkeit nach: Echter Qualitätsjournalismus dürfe sich nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen und müsse klare Kante für demokratische Grundwerte, Menschenrechte und Fakten zeigen.

Streit um TV-Debatte, Das Gehirn merkt es, Ungelöstes Sky-Dilemma

1. Streit um TV-Debatte: NDR wehrt sich gegen Vorwurf von CDU-Generalsekretärin
(n-tv.de)
Der NDR habe Vorwürfe von CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann zurückgewiesen, den CDU-Spitzenkandidaten Daniel Peters kurzfristig von einer TV-Debatte zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ausgeladen zu haben. Hoppermann habe in einem Brief kritisiert, dass die Zuspitzung auf ein reines TV-Duell zwischen SPD und AfD den Wählerinnen und Wählern kein umfassendes Bild ermögliche. NDR-Chefredakteur Adrian Feuerbacher habe die Vorwürfe als haltlos bezeichnet und erklärt, dass das zweistufige Sendeformat bereits seit Monaten festgestanden habe und von allen Parteien vorab zugesagt worden sei.

2. Die Fehler häufen sich
(t-online.de, Annika Leister)
In einem Kommentar für den Newsletter “Tagesanbruch” kritisiert t-online.de-Reporterin Annika Leister den gegenwärtigen medialen Umgang mit der AfD. Anhand von Beispielen wie dem “Spiegel”-Cover über Ulrich Siegmund oder Beiträgen im “Focus” beschreibt sie, wie Medien zwischen Dämonisierung und Bagatellisierung schwanken. Was helfen könnte: “die Rückbesinnung auf das journalistische Handwerk: mehr Recherche, weniger über Stöckchen springen.”

3. Den Stift nicht verbieten lassen
(taz.de, Simone Schlindwein)
Die “taz” berichtet über eine weltweite Solidaritätskampagne für Ugandas prominentesten Karikaturisten und Regierungskritiker Jimmy Spire Ssentongo. Nachdem ein Gericht eine Geldstrafe von umgerechnet rund 7.000 Euro oder ersatzweise drei Monate Haft gegen den preisgekrönten Zeichner verhängt hatte, sammelten zivilgesellschaftliche Aktivistinnen und Aktivisten die Summe innerhalb von nur zwei Tagen. Der Fall verdeutliche den zunehmenden juristischen Druck auf Medienschaffende und Regierungskritiker in Uganda, zeige jedoch zugleich den starken Zusammenhalt und Widerstand der dortigen Zivilgesellschaft.

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4. Früher Einstieg in Social Media wirkt sich möglicherweise langfristig schlecht auf Schulleistung aus
(kinderaerzte-im-netz.de)
Eine im Fachjournal “Nature Human Behaviour” veröffentlichte Studie untersuche die Auswirkungen eines frühen Social-Media-Einstiegs von Jugendlichen auf deren schulische Leistungen. Die Analyse der Daten von über 5.000 Schülerinnen und Schülern zeige, dass eine frühe Anmeldung bei Plattformen wie TikTok oder Instagram, oft weit vor dem gesetzlichen Mindestalter, mit messbar schwächeren Leistungen in Mathematik und der Landessprache einhergehe.
Weiterer Lesetipp: Auf Facebook zeigt “Statista” einige Daten der aktuellen “DAK Mediensucht-Studie 2026”: “Die pathologische Nutzung sozialer Medien unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt.”

5. Wow: RTL Deutschland und das ungelöste Sky-Dilemma
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
In einer Analyse für “DWDL” beschäftigt sich Thomas Lückerath mit den komplexen strategischen Herausforderungen von RTL Deutschland nach der Übernahme des Pay-TV-Senders Sky. Mit dem schleichenden Abschied vom klassischen Sky-Receiver und dem Fokus auf reine Streamingangebote verschwimme die Abgrenzung zwischen den Angeboten, was bereits intern für Verwirrung sorge. Zudem bringe die Positionierung von Sky Stream als vollwertiger TV-Provider heikle Interessenskonflikte mit wichtigen Partnern wie der Deutschen Telekom mit sich.

6. Fake Medien: Das Gehirn merkt es, es sagt uns nur nichts
(docma.info, Christoph Künne)
In einem Essay für “Docma” analysiert Christoph Künne anhand empirischer und neurowissenschaftlicher Studien, warum Menschen synthetische Medien kaum noch verlässlich von echten Inhalten unterscheiden können. Dies gelte, selbst wenn das Gehirn unterbewusste sensorische Abweichungen registriere. Für Journalistinnen und Journalisten sowie den Journalismus allgemein gewinne die verifizierbare Herkunft, Dokumentation und institutionelle Haftung für Inhalte an Bedeutung.

Frankreich kippt Verbot, Spanische Sanktionen, TikTok-Challenge

1. Social-Media-Verbot in Frankreich gekippt
(tagesschau.de)
Frankreichs Verfassungsrat habe das Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gekippt. Das Verbot stelle “einen unverhältnismäßigen Eingriff” in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit der Betroffenen dar. Die französische Nationalversammlung und der Senat hätten erst im Juli für das Gesetz gestimmt, das ohne das Veto des Verfassungsrats im September in Kraft getreten wäre.

2. Nach Frage an Selenskyj: Strafverfahren in Russland gegen “FAZ”-Journalisten
(derstandard.at)
Die russischen Behörden hätten laut der staatlichen Agentur TASS ein Strafverfahren wegen angeblichen Schürens von Hass gegen einen Südosteuropa-Korrespondenten der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (“FAZ”) eingeleitet und würden eine internationale Fahndung prüfen. Anlass sei eine Frage des Journalisten bei einer Pressekonferenz in Belgrad an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, die von der “FAZ” nachträglich als missverständlich formuliert bedauert worden sei.

3. Spanien: Strafe für Berichterstattung?
(verdi.de, Ralf Streck)
Das Verdi-Magazin “M – Menschen machen Medien” berichtet über Sanktionsverfahren der spanischen Datenschutzbehörde gegen mehrere Zeitungen, darunter die katalanische Wochenzeitung “La Directa”. Den Medien würden Geldstrafen und Löschauflagen drohen, weil sie das verdeckte Einschleusen von Polizeibeamten in soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Gruppen öffentlich gemacht hätten. Journalistinnen und Journalisten sowie Menschenrechtsorganisationen würden sich mit den betroffenen Redaktionen solidarisieren und das Vorgehen als Zensur verurteilen.

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4. In Guinea-Bissau wankt die Demokratie: Journalismusausbildung ist wichtiger denn je
(de.ejo-online.eu, Enock Sithole)
Nach den abgebrochenen Wahlen in Guinea-Bissau stünden freie Medien dort unter starkem politischem Druck und Zensur. Eine neue Studie zeige, wie unverzichtbar unabhängige Berichte, vor allem im Radio, für die Bevölkerung seien, um Gerüchte von Fakten trennen zu können. Damit Reporterinnen und Reporter Einschüchterungen standhalten und Machtmissbrauch aufdecken können, müsste die journalistische Ausbildung noch praxisnäher sein und Recherche, Ethik sowie Faktenprüfung vermitteln.

5. Was aktuell auf Instagram und TikTok viral geht
(dwdl.de, Simon Pycha)
In seinem “Trend-Ticker” fasst Simon Pycha für das Medienmagazin “DWDL” die reichweitenstärksten Phänomene, Memes und Inhaltswellen auf TikTok und Instagram zusammen. Er ordnet aktuelle Dynamiken als Orientierung und Inspiration für Social-Media-Teams ein. Das reicht von skurrilen Community-Insidern und KI-generierten Inhalten bis hin zu Beziehungs-Challenges und inszenierten Corporate-Statements.

6. TikTok-Challenge: Mann nimmt gefährliche Dosis Schmerzmittel
(zeit.de)
In Würzburg habe ein 23-Jähriger im Rahmen einer gefährlichen TikTok-Challenge eine potenziell lebensbedrohliche Menge Schmerzmittel eingenommen, sei deswegen ins Krankenhaus gekommen, habe dies jedoch eigenmächtig wieder verlassen. Dank einer Suchaktion sei er rechtzeitig aufgefunden und versorgt worden, wodurch schwere Organschäden abgewendet worden seien. Die Ermittlungsbehörden warnen eindringlich vor derlei Online-Mutproben.

KW 33/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wie entlarvt man Klima-Unsinn in rechtsalternativen Medien?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:57 Minuten)
In der neuen Ausgabe des “Übermedien”-Podcasts spricht Holger Klein mit dem Medienethiker Luis Paulitsch, der sich jüngst mit Klima-Desinformation auf rechten Portalen beschäftigt hat: “Wie kann man die Strategien rechtsalternativer Medien entlarven? Welcher Lobby-Verein taucht immer wieder in klimaskeptischen Beiträgen auf? Und was könnte auch der Klimajournalismus etablierter Medien besser machen?”

2. Banal & Teuer: Was die Regierung auf Social Media treibt
(ardmediathek.de, Anja Reschke, Video: 29:47 Minuten)
Anja Reschke thematisiert in ihrer Sendung “Reschke Fernsehen” den wachsenden Social-Media-Apparat der Bundespolitik und hinterfragt den Nutzen der millionenschweren Kampagnen auf Plattformen wie TikTok und Instagram. Allein die Bundesministerien würden über 200 Onlinekanäle betreiben, mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Social Media beschäftigen und hochdotierte Aufträge an externe Werbeagenturen vergeben. Reschke kritisiert, dass der eigentliche verfassungsrechtliche Informationsauftrag zunehmend in inhaltsarmer Selbstdarstellung und Unterhaltung untergehe.

3. Geplante Änderungen des Informationsfreiheitsgesetzes
(djv-nrw.de, Sascha Fobbe, Audio: 28:36 Minuten)
In dieser Folge des Podcasts “Ohne Block und Bleistift” des Deutschen Journalisten-Verbands NRW diskutieren Daniel Drepper (Netzwerk Recherche) und Jonas Seufert (“FragDenStaat”) über die von der Bundesregierung geplanten Reformen des Informationsfreiheitsgesetzes. Beide Journalisten warnen: Neue Hürden wie Begründungspflichten, drohende Gebührenerhöhungen und geschwächte Kontrollinstanzen würden den Zugang zu behördlichen Dokumenten drastisch beschneiden und damit die investigative Berichterstattung gefährden.

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4. Gegen Netflix & Co – Kann ein neuer TV Sender das Privatfernsehen retten?
(ardsounds.de, Leonie Thim, Audio: 27:20 Minuten)
ProSiebenSat.1 wolle einen weiteren Fernsehsender an den Start bringen: Sat.2 soll er heißen und vor allem als Abspielstation für bereits eingeführte Serien und Klassiker dienen. “Warum setzt der Konzern ausgerechnet jetzt auf Nostalgie? Ist das ein verzweifelter Versuch, Zuschauer zurückzugewinnen, oder eine überraschend kluge Strategie? Und wie steht es generell um das lineare Fernsehen?” Der Podcast “BR24 Medien” hat den Fernsehsender zu seinen Plänen befragt, Medienjournalist Steffen Grimberg ordnet das Ganze ein.

5. KI seit Tag eins: Ist morningcrunch ein Modell für den Journalismus von morgen?
(youtube.com, Paul Elvers, Video: 53:30 Minuten)
Im Podcast “KI Köpfe” erzählt “Morning-Crunch”-Mitgründer Paul Ostwald vom Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz im Redaktionsalltag seines Finanz-Newsletters. Er erläutert, wie das Start-up KI-Tools für automatisierte Datenrecherchen, Briefings und Faktenprüfungen nutzt, betont jedoch, dass der unverzichtbare Mehrwert weiterhin beim Menschen liege: Erst redaktionelle Tonalität, Humor und fundierte Kontextualisierung könnten für Leserbindung und Glaubwürdigkeit sorgen.

6. Chinas Buch-Bubble
(diary.umlauts.de, Sven Tetzlaff, Audio: 23:10 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe seines “China Tagebuchs” beschäftigt sich Sven Tetzlaff mit der lebendigen chinesischen Literaturszene: von 24-Stunden-Buchlieferdiensten bis zur Verleihung des Lu-Xun-Literaturpreises an einen dichtenden Essenskurier. Im Mittelpunkt steht die 200-Millionen-Nutzer-Plattform “Douban” als asiatisches Pendant zu “Goodreads”. Tetzlaff kritisiert die westliche, oft angelsächsisch verengte Medien- und Literaturblase, die viele Gegenwartsdiskurse und Werke aus Asien systematisch übersehe.

Social-Media-Stab, Haftbefehl gegen Krah, Wie viel Nähe ist zu viel?

1. So groß ist der Social-Media-Stab von Julia Klöckner
(t-online.de)
Bei t-online.de wird über die personelle Ausstattung und die Kosten des Social-Media-Bereichs im Umfeld von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner berichtet. Recherchen der “Welt” zufolge weise der Stellenplan der Bundestagsverwaltung im Referat Presse und Kommunikation 15 Dienstposten für Soziale Netzwerke aus, teils dotiert bis zur Besoldungsgruppe A15 mit Spitzengehältern von über 8.000 Euro monatlich.

2. Haft­be­fehl gegen AfD-Poli­tiker Krah erlassen
(lto.de)
“Legal Tribune Online” berichtet über einen Haftbefehl des Amtsgerichts Chemnitz gegen den AfD-Politiker Maximilian Krah zur Erzwingung einer Vermögensauskunft. Hintergrund seien unbeglichene Prozesskosten aus einem verlorenen Rechtsstreit gegen den Satiriker Jan Böhmermann. Der ZDF-Moderator habe Krah in seinem Podcast eine angebliche 200-Flaschen-Champagnerbestellung auf dem Oktoberfest nachgesagt. Diese Äußerung habe Krah gerichtlich verbieten lassen wollen, sei damit jedoch gescheitert.

3. Kahlschlag bei DuMont in Köln
(verdi.de)
Beim Verdi-Magazin “M – Menschen machen Medien” geht es um die massive Kritik der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) an der DuMont Mediengruppe. Der Verlag wolle bei den Regionalredaktionen von “Kölner Stadt-Anzeiger” und “Kölnischer Rundschau” 57 tarifgebundene Vollzeitstellen streichen und plane, Produktionsschritte verstärkt durch KI und Automatisierung zu ersetzen. dju-Bundesgeschäftsführerin Danica Bensmail warne vor einer “Tarifflucht” unter dem Deckmantel digitaler Transformation.

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4. Wie berichten Medien über Migration?
(deutschlandfunk.de, Anh Tran, Audio: 39:24 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, wie Medien über das Thema Migration berichten. Es diskutieren DLF-Hörerin Katharina Späth, Isabel Schayani vom WDR und Marco Bertolaso vom DLF.

5. “Am Ballhausplatz”: Der Jubelfunk aus dem Kanzleramt
(falter.at, Jürgen Klatzer)
Im Wiener “Falter” nimmt Jürgen Klatzer den seit März produzierten Podcast “Am Ballhausplatz” des österreichischen Bundeskanzleramts unter die Lupe. Statt der versprochenen Einblicke hinter die Kulissen diene das Format de facto als unkritische PR-Bühne für ÖVP-Regierungsmitglieder. Trotz des betriebenen Aufwands auf Steuerzahlerkosten bleibe die Resonanz beim Publikum verschwindend gering.

6. Meinung: Wie viel Nähe ist zu viel?
(instagram.com, Julia von Buddenbrock, Video)
Bei RTL gab es ein emotionales Interview von Frauke Ludowig mit Collien Fernandes, bei dem die Interviewerin die Hand der Interviewten ergriff. In dem Gespräch ging es auch um Fernandes’ Tochter. Das NDR-Medienmagazin “Zapp” fragt in einem Instagram-Reel: “Wie viel Nähe ist zu viel zwischen der Interviewerin und der Gästin? Und wann sollten Medien Themen lieber liegen lassen, wenn es um die Privatsphäre Minderjähriger geht?”

Schutz verteidigen, Weimers “Bankrotterklärung”, Busenfreund

1. dju: Journalistischen Schutz verteidigen
(verdi.de)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi warnt vor einer Aushöhlung des Redaktionsgeheimnisses und des Quellenschutzes durch den neuen Gesetzentwurf zur Geheimdienstreform des Bundesnachrichtendienstes. Als Teil eines breiten Medienbündnisses fordert die Gewerkschaft eine unabhängige Kontrolle der Nachrichtendienste und klare verfassungsrechtliche Grenzen bei der Überwachung.

2. “Eine Bankrotterklärung”: Verbände kritisieren Wolfram Weimer
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Timo Niemeier berichtet über die Kritik von Branchenverbänden an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Anlass seien die verschärften Kriterien und das drohende Förderaus für Filmprojekte beim Deutschen Filmförderfonds und beim German Motion Picture Fund noch im laufenden Jahr. Die Produktionsallianz, die AG DOK, die Deutsche Filmakademie und die Producers of Germany Werten den Schritt als politisch-handwerklichen Fehler und “Bankrotterklärung” der Filmpolitik. Sie warnen vor massiver Unsicherheit für den Filmstandort Deutschland und bemängeln, dass Steuermittel vor allem Großprojekten zugutekämen, während die Existenz heimischer Produktionsfirmen auf dem Spiel stehe.

3. Was Aufmerksamkeit wert ist
(netzpolitik.org, Rika Baak)
Bei netzpolitik.org berichtet Rika Baak über eine neue Forschungsarbeit zur Aufmerksamkeitsökonomie auf X, Bluesky und Mastodon. Die Untersuchung zeige, wie unterschiedlich das Design und die Empfehlungssysteme der Plattformen den Tonfall belohnen. Auf X werde Reichweite eher durch Provokation, Toxizität und Polarisierung gefördert. Auf Bluesky geschehe dies eher mit neutraler, sachlicher Sprache und auf Mastodon mit differenzierten Argumenten.

Bildblog unterstuetzen

4. Mammutprozess gegen Facebook-Mutterkonzern Meta beginnt in den USA
(spiegel.de)
Der “Spiegel” berichtet über den Auftakt eines wegweisenden Gerichtsprozesses in den USA gegen den Social-Media-Konzern Meta. 29 US-Bundesstaaten würfen dem Unternehmen vor, Jugendliche durch ein suchtförderndes App-Design von Instagram und Facebook bewusst abhängig zu machen und unrechtmäßig Daten Minderjähriger zu sammeln. Auslöser der Ermittlungen seien die Enthüllungen der Whistleblowerin Frances Haugen. Dem Konzern könnten Milliardenstrafen sowie strenge Auflagen drohen.

5. Die vermessene Galerie: Semantische Analyse als Werkzeug im Kunst- und Kulturjournalismus
(dfjv.de, Steffen Konrath)
In einem Werkstattbericht beschreibt Steffen Konrath, wie KI-basierte semantische Analysen als neues Recherchewerkzeug im Kunst- und Kulturjournalismus genutzt werden können. Das Projekt “Semantischer Kunstmarktraum” werte Galerie- und Künstlertexte aus. Der datenbasierte Ansatz helfe Kulturjournalistinnen und -journalisten, verdeckte Muster auf Kunstmessen wie der Art Basel aufzudecken, Narrative zu überprüfen und Orientierung im unübersichtlichen Kunstmarkt zu gewinnen.

6. Kein Erzfeind, sondern Busenfreund
(taz.de, Michael Braun)
Die “taz” berichtet über eine überraschende Wende im Fall des Bombenanschlags auf den italienischen Investigativjournalisten Sigfrido Ranucci (“Report”). Nach Festnahme des mutmaßlichen Auftraggebers gehe die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Anschlag kein Racheakt der Mafia, sondern eine recht skurrile Begebenheit war. Die Meloni-Regierung nutze den Vorfall nun, um Ranuccis Unabhängigkeit anzuzweifeln und ihn bei der staatlichen Rundfunkgesellschaft RAI unter Druck zu setzen.

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BILDblog-Klassiker

neu  

Von Katzen und dummen Menschen

Gestern berichtete “Bild”:

… und okay-okay, im letzten Absatz, ganz am Ende ihrer Berichterstattung hat “Bild” im Vornamen der darin zitierten Tierschützerin “Annelise Krauß” ein “e” vergessen. Aber selbst Anneliese Krauß findet das nicht so schlimm. Allerdings steht ihr Name natürlich nicht nur zum Spaß in “Bild”. Zitiert wird sie dort – und zwar wie folgt:

‘Das ist so schlimm wie grausame Tierversuche’, wettert Annelise Krauß vom Tierschutzverein Dresden.”

Und das sei nun wirklich “Quatsch”, sagt Krauß, wenn man sie fragt. Weil sie nämlich den von “Bild” zitierten Satz weder gewettert noch gesagt habe. Im Gegenteil: “Das wäre ja auch idiotisch,” sagt Krauß, “denn wenn es um tote Tiere geht, dann ist das ja kein Problem des Tierschutzes!” Zusammenfassend sagt uns die Tierschützerin über die Erfindung von Christian Koch (der laut “Bild” ja “aus Katzen Benzin machen” kann):

“Von unserer Seite ist daran nichts auszusetzen.”

Und genau so habe sie das im Übrigen auch zu “Bild” gesagt. (Aber, so Krauß weiter, wenn “der Herr Helfricht”, also einer der Autoren des “Bild”-Artikels, sie anrufe, dann wisse sie schon aus Erfahrung, dass hinterher Sachen in “Bild” stünden, die sie so gar nicht gesagt habe. Das gehe in Dresden schließlich schon über zehn Jahre so, so Krauß. — Und soviel vielleicht nur zum letzten Absatz des obigen Artikels.)

Kommen wir zum Rest, dem Eigentlichen, also darum, dass “Dr. Christian Koch (55) aus Kleinhartmannsdorf (Sachsen)”, wie es in “Bild” heißt, “aus Katzen Benzin machen” könne: Denn dass die “Benzin”-Überschrift Unsinn ist, verrät schließlich schon der dazugehörige “Bild”-Text selbst, weil darin nur von “Bio-Diesel” oder “Diesel” die Rede ist… Tatsächlich aber hat Koch offenbar eine ungewöhnliche und effektive Alternativmethode zur Treibstoffgewinnung entwickelt: die katalytische drucklose Verölung (KDV), über die beispielsweise schon der MDR im Mai 2003, 3sat im Juli 2004, die “Welt” im Januar 2005, die “Pirmasenser Zeitung” im Juli, der RBB vergangene Woche oder auch RTL berichteten. Und all diesen Berichten ist eines gemein: dass sie dem Gegenstand, über den sie (durchaus auch kritisch) berichten, gerecht werden.

“Bild” indes nennt Kochs Erfindung einen “Spezialreaktor” und schreibt Sätze wie diesen:

“Die Katzen-Kraft lässt sich theoretisch exakt berechnen: Aus einem ausgewachsenen 13-Pfund-Kater könnten 2,5 Liter Sprit entstehen, vier Miezen würden für 100 Kilometer reichen, für eine Tankfüllung wären 20 tote Katzen erforderlich.”

Und fragt man einfach mal nach bei dem “Mann, der (Stuben-)Tiger in den Tank packen kann” (“Bild”), antwortet Christian Koch, der “Bild”-Bericht habe “nichts mit der Wahrheit zu tun” und sei “zudem grenzenlos dumm”. Koch weiter:

“Wie kann man mit gekochtem tierischen Material Auto fahren? Wasser würde jeden Motor sofort zum Stillstand bringen. Hier wird an die niedrigsten Instinkte von dummen Menschen appelliert, um eine wertvolle Entwicklung zu verunglimpfen. (…) Mir zu unterstellen, dass ich mit Tierkadavern herumhantiere, ist kriminell. Das ist nicht im geringsten der Inhalt der Entwicklung und kann deshalb nur als gezielte Verleumdung angesehen werden.”

Auf der Website von Kochs Firma heißt es zudem inzwischen:

Mit Dank an Jan S. für die Anregung.
 
Nachtrag, 12:15:
“Bild” hat die Sache mit der “Katzen-Kraft” heute noch einmal aufgegriffen:

Darf man aus Katzen wirklich Benzin machen?

Doch wenn es jetzt etwas vorsichtiger als gestern heißt, dass Christian Koch “theoretisch auch aus Katzen” Bio-Diesel herstellen “könnte”, wenn jetzt nicht Koch, sondern ein Konkurrent die gestern von “Bild” aus der Luft gegriffene Skandalisierung zurechtrücken darf, wenn nun auch die gelassene Position der Tierschützer weniger sinnenstellend als gestern wiedergegeben wird und sich im heutigen “Bild”-Bericht immerhin ein einziger halbwegs sinnvoller Satz (“Die Diskussion ist überflüssig”) wiederfindet, dann macht das alles den Nonsens von gestern weder ungeschehen noch besser — und sei es nur deshalb, weil es “Bild” offenbar immer noch nicht gelingen will, zwischen “Benzin” (Überschrift) und “Diesel” (Text) zu unterscheiden…

Mehr dazu hier und hier.